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Poldark (Staffel 3)

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Titel: Poldark (Season 3)
Idee: Winston Graham
Genre: Historienserie / Drama
Titellied: Anne Dudley
Dauer: 9 Folgen à ca. 56 Minuten
Erscheinungsjahr: Großbritannien: 2017 / Deutschland: 2018
Altersfreigabe: FSK 12

„Im Jahr 1794 wird Großbritannien von den Auswirkungen des Krieges und der Revolution in Frankreich überschattet. Während George Warleggan sein Imperium in Cornwall weiter ausbaut, um die Poldarks zu vernichten, ist Elizabeth entschlossen, sich in ihr neues Leben als seine Frau und als eine Warleggan zu fügen und mit ihrer Vergangenheit und mit Ross abzuschließen. Doch das komfortable Leben, das sie sich selbst und ihrem Sohn endlich gesichert hat, ist in Gefahr, sollte ihr wohlgehütetes Geheimnis ans Licht kommen.

Ross und Demelza setzen derweil alles daran, ihre Beziehung zu retten und George aus dem Weg zu gehen. Doch die Ankunft von Demelzas Brüdern stört den fragilen Frieden und Ross muss sich fragen, wie lange man George noch ungehindert weiter aufsteigen lassen sollte. Währenddessen gerät Dwight im Krieg mit Frankreich in Gefangenschaft, und es ist an Ross, seinen Freund zu befreien.

Doch ist Ross wirklich bereit, alles zu riskieren, was ihm lieb und teuer ist, um seine persönlichen Schlachten zu schlagen?“
(Rückentext der DVD)

Leider viel zu spät kam ich dazu, mir die neueste Staffel von Poldark anzuschauen. Auch dieses Mal habe ich ein Presseexemplar kostenfrei erhalten.

Wie man in den beiden Kritiken zu den Vorgängerstaffeln erahnen kann, hatte ich bereits riesigen Spaß mit dieser Serie und nichts weniger als ein ähnliches Sehvergnügen erwarte ich auch von Staffel 3.

Wieder dreht sich alles um Ross Poldark (Aidan Turner), seine Frau Demelza und seinen Widersacher George Warleggan. Denn die Fehde zwischen Ross und George spitzt sich zu. Zeitgleich ist Dwight in Frankreich stationiert und bangt um sein Leben, denn er ist in Gefangenschaft und sieht seine Kameraden einen nach dem anderen sterben. Es liegt nun also an Ross, seinen Freund zu befreien, während George ungehindert aufsteigen kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich George und Ross wieder über den Weg laufen und es zu einem Eklat kommt.

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Die Erzählweise von Staffel drei unterscheidet sich nicht von ihren Vorgängern, jedoch liegt der Fokus der Narration weniger auf den wirtschaftlichen Aspekten, als viel mehr auf den sozialen. Natürlich spielen auch Minen und Produktionen eine Rolle, jedoch scheint es noch viel größere Baustellen zu geben, die der Handlung ihren Schliff geben, womit sich die dritte Staffel von den anderen abzuheben weiß.

Spannungstechnisch bewegt sich die komplette Staffel auf einem sehr hohen Niveau. Soziale Quälereien sind da ganz klar ausschlaggebend und manchmal noch viel interessanter als beispielsweise die zur Schaustellung von Gewalt. Der Weg, den „Poldark“ hier geht, mit seinem historischen Touch, seinen aufklärerischen Gedanken und den Handlungsweisen der einzelnen Figuren, ist im größten Maße anregend. Der Zuschauer wird quasi dazu animiert, die Serie so schnell es geht anzuschauen.

Und damit wären wir schon bei der Laufzeit. Staffel 3 von „Poldark“ enthält neun spannende Episoden à ca. 54 Minuten. Die Laufzeit hat sich damit etwas verschlechtert und das obwohl auch hier wieder das Potential vorhanden ist, mehr als bloß neun Folgen zu drehen.

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Die typischen Charaktermerkmale und ebenfalls darstellerischen Leistungen haben sich nicht geändert. Aidan Turner spielt nach wie vor Ross Poldark und ist dabei in jeder Szene sehr authentisch und einnehmend. Wie so oft spielt der Antagonist eine wichtige Rolle: Jack Farthing mimt George Warleggan in herausragender Weise. Seinen unnachgiebigen, eigensinnigen und stoischen Charakter vermittelt er bereits mit minimalen Einsatz seiner Mimik und Gestik. Er bringt den großen Widersacher dieser Staffel darstellerisch extrem überzeugend auf den Punkt. Es bedarf schon sehr viel Schauspielkunst, den Charakter so darzustellen, dass man ihm mit jeder

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Pore nur das Schlechteste wünscht. Respekt.
Abseits dessen ist mir aber die Entwicklung von Elizabeth Warleggan, ehemals Poldark, aufgefallen. Sie hat seit Staffel 1 wohl die größte Veränderung durchgemacht und scheint noch nicht am Ende zu sein. Auch wenn sie keine Sympathien dazugewonnen hat, hat sie ihre Sache im Kern mehr als gut gemacht.

An dem Setting, der Musik und den Kostümen hat sich fast nichts geändert. Die einladenden Totalen mit den dazugehörigen Aufnahmen von den Klippen Cornwalls sind absolut atemberaubend. Es bringt Spaß, sich so etwas anzuschauen, weil der Zuschauer das Gefühl bekommt, allein nur durch das Gucken, einen erheblichen Mehrwert erhalten zu haben.
In Kombination mit der verwendeten Musik bekommt man von vorne bis hinten eine abgerundete und wirklich sehenswerte Staffel von „Poldark“.

„Poldark“ ist seit dem 06.04.2018 in Deutschland im Handel.

Meine Meinung:
Auch dieses Mal hatte ich riesigen Spaß mit der Serie. Angefangen als kleiner Geheimtipp, hat sich „Poldark“ zu einer meiner liebsten Serien entwickelt. Für mich bietet sie den perfekten Mix aus sozialen Konflikten, wirtschaftlichen Interessen und familiären Fehden.

Deshalb und weil ich, wenn ich bloß an die Serie denke, einen Ohrwurm von der Titelmelodie bekomme, freue ich mich bereits jetzt auf die vierte Staffel, wenn sie endlich in Deutschland veröffentlich wird.

Meine Wertung:
Story: 8,0 von 10
Spannung: 8,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Emotionen: 9,0 von 10
Setting: 10 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,4

Reihenfolge:
1. „Poldark“ (Staffel 1)
2. „Poldark“ (Staffel 2)
3. „Poldark“ (Staffel 3)
4. „Poldark“ (Staffel 4)

Poldark (Staffel 2)

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Titel: Poldark (Season 2)
Idee: Winston Graham
Genre: Historienserie / Drama
Titellied: Anne Dudley
Dauer: 10 Folgen à ca. 56 Minuten
Erscheinungsjahr: Großbritannien: 2016 / Deutschland: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

„Im Jahr 1790 liegen Aufruhr und Revolution in der Luft. Ross (Aidan Turner) soll der Prozess gemacht werden, und George Warleggan (Jack Farthing) lässt nichts unversucht, ihn als Aufständischen hängen zu sehen. Während Francis (Kyle Soller) und Elizabeth (Heida Reed) starr vor Entsetzen sind, setzt Demelza (Eleanor Tomlinson) alles daran, ihren geliebten Ross zu retten.
Von Schulden erdrückt versuchen Ross und Francis, ihre Fehde beizulegen und sich durch den gemeinsamen Erwerb einer neuen Mine von dem Einfluss der Warleggans zu befreien. Um diesen Weg beschreiten zu können, setzt Ross bei einem verzweifelten Schmuggel alles auf eine Karte. Inmitten verhängnisvoller Verluste, entscheidender Errungenschaften und zerrütteter Beziehungen muss Ross seine Differenzen beilegen – ein für alle Mal. Doch welchen Preis muss er dafür bezahlen?“
(Rückentext der DVD)

In den Fortsetzungs-Monat August passt auch wunderbar die zweite Staffel von „Poldark“, die ich als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten habe.
Nachdem ich bereits schon meinen Spaß mit seinem Vorgänger hatte, stellte sich mir nicht lange die Frage, ob ich sie sehen bzw. haben möchte.

Ähnlich wie bei der ersten Staffel, verrät der Rückentext wieder etwas mehr als nur den Plot. Die zehn Episoden von Season 2 bleiben allerdings für den Zuschauer interessant.

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Die Handlung dreht sich nach wie vor um die titelgebende Figur Ross Poldark, der am Anfang der ersten Staffel noch aus dem britisch-amerikanischen Krieg zurückkehrte, um das Erbe seines Vaters anzutreten und seine Küchenmagd heiratete. Inzwischen ist das Leben voll im Gange und seitdem hat sich in Cornwall viel getan.
Sieben Jahre nach seiner Rückkehr dreht sich in Ross´ Leben immer noch alles um Bergbau. Bei all dem Elan vergisst er allerdings nicht, dass nicht nur er leben, sogar überleben, muss, sondern auch die Leute im Dorf, die allesamt Familien ernähren müssen. Dass er mit seinem Handeln die einfachen Bürger unterstützt, kommt nicht bei jedem gut an und so zieht er immer wieder die Aufmerksamkeit der „Gesetzeshüter“ und Richter auf sich. Und dann sind da auch noch die Warleggans, die ihn lieber hängen sehen wollen, oder zumindest verarmt und ohne Mine.

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Das Storytelling hat sich zugunsten des Zuschauers etwas verändert. Es gibt immer wieder aufeinander folgende Episoden, die wirklich zusammenhängend sind und es nicht, wie sonst, einen Zeitsprung von mehrere Tagen, Wochen oder Monaten gibt. Aber eines bleibt gleich, der Cliffhanger am Ende einer Folge wird auch in so ziemlich jeder Episode von Staffel zwei verwendet. Ohnehin ist es etwas ganz Wundervolles, wenn man sich diese Serie anschaut und ihr auch wirklich die Möglichkeit einräumt, sich zu beweisen. Wenn die Handlung sich vor einem ausgebreitet hat und man nicht weiß, wie es weitergeht, ist spätestens dann der Zuschauer vollkommen vereinnahmt und will unbedingt wissen, wie der Handlungsverlauf sein wird.
Im Gegensatz zur Vorgängerstaffel baut sich die Spannung nicht langsam aber kontinuierlich auf, sondern sehr rasch. Es kann sogar dazu kommen, dass man die erste DVD in einem Rutsch anschaut und gleich mit der zweiten weitermacht. Es gibt unglaublich viele Elemente, die diese Serie, ja explizit diese Season so sehenswert machen.
Die Geschichte an sich ist da wohl der größte Fürsprecher. Wir haben hier den Vorteil, dass der Zuschauer die meisten Figuren aus der ersten Staffel kennt. Es werden immer mal wieder andere Charaktere ergänzend und kurzfristig eingeführt, die an irgendeinem Punkt die Handlung kreuzen, aber dann auch wieder sehr schnell verschwinden. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen, die länger bleiben dürfen und den Cast und die Tragweite der Geschichte vergrößern und verdeutlichen.
Insgesamt gibt es viele Höhen und Tiefen und das auf mehreren Ebenen gleichzeitig, die immer die Spannung hoch halten.

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Musikalisch orientiert sich die Staffel zwei sehr an ihrem Vorgänger. Das Stilmittel wird natürlich auch schon im DVD-Menü verwendet und stimmt den Zuschauer immer wieder aufs Neue auf die Episoden ein. Gerade auch bei der Verwendung gehen die Macher einen Schritt weiter und vertrauen der musikalischen Untermalung sehr viel an. Wo in Season 1 der Musik eine besondere Stellung eingeräumt wurde, bekommt sie in ihrem Nachfolger eine tragende Rolle. Viele Szenen funktionieren gar nicht ohne Musik. Der Stil ist ebenfalls wie in der Vorgängerstaffel folkloreartig, es werden dabei sehr sanfte Streich- oder Saiten-Instrumente verwendet. Auch wenn grundsätzlich wenig Abwechslung geboten wird, hat mir die Musik ein Tick besser gefallen, als noch in der ersten Staffel. Es hat sich gerade in diesem Punkt ein insgesamt eindrucksvolleres Bild ergeben.

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In Staffel 1 habe ich noch direkt gemerkt, dass mehrere Regisseure am Werk gewesen sind. Das hat sich anhand der unterschiedlichen Inszenierungen bemerkbar gemacht. Nun waren auch wieder mehrere Leute für die Inszenierung verantwortlich, allerdings hat man kaum einen Unterschied gemerkt.
Nach wie vor basiert die Geschichte von „Poldark“ auf den gleichnamigen Romanen von Winston Graham und sie weiß auch in der zweiten Staffel nach wie vor zu überzeugen.
Die ganze Zeit über bleibt es nervenaufreibend, intensiv und interessant. Gerade in Bezug auf die Streitigkeiten zwischen einzelnen Charakteren bleibt die Inszenierung geradlinig. Durch klug eingesetzte Cliffhanger wird der Zuschauer zum Weitergucken animiert.

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Die Emotionen sind, wie auch schon in der ersten Staffel, sehr vielfältig, aber das ist nicht mal das Besondere. Viel wichtiger ist die Authentizität. Oberflächlich gibt es da die Sprache, die perfekt an die 1790er Jahre angelehnt ist. Die geschwollene Ausdrucksweise, die Wörter und Umgangsformen sind in diesem Punkt sehr originell.
Wesentlich entscheidender sind die Figuren: Ohne seinen Dreispitz kann ich mir Aidan Turner gar nicht mehr vorstellen, der die Rolle des Ross Poldark so perfekt und glaubwürdig spielt, dass er fast seinesgleichen sucht. Fast, denn es gibt jemanden, der ihm mindestens ebenbürtig ist:
Jack Farthing spielt George Warleggan und ist leider, oder zum Glück, so extrem glaubwürdig und unsympathisch, dass man eine große Abneigung ihm gegenüber empfindet. Für mich persönlich ist Jack Farthing der heimliche Star der Serie. Das liegt vermutlich daran, dass er vorher noch keine mir bekannte Rolle gespielt hat.
Aber auch die anderen Darsteller leisten eine richtig gute Arbeit.
Allen voran Kyle Soller, der seiner Figur Francis von der ersten zur zweiten Staffel eine schöne Entwicklung verleiht und dadurch, für mich, zu den großen Gewinnern dieser Serie gehört.
Auch die beiden weiblichen Hauptrollen Demelza, gespielt von Eleanor Tomlinson, und Elizabeth, gespielt von Heida Reed, fügen sich nahtlos in die Leistung des übrigen Casts ein. Es bereitet dem Zuschauer eine riesige Freude, diese beiden Schauspielerinnen in ihren Rollen zu sehen.
Und wieder überraschen die einzelnen Figuren mit ihrem Facettenreichtum. Als Zuschauer bekommt man hier besonders viel zu sehen.

Das Setting: Keine Veränderung zur Staffel eins. ABER: Kameraarbeit, Kulissen und Kostüme sind so perfekt aufeinander abgestimmt, dass dem Publikum einfach nur das Herz aufgeht. Ich bekomme schon mit der ersten Szene Lust darauf, nach Cornwall zu reisen und mir den Drehort anzuschauen.
In Zusammenspiel mit der Musik ergibt sich da dann am Ende ein Gesamtwerk, das auf der audio-visuellen Ebene mehr als zu überzeugen weiß.
Die folkloreartigen Klänge runden nicht nur das Bild ab, sondern passen auch extrem gut in die Zeit, in der „Poldark“ spielt.

Und im Video findet ihr meine Review zu „Poldark“.

Meine Meinung:
Am Ende ergibt das ganze eine Fortsetzungsstaffel, die ihren Vorgänger übertrumpft.
Von der ersten bis zu letzten Minute passt einfach alles. Die Darsteller leisten unglaubliche Arbeit.
Am Ende passte einfach alles und ich wurde super unterhalten.

Überzeugt wurde ich letzten Endes von allem. Die Darsteller, die Handlung, das Setting und die Musik haben einfach gepasst und unterhalten. Die Emotionen sind ebenso überzeugend wie die Darstellung aller Figuren.

Ich freue mich bereits jetzt schon auf die dritte Staffel.

Meine Wertung:
Story: 8,0 von 10
Spannung: 7,5 von 10
Länge: 7,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Emotionen: 9,0 von 10
Setting: 10 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,4

Reihenfolge:
1. „Poldark“ (Staffel 1)
2. „Poldark“ (Staffel 2)
3. „Poldark“ (Staffel 3)
4. „Poldark“ (Staffel 4)

Poldark (Staffel 1)

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Titel: Poldark (Season 1)
Idee: Winston Graham
Genre: Historienserie / Drama
Titellied: Anne Dudley
Dauer: 8 Folgen à ca. 56 Minuten
Erscheinungsjahr: Großbritannien: 2015 / Deutschland: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„Im Jahr 1783 kehrt Ross Poldark (Aidan Turner) vom Unabhängigkeitskrieg zurück und muss feststellen, dass in Cornwall nichts mehr ist, wie es war: Sein Vater ist tot, der Familienbesitz mitsamt der dazugehörigen Minen heruntergewirtschaftet und verschuldet, und seine Jugendliebe Elizabeth wird in wenigen Wochen seinen Cousin Francis heiraten.
Trotz dieser Rückschläge möchte Ross seine Heimat nicht verlassen. Er ist fest dazu entschlossen, sein Erbe anzutreten und die Zinnminen seiner Familie wieder in Betrieb zu nehmen. Ross ist ein Mann von Ehre mit starkem Sinn für soziale Gerechtigkeit und so liegt ihm auch das Wohl der ehemaligen Minenarbeiter am Herzen. Schon bald gerät er deswegen in Konflikt mit dem Adel. Und auch sein Privatleben ist ein großes Chaos. Er rettet das junge Mädchen Demelza aus den Fängen ihres trunksüchtigen und brutalen Vaters und stellt sie als Dienstmagd ein. Mit der Zeit wird sie unentbehrlich für ihn. Er verliebt sich heftig, doch mit einem Teil seines Herzens hängt er immer noch an der schönen Elizabeth. So ist Poldark hin- und hergerissen zwischen Frauen und zwei sozialen Schichten.“
(Rückentext der DVD)

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„Poldark“ ist die zweite Serie, die ich als kostenfreies Rezensionsexemplar bekommen habe.
Direkt nachdem ich „Mord auf Shetland“ gesehen habe und extrem begeistert war, hoffte ich, dass ich ein ähnliches Empfinden mit „Poldark“ haben werde. Wie gut die Serie mich unterhalten konnte, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Zunächst muss ich sagen, dass ich es ganz zauberhaft finde, wenn der Rückentext einer Serie zwar den Plot erzählt, aber nicht großartig spoilert. Diese Serie schafft dies leider nur bedingt, aber das tut der achtfolgigen ersten Staffel keinen Abbruch.

Als ich die erste DVD einschmiss, fielen mir zwei ganz markante Dinge auf. Erstens: die Melodie. Ein Stilmittel, das sich durch die ganze Season zieht. Diese folkloreartigen, seichten und von klassischer Musik beeinflussten Klänge brachten mich schon in Stimmung, als ich noch das DVD-Menü offen hatte. In der Tat ist die Melodie, die für mich schon ein feststehender Begriff ist („Poldark-Melodie“), eine Sache, die immer wieder aufgegriffen wird. Zweitens: die Bilder. Schon im DVD-Menü lächelt mich ein extrem atmosphärisches Bild an. Schon da hatte ich das Gefühl, dass „Poldark“ für Cineasten gedacht ist und dass man nicht selten die eine oder andere Totale von Cornwall 1783 bekommt. Ich sollte Recht behalten, dazu aber später mehr.

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Die Geschichte um Ross Poldark führt uns in eine Zeit, in der man entweder zum Adel gehörte oder zum armen Volk. Revolutionäre Gedanken aus Frankreich schwappen nur zögerlich rüber auf die britischen Inseln. Cornwall im 18. Jahrhundert war eine Metropole, ein Dreh- und Angelpunkt.
So jemanden wie Ross, der einerseits zu den Bessergestellten gehört, sich aber mehr mit den Bürgern der Arbeiterklasse identifizierte, gab es selten. Der Adel war ja eher dafür bekannt, sich stets und ständig zu bevorzugen und immer nur an Gewinnmaximierung und weniger an soziale Gerechtigkeit zu denken. Im Wesentlichen ist genau das der Punkt. Der Zuschauer geht mit der Geschichte nicht auf Reisen oder verfolgt ein anderes Ziel, viel mehr ist es ein Kampf eines Mannes, der von seinen Prinzipien überzeugt ist und das Herz am rechten Fleck hat, dem es eben nicht um Titel, Klasse oder Stand geht. Ein schier unendlicher Kampf und alles nur, um ein friedliches und gerechtes Leben führen zu können.

Augenscheinlich klingt die Story nicht sonderlich spannend und tatsächlich hält sich dieses Gefühl für die ersten 10 oder 15 Minuten der ersten Folge, aber dann dreht sich weitestgehend das Geschehen. Mit zunehmender Dauer entsteht zwar kein klassisches Spannungsgefühl, aber dennoch steigt das Interesse. Es gleicht alles einem Mehrfrontenkrieg, an dem Ross sich durchsetzen muss. Je länger die Serie dauert, desto mehr Charaktere treten auf dem „Schlachtfeld“ auf, deren Motive und Absichten nicht nur vom Zuschauer, sondern auch von Ross ergründet werden wollen. Nicht jeder, der vorgibt dein Freund zu sein, ist es am Ende auch.
Spätestens wenn „Poldark“ mit der Einführung eines Cliffhangers am Ende einer Folge aufwartet, ist der Zuschauer gespannt und absolut bei der Sache und will einfach nur wissen, wie es weiter geht.

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Diese Serie, die auf den Romanen von Winston Graham basiert, wird auf unterschiedliche Arten erzählt. Genau daran erkennt man, dass die acht Episoden von zwei unterschiedlichen Regisseuren gedreht wurden. Die ersten vier Folgen wurden von Edward Bazalgette gedreht. William McGregor drehte die letzten vier. Einen deutlichen Unterschied gibt es in Intensität und Tempo. Die ersten vier Episoden brachten uns in der Handlung schnell voran. Es zeichnete sich schon ab, was kommen kann.
Die zweite Hälfte war intensiver, weniger in Bezug auf die Emotionen als auf die Handlung selbst. Sie war aber auch langsamer und gediegener in der Erzählweise und sehr viel nervenaufreibender. Die „Schwankung“ innerhalb einer Staffel habe ich selten so sehr gemerkt wie bei „Poldark“.

In „Poldark“ darf Aidan Turner die Klaviatur der Emotionen einmal komplett rauf und wieder runter spielen und so zeigen, was ihn ihm steckt. Das hat er insofern auch geschafft, dass er nie aus seiner Rolle des Ross Poldark gefallen ist. Es war immer Ross, der gekämpft und geackert hat. Aidans Schauspiel blieb vielfältig, nicht zuletzt weil sein Charakter rau, sanft, hart und nachgiebig gleichzeitig gewesen ist. Die meiste Zeit wird die Geschichte und die Glaubwürdigkeit der Serie auf seinen Schultern getragen, aber immer dann, wenn andere Figuren näher involviert sind, nehmen sie ihm etwas Last ab und spielen ähnlich wundervoll ihre Figuren.
Mit Eleanor Tomlinson (Demelza) und Heida Reed (Elizabeth) sind die beiden weiblichen Hauptrollen besetzt. Die Entwicklungen, die beide Schauspielerinnen mit ihren Figuren durchmachen, sind im Laufe der ersten Staffel zwar extrem, aber immer glaubwürdig. Am Ende sitzt das Publikum also nicht verwirrt da und fragt sich, wie es dazu kommen konnte. Mit Kyle Soller (Francis) und Jack Farthing (George) sind zwei weitere Schauspieler in dieser Serie zu sehen, die ihre Sache mehr als gut machen. Mit Hinterlist und Kalkül, gleichzeitig aber auch unglaublich berechnend und undurchsichtig zeigen die beiden dem Publikum die hohe Kunst des Schauspiels. Da stört insgesamt auch nicht, dass die Sprache eher altmodisch ist und etwas geschwollen klingt.

Nun komme ich zu den eben vorangestellten zwei Punkten: die Bilder und die Musik.
Das Setting ist Cornwall mit all seiner rauen Natur, den brechenden Wellen, der Küste und dem Wetterumschwung. Wir sehen viele Naturbilder, reiten bei Sonnenuntergang nach Hause oder ziehen Kisten voller Lebensmittel im Schutz der Dunkelheit aus dem Wasser an den Strand. Ein besonderes Feeling kommt da immer auf, wenn man als Zuschauer die Szene in der Totalen sieht. Zu den zahlreichen „Rosamunde Pilcher“-Touristengruppen dürften sich, dank solcher wundervollen Bilder, zukünftig auch „Poldark“-Fans zu den Besuchern Cornwalls zählen. Mich würde es freuen.

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Weiter mit der Musik. Wie bereits beschrieben ist sie folkloreartig mit einem Touch Klassik. Eingängig und unverwechselbar. Zwar wird in der kompletten Staffel kaum andere Musik verwendet, aber der Zuschauer ist sich dieser einerseits emotionalen und andererseits tiefgreifenden Musik nicht überdrüssig. Ganz hoher Unterhaltungswert, aber ganz wenig Abwechslung.

Meine Meinung:
„Poldark“ hat mich nach 15 Minuten des Wartens endlich abgeholt und fortan fast acht Folgen lang auf hohem Niveau unterhalten. Ich bin immer noch absolut begeistert. Mich hat es auch überhaupt nicht gestört, dass es kein richtiges Ziel gibt. Der Aufbau der alten Miene läuft zwar irgendwie nebenbei, ist aber nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Es sind die moralischen Entscheidungen, die mich ermutigt haben, weiter zu machen. Ich bin angetan von Prinzipientreue und dem Kampf gegen das alte Establishment.

Im Cornwall von 1783 ist das Leben nicht einmal lebenswert und doch wird alles dafür getan, irgendwie über die Runden zu kommen. Ein fairer und freundschaftlicher Partner ist da manchmal schon Gold wert.
Auf seine ganze eigene Art und Weise konnte mich „Poldark“ wirklich gut entertainen. An dieser Stelle gibt es auf jeden Fall eine klare Empfehlung.

Meine Wertung:
Story: 8,0 von 10
Spannung: 7,5 von 10
Länge: 6,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Emotionen: 9,0 von 10
Setting: 10 von 10
Musik: 6,0 von 10
GESAMT: 7,9

Reihenfolge:
1. „Poldark“ (Staffel 1)
2. „Poldark“ (Staffel 2)
3. „Poldark“ (Staffel 3)
4. „Poldark“ (Staffel 4)