Archiv des Autors: Zack

Bad Times at the El Royale

Titel: Bad Times at the El Royale
Genre: Thriller
Regie: Drew Goddard
Musik: Michael Giacchino
Produzenten: Drew Goddard / Jeremy Latcham
Dauer: ca. 136 Minuten
Erscheinungsjahr: 2018
Altersfreigabe: FSK 16

„Sieben Fremde, jeder mit einem dunklen Geheimnis, treffen am Lake Tahoe im El Royale zusammen, einem heruntergekommenen Hotel mit düsterer Vergangenheit. Im Verlauf einer verhängnisvollen Nacht bekommt jeder eine letzte Chance auf Erlösung… bevor alles eskaliert.“
(Rückentext der DVD)

Heute dreht es sich um den 2018 erschienen Thriller mit Jeff Bridges, Dakota Johnson und Chris Hemsworth.

Die Handlung ist so simpel wie unterhaltend und verspricht von Beginn an, ein spannender Film zu werden. In einem alten Hotel treffen mehr oder weniger zufällig sieben Fremde aufeinander, deren Motive dort zu sein, nicht unterschiedlicher sein können. Wo die unterschiedlichsten Charaktere zusammenkommen, gibt es automatisch auch immer Konflikte, die es zu lösen gilt, so auch im El Royale.

Narrativ bewegt sich der Streifen stringent und flexibel zwischen den einzelnen Figuren und räumt so jedem Charakter den Platz ein, den er oder sie braucht. Das funktioniert insofern, dass die Beweggründe, im El Royale zu sein, dargelegt werden und darüber hinaus einen Einblick ins Leben der Figur gewährt wird. Ein besonderer Kniff ist, dass man bei all den Perspektiven nicht nur die Figuren, sondern auch das El Royale näher kennenlernt. Dabei wird dem Hotel in gewisser Weise ein Charakter zugeschrieben und dem Zuschauer offenbart, welch verlebte Vergangenheit dieses Hotel hat.

Was mich fasziniert, ist das Gesamtwerk „Bad Times at the El Royale“. Was man als Leser dieser Rezension nur schwer mitbekommt, ist die Wirkung des Films. Das hat ein bisschen etwas mit der Handlung, ganz viel mit den Darstellern und den dargestellten Figuren, Atmosphäre, Setting, Musik und Bildkomposition zu tun und selten habe ich einen Film gesehen, bei dem alles so gut gepasst hat wie hier.

Die Atmosphäre hat etwas Beklemmendes an sich, das durch das Setting hervorgerufen wird. Zum einen könnte ein Film, der innerhalb eines Hotels spielt, wunderbar als Kammerspiel inszeniert werden, andererseits sind die Zimmer an sich eher klein und quadratisch. Raum zum Atmen – sowohl im Sinne der Charakterentwicklung als auch der Entspannungsmöglichkeit für den Zuschauer – wird fast ausschließlich durch die Weitläufigkeit der Hotelanlage gewährt.
Intensiv würde ich die Erfahrungen mit diesem Streifen beschreiben, denn er ist es. Die Figuren wirken schwer auf den Zuschauer ein und man saugt jedes Wort und jede Begegnung in sich auf. Ich habe den Figuren jedes Wort, jedes dunkle Geheimnis und jedes Gefühl abgenommen. Die Charaktere müssen in diesem Fall nicht einmal besonders facettenreich sein, es reicht nämlich vollkommen aus, dass sie ihren Zweck innerhalb der Handlung haben und erfüllen und das hat hier wunderbar funktioniert.

Dass der Film eine starke Wirkung auf mich hatte, liegt auch am Soundtrack, der teilweise Szenen untermalt hat und der Situationen eine besondere Richtung gegeben hat. Manchmal war die Musik aber auch Bestandteil des Schauspiels. So hat Cynthia Erivo in einigen Szenen Stücke aus dem R ’n’ B gesungen. Insbesondere diese Szenen lösen auch noch als Erinnerung eine Gänsehaut bei mir aus.

„Bad Times at the El Royale“ ist einer dieser Filme, die mich über Wochen hinweg nicht loslassen. Ich denke immer wieder an diese oder jene Begebenheit und frage mich: „Wie war das nochmal im El Royale?“ Das alleine zeigt schon, welchen Eindruck dieser Film auf mich hatte, aber auch sonst ist der Streifen durch seine Handlung und die beeindruckenden Figuren spannend, atmosphärisch und mitreißend.

Meine Meinung:
„Bad Times at the El Royale“ ist bockstark und gibt dem Zuschauer mehr als er verspricht. Sieben Fremde treffen sich in einem Hotel, irgendwo im Nirgendwo. Das könnte auch der Beginn eines Horrorfilms sein, ist aber die Prämisse eines Thrillers, der nicht nur auf seine Handlung setzt, sondern auch durch einen sehr guten Cast und perfekte Musik bestärkt wird. Die besondere Atmosphäre, das Hotel und die Art der Erzählung sind ebenso für die Wirkung des Films verantwortlich wie die anderen Eigenschaften.

In meinen Augen hat dieser Film – bei aller Sehenswürdigkeit – eine Schwäche: Er funktioniert nur einmal richtig. Ich habe die Befürchtung, dass er mit jeder weiteren Sichtung Thrill – und damit einen essentiellen Teil seiner Atmosphäre – verliert.
Mir hat dieser Film aber von der ersten bis zur letzten Minute richtig Spaß bereitet und daher muss ich hier eine klare Empfehlung aussprechen.

Meine Wertung:
Spannung: 9,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Musik: 10 von 10
Setting: 9,5 von 10
GESAMT: 9,0

The Night Clerk – Ich kann dich sehen

© EuroVideo Medien GmbH

Titel: The Night Clerk
Genre: Psychothriller
Regie: Michael Cristofer
Musik: Erik Hall
Produzenten: David M. Wulf / Arianne Fraser / Tye Sheridan
Dauer: ca. 86 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK 12

„Um seine Sozialkompetenz zu trainieren, installiert der autistische Hotelnachtwächter Bart Bromley (Tye Sheridan) Kameras zur Überwachung seiner Gäste. Als er Hauptverdächtiger in einem Mordfall wird, könnten die Aufzeichnungen seine Unschuld beweisen, doch er weigert sich, dem Ermittler Johnny Espada (John Leguizamo) ihre Existenz preiszugeben.“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Zum Heimkinostart von „The Night Clerk“ am 19.11.2020, habe ich die Möglichkeit erhalten, diesen Film zu schauen.

„The Night Clerk“ ist ein Psychothriller mit Tye Sheridan, Ana de Armas, Helen Hunt und John Leguizamo und erzählt die Geschichte vom Nachtwächter Bart. Aufgrund seines Autismus hat er Schwierigkeiten, soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Aus eigenem Antrieb heraus möchte er dieses Handicap ausmerzen und installiert daher in einigen Hotelzimmern Kameras, um sich das zwischenmenschliche Verhalten seiner Gäste anzuschauen und auszuwerten, bis eines Tages ein Mord in einem dieser Zimmer stattfindet. Wie kann er – ohne von der Existenz der Kameras zu berichten – aus dem Visier der Ermittler gelangen?

Mit rund 86 Minuten bietet „The Night Clerk“ im Grunde eine kurzweilige Unterhaltung, die sich gleich auf mehrere Säulen stützt. Inhaltlich bietet dieser Film zum einen einen Kriminalfall und zum anderen die ganz persönliche und tragische Geschichte von Bart, der Asperger-Autist ist. Und genau diese Kombination macht „The Night Clerk“ zu einem besonderen Film.
Selten bis nie kann man das eine ohne das andere betrachten.
An dieser Stelle ist es von Vorteil, einen guten und talentierten Schauspieler in einer Rolle zu haben, der eine gewisse Überzeugung mitbringt. Tye Sheridan bringt sich mit seinem Schauspiel groß ein und überzeugt als Autist mit fehlender Sozialkompetenz.

© EuroVideo Medien GmbH

Vor allem zeigt der Streifen ein grundsätzliches Problem auf. Wie geht man mit Asperger-Autismus um? Es geht nicht um eine Bevormundung, sondern um ein respektvolles Miteinander. Die Polizei, die die Rechte des Einzelnen nicht immer allzu ernst nimmt, wird dabei in ihrem Handeln recht stereotypisch und unflexibel dargestellt. Als Gegenspieler zur Polizei gibt es Barts Mutter (gespielt von Helen Hunt), die immer wieder auf die Rechte ihres Sohns pocht und versucht, ihn abzuschirmen. Erfrischend ist da die Besetzung und das Mitwirken von Ana de Armas Rolle. Sie normalisiert die Sicht auf Bart. Ohne Bevormundung oder Benachteiligung lässt sie ihn normal dastehen.

Aber wie wirkt das alles und wie sind die Figuren aufgebaut?
Tye Sheridan habe ich bereits positiv hervorgehoben und mit ihm ist die Liste tatsächlich recht kurz. Helen Hunt hat, obgleich ihrer wichtigen Rolle in diesem Film, verhältnismäßig geringe Screentime, ebenso John Leguizamo. Übrig bleibt Ana de Armas, die eine wundervolle Leistung in „Knives Out“ hingelegt hat, aber in „The Night Clerk“ vieles vermissen ließ.
Vor allem stellte sie die Figur so ambivalent dar, dass sie von der einen auf die andere Sekunde Sympathien sammelte und diese direkt über Bord wirft und sich in den Mittelpunkt des Handelns schiebt. Sie spielte mit ihrer Glaubwürdigkeit, sodass ich emotionalere Momente nicht authentisch empfand.

Die wichtigste Frage ist aber, wie es mit der Spannung und der Story bestellt ist. Ich für meinen Teil finde die Handlung wenig innovativ, was vor allem daran liegt, dass 2018 ein Film mit ähnlich gelagerten Ansätzen erschienen ist. Ich kann ihr aber dennoch etwas abgewinnen. Die Prämisse ist an sich nämlich recht spannend. Inszenatorisch weist dieser Film aber seine Makel auf. Zu behäbig und zu ausgedehnt werden Einstellungen und Dialoge gedreht und dargestellt. Der Kriminalfall hat kaum Möglichkeiten, sein Potential zu entfalten, da der Film von Beginn an das Rätsel löst und die Polizei zu eindimensional handelt. Die erzeugte Atomsphäre ist daher leider auch stark begrenzt.

© EuroVideo Medien GmbH

Unterm Strich ist „The Night Clerk“ ein solider Film, der ganz bestimmt seine Fans finden wird. Ein gesellschaftskritischer Kriminal-Psychothriller ist leider nicht so einfach zu verkaufen, aber wenn man unaufgeregte und gute Geschichten sehen will, wird man über kurz oder lang nicht an diesem Film vorbeikommen. Ich kann „The Night Clerk“ trotzdem nur bedingt empfehlen, da mir die Identifikationen fehlten. Die Figuren waren zwar teilweise schön und glaubhaft anzusehen, jedoch fiel es mir schwer, mich mit irgendeiner Figur zu identifizieren. Diesbezüglich konnte mich der Streifen leider nicht abholen.

Und auch sonst fehlte etwas: Musik, die in irgendeiner Art Stimmung zu transportieren wusste oder vielfältige Kulissen sucht man vergebens. Dafür ist die Kameraarbeit hingegen sehr direkt, unaufgeregt und teilweise Impulsgeber dafür, wie der Zuschauer Situation empfindet.

„The Night Clerk“ ist ab dem 19. November 2020 im Handel erhältlich.

Meine Meinung:
Die Schwächen möchte ich nicht verheimlichen und die Stärken sind leider auch recht spärlich gesät. Das ist aber vollkommen ok, denn „The Night Clerk“ wird vielleicht nicht jedem gefallen, aber niemand wird ihm ein durchweg schlechtes Zeugnis ausstellen können.

Ich kann einfach nur jedem raten, diesem Film eine echte Chance zu geben.

Meine Wertung:
Spannung: 5,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,5 von 10
Authentizität: 6,0 von 10
Musik: 4,0 von 10
Setting: 5,5 von 10
GESAMT: 5,6

IP Man 4 – The Finale

Titel: IP Man 4 – The Finale
Genre: Martial-Arts
Regie: Wilson Yip
Musik: Kenji Kawai
Produzenten: Wilson Yip / Donnie Yen / Raymond Wong
Dauer: ca. 102 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 16

„Wing-Chun-Großmeister IP Man (Donnie Yen) kommt nach San Francisco, um eine Schule für seinen Sohn zu finden und seinem Schüler Bruce Lee beim Aufbau eines Wing-Chun-Trainingscenters zu unterstützen. Seine ungewöhnlichen Lehrmethoden sorgen für Anfeindungen von chinesischen und westlichen Martial-Arts-Kämpfern. Besonders brutal geht dabei Barton (Scott Adkins) vor, ein amerikanischer Marineoffizier, der die Auseinandersetzungen auf einen unausweichlichen Clash der Kampfkunst-Disziplinen zuspitzt: Welche Martial-Arts-Form ist die überlegene? Welche Nation kann den Sieg davontragen?
(Rückentext der DVD)

Die „IP Man“-Reihe findet ein Ende. Im vierten Teil dreht sich alles um die letzten Lebensjahre und die besondere Beziehung zum Sohn. Wieder ist Donnie Yen dabei, der zu einem Abbild der historischen Person Yip Man geworden ist.

Die Handlung ist – wie auch in den Vorgängern – chronologisch erzählt und besticht abermals mit der darstellerischen Leistung, den durchchoreografierten Martial-Arts-Einlagen und einer leicht zu folgenden Handlung.

Thematisch beschäftigt sich „IP Man 4 – The Finale“ auf der einen Seite mit einer intensiven Vater-Sohn-Beziehung, die ein ums andere Mal auf die Probe gestellt wird. Auf der anderen Seite werden die Motive für all das Handeln in diesem Film recht früh offengelegt und legitimiert. Dazu kommt, dass es gleich mehrere Handlungsorte gibt. Während sich IP Man in den USA befindet, ist sein Sohn die ganze Zeit über im heimischen China.
Konflikte zwischen ihnen werden also auf ganz andere Weise dargestellt, als es üblich ist.
Ebenfalls unüblich ist der Stellenwert, den die Kampfkunst in diesem Film erhält. In den Vorgängern wurde ihr zwar immer eine Bedeutung zugestanden, jedoch wird sie in diesem Streifen auf besondere Art hervorgehoben. Kampfsport erfährt hier eine Würdigung, die nicht nur als Mittel zum Zweck dient, sondern den Nutzer mit einem Gerechtigkeitsbewusstsein ausstattet. Der Geist des Kampfsports wird dadurch hervorgehoben.

Darstellerisch sehen wir Donnie Yen in seiner Paraderolle, Scott Adkins mimt den häufig eindimensionalen Antagonisten und Danny Chan bekommt lediglich am Anfang eine Chance, den bekanntesten Wing-Chun-Schüler darzustellen – Bruce Lee.

Emotional bringen es aber nur sehr wenige Figuren auf den Punkt. Der Vater-Sohn-Konflikt wird äußerlich nur vom Sohn getragen, wohingegen Ip Man die innere Zerrissenheit anzusehen ist. Auch in den USA gibt es genug Stoff für Konflikte. So ist die Verbreitung chinesischer Kampfkunst durch Bruce Lee in den USA ein Anliegen, das in den Augen der übrigen in den USA lebenden Chinesen geklärt werden soll. Darüber hinaus zeigt der Film auf, dass die Chinesen in den USA unter rassistischen Repressalien litten.
Alles in allem sind die Positionen der Chinesen für mich allerdings leichter und authentischer dargestellt, als die der Amerikaner. Und hier eine große Kritik: Nahezu alle Amerikaner werden aggressiv und eindimensional dargestellt. In nur sehr wenigen Momenten wird ihnen eine Haltung zugesprochen, die auf der Kommunikation fußt und nicht auf dem Willen, alles und jeden zu zerstören. Es ist also alles schwarz/weiß, ohne Grautöne und Mittelwege.

Das Setting wirkt im ganzen Film sehr wertig. Eine Militärbasis, China-Town oder Innenaufnahmen in China und den USA sehen nie gleich aus. Der Film beweist hier eine hohe Vielfalt und weiß diese Umgebungen für sich zu nutzen. Martial-Arts-Einlagen werden dadurch facettenreicher und anspruchsvoller inszeniert. Die Kameraarbeit ist besonders in diesem Punkt grandios. Die Bildsprache ist durchdacht und stringent. Auch die Totalen oder Portraitaufnahmen erlauben dem Zuschauer förmlich, in die Figur hineinzuschauen. Die Musik ist nicht passend und unterstützend, sie rundet das Geschehen gekonnt ab und lenkt außerdem den Fokus auf die Handlung.

Meine Meinung:
„IP Man 4 – The Finale“ ist ein würdiger Abschluss einer Reihe, die über eine ganze Dekade angedauert hat. Die komplette IP-Man-Reihe hat mir sehr gut gefallen und dieser Teil reiht sich nahtlos ein.

Wieder einmal bietet ein Streifen aus der Reihe kurzweilige Martial-Arts-Unterhaltung und weiß auf seine ganz eigene Art zu überzeugen. Die Mischung aus choreographierter Kampfkunst und biografischen Elementen, die die Geschichte vom Großmeister Yip Man erzählen, sind in dem Genre nahezu einzigartig.

Ich kann eine Empfehlung für all diejenigen aussprechen, die sich bereits für die Vorgänger begeistern konnten oder grundsätzlich Fan von Martial-Arts-Filmen sind.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 7,7

Reihenfolge:
1. IP Man
2. IP Man 2
3. IP Man 3
4. IP Man 4 – The Finale

Angelehnt an die Story:
IP Man Zero
IP Man – Final Fight

The Amazing Spider-Man

Titel: The Amazing Spider-Man
Genre: Action / Science-Fiction / Comicverfilmung
Regie: Marc Webb
Musik: James Horner
Produzenten: Avi Arad / Matthew Tolmach / Laura Ziskin
Dauer: ca. 136 Minuten
Erscheinungsjahr: 2012
Altersfreigabe: FSK 12

„Der jugendliche Außenseiter Peter (Andrew Garfield) versucht, das Geheimnis seiner Vergangenheit zu lüften und das Herz seiner Highschool-Liebe Gwen Stacy (Emma Stone) zu erobern. Ein mysteriöser Aktenkoffer seines Vaters, der ihn als Kind verlassen hat, führt Peter zu dessen ehemaligen Partner Dr. Connors. Die Enthüllung des Geheimnisses um seinen Vater besiegelt sein Schicksal, ‚Spider-Man’ zu werden und sich Connors’ bösartigem Ego, der Echse, zu stellen.“
(Rückentext der Blu Ray)

Als Kind habe ich Spider-Man-Comics gelesen und die Zeichentrickserie geschaut. Peter Parker alias Spider-Man ist meine zweitliebste Comicfigur, direkt hinter Batman. Nun habe ich mir „The Amazing Spider-Man“ angeschaut und bin auch sehr froh darüber.

Einige von euch werden sich fragen, worin der Unterschied zwischen „Spider-Man“, „The Amazing Spider-Man“ und „Spider-Man: Homecoming“ liegt. Die Antwort ist dabei eigentlich ganz simpel: Es sind unterschiedliche Spider-Men die in unterschiedlichen Universen leben. Eine ziemlich gute Einführung und Erklärung darüber, wie viele unterschiedliche Spider-Men es gibt, gibt der Film „Spider-Man: A New Universe“.

Die Handlung erzählt die Geschichte von dem Highschool-Schüler Peter Parker, der von einer genmanipulierten Spinne gebissen wurde, wodurch er seine Superkräfte erhält. Nach der Entdeckung einer Aktentasche kommt Peter dem Geheimnis nach dem Verbleib seiner Eltern und der Tätigkeit seines Vaters auf die Spur. Sein Weg führt ihn zu einem alten Arbeitskollegen seines Vaters, der an dem Thema „artenübergreifende Genetik“ forscht.

Spider-Man habe ich schon als Kind als einen Helden wahrgenommen, mit dem man sich am ehesten identifizieren kann und genau dieses Gefühl kam bei mir wieder auf. Das Besondere an diesem Film ist, dass die ganze Geschichte keinen erwachsenen Peter Parker zeigt, sondern eine jüngere Version. Einen Schüler, der ganz im Sinne eines Heranwachsenden eigene Probleme hat. Marc Webb inszeniert hier also eine Mischung aus Comic-Action und Coming-of-Age und trifft damit meinen Geschmack.

Die Darsteller sind glaubwürdig, allen voran natürlich Andrew Garfield und Emma Stone, die wunderbar in dieses Setting passen. Auch was die emotionale Tiefe angeht, schafft es dieser Streifen, dass sich Peter mit den unterschiedlichen Schicksalsschlägen auseinandersetzt, ohne dabei zu zerbrechen, gleichwohl ihn die Dinge sehr zu beschäftigen scheinen. Auch die immer wiederkehrenden, aufmüpfigen Kommentare Peters finden ihren Platz im Film. Dabei wirken sie selten deplatziert oder eingebildet.
Auch der Antagonist passt sehr gut in diese Geschichte, da er mit allzu menschlichen Beweggründen in die Handlung einsteigt und sich zusehends in einer charakterlichen Abwärtsspirale befindet. Im Grunde ist die Echse einer der wenigen Antagonisten, die ihr Schicksal wirklich in der eigenen Hand halten und aufgrund ihres Wissens und ihrer Motivation einen anderen Weg hätte einschlagen können.

Die Erzählweise ist immer auf den Punkt, Nebenhandlungen ordnen sich weitestgehend unter und münden immer wieder in der Haupthandlung. Das Ganze ist so verpackt, dass der Streifen über einen roten Faden verfügt, der nicht zu sehr konstruiert ist.
Sehspaß ist also garantiert, da es keine nervigen Nebenhandlungen gibt, die zu sehr verwirren oder von offensichtlichen Schwächen ablenken. Zwar ist „The Amazing Spider-Man“ nicht der beste Film aller Zeiten, aber zumindest eine grundsolide Comicverfilmung, die Spaß bereitet. Spider-Man steht drauf und Spider-Man steckt drin, keine Mogelpackung.

Das Setting ist wie immer New York, Hometown von Peter Parker alias Spider-Man. Die Aufnahmen wirken sehr hochwertig, es gibt keine verpixelten Bilder und manche Szenen oder Einzelaufnahmen sind einfach bombastisch, zum Beispiel, wenn sich Spider-Man in einer spiegelnden Glasfassade sieht. Wie gesagt, es bringt einfach Spaß. Die musikalische Untermalung ist stimmig und unterstützender Natur. In einer Szene ist sie absurd und tragend zugleich. Dabei handelt es sich um die berühmte Cameo-Szene von Stan Lee, der nicht bemerkt, dass im Hintergrund die Echse und Spider-Man kämpfen, stattdessen hört er über seine Kopfhörer eine Oper. Fantastisch!
Auch die Effekte verfehlen nicht ihre Wirkung, aber auch hier gilt: Es ist einfach grundsolide. Als Zuschauer denkt man nie, dass etwas echt schlecht gemacht aussieht, aber die Ausreißer nach oben sind auch nur vereinzelt zu finden.

Meine Meinung:
Wer mag sie nicht, die hilfsbereite Spinne von nebenan? „The Amazing Spider-Man“ ist ein gelungener erster Teil, der mir einfach Spaß bereitet hat. Ich mochte diese Version auch als Kind in den Zeichentrickserien schon lieber als die anderen Versionen.

Wenn ich einen Vergleich zwischen der Toby-Maguire-2002er-Version und der Andrew-Garfield-2012er-Version anstellen müsste, dann würde ich mich immer noch für die „The Amazing Spider-Man“-Version von Andrew Garfield entscheiden. Einfach weil ich den Cast, die Handlung und den Bösewichten besser finde.
In der Trilogie von Sam Raimi hatte ich immer das Gefühl, dass Spider-Man auf ein Podest gestellt wurde, er dem aber nie gerecht werden konnte und das ist wohl auch das größte Manko, dass ich an der ersten Reihe festmachen kann.
Andrew Garfield wirkt gleich viel sympathischer, mit seinen zerzausten Haaren kommt er nicht so aalglatt rüber. Gwen Stacy ist in meinen Augen auch die bessere Freundin als MJ.

Am Ende ist „The Amazing Spider-Man“ ein runder und grundsolider Streifen, der eine Geschichte aus einem Comic erzählt.

Meine Wertung:
Spannung: 7,5 von 10
Action: 7,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 7,7

Enemy Lines – Operation Feuervogel

© „Enemy Lines – Operation Feuervogel“ (Meteor Film GmbH)

Titel: Enemy Lines – Operation Feuervogel (engl. „Enemy Lines“)
Genre: Kriegsfilm
Regie: Anders Banke
Musik: Philippe Jakko
Produzenten: Tom George / Andy Thompson / Nadzeya Huselnikava / Alexander Narimanowitsch Kuschajew
Dauer: ca. 92 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK 16

„Im eiskalten Kriegswinter 1943 kämpft sich eine kleine geheime Einsatztruppe unter Führung des amerikanischen Majors Kaminski unbeirrt durch die frostigen polnischen Wälder. Ihr Auftrag ist die Rettung des Nuklearwissenschaftlers Dr. Fabian, der von den Nazis zur Forschung an einer neuen Superwaffe gezwungen wird. Der spektakuläre Plan gelingt nach einigen Rückschlägen, aber das ist erst der Auftakt zu einer gefährlichen Hetzjagd. Jetzt ist nicht nur eine gnadenlose deutsche Jägereinheit hinter den todesmutigen Männern her, sondern auch die Russen setzen alles daran, Dr. Fabian und seine Tochter in die Hände zu bekommen. Um die Hölle ihrer Verfolger zu überleben, bleibt Kaminski keine Wahl: Er muss sich mit einer Gruppe Partisanen verbünden. Gemeinsam setzen die ungleichen Kampfgenossen alles daran, dem Feuer ihrer Widersacher die Stirn zu bieten.“
(Inhalt laut Presseheft)

Am 06. November 2020 ist der Heimkinostart von „Enemy Lines – Operation Feuervogel“. Ich habe die Möglichkeit erhalten, ihn vorab anschauen zu dürfen.

In „Enemy Lines“ geht es um einen amerikanischen Offizier, der mithilfe einer britischen Einheit ins Feindesland entsandt wird, um einen Wissenschaftler und seine Familie zu befreien und zu retten. Die Nazis haben europaweit führende Wissenschaftler dazu gezwungen, für ihre Zwecke neuartige Waffen zu entwickeln, die den Ausgang des Krieges zu ihren Gunsten verändern sollten. Die Rettung ist unabdingbar, da der Wissenschaftler mit seinem Know-How das Potential hat, den Krieg zu entscheiden. In 92 Minuten begleiten wir also den Amerikaner Kaminski, der durch das kalte Polen stapft und den Raketenwissenschaftler Dr. Fabien retten soll. Dabei hat er allerhand zu verlieren, denn er wird gleichermaßen von den Deutschen und den Russen verfolgt, die alle Anspruch auf den Wissenschaftler erheben.

© „Enemy Lines – Operation Feuervogel“ (Meteor Film GmbH)

Diese Geschichte ist an realen Geschehnissen angelehnt. Die Alliierten haben zum Ende des Krieges einige Wissenschaftler aus Nazi-Deutschland befreit, um sie teilweise am Manhattan-Projekt arbeiten zu lassen, das dann zur Vollendung der Atombombe geführt hat.

Zwar ist die Art der Narration stringent, allerdings sind Charakterszenen meistens nicht sonderlich interessant und Actionsequenzen handwerklich leider auch nicht anschaulich. Meine Kritik kann ich auch ganz leicht begründen.
Charakterszenen: Die Handlung ist vollkommen auf Ed Westwicks Figur zugeschnitten und alles was passiert, soll seine Figur hervorheben. Ich persönlich finde das nicht schlimm, wenn die Handlung von einer Figur getragen wird, allerdings schafft Ed Westwick dies nicht. Seine Figur Kaminski ist zuweilen unsympathisch und wirkt nicht echt. Ich konnte mich nicht mit ihr identifizieren und das machte es mir schwer, ihr zuzusehen.
Die Antagonisten werden eher stereotypisch dargestellt. Die Deutschen arbeiten mit einer Stechuhr, denn nicht selten fallen Sätze wie: „Doktor, Sie haben noch 4:17 Stunden Zeit!“ und die Russen sind eher aggressive Alkoholiker, die den Griff zur Waffe genauso sehr schätzen wie den Griff zur Wodka-Flasche. „Enemy Lines“ greift zwar thematisch eine brisante Zeit der Weltgeschichte auf, jedoch fehlt es ihm an den Zwischentönen.
Actionsequenzen: Zwar versucht der Streifen immer wieder durch Actionsequenzen sich und seine Handlung aufzuwerten bzw. interessanter zu gestalten, jedoch gelingt es ihm nicht. Das liegt vor allem daran, dass CGI und Green-Screen-Einstellungen so schnell und leicht zu erkennen sind, dass er es nicht schafft, den Zuschauer mitzunehmen. Ich war zum Teil erschrocken, wie schlecht die Bilder zusammengepasst haben. In einer Szene wird eine Explosionen so pompös inszeniert, dass sie einen ganzen Häuserblock zum Einsturz bringen könnte, hinterließ aber außer einem umgeknickten Baum und ein bisschen Ruß am Boden nichts weiter. Auch das Handeln in Actionsequenzen und die Glaubwürdigkeit hat sehr gelitten. Eine Szene, in der ein Soldat einen Gewehrschuss ins Herz bekommen hat und infolge dessen zwar sehr stark aus der Wunde heraus blutete, aber dennoch munter weiterkämpfen konnte, blieb mir dabei besonders im Kopf.

© „Enemy Lines – Operation Feuervogel“ (Meteor Film GmbH)

Viel mehr als die Spannung und Action honoriere ich die Idee der Geschichte, denn im Grunde wird hier ein beliebtes Setting ins Nazi-Deutschland adaptiert. Bei aller Kritik an der Umsetzung und den darstellerischen Leistungen ist „Enemy Lines“ im Kern ein interessanter Film, der mich mit seiner Prämisse angesprochen hat. Ich wollte bis zur letzten Sekunde wissen, ob Dr. Fabien gerettet werden kann, auch wenn der Weg zum Ziel mit vielen Unstimmigkeiten versetzt war.

Was kann „Enemy Lines – Operation Feuervogel“ dem Zuschauer bieten?
Ich habe für mich zwei gute Elemente herausgezogen. Zum einen schafft es der Streifen, weitestgehend spannend zu sein, da die Kamera nicht alleine bei Kaminski bleibt, sondern auch die Lage bei Dr. Fabien schildert, die Entwicklungen im Hauptquartier zeigt und die Russen ins Visier nimmt. Das bietet zwar ordentlich Abwechslung, offenbart aber auch Schwächen in der Handlung.
Das zweite starke Element ist die Musik. Herausragend komponiert und mit Gänsehaut-Garantie wird das komplette Geschehen stilvoll und passend untermalt. Teilweise war es so gut, dass sie der Handlung komplett die Show gestohlen hat.

„Enemy Lines – Operation Feuervogel“ ist ab dem 06. November im Handel auf DVD und BluRay erhältlich.

Meine Meinung:
Thematisch finde ich diesen Film interessant, aber leider hat mich die Umsetzung nicht überzeugen können. Die Figuren sind leider unsympathisch und bieten wenige Möglichkeiten, sich mit ihnen zu identifizieren.
Auch handwerklich sieht man dem Streifen viel zu sehr den Einsatz von CGI an, was auch zu inszenatorischen „Löchern“ führt. Leider wirkt „Enemy Lines“ komplett unrund.

Meine Wertung:
Spannung: 7,5 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 6,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 4,0 von 10
Authentizität: 4,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
Action: 4,0 von 10
GESAMT: 5,4

1917

Titel: 1917
Genre: Kriegsfilm
Regie: Sam Mendes
Musik: Thomas Newman
Produzenten: Sam Mendes / Pippa Harris / Jayne-Ann Tenggren / Callum McDougall / Brian Oliver / Michael Lerman / Julie Pastor
Dauer: ca. 115 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 12

„Auf dem Höhepunkt des Krieges erhalten die beiden britischen Soldaten Schofield (George MacKay) und Blake (Dean-Charles Chapman) einen nahezu unmöglichen Auftrag. In einem Wettlauf gegen die Zeit müssen sie sich tief ins Feindesgebiet vorwagen und eine Nachricht überbringen, die verhindern soll, dass hunderte ihrer Kameraden in eine tödliche Falle geraten – darunter auch Blakes eigener Bruder.“
(Rückentext der DVD)

Sam Mendes hat bereits 2005 mit „Jarhead“ einen in meinen Augen sehr starken Kriegfilm inszeniert. 2019 kam sein Werk „1917“ in die Kinos, das im ersten Weltkrieg spielt.
Zwei Soldaten werden losgeschickt, eine Nachricht an einen Colonel zu übermitteln, der gerne schnell handelt. Der Inhalt der Nachricht könnte aber nicht brisanter sein, denn wenn er einen großangelegten Angriff durchführt, wird er in eine Falle laufen.

Dieser Film erklärt weder wie es zum ersten Weltkrieg kam, noch wie er ausgegangen ist. Er erzählt eine Geschichte einer Mission. Ob diese Mission so auch in Wirklichkeit passiert ist, kann ich nicht zu 100 % bestätigen, allerdings kann ich bestätigen, dass dieser Film auf Erzählungen basiert, die der Regisseur von seinem Opa erzählt bekommen hat, der seinerzeit 1917 im ersten Weltkrieg diente und ebensolche Nachrichten überbringen musste.

„1917“ ist, und das kann ich vorweg nehmen, einer der besten Kriegsfilme, die ich je gesehen habe. Das liegt vor allem an der Machart, den Charakteren und dem Setting.

Die Figuren sind allesamt absolut authentisch. Vor allem die beiden Hauptfiguren Schofield und Blake stehen im Mittelpunkt des Geschehens und schaffen es durch ihr Spiel, den Zuschauer von der ersten Minute an zu erreichen und mitzunehmen. Das schaffen die zwei vor allem dadurch, dass das Publikum in ihren Gesichtern die komplette Emotionspalette sehen und ablesen kann.

Die Machart ist geschickt und bietet sich für diesen Film an, denn der Streifen ist im Stile eines Oneshot-Films gedreht und das war auch beabsichtigt. Keine Kulisse und kein Schauplatz ist zweimal zu sehen, die eingesetzte Kamera war in dem Fall besonders leicht, um schnelles An- und Abmontieren von Kränen, Gestellen oder anderen Fahrzeugen sicherzustellen. Die Crewmitglieder trugen ebenfalls Soldatenuniformen, um sich hinterher stimmig ins Bild zu mischen. Keine Szene ist direkt ausgeleuchtet. Die Freiluftaufnahmen wurden bei Wolken gedreht, Nachtaufnahmen hatten zwar Lichtquellen, aber ausgeleuchtet wurden sie trotzdem nicht.
Schlussendlich zählt zum Setting auch die Musik, die in diesem Streifen besonders tragend ist. Für die Filmmusik verantwortlich zeichnet sich der vielfach für den Oscar® nominierte Komponist Thomas Newman, der bereits in anderen Filmen mit Sam Mendes zusammenarbeitete. Film und Musik haben einen gemeinsamen Rhythmus und unterstützen sich gegenseitig. Im Klartext raubt die Musik dem Film nicht die Show.

„1917“ hat viel zu geben. Glaubwürdige Emotionen, packende und sehr spannende Momente und Szenen, Oneshot-Stil und Kulissen, die den Zuschauer vom ersten Moment in ihren Bann ziehen und die perfekte musikalische Untermalung. Darüber hinaus sind im Cast auch bekanntere Darsteller wie Colin Firth, Mark Strong und Benedict Cumberbatch, die aber in der Gesamtheit eine sehr geringe Screentime haben. Die beiden Hauptfiguren sind einfach bockstark und tragen den Film auf ihren Schultern.

Meine Meinung:
„1917“ ist, wie ich es bereits oben erwähnt habe, einer der besten Kriegsfilme, die ich je gesehen habe. Ich hing die komplette Zeit sehr nervös vor dem TV-Gerät, weil ich es kaum erwarten konnte, was Schofield und Blake erleben. Ich wurde gepackt, mitgerissen und überrascht.

Ich kann „1917“ klar empfehlen, weil mir dieser Streifen ein besonders intensives Filmerlebnis beschert hat. Ein richtiges Highlight!

 

 

Meine Wertung:
Spannung: 9,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,5 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Musik: 9,0 von 10
Action: 8,0 von 10
GESAMT: 8,7

Fantasia 2000

Titel: Fantasia 2000
Genre: Animationsfilm
Regie: Eric Goldberg / Hendel Butoy / James Algar / Francis Glebas / Pixote Hunt / Gaëtan Brizzi / Paul Brizzi / Don Hahn
Musik: Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von James Levine
Produzenten: Roy E. Disney / Donald W. Ernst
Dauer: ca. 74 Minuten
Erscheinungsjahr: 1999
Altersfreigabe: FSK 0

„Die fantastische Fortsetzung des Klassikers ‚Fantasia‘ aus dem Jahre 1940 entführt Sie in eine atemberaubende musikalische Zeichentrick-Welt. Auf einzigartige Weise erlebt der Zuschauer die visuelle Umsetzung von acht klassischen Musikstücken. Neben sieben neuen spektakulären Sequenzen gibt es außerdem ein Wiedersehen mit dem berühmten Kurzfilm ‚Der Zauberlehrling‘ und vielen beliebten Disney-Stars. Ein grandioses Konzerterlebnis für die ganze Familie.“
(Rückentext der DVD)

Zum Zeitpunkt des Einlegens der DVD war mir noch gar nicht so richtig klar, was „Fantasia 2000“ überhaupt für ein Film ist. Umso erstaunter und gleichwohl interessierter war ich, als ich bemerkte, dass es sich um ein Filmkonzert handelt.

Der Film hat keine feste Handlung, vielmehr zeigt er scheinbar ganz willkürlich acht Kurzfilme, die mit klassischer Musik unterlegt sind. Dabei geht es tatsächlich weniger um die Geschichte des Kurzfilms, als viel mehr um die Musik. Recht früh erkennt der Zuschauer, dass die Musik den Takt der Handlung vorgibt und wenn man sich darauf einlässt, kommt man in den Genuss eines Meisterwerks, das es so nur noch ein weiteres Mal gibt. Zugegeben, ich kenne nicht den Vorgänger aus dem Jahre 1940, aber er ist für mich bereits von Interesse, weil ich wissen möchte, was die beiden Filme voneinander unterscheidet und ob es wirklich nur die Musik ist.

Die Musik ist auch schon das Kernstück des Streifens. Es geht nämlich genau darum. Das Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von James Levine hat die meisten Stücke inszeniert. Gespielt werden unter anderem Beethoven und Dukas und dazu werden teils abstrakte Geschichten erzählt, in denen es keine Dialoge gibt. Der Fokus liegt eben auf der Musik. Und genau dazu kann ich nichts Schlechtes sagen, denn entweder mag man klassische Musik, oder eben nicht.

Die Kurzfilme waren allesamt sehr künstlerisch mit komplett unterschiedlichen Atmosphären und Ausstrahlungen. Wir sind unter anderem Zeuge von abstrakten Schmetterlingen, fliegenden Buckelwalen und einem erwachenden, sterbenden und wiederauferstehenden Waldgeist. Wir sehen das New York der 1930er Jahre und Donald als Gehilfe von Noah, der seine Daisy aus den Augen verliert als er gerade dabei ist, die Tiere auf die Arche zu bringen.

„Fantasia 2000“ ist also mehr als ein Filmkonzert. Dieser Film ist auf so vielen Ebenen Kunst.

Meine Meinung:
„Fantasia 2000“ war für mich eine Wundertüte. Ich höre gerne klassische Musik und hin und wieder sehe ich auch gerne etwas Unerwartetes. Wie eingangs beschrieben, hatte ich keine Vorstellung von diesem Film, umso erfreuter bin ich, dass er mir gefallen hat.

Ich hatte auch grundsätzlich Spaß beim Schauen. Zunächst hat es mir Spaß bereitet, zu sehen, was da passiert. Waren die abstrakten Schmetterlinge wirklich Schmetterlinge oder doch etwas anderes? Fliegen die Buckelwale echt durch die Luft? Wird Donald seine Daisy finden? Und wie grandios sah bitteschön der Waldgeist aus?
Dieser Film wurde meiner Meinung nach nicht gemacht, um die große Kohle zu machen, sondern um Kunst miteinander zu kombinieren, ein Werk voller Hingabe und Liebe zum Detail zu entwickeln. Teilweise regt der Streifen auch zum Nachdenken an, zumindest hat er es bei mir und ich fühlte mich wohl dabei.

Hier gibt es also eine klare Empfehlung.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Animationen / Zeichentrick: 9,0 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Musik: 10 von 10
GESAMT: 8,2

Zwei Kurze, bitte! #9

Die heutige Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“: Filme, die für die große Leinwand gemacht sind.
Und in diesem besonderen Fall dreht es sich um Tim Burtons „Big Fish“, der eine außergewöhnliche Geschichte des Lebens erzählt und Roland Emmerichs „10.000 BC“, der die Geschichte des Lebens an sich erzählt. Ich wünsche allen Lesern viel Spaß!

Titel: Big Fish (2003)
Regie: Tim Burton
Genre: Tragikomödie

Tim Burtons „Big Fish“ erzählt die Geschichte von Edward Bloom, der auf dem Sterbebett liegt. Sein Sohn unternimmt einen letzten Versuch, die nichtvorhandene Vater-Sohn-Beziehung zu kitten und will die Wahrheit hinter all den Lügengeschichten herausfinden.
Ewan McGregor spielt den eigenwilligen, erfinderischen und abenteuerlustigen Edward Bloom auf eine unfassbar unterhaltsame Weise. Die komplette Geschichte überzeugt durch eine ganze Reihe fantasievoller Elemente. Teils witzig, teils tragisch wird der Film vorangetrieben und fordert ein ums andere Mal auch viel Geduld vom Zuschauer ab. Zum Ende hin nimmt der Streifen dann noch einmal Fahrt auf und schließt mit einer zum Schmunzelnden Anekdote ab. Tim-Burton-Fans werden den Film mögen, andere werden nicht ganz so begeistert sein. Erzählerisch ist der Film für die große Leinwand gemacht, trotzdem ist er nur bedingt zu empfehlen.

Titel: 10.000 BC (2008)
Regie: Roland Emmerich
Genre: Abenteuer / Action

In diesem visuell beeindruckenden Film dreht sich alles um die Abenteuer des ersten Helden der Geschichte, der auf dem Weg ist, seine große Liebe aus den Fängen ihrer Entführer zu befreien.
So simpel der Plot ist, so beeindruckend ist er erzählt. Chronologisch und ohne größere Überraschungen verfolgt das Publikum den Protagonisten, der immer wieder mit Emotionen und Widrigkeiten zu kämpfen hat, sich selbst überwinden und seine Verbündeten überzeugen muss.
Ein wahrgewordenes Bildspektakel, das sein volles Potential mit entsprechendem Equipment ausschöpfen kann. Wer kein eigenes Kino besitzt, kann auch zur DVD oder BluRay greifen und sich diesen Traum von Film einfach auf seinem riesengroßen Fernseher anschauen.

Unterm Strich kann ich euch nur einen Film sehr ans Herz legen und für den anderen gibt es nur eine bedingte Empfehlung. Den einen aufgrund seiner faszinierenden Geschichte, den anderen wegen seiner Bilder. Das ist wahrer Stoff fürs Kino.

Watchmen – Die Wächter

Titel: Watchmen – Die Wächter (engl. „Watchmen“)
Genre: Science-Fiction / Comicverfilmung
Regie: Zack Snyder
Musik: Tyler Bates
Produzenten: Lawrence Gordon / Lloyd Levin / Deborah Snyder
Dauer: ca. 155 Minuten
Erscheinungsjahr: 2009
Altersfreigabe: FSK 16

„Es ist das Jahr 1985 und die Superhelden schließen sich zusammen, um den Mord an einem der ihren aufzuklären. Schon bald decken sie einen teuflischen Plan auf, der die gesamte Menschheit in tödliche Gefahr bringt. Während die Superhelden darum kämpfen, das drohende Unheil zu stoppen, entdecken sie, dass sie selbst das Ziel der Vernichtung sind. Doch wenn die Superhelden tot sind, wer wird uns retten?“
(Rückentext der DVD)

Selten fiel es mir schwerer, eine Review zu einem Film zu schreiben, als bei diesem. „Watchmen – Die Wächter“ basiert auf den gleichnamigen Comic, der für viele, viele Jahre als unverfilmbar galt. Dann kam Zack Snyder und sollte uns eines Besseren belehren.
2009 setzte er mit gewohnter Akribie und Sorgfalt einen Streifen um, der sehr viele Stärken, aber auch einige Schwächen hat.

Die Handlung dreht sich um eine bessere Bürgerwehr, die sowohl die Straßen der USA mehr oder weniger sauber hält, als auch gleichzeitig geopolitisch eingesetzt wird: die Watchmen.
Die Story spielt im Jahr 1985 auf einer alternativen Erde. Inmitten des Kalten Krieges steht die Welt vor dem Abgrund. Die metaphorische Weltuntergangsuhr steht auf fünf Minuten vor 12 und der Comedian – ein Mitglied der Watchmen – wurde umgebracht.
Was steckt hinter dem Mord an dem Comedian und kann das Unheil des Weltuntergangs abgewendet werden?

Die Sache mit der Handlung:
Eine von vielen Besonderheiten ist die Erzählung. Zwar wird die Geschichte kontinuierlich vorangetrieben, weiß aber durch Rückblenden die Geschichte zu erweitern und Aufschluss darüber zu geben, wer hinten den Mitgliedern der Watchmen steckt. Immer mal wieder wird der Streifen durch diese Rückblenden unterbrochen und findet im Anschluss dessen nahtlos zurück zur Haupthandlung. Man darf jedoch auch nicht außer Acht lassen, dass es sich bei „Watchmen“ um einen Film von Zack Snyder handelt. Epische Bilder und Kamerafahrten, tolle Kostüme und Kulissen und eine dichte Atmosphäre und ein Blick für das Detail gehören zum guten Ton und werden natürlich abgeliefert, jedoch ist die Handlung komplex. So komplex, dass der Zuschauer nicht nur sehr viel Konzentration, sondern auch Sitzfleisch braucht. Das Folgen der Handlung steht also dem Genießen der Bilder gegenüber, was zwangsläufig dazu führt, dass man diesen Film mindestens zweimal schauen muss. Bedeutet: zweimal 155 Minuten – kritisch!

Die Sache mit den Figuren:
Zwar findet der Zuschauer im Cast keine großen Namen, dafür aber großartige Leistungen – natürlich in differenzierter Form. Mir ist besonders aufgefallen, dass es Figuren gibt, die einen stabilen moralischen Kompass haben und solche, die ihn nicht haben. Gleichzeitig stehen diese Figuren aber auf der gleichen „Seite“. Der Zuschauer hat also mehr oder weniger die Wahl, ob der mordende Vergewaltiger mit einem Alkohol- und Narzissmusproblem zur Identifikationsfigur wird oder die Figur, die für Recht und Ordnung steht und dabei auch im privaten Umfeld eher unauffällig und rechtschaffend ist. Die Vielfalt der Facetten ist in der Tat so groß und die Charaktertiefe bei nahezu allen Figuren enorm. Snyder nutzt die Laufzeit und die durchweg gelungene Einführung der Figuren, um den einzelnen Akteuren ein glaubhaftes und authentisches Auftreten zu sichern. Wir werden Zeuge von übernatürlicher Macht, Resignation und dem Verlust, an das Gute im Menschen zu glauben. Einzelne Figuren spiegeln dabei die schlimmsten Eigenschaften der Gesellschaft wider. Ein Manko ist jedoch, dass es oft an Emotionalität fehlt. Heißt nicht, dass es grundsätzlich daran fehlt, aber wenn Gefühle gezeigt werden, dann sind sie oft wie ein Ausbruch, der sich über den Zuschauer ergießt, daher manchmal etwas drüber.

Die Sache mit dem Setting:
Snydereske Zeitlupenaufnahmen, atemberaubende Bilder, Totalen, Nahaufnahmen, Kamerafahrten, noch nie zuvor gesehene Orte und in den Actionsequenzen wird sehr dynamisch die Kamera bewegt, sodass der Fokus ganz bei den Handlungen liegt. „Watchmen“ ist eine Augenweide. Ein Kuss vor einer apokalyptischen Explosion, sich im Scheine der Sterne räkelnde nackte Frauenkörper oder ein Besuch auf dem Mars sind dabei nur die Kirsche auf der Sahne. Abgerundet wird der gesamte Film authentisch von der passenden Musik aus den 1980er-Jahren oder entsprechender Musik in den Rückblenden.
Auch die Kostüme und die Kulissen sind absolut passend und überzeugend und über jeden Zweifel erhabend.

Die Sache mit der Empfehlung:
„Watchmen – Die Wächter“ ist für mich eine Empfehlung wert, ich kann aber auch die Kritiker verstehen. Auf der einen Seite haben wir hier einen rundum gelungenen Film, der unterhaltsam, spannend und dicht erzählt ist. Die gesamte Geschichte ist sehr komplex und verlangt ein gewisses Maß an Konzentration. Auf der anderen Seite dauert der Streifen satte 155 Minuten (in der Kinoversion; Uncut noch mal deutlich länger).
Manche Kritiker werden außerdem die – in wenigen Teilen – behäbige und recht emotionslose Art der Erzählung kritisieren. Die Dinge kann ich nicht wegdiskutieren, aber mich hat es nicht gestört. Comicfans werden Spaß haben und Zack Snyder hat es allen gezeigt: Den unverfilmbaren Comic gibt es nicht.


Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #63 „Schaue die Verfilmung eines Comics“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
„Watchmen“ hat mir Spaß bereitet und ich hab diesen Film wirklich genossen. Die lange Laufzeit war für mich kein Hindernis, da ich diesen Streifen zum einen bereits mehrfach gesehen habe und zum anderen ohnehin lange Film mit einer guten Einführung fast lieber mag als kurze Streifen, die eher plattitüdenhaft daherkommen.

„Watchmen – Die Wächter“ war für mich außerdem eine Vorbereitung auf die gleichnamige Serie, die zuletzt bei der Primetime-Emmy-Verleihung 2020 als beste Miniserie ausgezeichnet wurde und nur darauf wartet, von mir geschaut zu werden.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Action: 7,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Musik: 9,0 von 10
Setting: 10 von 10
GESAMT: 8,0

The Professor

Titel: The Professor (engl.: „Richard Says Goodbye“)
Genre: Tragikomödie
Regie: Wayne Roberts
Musik: Aaron Dessner / Bryce Dessner
Produzenten: Warren Carr / Brian Kavanaugh-Jones / Greg Shapiro
Dauer: ca. 87 Minuten
Erscheinungsjahr: 2018
Altersfreigabe: FSK 12
Aktuell Verfügbar auf Amazon Prime (Stand: 08.10.2020)

„Für den College-Professor Richard sieht es finster aus: Diagnose Krebs; die Ärzte geben ihm noch sechs Monate… ein wahrgewordener Alptraum. Doch Richard nimmt sein Schicksal mit jeder Menge schwarzen Humor. Er verabschiedet sich von seinen Hemmungen und fesselnden Konventionen und feiert das Leben, als gäbe es kein Morgen. Statt sich selbst zu bemitleiden, beschließt er dem Hedonismus zu frönen und seine letzten Monate in vollen Zügen zu genießen. Mit seinen Eskapaden stößt er sein elitäres Umfeld zwar mehr als einmal vor den Kopf und er bringt seine Stundeten nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Weinen. Aber vor allem lernt und lehrt er nachzudenken über das, was wirklich wichtig ist im Leben.
(Rückentext der DVD)

Heute dreht es sich um den Film „The Professor“ oder wie er im englischen Original heißt: „Richard Says Goodbye“.

Richard ist Professor an einem College und erhält die Nachricht, dass er Krebs hat und daran sterben wird. Selbst wenn er sich behandeln lässt, ist es nur ein Herauszögern des Unabwendbaren. Er macht aus dieser ausweglosen Situation das Beste und fängt auf die beste erdenkliche Art und Weise zu leben an – die, die ihn glücklich macht.

Es nervt mich mal wieder, dass sich für den deutschen Markt ein anderer Titel als „Richard Says Goodbye“ etabliert, dabei dreht es sich genau darum, dass Richard sich verabschiedet und nicht darum, dass er Professor ist. Genug davon.

Ich hatte diesen Streifen nicht auf dem Schirm, bis mir ein neugewonnener Freund ihn mir nahelegte. Zwar war ich zu Beginn eher skeptisch, weil ich Johnny Depps Leistungen seit seinem ersten Wirken in „Fluch der Karibik“ nicht mehr von ebendiesen unterscheiden kann, in diesem Fall wurde ich allerdings eines Besseren belehrt.
In mehreren Kapiteln erzählt also „The Professor“ die Auseinandersetzung eines Mannes mit seiner Sterblichkeit und schafft es sowohl den Zuschauer mitzunehmen, als auch Johnny Depp in seiner Leistung zu rehabilitieren. Unstrittig ist, dass die komplette Handlung von Johnny Depps Figur Richard getragen wird.
Dieser Streifen bietet allerdings so viel mehr, als das, was man messen, wiegen oder zählen kann. Es sind diese Momente, die bittersüß sind und dem Zuschauer einmal mehr verdeutlichen, wie wertvoll das Leben ist.
Die Rolle des Richards sitzt wie ein Maßanzug. Johnny Depp spielt diese Figur mit einer enormen Glaubwürdigkeit und Authentizität, wie ich es bei ihm schon sehr lange nicht mehr gesehen habe. Aus der Schnittmenge „Depps Filme der letzten 10 Jahre“ und „habe ich gesehen“ wurde ich sukzessiv enttäuscht. „The Professor“ zeigt aber, dass er mehr kann als Jack Sparrow.

Das Besondere an diesem Film ist, dass er allzu menschliche Themen anspricht. Jeder hat – oder kennt jemanden, der – einen Verlust durch Krebs zu beklagen hat. Filme wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zeigen den Krebs und spinnen um diesen eine Liebesgeschichte herum. „The Professor“ setzt sich mit der Thematik auseinander und bereitet dabei den Zuschauer, aber auch seinen Protagonisten, auf den Tod vor.
Die zentrale Frage lautet daher: „Sterben, aber wie?“ oder viel mehr „Leben, aber wie?“
Der Tod ist unausweichlich und sich mit dem eigenen Schicksal auseinanderzusetzen, erfordert Größe und Mut. Diesen Prozess kann der Zuschauer zwar sehen, er wird aber nicht kommentiert. „Wen weiht man ein?“, „Wie will man behandelt werden?“, „Therapie ja oder nein?“ sind nur einige Fragen, mit denen sich Richard auseinandersetzen muss, deren Antworten er dem Zuschauer nicht schuldig bleibt.

Sich auf den Weg machen, heißt Abschied nehmen. Emotional gesehen hat der Sterbende die geringste Last zu tragen, diejenigen, die man zurücklässt, müssen aber mit dem Ableben klarkommen. Die Krux mit den Nebendarstellern betrifft die emotionale Glaubwürdigkeit. Wenn ein Vater sich von seiner Tochter verabschiedet, sollten beide aus allen Kanälen heulen. Dass der Streifen nahezu keine Tränen bei unserem Protagonisten zulässt, kann ich allerdings verstehen – ein letztes Mal für seine Tochter stark zu sein, ist dabei ein allzu natürlicher Reflex. Dem Film nehme ich es aber krumm, dass seine Nebendarsteller in der emotionalen Bedeutungslosigkeit dümpeln. Von Beginn an wird in Andacht getrauert, dabei ist der Tod noch nicht einmal eingetreten. Richards Umgang mit der eigenen Sterblichkeit bietet abermals Grund zur Diskussion. Stellt sich die Frage danach, ob das Leben betrauert oder genossen werden soll? Richards zynischer Ansatz ist dabei nicht nur fragwürdig, sondern auch gefährlich. Drogen, Alkohol und ungeschützten Geschlechtsverkehr mit fremden Frauen klingen tatsächlich wie eine Episode aus Depps echten Leben, sind aber Bestandteile des Films und können auch ohne Krebsdiagnose im schlechtesten Fall zum frühzeitigen Ableben führen.
Riskantes Verhalten legitimiert der Film damit, dass die Tage gezählt sind – fragwürdig!

Spaß hat es trotzdem gebracht, sich diesen Streifen anzuschauen. Vor allem in der Institution College erleben wir einige Tabubrüche und interessante Lehr-Lern-Situationen. Die Wirksamkeit und den Mehrwert für die Studenten stelle ich allerdings in Frage.

Das Setting ist gelungen. Der Zuschauer befindet sich in irgendeinem kleinen Ort mit einem College, das eine mittlere bis obere konservative Bildungsschicht repräsentiert. Die Filmmusik ist unaufgeregt und unterstützt den Streifen von Szene zu Szene. Die Kameraarbeit schafft es, in Dialogszenen ein ruhiges, aber interessantes Bild zu zeigen. Dem Publikum wird häufiger die Möglichkeit eingeräumt, in die Gesichtern der Figuren zu blicken und in ihnen unter Umständen zu lesen. Eine Identifikation fällt dennoch schwer.

Meine Meinung:
Es ist schon lange her, dass ich so viel zu einem Film zu sagen hatte, aber „Richard Says Goodbye“ ist da eine klare Ausnahme. Nicht nur, dass mir Johnny Depps Darbietung gefallen hat, mich hat auch der gesamte Film angesprochen und überzeugt. In seinem Handlungsverlauf ist „The Professor“ konsequent. Unweigerlich setzt man sich mit dem Tod auseinander und möchte wissen, wie Richard damit umgeht. In dieser Hinsicht verlangt der Film vieles von einem ab. Er durchbricht die ganz eigene Komfortzone und das kann man ihm sehr hoch anrechnen.

„The Professor“ war für mich eine Überraschung und ein richtiges Highlight. In etwas weniger als anderthalb Stunden schaffte es der Film, mich zu unterhalten und mich mitzunehmen. Er regte mich zum Nachdenken an und berührte mich auf eine besondere Art und Weise.

„The Professor“ erhält von mir daher eine klare Empfehlung und wenn ihr die Möglichkeit habt, dann schaut ihn euch gerne an.

Meine Wertung:
Story: 9,0 von 10
Spannung: 7,5 von 10
Länge: 9,5 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 8,5 von 10