Sie nannten ihn Jeeg Robot

Titel: Sie nannten ihn Jeeg Robot (ital. „Lo chiamavano Jeeg Robot“)
Genre: Science-Fiction / Fantasy / Action
Regie: Gabriele Mainetti
Musik: Gabriele Mainetti / Michele Braga
Produzenten: Gabriele Mainetti
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„Auf der Flucht vor der Polizei kommt der Kleinkriminelle Enzo mit radioaktivem Abfall in Berührung. Er entwickelt übermenschliche Kräfte, die er konsequent zum eigenen Vorteil nutzt. Als Enzo dabei gefilmt wird, wie er einen Bankautomaten aus der Wand reißt, erlangt er landesweite Berühmtheit und weckt das Interesse des größenwahnsinnigen Mafiabosses Gypsy. Dieser will ihn benutzen, um ganz Rom zu beherrschen. Als Enzo die hübsche und verrückte Alessia trifft, sieht diese in ihm den Manga-Superhelden Jeeg Robot. Sie versucht ihn zu überzeugen, für das Gute zu kämpfen und den Herrn des Feuers zu besiegen…“
(Rückentext der DVD)

Der fünfte Film, den ich zufällig aus dem DVD-Regal gezogen habe ist „Sie nannten ihn Jeeg Robot“.
Die anderen vier waren „Ohne Limit“, „Codename U.N.C.L.E.“, „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ und zu guter Letzt „Iron Sky“. Mal sehen, ob ich mit dem wieder so viel Glück hatte, wie mit fast allen anderen meiner kleinen „Zufallschallenge“.

Die Handlung dreht sich um den Kleinkriminellen Enzo, der durch einen Unfall zu Superkräften kommt. Er erlangt Berühmtheit, nachdem er einen Geldautomaten aus der Wand schlug und riss. Von nun an wird er nicht nur von der Polizei, sondern auch vom durchgeknallten Mafiaboss Gypsy gejagt. Die verrückte Alessia, die er eher zufällig kennenlernt, nennt ihn Jeeg Robot, nach ihrer Lieblingsanimefigur, und versucht ihn von nun an dazu zu überzeugen, Gutes zu tun und sich von der Kriminalität loszusagen.

Die Story um Enzo ist chronologisch und abwechslungsreich erzählt. Dabei erzeugt sie immer wieder Spannung und schafft es, den Zuschauer langfristig und nachhaltig an den Fernseher zu fesseln.
Die Geschichte an sich ist dabei zwar wenig innovativ, aber aufgrund der Inszenierung und dadurch, dass Italien und im Speziellen Rom ein wunderbar unverbrauchtes Bild bietet, erscheint der ganze Streifen in einem interessanten und fesselnden Licht.

Wenn es um die Spannung geht, ist „Jeeg Robot“ auf jeden Fall auf einem guten Weg. Das lässt sich ganz einfach begründen. Wie bereits erwähnt, ist die Geschichte an sich zwar wenig innovativ, allerdings ist die Inszenierung überaus gelungen. Zusätzlich ist die Mischung aus Handlung, Figuren und den entsprechenden Darstellern eine sehr harmonische.

Emotionstechnisch hat „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ auch einiges zu bieten.
Dabei geht es weit über die sichtbaren Emotionen hinaus. Der Grundtenor ist ein eher pessimistischer mit gedämpften Gefühlen. Die charakterliche Entwicklung ist den ganzen Film über stetig und interessant anzusehen. Auch die gezeigten Gefühle sind in der Breite und viel wichtiger in der Tiefe weitestgehend glaubhaft. Es werden nicht nur die üblichen Emotionen wie Wut, Angst, Mut, Trauer oder Hoffnung gezeigt, sondern eben auch Selbstzweifel. Das ganze gepaart mit der Entwicklung, die nahezu jede Figur durchläuft, ist mindestens genauso reizend.

Die Glaubwürdigkeit ist auch absolut vorhanden. Die Leistungen der Darsteller, die durch die Bank in Deutschland nicht bekannt sind, ist überragend. Mit Luca Marinelli bekommt der Zuschauer einen hervorragend spielenden Antagonisten, aber was noch viel besser ist: mit Claudio Santamaria bekommt das Publikum einen richtig gut aufspielenden Protagonisten. Obwohl Enzo von der ersten Minute an eher ein Antiheld ist, wird er doch mit so viel Leben und Charakter gefüllt, dass dem Zuschauer sein Wohl nicht egal ist. Ich persönlich mag es ja, wenn mich ein Film so sehr überzeugt wie dieser.

Die Actionsequenzen sind alle ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist der Streifen die ganze Zeit nicht überladen. Die Action ist immer passend eingesetzt und hat auch sehr gut zur Handlung, Stimmung und Atmosphäre gepasst. Andererseits sehen viele Sequenzen stark bearbeitet bzw. CGI-lastig aus. Das geht sogar so weit, dass „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ leicht trashig aussieht. In dem Fall passt die Action nicht ganz zum Streifen, da so ziemlich alles sehr ursprünglich und bodenständig aussieht. Technisch konnte man wohl die Action nicht anders umsetzen und musste daher auf Greenscreen und CGI zurückgreifen.

Das Setting ist, wie eingangs beschrieben, unverbraucht. Ich fange allerdings mit den Kostümen an, die allesamt sehr normal aussehen. Es gibt keine aufwendigen Kostüme, Rüstungen oder ähnliches. Dieser Umstand lässt Enzo mehr als einen normalen Menschen wirken und unterstreicht auch mehr dieses Antihelden-Image.
Die Maske hat eine echt gute Arbeit geleistet. Wunden und andere körperliche Veränderungen sehen sehr wertig und echt aus. Dabei wird auch nicht übertrieben viel Kunstblut vergossen.
Die Schauplätze bzw. Kulissen sind Rom und seine Umgebung. Italien ist in den letzten Jahren so gut wie ganz in den Hintergrund geraten, wenn es um Filmschauplätze geht. Umso erstaunlicher ist man als Zuschauer, dass man mit „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ einen Streifen bekommt, der so gut wie nichts mit ARTHAUS oder anderen „Kulturfilmen“ zu tun hat. In diesem Setting passt die ganze Geschichte um Enzo sehr, sehr gut.

Die Musik ist absolut passend, meistens auf den Punkt und immer mit dem Vorsatz Spannung zu erzeugen und die Atmosphäre zu stützen. Hin und wieder wird es auch etwas episch, in diesen Momenten weiß man nicht, worauf man mehr achten soll: Film oder Musik? In diesen Szenen ist die musikalische Untermalung tatsächlich drüber und zu sehr im Vordergrund.

Meine Meinung:
„Sie nannten ihn Jeeg Robot“ hat mich vollkommen überrascht. Ich mag den ganzen Film von vorne bis hinten. Zum einen liegt es daran, dass ein (Anti-)Held eher unfreiwillig entsteht und dann auch noch durch radioaktiven Müll. Auch das ist ein Umstand, der extrem gut passt, denn im aktuellen Kino gibt es derzeit keinen Helden, der auf diesem Weg zu seinen Kräften gekommen ist.

Rom bzw. Italien insgesamt hat seit jeher vielfältige Möglichkeiten dargestellt zu werden und es freut mich, endlich mal wieder ein erstaunlich unverbrauchtes Setting zu Gesicht zu bekommen.

Um es auf den Punkt zu bringen: „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ ist ein künstlerisch wertvoller Film, der mit wundervollen Figuren, einem frischem Setting und einer spannenden Inszenierung daherkommt. Ich kann nicht nur, ich muss sogar eine Empfehlung aussprechen und da mich dieser Streifen nicht nur gut unterhalten, sondern auch noch echt überrascht hat, bekommt „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ mein Highlight-Siegel.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 9,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,5 von 10
Action: 6,0 von 10
Setting: 9,0 von 10
GESAMT: 7,7

Iron Sky

Titel: Iron Sky
Genre: Science-Fiction / Komödie
Regie: Timo Vuorensola
Musik: Laibach / Ben Watkins
Produzenten: Tero Kaukomaa / Samuli Torssonen / Oliver Damian
Dauer: ca. 93 Minuten
Erscheinungsjahr: 2012
Altersfreigabe: FSK 12

„Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges schaffen es die Nazis mit Hilfe von riesigen Ufos, sogenannten Reichsflugscheiben, die dunkle Seite des Mondes zu besiedeln. Als sie im Jahr 2018 zufällig von einer amerikanischen Mondmission entdeckt werden, sehen sie ihre Zeit gekommen, um wieder nach der Weltherrschaft zu greifen. Von nun an lastet das Schicksal der Menschheit auf den Schultern von Renate Richter (Julia Dietze), einer von der Nazi-Ideologie überzeugten Lehrerin mit Gretchen-Frisur. Auf der Erde angekommen wird ihr jedoch schnell bewusst, dass sie ihr Leben lang einer Lüge aufgesessen ist. Nur wie soll es ihr gelingen, ihren machtbesessenen Verlobten Klaus Adler (Götz Otto) und dessen Götterdämmerung aufzuhalten?“
(Rückentext der BluRay)

Nummer vier ist gezogen. Die ersten drei Filme waren „Ohne Limit“, „Codename U.N.C.L.E.“ und „Die Abenteuer von Tim und Struppi – das Geheimnis der Einhorn“. Heute ist „Iron Sky“ dran und schon folgt meine Kritik.

Die Handlung dreht sich um Nazis, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf die dunkle Seite des Mondes verzogen haben und dort ihre Ideologie ausgelebt haben. Durch Zufall werden sie entdeckt und beschließen, in die Offensive zu gehen und die Weltherrschaft wieder an sich zu reißen.

Die Story ist chronologisch und ohne Kniffe, Wendungen, Überraschungen oder andere Besonderheiten erzählt. Das macht es dem Publikum ungemein schwer, die ganze Zeit dran zu bleiben. Auch wenn die Handlung hanebüchen ist, hätte man sie zumindest interessant erzählen oder ausschmücken können.

Spannungstechnisch geht bei diesem Film auch mal rein gar nichts. Die Figuren sind dem Zuschauer so was von egal, dass das persönliche Schicksal einzelner Figuren mehr und mehr in den Hintergrund geraten. Es gibt wenig bis keine Punkte, die den Beobachter an diesen Film binden und das liegt nicht nur an der schwachen Geschichte, sondern vor allem auch an der unzureichenden Charakterzeichnung und dem Cast.

Für eine Science-Fiction-Komödie hatte „Iron Sky“ erstaunlich wenig Humor. Nämlich so ziemlich keinen. Wo mich an anderer Stelle „Spaceballs“ sehr erheitert haben, schafft es dieser Film nicht einmal im Ansatz, auch nur ein Grinsen aus mir herauszubekommen. Von vorne bis hinten ist dieser Streifen im Bereich des Humors eine Katastrophe. Weder pointierte, noch situationskomische Begebenheiten gibt es zu sehen. Stattdessen gibt es pseudowitzige Momente, in denen einfach nichts passiert. Das Witzigste ist noch eine Szene, in der sich zwei Nazis über Schambehaarung unterhalten. Was soll das?

Die Laufzeit beträgt ca. 93 Minuten und jede Minute ist einfach zu lang gewesen. Nach 20 Minuten hat man schon das Gefühl, mindestens eine Stunde geguckt zu haben. Am Ende war der Streifen also deutlich zu lang.

Emotionen werden so gut wie keine gezeigt. Hin und wieder sieht man wenig Glaubhaftes oder irgendwelche Bekundungen, (Treue-)Schwüre oder ähnliches. Die Leistung in diesem Bereich fügt sich nahtlos in den gesamten Film ein.

Insgesamt ist die schauspielerische Leistung durchwachsen. Die Figuren werden alle überspitzt dargestellt. Man versteht zwar den satirischen Charakter, allerdings ist das Bild, das die Schauspieler zeigen, was die Figuren abgeben, einfach schwach, unzureichend und bei weitem nicht witzig. Das ist nicht einmal eine Fehlleistung der Darsteller, sondern einfach nur dem Drehbuch geschuldet, da es offensichtlich keine besseren Ideen hatte.
Julia Dietze und Götz Otto, aber auch Christopher Kirby und Udo Kier sind ja per se deswegen keine schlechten Schauspieler.

Musikalisch orientieren sich die Macher stark an Richard Wagner. Der „Ritt der Walküren“ ist ein Stück, das ich meistens auf Anhieb erkenne. Die Untermalung war erstaunlich abwechslungsreich und auch immer passend. Auch wurde die Musik nicht gänzlich zur Unterstützung verwendet, sondern so in den Film eingebaut, dass sie ein verwendetes Element ist.

Ausgerechnet die Spezialeffekte waren extrem gut anzuschauen. Sie erfüllten ihren Zweck und schienen sehr wertig zu sein. „Science-Fiction made in Finland“ könnte also zu einem Qualitätsmerkmal werden. Schade, dass man bisher nicht so viel davon mitbekommen hat.
Die übrige Kameraführung war unaufgeregt. Besonders in Szenen, die auf den Mond spielen, arbeitet man mit einem Grauschleier, in dem die Farben fast bis zum Schwarzweißen verblasst werden.
Ein Mittel, das auf jeden Fall in den Stil des Streifens passt und so auch ein Stückchen Identität widerspiegelt.

Meine Meinung:
„Iron Sky“ hat mir nicht nur nicht gefallen, er hat mich auch noch zu Tode gelangweilt.
Klamauk und Stumpfsinn sind noch nette Begriffe, mit denen ich diesen Film beschreibe.

Dieser Film hat einfach nichts, was mich glücklich macht. Auch wenn die Effekte gut gemacht sind, gibt es einfach zu viele Dinge, über die ich nicht hinwegsehen kann.

Als ich gelesen habe, dass es davon auch noch eine Fortsetzung geben soll, war ich zutiefst erschrocken, denn das könnte bedeuten, dass es noch so einen schlechten Film gibt.

Für „Iron Sky“ gibt es von mir nicht einmal im Ansatz eine Empfehlung.

Meine Wertung:
Spannung: 2,0 von 10
Humor: 1,0 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 2,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 2,0 von 10
Authentizität: 3,0 von 10
Musik: 7,5 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 3,6

Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn

Titel: Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn (engl.: „The Adventures of Tintin“)
Genre: Animationsfilm / Abenteuer
Regie: Steven Spielberg
Musik: John Williams
Produzenten: Steven Spielberg / Peter Jackson / Kathleen Kennedy
Dauer: ca. 107 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
Altersfreigabe: FSK 6

„Der allseits beliebte junge Reporter Tim und sein treu ergebener Hund Struppi – klassische Figuren ihres Schöpfers Hergé – erwachen im internationalen Filmhit ‚Die Abenteuer von Tim und Struppi’ zum Leben. Nach dem Kauf eines Schiffsmodells mit brisantem Inhalt, geraten Tim und seine Freunde ins Visier eines teuflischen Schurken. Erst auf hoher See, dann in der Wüste Nordafrikas: Jede Wendung beschert dem Zuschauer mehr Nervenkitzel, Spannung und Abenteuer für die ganze Familie.“
(Rückentext der BluRay)

Heute habe ich mir einen weiteren von fünf angeschaut. Die ersten beiden waren „Ohne Limit“ und „Codename U.N.C.L.E.“, heute habe ich mich um Steven Spielbergs „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ aus dem Jahr 2011 gekümmert.

Die Zutaten dieses fulminanten Abenteuers sind eine wendungsreiche Geschichte, ein Schiffsmodell, ein Trunkenbold von Kapitän, ein fieser Antagonist und die Neugier eines übereifrigen Reporters mit seinem Hund.
Jener Reporter wird eher unfreiwillig in ein Abenteuer gerissen, das ihn aufs Meer, in die Luft und sogar in die Wüste bringt und immer dabei sein Hund.
Der Rückentext beschreibt am besten die Handlung ohne dabei zu viel zu spoilern.
Allen voran ist die Erzählweise rasant, chronologisch und logisch nachzuvollziehen. Große Sprünge auf der zeitlichen Ebene gibt es nicht. Besonders raffiniert sind Szenen, die in einer Art Rückblende erzählt sind.

Bevor ich an dieser Stelle über die Spannung rede, sei gesagt, dass sich diese aus sehr vielen Elementen zusammen setzt.
Wesentlicher Bestandteil sind Authentizität und Animationen. Auch die Geschichte an sich ist bei einer vernünftigen Inszenierung durchaus ein Mittel, das sehr viel Spannung erzeugen kann.
Wie bereits erwähnt ist der Streifen sehr rasant. Genauso eine Inszenierung ist richtig und wichtig, damit der Film funktioniert. Tim und Struppi waren nie Sherlock Holmes und haben nie ausgefeilte Rätsel benötigt. Auch bei diesem Film ist das Rätsel nicht zu hoch gegriffen und doch knifflig genug, um einen gewissen Reiz auszuüben.
Die Authentizität der Figuren ist nicht weniger als wunderbar. Charakterlich sind sie allesamt fantastisch gezeichnet. Jede Figur hat seine Stärken und Schwächen, diese werden aber nicht übertrieben dargestellt. Wo bei den Kindern besonders die Bilder Eindruck schinden werden, ist es doch die charakterliche Tiefe, die den erwachsenen Beobachter faszinieren wird. Wohl wissentlich, dass es sich bei diesem Streifen nach wie vor um einen Animationsfilm handelt.
Und so bin ich beim dritten Punkt angelangt, der wesentlicher Bestandteil für die Zusammensetzung der Spannung ist: die Animationen.
Sie sind technisch auf einem hohen Niveau und überzeugen auf ganzer Linie, auch heute noch, obwohl der Streifen schon sechs Jahre alt ist. Als Zuschauer bekommt man das Gefühl, dass hier besonders viel Liebe im Film steckt, denn die Animationen sind sehr detailliert. Das animierte Bild der Figuren ist sehr weich und doch sehr nah an der comichaften Vorlage und das ist das Erstaunliche. Die Charaktere bekommen ein aufpoliertes Äußeres ohne dabei ihren Kern, ihr Inneres, zu verlieren.
Fans der Serie werden damals wie heute von der animationsfilmischen Umsetzung nicht enttäuscht.
All diese Punkte sind wichtig, um die Spannung dieses kleinen Meisterwerks zu beurteilen und ich habe an dieser Stelle fast nichts auszusetzen.
Es sind Nuancen, an denen man sich aufziehen kann, so gibt es Szenen und Einstellungen, in denen Haare, Sand oder Regen einfach zu sehr computeranimiert aussehen, obwohl der Streifen die meiste Zeit ein qualitativ anderes Bild zeigt. Darüber hinaus sind die beiden Nebenfiguren Schulze und Schultze nicht so gut getroffen und wirken vielerorts deplatziert.

Die Emotionen sind immer schwer zu beurteilen, da der Zuschauer ja doch auch auf Mimik und Gestik achtet und durch Körpersprache Stimmungen interpretiert. „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ ist aber ein animiertes Abenteuer, in dem man nicht immer am Gesichtsausdruck erkennt, ob die Figur aufgewühlt, wütend oder traurig ist. In den Charakter- und Dialogszenen lässt sich allerdings ein Eindruck gewinnen. Die Gefühlspalette ist limitiert, sowohl in der Breite als auch in der Tiefe. Das ist ein durchaus legitimes Mittel, solange die Handlung unter diesen Voraussetzungen funktioniert und im Fall von Tim und Struppi funktioniert sie sogar recht gut. Es gibt aber durchaus Animationsfilme, die Emotionen besser herausgearbeitet haben und wo man in diesem Punkt näher an den Figuren dran war und sie gerne ins Herz geschlossen hat.

Die Musik ist von John Williams komponiert und wie in nahezu jedem Film, zu dem er die Musik gemacht hat, gibt es nichts zu meckern. Die Untermalung war spannungsfördernd, immer mit einem leichten Touch in Richtung episch. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, dass er Zeuge eines grandiosen Abenteuers ist. Eine perfekt getroffene Untermalung, die im Bereich der animierten Abenteuerfilme seinesgleichen sucht.

Mit einer Laufzeit von ca. 107 Minuten bekommt Groß und Klein einen sehr kurzweiligen und rasanten Film geboten. Die ganze Zeit gibt es keine unnötigen Längen, in denen zu viel Spannung verloren geht.

Meine Meinung:
Ja, „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ ist Film Nummer 3 von 5, den ich nach dem Zufallsprinzip aus meinem DVD-Regal gezogen habe.

Ich hatte wirklich großen Spaß mit diesem Streifen, vor allem weil dieser Film für mich zum Inbegriff von „Abenteuerfilm“ geworden ist. Als ich ihn das erste Mal vor einigen Jahren sah, wusste ich sofort, dass das ein waschechtes und knackiges Abenteuer ist, das auch bei der zweiten, dritten und vierten Sichtung immer noch seinen Reiz, seine Spannung und seine Schönheit behält.
Was wünscht man sich mehr von so einem Film, als das Wissen, gut unterhalten zu werden?

So mancher Realfilm, der in Richtung Abenteuer geht, kann sich von diesem Schmuckstück etwas abschneiden und wird dann immer noch nicht an die Qualität und Intensität dieses Streifens herankommen. Ein absolut sehenswerter Film, der nicht umsonst in meinem DVD-Regal gelandet ist.
Ein Highlight-Siegel ist längst überfällig.

Meine Wertung:
Spannung: 9,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 10 von 10
Animationen: 9,5 von 10
Abenteuer: 10 von 10
GESAMT: 8,9

Codename U.N.C.L.E.

Titel: Codename U.N.C.L.E. (engl. „The Man from U.N.C.L.E.“)
Genre: Action / Komödie
Regie: Guy Ritchie
Musik: Daniel Pemberton
Produzenten: John Davis / Steve Clark-Hall / Lionel Wigram / Guy Ritchie
Dauer: ca. 116 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 12

„Anfang der 1960er-Jahre, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, sehen sich CIA-Agent Solo (Henry Cavill) und KGB-Agent Kuryakin (Armie Hammer) gezwungen, ihre jahrelangen Feindseligkeiten zu überwinden, um gemeinsam gegen ein geheimnisvolles internationales Verbrechersyndikat vorzugehen, weil es das empfindliche Gleichgewicht der Supermächte zu destabilisieren droht. Die Agenten haben zunächst nur einen einzigen Anhaltspunkt auf der Suche nach einem verschwundenen deutschen Wissenschaftler – er allein kann ihnen helfen, sich in das Syndikat einzuschleusen.
Inszeniert wurde dieses coole, stylische Action-Abenteuer von Guy Ritchie.“
(Rückentext der BluRay)

Wie schon bei „Ohne Limit“ habe ich auch dieses Mal per Zufallsprinzip einen Film ausgewählt. Anfänglich waren es fünf Filme, die ich zur Auswahl hatte, nun waren es vier. Bleiben noch drei, die ich auf jeden Fall als nächstes schauen möchte. Welche das sind, erfahrt ihr natürlich nach und nach hier auf dem Blog. Heute kümmere ich mich aber erstmal um „Codename U.N.C.L.E.“.

Der Rückentext hilft schon ziemlich gut, den Stoff einzuordnen und gibt eine grobe Richtung vor. Genauer betrachtet steht die Handlung des Filmes aber durchaus in Konkurrenz zu einem James Bond Film. An dieser Stelle muss ich aber auch sagen, wer hier ein Bond-Abklatsch erwartet, wird überrascht und enttäuscht zugleich.

Die Geschichte dreht sich um zwei Superagenten, eine Ost-Berliner-Automechanikerin und Pläne für eine Atombombe. Da steckt unglaublich viel Potential hinter, das der Film nicht gänzlich aber zum größten Teil ausschöpfen kann. Die Inszenierung ist wild, dreckig und absolut stilecht. Die Erzählweise ist chronologisch, spannungsfördernd und witzig mit Elementen, die mehrfach gedeutet werden können. Oder kurz: Man bekommt einen echten Guy-Ritchie-Film. Und das ist auch schon größtenteils das Hauptargument für diesen Film. Natürlich gibt es auch ganz viele andere Punkte, die für „Codename U.N.C.L.E.“ sprechen, aber mit dem Namen des Regisseurs bekommt man schon mal eine gewisse Vorahnung.

Spannung, Emotionen und Originalität laufen unter einem großen Punkt zusammen, nämlich in der Atmosphäre. Guy Ritchie schafft es immer, in seinen Filmen eine ganz besondere Aura zu erzeugen und so reiht sich „Codename U.N.C.L.E.“ grandios in sein filmschaffendes Wirken. Tatsächlich fällt es mir schwer, einen Anfang zu finden.
Alleine die Kombination aus 1960er-Jahre Spionagefilm, den stilechten Schauplätzen, dem Look, der Musik, der Auswahl der Darsteller, der Leistung der Schauspieler, den Figuren und der Thematik, die so typisch, ja gefühlt klischeehaft, ist, aber dann auch so knallhart zu überzeugen weiß, macht diesen Film zum kleinen Highlight.
Die Darsteller: Henry Cavill, Armie Hammer und Alicia Vikander sind überzeugend, authentisch und passen optisch wunderbar in die Zeit, in der der Film spielt. Mit Elizabeth Debicki und Hugh Grant wartet der Streifen mit zwei weiteren wunderbaren Darstellern auf. Durch Sylvester Groth und Christian Berkel wird das Ensemble durch zwei deutsche Schauspieler abgerundet. Ersterer bekommt mehr Screentime und ist auf eine ganz besondere Art und Weise faszinierend und überzeugend.
Auch die Charakterszenen und die daraus resultierenden Dialoge bringen Spaß, haben Witz und überzeugen.

Emotionstechnisch birgt dieser Film viele Facetten. Es gibt Momente, in denen er stark zurückgenommen ist und im nächsten Moment schafft er es, geladen voller Gefühl daher zu kommen und – zwar nicht zu berühren – zu überraschen.
Da stört es auch nicht, dass es für einen kurzen Moment einen Anflug von Klischee gibt. Zum Glück bleibt es bei diesem kurzen Moment.

Zum Setting lässt sich viel sagen, aber nichts Negatives.
Es werden verschiedene Schauplätze genutzt, die auch echt sind und zum Geschehen passen. Von Ost-Berlin bekommt man den vermutlich authentischsten Ort zu sehen: Checkpoint Charlie. Ein Großteil der Geschichte spielt in Italien und auch dort sind die verwendeten Schauplätze stilecht inszeniert. Innenraumaufnahmen fühlen sich an, wie aus einer anderen Zeit. Die Möbel, die verwendeten Requisiten und die Kostüme passen unfassbar gut in die Zeit. Auch die Autos, Motorräder und das Design der Straßen stammen aus den ´60ern.
Die Kameraarbeit und auch die Einblendungen erinnern an alte Filme. Mit großen gelben Lettern fängt der Streifen an und zieht den Zuschauer von der ersten Sekunde an in eine komplett andere Welt. Die Welt von „Codename U.N.C.L.E.“ ist facettenreich, birgt Spannung und hat das gewisse Etwas, das von einem Besitz nimmt.

Die Action beschränkt sich nicht nur auf die üblichen Spionagetätigkeiten, sondern hat da auch ganz klassische Verfolgungsjagden und Schießereien parat. Auch ein unorthodox geführter Faustkampf zwischen zwei Männern veranschaulicht die Bandbreite der genutzten Action. Effekte und Aktionen, die im Zuge der aufregenden Szenen verwendet werden, sehen die ganze Zeit über nie billig aus. Explosionen und Stunteinlagen sehen sehr wertig aus und bringen Spaß.

Der Musik kommt eine doppelte Bedeutung zu. Zum einen bekommen wir sehr viel ´60er-Jahre-Songs zu hören, die mitunter die Geschichte tragen und ganze Passagen einleiten. Zum anderen gibt es ganz klassische spannungsfördernde Musik, die einzelne Szenen untermalt und unterstützt. In beiden Fällen ist der Einsatz und die Songauswahl nicht nur passend, sondern auch über alle Maßen überzeugend.

Mit ca. 116 Minuten ist der Streifen auch nicht zu lang. Für mich persönlich war er eher noch zu kurz. Auch wenn die Geschichte auserzählt war, hätte ich ihn mir allein aufgrund der Atmosphäre, Figuren und Darbietung noch Stunden angucken können. Da man schon vom ersten Moment eine besondere Verbindung zu dem Streifen bekommt, möchte man das Ende oder einen Showdown hinauszögern. Nichtsdestotrotz fieberte ich ihm förmlich entgegen.

Meine Meinung:
Am Ende einer hoffentlich nicht allzu verwirrenden Kritik steht auch meine Meinung. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich viel Spaß mit „Codename U.N.C.L.E.“ hatte und ich hatte echte Schwierigkeiten, diese Rezension zu schreiben, denn in meinem Kopf hat sich alles überworfen. Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll. Der Streifen ist einfach toll, ein Highlight, ein Film, den ich mir definitiv noch öfter anschauen werde.

Als Zuschauer merkt man richtig, dass die Darsteller Freude an der Zusammenarbeit mit Guy Ritchie hatten. Jede Szene strotzte vor Spielfreude und Überzeugung. Bei all den vielen Dingen, die der Streifen richtig macht, fehlt es ihm aber dennoch an der einen oder anderen Stelle an Durchschlagskraft. Insbesondere die Story macht hier auf sich aufmerksam. Sie ist gut erzählt und inszeniert, allerdings ist sie eben klassisch und nicht innovativ.
Zu bemängeln habe ich außerdem die Laufzeit. Für mich hätte der Streifen definitiv noch länger dauern können.

Am Ende bleibt mir zu sagen, dass „Codename U.N.C.L.E.“ die typische Guy Ritchie Handschrift trägt und damit nicht weniger als ein Hightlight-Film ist.

Meine Wertung:
Spannung: 9,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 10 von 10
Setting: 10 von 10
Action: 8,5 von 10
Musik: 10 von 10
GESAMT: 9,0

Ohne Limit

Titel: Ohne Limit (engl. „Limitless“)
Genre: Science-Fiction / Thriller
Regie: Neil Burger
Musik: Paul Leonard-Morgan
Produzenten: Ryan Kavanaugh / Leslie Dixon / Scott Kroopf
Dauer: ca. 101 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
Altersfreigabe: FSK 16

„Eddie Morras Leben verläuft nicht gerade auf der Überholspur. Der erfolglose Schriftsteller treibt sich lieber in den Bars von New York herum, als seinen Roman fertigzustellen. Zufällig begegnet er eines Tages einem alten Bekannten, der ihm eine Designerdroge anbietet. Und dieses Mittel wirkt Wunder: Innerhalb kürzester Zeit ist Eddie in der Lage, die volle Kapazität seines Gehirns zu nutzen. Plötzlich ist alles ganz leicht! Doch bald merkt Eddie, auf welches gefährliche Spiel er sich eingelassen hat. Die Droge ermöglicht ein Leben ohne Limit – aber nicht ohne Preis…“
(Rückentext der DVD)

Ich sah ein, zwei Folgen der Serie „Limitless“ im TV, ehe ich mich dazu entschloss, sie mir auf DVD zu kaufen. Erst im Nachhinein stellte ich fest, dass die Serie auf dem Film „Ohne Limit“ aufbaut und schon sah ich mich gezwungen, mir ebenfalls den Film zu kaufen, da ich ihn noch nicht kannte.
Ich bilde mir dabei immer ein, dass man alles umfänglich kennen muss, um die Tragweite einer Geschichte zu verstehen. Ich bekomme gerade Lust auf die Serie, doch bevor ich damit beginne, schaue ich mir den Film an. Habe ich jetzt getan, meine Kritik findet ihr hier.

Die Geschichte basiert auf dem Buch „The Dark Fields“ (deutscher Titel: „Stoff“) von Alan Glynn. Alles dreht sich um Eddie Morra, ein Schriftsteller, der keinen Erfolg hat. Durch eine experimentelle Droge, die er von einem Bekannten bekommt, steigert sich die Leistungsfähigkeit seines Gehirns und er beginnt, strukturiert, konzentriert und analytisch in allen Bereichen seines Lebens zu arbeiten und zu entscheiden. Durch ebenjene Droge verändert sich alles in seinem Leben, beginnend mit ihm selbst. Die Geschichte zeigt die Verwandlung eines Mannes, der von nahezu ganz unten kommt und seinen Weg nach ganz oben findet. Die Art und Weise, wie er es macht, ist dabei erstaunlich.
Die Erzählweise ist raffiniert, denn der Zuschauer bekommt alles aus der Sicht von Eddie mit, wir sind quasi in seinem Kopf. Immer wieder spricht er auch aus dem Off zum Publikum und analysiert Situationen, erklärt Zusammenhänge und erzählt uns, in welcher Situation er sich befindet. Darüber hinaus wird nahezu der komplette Film in einer riesigen Rückblende erzählt.

Die Emotionen sind weitestgehend zurückgenommen. Es gibt nur wenige Momente, in denen die Gefühle der Grund einer Handlung sind und das passt in das Bild des Protagonisten. Er ist am Anfang noch sehr von seinem Gemütszustand abhängig, was sich im Laufe der Zeit vollkommen ändert. Rationale Entscheidungen dominieren das Geschehen und die Emotionen verlieren zwar nicht an Bedeutung, jedoch rücken sie stark in den Hintergrund.
Bradley Cooper verkörpert die Figur des Eddie Morra extrem glaubwürdig und auch die Nebendarsteller machen ihre Sache wirklich gut.
Es fällt dabei auf, dass niemand drüber gewesen ist oder aus irgendwie unverständlichen Gründen handelt. Auch die gezeigten Emotionen sind bei dieser Betrachtungsweise logisch und schlüssig. Durch die Bank eine grundsolide Leistung von allen Beteiligten.

Spannungstechnisch fährt „Ohne Limit“ auf der Überholspur. Eine gute Story, gepaart mit wirklich guten Darstellern, einer rasanten Inszenierung und einer wunderbaren Erzählstruktur sind in diesem Fall die Mischung. Die ca. 101 Minuten wirken aus diesem Grund sehr kurzweilig und auch sonst weiß der Streifen durch die Atmosphäre und den Figuren zu überzeugen.
„Ohne Limit“ fühlt sich zeitweise an wie ein Actionfilm, da es viele Ortswechsel und Schnitte gibt, die die rasante Inszenierung begünstigt. Als Zuschauer ist man stets interessiert und gefesselt, wie es weitergeht und wo es den Protagonisten hinführt.

Das Setting ist sehr vielfältig. Kulissen, Kostüme und Kameraarbeit sind abwechslungsreich und sorgen immer wieder für ein ganz besonderes Flair.
Anfänglich wird der Streifen von einem kontrastarmen Bild dominiert, in dem alles sehr grau und ohne Struktur ist. Im Mittelteil ist der Film so unglaublich bunt und sogar überbelichtet, sowohl das Bild als auch die Lebensumstände des Protagonisten sind aufgeräumt. Ein dritter Filter kommt ganz zum Schluss noch zum Einsatz.
Das Spiel mit der Kamera und den Filtern ist über aller Maßen überzeugend und bringt einfach nur Spaß.

In dem Punkt der Musik bekommt das Publikum rein unterstützende Klänge zu hören. Es sind keine richtigen Songs, keine Melodien, die sich in irgendeiner Form in den Vordergrund stellen und auch nichts, was dem Streifen in irgendeiner Form die Show stiehlt. Eine bessere Untermalung hätte dem Streifen wesentlich besser zu Gesicht gestanden, denn die Melodien, die man hört sollen zwar spannungsfördernd sein, sind es aber nur bedingt.

Meine Meinung:
„Ohne Limit“ bietet eine tolle Geschichte und mehr noch eine rasante Erzählstruktur, die mich sehr gefesselt und überzeugt hat. Auch ohne den Film gesehen zu haben, schafft er durch die Darsteller Bradley Cooper und Robert De Niro bereits ein grundsätzliche Interesse.

Die ganze Zeit über habe ich mich sehr unterhalten gefühlt, auch wenn mich der Grundgedanke hinter der ganzen Geschichte ein wenig an „Lucy“ erinnerte, der zwar drei Jahre jünger als „Ohne Limit“ ist, den ich aber zuerst sah. Thematisch läuft es eben auf den 10-Prozent-Mythos hinaus, der besagt, dass wir alle nur ca. 10 Prozent unseres Gehirns nutzen. Die restlichen 90 Prozent sind freie Kapazitäten, die ungenutzt bleiben.

Ich bin fasziniert von diesem Mythos. Auch wenn er Quatsch ist, bietet er doch genügend Möglichkeiten einer filmischen Umsetzung. „Ohne Limit“ schlägt zwar nur so halb in diese Kerbe, aber weiß sehr zu unterhalten.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Setting: 8,5 von 10
Musik: 5,5 von 10
GESAMT: 7,8

Die Legende von Aang

Titel: Die Legende von Aang (engl.: „The Last Airbender“)
Genre: Action / Fantasy
Regie: M. Night Shyamalan
Musik: James Newton Howard
Produzenten: Frank Marshall / Sam Mercer / M. Night Shyamalan
Dauer: ca. 99 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 6

„Erlebe die atemberaubende Realverfilmung, die auf den Abenteuern der Nickelodeon-Serie ‚Avatar: Der Herr der Elemente’ basiert. Begleite Aang, einen außergewöhnlichen Jungen, ausgestattet mit unglaublichen Kräften der ‚Bändigung’, auf seiner Reise durch ein exotisches Land voller magischer Kreaturen und mächtiger Verbündeter. Als Avatar ist er der einzige, der den uralten Konflikt zwischen den vier Nationen Luft, Wasser, Erde und Feuer beenden kann. Eine inspirierende Reise: ‚Der Herr der Elemente’ ist fesselnde Unterhaltung für die ganze Familie!“
(Rückentext der DVD)

Beim sogenannten „Media Monday“ hat John von der Filmexe-Crew etwas über den Film „Die Legende von Aang“ bzw. seine Grundlage „Avatar: Der Herr der Elemente“ erwähnt und brachte mich wieder auf die Idee, diesen Film zu schauen. Habe ich ihn doch damals im Kino gesehen. Damals, vor sieben Jahren, war es mein erster Film, den ich in 3D gesehen habe. Inzwischen sind einige Jahre seit seiner Veröffentlichung vergangen und ich habe diesem Film einer zweiten Sichtung unterzogen.
Hier findet ihr meine Kritik zu „Die Legende von Aang“.

Die Handlung orientiert sich sehr stark an seiner Vorlage „Avatar: Der Herr der Elemente“, das erkennt man auch daran, dass am Anfang, bevor der Film eigentlich losgeht „Buch Eins: Wasser“ den Bildschirm ziert. Darüber hinaus ist der Rückentext ziemlich nichtssagend, denn er beschreibt nicht wirklich die Handlung als viel mehr das übergeordnete Ziel der gesamten Serie. Was in diesem Film passieren wird oder wohin er gehen soll, ist nicht bekannt.
Der Zuschauer wird in diesem Fall dann etwas überrascht sein, denn magische Kreaturen sucht man verzweifelt.
Die Geschichte dreht sich um Aang, den jungen, der ein Element manipulieren kann. „Buch Eins: Wasser“ dreht sich im Wesentlichen darum, dass er lernt, ebenjenes Element zu kontrollieren.
Die Story ist dabei die ganze Zeit chronologisch, nicht verwirrend und für unwissende durchaus wendungsreich. Für Kenner ist der Film eine eins zu eins Realadaption der Zeichentrickserie. Hin und wieder wird das Geschehen von Katara aus dem Off kommentiert, um die Handlungen in geordnete Bahnen zu lenken.

Spannungstechnisch hat der Streifen nicht nur eine interessante und fesselnde Geschichte zu bieten, auch die Inszenierung war stilecht und schön anzusehen. Die Figuren haben genügend Zeit bekommen, um eine Verbindung untereinander, aber auch zum Zuschauer, aufzubauen und so ist das Publikum immer involviert und fühlt mit. Das Schicksal der Figuren ist dem Beobachter nicht egal. Diese Barriere zu durchschreiten ist für die Wirkung eines Filmes sehr wichtig, vor allem, wenn im Prinzip noch zwei weitere Filme folgen sollen/sollten. Eine tiefe Bindung ist „Die Legende von Aang“ allerdings noch nicht eingegangen. An dieser Stelle ist ungenutztes Potential in jedem Fall vorhanden.

Die Actionsequenzen sind ein besonderes Stilelement, das diesen Streifen durchaus auch auszeichnet. Die Effekte sahen in diesem Zusammenhang nie billig oder zu sehr computertechnisch aus, obwohl die meisten aus der digitalen Schmiede gekommen sind. Man bekam dadurch nicht nur eine Vielzahl unterschiedlichster Actionsequenzen zu sehen, sondern auch viele Arten der Darstellung. Das „Bändigen“ der Elemente bietet viele Chancen der Darstellung und M. Night Shyamalan hat da seine klaren und wunderbaren Vorstellungen gehabt, die er erstklassig umgesetzt hat. Die Action beschränkt sich nicht nur auf Kampfszenen, auch Verfolgungsjagden sind wesentlicher Bestandteil für eine actiongesteuerte Spannung.
Den Spagat zwischen Charakterszenen und Actionszenen schafft der Streifen nicht zu 100 Prozent. Auf Kosten der ruhigeren Szenen flieht „Die Legende von Aang“ sich zeitweise in wirklich gute und formschöne aufregende Sequenzen.

Im Bereich der Emotionen gibt es einige sehr gute und tiefe Momente, allerdings fehlt es zeitweise an zwiespältigen und inneren Kämpfen, die mitunter ein zentrales Thema für Aang in der Zeichentrickvorlage gewesen sind. Der Punkt der eigenen Identifikation wird über einige Folgen behandelt, im Film wird ihm jedoch nur eine kurze Zeit eingeräumt. Zu wenig Zeit, um den Zuschauer dieses Thema emotional glaubhaft darzulegen.
An anderer Stelle sei aber gesagt, dass es auch wesentlich bessere Momente in der Darstellung der Gefühle gibt. Diese sind durchaus glaubhaft, aber im Wesentlichen sieht man als Zuschauer einfach zu wenig.

Die Glaubwürdigkeit der Figuren ist im Kern gegeben, auch wenn die Auswahl der Darsteller rein optisch sehr fragwürdig gewesen ist. Wo es bei Aang und Katara noch gepasst hat, war bei allen anderen eine optische Annäherung nicht vorhanden. Im Fall von Prinz Zuko und seinem Onkel General Iroh ist nicht einmal ansatzweise eine Ähnlichkeit vorhanden. Dev Patel ist obendrein als Zuko nicht nur optisch nicht geeignet, sondern auch in allen anderen Punkten. Ihm fehlt in seiner Darstellung das Böse und der Drang, seinem Vater endlich gerecht zu werden.
In den Wesenszügen ist es da bei Shaun Toub als General Iroh wesentlich besser. Er kommt seiner Zeichentrickvorlage sehr nahe und hat mir grundsätzlich gut gefallen.
Noah Ringer spielt Aang und dennoch lebt der Film nicht von seiner Performance. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel aller Figuren, die die Leistung des gesamten Casts ausmacht.
Es gibt keine Leistung im Film, die besonders herausragend oder erwähnenswert ist. Wenn man sich im Bereich der Fantasy-Action-Filme umschaut, findet man Streifen, deren Darsteller wesentlich glaubhafter sind, andererseits gibt es auch Beispiele für schlechtere Exemplare.

Das Setting und die Kostüme sind sehr gut ausgewählt. Auch die Kameraführung ist als etwas Besonderes hervorzuheben. Die gezeigten Bilder sind atemberaubend und doch muss man sagen, dass die meisten Aufnahmen aus dem Computer stammen.
Der Zuschauer, der sich auch schon die Zeichentrickserie angeschaut hat, wird wieder ein Gefühl für sie bekommen. Die Einstellungen und die daraus resultierenden Bilder sind sehr nah am Original dran, ebenso auch die Kostüme, die alle scheinbar eine Nachbildung der Zeichentrickvorlage zu sein scheinen. Hier hat man gute Arbeit geleistet und viel Liebe zum Detail bewiesen.

Die musikalische Unterstützung ist auf einem hohen Niveau. Im ganzen Streifen scheint es nicht still zu sein und in der Tat gab es nur sehr wenige Momente, in denen die Musik komplett aus war.
Der audio-visuelle Höhepunkt erreicht das Publikum und lässt es mit komplett offenen Mündern zurück, während sich der Streifen in den Abspann verabschiedet. Davor ist die musikalische Untermalung immer passend, selten dominant aber immer mit einem leicht pathetischen Touch.

Meine Meinung:
„Die Legende von Aang“ hat von amerikanischen Kritikern überwiegend eine negative Bewertung erhalten und auch hier zu Lande ist man sich sicher, dass dieser Streifen kein Meisterwerk ist. Ich kann mich dem anschließen, muss aber auch sagen, dass dieser Film mit Überraschungen und durchaus gelungenen Bildern daherkommt.

Die Actionsequenzen sind einzigartig und obwohl der Streifen voller CGI-Effekte ist, sieht es nicht danach aus. Insgesamt wartet der Film in jeder Hinsicht mit einzigartigen Bildern auf.
Mit ca. 99 Minuten bekommt man einen sehr kurzweiligen und unterhaltsamen Streifen.

Die Musik war wirklich extrem gut, sehr passend und darüber hinaus mit unglaublichem Unterhaltungswert.
Unterm Strich bleibt also ein guter Film, der zwar seine Schwächen hat, aber durch seine Stärken zu überzeugen weiß.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Action: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 4,5 von 10
Setting: 7,5 von 10
Musik: 9,0 von 10
GESAMT: 6,9

American Crime Story – The People v. O.J. Simpson (Staffel 1)

Titel: American Crime Story – The People v. O.J. Simpson (Season 1)
Idee: Scott Alexander / Larry Karaszewski
Genre: Drama
Titellied:
Dauer: 10 Folgen à ca. 55 Minuten
Erscheinungsjahr: USA: 2016 / Deutschland: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

„Die erste Staffel der neuen Anthologieserie American Crime Story dreht sich um den explosiven und absolut fesselnden Mordprozess gegen Ex-Footballer O.J. Simpson! Aus der Sicht der Rechtsanwälte werden einmal die chaotischen Ereignisse hinter geschlossenen Türen geschildert und es wird ergründet, wie die Selbstüberschätzung der Staatsanwaltschaft, der Scharfsinn der Verteidigung und schockierende Wendungen im Gerichtssaal zu einem der erschütterndsten Urteile aller Zeiten führte. Unterstützt durch eine phänomenale Besetzung, darunter u.a. John Travolta, Cuba Gooding Jr. und Sarah Paulson, ist ‚The People v. O.J. Simpson’ zweifellos eine der besten Verfilmungen eines Strafprozesses die es gibt! Ryan Murphy (u.a. ‚Nip Tuck’ / ‚American Horror Story’) schuf hier eine weitere Ausnahmeserie, welche bereits mit ihrer ersten Staffel mit zahlreichen Preisen wie 9 Emmy Awards und 2 Golden Globes, u.a. jeweils als ‚Beste Miniserie’ ausgezeichnet wurde!“
(Rückentext der DVD)

Als ich das erste Mal von „American Crime Story“ hörte, dachte ich gleich an die andere Serie mit einem ähnlichen Titel: „American Horror Story“. Die Ähnlichkeit lässt sich einfach erklären: Die Schöpfer der Horrorserie wirken auch an diesem Format mit und zwar als Produzenten.
Ich bin nicht für Horror zu haben, doch nachdem ich die ersten Infos über diese Serie erfahren habe, war mir klar, dass ich dieses Mal mitschauen kann, üblicherweise schreibt sonst buecherherz Artikel zum Horrorformat, aber jetzt darf ich.

Die erste Staffel von „Amercian Crime Story“ erzählt vom Strafprozess gegen O.J. Simpson und basiert auf dem Buch „The Run of His Life: The People v. O.J. Simpson“ von Jeffrey Toobin.

Die Serie beginnt kurz nach dem Mord an Nicole Brown und Ronald Goldman und endet mehr als ein Jahr später mit der Urteilsverkündung im Strafprozess gegen O.J. Simpson.
Die Geschichte ist sehr detailliert und chronologisch erzählt. Es wird sich sehr stark an das Buch gehalten und zeigt wertfrei und absolut neutral die Geschehnisse um ebenjenen aufsehenerregenden Prozess. Die Erzählweise ist zwar nicht sehr einfallsreich, aber dafür sehr faktenorientiert. Besonders interessant ist die Darlegung der Beweise. Der Prozess selbst steht bei dieser Anthologie nicht mal im Vordergrund, eher alles das, was nebenbei passierte. Die Verhandlung gewann dadurch an Würze und kann durch die gezeigten Ereignisse in einem komplett neuen Licht betrachtet werden.

„American Crime Story“ ist nicht so richtig spannend, stattdessen ist diese Serie von der ersten Minute sehr interessant. Man wird zu keiner Sekunde gefesselt und selten verspürt man den Drang, noch eine Folge sehen zu müssen. Als Zuschauer konnte ich mir die 10 Episoden in lockeren 10 Tagen anschauen, weil der Bedarf mit einer Folge gut gedeckt war. Andere Serien haben da einen weitaus größeren Suchtfaktor. Das liegt vor allem aber auch daran, dass hier kein richtiger Spannungsbogen erzeugt wird.

Die Emotionen sind sehr vielfältig. Nicht nur Cuba Gooding Jr. oder John Travolta spielen hervorragend auf, sondern vor allem auch Sarah Paulson und David Schwimmer. Letzterer gibt in seiner Rolle als Robert Kardashian nicht nur optisch alles, sondern ist so breit aufgestellt, wie man es selten von einem Darsteller kennt. Nicht oft bekommt der Zuschauer eine so extrem hin- und her gerissene Figur zu sehen wie in dieser Staffel von „American Crime Story“. Gefühlstechnisch nimmt uns diese Serie auf eine Achterbahnfahrt mit. Als Hauptdarsteller muss Cuba Gooding Jr. einen Großteil der Handlung auf seinen Schultern tragen und das macht er mit Bravour. Vor allem sein Minenspiel, seine Ausstrahlung und die Darstellung dieses Charakters sind gleichermaßen herausragend. Sogar die Nebendarsteller sind optisch passgenau besetzt. Auch sie haben es in ihren kleinen Momenten geschafft, mich von der ersten Minute an zu überzeugen. An dieser Stelle gibt ebenso wenig Punktabzug, wie im Punkt der Authentizität.
Ein spannender Nebenfakt ist dabei, dass sich die Besetzung optisch unglaublich nah an den realen Personen bewegt – die Ähnlichkeit war faszinierend. Wenn man die echten Vorbilder googelt, wird schnell klar, wie echt alles wirken soll und wie gut die Maske an diesem Set gearbeitet hat. Selbst auf Kleinigkeiten wie Krawatten oder Brillengestelle wurde geachtet.
Die Leistung der Darsteller ist beeindruckend und davor ziehe ich meinen Hut.

Die Kulissen und Kostüme sind originalgetreu. Man sieht oft diesen Gerichtssaal, das Gefängnis von innen, genau so aber auch die Einrichtung der Staatsanwaltschaft. Nachbildungen des Tatorts, des Hauses von O.J., andere Einrichtungen oder Außenaufnahmen gibt es bis auf ein zwei Ausnahmen keine. Die Kostüme passen perfekt in die Zeit und versetzen einen sofort wieder zurück in die 1990er Jahre.
Die Kameraführung ist mal was anderes und nicht so standardisiert, das lässt sich wie folgt beschreiben und erklären:
Die Kameraeinstellungen vom Prozess sind originalgetreu zu denen, die es Mitte der ´90er Jahre gab, als die Verhandlung in den USA im TV ausgestrahlt wurde. So gibt es innerhalb eines Verhandlungstages unterschiedlichste Einstellungen aus nahezu allen Perspektiven. Auch werden alte Aufnahmen, die man aus dem realen Fernsehen kennt, wie die Verfolgungsjagd auf dem Highway oder die Verhaftung von O.J., eins zu eins nachgestellt. Teilweise werden auch Originalaufnahmen in die Serie eingebaut, diese sind aber nicht verwirrend und zeigen auch keine Personen, die aktiv zur Handlung gehören.
Am Ende bleiben also vielfältige Kameraeinstellungen mit sehr eintönigen Kulissen und zeitgemäßen Kostümen.

Mit einer Gesamtanzahl von 10 Episoden, die alle zwischen 38 bis 63 Minuten Länge haben, kommt diese Serie gefühlt zu kurz. Allerdings ist die Handlung auch wirklich auserzählt, nicht zu vergessen sind die Längen, die es immer wieder gibt. Als Zuschauer wird man an diesem Punkt vor eine schwere Wahl gestellt.

Die Musik ist stark zurückgenommen. Es gibt nur vereinzelt ganz leise unterstützende klassische Lieder, die einer Folge meistens am Ende eine besondere Atmosphäre verleihen soll. Hier steht ganz klar die Handlung im Fordergrund, aber etwas spannungsfördernde Musik hätte der Serie insgesamt nicht geschadet.

Meine Meinung:
Ich hatte grundsätzlich Spaß mit „American Crime Story“. Ich kann auch jedem diese Serie empfehlen, solange er Interesse an solchen Anthologien hat und sich, in diesem besonderen Fall, mit dem Fall von O. J. Simpson auseinandersetzen möchte.
Aufgrund der fehlenden Spannung bleibt es mitunter schwierig, diszipliniert am Ball zu bleiben.
Schnell schaut man mal auf das Smartphone und liest die eine oder andere Nachricht.

Die Handlung ist, an und für sich, schön inszeniert und die Darsteller liefern hier eine grandiose Arbeit ab. Alleine aufgrund der sehr guten Leistungen der Schauspieler, sollte man sich diese Serie anschauen.

Meine Wertung:
Story: 7,0 von 10
Spannung: 5,5 von 10
Länge: 6,0 von 10
Authentizität: 10 von 10
Emotionen: 10 von 10
Setting: 7,0 von 10
Musik: 5,0 von 10
GESAMT: 7,2

Die Piratenbraut

Titel: Die Piratenbraut (engl. „Cutthroat Island“)
Genre: Abenteuer / Fantasy
Regie: Renny Harlin
Musik: John Debney
Produzenten: James Gorman / Renny Harlin / Laurence Mark / Joel B. Michaels
Dauer: ca. 119 Minuten
Erscheinungsjahr: 1995
Altersfreigabe: FSK 12

„Der gewaltigste Piratenschatz aller Zeiten. Eine Schatzkarte, deren Teile sich im Besitz von drei Brüdern befinden. Und der ungestüme Mord von einem der Brüder an dem anderen. Morgan Adams, die Tochter des ermordeten Piratenkönigs, will den Schatz heben. Hilfe findet die Piratin aber nur bei dem Dieb William Shaw, den sie in einer gewagten Rettungsaktion vor der Versklavung bewahrt.
Bald haben sie zwei Kartenteile gefunden, doch während eines schweren Sturms meutert die Besatzung. Morgan wird samt ihren Anhängern in einem Ruderboot ausgesetzt. Wie es der Zufall will, überleben sie das Unwetter und stranden auf der geheimnisvollen Schatzinsel – aber es fehlt immer noch der letzte Teil der Karte! Und den hat kein anderer als der brutale Brudermörder Dawg Brown…“
(Rückentext der DVD)

Einer meiner engsten Freunde hat mir eine ganze Reihe an Filmen ausgeliehen mit dem Kommentar: „Junge, die Filme musst du gesehen haben, ich finde sie alle toll.“
Nun ja, bei einigen Streifen kann ich es sehr gut nachvollziehen, ob aber „Die Piratenbraut“ auch dazu gehört, erfahrt ihr nun in meiner Kritik.

Genau so wie sich der Rückentext lesen lässt, lässt sich auch der Film anschauen.
Die Geschichte dreht sich um eine Frau, eine Piratin, die auf der Suche nach dem größten Schatz der Geschichte ist. Ihr eigener Onkel macht Jagd auf sie, weil er ebenjenen Schatz für sich beansprucht und da schreckt er auch nicht vor Mord zurück. Als ein Abenteuersetting ist dieser Plot zwar immer noch ein wenig unsinnig, allerdings sollten der Fantasie keine Grenzen gesetzt werden. Ich bin also entsprechend offen an den Streifen herangegangen, obwohl ich wusste, dass „Die Piratenbraut“ der vermeintlich schwächste Film in der Auswahl ist.

Die Geschichte wird rasant, chronologisch und ohne große Kniffe erzählt. Überraschungen wurden immer wieder eingestreut, waren aber ab der ersten Sekunde nicht mehr überraschend. Die vorhersehbare Handlung versucht durch seine schnelle Erzählweise die Aufmerksamt auf sich zu ziehen, da inhaltlich so gut wie nichts dabei herum kommt.

Spannungstechnisch ist da ebenjene rasante Erzählweise ebenfalls ein sehr dankbares Mittel, um an dieser Stelle erfolgreich zu sein, was anfänglich auch sehr gut funktioniert hat. Tatsächlich läuft es hinten heraus ähnlich wie bei der Story: es ist alles viel zu vorhersehbar. Dialoge, Wendungen, Sequenzen, Geschehnisse, bei allem hätte ich ein Orakel sein können und eins zu eins den Verlauf des Streifens vorhersagen können. Spannungstechnisch geriet ich sogar ab der Mitte in einen Zustand, bei dem ich nicht mehr weit davon entfernt war einzuschlafen.
Mit einer Laufzeit von knapp 119 Minuten ist der Streifen auch weit mehr als auserzählt. In diesem Fall ließen Längen nicht lange auf sich warten.

Die Vorstellung der Emotionen war nicht nur hanebüchen, sondern auch sehr hölzern und unglaubwürdig. Die Gefühlspalette ist dabei stark limitiert, denn bis auf Mut und Rache gibt es kaum bis keine Emotionen. Eine stark angedeutete Romanze entpuppt sich bereits nach zwei Minuten als ein toter Ast.
Die Authentizität der einzelnen Darsteller lässt obendrein auch stark zu wünschen übrig. Die überambitionierte Morgan (Geena Davis) ist so unglaubwürdig als weiblicher Pirat, das ihre Leistung nicht mal mehr von dem Dieb/Lügner/Casanova William (Matthew Modine), der seiner Rolle nur Oberflächlichkeit einhauchen konnte, unterboten wird. Grundsätzlich kann man diesen Maßstab bei allen Darstellern anlegen und man kommt einheitlich auf dieses Ergebnis.

Was dem Zuschauer auch auffallen wird, ist, dass der Streifen extrem überladen mit Action ist. Explosionen an allen Ecken und Enden, Verfolgungsjagden, Kampfszenen und Schießereien wechseln sich ab. Es bleibt nur sehr wenig Zeit für Charakterszenen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Actionsequenzen am Beispiel der Explosionen unglaublich schlecht ausgesehen haben. Ich bin sogar geneigt, sie als „billig“ zu bezeichnen. Stunteinlagen passten sich diesem Eindruck nahtlos an.

Die Musik passt sehr gut zu einem Abenteuerfilm, wobei sie sehr stark an die alten Star-Wars-Filme erinnert. Es ist auf jeden Fall im Bereich des Möglichen, das dort zumindest eine Inspiration hergeholt wurde. Mich würde es nicht wundern, dass sich auch andere Komponisten daher ihre Anregung geholt haben.

Kostüme und Kulissen sind typisch und passen auch sehr gut in das goldene Zeitalter. An der historischen Echtheit darf gezweifelt werden, denn nicht nur ich, sondern auch andere Zuschauer werden Zweifel daran haben, dass Frauen wirklich jemals als Piraten tätig waren. Alles in allem muss man sagen, dass auch bei den Kulissen viel mit Klischees gespielt wurde.

Meine Meinung:
„Die Piratenbraut“ wird nicht mein Lieblingsfilm. Er konnte mich nicht unterhalten, da er die anfängliche Spannung mit schlecht inszenierter Action, unglaubwürdigen Figuren und Längen im Mittelteil zunichte macht.

Geena Davis liefert mit diesem Film auch keine Glanzleistung ab und so bleibt unterm Strich nur eines: Es gibt keine Empfehlung von meiner Seite aus. Im Genre des Abenteuerfilms bleibt „Die Piratenbraut“ voll und ganz in seinem Rahmen, aber in allen anderen Punkten ist dieser Film einfach eine Katastrophe.

Meine Wertung:
Abenteuer: 7,5 von 10
Spannung: 4,0 von 10
Länge: 4,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 4,0 von 10
Authentizität: 4,0 von 10
Action: 5,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 5,4

„Der Koffer“ im Juni 2017

Der Juni war ein mittelmäßiger Monat. Ich hatte keine große Lust, vor allem weil er mich schon recht früh gefrustet hat. Ich war nach „The Missing“ ziemlich bedient und wollte zunächst wieder etwas Abstand gewinnen. Zum Ende des Monats hin habe ich aber schon deutlich gemerkt, wie sehr es mir gefehlt hat, Filme zu schauen, die einfach nur schön sind.
Es gibt da ja auch noch zahlreiche Serien, die ich unbedingt sehen will und die ich mir fest für den Juli vorgenommen habe.
Groß shoppen war ich im Juni allerdings nicht, deshalb fällt meine „New In“ Liste sehr klein aus.

„New In“ sind:
• „Ausnahmezustand“ (DVD, 1998)
• „Die vierte Macht“ (BluRay, 2012)

Die gesehenen Filme und Serien sind auch im Juni wieder stark limitiert. Der Monat begann mit einer zweiten Sichtung von „Swiss Army Man“ bei einer Filmveranstaltung in meiner Firma.
In gemütlicher Runde saßen wir da mit Chips und Bier und haben uns über den Beamer im großen Konferenzsaal dieses kleine Schmuckstück angeschaut.

Auf der „Watched“-Liste sieht es wie folgt aus:
• „Swiss Army Man“ (DVD, 2016)

• „The Missing“ (Staffel 1) (DVD, 2014)

• „Pets“ (DVD, 2016)

• „The Nice Guys“ (DVD, 2016)

• „Thor“ (DVD, 2011)

• „Battle Royale“ (Extended Cut) (BluRay, 2000)

• „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ (DVD, 2015)

• „Das Pubertier“ (Kino, 2017)

Nachdem mir „Swiss Army Man“ als Abschluss den Monat Mai retten konnte, begann ich im Juni gleich direkt wieder mit dem Film.
„The Missing“ machte aber alles irgendwie zunichte. Mit ein bisschen Abstand muss ich sagen, dass ich irgendwie nicht so viele positive Erinnerungen an diese Serie habe und so bleibe ich da schon ein wenig enttäuscht zurück. „The Nice Guys“ und „Battle Royale“ haben mir sehr viel Spaß bereitet, der siebte Teil der Star-Wars-Saga hat mir persönlich allerdings die größte Freude gemacht. Nicht nur, weil das der erste Star Wars war, den ich im Kino sah, nein er hat auch meine Soundbar perfekt eingeweiht.
Mit „Das Pubertier“ konnte ich auch noch einmal ins Kino gehen und eine Pressevorführung besuchen.

Das Pubertier

©Constantin Film
Titel: Das Pubertier
Genre: Komödie / Romanverfilmung
Regie: Leander Haußmann
Musik:
Produzenten: Günter Rohrbach
Dauer: ca. 91 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 6

„Gerade war sie doch noch so lieb, so niedlich. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag mutiert Papas kleine Prinzessin plötzlich zum bockigen Pubertier. Der Journalist Hannes Wenger (JAN JOSEF LIEFERS) nimmt sich eine Auszeit, um seine Tochter Carla (HARRIET HERBIG-MATTEN) in dieser schwierigen Lebensphase zu erziehen und von Alkohol, Jungs und anderen Verlockungen fernzuhalten. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn seine Frau Sara (HEIKE MAKATSCH) geht wieder arbeiten und Hannes ist als Vater maßlos überfordert. Ob Party, Zeltlager oder Carlas erstes Mal: Hannes tritt zielsicher in jedes Fettnäpfchen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Jugendliche peinliche Väter haben: Hannes’ bester Freund, der taffe Kriegsreporter Holger (DETLEV BUCK), lässt sich lieber im Nahen Osten beschießen als sich daheim von seinem grunzenden Pubertier in den Wahnsinn treiben zu lassen.“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Hin und wieder schreibe ich über Filme auch aus dem Kino heraus. Dieses Mal habe ich mir „Das Pubertier“ in der Pressevorführung angeschaut. Ich war etwas verwundert über die Anzahl der Zuschauer, da ja doch in der Regel ein ausgewählter Personenkreis im Kino sitzt. Dass dieses Mal der Personenkreis auf die eigene Familie ausgeweitet wurde und da der ein oder andere Journalist oder Blogger mit sechs, sieben Leuten im Anhang ins Kino gestapft kam, machte mich schon etwas sprachlos. Am Ende war ich aber schlauer. Die Kritik zu Leander Haußmanns „Das Pubertier“ lest ihr hier.

©Constantin Film
Die Geschichte dreht sich um das Leben von Eltern und Kindern unter einem Dach. Beide Seiten wachsen und verändern sich mit der Zeit und so sehen sie sich immer wieder neuen Herausforderungen gegenübergestellt.
Während Eltern nicht mehr so genau wissen, wie es war, als sie in der Pubertät gewesen sind, spielen die Hormone der Kinder verrückt. So „verwandelt“ sich die kleine Prinzessin – Papas Liebling – in ein erbarmungsloses „Pubertier“.
Die Erzählweise ist sehr humoristisch und zeigt die Geschehnisse aus der Sicht des liebenden Vaters. Gekonnt präsentiert der Film alle kleinen Fehler, aber auch alle tollen Kleinigkeiten, die zwischen Eltern und Kindern passieren. Dabei karikiert er nicht nur all die Fettnäpfchen und Stimmungsschwankungen beider Seiten, sondern zeigt auch die familiären und liebevollen Momente.

Im Punkt der Spannung muss ich da ganz klar sagen, dass so ziemlich keine erzeugt wird. Es passiert sehr viel und die Handlungen überschlagen sich teilweise, aber als Zuschauer wird man nicht an den Sitz gefesselt. Stattdessen sieht man sich in einem sehr interessierten Zustand und verfolgt entsprechend auch das Geschehen. Die Figuren wurden darüber hinaus auch nicht so inszeniert, dass der Zuschauer besonders viel Mitgefühl hätte und jetzt unbedingt wissen muss, wie es weitergeht.

©Constantin Film
Mit rund 91 Minuten bekommt man aber zweifelsohne kurzweilige Unterhaltung geboten, die sich an keiner Stelle zu lang anfühlt.

Der Humor basiert auf das kommunikative Missverständnis zwischen Erwachsene und Kindern. Das kann ganz schön anzusehen sein, wenn die Gag-Dichte wesentlich höher wäre. In diesem Fall tue ich mich aber schwer mit dem Humor. Alles war zwar ganz nett anzusehen, aber so richtig witzig war es nicht. Die Handlung schwappt dafür immer wieder in Richtung Familienfilm mit einigen witzigen Momenten. Die witzigen Sequenzen haben bei mir keinen Lachanfall ausgelöst. Wie er bei dem jüngeren Publikum angekommen ist, kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen.

Die Emotionen in „Das Pubertier“ sind limitiert. Es gibt keinen Ausreißer in extreme Gefilde. Alles wirkt anfänglich harmonisch und liebevoll, im Verlauf des Streifens bekommt man die natürlichen Stimmungsschwankungen der Jugend mit. Große Gefühle gibt es, bis auf eine Szene am Ende, keine. Was man diesem Film aber zugutehalten muss, ist, dass er sensibel mit dem Thema Erwachsenwerden umgeht.

©Constantin Film
Die Glaubwürdigkeit der Figuren hängt stark an der Screentime. Jan Josef Liefers’ Figur war, in meinen Augen, authentischer als die von Heike Makatsch. Einfach weil man Liefers die ganze Zeit gesehen hat und Makatsch eben nicht.
Grundsätzlich muss man aber sagen, dass alle Figuren etwas überspitzt waren. Der Vater ist viel zu sehr Vater, immer ein bisschen drüber. Erzieherische Maßnahmen werden pädagogisch korrekt überlegt und mit Bedacht verhängt oder durchgezogen. Besonders in diesem Punkt ist der Streifen nicht in der realen Welt angesiedelt.
Auch die Stimmungsschwankungen der Tochter sind sehr krass und extrem. Ich, als jemand mit zwei älteren Schwestern, muss mich einfach nur an meine Kindheit zurückerinnern und kann sagen, dass meine Schwestern nicht von der einen auf die andere Minute komplett anders drauf gewesen sind. Es waren eher Phasen, die über Tage und Wochen hinweg angehalten haben. In diesem Punkt ist der Film für mich nicht glaubwürdig genug. Als Stilmittel kann ich diese Übertreibung aber sehr gut hinnehmen, ich finde sie nur nicht gut.

Die musikalische Untermalung ist unauffällig. Es gibt allerdings ein zwei Szenen, in denen sie als tragendes Stilmittel eingesetzt wurde, um die Sprache zu ersetzen. Im Gesamtwerk hat sie gut gepasst.

©Constantin Film
Das Setting und die Kostüme sind sehr vielfältig, aber absolut unspannend. Bis auf die Zimmer im familiären Haus, die Räumlichkeiten einer Polizeiwache oder die Wohnung der Freunde bekommt man nicht viel zu sehen. Was die Außenaufnahmen betrifft, geht „Das Pubertier“ ohnehin sehr sparsam damit um. Die wenigen werden vom Grundstück der Familie Wenger dominiert, ein, zwei Ausreißer gibt es jedoch trotzdem.
Wer Hoffnungen hegt, einmalige Bilder zu Gesicht zu bekommen, wird enttäuscht.

„Das Pubertier“ ist ab dem 06.07.2017 in den deutschen Kinos.

Meine Meinung:
Technisch ist „Das Pubertier“ eine runde Sache. Warum einige Journalisten und Blogger mit der ganzen Familie angereist sind, ist mir nach Abschluss des Filmes mehr als klar gewesen. Familien sind offensichtlich die Zielgruppe und genau dort passt er am besten rein.

Schaut euch den Film in großer Gruppe und mit allen Altersklassen an, da wirkt er am besten, weil sowohl Eltern als auch Kinder was zum Lachen haben werden (aber mehr die Kinder!).

Über die Schwächen von „Das Pubertier“ kann ich letzten Endes allerdings nicht hinwegsehen und so bleibt ein Nachmittag im Kino in Erinnerung, den ich zwar nicht bereue, aber an dem ich durchaus bessere Filme hätte schauen können.
Leander Haußmann hat hier aber eine gute Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jan Weiler gedreht.

Meine Wertung:
Humor: 6,0 von 10
Spannung: 5,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 7,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 6,0
GESAMT: 6,5