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septemb*E*r-Challenge 2.0: Die Entdeckung der Unendlichkeit

Titel: Die Entdeckung der Unendlichkeit (engl. „The Theory of Everything“)
Genre: Biopic / Romanverfilmung
Regie: James Marsh
Musik: Jóhann Jóhannsson
Produzenten: Tim Bevan / Lisa Bruce / Eric Fellner / Richard Hewitt / Anthony McCarten
Dauer: ca. 118 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 0

„Das Schicksal des genialen Physikstudenten Stephen Hawking (Eddi Redmayne) scheint besiegelt, als bei dem 21-Jährigen eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird. Doch die Liebe zu seiner Cambridge-Kommilitonin Jane (Felicity Jones) gibt ihm neuen Lebensmut. Mit ihrer Unterstützung stürzt er sich in sein wichtigstes Projekt und erforscht genau das, wovon ihm nur noch wenig bleibt: die Zeit. Aber kann die Liebe zwischen Stephen und Jane auch den Tod besiegen?“
(Rückentext der DVD)

Das letzte E in September ist nun gesehen. Nachdem die Challenge ja doch eher mittelprächtig anfing, startet der September nun noch einmal durch und das nicht zuletzt durch „Die Entdeckung der Unendlichkeit“.
Dieser Film ist nicht einfach nur irgendein Biopic, sondern es zeigt das Leben und Wirken von Stephen Hawking ab seiner Zeit in Cambridge. Erzählt wird es aus der Sicht seiner ersten Ehefrau. Die literarische Vorlage sind im Übrigen auch ihre Memoiren.

Ich dachte ja immer, dass Biopics das Leben einer realen oder historischen Person auf äußerst unspektakuläre Weise zeigen. Das erste Mal so richtig überrascht wurde ich von „127 Hours“, der mich aufgrund der darstellerischen Leistung überzeugen konnte. Auch „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ weiß zu überzeugen und ich bin wieder einmal froh, dass ich mir diesen Film für meine S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge 2.0 ausgesucht habe.

Die Geschichte dreht sich weitestgehend um das Schaffen und Wirken von Stephen Hawking und auch um die Liebe zu seiner ersten Frau. Und da haben wir auch gleich einen Gegensatz: Emotionen gegen Rationalität. Meines Erachtens ist es ein starkes Stück Arbeit, diesen „Konflikt“ darzustellen, ohne dass er lächerlich wirkt. Es gibt auch weitere Unterschiede, die in ihrer Gesamtheit den Eindruck vermitteln könnten, dass das nicht zusammenpasst. Der Zuschauer wird aber gleich eines Besseren belehrt. Ich möchte von der tollen Story jedoch nicht zu viel vorwegnehmen, denn der Film hat noch so vieles mehr zu bieten.

Ich betrachte diesen Streifen als ein Gesamtkunstwerk, der ein ums andere Mal seine Zuschauer an eine emotionale Grenze treibt. In der ersten Stunde war ich zunehmend damit beschäftigt, nicht loszuheulen (teilweise bin ich gescheitert) und mich weiterhin auf das Gezeigte zu fokussieren. Wenn man sich die Emotionen im Einzelnen anschaut und sich dabei die beiden Hauptfiguren vornimmt, dann stellt man schnell fest, dass jeder Satz, jeder Blick oder jede Berührung voller Gefühl steckt. Manchmal wurde es witzig, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Wir erfahren, welche Mühe sich seine erste Ehefrau gibt, ihm weiterhin Hoffnung zu machen und Freude am Leben zu bereiten, aber gleichzeitig geizen auch Hawkings Wegbegleiter nicht mit Emotionen, was den Zuschauer ein ums andere Mal ergreift . Auch an dieser Stelle könnte ich exemplarisch Szenen nennen, die meinen Eindruck untermauern, aber es wäre besser, ihr schaut euch diesen Film selbst an.
In all der Zeit erfährt das Publikum ein Maximum an Authentizität.
Ich könnte immer so weiter machen, denn so gerne man es auch möchte, man wird nichts Negatives bei den Emotionen oder der Authentizität finden.

Das Setting ist vielfältig. Man ist stets im Wechsel zwischen Cambridge, dem Haus der Hawkings und einigen anderen Kulissen. Alles wirkt dabei stets professionell und hochwertig. Die Kostüme sind ebenfalls mit der Zeit gegangen. Zum Ende hin werden die Klamotten immer moderner, wohingegen zu Beginn noch der Stil der 60er Jahre getragen wurde. Die Filmmusik ist hervorragend ausgewählt und komponiert. Insgesamt wurden nur klassische Stücke verwendet, die mal aktiv und mal passiv in den Film eingebaut wurden. Die Kameraarbeit bzw. auch deren Nachbearbeitung ist sehr angenehm. Zwar wurde oft der Weichzeichner eingesetzt, trotzdem waren die Bilder schön anzusehen und passend zur Handlung.

Wenn es um die Sache mit der Spannung geht, fällt mir eine Bewertung schon deutlich schwerer, denn so richtig spannend ist der Streifen nicht, jedoch weiß er mit seinen Mitteln zu überzeugen. Es ist mehr ein sehr stark gesteigertes Interesse, gleichzeitig zieht der Film seinen Zuschauer in den Bann und lässt ihn bis zuletzt nicht mehr los.

Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #55 „Schaue ein Biopic über eine männliche Person (1)“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
Auch bei diesem S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge-Film stelle ich mir die Frage, was schlussendlich übrig bleibt und stelle fest, dass ich selten einen so starken Film gesehen habe. Nicht nur handlungstechnisch, sondern auch darstellerisch bekommt man mit „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ einen unfassbaren ergreifenden und starken Film, der sich allemal bezahlt gemacht hat.

Eddie Redmayne hat nicht zu Unrecht für seine Leistung in diesem Streifen einen Oscar® für den besten männlichen Hauptdarsteller bekommen. Die Oscar®-prämierten Filme sind also doch noch nicht verloren.

Meine Wertung:
Story: 10 von 10
Spannung: 6,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 10 von 10
Gefühl/Emotionen: 10 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 8,8 von 10

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septem*B*er-Challenge 2.0: The Big Short

Titel: The Big Short
Genre: Drama / Finanzthriller / Romanverfilmung
Regie: Adam McKay
Musik: Nicholas Britell
Produzenten: Dede Gardner / Jeremy Kleiner / Arnon Milchan / Brad Pitt
Dauer: ca. 125 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 6

„Vier Außenseiter riskieren alles, um den amerikanischen Banken, die für den größten Betrug der US-Finanzgeschichte verantwortlich sind, eins auszuwischen. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis, Autor der Kinoerfolge ‚The Blind Side’ und ‚Moneyball’, ist diese Geschichte so unglaublich wie wahr. Als brillant und explosiv von der Presse hochgelobt, überzeugt der packende Finanzthriller auch mit einem hochkarätigen Cast: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling und Brad Pitt in Bestform machen ‚The Big Short’ zu einem der eindrucksvollsten und unterhaltsamsten Film-Highlights des Jahres.“
(Rückentext der DVD)

Der September mit seiner Challenge 2.0 dreht endlich auf. Ich frage mich ja, warum ich solche Perlen bloß immer so spät aus meinem DVD-Regal ziehe?

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine Offenbarung erlebt habt? So etwas hatte ich bisher zwei- oder dreimal und auch dieses Mal war es wieder soweit. „The Big Short“ hat mich also aus den Socken gehauen.

Die Handlung dreht sich um die Finanzkrise 2007/2008, die darin endete, dass unter anderem die Immobilienblase in den USA geplatzt ist und die Investment Bank Lehman Brothers insolvent ging. Die ganze Geschichte fing aber schon ca. 3 Jahre vorher an. Nämlich dann, als jemand die Hypotheken genauer unter die Lupe genommen hat und aufgrund der Zusammenstellung der Fonds festgestellt hat, dass das ganze System auf Mist aufgebaut ist.

Bevor ich zu sehr spoilere, muss ich an dieser Stelle den Streifen empfehlen, denn er zeigt auf eine erschreckende Art und Weise, wie viel vor rund 10 Jahren falschgelaufen ist. Thematisch scheint „The Big Short“ recht trocken zu sein, allerdings hilft der Film auch dabei, Zusammenhänge zu erklären und zu verdeutlichen. Die Handlung ist aber auch ausschlaggebend dafür, dass dieser Film eine Offenbarung ist. Ich habe inhaltlich und an der Darstellung der Figuren nichts auszusetzen, denn all das, wie es gezeigt wird, ist für mich von vorne bis hinten authentisch. Dabei war es mir vollkommen egal, wie verschroben die Charaktere auch sein mögen, denn genau so etwas kann es im echten Leben geben. Die einen sind cholerisch und die anderen paranoid.

Die Spannung ergab sich für mich aus der Handlung. Anfangs wurde ich noch nicht ganz abgeholt, aber nach ca. 10 bis 15 Minuten war ich in der Thematik drin. Es bedarf auch keinerlei ausufernder Gefühle oder Zuschaustellung von Schicksalen, denn das Ende ist allen bewusst: acht Millionen US-Bürger verloren ihren Job, sechs Millionen ihr Haus.

Es muss gesagt werden, dass „The Big Short“ mit einem erstaunlich guten Cast daherkommt und damit auch vollkommen richtig liegt. Brad Pitt, Ryan Gosling, Christian Bale und Steve Carell überzeugen mit all ihren Stärken und gleichzeitig sieht man sie nicht in für sie typischen Rollen.

Im Unterton ist „The Big Short“ ein extrem sarkastischer Film, der immer wieder mit dem Zeigefinger auf alle Verfehlungen deutet, die da damals passiert sind. Der Streifen ist bei dem Sarkasmus aber nicht so richtig zum Lachen, er will ja auch bei weitem keine Komödie sein. Viel mehr resigniert er von Beginn an und lässt dem Unheil seinen Lauf. Bei einer wahren Begebenheit fällt es allerdings auch schwer, etwas an der Handlung zu ändern.

Das Setting bietet zur Handlung ein richtiges Kontrastprogramm, denn man bekommt zumeist helle Bilder, eine angenehme musikalische Untermalung und Kostüme bzw. Outfits, die auch in den Finanzsektor passen. Die Kulissen wirken stilecht und ich kann mir gut vorstellen, dass in Gebäuden gedreht wurde, welche tatsächlich Schauplatz der „Katastrophe“ gewesen sind.

Meine Meinung:
Was lässt sich also letzten Endes zu „The Big Short“ sagen?
Dieser Film ist ein durchaus trockener, aber auf seine Weise sarkastischer Film. Das Publikum sollte schon Interesse am Finanzsektor und an Politik haben, ansonsten kann es auch zu einer zähen Nummer werden. Für mich war dieser Film allerdings eine Offenbarung und das aus mehreren Gründen: Der Cast ist einfach gut, die Thematik stimmte für mich und die Form der Erzählung hat mich zwar erst nach einer viertel Stunde abgeholt, aber dann richtig.

Aus meiner subjektiven Sicht bekommt der Film daher auch eine entsprechende Punktzahl. Da der Streifen aber überwiegend emotionslos bleibt und eher Verfehlungen aufzeigt, als darauf ausgelegt ist, Gefühle zu zeigen, muss ich ihn an entsprechender Stelle deutlich abstrafen.

Meine Wertung:
Story: 10 von 10
Spannung: 9,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 3,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Setting: 9,0 von 10
GESAMT: 8,1

sept*E*mber-Challenge 2.0: Ein Hologramm für den König

Titel: Ein Hologramm für den König (engl.: „A hologram for the King“)
Genre: Romanverfilmung / Drama / Romantik
Regie: Tom Tykwer
Musik: Johnny Klimek / Tom Tykwer
Produzenten: Stefan Arndt / Gary Goetzman / Arcadiy Golubovich / Tim O´Hair / Uwe Schott
Dauer: ca. 95 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 6

„Alan Clay (Tom Hanks), Alter 54, Opfer der Bankenkrise, hat eine letzte Chance. Er soll innovative Hologramm-Kommunikationstechnologie an den Mann, besser gesagt den König bringen: König Abdullah von Saudi-Arabien lässt mitten in der arabischen Wüste eine strahlende Wirtschaftsmetropole errichten. Doch der König kommt nicht. Nicht am ersten Tag, nicht am zweiten – und auch nicht in den Tagen danach. In diesen Tagen der Unverbindlichkeit und des Wartens wird der junge Fahrer Yousef (Alexander Black) Alans Gefährte. Durch ihn erlebt er die Widersprüchlichkeiten eines Landes zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen Tradition und Moderne. Und er lernt die schöne Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) kennen. Anhand dieser Begegnungen und der neuen kulturellen Eindrücke entwickelt sich Alan Clay vom zielstrebigen und erfolgsgetriebenen Salesman zu einer Person, die sich selbst Perspektiven sucht und für sich einen neuen Platz im Leben findet. So gerät für Alan immer mehr zur Nebensache, ob der König nun kommt oder nicht.“
(Rückentext der DVD)

Erfahrungsgemäß und durch Berichte von anderen Bloggern ist mir bewusst, dass der Buchstabe E besonders schwierig ist. Mein zweites E ist daher „Ein Hologramm für den König“. Dabei handelt es sich um eine Adaption des gleichnamigen Romans von Dave Eggers.

Long story short: Der König kommt nicht und Alan findet mehr und mehr zu sich. Dabei durchlebt er mehrere Phasen, aus denen er unterschiedlichste Erkenntnisse zieht.

Die Erzählweise ist unaufgeregt und fokussiert sich einzig und allein auf das Schicksal von Alan. Der Zuschauer bleibt die ganze Zeit bei ihm und bekommt seine innere Haltung eins zu eins mit. Anfangs schien er noch zielstrebig zu sein und Ambitionen zu besitzen, dabei verliert er sich selbst aber aus den Augen und mit zunehmender Dauer wandelt sich das Bild. Am Ende des Streifens wird Alan ganz bei sich sein und das Leben nicht mehr ganz so eng sehen. Die Narration war nie auf das berufliche Leben Alans ausgelegt. Vielmehr wurde über den Beruf der Einstieg in die Materie gewährt, damit sich das Publikum mit Alan identifizieren kann, was schlussendlich bei mir auch funktioniert hat.

Mit der arabischen Ärztin Zahra wird ein Gegenpool integriert. Eine Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft, die Ärztin ist, aber zugleich auch unter den Zwängen und Gepflogenheiten dieser besonderen Gesellschafts- und Kulturstruktur zu leiden scheint. In Gesprächen, Schriftverkehr und Blicken erkennt man ganz deutlich, wie sich Alan und Zahra nicht nur körperlich, sondern auch geistig näherkommen. Sie überschreiten damit zweifellos gesellschaftliche Grenzen, allerdings tun sie sich gegenseitig gut und das spiegelt sich auch zunehmend an den Figuren wider.

Ich würde „Ein Hologramm für den König“ durchaus als emotionalen und authentischen Film bezeichnen. Ich muss aber auch sagen, dass mich die Thematik interessiert hat und mich die Figur Alan Clay auch wunderbar abholen konnte. Auch die Figur Yousef half mir, mich mit dem Film auseinanderzusetzen, denn er bringt immer wieder etwas Humor in die Geschichte und zeigt damit, dass es in den arabischen Ländern, oder hier in Saudi-Arabien, starre Strukturen gibt, sie aber an der einen oder andere Stelle aufzuweichen scheinen.
Ich habe dennoch etwas zu kritisieren: Die Figuren wirken des Öfteren sehr distanziert zueinander. Das störte mich insofern, als dass ich gerne am Glück der Protagonisten teilhaben wollte, es aber nicht konnte, weil der Funke zu mir nicht übergesprungen ist.

Eben dieser Funke sprang auch nicht über, wenn wir uns zum Thema Spannung unterhalten wollen. Denn spannend ist dieser Film nicht, er ist sogar sehr weit davon entfernt. „Ein Hologramm für den König“ punktet hingegen mit seiner schönen Charakterzeichnung.

Das Setting ist absolut aufeinander abgestimmt. Die Auswahl der Kulissen wirkt hochwertig und war obendrein auch variabel. Moderne Hotelzimmer, Nomadenzelte und Baustellen gibt es zu sehen. Auch bekommt der Zuschauer ein Gefühl für Infrastruktur durch teils sehr staubige und beschädigte Straßen, aber auch durch teils hochmoderne Verkehrswegen.
Die Kostüme sind stilecht und passen in das Bild, das wir vom arabischen Raum haben. Die Musik hat das Geschehen wunderbar untermalt und verhalf dem kompletten Streifen, eine besondere Atmosphäre aufzubauen. Auch dort spiegelte sich der Konflikt zwischen Alt und Neu oder Tradition und Moderne wider.

Meine Meinung:
„Ein Hologramm für den König“ ist ein guter, für den einen oder anderen auch sehenswerter, Film, aber wirklich kein überragender. Mich konnte er jedoch gut abholen, auch wenn es an manchen Stellen im Storytelling sehr dünn zuging und man sich mit schöner Musik und einigen Kamerafahrten zufriedengeben musste.

Wenn man mich nun fragt, ob dieser Film empfehlenswert ist, dann müsste ich aus meiner Sicht diese Frage mit ja beantworten, weil er im Gesamtkonzept sehr rund und unterm Strich auch unterhaltsam ist.
Was mich aber die ganze Zeit störte, war die deutsche Vertonung. Die deutsche Audiospur klang stets so, als ob man in eine Blechdose gesprochen hätte.

Meine Wertung:
Story: 6,0 von 10
Spannung: 4,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 7,1 von 10

Gauguin

©STUDIOCANAL

Titel: Gauguin (franz.: „Gauguin – Voyage de Tahiti”)
Genre: Biografie / Drama / Romanverfilmung
Regie: Édouard Deluc
Musik: Warren Ellis
Produzenten: Bruno Levy
Dauer: ca. 102 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 6

„Tahiti, 1891. Der französische Künstler Paul Gauguin hat sich in sein selbsterwähltes Exil nach Französisch-Polynesien zurückgezogen. Er lässt sich vom Dschungel verschlucken, trotzt Einsamkeit, Hunger und Krankheit. Während seinen Erkundungstouren über die Insel trifft er auf die junge Eingeborene Tehura, die seine Muse und auch Modell seiner bekanntesten Gemälde werden wird. Als freier Mann in der Wildnis, fernab der Politik und Regeln eines zivilisierten Europas, entwickelt er einen neuen Stil des Malens.“
(Kurzinhalt laut Pressheft)

Zum Heimkinostart von „Gauguin“ am 08.03.2018 habe ich die Möglichkeit bekommen, den Film vorab einer Sichtung zu unterziehen. „Gauguin“ basiert auf der teilfiktionalen Autobiografie „Noa Noa“ und ihr erfahrt nun an dieser Stelle, wie ich diesen Film empfunden habe.

In 102 Minuten zeigt „Gauguin“ den langen und qualvollen Leidensweg des Paul Gauguin, der sich in der angepassten Welt des späten 19. Jahrhunderts nicht mehr zurecht finden will oder kann und stattdessen die Flucht nach vorne antritt. In einer anderen Welt versucht Gauguin von nun an, sein Glück zu finden und hofft auf Inspiration.

Beginnend muss ich sagen, dass sich die 102 Minuten sehr oft sehr viel länger anfühlten. Das liegt vor allem an der sehr einfachen Inszenierung der Handlung. Man merkt schnell, dass der Film nicht so viel auf Dialoge setzt, sondern viel mehr das Bild und sprechen lässt.
Die Erzählweise ist die komplette Zeit über sehr chronologisch. Von seinem Start in Paris, über die Anfangsschwierigkeiten auf Tahiti bis hin zum Treffen mit seiner Frau, seinem Schaffen und den Widrigkeiten vor Ort. Alles verläuft in sehr geordneten Bahnen. Einzige Abwechslung sind die Zeitsprünge nach vorne, die offensichtlich unwichtige Teile der Geschichte Gauguins außen vor lassen.

Bei Verfilmungen teilfiktionaler Autobiografien ist es immer so eine Sache mit der Spannung. Der Zuschauer muss sich schon sehr für das Leben und Schaffen von Paul Gauguin interessieren, um letzten Endes auf seine Kosten zu kommen. „Gauguin“ ist aber zweifellos ein Streifen, der seine Berechtigung hat. Dabei brilliert er nicht durch aufwendige Effekte, sondern durch emotionale Tiefe.
Entscheidender Faktor ist der Hauptdarsteller Vincent Cassel, der die gesamte Geschichte auf seinen Schultern trägt.

Authentizität und Emotionen beeinflussen sich direkt. Besonders zu Anfang, wo sich die Geschichte noch in Paris abspielt, wirkt alles sehr steif und festgefahren. Erst mit der Abreise und der Ankunft in der Südsee ändert es sich gewaltig. Gauguin ist allerdings im ganzen Film der einzige Charakter, der sichtbare qualitative Steigerungen erfährt. Die übrigen Figuren, besonders die aus der Südsee bzw. sich dort befindlichen, sind allesamt auf einem normalen Level.

Die Gefühle und die emotionale Tiefe lassen sich, wie bereits beschrieben, an der titelgebenden Figur dingfest machen. Cassel verleiht seiner Figur neben dem nötigen Ausdruck auch eine unbeschreibliche Tiefe. Anhand seines Blickes vermag der Zuschauer weitaus mehr zu erkennen, als beispielsweise Enttäuschung, Obsession, Wut, Liebe oder Hass. Der Regisseur verzichtet weitestgehend auf bedeutungsschwere Momente, in denen man zu sehr auf die Symbolik der Dinge achten muss, um zu verstehen, was die Quintessenz ist.

Das Setting und die Musik passen auch sehr gut. Polynesische Strände, Regenwälder, provisorische Behausungen und dazu natürliche Geräuschquellen. Klassische Melodien gibt es eigentlich kaum.
Paul Gauguin ist ja auch nicht dafür bekannt, ein außergewöhnlicher Musiker gewesen zu sein, sondern ein Maler. Daher vermute ich, dass man nicht allzu viel auf die Bedeutung der Musik, als viel mehr die Bedeutung des Bildes setzt. Es soll das Bild und nicht die Musik hervorgehoben werden, denn bildende Kunst funktioniert nun einmal ohne Ton.

Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #69 „Schaue einen Film, in dem es um die bildende Kunst oder einen Künstler geht“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

„Gauguin“ erscheint am 08.03.2018 im deutschen Handel auf DVD und BluRay.

Meine Meinung:
Ich bin wirklich froh darüber, dass ich diesen Film gesehen habe. Vor „Gauguin“ habe ich mich nicht mit dem Künstler Paul Gauguin befasst und nun weiß ich sogar, dass er aus Frankreich abgehauen ist und eine seiner größten Schaffensperioden auf Tahiti stattgefunden hat.

Der Streifen hat allerdings seine merklichen Schwierigkeiten und auch ich hatte meine Probleme, mich in den Film hineinzufinden. Das liegt aber wohl eher daran, dass ich nicht so viel mit bildender Kunst zu tun habe und sich mein persönliches Interessensgebiet eher auf die Musik verlagert.

Dennoch ist es eine gelungene Verfilmung, die Einblick in den Künstler Gauguin und seine Tahiti-Reise verschafft.

Meine Wertung:
Spannung: 3,0 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 4,0 von 10
Authentizität: 7,5 von 10
Musik: 6,0 von 10
Gefühle/Emotionen: 7,5 von 10
GESAMT: 5,8

Der Dunkle Turm

Titel: Der Dunkle Turm (engl. „The Dark Tower“)
Genre: Action / Abenteuer / Fantasy / Romanverfilmung
Regie: Nikolaj Arcel
Musik: Tom „Junkie XL“ Holkenborg
Produzenten: Akiva Goldsman / Brian Grazer / Ron Howard / Stephen King
Dauer: ca. 91 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

„Der Film basiert auf dem Bestseller des erfolgreichen Autors Stephen King. Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba) ist der letzte seiner Art und gefangen in einem ewigen Kampf mit Walter O´Dim, auch bekannt als der Mann in Schwarz (Matthew McConaughey). Roland ist fest entschlossen, ihn daran zu hindern, den Dunklen Turm zu Fall zu bringen, der das ganze Universum zusammenhält. Das Schicksal aller Welten steht auf dem Spiel, als das Gute und das Böse in einer ultimativen Schlacht aufeinanderprallen. Denn Roland ist der Einzige, der den Dunklen Turm vor dem Mann in Schwarz verteidigen kann.“
(Rückentext der DVD)

Das Jahr neigt sich dem Ende und ich konnte mir noch auf den letzten Tagen einen aktuellen Film anschauen. Dieses Mal war es „Der Dunkle Turm“.

Nun, ich bin jetzt nicht der Fachmann für Stephen King und ich habe auch noch keines seiner Bücher gelesen, aber ich interessiere mich für Filme. „Der Dunkle Turm“ ist einer dieser Streifen, die mich bereits mit dem ersten Trailer total angefixt haben. McConaughey und Elba versprechen für mich einen guten Film, da ich beide Darsteller wirklich sehr gerne mag. Wie ich nun diesen Film finde, könnt ihr hier lesen.

Im Vorfeld habe ich damals viele Kritiken gelesen. Ich hatte zunächst Interesse, diesen Streifen im Kino zu sehen, aber aufgrund der gemischten Bewertungen war ich mir letzten Endes nicht sicher, ob sich ein Besuch lohnt oder nicht.
Ich habe bereits damals vermehrt gelesen, dass „echte King-Fans“ eher enttäuscht sein werden und nur „Nicht-Kenner“ gute Unterhaltung erleben.

Damit ich mein Empfinden besser erklären kann, muss ich mein Urteil vorgreifen, denn für mich ist dieser Steifen von der ersten bis zur letzten Minute fragwürdig und eher ein Fehlkauf.
Das lässt sich wie folgt begründen:
Die Erzählweise ist von Anfang an unaufgeregt und stets bemüht, mit einigen Kniffen etwas Spannung zu erzeugen. Immerhin wird an dieser Stelle der Versuch unternommen, den Zuschauer an den Fernseher zu fesseln. Was ich allerdings noch viel schlimmer finde, ist die Handlung. Nur eine kurze und bruchstückhafte Einführung der unterschiedlichen Charaktere und Zusammenhänge ist nicht ausreichend. Viel mehr noch finde ich die Figuren zum Teil stark nichtssagend. Die Tiefe der Einzelnen lässt sich in der Regel nur dann gänzlich aufzeigen, wenn sie vernünftig eingeführt werden. In „Der Dunkle Turm“ war es nicht der Fall. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass die Handlung stringent ist.

Spannung kam, wie bereits beschrieben, nicht so recht auf. Es gibt allerdings einige Sequenzen, die durch ein abenteuerliches Actionfeeling ein wenig Interesse erzeugen, zumindest auf einer sehr flachen und nicht sonderlich anspruchsvollen Ebene. Unterm Strich ist es aber merklich zu wenig.

Auch die Laufzeit von ca. 91 Minuten ist nicht richtig ausreichend. Damit alles gut funktioniert und die Figuren ihre Wirkung entfalten können, müssen bei dieser Art der Erzählung locker weitere 20 Minuten Filmmaterial her. Aber unter diesen Umständen ist nicht nur die Handlung dünn, sondern sind es auch die Figuren.

Die emotionale Palette und die Glaubwürdigkeit sind unter den Umständen auch nicht gegeben. Bis auf Jake Chambers (gespielt von Tom Taylor) gibt es keine Figur, die hier besonders positiv auffällt. Ich hatte da wohl zu hohe Erwartungen und ließ mich durch die Strahlkraft der berühmten Darsteller blenden. Dass ich dann auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde, wundert mich dann doch eher wenig.

Die Musik ist spannungsfördernd und punktuell gut eingesetzt. Sie trägt allerdings nicht die Szenen und ist auch kein Element, welches sich tiefer in den Kopf brennt.

Meine Meinung:
Wie ich es bereits sagte, hatte ich wohl zu viele Erwartungen an diesen Film. Mir fehlte es an allen Ecken und Enden. Vermutlich ist es genau so, wie die vorherigen Kritiken sagen: King-Kenner werden enttäuscht sein. Auch jemand, der King nicht kennt, wird enttäuscht sein, denn um alles gänzlich zu verstehen, muss man wohl die Bücher gelesen haben.

Auch wenn ich nicht verwirrt werde, erschließt sich mir die Handlung einfach nicht. Es sieht so aus, als ob mir fundamentales Vorwissen fehlt. Außerdem sieht man erstaunlich selten den titelgebenden dunklen Turm.

Was bleibt mir noch übrig: Ja, ich war schon ein wenig enttäuscht, dachte ich doch, dass „Der Dunkle Turm“ ein guter Film wird, weil er so hochkarätige Schauspieler wie Idris Elba und Matthew McConaughey unter sich vereint. Was ich aber zu sehen bekomme, ist Potential, das nicht ausgeschöpft wird und nicht nur dünne Figuren, sondern auch eine sehr flache und nichtssagende Handlung.
Da kann man nur hoffen, dass die anderen Bände der Romanvorlage noch verfilmt werden, wodurch alles mehr oder weniger aufgeklärt wird und auch mehr Einblicke geliefert werden. Bis hierhin gibt es aber Abzüge.

Meine Wertung:
Story: 4,0 von 10
Spannung: 5,5 von 10
Länge: 5,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 4,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
GESAMT: 5,1

Das geheime Fenster

Titel: Das geheime Fenster (engl.: „Secret window“)
Genre: Thriller / Romanverfilmung
Regie: David Koepp
Musik: Philip Glass
Produzenten: Gavin Polone
Dauer: ca. 92 Minuten
Erscheinungsjahr: 2004
Altersfreigabe: FSK 16

„Mort Rainey durchlebt gerade eine schwere Zeit. Nachdem er seine Frau Amy in flagranti mit einem anderen erwischt hatte, trennte er sich von ihr und zog hinaus aufs Land in ein einsames Haus. Eines Tages taucht vor seiner Tür ein mysteriöser Mann auf, der sich als John Shooter vorstellt und Mort beschuldigt, eine seiner Geschichten gestohlen zu haben. Obwohl sich Mort sicher ist, dieses Missverständnis schnell aufklären zu können, indem er Shooter einfach die Originalversion seines Scripts zeigt, die bereits zwei Jahre vor der von Shooter erschienen ist, misslingt dieser Versuch: Denn der psychotische Fremde hat ihm ein Zeitlimit gesetzt, und das Original ist nicht mehr auffindbar. Außerdem geschehen plötzlich eine Reihe merkwürdiger Dinge, die Mort daran hindern, noch rechtzeitig an das Gesuchte heranzukommen. Nun versucht er heraufzufinden, wer Shooter tatsächlich ist und ob er für all die eigenartigen Geschehnisse verantwortlich ist.“
(Rückentext der DVD)

Auch wenn der Oktober bei mir unter keinem Motto steht, möchte ich dennoch so viele Filme gucken, wie es mir möglich ist. Den Anfang macht „Das geheime Fenster“ mit Johnny Depp. Eine ältere Rolle, in der er noch nicht dieses Jack-Sparrow-Gehabe aus „Fluch der Karibik“ in jedem Film untergebracht hat.

Vorweg: Die Geschichte basiert auf einer Novelle von Stephen King und nicht nur ich, sondern auch meine Herzdame habe festgestellt, dass man entweder King-Jünger oder Gegner ist. Ich bin wohl ein Gegner. Wieso und warum erfahrt ihr nun in meiner Kritik zu „Das geheime Fenster“.

Die Handlung ist zwar einfach erzählt, versucht aber den Zuschauer dahingehend so zu beeinflussen, dass am Ende alles genau so hingedreht werden kann, dass die Auflösung maximale Spannung erzeugt. Ich für meinen Teil empfand alles ziemlich behäbig und eher langweilig. Es kam eben keine Spannung auf und auch die die Auflösung zum Ende hin ist nicht spannend, sondern allerhöchstens einfallslos und vorhersehbar.
Die Idee hinter der Geschichte ist aber soweit ganz gut. Man hat halt ihr volles Potential nicht ausgeschöpft und daher wird der Zuschauer eher enttäuscht als befriedigt zurückgelassen.
Die Darsteller haben einigermaßen gepasst und haben ihre Sache auch gut gemacht, aber das Script hat leider nicht mehr hergegeben als ein paar eindimensionale Charaktere, die vielleicht gerade mal denjenigen begeistern, der noch nie einen Thriller gesehen hat.

Johnny Depp hat dabei noch am meisten zu tun, da seine Rolle mehr Tiefe verlangt. Bis zum Ende hin macht er seine Sache ziemlich gut und schafft es bis zu einem Punkt, glaubwürdig zu sein. Ab dem großen Wendepunkt verliert die Geschichte nicht nur an Spannung, sondern auch die darstellerische Leistung.
Man kann aber dennoch sagen, dass Depp mit seinen Rollen damals wesentlich breiter aufgestellt war, was heute allerdings nicht mehr der Fall ist.
Die Figuren waren allesamt durchschnittlich glaubwürdig. Es gab keine großen Ausreißer, wenig Szenen, in denen man sagen konnte, dass das Gespielte besonders (un-)glaubwürdig gewesen ist. Auch die Emotionen blieben im Zaun. Auf mich machten die Figuren eher einen genervten bis gleichgültigen Eindruck. Ab dem Wendepunkt ändert sich das allerdings ein kleines bisschen, Spannung konnte aber dennoch nicht aufgebaut werden.

Die musikalische Unterstützung bewegte sich im unteren Mittelmaß. Sie war nicht herausragend gut, aber auch nicht schlecht. Am Ende hat sie aber es dennoch nicht geschafft, eine gewisse Spannung aufzubauen und damit blieb sie hinter ihren Aufgaben und Möglichkeiten.

Mit 92 Minuten war der Film am Ende aber immer noch deutlich zu lang und bietet keine solide oder auch nur ansatzweise gute Unterhaltung. Selbst für den hartgesottenen Johnny-Depp-Fan können diese eineinhalb Stunden sehr, sehr lang werden.

Meine Meinung:
Oh Gott wurde ich gelangweilt. „Das geheime Fenster“ ist schlussendlich ein echter Fehlkauf gewesen, den ich einfach niemandem empfehlen kann.
Für mich ist dieser Streifen eher ein Pseudo-Thriller, der in seiner Konsequenz viel zu viel von sich erwartet.
Durch Horror-Elemente hätte aus einer langweiligen Fahrt mit einem Karussell eine wilde Achterbahnfahrt werden können. Hätte.

Am Ende wurde ich enttäuscht und abgestraft. Die Handlung ist einfach extrem vorhersehbar und bringt letzten Endes kaum bis keinen Spaß, obwohl die Grundidee gar nicht schlecht ist. Die Auflösung ist obendrein auch noch extrem unbefriedigend. Daher hätte ich meine Zeit auch mit etwas Besserem verbringen können.

Meine Wertung:
Spannung: 3,0 von 10
Story: 5,0 von 10
Länge: 3,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 3,0 von 10
Authentizität: 5,5 von 10
Musik: 5,0 von 10
GESAMT: 4,1

septemb*E*r-Challenge: Extrem laut & unglaublich nah

Titel: Extrem laut & unglaublich nah (engl.: „Extremely Loud & Incredibly Close“)
Genre: Drama / Romanverfilmung
Regie: Stephen Daldry
Musik: Alexandre Desplat
Produzenten: Scott Rudin
Dauer: ca. 124 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
Altersfreigabe: FSK 12

„Inszeniert nach dem gleichnamigen Bestseller von Jonathan Safran Foer erzählt ‚Extrem Laut und Unglaublich Nah’ die berührende Geschichte des außergewöhnlichen Oskar Schell. Der elfjährige Junge findet eines Tages einen geheimnisvollen Schlüssel seines Vaters, der bei den Anschlägen des 11. Septembers umgekommen ist und begibt sich daraufhin auf eine nicht alltägliche Suche durch die fünf Stadtbezirke von New York. Bei seinen ungewöhnlichen Streifzügen begegnet er den unterschiedlichsten Menschen, die alle sehr persönliche Überlebensstrategien entwickelt haben. Seine Suche endet schließlich dort, wo sie begonnen hat, doch die vielen liebevollen Begegnungen geben Oskar Halt und Trost, um das Geschehene zu verarbeiten und seine Angst vor der lauten und teilweise auch gefährlichen Welt zu überwinden.“
(Rückentext der DVD)

Nun habe ich es getan. Ich habe mir einen der emotionalsten und traurigsten Filme angeschaut, den ich je gesehen habe. „Extrem laut & unglaublich nah“ berührt mich sowohl von der Handlung, als auch von den gezeigten Emotionen.

Aber von vorne: Terror ist, wie ich bereits in meinem „B“-Beitrag in meiner S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge erwähnt habe, so ziemlich das Schlimmste, was es gibt und niemand sollte Opfer solcher Taten sein. Jeder weiß wohl heute noch, was er am 11. September 2001 gemacht hat. Auch ich.
An diesem Tag verlor auch der sehr introvertierte und skurrile Oskar Schell seinen Vater, der im World Trade Center gewesen ist, als die Türme eingestürzt sind.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, denn in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um ein Einzelschicksal handelt, in dem ein Junge seinen Vater liebt und vermisst, aber es auch gleichzeitig nur eines von so vielen Schicksalen ist, macht es umso schwieriger, diese Geschichte zu greifen, ja sogar zu begreifen. Thomas Horn spielt den skurrilen Oskar Schell, der intelligent, ängstlich, aber auch gleichzeitig mutig ist. Diesen Mut braucht er auch, nachdem sein Vater von ihm ging. Im Laufe der Zeit breitet sich diese unglaublich schöne, aber zutiefst tragische Geschichte vor dem Zuschauer aus und weiß vor allem mit seinen leisen Tönen zu überzeugen.

„Extrem laut & unlaublich nah“ ist nichts weniger als ein Drama, das dem Publikum in vielerlei Hinsicht eine Gänsehaut über den Rücken treibt, Tränen in die Augen schießt und die Münder weit offen stehen lässt, denn das Maß an Authentizität und Gefühl, das wir hier zu sehen bekommen, ist herzerwärmend und zerreißend zugleich.
Herauszufinden, zu welchem Schloss der geheimnisvolle Schlüssel gehört, ist scheinbar die letzte große Prüfung, die Oskar von seinem Vater gestellt bekommt und er ist der Einzige, der weiß, wie man dieses Rätsel lösen kann.

Ich war zutiefst berührt und ergriffen und mochte jede Minute, ja sogar jede Sekunde, die ich mit Oskar verbringen durfte. Alleine schon deswegen, weil ich wissen will, wie er des Rätsels Lösung immer näher kommt. Für mich stellte sich daher nicht die Frage, ob ich diesen Film spannend fand. Viel mehr wollte ich mehr. Mehr Zeit, mehr Abenteuer, mehr Emotionen, die mich an die Grenze des Ertragbaren treiben. Das Schicksal des kleinen Oskar treibt nämlich auch den Zuschauer mehr denn je an seine Grenzen.

Die musikalische Untermalung war nahezu minimalistisch, dabei aber so sehr auf den Punkt, dass die Szenen perfekt untermalt wurden. Die Hintergrundmusik war nie störend oder unangebracht, viel mehr sorgte sie immer dafür, dass der Fokus bei der Geschichte ist.

Meine Meinung:
„Extrem laut & unglaublich nah“ beeindruckt.
Neben Tom Hanks und Sandra Bullock sehen wir auch Max von Sydow, der für seine Leistung eine Oscar®-Nominierung eingeheimst hat (im Übrigen zu Recht).

Das letzte „E“ in der S-E-P-E-M-B-E-R-Challenge ist ein besonderer, empfehlenswerter und tragischer Film, der seine Wirkung auch nicht nach dem zweiten, dritten oder vierten Mal Sehen verfehlt.
Ein Must-See und ein Highlight.

Meine Wertung:
Spannung: 7,5 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 10 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,4

Hier geht es zu meinen anderen Beiträgen:
*S*eptember-Challenge: Source Code
s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut
se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp
sep*T*ember-Challenge: Toni Erdmann
sept*E*mber-Challenge: Edward mit den Scherenhänden
septe*M*ber-Challenge: Merida – Legende der Highlands
septem*B*er-Challenge: Boston
septemb*E*r-Challenge: Extrem laut & unglaublich nah
septembe*R*-Challenge: Regression

Beiträge anderer Teilnehmer:
Shalima – Escape Plan
Hotaru – Ernest & Célestine
Ma-Go – Es
Stepnwolf – Eyes Wide Shut

se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp

Titel: Percy Jackson – Diebe im Olymp (engl.: „Percy Jackson & Olympians: The Lightning Thief“)
Genre: Fantasy / Romanverfilmung
Regie: Chris Columbus
Musik: Christophe Beck
Produzenten: Chris Columbus / Michael Barnathan / Karen Rosenfelt
Dauer: ca. 114 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 12

„Percy Jackson (Logan Lerman) staunt nicht schlecht, als er erfährt, dass er kein normaler Teenager, sondern als Sohn von Poseidon ein Halbgott mit übernatürlichen Fähigkeiten ist – und ein schwerwiegendes Problem hat. Denn Zeus (Sean Bean) persönlich verdächtigt ihn, den mächtigen Herrscherblitz gestohlen zu haben, ohne den die Welt in einem Krieg zwischen den Göttern unterzugehen droht. Zusammen mit dem Satyr Grover und der hübschen Halbgöttin Annabeth muss Percy den Blitz finden und den eigentlichen Dieb zur Strecke bringen…“
(Rückentext der DVD)

Ich habe vor ca. fünf Jahren zum ersten Mal diesen Film gesehen und wollte ihn auf jeden Fall für den Blog noch einmal anschauen. Die S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge kommt dafür wie gerufen.

Damals empfand ich diesen Streifen, der auf dem gleichnamigen Roman von Rick Riordan basiert, als sehr sehenswert, weil das Thema griechische Mythologie mehr oder weniger in die heutige Zeit transportiert und dann etwas anders aufgezogen wird. Auch heute finde ich den Ansatz gar nicht schlecht, da ich mich immer für das Thema Mythologie begeistern kann.

Auch heute finde ich den Film nach wie vor gut, allerdings bin ich da nicht mehr ganz so überschwänglich. Alles dreht sich eben um den jungen Percy Jackson, der erfährt, dass er ein Halbgott ist und sein eigener Onkel ihn als Dieb verdächtigt. Sein Weg führt ihn nicht nur in ein geheimes Camp, sondern auch auf einen Trip durch die Vereinigten Staaten und sogar auf den Olymp, äh das Empire State Building.

Die Erzählweise ist sehr einfach gehalten und kommt dem Film zu Gute, da nämlich das Tempo hoch ist und der Streifen dadurch sehr kurzweilig wirkt. Ich habe es ja immer sehr gern, wenn das Erzähltempo nicht deutlich zu langsam ist, womit der Film in die Länge gezogen wird.

Logan Lerman habe ich zum ersten Mal in diesem Film so richtig wahrgenommen und ich muss zugeben, dass er mir in dieser Rolle gut gefallen hat. Dass die Story inhaltliche Schwächen hat, liegt ja schlussendlich nicht am Schauspieler. Ebenso Alexandra Daddario fiel mir zum ersten Mal in „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ auf. Im Grunde ist der Hauptcast eher unbekannt, zumindest zur damaligen Zeit, aber dennoch wartet der Film mit großen Darstellern wie Rosario Dawson, Sean Bean, Uma Thurman oder Pierce Brosnan auf. Das hat mir persönlich gut gefallen, vor allem, weil man den Streifen nicht künstlich um die bekannteren Akteure aufgebauscht hat.

Ach ja, die Spannung hat auch nicht gefehlt, denn „Percy Jackson“ ist temporeich und durch ein paar Roadmovie-Elemente wird der Zuschauer zusätzlich angesprochen. Kämpfe und Verfolgungsjagden runden das Bild ab und sprechen mich ebenfalls an. Die waren auch alle soweit gut inszeniert und haben mich im gewissen Maße auch unterhalten.

Bei all den positiven Dingen gibt es auch Sachen, die mich immer wieder gestört haben. Da ist der zum Teil fehlende Ausdruck in den Gesichtern der jungen Darsteller oder der schlechte Transport extremer Emotionen, denn die Figuren hatten immer wieder Grund, um Entsprechendes zu fühlen und zu zeigen. Ansonsten kann man bei der Leistung der Schauspieler nicht meckern.

Alles in allem hat der Film seine Daseinsberechtigung und er hat auch einen gewissen Unterhaltungswert, allerdings merkt man ihm seine Zielgruppe deutlich an. Für Erwachsene reicht einmaliges Schauen, Teenager werden länger etwas von „Percy Jackson“ haben.

Meine Meinung:
Die S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge nimmt langsam aber sicher Form an. „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ wollte ich schon lange gesehen haben, denn ich habe auch seinen Nachfolger in meinem DVD-Regal, den ich eigentlich schon längst gesehen haben wollte.

Wie gesagt, ich bin heute nicht mehr ganz so sehr von diesem Film begeistert, wie noch vor einigen Jahren. Ich wünsche mir aber mehr Filme, die ein vernünftiges Fantasy-Setting bedienen und da ist „Percy Jackson“ ein würdiger Vertreter, der zumindest einen guten Ansatz hat. Ehrlich gesagt freue ich mich sehr auf den zweiten Teil.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 4,0 von 10
Authentizität: 6,0 von 10
Musik: 5,0 von 10
GESAMT: 6,2

Hier geht es zu meinen anderen Beiträgen:
*S*eptember-Challenge: Source Code
s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut
se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp
sep*T*ember-Challenge: Toni Erdmann
sept*E*mber-Challenge: Edward mit den Scherenhänden
septe*M*ber-Challenge: Merida – Legende der Highlands
septem*B*er-Challenge: Boston
septemb*E*r-Challenge: Extrem laut & unglaublich nah
septembe*R*-Challenge: Regression
*S*eptember-Challenge: Source Code
s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut

Beiträge anderer Teilnehmer:
Shalima – Plötzlich Prinzessin 1+2
Ma-Go – Pulp Fiction
Hotaru – The Perks of Being A Wallflower
Ainu89 – Paper Man
Morgen Luft – Persona
Stepnwolf – Paterson

s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut

Titel: Eyes Wide Shut
Genre: Thriller / Drama / Romanverfilmung
Regie: Stanley Kubrick
Musik: Jocelyn Pook
Produzenten: Stanley Kubrick / Jan Harlan
Dauer: ca. 152 Minuten
Erscheinungsjahr: 1999
Altersfreigabe: FSK 16

„Stanley Kubricks gewagter letzter Film ist eine erfrischende psychosexuelle Exkursion, eine mitreißend spannende Geschichte und ein Meilenstein in den Karrieren der Hauptdarsteller Tom Cruise und Nicole Kidman. Cruise spielt einen Arzt, dessen Frau (Kidman) ihre sexuellen Sehnsüchte offenbart. Daraufhin stürzt er sich in ein erotisches Abenteuer, das seine Ehe gefährdet – und ihn möglicherweise sogar in einen Mordfall verwickelt. Mit meisterhaften Ornamenten illustriert Kubrick diesen von Zweifeln und Angst gesteuerten Selbsterfahrungstrip auf dem Weg zur Versöhnung. Gediegene Kamerafahrten, satte Farben, atemberaubende Bilder: eine bravouröse Handschrift, die Kubrick als zeitlosen Filmemacher ausweist, vor dem niemand die Augen verschließen kann.“
(Rückentext der DVD)

Im Gegensatz zu „Source Code“ verbinde ich mit „Eyes Wide Shut“ so ziemlich gar nichts. Auf der Suche nach einem Filmtitel mit „E“ habe ich nur welche in meinem DVD-Regal, die einen Artikel haben. Meine Herzdame schreibt allerdings eine Hausarbeit über diesen Film und hat mich gebeten, ihn mit ihr zusammen zu schauen. Da „Eyes Wide Shut“ keinen Artikel hat, kam meine Herzdame auch auf die Idee, diesen Streifen dann für die S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge zu verwenden.
Damit bin ich bei meinem nächsten Buchstaben in ebenjener Challenge.
Ich wünsche euch viel Spaß mit dieser Kritik.

Ich habe vor „Eyes Wide Shut“ nur „Uhrwerk Orange“ und „Full Metal Jacket“ von Stanley Kubrick gesehen. Beim ersten Film wurde ich bitterböse enttäuscht und werde ihn mir Zeit meines Lebens kein zweites Mal anschauen. „Full Metal Jacket“ habe ich durch Zufall einen Tag vor meinem Dienstantritt bei der Bundeswehr angesehen und ich war begeistert.

Einleitend zu „Eyes Wide Shut“ muss ich sagen, dass dieser Streifen echte Probleme hat.
Was sich Stanley Kubrick bei der Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ gedacht hat, ist mir schleierhaft. Von der ersten bis zur letzten Minute wurde ich gelangweilt, weil das Tempo einfach zu langsam ist, weil die Inszenierung zu behäbig ist und weil die Darsteller mich von Anfang an nicht packen konnten. Zur Handlung gibt der Rückentext kaum bis wenig Aufschluss, aber im Prinzip geht es darum, dass die Frau von Dr. Hardford von Orgien und sexuellen Ausflügen träumt. Sie erzählt ihrem Mann etwas davon, woraufhin er sich dazu genötigt fühlt, seine Frau nicht im Traum, sondern tatsächlich zu hintergehen.

Ich habe mich die komplette Zeit über durch diesen Film gequält und auch für meine Herzdame war es kein Spaziergang, denn auch sie kämpfte mit der Geschichte. Wenn ich zukünftig noch einmal jemanden höre, der mir sagt, dass „Sex sells“, dem werde ich raten, sich diesen Film anzuschauen und noch einmal über seine Worte nachzudenken.

Aber nicht nur die Geschichte störte mich, sondern auch die Darsteller. Nicole Kidman und Tom Cruise sind in diesem Streifen hölzern und unglaubwürdig. Ich finde es total klasse, wenn man die Emotionen am Gesicht ablesen kann und bei diesen beiden „Größen“ sucht man vergeblich irgendein Gefühl. Obendrein ist die musikalische Untermalung einfach nur nervtötend gewesen. Immer dieses eindringliche, langweilige und einfach zu dominante Trommeln.

Bei all dem kann man sich fragen, was mit der Spannung ist. Die Antwort folgt zugleich: Gar nichts!
Ich habe selten einen Film gesehen, der so uninteressant ist, wie dieser. Bei all dem muss ich aber auch sagen, dass „Eyes Wide Shut“ sehr gut die Welt der Parallelgesellschaften aufzeigt. Sie wird als „rechtsfreie“ Zone dargestellt und in meiner Vorstellung von Parallelgesellschaften ist das genau so: nämlich rechtsfrei.

Am Ende komme ich zu meinem an den Anfang gestellten Satz, dass dieser Filme echte Probleme hat.
„Eyes Wide Shut“ kann einfach nicht überzeugen und die Geschichte ist so uninteressant, dass ich bei weitem keine Lust mehr habe, mir Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ durchzulesen, obwohl sich dadurch einige Logikfragen des Films klären könnten. Stanley Kubrick hat mit diesem Streifen einfach niemanden einen Gefallen getan.

Meine Meinung:
Es ist so ziemlich alles gesagt.
„Eyes Wide Shut“ ist absolut nicht zu empfehlen. Die Hälfte des gesamten Films sieht man einfach nur, wie Tom Cruise von A nach B geht, ohne dass dabei irgendetwas passiert. Und mir ist absolut schleierhaft, wie man zu so einer Kurzschlussreaktion kommt, nur weil die Frau von sexuellen Sehnsüchten träumt und berichtet.

Damit ist der zweite Film der S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge beendet und ich hätte keinen schlechteren Streifen anschauen können. Denkbar schlecht fällt „Eyes Wide Shut“ in der Benotung aus. Für Kubrick-Fans kann sich sein letztes Werk lohnen, für einfache Film- und Fernseh-Gucker ist dieser Streifen einfach nur Zeitverschwendung.

Kennt ihr „Eyes Wide Shut“ und wie bewertet ihr die Inszenierung von Kubricks letztem Film?
Seid ihr vielleicht sogar echte Fans und himmelt diesen Filmschaffenden an?
Hinterlasst gerne ein Kommentar unter diesem Beitrag.

Meine Wertung:
Spannung: 2,0 von 10
Story: 3,0 von 10
Länge: 1,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 2,0 von 10
Authentizität: 1,0 von 10
Musik: 3,0 von 10
GESAMT: 2,0

Hier geht es zu meinen anderen Beiträgen:
*S*eptember-Challenge: Source Code
s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut
se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp
sep*T*ember-Challenge: Toni Erdmann
sept*E*mber-Challenge: Edward mit den Scherenhänden
septe*M*ber-Challenge: Merida – Legende der Highlands
septem*B*er-Challenge: Boston
septemb*E*r-Challenge: Extrem laut & unglaublich nah
septembe*R*-Challenge: Regression

Beiträge anderer Teilnehmer:
Ma-Go – Enemy
Shalima – Eat Pray Love
Hotaru – The Edge of Seventeen
Ainu89 – Everst
Morgen Luft – Eine fantastische Frau
Stepnwolf – Ein Tick anders

Ohne Limit

Titel: Ohne Limit (engl. „Limitless“)
Genre: Science-Fiction / Thriller
Regie: Neil Burger
Musik: Paul Leonard-Morgan
Produzenten: Ryan Kavanaugh / Leslie Dixon / Scott Kroopf
Dauer: ca. 101 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
Altersfreigabe: FSK 16

„Eddie Morras Leben verläuft nicht gerade auf der Überholspur. Der erfolglose Schriftsteller treibt sich lieber in den Bars von New York herum, als seinen Roman fertigzustellen. Zufällig begegnet er eines Tages einem alten Bekannten, der ihm eine Designerdroge anbietet. Und dieses Mittel wirkt Wunder: Innerhalb kürzester Zeit ist Eddie in der Lage, die volle Kapazität seines Gehirns zu nutzen. Plötzlich ist alles ganz leicht! Doch bald merkt Eddie, auf welches gefährliche Spiel er sich eingelassen hat. Die Droge ermöglicht ein Leben ohne Limit – aber nicht ohne Preis…“
(Rückentext der DVD)

Ich sah ein, zwei Folgen der Serie „Limitless“ im TV, ehe ich mich dazu entschloss, sie mir auf DVD zu kaufen. Erst im Nachhinein stellte ich fest, dass die Serie auf dem Film „Ohne Limit“ aufbaut und schon sah ich mich gezwungen, mir ebenfalls den Film zu kaufen, da ich ihn noch nicht kannte.
Ich bilde mir dabei immer ein, dass man alles umfänglich kennen muss, um die Tragweite einer Geschichte zu verstehen. Ich bekomme gerade Lust auf die Serie, doch bevor ich damit beginne, schaue ich mir den Film an. Habe ich jetzt getan, meine Kritik findet ihr hier.

Die Geschichte basiert auf dem Buch „The Dark Fields“ (deutscher Titel: „Stoff“) von Alan Glynn. Alles dreht sich um Eddie Morra, ein Schriftsteller, der keinen Erfolg hat. Durch eine experimentelle Droge, die er von einem Bekannten bekommt, steigert sich die Leistungsfähigkeit seines Gehirns und er beginnt, strukturiert, konzentriert und analytisch in allen Bereichen seines Lebens zu arbeiten und zu entscheiden. Durch ebenjene Droge verändert sich alles in seinem Leben, beginnend mit ihm selbst. Die Geschichte zeigt die Verwandlung eines Mannes, der von nahezu ganz unten kommt und seinen Weg nach ganz oben findet. Die Art und Weise, wie er es macht, ist dabei erstaunlich.
Die Erzählweise ist raffiniert, denn der Zuschauer bekommt alles aus der Sicht von Eddie mit, wir sind quasi in seinem Kopf. Immer wieder spricht er auch aus dem Off zum Publikum und analysiert Situationen, erklärt Zusammenhänge und erzählt uns, in welcher Situation er sich befindet. Darüber hinaus wird nahezu der komplette Film in einer riesigen Rückblende erzählt.

Die Emotionen sind weitestgehend zurückgenommen. Es gibt nur wenige Momente, in denen die Gefühle der Grund einer Handlung sind und das passt in das Bild des Protagonisten. Er ist am Anfang noch sehr von seinem Gemütszustand abhängig, was sich im Laufe der Zeit vollkommen ändert. Rationale Entscheidungen dominieren das Geschehen und die Emotionen verlieren zwar nicht an Bedeutung, jedoch rücken sie stark in den Hintergrund.
Bradley Cooper verkörpert die Figur des Eddie Morra extrem glaubwürdig und auch die Nebendarsteller machen ihre Sache wirklich gut.
Es fällt dabei auf, dass niemand drüber gewesen ist oder aus irgendwie unverständlichen Gründen handelt. Auch die gezeigten Emotionen sind bei dieser Betrachtungsweise logisch und schlüssig. Durch die Bank eine grundsolide Leistung von allen Beteiligten.

Spannungstechnisch fährt „Ohne Limit“ auf der Überholspur. Eine gute Story, gepaart mit wirklich guten Darstellern, einer rasanten Inszenierung und einer wunderbaren Erzählstruktur sind in diesem Fall die Mischung. Die ca. 101 Minuten wirken aus diesem Grund sehr kurzweilig und auch sonst weiß der Streifen durch die Atmosphäre und den Figuren zu überzeugen.
„Ohne Limit“ fühlt sich zeitweise an wie ein Actionfilm, da es viele Ortswechsel und Schnitte gibt, die die rasante Inszenierung begünstigt. Als Zuschauer ist man stets interessiert und gefesselt, wie es weitergeht und wo es den Protagonisten hinführt.

Das Setting ist sehr vielfältig. Kulissen, Kostüme und Kameraarbeit sind abwechslungsreich und sorgen immer wieder für ein ganz besonderes Flair.
Anfänglich wird der Streifen von einem kontrastarmen Bild dominiert, in dem alles sehr grau und ohne Struktur ist. Im Mittelteil ist der Film so unglaublich bunt und sogar überbelichtet, sowohl das Bild als auch die Lebensumstände des Protagonisten sind aufgeräumt. Ein dritter Filter kommt ganz zum Schluss noch zum Einsatz.
Das Spiel mit der Kamera und den Filtern ist über aller Maßen überzeugend und bringt einfach nur Spaß.

In dem Punkt der Musik bekommt das Publikum rein unterstützende Klänge zu hören. Es sind keine richtigen Songs, keine Melodien, die sich in irgendeiner Form in den Vordergrund stellen und auch nichts, was dem Streifen in irgendeiner Form die Show stiehlt. Eine bessere Untermalung hätte dem Streifen wesentlich besser zu Gesicht gestanden, denn die Melodien, die man hört sollen zwar spannungsfördernd sein, sind es aber nur bedingt.

Meine Meinung:
„Ohne Limit“ bietet eine tolle Geschichte und mehr noch eine rasante Erzählstruktur, die mich sehr gefesselt und überzeugt hat. Auch ohne den Film gesehen zu haben, schafft er durch die Darsteller Bradley Cooper und Robert De Niro bereits ein grundsätzliche Interesse.

Die ganze Zeit über habe ich mich sehr unterhalten gefühlt, auch wenn mich der Grundgedanke hinter der ganzen Geschichte ein wenig an „Lucy“ erinnerte, der zwar drei Jahre jünger als „Ohne Limit“ ist, den ich aber zuerst sah. Thematisch läuft es eben auf den 10-Prozent-Mythos hinaus, der besagt, dass wir alle nur ca. 10 Prozent unseres Gehirns nutzen. Die restlichen 90 Prozent sind freie Kapazitäten, die ungenutzt bleiben.

Ich bin fasziniert von diesem Mythos. Auch wenn er Quatsch ist, bietet er doch genügend Möglichkeiten einer filmischen Umsetzung. „Ohne Limit“ schlägt zwar nur so halb in diese Kerbe, aber weiß sehr zu unterhalten.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Setting: 8,5 von 10
Musik: 5,5 von 10
GESAMT: 7,8