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Cops – Die Eliteeinheit

© „Cops – Die Eliteeinheit“ (Meteor Film GmbH)

Titel: Cops – Die Eliteeinheit (original „Cops“)
Genre: Drama / Thriller
Regie: Stefan A. Lukacs
Musik: Wolfgang Frisch / Markus Kienzl
Produzenten: Arash T. Riahi / Karin C. Berger
Dauer: ca. 100 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK noch nicht bekannt

„Christoph ist Rekrut der Polizeispezialeinheit WEGA – ein Alltag zwischen Testosteron, Revierkämpfen und Gruppendruck. Als er während der Ausbildung einen aggressiven Mann niederschießt, wird er von seinen Kollegen als Held gefeiert. Doch Christoph hat Zweifel und löst damit eine Spirale der Gewalt aus, die sein Bild von der makellosen Eliteeinheit ins Wanken bringt…“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Ich habe die Möglichkeit bekommen, „Cops – Die Eliteeinheit“ zum Video-on-Demand-Release anschauen zu dürfen. Das lasse ich mir ja nicht zweimal sagen und habe gespannt den Film angeschaut. Wie ich ihn empfunden habe, erfahrt ihr hier.

Die Handlung dreht sich um Christoph, der bei einer Polizei-Spezialeinheit in der Ausbildung ist. Bei seinem ersten Einsatz schießt er einen aggressiven Mann nieder und muss von nun an alleine damit klarkommen. Wie der Rückentext gut beschreibt, befindet sich Christoph zwischen dem testosterongeladenen Druck der Truppe und seinen Selbstzweifeln. Der Film geht auch noch einen Schritt weiter, denn er zeigt viele Mängel einer Gesellschaft auf, in der es truppenähnliche Konstrukte, wie Polizei oder Bundeswehr, gibt, das über das normale Verhältnis von Arbeitskollegen hinausgeht.

© „Cops – Die Eliteeinheit“ (Meteor Film GmbH)

Die Spannung erzeugte der Film in ausreichender Menge aus seiner Handlung heraus. Dadurch wusste „Cops“ sehr zu überzeugen und hat es geschafft, dass ich nahezu die komplette Zeit gespannt bei der Geschichte war. Elementar für die Spannung war die Atmosphäre, die der Streifen dabei erzeugte. Es war ein stetiges Auf und Ab, wodurch der Zuschauer noch mehr und tiefer in die Geschichte gezogen wurde. Außerdem verlangt sie viel ab, vor allem Energie und Nerven, da man sich automatisch selbst fragt, wie man in Christophs Situation agieren würde, zwischen dem Gefühl der Zugehörigkeit und der Ohnmacht der eigenen Psyche.

Die Figuren agierten stets plausibel und haben es geschafft, Emotionen zu transportieren. In gewisser Weise konnte ich Christophs Beweggründe verstehen, ohne dass er wörtlich sagen musste, warum er wie gehandelt hat. Die Art des Schauspiels, das Spiel mit Mimik und Gestik, aber auch die Kameraarbeit haben da einen sehr guten Job gemacht. Besonders hervorgehoben wurde in dem Punkt der Authentizität und der Emotionen die Beziehung zwischen Christoph und seinem Ausbilder, der maßgeblich daran beteiligt war, als Christoph in seinem ersten Einsatz den Mann niedergeschossen hat.

Etwas störend empfand ich jedoch die Sprache. Da der Film aus Österreich stammt, wurde mit dem landestypischen Dialekt gesprochen und ich muss gestehen, dass mir englische Untertitel noch nie so sehr geholfen haben, wie bei diesem Film. All denjenigen, bei denen das ein Ausschlusskriterium sein sollte, kann ich nur sagen: Gebt dem Film eine Chance. Nach zehn Minuten groovt man sich ein und ab dann gibt es nur wenige Stellen, die man als Hochdeutschsprechender nicht versteht. Besonders faszinierend fand ich, dass die dialektische Ausdrucksweise – an manchen Stellen – deutlich härter und teilweise aggressiver klingt als das Standarddeutsch.

Zum übrigen Setting und der Musik lässt sich sagen, dass mit Wien ein guter Handlungsort ausgewählt wurde. Wir bewegen uns unspezifisch durch die Stadt und begleiten Christoph und seine Truppe, lernen aber auch ein paar Nebenfiguren kennen, wie z. B. seinen Vater, seine Freundin, seinen Ausbilder und einige andere Kollegen. Alle Aufnahmen waren diesbezüglich stimmig. Die Filmmusik rundete die ganze Handlung ab. Aufgedrehte Techno-Beats wechselten sich mit stimmungsvollen und feinfühligen Klängen ab. Sowohl die eine als auch die andere Melodie hat ihres zur gelungenen Atmosphäre beigetragen.

© „Cops – Die Eliteeinheit“ (Meteor Film GmbH)

„Cops – Die Eliteeinheit“ erscheint ab 29.05.2020 als Video on Demand (unter anderem bei iTunes, Maxdome, Amazon Digital, Sony Playstation und ab dem 05.06.2020 ziehen Vodafone, Google und Microsoft nach).

Meine Meinung:
Wer hätte es gedacht, dass „Cops – Die Eliteeinheit“ (warum gibt es in Deutschland mal wieder einen Untertitel?) mir so gut gefallen würde? Dieser Film ist besser als ich erwartet hatte. Mit einer glaubwürdigen Geschichte präsentiert sich der österreichische Film, der keine Geschichte von Helden, sondern Antihelden erzählt und mich damit komplett überrascht hat.

Und wer hier einen typisch-deutschen Polizeifilm erwartet, wird vermutlich noch deutlich mehr überrascht sein, als ich es war.
Mir bleibt fast nichts anderes übrig, als diesen Streifen zu empfehlen.
Punktabzug gibt es nur aufgrund einiger weniger Makel.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,3

Draft Day – Tag der Entscheidung

Titel: Draft Day – Tag der Entscheidung (engl. „Draft Day“)
Genre: Sportfilm / Drama
Regie: Ivan Reitman
Musik: John Debney
Produzenten: Ivan Reitman / Ali Bell / Joe Medjuck / Gigi Pritzker
Dauer: ca. 106 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 0

„Sonny Weaver Jr. ist nicht zu beneiden: Der Manager der erfolglosen Cleveland Browns kämpft Jahr für Jahr nicht nur um die Daseinsberechtigung seines Teams, sondern auch mehr und mehr um seine eigene Existenz. Der Eigentümer des Teams setzt ihm daher ein Ultimatum: Wenn die nächste Saison nicht erfolgreich abgeschlossen wird, ist er seinen Job los. Der Draft Day ist der Tag, an dem die Football-Teams Spieler für die neue Saison erwerben, und an diesem fällt auch die Entscheidung über Sonnys persönliche und professionelle Zukunft…“
(Rückentext der DVD)

An jedem ersten Februar-Wochenende findet der Super Bowl statt. Im Jahr 2020 jährt sich die Veranstaltung des größten Einzelsportevents des Jahres zum 54. Mal. Und bevor es am Super Bowl Sunday in Miami zum Kick-off kommt, erwartet euch hier eine kleine Empfehlung, wie ihr den Abend davor heute gut nutzen könnt.
Der Film aus dem Jahr 2014 befasst sich mit dem sogenannten „Draft Day“, dem Tag in der Saison, an dem sich die unterschiedlichen Teams in einer gewissen Reihenfolge Spieler auswählen können (sogenannte Picks), um ihr Team für die kommende Saison zu verstärken. Wobei sie die Picks untereinander auch tauschen und handeln dürfen.

Sonny Weaver Jr. sitzt mit seiner Stelle im Verein ziemlich zwischen Stühlen. Zum einen erhält er – ebenso wie das Team und der Trainerstab – vom Eigentümer sein Gehalt. Zum anderen muss er den Trainer unterstützen, der nicht nur die Spieler trainiert, sondern ihnen auch eine Philosophie übermittelt und sie harmonieren lässt. Die Wünsche beider Seiten müssen also erfüllt werden. Schlüsselpositionen müssen besetzt werden für eine erfolgreiche und ausgewogene Kaderplanung. Hierfür die richtigen Spieler auszuwählen obliegt Sonny.

Die Handlung ist sehr dynamisch erzählt und profitiert nicht nur von der schauspielerischen Klasse von Kevin Costner, sondern auch von der Schnitttechnik, die immer wieder deutlich macht, dass unterschiedliche Akteure unterschiedliche Interessen vertreten.
„Draft Day“ bietet allerdings weniger Football-Action als man sich erhofft. Viel mehr schlägt der Film in eine Kerbe, die den Background des Footballs beleuchtet. Abseits des Spiels zeigt er auch allerhand Nebenschauplätze, die allesamt realistisch dargestellt sind und so auch in der Realität auftreten können.
Ich bin von „Draft Day“ einfach begeistert, weil er ein sehr kluger und spannender Streifen ist. In den ersten 90 Minuten geht es um den knallharten Sport und die Geschicke eines Generalmanagers an einem der wichtigsten Tage einer Footballsaison. Allerdings verliert er in den letzten zehn Minuten an Stärke, weil er den Fokus weg vom Sport nimmt und sich hin zu persönlichen Belangen des Protagonisten orientiert.
Mit dem Cast bin ich mehr als zufrieden, denn neben Kevin Costner stehen Jennifer Garner, Sean Combs, Denis Leary und Frank Langella vor der Kamera. Wie glaubwürdig und authentisch die Leistungen sind, kann ich allerdings schwer beurteilen, denn die allermeisten Charaktere handeln unterkühlt und sehr professionell und wirken dabei so, als ob sie die Arbeit und Privates strikt voneinander trennen. Dafür dass es so ist, sprechen die letzten zehn Minuten, denn besonders am Ende kommen Emotionen zum Vorschein, die der Film in den ersten 90 Minuten vermissen ließ.
So etwas wie Spannung entsteht durch die Handlung, die Figuren und die Schnitttechnik. Vermutlich werden aber Football-Fans tendenziell etwas mehr und besser unterhalten als Nicht-Football-Fans. Zu keinem Zeitpunkt kam Langeweile auf, viel mehr erschien mir alles rund um den Draft viel zu kurz erzählt. Auch hätten es gerne mehr Figuren, mehr Rivalitäten und mehr Football-Action sein können. Das Konzept, die Nebenschauplätze in den Fokus zu rücken, ist bei diesem Film schlussendlich aber perfekt aufgegangen.

Meine Meinung:
„Draft Day“ bringt einen so richtig in Stimmung und schafft es, Vorfreude zu bereiten. Auch wird die Zeit bis zum Super Bowl kürzer. Meiner Meinung nach wurden die Football-Hintergründe sehr realistisch dargestellt. Ich habe es mir immer genauso vorgestellt, wie die Teams untereinander handeln. Ich kann mir auch für die Zukunft vorstellen, den Draft 2020 zu verfolgen, alleine schon deswegen, um zu erfahren, ob ich den einen oder anderen Spieler aus den College-Football-Übertragungen wiedererkenne.

Zu guter Letzt eine klare Empfehlung für sportbegeisterte Menschen, die auf schlaue Handlungen mit dramaturgischen Verläufen abfahren. So oder so, ein Must-see für Football-Fans.

Meine Wertung:
Story: 8 von 10
Spannung: 8 von 10
Länge: 8,5 von 10
Authentizität: 6 von 10
Gefühl/Emotionen: 4 von 10
Musik: 4 von 10
Setting: 10 von 10
GESAMT: 6,9 von 10

Zwei Kurze, bitte! #1

Zukünftig werde ich unter dem Titel „Zwei Kurze, bitte!“ zwei kurze Kurzkritiken vorstellen. Hier werden Filme und Serien besprochen, die es leider nicht geschafft haben, von mir in einer „großen“ Rezension besprochen zu werden. Wer die Filme und Serien über den Reiter „Index“ sucht, kommt dann auf die Kurzkritiken.

In der ersten Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“ geht es um „I Kill Giants“ und „Boss Baby“.


Titel: I Kill Giants (2017)
Regie: Anders Walter
Genre: Drama

„I Kill Giants“ ist ein Coming-of-Age-Drama mit Fantasie-Elementen. Alles dreht sich um ein Mädchen, das felsenfest davon überzeugt ist, dass ihre Stadt von Riesen bedroht wird und sie diese aufhalten muss. Um die Riesen zu töten, legt sie allerhand Fallen aus und patrouilliert. Die Flucht in ihre Fantasiewelt voller Magie und Riesen hat natürlich einen bestimmten Hintergrund: Probleme Zuhause und in der Schule, die durch ihr Umfeld verstärkt werde, setzen ihr zu.
Der Streifen lässt allerhand vermissen, vor allem Spannung, narrative Finesse oder irgendeinen anderen Unterhaltungswert. Die Geschichte ist vorhersehbar und der Weg zur Erkenntnis einfach unfassbar lang. Die Konfrontation mit dem eigentlichen Problem vollzog sich erst im letzten Viertel des Films und die Schlüsse daraus sind unglaubwürdig.
Besser man lässt die Finger davon.


Titel: The Boss Baby (2017)
Regie: Tom McGrath
Genre: Animationsfilm

„The Boss Baby“ dreht sich um Tim und seinen kleinen Bruder. Tim ist es gewohnt, dass er die Aufmerksamkeit seiner Eltern bekommt, doch das Baby stiehlt ihm die Show. Ganz davon ab, dass der kleine Bruder im Anzug und mit Aktentasche daherkommt, verhält er sich auch noch sehr merkwürdig. Am Ende machen aber Tim und das Baby gemeinsame Sache, denn die eigentliche Mission ist es, die Liebe der Eltern gegenüber von Welpen zu verteidigen.
Die Animationen sind die ganze Zeit vielfältig und abwechslungsreich, die Handlung ist familienfreundlich und der Humor pointiert. Spannungstechnisch schafft es der Film aber nicht, dauerhaft an sich zu binden. Ab circa der Hälfte kann der erfahrene Zuschauer bereits jede Szene vorahnen. Und auch als es zum „Showdown“ kommt, ist der Streifen spannungstechnisch allerhöchstens Mittelmaß. „Boss Baby“ bietet grundsätzlich kurzweilige Unterhaltung, Kinder werden aber definitiv mehr Spaß haben als Erwachsene.

Bohemian Rhapsody

Titel: Bohemian Rhapsody
Genre: Drama / Biografie / Musikfilm
Regie: Bryan Singer / Dexter Fletcher
Musik: Queen / John Ottman
Produzenten: Graham King / Jim Beach
Dauer: ca. 129 Minuten
Erscheinungsjahr: 2018
Altersfreigabe: FSK 6

„Bohemian Rhapsody ist eine Hommage an die legendäre Rockband Queen, ihre einzigartige Musik und ihren außergewöhnlichen Leadsänger Freddie Mercury. Freddie (Rami Malek) widersetzte sich Klischees, trotzte Kontroversen und wurde so zu einem der beliebtesten Entertainer der Welt. Der Film erzählt nicht nur vom kometenhaften Aufstieg der Band, ihrem revolutionären Sound und Freddies Solokarriere, sondern auch von der Wiedervereinigung der Band und einem der grandiosesten Auftritte in der Geschichte der Rockmusik.“
(Rückentext der DVD)

Heute geht es um „Bohemian Rhapsody“, ein Film den mir meine Herzdame geschenkt hat, weil sie wusste, dass ich an ihm Interesse habe.

Zum Inhalt muss gar nicht viel gesagt werden. Der Film dreht sich um die Rockband Queen. Und wie das nun mal so ist, durchläuft Queen, wie viele andere Rockbands auch, Krisen. Krisen, die es zu meistern und bewältigen gilt. Auch wenn der Film vorrangig biografisch ist, gibt es aus spannungstechnischen Gründen kleine Ungenauigkeiten und „Fehler“. Queen-Fans werden sie bemerken, die anderen werden sie nicht stören.
Meiner Meinung nach hat „Bohemian Rhapsody“ trotzdem ein Problem mit fehlender Spannung. Alles, was passiert, wird schon im Rückentext beschrieben – große Wendungen oder Überraschungen fehlen.

„Bohemian Rhapsody“ beschäftigt sich viel mehr mit Freddie Mercury als mit der Band Queen an sich. Es ist also eher ein Streifen, der unter dem Deckmantel der Rockband, das Leben und Wirken von Freddie Mercury beleuchtet. Als Leadsänger hing der Erfolg der Band stark mit ihm zusammen, denn über den Gesang hinaus bot die Kunstfigur Freddie Mercury zusätzliche Anreize.

Wenn man sich die darstellerische Leistung insgesamt anschaut, dann kommt man nicht drum herum, über Rami Malek zu sprechen. Er hat verdientermaßen für seine Performance einen Oscar® gewonnen. Leider sind alle anderen Darsteller austauschbar. Umso tiefer man in den Film eintaucht, umso mehr wird deutlich, dass er fast ausschließlich von seinem Hauptdarsteller getragen wird. Letztlich steht und fällt dieser mit Maleks Leistung, die glücklicherweise überragend war.

Auch wenn der Film nicht wirklich spannend und der Großteil der Darsteller austauschbar war, mochte ich „Bohemian Rhapsody“ trotzdem. Das liegt vorrangig daran, dass ich kurzweilig unterhalten wurde und man dem Film seine Laufzeit nicht angemerkt hat. Außerdem ist er bezüglich der Atmosphäre und der Inszenierung überaus unterhaltend.
In jeder Sekunde hatte ich das Gefühl von Queen-Nostalgie, welches von der einprägsamen Musik der Band unterstützt wurde. Jedes Tönchen, das in irgendeiner Form erzeugt wird, mündet logischerweise in einem Queen-Song. Auch die Inszenierung der einzelnen Songs lädt unweigerlich zum Mitsingen, Mitwippen oder zumindest zum Mitgrooven ein.

Am Ende muss ich sagen, dass Bryan Singer mit „Bohemian Rhapsody“ eine gute Mischung aus Queen-Verehrung und dramaturgischen Stilmitteln gelungen ist. Ein weiteres Denkmal, das aber im Schatten der großen Rockband selbst steht.


Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #48 „Schaue einen Film, in dem es um einen Musiker oder eine Band geht“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
Die Geschichte von Queen und Freddie Mercury mal anders. Auch wenn nicht alle Begebenheiten genau so passiert sind, man also nicht auf Detailtreue wert legen sollte, habe ich mich gut unterhalten gefühlt.
Wer Queen oder gute Musik mag, für den ist dieser Film absolut empfehlenswert und der Rest darf auch gerne reinschalten.

Meine Wertung:
Spannung: 5,0 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,0 von 10
Authentizität: 6,0 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 6,7

Poldark (Staffel 4)

©Edel:Motion

Titel: Poldark (Season 4)
Idee: Winston Graham
Genre: Historienserie / Drama
Titellied: Anne Dudley
Dauer: 8 Folgen à ca. 56 Minuten
Erscheinungsjahr: Großbritannien: 2018 / Deutschland: 2019
Altersfreigabe: FSK 12

„Im Jahre 1796 sträubt sich Ross Poldark nicht länger gegen ein politisches Amt. Um Cornwall und diejenigen, die er liebt, vor dem zunehmend mächtigen George Warleggan zu schützen, lässt er sich zum Parlamentsabgeordneten nominieren. Auch Elisabeth ist für alles bereit, um ihre Ehe zu retten, während Dr. Enys und Caroline vor der Herausforderung ihres Lebens stehen. Überraschend gewinnt Ross die Wahl, was ihn weit weg von seiner Heimat in die Hauptstadt London führt und seine Beziehung mit Demelza erneut auf eine harte Probe stellt… Nicht nur die Fehde zwischen den beiden Häusern Nampara und Trenwith entflammt erneut, sondern es taucht auch ein weiterer Widersacher auf, der zusätzlich für große Spannung sorgt.
Kann sich Ross in seiner neuen Machtposition behaupten? Und welche neuen Hindernisse werden sich zwischen die Liebenden drängen?“
(Rückentext der DVD)

Wie auch bei den drei Staffeln davor, kam ich den Genuss eines kostenfreien Rezensionsexemplars der vierten Staffel von „Poldark“.
Ich hatte bereits dreimal großen Spaß und viel Freude mit der Serie und daher war ich mir sicher, dass das auch ein viertes Mal so sein wird.
„Poldark“ schaffte es wieder mit seiner Handlung und seinen tollen Kulissen, die man sonst nur aus Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen kennt, zu überzeugen.
Das ausgewogene Szenenbild ist aber nur ein Stilmittel, das in gewohnter Regelmäßigkeit seinen Platz in dieser Serie erhält.

©Edel:Motion

Nach wie vor dreht sich die Serie um Ross Poldark und sein Leben als Adeliger von Cornwall. Inzwischen jedoch führt ihn sein Weg in ein politisches Amt und damit nach London, weit entfernt von seiner Heimat und seiner Familie.
Die daraus resultierenden Konflikte werden immer wieder thematisiert und in den Fokus gerückt, denn die beiden Orte mit ihren Akteuren und Problemen können fast nicht unterschiedlicher sein. Eines haben aber sowohl Cornwall als auch London gemeinsam: George Warleggan wird immer in der Nähe sein. Narrative Unterschiede zur Vorgängerstaffel entstehen dadurch, dass Staffel vier den Kontrast zwischen Londoner Regierungsgesellschaft und Cornwaller Arbeitergesellschaft voneinander abgrenzt und dabei deutlich macht, dass sich beide Gesellschaften durchaus beeinflussen.
Auch nebensächliche Handlungsstränge werden fortgeführt und münden in den letzten beiden Episoden der vierten Staffel im Hauptstrang. Der Spaß an der Handlung wurde minimal durch untypisches und obendrein unlogisches Verhalten von einigen Figuren geschmälert.

Spannungstechnisch geht es deutlich unaufgeregter zu, als es noch in den anderen Staffeln der Fall gewesen ist. Dabei wurde es zwar nie langweilig, jedoch wesentlich ruhiger. Die letzten zwei Episoden bilden dabei die Ausnahme, da es dort noch einmal einen Anstieg des Interesses mit abschließendem Spannungsbogen gab.
Eine Besonderheit sei an dieser Stelle noch hervorgehoben:
Viele Elemente, die spannungsfördernd sind, resultieren aus den Emotionen der Charaktere. Eben jene Emotionen sind es, die die Serie besonders wertvoll machen.

©Edel:Motion

Zu den Figuren und der darstellerischen Leistung der Schauspieler kann ich mich nur wiederholen: Sie machen alle ihre Sache überaus gut und ich erfreue mich jedes Mal auf ein Neues an der überaus gelungenen Darbietung der Schauspielkunst.

Im Vergleich zu den vorangegangenen Staffeln war die Musik deutlich weniger präsent. Bereits im Menü und beim Erklingen der Titelmelodie bekomme ich zwar nach wie vor eine Gänsehaut und große Lust auf die Serie. In den einzelnen Episoden jedoch vernimmt man weniger unterstützende Klänge. Handlungstragende Musik gab es gänzlich keine.

©Edel:Motion

Meine Meinung:
Die vierte Staffel von „Poldark“ erntet die Früchte, die seit drei Staffeln gesät wurden. Die Personkonstellationen, die Fehde zwischen Ross und George und die Tragfähigkeit der Figuren scheint in dieser Staffel ihr Maximum erreicht zu haben. Keine andere Staffel fühlte sich für mich so kurzweilig, weil gut, an.
Die Story und die wirklich guten Schauspieler sind nur zwei Gründe für mich, diese Serie weiterzuempfehlen. Wer aber Lust hat all die ganzen anderen tollen Eigenschaften von „Poldark“ kennenzulernen, kann nun auch die vierte Staffel käuflich erwerben.

Die vierte Staffel von „Poldark“ ist seit dem 22.02.2019 in Deutschland im Handel.

Meine Wertung:
Story: 8,5 von 10
Spannung: 7,5 von 10
Länge: 7,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Emotionen: 9,0 von 10
Setting: 10 von 10
Musik: 7,0 von 10
GESAMT: 8,3

Reihenfolge:
1. „Poldark“ (Staffel 1)
2. „Poldark“ (Staffel 2)
3. „Poldark“ (Staffel 3)
4. „Poldark“ (Staffel 4)

septembe*R*-Challenge 2.0: Rain Man

Titel: Rain Man
Genre: Drama
Regie: Barry Levinson
Musik: Hans Zimmer
Produzenten: Mark Johnson
Dauer: ca. 128 Minuten
Erscheinungsjahr: 1988
Altersfreigabe: FSK 12

„Der windige Autohändler Charlie Babbitt (Tom Cruise) erfährt erst nach dem Tod seines Vaters von der Existenz seines autistischen Bruders Raymond (Dustin Hoffman). Um an dessen Erbe heranzukommen, nimmt er ihn mit auf eine Reise, die sein Leben verändern soll. Aber dann kommt alles anders! Mit seinem Verhalten – von der Weigerung zu fliegen, bis hin zu seiner Sucht nach TV-Quizshows – bringt Raymond den hitzköpfigen Charlie zunächst an die Grenzen seiner Geduld, um ihn schließlich ganz aus seiner egoistischen Welt herauszureißen. Was als unsentimentale Reise der Babbitt-Brüder beginnt, endet als ergreifendes und tiefgründiges Abenteuer, über zwei völlig gegensätzliche Menschen, die plötzlich zueinander finden.“
(Rückentext der DVD)

Der letzte Film meiner S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge ist „Rain Man“ aus dem Jahr 1988. Zum Schluss greife ich also noch einmal in die Nostalgiekiste.

Die Handlung wird ziemlich gut von dem Rückentext der DVD zusammengefasst. Was mir jedoch absolut missfällt, ist der Abschnitt, in dem dieser Film als „ergreifendes und tiefgründiges Abenteuer“ verklärt wird.
Die Geschichte fing gut an und nahm ihren unglaublich schlechten Lauf, als sich Charlie dazu entschied, seinen Bruder das Geld aus der Tasche zu ziehen. Von Anfang an verfolgte Charlie dabei ausschließlich egoistische Ziele. Die Vormundschaft für seinen autistischen Bruder war dabei nur der erste Schritt. Als er jedoch feststellt, dass Raymond besondere Fähigkeiten besitzt, will er sie gleich in Las Vegas nutzen um noch mehr Geld daraus zu machen. Auch die Umsetzung, dass die beiden Brüder „plötzlich zueinander finden“ wird mit einer lapidaren und halbgaren Szene aufgelöst. Das ist ein klassischer Fall von Potential verschwendet.

Spannungstechnisch und auch auf der emotionalen Ebene bekommt der Zuschauer recht wenig geboten. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass die Handlung schwach inszeniert, das Schauspiel von Tom Cruise unglaubwürdig und das Erzähltempo viel zu behäbig ist. Die darstellerische Leistung von Dustin Hoffman hingegen ist auf einem hohem Niveau, für die er zu recht auch einen Oscar® bekommen hat.

Sonnendurchflutete Bilder dominieren die Kameraarbeit. Gleichzeitig schafft es Hans Zimmer, den Score so zu komponieren, dass man immer das Gefühl hat, ein Song von Toto oder einer anderen Band aus der Zeit würde gerade beginnen. Mir persönlich haben die Kulissen und auch der Score sehr gut gefallen, da sie wunderbar zueinander gepasst haben und dem Streifen eine besondere Atmosphäre verliehen haben.

Mit 128 Minuten ist der Film allerdings mehr als nur auserzählt. Dazu kommt, dass die sehr schwache deutsche Synchronisation das Sehvergnügen zusätzlich deutlich gemindert hat.

Meine Meinung:
Die diesjährige S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge wurde mehr und mehr zu einer Challenge der Oscar®-prämierten Filme. Ich musste feststellen, dass die meisten Gewinnerfilme schlicht und ergreifend stark überbewertet sind.

Ich habe jetzt „Rain Man“ zum zweiten Mal gesehen. Beim ersten Schauen hatte ich noch ein Gefühl von: „Ok, der Film muss jetzt gemocht werden, weil es ein Klassiker ist.“ Heute sehe ich das komplett anders und muss auch zugeben, dass es durchaus bessere Filme gibt.

Aus vielen Gründen ziehe ich gerechtfertigt Punkte ab.

Meine Wertung:
Spannung: 4,5 von 10
Story: 7,5 von 10
Emotionen: 5,5 von 10
Länge: 4,0 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 5,8

septem*B*er-Challenge 2.0: The Big Short

Titel: The Big Short
Genre: Drama / Finanzthriller / Romanverfilmung
Regie: Adam McKay
Musik: Nicholas Britell
Produzenten: Dede Gardner / Jeremy Kleiner / Arnon Milchan / Brad Pitt
Dauer: ca. 125 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 6

„Vier Außenseiter riskieren alles, um den amerikanischen Banken, die für den größten Betrug der US-Finanzgeschichte verantwortlich sind, eins auszuwischen. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis, Autor der Kinoerfolge ‚The Blind Side’ und ‚Moneyball’, ist diese Geschichte so unglaublich wie wahr. Als brillant und explosiv von der Presse hochgelobt, überzeugt der packende Finanzthriller auch mit einem hochkarätigen Cast: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling und Brad Pitt in Bestform machen ‚The Big Short’ zu einem der eindrucksvollsten und unterhaltsamsten Film-Highlights des Jahres.“
(Rückentext der DVD)

Der September mit seiner Challenge 2.0 dreht endlich auf. Ich frage mich ja, warum ich solche Perlen bloß immer so spät aus meinem DVD-Regal ziehe?

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine Offenbarung erlebt habt? So etwas hatte ich bisher zwei- oder dreimal und auch dieses Mal war es wieder soweit. „The Big Short“ hat mich also aus den Socken gehauen.

Die Handlung dreht sich um die Finanzkrise 2007/2008, die darin endete, dass unter anderem die Immobilienblase in den USA geplatzt ist und die Investment Bank Lehman Brothers insolvent ging. Die ganze Geschichte fing aber schon ca. 3 Jahre vorher an. Nämlich dann, als jemand die Hypotheken genauer unter die Lupe genommen hat und aufgrund der Zusammenstellung der Fonds festgestellt hat, dass das ganze System auf Mist aufgebaut ist.

Bevor ich zu sehr spoilere, muss ich an dieser Stelle den Streifen empfehlen, denn er zeigt auf eine erschreckende Art und Weise, wie viel vor rund 10 Jahren falschgelaufen ist. Thematisch scheint „The Big Short“ recht trocken zu sein, allerdings hilft der Film auch dabei, Zusammenhänge zu erklären und zu verdeutlichen. Die Handlung ist aber auch ausschlaggebend dafür, dass dieser Film eine Offenbarung ist. Ich habe inhaltlich und an der Darstellung der Figuren nichts auszusetzen, denn all das, wie es gezeigt wird, ist für mich von vorne bis hinten authentisch. Dabei war es mir vollkommen egal, wie verschroben die Charaktere auch sein mögen, denn genau so etwas kann es im echten Leben geben. Die einen sind cholerisch und die anderen paranoid.

Die Spannung ergab sich für mich aus der Handlung. Anfangs wurde ich noch nicht ganz abgeholt, aber nach ca. 10 bis 15 Minuten war ich in der Thematik drin. Es bedarf auch keinerlei ausufernder Gefühle oder Zuschaustellung von Schicksalen, denn das Ende ist allen bewusst: acht Millionen US-Bürger verloren ihren Job, sechs Millionen ihr Haus.

Es muss gesagt werden, dass „The Big Short“ mit einem erstaunlich guten Cast daherkommt und damit auch vollkommen richtig liegt. Brad Pitt, Ryan Gosling, Christian Bale und Steve Carell überzeugen mit all ihren Stärken und gleichzeitig sieht man sie nicht in für sie typischen Rollen.

Im Unterton ist „The Big Short“ ein extrem sarkastischer Film, der immer wieder mit dem Zeigefinger auf alle Verfehlungen deutet, die da damals passiert sind. Der Streifen ist bei dem Sarkasmus aber nicht so richtig zum Lachen, er will ja auch bei weitem keine Komödie sein. Viel mehr resigniert er von Beginn an und lässt dem Unheil seinen Lauf. Bei einer wahren Begebenheit fällt es allerdings auch schwer, etwas an der Handlung zu ändern.

Das Setting bietet zur Handlung ein richtiges Kontrastprogramm, denn man bekommt zumeist helle Bilder, eine angenehme musikalische Untermalung und Kostüme bzw. Outfits, die auch in den Finanzsektor passen. Die Kulissen wirken stilecht und ich kann mir gut vorstellen, dass in Gebäuden gedreht wurde, welche tatsächlich Schauplatz der „Katastrophe“ gewesen sind.

Meine Meinung:
Was lässt sich also letzten Endes zu „The Big Short“ sagen?
Dieser Film ist ein durchaus trockener, aber auf seine Weise sarkastischer Film. Das Publikum sollte schon Interesse am Finanzsektor und an Politik haben, ansonsten kann es auch zu einer zähen Nummer werden. Für mich war dieser Film allerdings eine Offenbarung und das aus mehreren Gründen: Der Cast ist einfach gut, die Thematik stimmte für mich und die Form der Erzählung hat mich zwar erst nach einer viertel Stunde abgeholt, aber dann richtig.

Aus meiner subjektiven Sicht bekommt der Film daher auch eine entsprechende Punktzahl. Da der Streifen aber überwiegend emotionslos bleibt und eher Verfehlungen aufzeigt, als darauf ausgelegt ist, Gefühle zu zeigen, muss ich ihn an entsprechender Stelle deutlich abstrafen.

Meine Wertung:
Story: 10 von 10
Spannung: 9,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 3,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Setting: 9,0 von 10
GESAMT: 8,1

septe*M*ber-Challenge 2.0: Manchester by the Sea

Titel: Manchester by the Sea
Genre: Drama
Regie: Kenneth Lonergan
Musik: Lesley Barber
Produzenten: Matt Damon / Chris Moore / Lauren Beck / Kimberly Steward / Kevin J. Walsh
Dauer: ca. 132 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„Der schweigsame Einzelgänger Lee Chandler (Casey Affleck) ist schockiert, als er vom plötzlichen Tod seines Bruders erfährt. Äußerst widerwillig verlässt er Boston und kehrt in seine alte Heimat Manchester-by-the-Sea zurück. Dort wird er mit der unerwarteten Vormundschaft über seinen 16-jährigen Neffen Patrick konfrontiert. Die Begegnungen mit seiner Ex-Frau Randi (Michelle Williams) wirft Lee vollends aus der Bahn und zwingt ihn, sich mit seiner tragischen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Einen unerträglichen Schmerz, den er hinter sich gelassen zu haben glaubte…“
(Rückentext der DVD)

Kurz vor knapp gibt es heute die Kritik für M und dabei dreht es sich um nichts Geringeres als „Manchester by the Sea“.

Ich frage mich allen Ernstes, ob man Oscar-Preisträger mögen muss? Ich habe so viel Positives über diesen Film gelesen und dachte mir dabei, dass das ein Streifen ist, der mir mit Sicherheit gefallen wird. So langsam aber sicher glaube ich aber, dass er nur so viele gute Kritiken bekommen hat, weil Gott und die Welt glaubt, diesen Film mögen zu müssen, weil er einen Oscar bekommen hat und nicht umgekehrt.

Wer hier weiter liest, wird vermutlich schon ahnen, wie ich diesen Streifen nun empfunden habe. Ich attestiere „Manchester by the Sea“ aber auch ein paar gute Umsetzungen und eine durchaus passable Handlung.
In meiner Wahrnehmung haben sich aber auch einige Mängel aufgetan, die mir nicht gefallen haben.

Die Handlung dreht sich um Lee Chandler, der so einiges in seinem Leben durchgemacht hat. Doch der Tod seines Bruders und die übertragene Vormundschaft für seinen Neffen überraschen und belasten ihn so, dass er sich nun auch mit den Dämonen seiner Vergangenheit auseinandersetzt.
Die Erzählweise ist nicht stringent aufgebaut und die stetigen Wechsel zwischen Vergangenheit und heute passieren oft abrupt und ohne Änderung der Kameraperspektiven oder Filter. Von der einen Szene in die andere ist der Zuschauer erst noch in der Gegenwart und dann auf einmal ein paar Jahre in der Vergangenheit, ohne, dass er es kommen gesehen hat. Das macht es schwierig, die Szene, die Zeit und den Handlungsstrang zu erkennen.
Ein weiterer Punkt ist die Erzählgeschwindigkeit. Ja, schier behäbig kommt „Manchester by the Sea“ daher und ist dabei ein ums andere Mal an der Grenze des Zumutbaren.

Genau dieses Bild spiegelt sich auch wider, wenn man sich die Spannung anschaut. Genau genommen schafft es der Streifen nicht, mehr als Interesse an den Figuren auszulösen, denn die Handlung ist in sich nicht spannend.

Die Figuren sind allesamt schön gezeichnet und bringen ihre eigene Geschichte mit. Das ist insofern gut, als dass sich die Charaktere nicht ähneln. An vorderster Front ist da natürlich die Hauptfigur Lee Chandler (gespielt von Casey Affleck).
Die Narration begünstigt den Vergleich der Figuren von der Vergangenheit zur Gegenwart und dadurch zeigt sich einmal mehr, wie sich die Charaktere entwickelt haben. Man erkennt dadurch die Veränderung von Lee, der sich im Laufe der Zeit von einem Familienmenschen mit einer glücklichen Grundeinstellung zu einem Einzelgänger mit zynischem Einschlag entwickelt hat. Auch die übrigen Protagonisten erleben in irgendeiner Form eine vergleichbare Entwicklung.
Was mich jedoch an Lee stets aufgeregt hat, war seine Distanziertheit. Schier teilnahmslos erträgt er die Veränderungen in seinem Leben.
Während sich alle anderen Figuren irgendwie natürlich und authentisch verhalten, ist es Lee, der sich mit seinem zynischen Auftreten unter großen Widrigkeiten einer neuen Lebenssituation stellen muss. Aus diesem Grund wirken manche Entscheidungen stur und eben nicht authentisch. Erst wenn man die Vergangenheit kennt, kann man erahnen, warum Lee ist, wie er ist. Dass sich rückblickend alles irgendwie auflöst bzw. erklärt, macht die Verfehlungen nicht wett.

Durch die sehr behäbige Narration ergibt sich eine Laufzeit, die meines Erachtens viel zu lang ist. Mit mehr als 2 Stunden Laufzeit verlangt der Film viel vom Publikum ab. Wenn das Tempo stimmen würde, die Geschichte packend und die Figuren stärker wären, also wenn das Paket runder wäre, dann wären 132 Minuten absolut okay. In diesem Fall sind sie aber deutlich zu lang.

Das Setting ist vielfältig. Die Kulissen spiegeln ein kleinstädtisches Feeling wider. „Manchester by the Sea“ stahlt dabei immer etwas Fragiles und Bewahrenswertes aus. Die Kameraarbeit ist solide und zeigt jede Reaktion, oder Nicht-Reaktion, in den Gesichtern der Charaktere. Mit einigen starken und beeindruckenden, klassisch komponierten Stücken wird die Geschichte perfekt untermalt. Immer wieder hatte ich das Gefühl, nur durch die Musik ergriffen zu sein und das obwohl das Dargestellte es eben nicht gewesen ist. Es war nicht ergreifend.

Meine Meinung:
Muss man jetzt jeden Oscar®-Gewinner mögen? Ich denke nicht. Wie so oft wurde ich von einem Preisträger nicht unbedingt enttäuscht, aber ich sah auch bei „Manchester by the Sea“ deutliche Schwächen. Zweifellos ist er ein solider Film mit einer guten Charakterentwicklung, aber er macht nichts besser als andere Filme.

Das einzig Besondere an dem Film ist die Erzählweise, die aber mehr verwirrt und doch eher ein Nachteil ist. Die Story ist an und für sich stark und Casey Affleck macht wahrscheinlich genau das, was der Regisseur von ihm wollte, aber mich hat es eher aufgeregt. Erst nach ca. der Hälfte versteht man, was passiert ist und warum er so ist, wie er ist. Meiner Meinung nach ist das zu spät, um den ersten Eindruck zu verändern.

Schlussendlich ist „Manchester by the Sea“ einer der Filme, bei denen es mir reicht, sie einmal gesehen zu haben, denn nachhaltig wird mich der Streifen nicht verändern. Und spätestens in einem halben Jahr werde ich sogar schon vergessen haben, dass ich ihn gesehen habe.

Meine Wertung:
Spannung: 4,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 4,0 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 6,1

sept*E*mber-Challenge 2.0: Ein Hologramm für den König

Titel: Ein Hologramm für den König (engl.: „A hologram for the King“)
Genre: Romanverfilmung / Drama / Romantik
Regie: Tom Tykwer
Musik: Johnny Klimek / Tom Tykwer
Produzenten: Stefan Arndt / Gary Goetzman / Arcadiy Golubovich / Tim O´Hair / Uwe Schott
Dauer: ca. 95 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 6

„Alan Clay (Tom Hanks), Alter 54, Opfer der Bankenkrise, hat eine letzte Chance. Er soll innovative Hologramm-Kommunikationstechnologie an den Mann, besser gesagt den König bringen: König Abdullah von Saudi-Arabien lässt mitten in der arabischen Wüste eine strahlende Wirtschaftsmetropole errichten. Doch der König kommt nicht. Nicht am ersten Tag, nicht am zweiten – und auch nicht in den Tagen danach. In diesen Tagen der Unverbindlichkeit und des Wartens wird der junge Fahrer Yousef (Alexander Black) Alans Gefährte. Durch ihn erlebt er die Widersprüchlichkeiten eines Landes zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen Tradition und Moderne. Und er lernt die schöne Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) kennen. Anhand dieser Begegnungen und der neuen kulturellen Eindrücke entwickelt sich Alan Clay vom zielstrebigen und erfolgsgetriebenen Salesman zu einer Person, die sich selbst Perspektiven sucht und für sich einen neuen Platz im Leben findet. So gerät für Alan immer mehr zur Nebensache, ob der König nun kommt oder nicht.“
(Rückentext der DVD)

Erfahrungsgemäß und durch Berichte von anderen Bloggern ist mir bewusst, dass der Buchstabe E besonders schwierig ist. Mein zweites E ist daher „Ein Hologramm für den König“. Dabei handelt es sich um eine Adaption des gleichnamigen Romans von Dave Eggers.

Long story short: Der König kommt nicht und Alan findet mehr und mehr zu sich. Dabei durchlebt er mehrere Phasen, aus denen er unterschiedlichste Erkenntnisse zieht.

Die Erzählweise ist unaufgeregt und fokussiert sich einzig und allein auf das Schicksal von Alan. Der Zuschauer bleibt die ganze Zeit bei ihm und bekommt seine innere Haltung eins zu eins mit. Anfangs schien er noch zielstrebig zu sein und Ambitionen zu besitzen, dabei verliert er sich selbst aber aus den Augen und mit zunehmender Dauer wandelt sich das Bild. Am Ende des Streifens wird Alan ganz bei sich sein und das Leben nicht mehr ganz so eng sehen. Die Narration war nie auf das berufliche Leben Alans ausgelegt. Vielmehr wurde über den Beruf der Einstieg in die Materie gewährt, damit sich das Publikum mit Alan identifizieren kann, was schlussendlich bei mir auch funktioniert hat.

Mit der arabischen Ärztin Zahra wird ein Gegenpool integriert. Eine Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft, die Ärztin ist, aber zugleich auch unter den Zwängen und Gepflogenheiten dieser besonderen Gesellschafts- und Kulturstruktur zu leiden scheint. In Gesprächen, Schriftverkehr und Blicken erkennt man ganz deutlich, wie sich Alan und Zahra nicht nur körperlich, sondern auch geistig näherkommen. Sie überschreiten damit zweifellos gesellschaftliche Grenzen, allerdings tun sie sich gegenseitig gut und das spiegelt sich auch zunehmend an den Figuren wider.

Ich würde „Ein Hologramm für den König“ durchaus als emotionalen und authentischen Film bezeichnen. Ich muss aber auch sagen, dass mich die Thematik interessiert hat und mich die Figur Alan Clay auch wunderbar abholen konnte. Auch die Figur Yousef half mir, mich mit dem Film auseinanderzusetzen, denn er bringt immer wieder etwas Humor in die Geschichte und zeigt damit, dass es in den arabischen Ländern, oder hier in Saudi-Arabien, starre Strukturen gibt, sie aber an der einen oder andere Stelle aufzuweichen scheinen.
Ich habe dennoch etwas zu kritisieren: Die Figuren wirken des Öfteren sehr distanziert zueinander. Das störte mich insofern, als dass ich gerne am Glück der Protagonisten teilhaben wollte, es aber nicht konnte, weil der Funke zu mir nicht übergesprungen ist.

Eben dieser Funke sprang auch nicht über, wenn wir uns zum Thema Spannung unterhalten wollen. Denn spannend ist dieser Film nicht, er ist sogar sehr weit davon entfernt. „Ein Hologramm für den König“ punktet hingegen mit seiner schönen Charakterzeichnung.

Das Setting ist absolut aufeinander abgestimmt. Die Auswahl der Kulissen wirkt hochwertig und war obendrein auch variabel. Moderne Hotelzimmer, Nomadenzelte und Baustellen gibt es zu sehen. Auch bekommt der Zuschauer ein Gefühl für Infrastruktur durch teils sehr staubige und beschädigte Straßen, aber auch durch teils hochmoderne Verkehrswegen.
Die Kostüme sind stilecht und passen in das Bild, das wir vom arabischen Raum haben. Die Musik hat das Geschehen wunderbar untermalt und verhalf dem kompletten Streifen, eine besondere Atmosphäre aufzubauen. Auch dort spiegelte sich der Konflikt zwischen Alt und Neu oder Tradition und Moderne wider.

Meine Meinung:
„Ein Hologramm für den König“ ist ein guter, für den einen oder anderen auch sehenswerter, Film, aber wirklich kein überragender. Mich konnte er jedoch gut abholen, auch wenn es an manchen Stellen im Storytelling sehr dünn zuging und man sich mit schöner Musik und einigen Kamerafahrten zufriedengeben musste.

Wenn man mich nun fragt, ob dieser Film empfehlenswert ist, dann müsste ich aus meiner Sicht diese Frage mit ja beantworten, weil er im Gesamtkonzept sehr rund und unterm Strich auch unterhaltsam ist.
Was mich aber die ganze Zeit störte, war die deutsche Vertonung. Die deutsche Audiospur klang stets so, als ob man in eine Blechdose gesprochen hätte.

Meine Wertung:
Story: 6,0 von 10
Spannung: 4,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 7,1 von 10

Poldark (Staffel 3)

©Edel:Motion

Titel: Poldark (Season 3)
Idee: Winston Graham
Genre: Historienserie / Drama
Titellied: Anne Dudley
Dauer: 9 Folgen à ca. 56 Minuten
Erscheinungsjahr: Großbritannien: 2017 / Deutschland: 2018
Altersfreigabe: FSK 12

„Im Jahr 1794 wird Großbritannien von den Auswirkungen des Krieges und der Revolution in Frankreich überschattet. Während George Warleggan sein Imperium in Cornwall weiter ausbaut, um die Poldarks zu vernichten, ist Elizabeth entschlossen, sich in ihr neues Leben als seine Frau und als eine Warleggan zu fügen und mit ihrer Vergangenheit und mit Ross abzuschließen. Doch das komfortable Leben, das sie sich selbst und ihrem Sohn endlich gesichert hat, ist in Gefahr, sollte ihr wohlgehütetes Geheimnis ans Licht kommen.

Ross und Demelza setzen derweil alles daran, ihre Beziehung zu retten und George aus dem Weg zu gehen. Doch die Ankunft von Demelzas Brüdern stört den fragilen Frieden und Ross muss sich fragen, wie lange man George noch ungehindert weiter aufsteigen lassen sollte. Währenddessen gerät Dwight im Krieg mit Frankreich in Gefangenschaft, und es ist an Ross, seinen Freund zu befreien.

Doch ist Ross wirklich bereit, alles zu riskieren, was ihm lieb und teuer ist, um seine persönlichen Schlachten zu schlagen?“
(Rückentext der DVD)

Leider viel zu spät kam ich dazu, mir die neueste Staffel von Poldark anzuschauen. Auch dieses Mal habe ich ein Presseexemplar kostenfrei erhalten.

Wie man in den beiden Kritiken zu den Vorgängerstaffeln erahnen kann, hatte ich bereits riesigen Spaß mit dieser Serie und nichts weniger als ein ähnliches Sehvergnügen erwarte ich auch von Staffel 3.

Wieder dreht sich alles um Ross Poldark (Aidan Turner), seine Frau Demelza und seinen Widersacher George Warleggan. Denn die Fehde zwischen Ross und George spitzt sich zu. Zeitgleich ist Dwight in Frankreich stationiert und bangt um sein Leben, denn er ist in Gefangenschaft und sieht seine Kameraden einen nach dem anderen sterben. Es liegt nun also an Ross, seinen Freund zu befreien, während George ungehindert aufsteigen kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich George und Ross wieder über den Weg laufen und es zu einem Eklat kommt.

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Die Erzählweise von Staffel drei unterscheidet sich nicht von ihren Vorgängern, jedoch liegt der Fokus der Narration weniger auf den wirtschaftlichen Aspekten, als viel mehr auf den sozialen. Natürlich spielen auch Minen und Produktionen eine Rolle, jedoch scheint es noch viel größere Baustellen zu geben, die der Handlung ihren Schliff geben, womit sich die dritte Staffel von den anderen abzuheben weiß.

Spannungstechnisch bewegt sich die komplette Staffel auf einem sehr hohen Niveau. Soziale Quälereien sind da ganz klar ausschlaggebend und manchmal noch viel interessanter als beispielsweise die zur Schaustellung von Gewalt. Der Weg, den „Poldark“ hier geht, mit seinem historischen Touch, seinen aufklärerischen Gedanken und den Handlungsweisen der einzelnen Figuren, ist im größten Maße anregend. Der Zuschauer wird quasi dazu animiert, die Serie so schnell es geht anzuschauen.

Und damit wären wir schon bei der Laufzeit. Staffel 3 von „Poldark“ enthält neun spannende Episoden à ca. 54 Minuten. Die Laufzeit hat sich damit etwas verschlechtert und das obwohl auch hier wieder das Potential vorhanden ist, mehr als bloß neun Folgen zu drehen.

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Die typischen Charaktermerkmale und ebenfalls darstellerischen Leistungen haben sich nicht geändert. Aidan Turner spielt nach wie vor Ross Poldark und ist dabei in jeder Szene sehr authentisch und einnehmend. Wie so oft spielt der Antagonist eine wichtige Rolle: Jack Farthing mimt George Warleggan in herausragender Weise. Seinen unnachgiebigen, eigensinnigen und stoischen Charakter vermittelt er bereits mit minimalen Einsatz seiner Mimik und Gestik. Er bringt den großen Widersacher dieser Staffel darstellerisch extrem überzeugend auf den Punkt. Es bedarf schon sehr viel Schauspielkunst, den Charakter so darzustellen, dass man ihm mit jeder

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Pore nur das Schlechteste wünscht. Respekt.
Abseits dessen ist mir aber die Entwicklung von Elizabeth Warleggan, ehemals Poldark, aufgefallen. Sie hat seit Staffel 1 wohl die größte Veränderung durchgemacht und scheint noch nicht am Ende zu sein. Auch wenn sie keine Sympathien dazugewonnen hat, hat sie ihre Sache im Kern mehr als gut gemacht.

An dem Setting, der Musik und den Kostümen hat sich fast nichts geändert. Die einladenden Totalen mit den dazugehörigen Aufnahmen von den Klippen Cornwalls sind absolut atemberaubend. Es bringt Spaß, sich so etwas anzuschauen, weil der Zuschauer das Gefühl bekommt, allein nur durch das Gucken, einen erheblichen Mehrwert erhalten zu haben.
In Kombination mit der verwendeten Musik bekommt man von vorne bis hinten eine abgerundete und wirklich sehenswerte Staffel von „Poldark“.

„Poldark“ ist seit dem 06.04.2018 in Deutschland im Handel.

Meine Meinung:
Auch dieses Mal hatte ich riesigen Spaß mit der Serie. Angefangen als kleiner Geheimtipp, hat sich „Poldark“ zu einer meiner liebsten Serien entwickelt. Für mich bietet sie den perfekten Mix aus sozialen Konflikten, wirtschaftlichen Interessen und familiären Fehden.

Deshalb und weil ich, wenn ich bloß an die Serie denke, einen Ohrwurm von der Titelmelodie bekomme, freue ich mich bereits jetzt auf die vierte Staffel, wenn sie endlich in Deutschland veröffentlich wird.

Meine Wertung:
Story: 8,0 von 10
Spannung: 8,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Emotionen: 9,0 von 10
Setting: 10 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,4

Reihenfolge:
1. „Poldark“ (Staffel 1)
2. „Poldark“ (Staffel 2)
3. „Poldark“ (Staffel 3)
4. „Poldark“ (Staffel 4)