[Gastrezension] Pretty Little Liars (Staffel 1)

Titel: Pretty Little Liars (Staffel 1) (engl.: „Pretty Little Liars (Season 1)“)
Idee: Marlene King (Serie) / Sara Shepard (Bücher)
Genre: Mystery / Drama / Romanverfilmung
Musik: Michael Suby
Dauer: 22 Folgen à ca. 42 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 12

„In dem idyllischen Städtchen Rosewood werden viele Geheimnisse gehütet. Die hässlichsten betreffen die vier schönsten Mädchen des Ortes: die Freundinnen Aria, Spencer, Hanna und Emily, deren dunkle Machenschaften jetzt ans Licht kommen. Vor einem Jahr ist die Cliquen-Anführerin Alison verschwunden – die Gemeinschaft der Gruppe zerbrach. Jetzt bekommen die Girls plötzlich Nachrichten von ‚A’ – mit Informationen, die nur Alison kennen kann. A plaudert die Geheimnisse der Mädchen aus, beobachtet sie auf Schritt und Tritt und stößt wilde Drohungen aus. Die Girls verbünden sich erneut, um herauszufinden, was hier vor sich geht: Ist Alison wieder da? Oder verbirgt sich jemand anderer hinter A?“
(Rückentext der DVD)

Seit Jahren schwärmen einige meiner Freundinnen von „Pretty Little Liars“. Auch auf verschiedenen Seiten im Internet bin ich immer wieder auf die Serie gestoßen. Doch wahrhaft auf meinem Radar erschien sie erst, als plötzlich alle über das große Serienfinale in Staffel 7 sprachen. Und weil auch mein Freund mein wachsendes Interesse mitbekam, schenkte er mir zum Valentinstag die erste Staffel. Doch so richtig packte es mich nicht, die Serie zu beginnen. Bis jetzt. Ich fing an und konnte im Prinzip erst aufhören zu schauen, als die Staffel vorbei war.

Aria, Hanna, Emily und Spencer sind vier sechszehnjährige Mädchen, die sich im Prinzip genau um das Sorgen machen, was einen in dem Alter halt beschäftigt: Jungs, Klamotten, Freund- und Feindschaften, Probleme mit den Eltern und der Schulalltag. Doch was sie von ihren Klassenkameraden unterscheidet, ist die Sorge um ihre ehemalige Anführerin Alison. Sie verbrachten vor einem Jahr einen Abend zusammen und am nächsten Morgen war sie spurlos verschwunden. Niemand weiß, was geschehen ist. Doch ein Mensch scheint doch allerhand zu wissen und lässt das die Mädchen in unheimlichen Nachrichten wissen – A.

Die Story in ihren einzelnen Komponenten ist durchaus nicht neu. Von verschwundenen Personen sieht und liest man immer wieder, unheimliche Nachrichten eines Unbekannten bekamen schon die Leute in „Gossip Girl“ und der Alltag von Jugendlichen wird auch in allerhand Serien und Filmen behandelt. Doch die Mischung hier lässt die Serie trotzdem zu etwas Eigenständigem und Besonderem werden.

Ebendiese Mischung und vor allem die beiden Hauptfragen: „Was ist mit Alison passiert?“ und „Wer ist A?“ treiben die Spannung ab der ersten Folge nach oben und lassen den Zuschauer nicht los. Immer dringender will man wissen, wer dahinter steckt. Wer die Mädchen mit den Nachrichten quält, sie bedroht, sie erschreckt und auch dem Zuschauer eine Gänsehaut über den Rücken jagt.
Durch immer neue Rückblenden vervollständigt sich vor allem das Bild von Alison nach und nach immer mehr und neue Verdachtsmomente entstehen bei den vier Mädchen, aber auch beim Zuschauer. Doch auch im Laufe der Nebenhandlungen entstehen Überraschungen und Wendungen, die keinesfalls uninteressant oder langweilig sind. Immer mal wieder müssen Meinungen über Figuren geändert werden und man denkt ständig mit. Das ist ein unglaublich wichtiger Kniff, um den Zuschauer über 900 Minuten, also gut 15,5 Stunden, die die erste Staffel dauert, an den Bildschirm zu fesseln. Und das schaffen die Macher sowas von hervorragend!
Kleine Dämpfer in der Spannung gab es nur, wenn manche Schlüsse zu schnell gezogen oder manche von A platzierte Hinweise zu schnell gefunden wurden. An der einen oder anderen Stelle wirkte es deswegen etwas zu einfach oder nicht ganz überzeugend.

Die Mädchen besetzen ein paar Klischees, werden dabei jedoch nicht unglaubwürdig. Denn „Die Kluge“ bleibt hier nicht einfach nur das und „Das Modepüppchen“ eben auch nicht nur das. Keiner ist eindimensional. Selbst die Nebenfiguren sind zum größten Teil vielschichtig geschaffen und besitzen spannende Charaktere und ganz individuelle Probleme und Sorgen. Für die Zuschauer bieten sich so viele Figuren, mit denen man sich identifizieren kann und zu denen man Sympathien aufbauen kann.
Nicht umsonst wurde ich von meinen Freundinnen noch während ich mitten in der Staffel gesteckt habe, gefragt: „Und? Wer ist dein Favorit bei den Mädchen und wer bei den Jungs?“

Manches Mal wollte ich als Zuschauer der Clique nur zurufen, dass sie mehr eine Gruppe werden sollen. Nicht so vieles erst einmal mit sich selber ausmachen und deswegen immer mehr zum Spielball von A werden. Doch genau an der Stelle muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass die Serie nicht umsonst „Pretty Little Liars“ heißt und auch davon ausgemacht wird, dass alle Charaktere sich gegenseitig belügen.
Das Schauspiel war zwar ab und zu etwas affektiert, das widerspricht aber nicht zwangsläufig der jugendlichen Natur.
Dass die vier Hauptdarstellerinnen zwischen fünf und zehn Jahren älter waren als die dargestellten Figuren, war kein Problem. Zum einen sah man ihnen das nicht an und zum anderen war es sicherlich ein Vorteil beim Transportieren der Gefühle.
Und von Gefühlen gab es allerhand. Ich möchte fast sagen, dass es alle 27 von Forschern definierten Gefühle zu sehen gab. Neben den großen wie Liebe, Angst, Hass oder Eifersucht sind selbst die kleinen da: Nostalgie, Bewunderung, Verwirrung, Glück oder Belustigung. Zu jeder Emotion gibt es sicher mindestens eine Szene, die ihr entspricht. Doch das ist nicht das Erstaunlichste daran. Für mich war viel erstaunlicher die Tatsache, dass ich nicht nur Mitgefühl hatte, sondern das meiste wirklich mitfühlte. Wie noch keine Serie und auch kein Film kamen die Emotionen nicht nur bei mir, sondern in mir an. Auch das macht für mich ein Teil der Faszination dieser Serie aus.

Neben klassischer, stimmungsfördernder und -unterstützender Filmmusik gibt es viele Songs in der Serie. Häufig sind es entspannte, von Frauen gesungene Popsongs, denen ich einen leichten Folk-Einschlag zusprechen würde. Songs, bei denen ich sofort Assoziationen zu Colbie Caillat, Christina Perri und Norah Jones im Kopf hatte. Diese Musik wiegte den Zuschauer in den Charakterszenen schön in Sicherheit, bevor der Spannungsbogen wieder nach oben schnellte, bleibt in der Art jedoch auch eintönig.

Heutige, neue Serien glänzen ja mit immer kürzeren Laufzeiten. Acht bis zehn Folgen sind aktuell eher die Regel als die Ausnahme. Die erste Staffel von „Pretty Little Liars“ ist mittlerweile sieben Jahre alt und überzeugt deswegen noch mit einer stattlichen Anzahl von 22 Folgen à jeweils 42 Minuten. Nicht jede Folge brachte die Story unfassbar weiter und deckte bahnbrechende neue Geheimnisse auf, doch trotzdem gab es keinen Stillstand. Irgendeine Beziehung oder ein Charakter entwickelte sich immer weiter oder es wurden neue Details aus der Vergangenheit entschlüsselt.
Durch das hohe Spannungsniveau kamen kaum Längen auf.

Meine Meinung
Ich habe bei „Pretty Little Liars“ vor dem Schauen immer eine Girlie-Serie erwartet: oberflächlich und für mich uninteressant. Doch etwas ganz anderes habe ich bekommen. Ich wurde von der Serie wie von kaum einer anderen bisher gefesselt und in den Bann gezogen. Zwischendrin musste ich Freundinnen schreiben, um meine Meinung kundzutun. Ich informierte meinen Freund über meine neuen Verdachte und die jeweiligen Indizien dafür. Nach dem Herausnehmen der letzten DVD aus dem Player legte ich direkt Staffel 2, die zum Glück schon in meinem Besitz ist, neben den Fernseher.
Das Ganze klingt wie eine unfassbare Lobhudelei und leider ist es das auch. Ich konnte Schwächen ausmachen, aber sie waren entweder nicht relevant oder nur in einem limitierten Rahmen vorhanden.
Wenn man Lust auf eine Serie mit hübschen Mädchen hat, die keine hübschen Geheimnisse haben und auch nicht vor typischen Teenager-Problemen zurückschreckt, macht man mit „Pretty Little Liars“ nichts verkehrt, sondern alles richtig.

Ich kann ganz klar sagen, dass „Pretty Little Liars“ von jetzt auf gleich zu einer meiner Lieblingsserien wurde.

Meine Wertung:
Story 8,0 von 10
Spannung: 7,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Emotionen: 10 von 10
Schnitt: 9,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
GESAMT: 8,3

Reihenfolge:
1. Pretty Little Liars (Staffel 1)
2. Pretty Little Liars (Staffel 2)
3. Pretty Little Liars (Staffel 3)
4. Pretty Little Liars (Staffel 4)
5. Pretty Little Liars (Staffel 5)
6. Pretty Little Liars (Staffel 6)
7. Pretty Little Liars (Staffel 7)

Autor: buecherherz

7 Gedanken zu „[Gastrezension] Pretty Little Liars (Staffel 1)

  1. nomadenseele

    Beim nächsten Schwung der Bestellungen zum Monatsanfang ist die Serie dabei.

    *Die erste Staffel von „Pretty Little Liars“ ist mittlerweile sieben Jahre alt und überzeugt deswegen noch mit einer stattlichen Anzahl von 22 Folgen à jeweils 42 Minuten. *

    Ich finde kurze Staffeln deutlich angenehmer. Ganz einfach aus Zeitgründen, 8-10 Stunden sind ja auch kein Pappenstil.

    Gefällt 1 Person

    Antwort
    1. buecherherz

      Das freut mich total, dass dich meine Rezension überzeugen konnte.
      Ich bin sehr gespannt, wie du die Serie finden wirst.

      Das stimmt schon, 22 Folgen sind viel, aber ich habe die weggeguckt wie nichts.
      Mittlerweile stecke ich mitten in der vierten Staffel (die nächsten Rezensionen kommen hier nach und nach online). Die ersten drei Staffeln habe ich in 12 Tagen geschaut und die zweite und dritte legen mit 25 beziehungsweise 24 Folgen nochmal was drauf.

      Gefällt 1 Person

      Antwort
  2. Pingback: [Gastrezension] Pretty Little Liars (Staffel 2) | zacksmovie

  3. Pingback: [Gastrezension] Pretty Little Liars (Staffel 3) | zacksmovie

  4. Pingback: [Gastrezension] Pretty Little Liars (Staffel 4) | zacksmovie

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