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The Night Clerk – Ich kann dich sehen

© EuroVideo Medien GmbH

Titel: The Night Clerk
Genre: Psychothriller
Regie: Michael Cristofer
Musik: Erik Hall
Produzenten: David M. Wulf / Arianne Fraser / Tye Sheridan
Dauer: ca. 86 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK 12

„Um seine Sozialkompetenz zu trainieren, installiert der autistische Hotelnachtwächter Bart Bromley (Tye Sheridan) Kameras zur Überwachung seiner Gäste. Als er Hauptverdächtiger in einem Mordfall wird, könnten die Aufzeichnungen seine Unschuld beweisen, doch er weigert sich, dem Ermittler Johnny Espada (John Leguizamo) ihre Existenz preiszugeben.“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Zum Heimkinostart von „The Night Clerk“ am 19.11.2020, habe ich die Möglichkeit erhalten, diesen Film zu schauen.

„The Night Clerk“ ist ein Psychothriller mit Tye Sheridan, Ana de Armas, Helen Hunt und John Leguizamo und erzählt die Geschichte vom Nachtwächter Bart. Aufgrund seines Autismus hat er Schwierigkeiten, soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Aus eigenem Antrieb heraus möchte er dieses Handicap ausmerzen und installiert daher in einigen Hotelzimmern Kameras, um sich das zwischenmenschliche Verhalten seiner Gäste anzuschauen und auszuwerten, bis eines Tages ein Mord in einem dieser Zimmer stattfindet. Wie kann er – ohne von der Existenz der Kameras zu berichten – aus dem Visier der Ermittler gelangen?

Mit rund 86 Minuten bietet „The Night Clerk“ im Grunde eine kurzweilige Unterhaltung, die sich gleich auf mehrere Säulen stützt. Inhaltlich bietet dieser Film zum einen einen Kriminalfall und zum anderen die ganz persönliche und tragische Geschichte von Bart, der Asperger-Autist ist. Und genau diese Kombination macht „The Night Clerk“ zu einem besonderen Film.
Selten bis nie kann man das eine ohne das andere betrachten.
An dieser Stelle ist es von Vorteil, einen guten und talentierten Schauspieler in einer Rolle zu haben, der eine gewisse Überzeugung mitbringt. Tye Sheridan bringt sich mit seinem Schauspiel groß ein und überzeugt als Autist mit fehlender Sozialkompetenz.

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Vor allem zeigt der Streifen ein grundsätzliches Problem auf. Wie geht man mit Asperger-Autismus um? Es geht nicht um eine Bevormundung, sondern um ein respektvolles Miteinander. Die Polizei, die die Rechte des Einzelnen nicht immer allzu ernst nimmt, wird dabei in ihrem Handeln recht stereotypisch und unflexibel dargestellt. Als Gegenspieler zur Polizei gibt es Barts Mutter (gespielt von Helen Hunt), die immer wieder auf die Rechte ihres Sohns pocht und versucht, ihn abzuschirmen. Erfrischend ist da die Besetzung und das Mitwirken von Ana de Armas Rolle. Sie normalisiert die Sicht auf Bart. Ohne Bevormundung oder Benachteiligung lässt sie ihn normal dastehen.

Aber wie wirkt das alles und wie sind die Figuren aufgebaut?
Tye Sheridan habe ich bereits positiv hervorgehoben und mit ihm ist die Liste tatsächlich recht kurz. Helen Hunt hat, obgleich ihrer wichtigen Rolle in diesem Film, verhältnismäßig geringe Screentime, ebenso John Leguizamo. Übrig bleibt Ana de Armas, die eine wundervolle Leistung in „Knives Out“ hingelegt hat, aber in „The Night Clerk“ vieles vermissen ließ.
Vor allem stellte sie die Figur so ambivalent dar, dass sie von der einen auf die andere Sekunde Sympathien sammelte und diese direkt über Bord wirft und sich in den Mittelpunkt des Handelns schiebt. Sie spielte mit ihrer Glaubwürdigkeit, sodass ich emotionalere Momente nicht authentisch empfand.

Die wichtigste Frage ist aber, wie es mit der Spannung und der Story bestellt ist. Ich für meinen Teil finde die Handlung wenig innovativ, was vor allem daran liegt, dass 2018 ein Film mit ähnlich gelagerten Ansätzen erschienen ist. Ich kann ihr aber dennoch etwas abgewinnen. Die Prämisse ist an sich nämlich recht spannend. Inszenatorisch weist dieser Film aber seine Makel auf. Zu behäbig und zu ausgedehnt werden Einstellungen und Dialoge gedreht und dargestellt. Der Kriminalfall hat kaum Möglichkeiten, sein Potential zu entfalten, da der Film von Beginn an das Rätsel löst und die Polizei zu eindimensional handelt. Die erzeugte Atomsphäre ist daher leider auch stark begrenzt.

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Unterm Strich ist „The Night Clerk“ ein solider Film, der ganz bestimmt seine Fans finden wird. Ein gesellschaftskritischer Kriminal-Psychothriller ist leider nicht so einfach zu verkaufen, aber wenn man unaufgeregte und gute Geschichten sehen will, wird man über kurz oder lang nicht an diesem Film vorbeikommen. Ich kann „The Night Clerk“ trotzdem nur bedingt empfehlen, da mir die Identifikationen fehlten. Die Figuren waren zwar teilweise schön und glaubhaft anzusehen, jedoch fiel es mir schwer, mich mit irgendeiner Figur zu identifizieren. Diesbezüglich konnte mich der Streifen leider nicht abholen.

Und auch sonst fehlte etwas: Musik, die in irgendeiner Art Stimmung zu transportieren wusste oder vielfältige Kulissen sucht man vergebens. Dafür ist die Kameraarbeit hingegen sehr direkt, unaufgeregt und teilweise Impulsgeber dafür, wie der Zuschauer Situation empfindet.

„The Night Clerk“ ist ab dem 19. November 2020 im Handel erhältlich.

Meine Meinung:
Die Schwächen möchte ich nicht verheimlichen und die Stärken sind leider auch recht spärlich gesät. Das ist aber vollkommen ok, denn „The Night Clerk“ wird vielleicht nicht jedem gefallen, aber niemand wird ihm ein durchweg schlechtes Zeugnis ausstellen können.

Ich kann einfach nur jedem raten, diesem Film eine echte Chance zu geben.

Meine Wertung:
Spannung: 5,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,5 von 10
Authentizität: 6,0 von 10
Musik: 4,0 von 10
Setting: 5,5 von 10
GESAMT: 5,6

Shutter Island

Titel: Shutter Island
Genre: Psychothriller / Romanverfilmung
Regie: Martin Scorsese
Musik: Robbie Robertson
Produzenten: Brad Fischer / Mike Medavoy / Arnold Messer / Martin Scorsese
Dauer: ca. 133 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 16

„U.S.-Marshal Teddy Daniels wird mit seinem neuen Partner Chuck Aule nach Shutter Island beordert. Dort sollen sie klären, wie es einer psychisch gestörten mehrfachen Mörderin gelingen konnte, aus dem absolut fluchtsicheren Ashecliffe Hospital zu entkommen und spurlos zu verschwinden. Im Zuge der Ermittlungen entdeckt Teddy immer mehr schockierende und beängstigende Wahrheiten über die abgelegene Insel und erfährt dabei, dass es Orte gibt, die einen nie mehr loslassen.“
(Rückentext der DVD)

Und da greift man in sein DVD-Regal und zieht eine dieser Überraschungen heraus.

Dieses Mal dreht es sich um „Shutter Island“. Ich bin sonst kein Freund von Psychothrillern und doch gibt es da die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Der Streifen spielte weltweit knapp 300 Mio. USD – bei einem Gesamtbudget von ca. 80 Mio. USD – ein. Damit ist „Shutter Island“ nicht gefloppt.

Bereits mit dem Wissen, dass sich der gesamte Streifen in einer Psychiatrie abspielt, ändert sich die mentale Grundhaltung des Zuschauers. Jede Begebenheit und jede Interaktion wird dadurch doppelt kritisch beäugt. Das Besondere ist, dass sich vor dem Hintergrund einer Psychiatrie vielschichtige und wendungsreiche Geschichten inszenieren lassen. „Shutter Island“ steht dem in fast nichts nach. Insgesamt ist das Setting meistens spannungsgeladen und prominent. Videospiele bedienen sich dieses Stilmittels ebenso sehr wie Serien oder Musikvideos. Das Stilmittel der Psychiatrie hat „Shutter Island“ also nicht gepachtet. Psychiatrien insgesamt haben aber auch eine ganz andere Seite, eine Seite, die in Filmen oder Serien nicht erfasst wird. Es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt, der einem nicht bewusst ist. In gewissem Maße erfüllen diese Anstalten einen weiteren Zweck, denn sie sind als „Lost Places“ Ziel für Touristen und Einheimische, die die vergessenen Orte aufsuchen um in den Bann der ganz besonderen Atmosphäre gezogen zu werden.

Ich kann nur vermuten, dass sich die Menschen von diesem Charme angezogen fühlen. Eine Idee von dem zu haben, was dort geschehen ist. Welche Erkrankungen dort behandelt wurden. Man malt sich aus, dass ein ganz besonders „verrückter“ Patient auf den Fluren unterwegs gewesen ist, vielleicht hat er oder sie sich am Handlauf festgehalten, vielleicht war dieser Patient nicht ganz bei Sinnen und lebte in gewisser Weise in seiner eigenen Welt. Behandlungen wurden vielerorts durchgeführt, die nach modernen Erkenntnissen durchaus auch als Fehldiagnostik, Freiheitsentzug und sogar Folter durchgehen würden.

An dieser Stelle muss ich wieder den Bogen zurück zu „Shutter Island“ schlagen, der das Setting einer Psychiatrie ebenso spannend wie aufregend aufgreift und es damit schafft, nahezu perfekt in Szene zu setzen.
Die Pressestimmen des Jahres 2010 hatten damals die Worte „das Traumgespann“ in den Mund genommen und meinten damit die Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio, denn dieses Duo hat bereits in „Departed – Unter Feinden“, „Aviator“ und „Gangs of New York“ zusammengewirkt. Der später gedrehte Film „The Wolf of Wall Street“ führte das Traumgespann abermals zusammen.

„Shutter Island“ ist erzählerisch attraktiv und ergreifend, gleichzeitig ist er ruhig und unaufgeregt. Einige Szenen könnten so auch in einem Horrorstreifen vorkommen, nicht weil sie geschmacklos oder von übertriebener Härte sind, sondern weil sie einige „grausame“ Rückschlüsse auf das Geschehen erlauben.
Auf so vielen Ebenen bietet „Shutter Island“ Unterhaltung und Spannung, gleichzeitig hat dieser Streifen aber auch seine Schwierigkeiten. Ein in den Vordergrund drängender Soundtrack – der es aber auch schafft, stellenweise Gänsehaut auszulösen – und eine Bedeutungsschwere, die sich vor allem im Mittelteil ausdehnt, mindern teilweise den Filmspaß.

Meine Meinung:
„Shutter Island“ hat seine Gruselmomente und seine hervorragende Geschichte, die sich Stück für Stück auffächert. Als Zuschauer ist man Zeuge eines besonders intensiven Erlebnisses. Schwächen hin oder her, Martin Scorsese – und natürlich auch Leonardo DiCaprio – liefert hier ein Werk ab, das eingeschlagen ist.

DiCaprio lieferte im Jahr 2010 neben „Shutter Island“ einen weiteren prämierten Film ab. „Inception“ erwirtschaftete rund 825 Mio. USD. In der Summe setzte die Beteiligung DiCaprios durch diese beiden Filme insgesamt 1,125 Milliarden USD. um. Im Vergleich dazu: „Toy Story 3“ – der Film mit dem höchsten Einspielergebnis im Jahr 2010 – erwirtschaftet weltweit 1,067 Milliarden USD.
Ganz offensichtlich ist DiCaprios Mitwirken ein kleiner Garant dafür, dass Geld in die Kasse gespült wird.
Der Film ist stark und unterhaltsam. Obendrein ist er ein Paradestück seines Genres. Eine klare Empfehlung meinerseits.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 6,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,5 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 7,9

Split

Titel: Split
Genre: Psychothriller
Regie: M. Night Shyamalan
Musik: West Dylan Thordson
Produzenten: Jason Blum / M. Night Shyamalan / Marc Bienstock
Dauer: ca. 112 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„Der genialische Kevin (James McAvoy) hat seiner Psychiaterin bislang 23 verschiedene Persönlichkeiten offenbart. Doch tief in seinem Inneren wartet eine weitere darauf hervorzubrechen und alle anderen zu dominieren: Ein monströses Bewusstsein, das schließlich freigesetzt wird, als Kevin drei junge Mädchen entführt. Als die Schutzwälle zwischen seinen diversen Persönlichkeiten einbrechen, wird Kevin in einen verzweifelten Kampf mit seinen inneren Dämonen – und den Menschen in seiner Umgebung – verstrickt.“
(Rückentext der DVD)

„Split“ habe ich jetzt schon eine ganze Weile in meiner DVD-Sammlung und konnte ihn nun auch endlich anschauen.

„Split“ ist die eigenständige Fortsetzung von dem Film „Unbreakable – Unzerbrechlich“ aus dem Jahr 2000, den ich leider noch nicht gesehen habe, der aber dadurch auf die Liste der Filme gehört, die ich gerne haben möchte.

Ich bin mir nicht sicher, was „Split“ sein möchte, aber egal, was er ist, er ist es nicht richtig, zumindest in meinen Augen. Positiv möchte ich herausstellen, dass das mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten für mich durchaus realistisch erscheint (ich sage mit Absicht erscheint, da es ja auch gegenteilige Meinungen geben kann und ich kein Fachmann bin!).
Auch die Kulissen und das Arrangement ist über weite Strecken so angelegt, dass sich das Schauspiel in einem begrenzten Rahmen befindet und man hier fast schon ins Kammerspiel hineinkommt. Die dadurch erzeugte Atmosphäre finde ich immer dann besonders gelungen, wenn sich Ereignisse zu überschlagen drohen, es aber nie zu einer Eskalation kommt.

Teilweise haben mich die sehr schwachen Darsteller enttäuscht und auch die Handlung an sich, die im Prinzip von der ersten Minute an vorherzusehen war. Ich finde es schade, wenn man einem Psychothriller seine Wendungen voraus sieht, denn das bedeutet am Ende nichts anderes, als dass die Inszenierung nicht funktioniert hat. Da hilft es auch nicht, wenn die technischen „Daten“ stimmen und die Handlung stringent erzählt ist. Apropos Erzählung: Die Erzählweise ist da leider auch sehr dünn und unaufgeregt. Es entstehen keine Spannungsmomente, die durch einen Kniff oder das Weglassen einiger Informationen hervorgerufen werden können. Es gibt aber die Momente, bei denen sich der Zuschauer durchaus interessiert fragt, ob es jetzt soweit ist und endlich Mal Spannung aufkommt. Leider fällt da die Antwort in den meisten Fällen nüchtern und zugleich negativ aus. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel.

Die Laufzeit ist mit 112 Minuten auch etwas zu lang. Obwohl in dieser ganzen Zeit die emotionale Palette und ebenfalls die Glaubwürdigkeit in den meisten Fällen gegeben ist. James McAvoy spielt und zeigt in letzter Konsequenz vieles, aber bei weitem nicht alles, was er kann. Mit seiner Darbietung macht er allerdings einiges richtig. Ich persönlich finde es gut, dass man nicht alle 23 Persönlichkeiten in ihrer Breite zu sehen bekommt, weil die Gefahr natürlich groß ist, dass die Nuancen nur noch sehr fein sind und man kaum Unterschiede erkennt. Die gezeigten Persönlichkeiten waren allerdings gut ausgearbeitet und glaubwürdig.
Nicht allen Figuren habe ich ihre Rolle abgenommen und so ist es am Ende McAvoy, der den bleibenden Eindruck hinterlässt und den Rest in seinen Schatten stellt.

Was mir am Ende aber auch deutlich zu wenig gewesen ist, war der Einsatz von spannungsfördernder Musik. Es gab natürlich immer wieder Gedudel, das im Hintergrund lief, allerdings war das eher dürftig und erfüllte nur wenig seinen Sinn und Zweck.

Meine Meinung:
„Split“ ist ein Film, auf den ich mich schon lange gefreut habe, aber am Ende doch eher ernüchtert zurückgelassen werde. Die Handlung ist wahrhaftig vorhersehbar und so ziemlich der einzige Lichtblick ist James McAvoy. M. Night Shyamalan hat aber grundsätzlich mit seinem neuesten Film eine tolle Thematik aufgegriffen, die vor allem Potential hat.
Es liegt nur an den Produzenten und dem Regisseur, was aus dieser Thematik gemacht wird.

Mich hat auch die Länge gestört und irgendwie das fehlende Tempo. Ich konnte aber verstehen, dass der Streifen die Zeit an dem einen oder anderen Punkt brauchte, um die Figuren besser herauszustellen.
Es werden dennoch einige Punkte abgezogen, weil es vielerorts zu wenig war.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 5,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Musik: 5,0 von 10
GESAMT: 6,8

septembe*R*-Challenge: Regression

Titel: Regression
Genre: Psychothriller
Regie: Alejandro Amenábar
Musik: Roque Baños
Produzenten: Alejandro Amenábar / Fernando Bovaira / Christina Piovesan
Dauer: ca. 103 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 16

„Eine Kleinstadt in Minnesota im Jahr 1990: Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke) ermittelt im Fall der jungen Angela Gray (Emma Watson), die ihren Vater John (David Dencik) des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Als sich dieser unerwartet und ohne sich überhaupt an die Tat erinnern zu können, schuldig bekennt, wird der renommierte Psychologe Kenneth Raines (David Thewlis) hinzugezogen, um Johns verdrängten Erinnerungen mit Hilfe einer Regressionstherapie wieder hervorzuholen. Dabei tritt allmählich ein Geheimnis von ungeahnten Ausmaß zutage. Angela scheint nicht nur das Opfer ihres eigenen Vaters, sondern auch einer satanischen Sekte geworden zu sein. Kenners Ermittlungen in diese Richtungen bringen den Polizisten bald um den Verstand. Er wird von Wahnvorstellungen und Alpträumen heimgesucht. Wer treibt hier sein böses Spiel?“
(Rückentext der DVD)

Nun bin ich am Ende meiner S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge angelangt und freue mich, dass ich es noch rechtzeitig geschafft habe.
Zum Abschluss habe ich mir noch einen richtigen „Schocker“ herausgesucht und hoffe natürlich, dass ich entsprechend unterhalten werde.
Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht viel mit Filmen aus dem Genre Psychothriller oder Horror anfangen kann, umso verwunderter war meine Herzdame, als ich ihr den Trailer zu „Regression“ zeigte und mein ernsthaftes Interesse an diesem Film bekundete. Irgendwann schenkte sie ihn mir dann einfach. Das ist inzwischen schon gut ein Jahr her und, nun ja, heute habe ich ihn mir angeschaut.

Wenn ich sage, dass ich ohne große Erwartungen an diesen Streifen gegangen bin, dann erzähle ich nicht ganz die Wahrheit, bin ich doch ein kleiner Fan von Ethan Hawke und Emma Watson und sehe diese zwei immer als ein kleines Qualitätsmerkmal an.

Um es vorweg zu nehmen, der erwartete Schrecken blieb aus, aber dafür bekam ich etwas komplett anderes. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und erzählt von Angela, die ihren Vater des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, der dann auch noch ein Geständnis ablegt, ohne sich an die Taten zu erinnern. Schon früh wird klar, dass auch eine satanische Sekte eine Rolle spielt. Mithilfe der Regressionstherapie will man nun die verborgenen Erinnerungen des Vaters hervorholen. Soweit zur Handlung.

Für mich klang das schon alles sehr spannend und ich war bereit, mich komplett dem Film hinzugeben und mich einfangen zu lassen. Aber das gestaltete sich von Anfang an als ein schwieriges Unterfangen, startete der Film doch recht behäbig und ließ sich Zeit. Auch das erwartete Nervenkitzelige blieb aus – und zwar komplett. Erst nach circa einer halben Stunde ist die Story soweit erzählt, dass sie langsam Interesse weckt, dennoch schafft „Regression“ es nicht, mich gänzlich abzuholen.
Erzählerisch macht es der Film aber clever und verschießt nicht sein ganzes Pulver bereits am Anfang. Immer wieder werden Informationen preisgegeben, die dafür sorgen, dass man vorangegangene Szenen erst deutlich später einzuschätzen weiß.

Ich muss gestehen, insgesamt bin ich schon etwas enttäuscht von „Regression“. Auch wenn die Darsteller extrem gut sind und auch die Erzählmethode dem Ganzen weiterhilft, wiegt die Fehlleistung der ersten halben Stunde schwer. Sehr schwer.

Ich möchte natürlich auch noch etwas zu den Darstellern sagen: Ethan Hawke und Emma Watson sind unsere beiden Protagonisten und in den Nebenrollen sehen wir David Dencik und David Thewlis, die allesamt perfekt funktionieren. Das Potential ist nicht einfach nur vorhanden, es wird auch noch gekonnt ausgeschöpft. Alleine die Leistung von Hawke ist über alle Maßen stark und präsent. In Kombination mit Emma Watson, die auch eine sehr starke Bildpräsenz hat, bekommt der Zuschauer also die volle Breitseite zweier sehr, sehr guter Schauspieler. Auch der übrige Cast weiß durch sein Facettenreichtum zu überzeugen. Bei den Emotionen ziehen insbesondere Hawke und Watson alle Register und zeigen eine besonders breite Palette. Die anderen Charaktere überzeugen, indem sie eine gewisse Zwiespältigkeit zeigen und dieses auch emotional zu unterstreichen wissen. An genau diesem Punkt kann sich der Zuschauer wirklich über den Film freuen.

Musikalisch ist der Streifen minimalistisch unterwegs. Er verwendet zwar immer wieder unterstützende Stücke, allerdings sind sie soweit im Hintergrund, dass sie der Atmosphäre und der Handlung eigentlich keine Hilfe sind.

Meine Meinung:
Die Story von „Regression“ klingt zwar spannend, entpuppt sich für mich aber am Ende als kleine Mogelpackung. Ich dachte, ich wage etwas, indem ich mir diesen Film anschaue. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich psychisch gestresst sein würde. Aber stattdessen war ich es nicht und daher ist dieser Film nur augenscheinlich eine Herausforderung gewesen.

Ganz klar wurde das inhaltliche Potential verschenkt. Die darstellerischen Anlagen sind zu genüge vorhanden, um „Regression“ zu einem richtig starken Psychothriller werden zu lassen. Die Punkte verliert der Film alleine durch die Tatsache, dass er nicht krass genug ist. Ihm fehlt an einigen Ecken und Enden das gewisse Etwas.

Meine Wertung:
Spannung: 5,0 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 5,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,5 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Musik: 4,0 von 10
GESAMT: 6,5

Hier geht es zu meinen anderen Beiträgen:
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s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut
se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp
sep*T*ember-Challenge: Toni Erdmann
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Shalima – R.E.D. – Älter. Härter. Besser.
Hotaru – Rings – Samara wartet auf dich
Ma-Go – Rogue One: A Star Wars Story
Stepnwolf – Rocky

S wie „Stonehearst Asylum“

IMG_7648Titel: Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen (engl. „Stonehearst Asylum)
Genre: Psychothriller
Regie: Brad Anderson
Musik: John Debney
Produzenten: Mark Amin / Bruce Davvey / Mel Gibson
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 16

„Am Weihnachtsabend 1899 erreicht der junge Arzt Edward Newgate (Jim Sturgess) die abgelegene Irrenanstalt Stonehearst. In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen möchte er von Dr. Lamb (Ben Kingsley) die modernsten Methoden im Umgang mit Geisteskrankheiten erlernen. Anders als üblich werden die Insassen hier nicht betäubt oder gefesselt, sondern können sich frei entfalten und ihren Wahnsinn ausleben. Unter den Patienten der Einrichtung befindet sich auch die wunderschöne Eliza Graves (Kate Beckinsale), die von Anfang an eine geheimnisvolle Anziehung auf Edward ausübt. Als Edward jedoch verdächtigen Geräuschen in die dunklen Keller des Gebäudes folgt, entdeckt er einen eingesperrten Mann, der behauptet, der eigentliche Leiter der Einrichtung zu sein. Um Dr. Lamb zu stoppen, muss Edward es schaffen, die geheimnisvolle Eliza Graves zu überzeugen, ihm zu helfen…“
(Rückentext der DVD)

Heute ist die Challenge bei „S“ angekommen und nachdem ich meine Wahl für „S“ schon getroffen hatte, habe ich sie für einen Film umgeworfen, der neu in meine große Sammlung kam. Ich war fest entschlossen, ihn schon bald zu gucken, aber die Wärme und meine übrige Freizeitgestaltung trieben mir die Lust heraus. Als ich dann „R“ gesehen habe und mir die obligatorische Trailershow gegeben habe, sprang mir förmlich „Stonehearst Asylum“ entgegen. Am Ende wurde es nicht der Film, den ich geplant hatte zu gucken und aus einer „nur-mal-kurz-in-die-Stadt-fahren“-Aktion wurde wieder ein viel zu großer Einkauf bei meinem örtlichen DVD-Dealer meines Vertrauens.

„Stonehearst Asylum“ bedient sich einfacher und genretypischer Methoden, um Spannung zu erzeugen. Sei es ein geheimnisvolles Geräusch, das durch einen Lüftungsschach kommt, dunkle oder sehr schattige Orte und viele Winkel, die alle schlecht ausgeleuchtet sind. Hinter allen möglichen Dingen kann etwas lauern, das schon die ganze Zeit darauf gewartet hat, heraus zu kommen.
Diese Methoden sind zwar altbewährt, aber leider auch vorhersehbar, sodass nicht immer der gewünschte Effekt eintraf und echte Schock-Momente ausblieben. Indirekt wurde die Spannung durch die Geschichte angeheizt, wodurch der Zuschauer immer wieder in den Bann gezogen wurde.

Die Geschichte ist komplex, sowohl in der Struktur als auch in der Erzählweise, dabei aber nicht allzu verwirrend. Aus der Sicht des jungen Arztes Edward Newgate bekommt der Zuschauer das Geschehen aus erster Hand mit. Dabei erkennt man rasch, dass es um mehr geht als bloß um die Heilung von Geisteskrankheiten. Aufgewertet wird der Film durch einige erstaunliche Wendungen und Geheimnisse. Auch die eine oder andere Rückblende bekommt das Publikum zu sehen. Dadurch bekommt es die einmalige Gelegenheit zu sehen, was vor der Ankunft von Edward Newgate in der Einrichtung geschehen ist.

„Stonehearst Asylum“ spielt die meiste Zeit in einer Irrenanstalt und dementsprechend bekommt das Publikum meistens Irre zu sehen. In dem Punkt haben die Schauspieler gute Arbeit geleistet, denn sie haben ihre Rollen authentisch verkörpert und mit Persönlichkeit gefüllt. Besonders müssen hier Ben Kingsley und Jim Sturgess hervorgehoben werden, da sie Hauptantrieb der Geschichte und der Spannung waren. Hätte auch nur einer der beiden weniger geleistet, hätte es Charme, „Glaubwürdigkeit“ und Authentizität des Streifens zerstört.

Darüber hinaus lässt „Stonehearst Asylum“ auch Gefühle zu, jedoch nicht immer glaubwürdig. Kate Beckinsale hat in der einen oder anderen Szene sehr dick aufgetragen. Weniger ist manchmal eben doch mehr. Nichtsdestotrotz zeigt der Film dennoch traurigen Anstaltsalltag im Jahre 1899 – so wie wir es uns vorstellen könnten – mit all seiner Skrupellosigkeit und – leider auch – Unwissenheit. Die daraus folgende Aggression, Trauer und Schmerz kam nicht in Form von Dialogen ans Tageslicht, sondern eher durch das glaubwürdige Handeln der Charaktere. „Stonehearst Asylum“ geht sogar noch einen Schritt weiter und beschreibt, dass auf einem Grund voller Tristesse auch Hoffnung, Mut und Zuneigung wachsen kann.

Meine Meinung:
Bei „Stonehearst Asylum“ kannte ich bloß den Trailer, den ich einen Tag vor dem Kauf der DVD erst entdeckt habe. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, einen Film zu gucken, den ich vorher a) noch nie gesehen habe und b) auch nicht kannte. Ich kannte keine Kritiken und hatte auch sonst keine Empfehlungen. Umso erstaunter war ich, dass er mich gut entertaint hat.

Im ganzen Film hatte ich nicht das Gefühl, irgendwie gelangweilt zu werden, auch wenn die Handlung in Teilen vorhersehbar gewesen ist. Ich hatte dennoch Spaß und empfand die Story als komplex, aber nicht verwirrend. Spannend war es hin und wieder auch, aber ohne den richtigen Schock-Moment.

Beeindruckt hat mich die darstellerische Leistung: Einen Irren zu spielen, verlangt manchmal mehr ab als einen absolut gesunden und normalen Menschen darzustellen. Obwohl Kate Beckinsale meiner Meinung nach ein bisschen zu viel Gefühl „reingelegt“ hat, empfand ich es nicht als großartig störend, der Rest hat ja weitestgehend überzeugt.

Die Musik war genretypisch, aber zurückhaltend und nichtssagend. Leider hat sie durch ihre Unauffälligkeit den Film auch nicht unterstützen oder einige Szenen untermalen können. Die Länge hingegen war absolut angenehm, auch wenn ich im Nachhinein denke, dass es verdammt viel „Stoff“ in so kurzer Zeit ist, hat aber gepasst.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 7,5 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Musik: 4,0 von 10
GESAMT: 7,0