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Coraline

IMG_3997Titel: Coraline
Genre: Stop-Motion
Regie: Henry Selick
Musik: Bruno Coulais
Produzenten: Claire Jennings / Mary Sandell
Dauer: ca. 96 Minuten
Erscheinungsjahr: 2009
Altersfreigabe: FSK 6

„Coraline Jones ist eine aufgeweckte Elfjährige, die sich ganz furchtbar in ihrem neuen Zuhause langweilt – bis sie eine Geheimtür öffnet. Dahinter wartet eine andere, bessere Version ihres Lebens auf sie, in der ihre anderen Eltern immer Zeit für sie haben. Doch diese perfekte Traumwelt entpuppt sich schon bald als gefährlicher Alptraum. Als ihre andere Mutter sie nicht mehr gehen lassen will, muss Coraline all ihren Mut zusammennehmen, um ihre wirkliche Familie mit Einfallsreichtum und Geistesgegenwart zu retten…“
(Rückentext der DVD)

Das erste Mal sah ich „Coraline“ in einer Trailershow auf einer DVD. Dieser kleine Ausschnitt hat schon mächtig Eindruck hinterlassen, nicht nur bei mir, sondern auch bei meiner Herzdame. Da sie auch noch zwei Tage später nicht aufhören konnte von diesem Film zu schwärmen, beschloss ich kurzerhand, ihr den auf DVD zu kaufen. Jetzt haben wir ihn endlich gesehen und eigentlich sollte sie diese Rezension schreiben, aber mit einem: „Das ist dein Blog.“, redete sie sich wieder einmal raus.

Die Geschichte beginnt und man sieht zunächst eine filigran ausschauende mechanische Hand, wie sie eine Puppe näht.
Nach einem Umzug in ein neues Zuhause fängt Coraline an, sich sehr stark zu langweilen. Sie geht auf Entdeckungstour und erforscht nicht nur das Haus, sondern lernt auch Nachbarn kennen.
Nachdem sie ihre Mutter dazu überredet hat, die übertapezierte Geheimtür zu öffnen, entdeckte sie zunächst nichts anderes als rote Ziegelsteine.
Dass diese Geheimtür sie in eine andere Welt führt, ist zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar. Ein Abenteuer wartet auf Coraline, in dem es nicht nur um ihr Leben geht, sondern auch um das ihrer Eltern.

Chronologisch erfährt der Zuschauer die Handlung von „Coraline“. Mit einer weitestgehend düsteren Atmosphäre ist die FSK-Einstufung zu gering angesetzt. Die Erzählweise versucht mit einigen Wendungen zu überraschen, da die Story aber insgesamt überwiegend vorhersehbar ist, fruchten die Kniffe in der Erzählung nicht unbedingt. Abgedreht bleibt der Film aber dennoch, nicht nur durch eine ungewöhnliche Geschichte.

Richtige nervenzerreißende Spannung kommt die ganze Zeit über nicht auf. Es ist eher ein unterbewusstes Interesse. Die Ursachen sind allerdings klar. Das Publikum möchte Zeuge der nächtlichen Ausflüge von Coraline sein, man möchte sehen, was sie erlebt und der Zuschauer will erfahren, wie und ob Coraline ihre richtigen Eltern retten kann. Durch die Unterschiede der zwei Welten wird man immer wieder angestachelt, dran zu bleiben. Auch die Machart wirkt sich in diesem Punkt auf das Interesse des Zuschauers aus.

Mit 96 Minuten bleibt der Film in einem guten Rahmen. Die Geschichte wird nicht allzu ausschweifend oder langweilig erzählt, genau so wenig wird er zu kurz abgehandelt. Die Laufzeit trifft ein gutes Maß, dennoch vergeht die Zeit nicht wie im Fluge.

Die Machart ist Stop-Motion mit unterstützenden Animationen. Im Gegensatz zu „Die Boxtrolls“ lässt „Coraline“ den Zuschauer nicht vergessen, dass es sich bei diesem Film um einen Stop-Motion-Film handelt. Wo in „Die Boxtrolls“ die Bewegungen sehr flüssig und nahezu komplett animiert aussahen, hat „Coraline“ immer ein leichtes Puppenspieler-Feeling, was aber auch sehr gut passt, da Puppen eine wichtige Rolle im Film spielen und dies somit unterstrichen wird. Insgesamt wirkt der Film dadurch zwar sehr alt, aber immer noch überaus charmant und aufregend. Das offensichtliche Ruckeln ist nur manchmal unangenehm.

Musikalisch hat der Film nicht ganz so viel zu bieten. Zwei richtige Songs, sonst klassische unauffällige und nahezu nichtssagende Musik. Hier hat der Film definitiv mehr Potential gehabt. Eine musicalhafte Erzählung wie in „Jack und das Kuckucksuhrherz“ hätte auch diesem Streifen sehr gut zu Gesicht gestanden.

Insgesamt waren die Figuren sehr aufregend, aber unterm Strich war die Mischung nicht fesselnd genug. Coraline selbst war natürlich der spannendste Charakter im ganzen Film, dafür war der Rest zu unauffällig. Lediglich der Nachbarsjunge Wybie war auf seine verschrobene Art interessant.

Meine Meinung:
Als ich mir diesen Trailer auf der DVD angesehen habe, hatte ich gleich eine Vorstellung von dem Film. Ich sollte zumindest nicht das bekommen, was ich mir zunächst ausgemalt hatte.

Ich fühlte mich, trotz der nicht erfüllten Erwartungen, von der Geschichte erstaunlich gut unterhalten.
Die musikalische Untermalung lässt viel Spielraum nach oben zu und auch die Figuren waren nicht alle mitreißend.

Die Machart ist was ganz besonderes und übt ihre eigene Faszination auf mich aus.
Insgesamt lässt „Coraline“ viele Punkte auf der Strecke. Schade, denn dieser Streifen hatte echtes Potential.

Meine Wertung:
Spannung: 6,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 6,0 von 10
Musik: 6,0 von 10
Stop-Motion: 9,0 von 10
GESAMT: 7,3

Die Boxtrolls

IMG_0106Titel: Die Boxtrolls (engl. „The Boxtrolls“)
Genre: Stop-Motion
Regie: Graham Annable / Anthony Stacchi
Musik: Dario Marianelli
Produzenten: Travis Knight / David Ichioka
Dauer: ca. 92 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 6

„Kaum wird es Nacht in Cheesebridge und alle verschließen Tür und Tor, kommen unheimliche Kreaturen aus dem Dunklen hervor. Sie sind garstig und riesig, so wird es geraunt, doch wenn du sie sehen würdest, wärst du erstaunt. Es sind schüchterne Kerlchen und vielleicht triffst du sie nie. Was seltsam genug ist, denn unter den Straßen, da wohnen sie…

Die Boxtrolls werden als Monster, die angeblich Käse und kleine Kinder stehlen, gefürchtet. Tatsächlich jedoch sind sie ein harmloses und gemütliches Völkchen, das einen Waisenjungen namens Eggs großzieht. Als der abscheuliche Trolljäger Snatcher Jagd auf die Boxtrolls macht, nehmen sie all ihren Mut zusammen und setzen sich heldenhaft zur Wehr.“
(Rückentext der DVD)

Lang, lang ist es her, als ich meine letzte Rezension veröffentlicht habe. Und diese hier wartet auch schon etwas länger darauf, geschrieben zu werden. Ich habe die letzten Tagen und Wochen damit verbracht, wieder gesund zu werden, da mich eine tödliche Männergrippe heimgesucht hat. In der Zeit kam sogar das Filmegucken zu kurz und ich bin gespannt, wie sich das in den nächsten Wochen verhält, bei etwas besserer Gesundheit und vielleicht auch mehr Lust.
Der letzte Film, den ich mir zu Gemüte geführt habe, war also „Die Boxtrolls“ und mit ihm zieht auch eine neue Kategorie in meinen Blog ein: Stop-Motion-Filme.

Die Story von „Die Boxtrolls“ ist auf ihre ganz eigene Weise abgedreht. Mit vielen Überraschungen weiß sie zu überzeugen. An und für sich ist sie dabei weitestgehend kinderfreundlich, trotz der düsteren Atmosphäre und der Tatsache, dass die kleinen Trolle als Kidnapper und Monster bezeichnet werden. Das wiederum wird so dermaßen breitgetreten, dass es unangenehm für Erwachsene (zu oft) und Kinder (zu gruselig) ist. Der Unterhaltungswert ist aber dennoch immens hoch. Insgesamt schafft es der Streifen storytechnisch zu unterhalten, dabei verliert er nie den „roten Faden“ und löst am Ende das Geheimnis der Boxtrolls.

Spannungstechnisch spielt der Film auf einem hohen Niveau mit. Die Wendungen in der Geschichte sorgen unwillkürlich für ein gesteigertes Interesse des Zuschauers und so kommt es nicht selten vor, dass ebenjener an vielen verschiedenen Stellen neu abgeholt wird.
Dabei macht „Die Boxtrolls“ kein Unterschied, ob das Publikum im Kindesalter oder bereits erwachsen ist.

Etwas, das diesen Film zu etwas Besonderem macht ist die Stop-Motion-Filmtechnik. Es werden einzelne Bilder aufgenommen und extrem schnell hintereinander abgespielt. Die Bewegung entsteht, indem die Figuren pro Bild nur Millimeter für Millimeter mühsam in echt verändert werden.
Da „Die Boxtrolls“ mein erster Stop-Motion-Film ist, fällt es mir schwer, diese Kategorie zu bewerten.
Im Prinzip habe ich diese Filmtechnik fast gar nicht gemerkt. Im Umkehrschluss heißt es für mich, dass da richtig viel Arbeit drin steckt, denn das kann man nur schaffen, wenn viele Einzelbilder aufgenommen worden sind und somit die Bewegungen immer flüssiger wirken. Ein Stop-Motion-Film nimmt dabei ohnehin schon sehr viel Zeit in Anspruch. Auf diesem Niveau aber wohl noch Mal wesentlich mehr.

Obwohl alle Figuren irgendwie animiert waren, kam es dazu, dass ich der einen Figur ihren Charakter, ihr Wesen und ihre Eigenschaften mehr abgekauft habe, als der anderen.
So empfand ich die überhebliche Art des „Bürgermeisters“ übertrieben und fehl am Platz, die Dummheit der Handlanger von Snatch allerdings passend.
Eggs konnte mich mit seiner kindlichen und naiven Art von sich überzeugen, außerdem ist er der einzige Freund der niedlichen Trolle; er war einer von ihnen. Die Tochter des Bürgermeisters hat mich mit ihrer alles durchschauenden und neugierigen Art für sich gewonnen, obwohl sie kaum älter als Eggs ist.
Tatsächlich waren aber alle Figuren sehr originell erdacht. Die fantasievollen Boxtrolls setzen dabei dem Ganzen eine Krone auf. Sie sind unwirklich, sehen alle irgendwie gleich aus und unterscheiden sich dennoch merklich. Sie sind zwar nicht menschenähnlich oder haben eine richtige Sprache, aber wenn sie sich zu Wort melden, weiß man genau, was sie sagen.

Die Musik war unterstützender Natur und meistens instrumental, ausgenommen sind zwei gesungene Lieder. Diese wurden eigens für den Film geschrieben und produziert. Sie haben auf ihre Weise die Geschichte um die Boxtrolls und Eggs erzählt, so wie sie im Volksmund weitergegeben wird. Insgesamt ist die musikalische Untermalung aber eher zurückhaltend.

Besonderes Detail: Die DVD steckt in einer Hüller mit einem Lenticularbild (Wackelbild).

Besonderes Detail: Die DVD steckt in einer Hüller mit einem Lenticularbild (Wackelbild).


Meine Meinung:
„Die Boxtrolls“ konnten mich für die Dauer des Films in eine andere Welt entführen. Eine Welt, in der es eben Trolle gibt, die in Boxen leben. Es war ein fantasievolles Abenteuer, das mir sehr gut gefallen hat.

Die Geschichte war kindgerecht, dabei ist der Film kein reiner Kinderfilm und hat definitiv auch seine Daseinsberechtigung im DVD-Regal eines Erwachsenen.

Die Länge war auch super, es kam fast nie Langeweile auf und im gleichen Moment war der Streifen auch nicht zu kurz.

Ganz besonders empfand ich die Stop-Motion-Filmtechnik. Man schaut sich ja doch nicht jeden Tag so etwas an, dann darf das auch mal erwähnt werden. Es steckt echt viel Zeit in diesem Film, was ihn zu einem ganz besonderen Exemplar der Filmkunst macht.
In diesem Punkt wurde ganze Arbeit geleistet.

„Die Boxtrolls“ bekommt von mir eine klare Empfehlung, für jeden, der sich auch mal entführen lassen möchte und für kurze Zeit seinem Alltag entfliehen will.

Meine Wertung:
Spannung: 7,5 von 10
Story: 8,5 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 7,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Stop-Motion: 10 von 10
GESAMT: 8,0