The Hate U Give

Titel: The Hate U Give
Genre: Drama / Romanverfilmung
Regie: George Tillman, Jr.
Musik: Dustin O´Halloran
Produzenten: Robert Teitel / George Tillman, Jr.
Dauer: ca. 133 Minuten
Erscheinungsjahr: 2018
Altersfreigabe: FSK 12

„Die Verfilmung des Romanbestsellers ‚The Hate U Give‘ von Angie Thomas erzählt die Geschichte von Starr Carter die ein Leben in zwei verschiedenen Welten führt. Sie besucht eine Privatschule mit weißen privilegierten Mitschülern, wohnt aber in einen armen Schwarzenviertel. Dieses wackelige Gleichgewicht wird endgültig zerstört, als Starrs Kindheitsfreund vor ihren Augen von einem weißen Polizisten erschossen wird. Starr gerät zwischen den Fronten und muss sich entscheiden für das Richtige einzustehen.“
(Rückentext der BluRay)

Kennt ihr das, wenn ihr einen Film schaut und ihr großes Bedürfnis habt, darüber zu reden?
Genau so geht es mir gerade und Auslöser ist der Film von George Tillman, Jr. „The Hate U Give“.

In der Welt der Nachrichten bestimmt die Pandemie aktuell das Geschehen. Jedoch sollten wir ein paar Dinge nicht vergessen, die leider etwas in den Hintergrund gerückt sind. Darunter zählen zum Beispiel der menschengemachte Klimawandel und Rassismus in all seinen Formen. „The Hate U Give“ ist dieser Tage zumindest ein Film, der den Fokus neu ausrichtet und dabei hilft hinzuschauen. Dabei ist dieser Streifen nicht nur unfassbar aufwühlend, sondern macht auch noch Mut.

Die Kritik schreibe ich bewusst im Schatten meiner Emotionen, die in Folge des Films eine Range von „Wut“ bis „Mut“ alles durchlebt haben. „The Hate U Give“ zeigt neben strukturellem Rassismus und Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in den USA auch, wie viele Facetten Rassismus hat und dass es viele Probleme gibt, die es anzupacken gilt. Auch zwingt er den Zuschauer, sich mit seinen eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen.
Bei allem begleiten wir die Hauptfigur Starr Carter (wundervoll gespielt von Amandla Stenberg) und erleben so aus erster Hand, wie es ist, wenn unvorhersehbare Dinge geschehen.

Was macht diesen Film so belastend?
Die Geschehnisse in dem Film sind alle eindeutig und nicht sonderlich komplex oder schwer zu verstehen, trotzdem drückt dieser Film unglaublich auf die Brust und ich fühle mich, als ob ich eine richtig schwere Weste tragen würde, die mich stets versucht herunterzuziehen. Das liegt vor allem daran, dass es solche Szenen, wie sie im Film gezeigt und beschrieben werden, in den USA mehr als genug Tag für Tag gibt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Menschen demonstrieren und unter Polizeigewalt leiden. Auch hierzulande haben wir erlebt, welche Wellen durch die Gesellschaft gehen und gegangen sind, als auf tragische Weise George Floyd umgebracht wurde. Die „Black Lives Matter“-Bewegung gibt es auch in Deutschland, gerade weil es auch hier strukturellen Rassismus und racial profiling gibt. Seine Augen davor zu verschließen oder gar bewusst wegschauen, ist humanistisch betrachtet keine Option. In mir löst die Thematik ein starkes Gefühl aus, weil die Menschen Ungerechtigkeit erfahren. Mich macht es wütend, dass es Menschen auf dieser Welt gibt, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Gesinnung/Vorlieben ausgegrenzt, vorverurteilt und abgestempelt werden. Dabei rede ich nicht nur von den gesellschaftlichen Stigmata, sondern auch von denen, die von der judikativen und exekutiven Gewalt ausgehen.

Was finde ich besonders eindrucksvoll?
Mich begeistert es, dass der Film so vieles aufzeigt, aber dem Zuschauer nicht sagt, was er jetzt doof zu finden hat. Außerdem wagt „The Hate U Give“ den Spagat des Perspektivwechsels und lässt uns als Zuschauer auch an anderen Dingen teilhaben, die die Welt von Starr direkt oder indirekt beeinflussen. All das, die Mischung aus Thematik, Brisanz, Aktualität und Ungerechtigkeit machen diesen Streifen zu etwas Besonderem. Er ist obendrein inspirierend, weil es Lösungen gibt.

Ich muss gestehen, dass mich der Film auch auf eine andere Art emotionalisieren konnte. Die eingesetzte Musik war dabei ein ausschlaggebender Punkt, den ich, auch im Zusammenhang mit der Thematik, sehr authentisch empfunden habe. Hinzu kommen die Kameraeinstellungen und die Kontraste – auf der einen Seite der Wohnort, auf der anderen Seite die Schule – machen etwas mit dem Zuschauer.

Einziger Wermutstropfen: Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte und damit auch die Entwicklung weitergeht. Insbesondere Starrs Entwicklung hätte für mich gerne noch sehr viel mehr weitergeführt werden können.

Fazit:
In meiner Auffassung von Filmen sind Regisseure Geschichtenerzähler, die mir auf ihre Weise etwas sagen oder zeigen wollen. In bewegten Bildern möchte ich abgeholt werden. George Tillman, Jr. hat mich abgeholt und er hat so vieles mehr getan.
Er hat ein brandaktuelles Thema genommen und versucht, es in all seinen Facetten und Nuancen aufzuzeigen. Es hat bei mir wunderbar funktioniert, da mich der ganze Film berührt und zum Nachdenken angeregt hat.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 10 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 10 von 10
Authentizität: 10 von 10
Musik: 9,5 von 10
GESAMT: 9,4

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Fighting with my Family

Titel: Fighting with my Family
Genre: Filmbiografie
Regie: Stephen Merchant
Musik: Vik Sharma
Produzenten: Michael J. Luisi / Kevin Misher
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 16

„Für Paige und Zak ist Wrestling mehr als ein Sport, es ist das einzig Wahre im Leben. Ihre kühnsten Träume werden wahr, als sie beim Probetraining der WWE (World Wrestling Entertainment) antreten dürfen. Doch die Wege der Geschwister trennen sich, als nur Paige einen Platz im hart umkämpften Ausbildungsprogramm erhält. Sie muss ihre Familie in England zurücklassen und sich von nun an allein im Ring dieser gnadenlosen Welt des Showbiz stellen. Dabei hat sie nur ein Ziel vor Augen: Sie will endlich ihren Traum vom Wrestling leben…“
(Rückentext der BluRay)

Es ist irgendwie folgerichtig, dass ich mir diesen Film anschaue, denn ich bin nicht nur ein Fan von Sport in Filmen, sondern ich bin insbesondere ein großer Fan von Kampfsport in Filmen. „Fighting with my Family“ ist ein Biopic und zeigt eine wahre Geschichte der Wrestling-Welt, denn im Leben der englischen Wrestling-Familie Knight dreht sich alles um diesen speziellen Sport. Während sich die Eltern mehr oder weniger ihren Traum der großen Wrestling-Karriere nur im heimischen England erfüllen können, haben ihre Kinder Zak und Saraya (bekannt unter ihrem Ringnamen Paige) die Chance, bei einem Probetraining den Sprung in die WWE zu schaffen. Die beiden Geschwister treten dort gemeinsam an, doch nur Paige wird angenommen, während Zak in England bleibt und in der elterlichen Independent-Liga antritt. Für diejenigen, die sich auskennen, ist der Rest Geschichte.

Besonders eindrucksvoll empfand ich die Handlung und den Werdegang von Paige aus dem kleinen verschlafenen Ort in England bis hin zum WWE-Superstar. Auffallend war aber auch der Look, der vor allem in der ersten Hälfte stark an eine Low-Budget-Produktion erinnert und den einfachen und unaufgeregten Charakter Norwichs einfängt, wohingegen die zweite Hälfte besonders durch die hellen Aufnahmen von Kalifornien geprägt ist.

Auf narrativer Ebene erlebt der Zuschauer schlicht den Werdegang von Paige, wo sich dennoch Nebenschauplätze auftun. Beispielsweise behandelt der Streifen zusätzlich das Familienleben in England, die Aufgaben des Bruders und die Einbindung in die elterliche Wrestling-Schule. Auch wenn wir einen Blick auf diese anderen Schauplätze erhalten, bleibt Paige im Fokus. Allen voran werden wir Zeuge ihrer Einsamkeit in den USA und welchen Widrigkeiten sie sich stellen muss. Dabei entstehen immer wieder situationskomische Szenen, in denen man mindestens schmunzeln muss, die das Geschehen auflockern.

Die Darstellungen der Familie Knight wirken in erster Linie überzogen, sie sind aber durchaus authentisch. Auch die anderen Figuren liefern ein glaubhaftes Bild ab. Dwayne „The Rock“ Johnson spielt sich selbst und hinterlässt einen mehr als witzigen und selbstironischen Eindruck.

Emotionen werden sowohl durch die Bildsprache als auch durch die Vertonung und Untermalung der Szenen hervorgehoben und verstärkt. Außerdem spielen hier die Dialoge eine große Rolle. Vor allem in dem, was die Charaktere sagen, spiegeln sich viele Emotionen wider. Die Tonalität des Films ist besonders in diesen Szenen vorsichtig und derb zugleich. Wenn beispielsweise Paige über Ängste und Anstrengungen spricht, tut sie dies nicht einfach so, sondern immer mit einer gewissen Art Humor aber auch Zerrissenheit zwischen „für den Traum weitermachen“ und „aufgeben, weil die Familie in England ist“.

Zusammengefasst verbindet „Fighting with my Family“ das Genre eines Biopics und eines Sportfilms gekonnt. Die Lebenswelten der Familie Knight im Allgemeinen und die von Paige im Besonderen sind sehr eng miteinander und dem Wrestling verwoben. Was man als Zuschauer allerdings letzten Endes bekommt, ist ein toller, stimmungsmachender Film, der in vielen Moment komisch daherkommt, aber auch seine Phasen hat, in denen er spannend, tragisch und kämpferisch bis mutig ist. Untermauert werden diese Empfindungen durch den passenden Einsatz der Musik, einer abwechslungsreichen Bildsprache, die immer wieder diesen ganz besonderen Sport in den Mittelpunkt rückt, und einer narrativen Ebene, die sich vorangestellt mit dem Thema „Kämpfen oder Verlieren“ auseinandersetzt. Dabei gilt der letzte Punkt nicht ausschließlich für Paige, sondern vor allem auch für die Familie in England, die sich um ganz andere Dinge kümmern muss, wie z. B. die Wrestling-Schule und die Realisierung des eigenen Programms.

Fazit:
„Fighting with my Family“ war die komplette Zeit über ein unterhaltsamer Spaß, der seine Ecken und Kanten hat, aber dabei immer die richtige Tonalität hat. Ich hatte Spaß und habe mich an all den Fights, den Showeinlagen und den Figuren erfreut.
Obwohl der Film ein Biopic ist, fühlt er sich nicht so an.
Wer also in erster Linie Wrestling mag und in zweiter Linie Sportfilme gut findet, wird mit „Fighting with my Family“ auf jeden Fall seinen Spaß haben.

Meine Wertung:
Story: 8,0 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 9,5 von 10
GESAMT: 8,0

When the Game Stands Tall

Titel: When the Game Stands Tall
Genre: Sportfilm
Regie: Thomas Carter
Musik: John Paesano
Produzenten: David Zelon
Dauer: ca. 110 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 6

Nach einer wahren Geschichte spielt Jim Caviezel (‚Die Passion Christi’) den Highschool-Footballtrainer Bob Ladouceur in der Saison, die alles ändern soll. Als Coach der Spartans sagt Bob seinen Spielern stets, dass Gewinnen keine Rolle spielt. Doch irgendwie hat er das Team mit Hilfe seines Assistenten Terry Edison (Michael Chiklis, TV-Serie ‚The Shield – Gesetz der Gewalt’) zu rekordverdächtigen 151 Siegen in Folge geführt. Als seine Frau Bev (Laura Dern, ‚Jurassic Park’) will, dass er seiner Familie mehr Zeit widmet, gerät Bob unter Druck, die Erfolgsserie aufrechtzuerhalten. Mitten in einer Saison voller Krisen und Tragödien, in der für die Spartans alles auf dem Spiel steht, wird Bob durch einen außergewöhnlichen jungen Spieler (Alexander Ludwig, ‚Die Tribute von Panem – The Hunger Games’) klar, dass Teamarbeit wichtiger ist, als persönlicher Ruhm.
(Rückentext der DVD)

Und dann erwischt es dich und du siehst diesen einen Film, der dich persönlich weiterbringt.
In der Tat, das passiert mir nicht oft, aber „When the Game Stands Tall“ hat mich aus dem Nichts erwischt.
Meinen persönlichen Erfahrungsbericht könnt ihr an dieser Stelle lesen.
Ohne Umschweife: Dieser Film basiert auf einer wahren Geschichte und wenn man über sportliche Rekorde spricht, werden hierzulande eher die fragwürdigen, aber eindeutigen Erfolge des Klassen-Primus in der Fußball Bundesliga genannt. Im amerikanischen Sport sind es die New England Patriots, die in den letzten 20 Jahren die Nordamerikanische Footballliga dominierten. Bisher gelang es aber nur einem Team ohne Niederlage in einer Saison, den Super Bowl zu gewinnen – den Miami Dolphins 1972. So eine perfekte Saison zu spielen ist äußerst selten, aber dieses eine Highschool-Team hat es nicht nur über eine Saison geschafft, sondern über mehrere Jahre, besser als ihre Gegner zu sein – in jedem Spiel!
Ihr merkt vielleicht, dass ich voll in der Thematik drin bin und dazu kommt, dass ich seit Jahren American Football verfolge – auch zum Leidwesen meiner Mitmenschen. Aber was ist nun mit diesem Film? Inhaltlich gibt der Rückentext einfach alles wieder, doch „When the Game Stands Tall“ macht es etwas anders. Statt ein Team auf dem Weg zum Erfolg zu begleiten, quasi vom Verlierer-Team zum Sieger-Gen, beleuchtet dieser Streifen einen Zeitraum, in dem das Team in der größten Krise seit Jahren steckt. Sie sind schon Top of the Pops und wollen dahin zurück. Dabei wird eindrücklich gezeigt, was mit den jungen Spielern passiert, welche Reifeschritte sie gehen und wie das soziale und emotionale Leben sich wandelt.

Krisen richtig bewältigen, aber wie?
Im Mannschaftssport – oder anders gelagerten Gruppengefügen – ist es etwas Selbstverständliches, sich gemeinsam aus einer schweren Zeit zu arbeiten. Zusammenhalt statt Individualismus. Die Spartans erleiden gleich mehrere Schicksalsschläge, die jeden Einzelnen aus der Bahn werfen würden. Gemeinsam sind sie stark. Folgerichtig werden Krisen oder Probleme über das Kollektiv überwunden, um stärker hervorzukommen. Dabei zeigt „When the Game Stands Tall“ auf eine sehr spannende und facettenreiche Weise, wie das funktioniert.
Was ist das Besondere an „When the Game Stands Tall“?
Es ist definitiv der Geist, eine Aura voller Positivität, der den Weg über das Medium Film zum Zuschauer geht. Es sind die leisen Töne, die abseits des Erfolges oder Misserfolges auf dem Footballfeld den Beobachter abholen und unterhalten. Es sind die Figuren und die Darsteller, die all das zum Leben erwecken und Emotionen transportieren. Es ist die
(Erfolgs-)Geschichte eines Teams, das irgendwie nie so richtig erwähnt wird, wenn man sich die Footballübertragungen anschaut. Ja, und in gewisser Weise trainiert der Coach nicht nur seine Spieler, sondern auch die Zuschauer, indem er dem Football-Nachwuchs etwas über Glaube, Liebe, Respekt und Mut beibringt und sich damit auch ein Platz im Herzen des Publikums sichert.
Die Antwort auf eine Frage bleibt der Film allerdings noch schuldig: Was ist das Geheimrezept der Siegesserie? An dieser Stelle bietet der Film viele Interpretationsmöglichkeiten und wenn man sich das Gefüge genauer anschaut, dann darf eigentlich nur ein Schluss gezogen werden. Meiner Meinung nach ist es der Teamgeist, der Zusammenhalt und das starke Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. All das wird in dem Star-Spieler, der nicht nur mit den Schicksalsschlägen des Teams zu kämpfen hat, sondern auch unter dem Druck seines Vaters steht, personifiziert.

Fazit:
„When the Game Stands Tall“ greift mich in meiner Komfortzone an, doch statt eine gelbe Flagge zu werfen, lasse ich den Spielzug zu, sauberer Tackle.
Dieser Film bietet nicht einfach nur Unterhaltung, sondern kann gleich mit mehreren Botschaften aufwarten. Die Wichtigste: Glaube! An dich, an Gott, an deine Mitstreiter, egal, aber glaube. Das Kollektiv ist wichtiger als das Individuum – gerade auch in Pandemiezeiten eine Botschaft, die man mal verinnerlichen kann. Und zu guter Letzt: Sieg und Niederlage sind die zwei Seiten einer Medaille. Im Sportlerleben muss man mit beidem leben.

In meinen Augen hat der Film keine Off-Field-Issues und kann daher bedenkenlos empfohlen werden, besonders weil er sich mit seinen Botschaften nicht explizit an Football-Fans richtet, sondern allgemeingültig betrachtet werden kann. Besonderes Football-Wissen wird dem Zuschauer auch nicht abverlangt.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Story: 9,5 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 9,5 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Musik: 8,0 von 10
Setting: 10 von 10
GESAMT: 9,1

Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht

©capelight pictures

Titel: Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht (engl. „Yes, God, Yes“)
Genre: Komödie / Coming-of-Age / Drama
Regie: Karen Maine
Musik: Ian Hultquist
Produzenten: Katie Cordeal / Colleen Hammond / Elanor Columbus / Rodrigo Teixeira
Dauer: ca. 78 Minuten
Erscheinungsjahr: 2021
Altersfreigabe: FSK 12

„Als Teenager hat man es nicht leicht. Schon gar nicht, wenn man wie Alice (Natalia Dyer) in einem streng katholischen Haushalt im ländlichen Teil der USA aufwächst. In der Schule wird ihr beigebracht, dass Sex vor der Ehe eine Sünde ist und auch Masturbation auf direktem Weg in die Hölle führt. Alice kommt ins Grübeln: Nicht nur, weil sie sich die Sexszene aus ‚Titanic‘ immer wieder gerne ansieht, auch beim Onlinechat lässt sie sich zu unkeuschen Handlungen hinreißen – was stimmt nur nicht mit ihr? Vier Tage in einem Kirchenlager sollen Alice wieder auf den rechten Weg bringen. Gruppenbeichten, Bibelstunden und Gebete stehen auf der Tagesordnung. Doch wie soll Alice sich hier auf ihre christlichen Werte besinnen, wenn der süße Footballstar Chris ihr ständig über den Weg läuft?“
(Inhalt laut Presseheft)

Zum Heimkinostart von „Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht“ habe ich die Möglichkeit erhalten, diesen Film vorab schauen zu dürfen.
Dieser Streifen ist einer dieser Filme, der pandemiebedingt den Weg nicht in die Lichtspielhäuser geschafft hat, dafür ist er inzwischen auf Amazon Prime verfügbar und erscheint obendrein am 05.02.2021 auf DVD und BluRay.

Die Handlung dreht sich um Alice, die mitten in ihrer Pubertät steckt und anfängt, sich für Jungs zu interessieren. Begrifflichkeiten sind ihr teilweise unbekannt und ihr christlich geprägtes Umfeld – in den ländlichen USA – trichtert ihr ein, dass man Geschlechtsverkehr nur dann hat, wenn man seinen ehelichen Pflichten zwecks Fortpflanzung nachkommen will. Selbstbefriedigung ist ein Garant dafür, direkt in die Hölle zu kommen. Und so entspinnt sich eine Geschichte, die weit davon entfernt ist, was weltlich-fortschrittlich den Ton angibt. Obendrein beschäftigt sich die Handlung auch mit der Doppelmoral, und davon gibt es sehr viel.

©capelight pictures

Was hat mich begeistert?
Gut fand ich, dass „Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht“ ein recht stiller und kurzweiliger Film ist. Er zielt nicht darauf ab, Lacher zu produzieren, jedoch zeigt er ein Abbild dessen, was es mit Sicherheit zu Genüge auf dieser Welt gibt. Es wurde zwar mit Stereotypen gearbeitet, in denen die „hübschen Jungs“ immer zum Football-Team gehören und die Mädels in Schuluniform Röcke tragen. Da verwundert es mich auch nicht, dass auf dem Gang mit dem Lineal nachgemessen wird, wie lang (oder kurz) der Rock nun ist.
Auch sonst beleuchtet der Film Aspekte, die sonst weniger Beachtung finden. Er deckt Geheimnisse und die damit verbundene Doppelmoral auf.

©capelight pictures

Und die Sache mit dem Humor?
Nun ja, lachen konnte ich nicht und es fehlte mir nicht nur Witz. Ich hätte mir an dieser Stelle gewünscht, dass der Film bissiger, schwärzer und sarkastischer wäre. Stattdessen ließ er häufig Situationen unkommentiert stehen und die Diskrepanz, die die Hauptfigur zu bemerken scheint, schlägt sich auf den Zuschauer nieder.
Mir fehlte es obendrein aber auch an Spannung, Drama und dem Mitgerissen-sein. Der Film packte mich leider nicht und konnte mich daher auch nicht so richtig unterhalten.

Fazit:
Was am Ende übrig bleibt ist nicht zwingend Ernüchterung und wenn ich selbst 15, 16 Jahre alt wäre, hätte der Film vielleicht eine Erkenntnis für mich übrig gehabt. Da ich aber doppelt so alt bin, musste ich leider viel zu häufig den Kopf schütteln, weil ich „Im Ernst?“ dachte.
Schlussendlich ist „Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht“ ein solider, kurzweiliger Film, der meiner Meinung nach nicht so viel Humor hat, wie er augenscheinlich suggeriert, aber dennoch eine Sichtung, besonders für jüngeres Publikum, wert ist.
Punkte ziehe ich vor allem deshalb ab, weil die Handlung zwar stimmig, aber auf keinen Fall mitreißend ist und die Figuren mich vom Spiel und Ausdruck her nicht abholen konnten.

Meine Wertung:
Humor: 4,0 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,0 von 10
Authentizität: 6,5 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting 7,5 von 10
GESAMT: 6,5

Zwei Kurze, bitte! #10

Wir sind in der Jubiläumsausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“. Im Gepäck habe ich dafür zwei Fortsetzungen. „Kung Fu Panda 2“ und „Kung Fu Panda 3“. Wer noch einmal meine Eindrücke zum ersten Teil lesen will, darf gerne hier klicken.
Die Kung-Fu-Panda-Reihe ist nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene spannend und wieso das so ist, werde ich hier in der 10. Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“ erläutern.

Titel: Kung Fu Panda 2 (2011)
Regie: Jennifer Yuh Nelson
Genre: Animationsfilm
Aktuell verfügbar auf Netflix (Stand 28.12.2020)

Drei Jahre nach seinem ersten Teil und mit einer neuen Regisseurin ausgestattet, erschien der zweite Teil von „Kung Fu Panda“. Die Geschichte dreht sich um den Panda Po, der im ersten Teil durch äußerst ominöse Umstände zum Drachenkrieger ernannt wurde. Im zweiten Teil darf er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und mit seinen Freunden – den Kung-Fu-Meistern, die Furiosen Fünf – einen übermächtigen Gegner besiegen und die Tradition des Kung Fus vor der Vernichtung retten. „Kung Fu Panda 2“ ist ein Überraschungspaket voller Witz, Spannung und einer fesselnden Story. Wechselnde Animationen, asiatische Klänge und Figuren, die berühren, mitreißen und aufmuntern. Auch auf der Metaebene ist „Kung Fu Panda“ ein Film, der Fragen nach der eigenen Identität stellt und die Antworten dem Zuschauer nicht schuldig bleibt. Ein schön erzähltes Abenteuer, das dich für eine kurze Zeit aus dem Alltag zieht und dich auf eine Reise mitnimmt.

Titel: Kung Fu Panda 3 (2016)
Regie: Jennifer Yuh Nelson / Alessandro Carloni
Genre: Animationsfilm

Auf Teil drei der Kung-Fu-Panda-Reihe mussten die Zuschauer länger warten als auf Teil zwei. Der Cliffhanger am Ende von Teil zwei hat die Erwartungen aber auch die Freude geschürt. Po trifft zum ersten Mal Artgenossen und lernt den Lebensstil eines Pandas kennen. Gleichermaßen muss er sich auf einen übermächtigen Gegner aus einer anderen Welt vorbereiten, der allen Kung-Fu-Kriegern überlegen ist. Wird Po das Chi meistern, um ein ernstzunehmender Gegner zu sein?
Teil drei dieser Reihe findet einen würdigen Abschluss und beantwortet nahezu alle offengebliebenen Fragen. Narrativ steht dieser Teil seinen Vorgängern in nichts nach. Er packt sogar noch einen oben drauf und stellt wieder einmal ganz persönliche Fragen der Identität und wie man mit der eigenen Zugehörigkeit umgeht. Außerdem gibt der Film als Message mit, dass jeder ein Talent hat und es immer etwas gibt, was man ein bisschen besser kann als andere, man muss es nur herausfinden. Übergeordnet brilliert die ganze Reihe mit seinem Animationsstil, der sich von Teil zu Teil etwas verändert hat und mit unterschiedlichen Stilen spielt. Das lockert nicht nur die Bildsprache auf, sondern erfüllt auch seinen narrativen Zweck.

Unterm Strich kann ich die beiden Nachfolger von „Kung Fu Panda“ sehr empfehlen, da sie eine tolle Geschichte weiterführen und im Vergleich nicht abstinken. Alle Filme sind voller Witz, Charme und Abenteuer und wissen sowohl die kleinen als auch die großen Zuschauer zu überzeugen und zu unterhalten.

Bad Times at the El Royale

Titel: Bad Times at the El Royale
Genre: Thriller
Regie: Drew Goddard
Musik: Michael Giacchino
Produzenten: Drew Goddard / Jeremy Latcham
Dauer: ca. 136 Minuten
Erscheinungsjahr: 2018
Altersfreigabe: FSK 16

„Sieben Fremde, jeder mit einem dunklen Geheimnis, treffen am Lake Tahoe im El Royale zusammen, einem heruntergekommenen Hotel mit düsterer Vergangenheit. Im Verlauf einer verhängnisvollen Nacht bekommt jeder eine letzte Chance auf Erlösung… bevor alles eskaliert.“
(Rückentext der DVD)

Heute dreht es sich um den 2018 erschienen Thriller mit Jeff Bridges, Dakota Johnson und Chris Hemsworth.

Die Handlung ist so simpel wie unterhaltend und verspricht von Beginn an, ein spannender Film zu werden. In einem alten Hotel treffen mehr oder weniger zufällig sieben Fremde aufeinander, deren Motive dort zu sein, nicht unterschiedlicher sein können. Wo die unterschiedlichsten Charaktere zusammenkommen, gibt es automatisch auch immer Konflikte, die es zu lösen gilt, so auch im El Royale.

Narrativ bewegt sich der Streifen stringent und flexibel zwischen den einzelnen Figuren und räumt so jedem Charakter den Platz ein, den er oder sie braucht. Das funktioniert insofern, dass die Beweggründe, im El Royale zu sein, dargelegt werden und darüber hinaus einen Einblick ins Leben der Figur gewährt wird. Ein besonderer Kniff ist, dass man bei all den Perspektiven nicht nur die Figuren, sondern auch das El Royale näher kennenlernt. Dabei wird dem Hotel in gewisser Weise ein Charakter zugeschrieben und dem Zuschauer offenbart, welch verlebte Vergangenheit dieses Hotel hat.

Was mich fasziniert, ist das Gesamtwerk „Bad Times at the El Royale“. Was man als Leser dieser Rezension nur schwer mitbekommt, ist die Wirkung des Films. Das hat ein bisschen etwas mit der Handlung, ganz viel mit den Darstellern und den dargestellten Figuren, Atmosphäre, Setting, Musik und Bildkomposition zu tun und selten habe ich einen Film gesehen, bei dem alles so gut gepasst hat wie hier.

Die Atmosphäre hat etwas Beklemmendes an sich, das durch das Setting hervorgerufen wird. Zum einen könnte ein Film, der innerhalb eines Hotels spielt, wunderbar als Kammerspiel inszeniert werden, andererseits sind die Zimmer an sich eher klein und quadratisch. Raum zum Atmen – sowohl im Sinne der Charakterentwicklung als auch der Entspannungsmöglichkeit für den Zuschauer – wird fast ausschließlich durch die Weitläufigkeit der Hotelanlage gewährt.
Intensiv würde ich die Erfahrungen mit diesem Streifen beschreiben, denn er ist es. Die Figuren wirken schwer auf den Zuschauer ein und man saugt jedes Wort und jede Begegnung in sich auf. Ich habe den Figuren jedes Wort, jedes dunkle Geheimnis und jedes Gefühl abgenommen. Die Charaktere müssen in diesem Fall nicht einmal besonders facettenreich sein, es reicht nämlich vollkommen aus, dass sie ihren Zweck innerhalb der Handlung haben und erfüllen und das hat hier wunderbar funktioniert.

Dass der Film eine starke Wirkung auf mich hatte, liegt auch am Soundtrack, der teilweise Szenen untermalt hat und der Situationen eine besondere Richtung gegeben hat. Manchmal war die Musik aber auch Bestandteil des Schauspiels. So hat Cynthia Erivo in einigen Szenen Stücke aus dem R ’n’ B gesungen. Insbesondere diese Szenen lösen auch noch als Erinnerung eine Gänsehaut bei mir aus.

„Bad Times at the El Royale“ ist einer dieser Filme, die mich über Wochen hinweg nicht loslassen. Ich denke immer wieder an diese oder jene Begebenheit und frage mich: „Wie war das nochmal im El Royale?“ Das alleine zeigt schon, welchen Eindruck dieser Film auf mich hatte, aber auch sonst ist der Streifen durch seine Handlung und die beeindruckenden Figuren spannend, atmosphärisch und mitreißend.

Meine Meinung:
„Bad Times at the El Royale“ ist bockstark und gibt dem Zuschauer mehr als er verspricht. Sieben Fremde treffen sich in einem Hotel, irgendwo im Nirgendwo. Das könnte auch der Beginn eines Horrorfilms sein, ist aber die Prämisse eines Thrillers, der nicht nur auf seine Handlung setzt, sondern auch durch einen sehr guten Cast und perfekte Musik bestärkt wird. Die besondere Atmosphäre, das Hotel und die Art der Erzählung sind ebenso für die Wirkung des Films verantwortlich wie die anderen Eigenschaften.

In meinen Augen hat dieser Film – bei aller Sehenswürdigkeit – eine Schwäche: Er funktioniert nur einmal richtig. Ich habe die Befürchtung, dass er mit jeder weiteren Sichtung Thrill – und damit einen essentiellen Teil seiner Atmosphäre – verliert.
Mir hat dieser Film aber von der ersten bis zur letzten Minute richtig Spaß bereitet und daher muss ich hier eine klare Empfehlung aussprechen.

Meine Wertung:
Spannung: 9,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Musik: 10 von 10
Setting: 9,5 von 10
GESAMT: 9,0

The Night Clerk – Ich kann dich sehen

© EuroVideo Medien GmbH

Titel: The Night Clerk
Genre: Psychothriller
Regie: Michael Cristofer
Musik: Erik Hall
Produzenten: David M. Wulf / Arianne Fraser / Tye Sheridan
Dauer: ca. 86 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK 12

„Um seine Sozialkompetenz zu trainieren, installiert der autistische Hotelnachtwächter Bart Bromley (Tye Sheridan) Kameras zur Überwachung seiner Gäste. Als er Hauptverdächtiger in einem Mordfall wird, könnten die Aufzeichnungen seine Unschuld beweisen, doch er weigert sich, dem Ermittler Johnny Espada (John Leguizamo) ihre Existenz preiszugeben.“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Zum Heimkinostart von „The Night Clerk“ am 19.11.2020, habe ich die Möglichkeit erhalten, diesen Film zu schauen.

„The Night Clerk“ ist ein Psychothriller mit Tye Sheridan, Ana de Armas, Helen Hunt und John Leguizamo und erzählt die Geschichte vom Nachtwächter Bart. Aufgrund seines Autismus hat er Schwierigkeiten, soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Aus eigenem Antrieb heraus möchte er dieses Handicap ausmerzen und installiert daher in einigen Hotelzimmern Kameras, um sich das zwischenmenschliche Verhalten seiner Gäste anzuschauen und auszuwerten, bis eines Tages ein Mord in einem dieser Zimmer stattfindet. Wie kann er – ohne von der Existenz der Kameras zu berichten – aus dem Visier der Ermittler gelangen?

Mit rund 86 Minuten bietet „The Night Clerk“ im Grunde eine kurzweilige Unterhaltung, die sich gleich auf mehrere Säulen stützt. Inhaltlich bietet dieser Film zum einen einen Kriminalfall und zum anderen die ganz persönliche und tragische Geschichte von Bart, der Asperger-Autist ist. Und genau diese Kombination macht „The Night Clerk“ zu einem besonderen Film.
Selten bis nie kann man das eine ohne das andere betrachten.
An dieser Stelle ist es von Vorteil, einen guten und talentierten Schauspieler in einer Rolle zu haben, der eine gewisse Überzeugung mitbringt. Tye Sheridan bringt sich mit seinem Schauspiel groß ein und überzeugt als Autist mit fehlender Sozialkompetenz.

© EuroVideo Medien GmbH

Vor allem zeigt der Streifen ein grundsätzliches Problem auf. Wie geht man mit Asperger-Autismus um? Es geht nicht um eine Bevormundung, sondern um ein respektvolles Miteinander. Die Polizei, die die Rechte des Einzelnen nicht immer allzu ernst nimmt, wird dabei in ihrem Handeln recht stereotypisch und unflexibel dargestellt. Als Gegenspieler zur Polizei gibt es Barts Mutter (gespielt von Helen Hunt), die immer wieder auf die Rechte ihres Sohns pocht und versucht, ihn abzuschirmen. Erfrischend ist da die Besetzung und das Mitwirken von Ana de Armas Rolle. Sie normalisiert die Sicht auf Bart. Ohne Bevormundung oder Benachteiligung lässt sie ihn normal dastehen.

Aber wie wirkt das alles und wie sind die Figuren aufgebaut?
Tye Sheridan habe ich bereits positiv hervorgehoben und mit ihm ist die Liste tatsächlich recht kurz. Helen Hunt hat, obgleich ihrer wichtigen Rolle in diesem Film, verhältnismäßig geringe Screentime, ebenso John Leguizamo. Übrig bleibt Ana de Armas, die eine wundervolle Leistung in „Knives Out“ hingelegt hat, aber in „The Night Clerk“ vieles vermissen ließ.
Vor allem stellte sie die Figur so ambivalent dar, dass sie von der einen auf die andere Sekunde Sympathien sammelte und diese direkt über Bord wirft und sich in den Mittelpunkt des Handelns schiebt. Sie spielte mit ihrer Glaubwürdigkeit, sodass ich emotionalere Momente nicht authentisch empfand.

Die wichtigste Frage ist aber, wie es mit der Spannung und der Story bestellt ist. Ich für meinen Teil finde die Handlung wenig innovativ, was vor allem daran liegt, dass 2018 ein Film mit ähnlich gelagerten Ansätzen erschienen ist. Ich kann ihr aber dennoch etwas abgewinnen. Die Prämisse ist an sich nämlich recht spannend. Inszenatorisch weist dieser Film aber seine Makel auf. Zu behäbig und zu ausgedehnt werden Einstellungen und Dialoge gedreht und dargestellt. Der Kriminalfall hat kaum Möglichkeiten, sein Potential zu entfalten, da der Film von Beginn an das Rätsel löst und die Polizei zu eindimensional handelt. Die erzeugte Atomsphäre ist daher leider auch stark begrenzt.

© EuroVideo Medien GmbH

Unterm Strich ist „The Night Clerk“ ein solider Film, der ganz bestimmt seine Fans finden wird. Ein gesellschaftskritischer Kriminal-Psychothriller ist leider nicht so einfach zu verkaufen, aber wenn man unaufgeregte und gute Geschichten sehen will, wird man über kurz oder lang nicht an diesem Film vorbeikommen. Ich kann „The Night Clerk“ trotzdem nur bedingt empfehlen, da mir die Identifikationen fehlten. Die Figuren waren zwar teilweise schön und glaubhaft anzusehen, jedoch fiel es mir schwer, mich mit irgendeiner Figur zu identifizieren. Diesbezüglich konnte mich der Streifen leider nicht abholen.

Und auch sonst fehlte etwas: Musik, die in irgendeiner Art Stimmung zu transportieren wusste oder vielfältige Kulissen sucht man vergebens. Dafür ist die Kameraarbeit hingegen sehr direkt, unaufgeregt und teilweise Impulsgeber dafür, wie der Zuschauer Situation empfindet.

„The Night Clerk“ ist ab dem 19. November 2020 im Handel erhältlich.

Meine Meinung:
Die Schwächen möchte ich nicht verheimlichen und die Stärken sind leider auch recht spärlich gesät. Das ist aber vollkommen ok, denn „The Night Clerk“ wird vielleicht nicht jedem gefallen, aber niemand wird ihm ein durchweg schlechtes Zeugnis ausstellen können.

Ich kann einfach nur jedem raten, diesem Film eine echte Chance zu geben.

Meine Wertung:
Spannung: 5,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,5 von 10
Authentizität: 6,0 von 10
Musik: 4,0 von 10
Setting: 5,5 von 10
GESAMT: 5,6

IP Man 4 – The Finale

Titel: IP Man 4 – The Finale
Genre: Martial-Arts
Regie: Wilson Yip
Musik: Kenji Kawai
Produzenten: Wilson Yip / Donnie Yen / Raymond Wong
Dauer: ca. 102 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 16

„Wing-Chun-Großmeister IP Man (Donnie Yen) kommt nach San Francisco, um eine Schule für seinen Sohn zu finden und seinem Schüler Bruce Lee beim Aufbau eines Wing-Chun-Trainingscenters zu unterstützen. Seine ungewöhnlichen Lehrmethoden sorgen für Anfeindungen von chinesischen und westlichen Martial-Arts-Kämpfern. Besonders brutal geht dabei Barton (Scott Adkins) vor, ein amerikanischer Marineoffizier, der die Auseinandersetzungen auf einen unausweichlichen Clash der Kampfkunst-Disziplinen zuspitzt: Welche Martial-Arts-Form ist die überlegene? Welche Nation kann den Sieg davontragen?
(Rückentext der DVD)

Die „IP Man“-Reihe findet ein Ende. Im vierten Teil dreht sich alles um die letzten Lebensjahre und die besondere Beziehung zum Sohn. Wieder ist Donnie Yen dabei, der zu einem Abbild der historischen Person Yip Man geworden ist.

Die Handlung ist – wie auch in den Vorgängern – chronologisch erzählt und besticht abermals mit der darstellerischen Leistung, den durchchoreografierten Martial-Arts-Einlagen und einer leicht zu folgenden Handlung.

Thematisch beschäftigt sich „IP Man 4 – The Finale“ auf der einen Seite mit einer intensiven Vater-Sohn-Beziehung, die ein ums andere Mal auf die Probe gestellt wird. Auf der anderen Seite werden die Motive für all das Handeln in diesem Film recht früh offengelegt und legitimiert. Dazu kommt, dass es gleich mehrere Handlungsorte gibt. Während sich IP Man in den USA befindet, ist sein Sohn die ganze Zeit über im heimischen China.
Konflikte zwischen ihnen werden also auf ganz andere Weise dargestellt, als es üblich ist.
Ebenfalls unüblich ist der Stellenwert, den die Kampfkunst in diesem Film erhält. In den Vorgängern wurde ihr zwar immer eine Bedeutung zugestanden, jedoch wird sie in diesem Streifen auf besondere Art hervorgehoben. Kampfsport erfährt hier eine Würdigung, die nicht nur als Mittel zum Zweck dient, sondern den Nutzer mit einem Gerechtigkeitsbewusstsein ausstattet. Der Geist des Kampfsports wird dadurch hervorgehoben.

Darstellerisch sehen wir Donnie Yen in seiner Paraderolle, Scott Adkins mimt den häufig eindimensionalen Antagonisten und Danny Chan bekommt lediglich am Anfang eine Chance, den bekanntesten Wing-Chun-Schüler darzustellen – Bruce Lee.

Emotional bringen es aber nur sehr wenige Figuren auf den Punkt. Der Vater-Sohn-Konflikt wird äußerlich nur vom Sohn getragen, wohingegen Ip Man die innere Zerrissenheit anzusehen ist. Auch in den USA gibt es genug Stoff für Konflikte. So ist die Verbreitung chinesischer Kampfkunst durch Bruce Lee in den USA ein Anliegen, das in den Augen der übrigen in den USA lebenden Chinesen geklärt werden soll. Darüber hinaus zeigt der Film auf, dass die Chinesen in den USA unter rassistischen Repressalien litten.
Alles in allem sind die Positionen der Chinesen für mich allerdings leichter und authentischer dargestellt, als die der Amerikaner. Und hier eine große Kritik: Nahezu alle Amerikaner werden aggressiv und eindimensional dargestellt. In nur sehr wenigen Momenten wird ihnen eine Haltung zugesprochen, die auf der Kommunikation fußt und nicht auf dem Willen, alles und jeden zu zerstören. Es ist also alles schwarz/weiß, ohne Grautöne und Mittelwege.

Das Setting wirkt im ganzen Film sehr wertig. Eine Militärbasis, China-Town oder Innenaufnahmen in China und den USA sehen nie gleich aus. Der Film beweist hier eine hohe Vielfalt und weiß diese Umgebungen für sich zu nutzen. Martial-Arts-Einlagen werden dadurch facettenreicher und anspruchsvoller inszeniert. Die Kameraarbeit ist besonders in diesem Punkt grandios. Die Bildsprache ist durchdacht und stringent. Auch die Totalen oder Portraitaufnahmen erlauben dem Zuschauer förmlich, in die Figur hineinzuschauen. Die Musik ist nicht passend und unterstützend, sie rundet das Geschehen gekonnt ab und lenkt außerdem den Fokus auf die Handlung.

Meine Meinung:
„IP Man 4 – The Finale“ ist ein würdiger Abschluss einer Reihe, die über eine ganze Dekade angedauert hat. Die komplette IP-Man-Reihe hat mir sehr gut gefallen und dieser Teil reiht sich nahtlos ein.

Wieder einmal bietet ein Streifen aus der Reihe kurzweilige Martial-Arts-Unterhaltung und weiß auf seine ganz eigene Art zu überzeugen. Die Mischung aus choreographierter Kampfkunst und biografischen Elementen, die die Geschichte vom Großmeister Yip Man erzählen, sind in dem Genre nahezu einzigartig.

Ich kann eine Empfehlung für all diejenigen aussprechen, die sich bereits für die Vorgänger begeistern konnten oder grundsätzlich Fan von Martial-Arts-Filmen sind.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 7,7

Reihenfolge:
1. IP Man
2. IP Man 2
3. IP Man 3
4. IP Man 4 – The Finale

Angelehnt an die Story:
IP Man Zero
IP Man – Final Fight

The Amazing Spider-Man

Titel: The Amazing Spider-Man
Genre: Action / Science-Fiction / Comicverfilmung
Regie: Marc Webb
Musik: James Horner
Produzenten: Avi Arad / Matthew Tolmach / Laura Ziskin
Dauer: ca. 136 Minuten
Erscheinungsjahr: 2012
Altersfreigabe: FSK 12

„Der jugendliche Außenseiter Peter (Andrew Garfield) versucht, das Geheimnis seiner Vergangenheit zu lüften und das Herz seiner Highschool-Liebe Gwen Stacy (Emma Stone) zu erobern. Ein mysteriöser Aktenkoffer seines Vaters, der ihn als Kind verlassen hat, führt Peter zu dessen ehemaligen Partner Dr. Connors. Die Enthüllung des Geheimnisses um seinen Vater besiegelt sein Schicksal, ‚Spider-Man’ zu werden und sich Connors’ bösartigem Ego, der Echse, zu stellen.“
(Rückentext der Blu Ray)

Als Kind habe ich Spider-Man-Comics gelesen und die Zeichentrickserie geschaut. Peter Parker alias Spider-Man ist meine zweitliebste Comicfigur, direkt hinter Batman. Nun habe ich mir „The Amazing Spider-Man“ angeschaut und bin auch sehr froh darüber.

Einige von euch werden sich fragen, worin der Unterschied zwischen „Spider-Man“, „The Amazing Spider-Man“ und „Spider-Man: Homecoming“ liegt. Die Antwort ist dabei eigentlich ganz simpel: Es sind unterschiedliche Spider-Men die in unterschiedlichen Universen leben. Eine ziemlich gute Einführung und Erklärung darüber, wie viele unterschiedliche Spider-Men es gibt, gibt der Film „Spider-Man: A New Universe“.

Die Handlung erzählt die Geschichte von dem Highschool-Schüler Peter Parker, der von einer genmanipulierten Spinne gebissen wurde, wodurch er seine Superkräfte erhält. Nach der Entdeckung einer Aktentasche kommt Peter dem Geheimnis nach dem Verbleib seiner Eltern und der Tätigkeit seines Vaters auf die Spur. Sein Weg führt ihn zu einem alten Arbeitskollegen seines Vaters, der an dem Thema „artenübergreifende Genetik“ forscht.

Spider-Man habe ich schon als Kind als einen Helden wahrgenommen, mit dem man sich am ehesten identifizieren kann und genau dieses Gefühl kam bei mir wieder auf. Das Besondere an diesem Film ist, dass die ganze Geschichte keinen erwachsenen Peter Parker zeigt, sondern eine jüngere Version. Einen Schüler, der ganz im Sinne eines Heranwachsenden eigene Probleme hat. Marc Webb inszeniert hier also eine Mischung aus Comic-Action und Coming-of-Age und trifft damit meinen Geschmack.

Die Darsteller sind glaubwürdig, allen voran natürlich Andrew Garfield und Emma Stone, die wunderbar in dieses Setting passen. Auch was die emotionale Tiefe angeht, schafft es dieser Streifen, dass sich Peter mit den unterschiedlichen Schicksalsschlägen auseinandersetzt, ohne dabei zu zerbrechen, gleichwohl ihn die Dinge sehr zu beschäftigen scheinen. Auch die immer wiederkehrenden, aufmüpfigen Kommentare Peters finden ihren Platz im Film. Dabei wirken sie selten deplatziert oder eingebildet.
Auch der Antagonist passt sehr gut in diese Geschichte, da er mit allzu menschlichen Beweggründen in die Handlung einsteigt und sich zusehends in einer charakterlichen Abwärtsspirale befindet. Im Grunde ist die Echse einer der wenigen Antagonisten, die ihr Schicksal wirklich in der eigenen Hand halten und aufgrund ihres Wissens und ihrer Motivation einen anderen Weg hätte einschlagen können.

Die Erzählweise ist immer auf den Punkt, Nebenhandlungen ordnen sich weitestgehend unter und münden immer wieder in der Haupthandlung. Das Ganze ist so verpackt, dass der Streifen über einen roten Faden verfügt, der nicht zu sehr konstruiert ist.
Sehspaß ist also garantiert, da es keine nervigen Nebenhandlungen gibt, die zu sehr verwirren oder von offensichtlichen Schwächen ablenken. Zwar ist „The Amazing Spider-Man“ nicht der beste Film aller Zeiten, aber zumindest eine grundsolide Comicverfilmung, die Spaß bereitet. Spider-Man steht drauf und Spider-Man steckt drin, keine Mogelpackung.

Das Setting ist wie immer New York, Hometown von Peter Parker alias Spider-Man. Die Aufnahmen wirken sehr hochwertig, es gibt keine verpixelten Bilder und manche Szenen oder Einzelaufnahmen sind einfach bombastisch, zum Beispiel, wenn sich Spider-Man in einer spiegelnden Glasfassade sieht. Wie gesagt, es bringt einfach Spaß. Die musikalische Untermalung ist stimmig und unterstützender Natur. In einer Szene ist sie absurd und tragend zugleich. Dabei handelt es sich um die berühmte Cameo-Szene von Stan Lee, der nicht bemerkt, dass im Hintergrund die Echse und Spider-Man kämpfen, stattdessen hört er über seine Kopfhörer eine Oper. Fantastisch!
Auch die Effekte verfehlen nicht ihre Wirkung, aber auch hier gilt: Es ist einfach grundsolide. Als Zuschauer denkt man nie, dass etwas echt schlecht gemacht aussieht, aber die Ausreißer nach oben sind auch nur vereinzelt zu finden.

Meine Meinung:
Wer mag sie nicht, die hilfsbereite Spinne von nebenan? „The Amazing Spider-Man“ ist ein gelungener erster Teil, der mir einfach Spaß bereitet hat. Ich mochte diese Version auch als Kind in den Zeichentrickserien schon lieber als die anderen Versionen.

Wenn ich einen Vergleich zwischen der Toby-Maguire-2002er-Version und der Andrew-Garfield-2012er-Version anstellen müsste, dann würde ich mich immer noch für die „The Amazing Spider-Man“-Version von Andrew Garfield entscheiden. Einfach weil ich den Cast, die Handlung und den Bösewichten besser finde.
In der Trilogie von Sam Raimi hatte ich immer das Gefühl, dass Spider-Man auf ein Podest gestellt wurde, er dem aber nie gerecht werden konnte und das ist wohl auch das größte Manko, dass ich an der ersten Reihe festmachen kann.
Andrew Garfield wirkt gleich viel sympathischer, mit seinen zerzausten Haaren kommt er nicht so aalglatt rüber. Gwen Stacy ist in meinen Augen auch die bessere Freundin als MJ.

Am Ende ist „The Amazing Spider-Man“ ein runder und grundsolider Streifen, der eine Geschichte aus einem Comic erzählt.

Meine Wertung:
Spannung: 7,5 von 10
Action: 7,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 7,7

Enemy Lines – Operation Feuervogel

© „Enemy Lines – Operation Feuervogel“ (Meteor Film GmbH)

Titel: Enemy Lines – Operation Feuervogel (engl. „Enemy Lines“)
Genre: Kriegsfilm
Regie: Anders Banke
Musik: Philippe Jakko
Produzenten: Tom George / Andy Thompson / Nadzeya Huselnikava / Alexander Narimanowitsch Kuschajew
Dauer: ca. 92 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK 16

„Im eiskalten Kriegswinter 1943 kämpft sich eine kleine geheime Einsatztruppe unter Führung des amerikanischen Majors Kaminski unbeirrt durch die frostigen polnischen Wälder. Ihr Auftrag ist die Rettung des Nuklearwissenschaftlers Dr. Fabian, der von den Nazis zur Forschung an einer neuen Superwaffe gezwungen wird. Der spektakuläre Plan gelingt nach einigen Rückschlägen, aber das ist erst der Auftakt zu einer gefährlichen Hetzjagd. Jetzt ist nicht nur eine gnadenlose deutsche Jägereinheit hinter den todesmutigen Männern her, sondern auch die Russen setzen alles daran, Dr. Fabian und seine Tochter in die Hände zu bekommen. Um die Hölle ihrer Verfolger zu überleben, bleibt Kaminski keine Wahl: Er muss sich mit einer Gruppe Partisanen verbünden. Gemeinsam setzen die ungleichen Kampfgenossen alles daran, dem Feuer ihrer Widersacher die Stirn zu bieten.“
(Inhalt laut Presseheft)

Am 06. November 2020 ist der Heimkinostart von „Enemy Lines – Operation Feuervogel“. Ich habe die Möglichkeit erhalten, ihn vorab anschauen zu dürfen.

In „Enemy Lines“ geht es um einen amerikanischen Offizier, der mithilfe einer britischen Einheit ins Feindesland entsandt wird, um einen Wissenschaftler und seine Familie zu befreien und zu retten. Die Nazis haben europaweit führende Wissenschaftler dazu gezwungen, für ihre Zwecke neuartige Waffen zu entwickeln, die den Ausgang des Krieges zu ihren Gunsten verändern sollten. Die Rettung ist unabdingbar, da der Wissenschaftler mit seinem Know-How das Potential hat, den Krieg zu entscheiden. In 92 Minuten begleiten wir also den Amerikaner Kaminski, der durch das kalte Polen stapft und den Raketenwissenschaftler Dr. Fabien retten soll. Dabei hat er allerhand zu verlieren, denn er wird gleichermaßen von den Deutschen und den Russen verfolgt, die alle Anspruch auf den Wissenschaftler erheben.

© „Enemy Lines – Operation Feuervogel“ (Meteor Film GmbH)

Diese Geschichte ist an realen Geschehnissen angelehnt. Die Alliierten haben zum Ende des Krieges einige Wissenschaftler aus Nazi-Deutschland befreit, um sie teilweise am Manhattan-Projekt arbeiten zu lassen, das dann zur Vollendung der Atombombe geführt hat.

Zwar ist die Art der Narration stringent, allerdings sind Charakterszenen meistens nicht sonderlich interessant und Actionsequenzen handwerklich leider auch nicht anschaulich. Meine Kritik kann ich auch ganz leicht begründen.
Charakterszenen: Die Handlung ist vollkommen auf Ed Westwicks Figur zugeschnitten und alles was passiert, soll seine Figur hervorheben. Ich persönlich finde das nicht schlimm, wenn die Handlung von einer Figur getragen wird, allerdings schafft Ed Westwick dies nicht. Seine Figur Kaminski ist zuweilen unsympathisch und wirkt nicht echt. Ich konnte mich nicht mit ihr identifizieren und das machte es mir schwer, ihr zuzusehen.
Die Antagonisten werden eher stereotypisch dargestellt. Die Deutschen arbeiten mit einer Stechuhr, denn nicht selten fallen Sätze wie: „Doktor, Sie haben noch 4:17 Stunden Zeit!“ und die Russen sind eher aggressive Alkoholiker, die den Griff zur Waffe genauso sehr schätzen wie den Griff zur Wodka-Flasche. „Enemy Lines“ greift zwar thematisch eine brisante Zeit der Weltgeschichte auf, jedoch fehlt es ihm an den Zwischentönen.
Actionsequenzen: Zwar versucht der Streifen immer wieder durch Actionsequenzen sich und seine Handlung aufzuwerten bzw. interessanter zu gestalten, jedoch gelingt es ihm nicht. Das liegt vor allem daran, dass CGI und Green-Screen-Einstellungen so schnell und leicht zu erkennen sind, dass er es nicht schafft, den Zuschauer mitzunehmen. Ich war zum Teil erschrocken, wie schlecht die Bilder zusammengepasst haben. In einer Szene wird eine Explosionen so pompös inszeniert, dass sie einen ganzen Häuserblock zum Einsturz bringen könnte, hinterließ aber außer einem umgeknickten Baum und ein bisschen Ruß am Boden nichts weiter. Auch das Handeln in Actionsequenzen und die Glaubwürdigkeit hat sehr gelitten. Eine Szene, in der ein Soldat einen Gewehrschuss ins Herz bekommen hat und infolge dessen zwar sehr stark aus der Wunde heraus blutete, aber dennoch munter weiterkämpfen konnte, blieb mir dabei besonders im Kopf.

© „Enemy Lines – Operation Feuervogel“ (Meteor Film GmbH)

Viel mehr als die Spannung und Action honoriere ich die Idee der Geschichte, denn im Grunde wird hier ein beliebtes Setting ins Nazi-Deutschland adaptiert. Bei aller Kritik an der Umsetzung und den darstellerischen Leistungen ist „Enemy Lines“ im Kern ein interessanter Film, der mich mit seiner Prämisse angesprochen hat. Ich wollte bis zur letzten Sekunde wissen, ob Dr. Fabien gerettet werden kann, auch wenn der Weg zum Ziel mit vielen Unstimmigkeiten versetzt war.

Was kann „Enemy Lines – Operation Feuervogel“ dem Zuschauer bieten?
Ich habe für mich zwei gute Elemente herausgezogen. Zum einen schafft es der Streifen, weitestgehend spannend zu sein, da die Kamera nicht alleine bei Kaminski bleibt, sondern auch die Lage bei Dr. Fabien schildert, die Entwicklungen im Hauptquartier zeigt und die Russen ins Visier nimmt. Das bietet zwar ordentlich Abwechslung, offenbart aber auch Schwächen in der Handlung.
Das zweite starke Element ist die Musik. Herausragend komponiert und mit Gänsehaut-Garantie wird das komplette Geschehen stilvoll und passend untermalt. Teilweise war es so gut, dass sie der Handlung komplett die Show gestohlen hat.

„Enemy Lines – Operation Feuervogel“ ist ab dem 06. November im Handel auf DVD und BluRay erhältlich.

Meine Meinung:
Thematisch finde ich diesen Film interessant, aber leider hat mich die Umsetzung nicht überzeugen können. Die Figuren sind leider unsympathisch und bieten wenige Möglichkeiten, sich mit ihnen zu identifizieren.
Auch handwerklich sieht man dem Streifen viel zu sehr den Einsatz von CGI an, was auch zu inszenatorischen „Löchern“ führt. Leider wirkt „Enemy Lines“ komplett unrund.

Meine Wertung:
Spannung: 7,5 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 6,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 4,0 von 10
Authentizität: 4,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
Action: 4,0 von 10
GESAMT: 5,4