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Fanfan & Alexandre

Titel: Fanfan & Alexandre (franz. „Fanfan“)
Genre: Komödie / Romantik
Regie: Alexandre Jardin
Musik: Nicolas Jorelle
Produzenten: Alain Terzian
Dauer: ca. 87 Minuten
Erscheinungsjahr: 1993
Altersfreigabe: FSK 12

„Für Alexandre ist die Liebe ein unaufhörlicher Traum. Als ihm seine langjährige Freundin Laure ausgerechnet zum Valentinstag ein paar Pantoffeln schenkt, ist er schockiert. Um seine Liebe nie am Alltagstrott zerbrechen zu lassen, beschließt er, eine Frau zu umwerben, ohne dem Begehren je nachzugeben. Die hübsche Fanfan scheint ihm dafür ideal. Sie ist strahlend, sinnlich und ungezwungen. Fanfan zu verführen, ohne sie zu küssen oder zu berühren, wird Alexandres Obsession. Fanfan hingegen setzt all ihre Fantasie ein, um Alexandre von seinem Vorsatz abzubringen. Die leidenschaftlichen Spiele bringen das Paar an seine Grenze des Verlangens, dahin, wo der Schmerz beginnt und die Vernunft schwindet.“
(Rückentext der DVD)

Ein Film aus meiner Kindheit, mit dem ich, sozusagen, aufgewachsen bin. Schon seit einigen Wochen erzähle ich meiner Herzdame von diesem Film und jetzt habe ich zwecks Kaufs einfach mal gezielt danach gesucht.
Noch am selben Abend schmiss ich die DVD ein und schaute mir den Streifen an.

„Fanfan & Alexandre“ ist eine französische Liebeskomödie aus den frühen 1990er Jahren und ist für mich natürlich einer dieser besonderen Filme.
Die Handlung ist im Prinzip sehr einfach zusammengefasst: Alexandre möchte der Langweile seiner Beziehung entfliehen und Fanfan verführen, dabei aber seiner Verlobten immer treu bleiben. Ich persönlich finde es ja schwierig, wenn ein Mann eine andere Frau begehrt und dabei in einer Beziehung ist. Da muss man sich schon die Frage stellen, wo die Freundschaft aufhört und wo Betrug anfängt.

Der Humor ist pointiert und auch ein wenig schlüpfrig, dabei aber nie infantil und auch nicht so, dass man sich schämen müsste. Auch in Momenten, in denen es gar nicht witzig zugeht, musste ich zumindest schmunzeln, weil die Situation witzig, absurd oder einfach nur schön ist. Grundsätzlich zum Witz muss gesagt werden, dass er nie besonders verschleiert auftritt.

Spannung ergibt sich aus der ganzen Konstellation wie von selbst. Es bringt Spaß, Sophie Marceau und Vincent Perez miteinander agieren zu sehen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie ihre Figuren facettenreich, liebevoll und auf ihre eigene Art verschroben darstellen. Der ganze Handlungsverlauf ist förmlich darauf ausgelegt, einfach überaus interessant zu sein.

Ich kann nicht objektiv beschreiben, wie die Emotionen auf mich gewirkt haben oder wie glaubhaft ich die Figuren finde, denn dieser Streifen ist ein Teil meiner Kindheit. Ich habe schon im frühen Kindesalter dieses Werk mehrfach bestaunt und ich war jedes Mal schwer begeistert.
Auch bei meiner jetzigen Sichtung bin ich mehr als begeistert gewesen. Und zwar so sehr, dass ich einfach nur meiner Kindheitserinnerungen fröne und auf einer Welle des Enthusiasmus reite.

Die Musik erinnert stark an die Wiener Klassik und ist gleichermaßen ein erfrischendes Stilmittel, das die Handlung aufbauscht, unterstreicht und auch in gewisser Weise auf seine ganz eigene und schöne Weise kommentiert.

Das Setting ist altbacken. Zumindest sieht dieser Film aus den frühen ’90ern aus, wie einer aus den frühen ’80ern. Die meisten Filme aus dieser Zeit haben nicht mit einem besonders hochwertigen Look trumpfen können, „Fanfan & Alexandre“ ebenfalls nicht, aber dennoch muss ich sagen, dass es in diesem speziellen Fall stimmig ist und nicht stört.

Meine Meinung:
Ich habe inzwischen einige romantische Komödien gesehen, doch zu keinem dieser Filme hatte ich eine so enge Bindung wie zu diesem Streifen. Meine Bewertung wird daher auf jeden Fall nicht gänzlich objektiv ausfallen.

„Fanfan & Alexandre“ ist nicht der witzigste, spannendste oder tiefgreifendste Film, den ich kenne, aber er ist einer dieser Filme, die in ihrer Komposition einzigartig und wunderbar sind. Für mich ist dieses Werk perfekt, wenn ich allerdings wirklich streng über meine eigene Empfindung hinwegsehe und eine professionelle Bewertung abgeben müsste, dann sähe sie wie folgt aus:

Meine Wertung:
Humor: 6,0 von 10
Spannung: 7,5 von 10
Story: 7,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,5 von 10
Setting: 6,5 von 10
GESAMT: 7,5

Iron Sky

Titel: Iron Sky
Genre: Science-Fiction / Komödie
Regie: Timo Vuorensola
Musik: Laibach / Ben Watkins
Produzenten: Tero Kaukomaa / Samuli Torssonen / Oliver Damian
Dauer: ca. 93 Minuten
Erscheinungsjahr: 2012
Altersfreigabe: FSK 12

„Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges schaffen es die Nazis mit Hilfe von riesigen Ufos, sogenannten Reichsflugscheiben, die dunkle Seite des Mondes zu besiedeln. Als sie im Jahr 2018 zufällig von einer amerikanischen Mondmission entdeckt werden, sehen sie ihre Zeit gekommen, um wieder nach der Weltherrschaft zu greifen. Von nun an lastet das Schicksal der Menschheit auf den Schultern von Renate Richter (Julia Dietze), einer von der Nazi-Ideologie überzeugten Lehrerin mit Gretchen-Frisur. Auf der Erde angekommen wird ihr jedoch schnell bewusst, dass sie ihr Leben lang einer Lüge aufgesessen ist. Nur wie soll es ihr gelingen, ihren machtbesessenen Verlobten Klaus Adler (Götz Otto) und dessen Götterdämmerung aufzuhalten?“
(Rückentext der BluRay)

Nummer vier ist gezogen. Die ersten drei Filme waren „Ohne Limit“, „Codename U.N.C.L.E.“ und „Die Abenteuer von Tim und Struppi – das Geheimnis der Einhorn“. Heute ist „Iron Sky“ dran und schon folgt meine Kritik.

Die Handlung dreht sich um Nazis, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf die dunkle Seite des Mondes verzogen haben und dort ihre Ideologie ausgelebt haben. Durch Zufall werden sie entdeckt und beschließen, in die Offensive zu gehen und die Weltherrschaft wieder an sich zu reißen.

Die Story ist chronologisch und ohne Kniffe, Wendungen, Überraschungen oder andere Besonderheiten erzählt. Das macht es dem Publikum ungemein schwer, die ganze Zeit dran zu bleiben. Auch wenn die Handlung hanebüchen ist, hätte man sie zumindest interessant erzählen oder ausschmücken können.

Spannungstechnisch geht bei diesem Film auch mal rein gar nichts. Die Figuren sind dem Zuschauer so was von egal, dass das persönliche Schicksal einzelner Figuren mehr und mehr in den Hintergrund geraten. Es gibt wenig bis keine Punkte, die den Beobachter an diesen Film binden und das liegt nicht nur an der schwachen Geschichte, sondern vor allem auch an der unzureichenden Charakterzeichnung und dem Cast.

Für eine Science-Fiction-Komödie hatte „Iron Sky“ erstaunlich wenig Humor. Nämlich so ziemlich keinen. Wo mich an anderer Stelle „Spaceballs“ sehr erheitert haben, schafft es dieser Film nicht einmal im Ansatz, auch nur ein Grinsen aus mir herauszubekommen. Von vorne bis hinten ist dieser Streifen im Bereich des Humors eine Katastrophe. Weder pointierte, noch situationskomische Begebenheiten gibt es zu sehen. Stattdessen gibt es pseudowitzige Momente, in denen einfach nichts passiert. Das Witzigste ist noch eine Szene, in der sich zwei Nazis über Schambehaarung unterhalten. Was soll das?

Die Laufzeit beträgt ca. 93 Minuten und jede Minute ist einfach zu lang gewesen. Nach 20 Minuten hat man schon das Gefühl, mindestens eine Stunde geguckt zu haben. Am Ende war der Streifen also deutlich zu lang.

Emotionen werden so gut wie keine gezeigt. Hin und wieder sieht man wenig Glaubhaftes oder irgendwelche Bekundungen, (Treue-)Schwüre oder ähnliches. Die Leistung in diesem Bereich fügt sich nahtlos in den gesamten Film ein.

Insgesamt ist die schauspielerische Leistung durchwachsen. Die Figuren werden alle überspitzt dargestellt. Man versteht zwar den satirischen Charakter, allerdings ist das Bild, das die Schauspieler zeigen, was die Figuren abgeben, einfach schwach, unzureichend und bei weitem nicht witzig. Das ist nicht einmal eine Fehlleistung der Darsteller, sondern einfach nur dem Drehbuch geschuldet, da es offensichtlich keine besseren Ideen hatte.
Julia Dietze und Götz Otto, aber auch Christopher Kirby und Udo Kier sind ja per se deswegen keine schlechten Schauspieler.

Musikalisch orientieren sich die Macher stark an Richard Wagner. Der „Ritt der Walküren“ ist ein Stück, das ich meistens auf Anhieb erkenne. Die Untermalung war erstaunlich abwechslungsreich und auch immer passend. Auch wurde die Musik nicht gänzlich zur Unterstützung verwendet, sondern so in den Film eingebaut, dass sie ein verwendetes Element ist.

Ausgerechnet die Spezialeffekte waren extrem gut anzuschauen. Sie erfüllten ihren Zweck und schienen sehr wertig zu sein. „Science-Fiction made in Finland“ könnte also zu einem Qualitätsmerkmal werden. Schade, dass man bisher nicht so viel davon mitbekommen hat.
Die übrige Kameraführung war unaufgeregt. Besonders in Szenen, die auf den Mond spielen, arbeitet man mit einem Grauschleier, in dem die Farben fast bis zum Schwarzweißen verblasst werden.
Ein Mittel, das auf jeden Fall in den Stil des Streifens passt und so auch ein Stückchen Identität widerspiegelt.

Meine Meinung:
„Iron Sky“ hat mir nicht nur nicht gefallen, er hat mich auch noch zu Tode gelangweilt.
Klamauk und Stumpfsinn sind noch nette Begriffe, mit denen ich diesen Film beschreibe.

Dieser Film hat einfach nichts, was mich glücklich macht. Auch wenn die Effekte gut gemacht sind, gibt es einfach zu viele Dinge, über die ich nicht hinwegsehen kann.

Als ich gelesen habe, dass es davon auch noch eine Fortsetzung geben soll, war ich zutiefst erschrocken, denn das könnte bedeuten, dass es noch so einen schlechten Film gibt.

Für „Iron Sky“ gibt es von mir nicht einmal im Ansatz eine Empfehlung.

Meine Wertung:
Spannung: 2,0 von 10
Humor: 1,0 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 2,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 2,0 von 10
Authentizität: 3,0 von 10
Musik: 7,5 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 3,6

Codename U.N.C.L.E.

Titel: Codename U.N.C.L.E. (engl. „The Man from U.N.C.L.E.“)
Genre: Action / Komödie
Regie: Guy Ritchie
Musik: Daniel Pemberton
Produzenten: John Davis / Steve Clark-Hall / Lionel Wigram / Guy Ritchie
Dauer: ca. 116 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 12

„Anfang der 1960er-Jahre, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, sehen sich CIA-Agent Solo (Henry Cavill) und KGB-Agent Kuryakin (Armie Hammer) gezwungen, ihre jahrelangen Feindseligkeiten zu überwinden, um gemeinsam gegen ein geheimnisvolles internationales Verbrechersyndikat vorzugehen, weil es das empfindliche Gleichgewicht der Supermächte zu destabilisieren droht. Die Agenten haben zunächst nur einen einzigen Anhaltspunkt auf der Suche nach einem verschwundenen deutschen Wissenschaftler – er allein kann ihnen helfen, sich in das Syndikat einzuschleusen.
Inszeniert wurde dieses coole, stylische Action-Abenteuer von Guy Ritchie.“
(Rückentext der BluRay)

Wie schon bei „Ohne Limit“ habe ich auch dieses Mal per Zufallsprinzip einen Film ausgewählt. Anfänglich waren es fünf Filme, die ich zur Auswahl hatte, nun waren es vier. Bleiben noch drei, die ich auf jeden Fall als nächstes schauen möchte. Welche das sind, erfahrt ihr natürlich nach und nach hier auf dem Blog. Heute kümmere ich mich aber erstmal um „Codename U.N.C.L.E.“.

Der Rückentext hilft schon ziemlich gut, den Stoff einzuordnen und gibt eine grobe Richtung vor. Genauer betrachtet steht die Handlung des Filmes aber durchaus in Konkurrenz zu einem James Bond Film. An dieser Stelle muss ich aber auch sagen, wer hier ein Bond-Abklatsch erwartet, wird überrascht und enttäuscht zugleich.

Die Geschichte dreht sich um zwei Superagenten, eine Ost-Berliner-Automechanikerin und Pläne für eine Atombombe. Da steckt unglaublich viel Potential hinter, das der Film nicht gänzlich aber zum größten Teil ausschöpfen kann. Die Inszenierung ist wild, dreckig und absolut stilecht. Die Erzählweise ist chronologisch, spannungsfördernd und witzig mit Elementen, die mehrfach gedeutet werden können. Oder kurz: Man bekommt einen echten Guy-Ritchie-Film. Und das ist auch schon größtenteils das Hauptargument für diesen Film. Natürlich gibt es auch ganz viele andere Punkte, die für „Codename U.N.C.L.E.“ sprechen, aber mit dem Namen des Regisseurs bekommt man schon mal eine gewisse Vorahnung.

Spannung, Emotionen und Originalität laufen unter einem großen Punkt zusammen, nämlich in der Atmosphäre. Guy Ritchie schafft es immer, in seinen Filmen eine ganz besondere Aura zu erzeugen und so reiht sich „Codename U.N.C.L.E.“ grandios in sein filmschaffendes Wirken. Tatsächlich fällt es mir schwer, einen Anfang zu finden.
Alleine die Kombination aus 1960er-Jahre Spionagefilm, den stilechten Schauplätzen, dem Look, der Musik, der Auswahl der Darsteller, der Leistung der Schauspieler, den Figuren und der Thematik, die so typisch, ja gefühlt klischeehaft, ist, aber dann auch so knallhart zu überzeugen weiß, macht diesen Film zum kleinen Highlight.
Die Darsteller: Henry Cavill, Armie Hammer und Alicia Vikander sind überzeugend, authentisch und passen optisch wunderbar in die Zeit, in der der Film spielt. Mit Elizabeth Debicki und Hugh Grant wartet der Streifen mit zwei weiteren wunderbaren Darstellern auf. Durch Sylvester Groth und Christian Berkel wird das Ensemble durch zwei deutsche Schauspieler abgerundet. Ersterer bekommt mehr Screentime und ist auf eine ganz besondere Art und Weise faszinierend und überzeugend.
Auch die Charakterszenen und die daraus resultierenden Dialoge bringen Spaß, haben Witz und überzeugen.

Emotionstechnisch birgt dieser Film viele Facetten. Es gibt Momente, in denen er stark zurückgenommen ist und im nächsten Moment schafft er es, geladen voller Gefühl daher zu kommen und – zwar nicht zu berühren – zu überraschen.
Da stört es auch nicht, dass es für einen kurzen Moment einen Anflug von Klischee gibt. Zum Glück bleibt es bei diesem kurzen Moment.

Zum Setting lässt sich viel sagen, aber nichts Negatives.
Es werden verschiedene Schauplätze genutzt, die auch echt sind und zum Geschehen passen. Von Ost-Berlin bekommt man den vermutlich authentischsten Ort zu sehen: Checkpoint Charlie. Ein Großteil der Geschichte spielt in Italien und auch dort sind die verwendeten Schauplätze stilecht inszeniert. Innenraumaufnahmen fühlen sich an, wie aus einer anderen Zeit. Die Möbel, die verwendeten Requisiten und die Kostüme passen unfassbar gut in die Zeit. Auch die Autos, Motorräder und das Design der Straßen stammen aus den ´60ern.
Die Kameraarbeit und auch die Einblendungen erinnern an alte Filme. Mit großen gelben Lettern fängt der Streifen an und zieht den Zuschauer von der ersten Sekunde an in eine komplett andere Welt. Die Welt von „Codename U.N.C.L.E.“ ist facettenreich, birgt Spannung und hat das gewisse Etwas, das von einem Besitz nimmt.

Die Action beschränkt sich nicht nur auf die üblichen Spionagetätigkeiten, sondern hat da auch ganz klassische Verfolgungsjagden und Schießereien parat. Auch ein unorthodox geführter Faustkampf zwischen zwei Männern veranschaulicht die Bandbreite der genutzten Action. Effekte und Aktionen, die im Zuge der aufregenden Szenen verwendet werden, sehen die ganze Zeit über nie billig aus. Explosionen und Stunteinlagen sehen sehr wertig aus und bringen Spaß.

Der Musik kommt eine doppelte Bedeutung zu. Zum einen bekommen wir sehr viel ´60er-Jahre-Songs zu hören, die mitunter die Geschichte tragen und ganze Passagen einleiten. Zum anderen gibt es ganz klassische spannungsfördernde Musik, die einzelne Szenen untermalt und unterstützt. In beiden Fällen ist der Einsatz und die Songauswahl nicht nur passend, sondern auch über alle Maßen überzeugend.

Mit ca. 116 Minuten ist der Streifen auch nicht zu lang. Für mich persönlich war er eher noch zu kurz. Auch wenn die Geschichte auserzählt war, hätte ich ihn mir allein aufgrund der Atmosphäre, Figuren und Darbietung noch Stunden angucken können. Da man schon vom ersten Moment eine besondere Verbindung zu dem Streifen bekommt, möchte man das Ende oder einen Showdown hinauszögern. Nichtsdestotrotz fieberte ich ihm förmlich entgegen.

Meine Meinung:
Am Ende einer hoffentlich nicht allzu verwirrenden Kritik steht auch meine Meinung. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich viel Spaß mit „Codename U.N.C.L.E.“ hatte und ich hatte echte Schwierigkeiten, diese Rezension zu schreiben, denn in meinem Kopf hat sich alles überworfen. Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll. Der Streifen ist einfach toll, ein Highlight, ein Film, den ich mir definitiv noch öfter anschauen werde.

Als Zuschauer merkt man richtig, dass die Darsteller Freude an der Zusammenarbeit mit Guy Ritchie hatten. Jede Szene strotzte vor Spielfreude und Überzeugung. Bei all den vielen Dingen, die der Streifen richtig macht, fehlt es ihm aber dennoch an der einen oder anderen Stelle an Durchschlagskraft. Insbesondere die Story macht hier auf sich aufmerksam. Sie ist gut erzählt und inszeniert, allerdings ist sie eben klassisch und nicht innovativ.
Zu bemängeln habe ich außerdem die Laufzeit. Für mich hätte der Streifen definitiv noch länger dauern können.

Am Ende bleibt mir zu sagen, dass „Codename U.N.C.L.E.“ die typische Guy Ritchie Handschrift trägt und damit nicht weniger als ein Hightlight-Film ist.

Meine Wertung:
Spannung: 9,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 10 von 10
Setting: 10 von 10
Action: 8,5 von 10
Musik: 10 von 10
GESAMT: 9,0

Das Pubertier

©Constantin Film

Titel: Das Pubertier
Genre: Komödie / Romanverfilmung
Regie: Leander Haußmann
Musik:
Produzenten: Günter Rohrbach
Dauer: ca. 91 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 6

„Gerade war sie doch noch so lieb, so niedlich. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag mutiert Papas kleine Prinzessin plötzlich zum bockigen Pubertier. Der Journalist Hannes Wenger (JAN JOSEF LIEFERS) nimmt sich eine Auszeit, um seine Tochter Carla (HARRIET HERBIG-MATTEN) in dieser schwierigen Lebensphase zu erziehen und von Alkohol, Jungs und anderen Verlockungen fernzuhalten. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn seine Frau Sara (HEIKE MAKATSCH) geht wieder arbeiten und Hannes ist als Vater maßlos überfordert. Ob Party, Zeltlager oder Carlas erstes Mal: Hannes tritt zielsicher in jedes Fettnäpfchen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Jugendliche peinliche Väter haben: Hannes’ bester Freund, der taffe Kriegsreporter Holger (DETLEV BUCK), lässt sich lieber im Nahen Osten beschießen als sich daheim von seinem grunzenden Pubertier in den Wahnsinn treiben zu lassen.“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Hin und wieder schreibe ich über Filme auch aus dem Kino heraus. Dieses Mal habe ich mir „Das Pubertier“ in der Pressevorführung angeschaut. Ich war etwas verwundert über die Anzahl der Zuschauer, da ja doch in der Regel ein ausgewählter Personenkreis im Kino sitzt. Dass dieses Mal der Personenkreis auf die eigene Familie ausgeweitet wurde und da der ein oder andere Journalist oder Blogger mit sechs, sieben Leuten im Anhang ins Kino gestapft kam, machte mich schon etwas sprachlos. Am Ende war ich aber schlauer. Die Kritik zu Leander Haußmanns „Das Pubertier“ lest ihr hier.

©Constantin Film

Die Geschichte dreht sich um das Leben von Eltern und Kindern unter einem Dach. Beide Seiten wachsen und verändern sich mit der Zeit und so sehen sie sich immer wieder neuen Herausforderungen gegenübergestellt.
Während Eltern nicht mehr so genau wissen, wie es war, als sie in der Pubertät gewesen sind, spielen die Hormone der Kinder verrückt. So „verwandelt“ sich die kleine Prinzessin – Papas Liebling – in ein erbarmungsloses „Pubertier“.
Die Erzählweise ist sehr humoristisch und zeigt die Geschehnisse aus der Sicht des liebenden Vaters. Gekonnt präsentiert der Film alle kleinen Fehler, aber auch alle tollen Kleinigkeiten, die zwischen Eltern und Kindern passieren. Dabei karikiert er nicht nur all die Fettnäpfchen und Stimmungsschwankungen beider Seiten, sondern zeigt auch die familiären und liebevollen Momente.

Im Punkt der Spannung muss ich da ganz klar sagen, dass so ziemlich keine erzeugt wird. Es passiert sehr viel und die Handlungen überschlagen sich teilweise, aber als Zuschauer wird man nicht an den Sitz gefesselt. Stattdessen sieht man sich in einem sehr interessierten Zustand und verfolgt entsprechend auch das Geschehen. Die Figuren wurden darüber hinaus auch nicht so inszeniert, dass der Zuschauer besonders viel Mitgefühl hätte und jetzt unbedingt wissen muss, wie es weitergeht.

©Constantin Film

Mit rund 91 Minuten bekommt man aber zweifelsohne kurzweilige Unterhaltung geboten, die sich an keiner Stelle zu lang anfühlt.

Der Humor basiert auf das kommunikative Missverständnis zwischen Erwachsene und Kindern. Das kann ganz schön anzusehen sein, wenn die Gag-Dichte wesentlich höher wäre. In diesem Fall tue ich mich aber schwer mit dem Humor. Alles war zwar ganz nett anzusehen, aber so richtig witzig war es nicht. Die Handlung schwappt dafür immer wieder in Richtung Familienfilm mit einigen witzigen Momenten. Die witzigen Sequenzen haben bei mir keinen Lachanfall ausgelöst. Wie er bei dem jüngeren Publikum angekommen ist, kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen.

Die Emotionen in „Das Pubertier“ sind limitiert. Es gibt keinen Ausreißer in extreme Gefilde. Alles wirkt anfänglich harmonisch und liebevoll, im Verlauf des Streifens bekommt man die natürlichen Stimmungsschwankungen der Jugend mit. Große Gefühle gibt es, bis auf eine Szene am Ende, keine. Was man diesem Film aber zugutehalten muss, ist, dass er sensibel mit dem Thema Erwachsenwerden umgeht.

©Constantin Film

Die Glaubwürdigkeit der Figuren hängt stark an der Screentime. Jan Josef Liefers’ Figur war, in meinen Augen, authentischer als die von Heike Makatsch. Einfach weil man Liefers die ganze Zeit gesehen hat und Makatsch eben nicht.
Grundsätzlich muss man aber sagen, dass alle Figuren etwas überspitzt waren. Der Vater ist viel zu sehr Vater, immer ein bisschen drüber. Erzieherische Maßnahmen werden pädagogisch korrekt überlegt und mit Bedacht verhängt oder durchgezogen. Besonders in diesem Punkt ist der Streifen nicht in der realen Welt angesiedelt.
Auch die Stimmungsschwankungen der Tochter sind sehr krass und extrem. Ich, als jemand mit zwei älteren Schwestern, muss mich einfach nur an meine Kindheit zurückerinnern und kann sagen, dass meine Schwestern nicht von der einen auf die andere Minute komplett anders drauf gewesen sind. Es waren eher Phasen, die über Tage und Wochen hinweg angehalten haben. In diesem Punkt ist der Film für mich nicht glaubwürdig genug. Als Stilmittel kann ich diese Übertreibung aber sehr gut hinnehmen, ich finde sie nur nicht gut.

Die musikalische Untermalung ist unauffällig. Es gibt allerdings ein zwei Szenen, in denen sie als tragendes Stilmittel eingesetzt wurde, um die Sprache zu ersetzen. Im Gesamtwerk hat sie gut gepasst.

©Constantin Film

Das Setting und die Kostüme sind sehr vielfältig, aber absolut unspannend. Bis auf die Zimmer im familiären Haus, die Räumlichkeiten einer Polizeiwache oder die Wohnung der Freunde bekommt man nicht viel zu sehen. Was die Außenaufnahmen betrifft, geht „Das Pubertier“ ohnehin sehr sparsam damit um. Die wenigen werden vom Grundstück der Familie Wenger dominiert, ein, zwei Ausreißer gibt es jedoch trotzdem.
Wer Hoffnungen hegt, einmalige Bilder zu Gesicht zu bekommen, wird enttäuscht.

„Das Pubertier“ ist ab dem 06.07.2017 in den deutschen Kinos.

Meine Meinung:
Technisch ist „Das Pubertier“ eine runde Sache. Warum einige Journalisten und Blogger mit der ganzen Familie angereist sind, ist mir nach Abschluss des Filmes mehr als klar gewesen. Familien sind offensichtlich die Zielgruppe und genau dort passt er am besten rein.

Schaut euch den Film in großer Gruppe und mit allen Altersklassen an, da wirkt er am besten, weil sowohl Eltern als auch Kinder was zum Lachen haben werden (aber mehr die Kinder!).

Über die Schwächen von „Das Pubertier“ kann ich letzten Endes allerdings nicht hinwegsehen und so bleibt ein Nachmittag im Kino in Erinnerung, den ich zwar nicht bereue, aber an dem ich durchaus bessere Filme hätte schauen können.
Leander Haußmann hat hier aber eine gute Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jan Weiler gedreht.

Meine Wertung:
Humor: 6,0 von 10
Spannung: 5,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 7,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 6,0
GESAMT: 6,5

The Nice Guys

Titel: The Nice Guys
Genre: Kriminalfilm / Actionfilm / Komödie
Regie: Shane Black
Musik: David Buckley / John Ottman
Produzenten: Joel Silver
Dauer: ca. 112 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„Privatdetektiv Holland March und Auftragsschläger Jackson Healy haben wenig gemeinsam, bis beide in den Fall der vermissten Amelia und des ermordeten Pornostars Misty Mountains verstrickt werden. Umständehalber zur Zusammenarbeit gezwungen, streifen sie mit Marchs pubertierender Tochter Holly durch die Stadt, um verworrenen Hinweisen auf den Grund zu gehen. Bald führt sie Amelias Spur zu einer Multi-Milliarden-Dollar-Verschwörung, die March und Healy zum Ziel von skrupellosen Profikillern macht…“
(Rückentext der DVD)

Zum ersten Mal habe ich von „The Nice Guys“ im Kino gehört. Ich saß in irgendeinem Film und habe damals den Trailer gesehen. Ich erinnere mich noch, dass ich ihn witzig fand und mich in gewisser Weise darauf gefreut habe.
Ich hatte immer das Gefühl, dass dieser Film witzig wird und freute mich umso mehr, mal eine Komödie mit Ryan Gosling und Russell Crowe zu sehen. Wie witzig „The Nice Guys“ wirklich ist, erfahrt ihr in meiner Kritik:

Die Geschichte spielt in den 1970ern Jahren und ist mehr als ein reiner Detektiv-Film, in dem auch mal zugelangt wird. Die Story behandelt einen mehr oder weniger komplexen Kriminalfall, der schon etwas Aufmerksamkeit vom Zuschauer verlangt. Die Geschehnisse sind chronologisch erzählt, hin und wieder gibt es eine stets kommentierte bzw. erklärte Rückblende, ohne dabei den aktuellen Ort der Handlung zu verlassen. Die Einführung in die Geschichte geschah zweigeteilt, bevor nämlich die beiden Hauptfiguren zueinander gefunden haben, hat der Zuschauer eine Vorstellung von dem bekommen, wer und was sie sind. Unterstützend haben ebenjene Figuren auch aus dem Off gesprochen, um sich noch besser vorzustellen.
Erzählerisch erinnert „The Nice Guys“ an alte Krimifilme aus den 1970er Jahren, umso besser und authentischer ist es, dass die ganze Handlung auch in dieser Dekade angelegt ist.

Spannungstechnisch bekommt der Zuschauer einen Mix aus vielen Komponenten geboten. Da ist zum einen die Handlung mit dem Kriminalfall. Das Publikum bekommt im ersten Moment einen kleinen Faden geboten, an dem im Laufe der Zeit immer mehr gezogen wird und der sich letzten Endes als ein ganzes Knäuel entpuppt. Jetzt lassen sich viele solcher Geschichten mit den abstrusesten Ideen spinnen, wobei man am Ende viele Logikfehler entdeckt, aber diesen Weg geht „The Nice Guys“ nicht. Die Story bzw. die zugrunde liegende Idee ist nicht vollkommen aus der Luft gegriffen. Das Besondere daran ist, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass es genug solche Fälle in der Realität gegeben hat.
Weiterhin übt das Duo Gosling/Crowe seine ganz eigene Faszination auf das Publikum aus. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtungen passen die zwei wunderbar zusammen und ergänzen sich. Es ist weniger das „Gleich und Gleich gesellt sich gern“, als vielmehr das „Gegensätze ziehen sich an“. Gegensätzlich ist dabei der springende Punkt. Gosling, der äußerlich viel mehr nach ´70er Discobesuch aussieht und irgendwie auch ein Undercover-Polizist sein könnte, schafft es dabei, mit seinem Stil den Zeitgeist dieser besonderen Dekade einzufangen, inklusive Schnauzer im Gesicht.
Crowe hingegen verkörpert irgendwie das Bild der arbeitenden Gesellschaft. Schmalzlocke, Sonnenbrille und resolutes Einsetzen von Schlagwaffen sind sein Markenzeichen. Gewieftes Handeln liegt da eher außerhalb seiner Stärken. March und Healy sind zwei Figuren mit ähnlicher Strahlkraft wie Vicent Vega und Jules Winnfield in „Pulp Fiction“ und in der Tat erinnern viele kleine Dialoge und Charakterszenen an ebenjenes Meisterwerk von Quentin Tarantino. Gosling und Crowe könnten also die neuen Travolta und Jackson sein, die viele Menschen mit ihrer Performance begeistert haben.
Als dritten Punkt, der für die Spannung dieses Filmes spricht, ist die Action zu nennen. Shane Black weiß spätestens seit „Iron Man 3“ wie man Action inszenieren kann. Weniger pompös lässt er es dafür in diesem Film zugehen. „The Nice Guys“ ist von vornherein ein Streifen, der sich mehr durch die Handlung und die Darsteller in den Vordergrund spielt, als durch seine Action und ich bin froh, dass der Regisseur diesen Weg gewählt hat. Der Zuschauer bekommt vorwiegend einfache Schießereien, Verfolgungsjagden und Prügeleien geboten, die dem Film wesentlich besser stehen als unrealistische Explosionen. Bis auf eine Ausnahme hat sich Shane Black streng an das Rezept gehalten. Dieser eine kleine Ausflug ins Unrealistische wirkt zumindest cool, sodass man verzeihen und ungestört weiterschauen kann.

Die Laufzeit beträgt ca. 112 Minuten, dabei schafft es der Film nicht nur spannend seine Geschichte zu Ende zu erzählen, sondern gibt den Figuren auch ausreichend Platz, um sich zu entwickeln. Erzählerisch kommen keine Längen auf, stattdessen bleibt der Streifen knackig und über weite Strecken immer unterhaltsam.

Die Emotionen sind grundsätzlich nicht im Vordergrund. Die Palette ist dementsprechend klein und schmal, allerdings werden auch leise Töne angespielt, die dann durch ein gewisses Überraschungsmoment ziemlich gut einschlagen. Ebenjene leisen Töne lassen den einen oder anderen Charakter aufblühen und geben diesem dann auch neue Facetten. An dieser Stelle hat „The Nice Guys“ die Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen und aus den Vollen zu schöpfen, doch der Film nutzt diese Gelegenheit nicht aus und sucht ein Ende eher in einem witzigen Moment als in einer tiefgreifenden Charakterszene.

Angourie Rice spielt Holly March und entpuppt sich mit zunehmender Dauer als frecher und ebenso emotional fragiler Charakter, der den beiden Hauptdarstellern in nichts nach steht. Viel mehr spielt sie befreiend auf und überzeugt durch ihre kindliche Leichtigkeit und schonungslose und freche Ehrlichkeit.

Die Figuren passen insgesamt sehr gut in die Zeit der 1970er Jahre und brillieren durch ein authentisches Auftreten. Sei es Ryan Gosling als versoffener Privatdetektiv, Russel Crowe als Prügelknabe, Matt Bomer als skrupelloser Typen oder Kim Basinger als Regierungsbeamtin, sie alle zeigen, was sie können und überzeugen durch ihr einprägsames Spiel. Anhand dieser Krimi-Action-Komödie im Stile eines ´70er Jahre Streifens wird gekonnt der Zeitgeist dieser bedeutsamen Epoche gezeigt und alle Darsteller fügen sich diesem. Als Zuschauer sieht man dort auch in gewisser Weise mehrere Generationen, die für ihre eigenen Werte stehen.
Der komplette Cast hat wunderbar in diesem Film funktioniert und war einfach toll anzusehen.

Das Setting war durch die Bank passend und stilecht. Kostüme, Kulissen, Kameraführung und Lichtverhältnisse waren typisch für einen Film aus den ´70er Jahren. Weil so viel Wert auf die Details gelegt wurde, fühlt sich „The Nice Guys“ auch so an wie ein Streifen aus dieser Zeit. Als Zuschauer bekommt man dadurch keinen Pseudo-Vergangenheitsfilm, sondern unterm Strich etwas Stilvolles zu sehen.

Die Musik ist atmosphärisch und bietet einen Mix aus unterstreichenden Melodien und passenden Disco-Klängen. Das Publikum bekommt tolle Oldies aus dieser Zeit auf die Ohren und wird sich grundsätzlich an der Stimmung erfreuen können.

Meine Meinung:
„The Nice Guys“ – meine Erwartungen waren andere. Ich habe diesen Streifen angeschmissen in der Hoffnung, etwas zum Lachen zu sehen und bekam ein komplettes Paket von etwas anderem. Es hat wirklich Spaß gebracht, sich diesen Film anzuschauen, weil er für mich den idealen Überraschungseffekt hatte. Die Darsteller, die Geschichte und die Epoche konnten mich perfekt abholen.

Rückblickend muss ich sagen, dass fast nichts an diesem Streifen gestört hat, bis auf das ein oder andere Mal, wo ich mir gewünscht hätte, dass man gefühlstechnisch mehr in die Tiefe gegangen wäre, statt ein Ende in einem witzigen Moment zu suchen.
Ich glaube, ich werde im Alter mehr und mehr ein Fan von Krimis, denn auch wenn „The Nice Guys“ kein klassischer Vertreter dieses Genres ist, so bedient er erstaunlich viele Elemente daraus.

Ein absolut empfehlenswerter Streifen, der mit Dialogen, Handlung und auch mit dem Zeitgeist von Pornografie und Disco zu überzeugen weiß.

Meine Wertung:
Spannung: 9,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Setting: 10 von 10
Musik: 8,5 von 10
GESAMT: 8,8

Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

©CONCORDE FILMVERLEIH

Titel: Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand (schwed. „Hundraettåringen som smet från notan och försvann“)
Genre: Komödie
Regie: Felix Herngren / Måns Herngren
Musik: Matti Bye
Produzenten: Malte Forssell / Henrik Jansson-Schweizer / Pontus Edgren / Joshua Mehr / Mikael Wallen
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

„Allan Karlsson (Robert Gustafsson) und sein Kumpel Julius Jonsson (Iwar Wiklander) haben sich gut in ihrem Leben auf Bali eingerichtet. Inzwischen bringt Allan es auf stattliche 101 Lebensjahre. Das Entspannen und Schlürfen der einheimischen Erfrischungsgetränke auf der traumhaften Insel kann aber auf Dauer selbst der größten Faulenzer nicht lange aushalten. So begibt sich der rastlose Rentner auf ein neues Abenteuer, bei dem er auf rachsüchtige Gangster, die CIA und alte Bekannte aus Russland trifft.“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Der zweite Teil ist nun im Kino und ich habe leider den Start total verschwitzt und ging deshalb eine ganze Woche zu spät ins Kino, obwohl ich eine Freikarte hatte. Ärgerlich, aber am Ende bin ich froh, doch noch hingegangen zu sein und mir diesen Film angeschaut zu haben.

Felix und Måns Herngren haben mit „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ die Fortsetzung zu „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ gedreht. Die Ereignisse sind ähnlich wie im ersten Teil in Szene gesetzt. Sie bauen lose auf dem Vorgänger auf und spielen rund ein Jahr nach dem ersten Teil.
An der Erzählweise hat sich nicht viel geändert. Immer wieder wird der eigentliche Handlungsstrang durch Rückblenden unterbrochen und durch Allans Erklärungen aus dem Off ergänzt.
Wo noch im ersten Teil die Nebenhandlungen irgendwie interessant waren, haben sie in der Fortsetzung einfach nur genervt. Sie haben nicht sonderlich sinnvoll die Handlung vorangetrieben.

©CONCORDE FILMVERLEIH

Spannungstechnisch hat „Der Hunderteinjährige“ aber einen klaren Sprung nach vorne gemacht. Die Handlung ist nicht mehr so ziellos. Inhaltlich gibt es also den berühmten roten Faden, was dafür sorgt, dass der Zuschauer eher am Ball bleibt.
Zusätzlich haben die Figuren, ähnlich wie im ersten Teil, gut harmoniert und wunderbar zusammengepasst. An dieser Stelle macht der Streifen vieles richtig und wenig falsch.

Skandinavisch-trockener und pointierter Humor dominiert den Film. Grundsätzlich ist aber die Situation wichtig. Es überwiegen dennoch die Momente, in denen man eher schmunzeln statt lauthals lachen muss.

Emotionstechnisch knüpft dieser Film genau da an, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Unterkühlt und stark zurückgenommene Gefühle bekommt der Zuschauer zu sehen. Die Figuren sind grundsätzlich sehr glaubwürdig und in der Konstellation stimmen sowohl die Beziehungen als auch die Eigenschaften. Auch in diesem Punkt hält man sich stark an den ersten Teil.

©CONCORDE FILMVERLEIH

Musikalisch kennt das Publikum alle Stilmittel, aber dennoch ist es nicht langweilig geworden. Diese Filmreihe hat dadurch sein Wiedererkennungsmerkmal erhalten, das auch wunderbar zu ihm passt. Die Musik ist also wieder voller Marsch-Kapellen-Charme, der gut zu dem Humor passt.

„Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ ist der neue Film von Felix und Måns Herngren, dauert ca. 108 Minuten und läuft seit dem 16.03.2017 in den deutschen Kinos.

Meine Meinung:
„Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ hat mir persönlich mehr Spaß gebracht als sein Vorgänger. Obwohl seine Nebenhandlungen sinnloser gewesen sind, hat er durch seine lineare und zielgerichtete Story gepunktet.

Auch der Aufhänger der ganzen Geschichte hat mir persönlich sehr gut gefallen und war Anlass zu einigen witzigen Momenten.
Eine Empfehlung auszusprechen fällt mir dennoch schwer, weil der Film für sein Genre grundsätzlich zu schwach ist. Hier kann ich nur sagen: Wem der erste Teil gefallen hat, wird auch mit dem zweiten Teil zufrieden sein. Alle anderen werden aber nicht aus dem Sitz gerissen.

Meine Wertung:
Story: 8,5 von 10
Humor: 6,5 von 10
Musik: 8,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
GESAMT: 7,3 von 10

Reihenfolge:
1. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
2. Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

Ruby & Quentin – Der Killer und die Klette

Titel: Ruby & Quentin – Der Killer und die Klette (franz.: „Tais-toi !“)
Genre: Komödie
Regie: Francis Veber
Musik: Marco Prince
Produzenten: Saïd Ben Saïd
Dauer: ca. 84 Minuten
Erscheinungsjahr: 2003
Altersfreigabe: FSK 12

„Es ist kein Zufall, dass der eiskalte Profikiller Ruby (Jean Reno) ausgerechnet die naive Plaudertasche Quentin (Gérard Depardieu) als Mitbewohner in seiner Gefängniszelle bekommt. Gemeinsam mit dem Gefängnispsychologen (André Dussollier) hofft Kommissar Vernet (Richard Berry), dass Blödmann Quentin den Eisblock Ruby zum Ausflippen und damit zum Reden bringt, denn Ruby hat noch ein dickes Ding gedreht und dem Paten Vogel (Jean-Pierre Malo) jede Menge Geld gestohlen, bevor er geschnappt wurde. Nun hofft Vernet, dass Ruby ihn auf die Spur des Paten führt, der den Tod von Rubys Liebster (Leonor Varela) auf dem Gewissen hat und ebenfalls hinter Rubys Beute her ist. Doch dann brechen Ruby und Quentin aus – gemeinsam. Während Ruby den Mord an seiner Liebsten rächen will, träumt Quentin davon, mit Ruby ein Bistro zu eröffnen. Der Killer wird die Klette nicht mehr los: Bonjour, le désastre!“
(Rückentext der DVD)

Eine Arbeitskollegin hat mir diese französische Komödie mit Jean Reno und Gérard Depardieu empfohlen und kurzerhand ausgeliehen. Alles Weitere erfahrt ihr hier in meiner Kritik:

Die gesamte Story ist, inklusive Auflösung, im Rückentext der DVD preisgegeben. Die Handlung wird in einer sehr linearen und chronologischen Form erzählt. Dabei schafft es der Film nicht eine Minute, einen gewissen Reiz auszuüben, geschweige denn Spannung aufzubauen.
Und das ist eine der vielen Schwächen dieses Films.
Mit zunehmender Dauer wird „Ruby & Quentin“ vorhersehbarer. Es wird nicht einmal ein Versuch unternommen, die Handlung zu verschleiern oder mit einem Kniff aufzuwerten.
Spannung entsteht dann naturgemäß nicht.

Eine weitere Schwäche ist der Humor.
Als Zuschauer möchte ich lachen und nicht nichts tun. Es war kein Witz vorhanden. Stattdessen findet sich der Zuschauer in Möchtegern-Pointen wieder, die allesamt nicht zünden und stattdessen einfach nur flach, kindisch und absolut nicht witzig sind.
Selten habe ich so wenig bei einer Komödie gelacht wie bei diesem Film.

Auch die Emotionen und die Authentizität sind nicht überzeugend. Jean Reno nimmt man seine Figur dabei aber schon eher ab, als Gérard Depardieu. Sie sind zwar beide anfänglich absolut gegensätzlich, aber am Ende nähern sie sich mit ihren Charakterzügen und gehen mehr aufeinander ein. Das wirkt dann aber schlussendlich noch unglaubwürdiger.
Was die gezeigten Emotionen betrifft, sucht man nach der Glaubwürdigkeit. Wie Laiendarsteller kommen sowohl Gérard Depardieu als auch Jean Reno daher, aber auch so ziemlich jeder Nebendarsteller schafft es nicht, seine Rolle halbwegs glaubhaft zu verkörpern.

Das Setting ist einfallslos und nichtssagend und die Kulissen sind absolut austauschbar. Die Kostüme haben an der einen oder anderen Stelle ein leichtes Schmunzeln verursacht und waren doch eher der letzte Versuch, noch einmal eine Pointe zu platzieren, die funktioniert.
Die Kameraarbeit ist altmodisch und ereignislos. Dem Zuschauer wird es dadurch auch sichtlich schwer gemacht, diesen Film zu mögen.

Die musikalische Unterstützung ist deplatziert und altbacken. Sie hat einen Touch von Karneval und Zirkusmanege. Sie passt insgesamt weder zum Geschehen noch zum Humor und das ist dahingehend sehr irritierend, weil immer irgendwas Unnatürliches im Hintergrund herüberschwappt.

Meine Meinung:
„Ruby & Quentin“ ist eine französische Komödie, die mir alles andere als gut gefallen hat.
Das ganze Konzept der Geschichte und des Humors war für mich nicht ersichtlich. Ich fand den Streifen nicht eine Minute witzig, nicht spannend und die Handlung war nicht nur vorhersehbar, nein, sie wird auch noch auf dem Rückentext komplett ausgebreitet.

Für 2003 sah der Film sehr stark nach Anfang der 1990er aus und war leider auch dementsprechend anzusehen. Ich hatte nicht nur keinen Spaß, nein, „Ruby & Quentin“ hat mich auch noch gelangweilt.

Meine Wertung:
Humor: 2,0 von 10
Spannung: 2,0 von 10
Story: 1,0 von 10
Länge: 3,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 1,0 von 10
Authentizität: 1,0 von 10
Musik: 3,5 von 10
Setting: 2,0 von 10
GESAMT: 1,9

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Titel: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (schwed. „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann “)
Genre: Komödie / Romanverfilmung
Regie: Felix Herngren
Musik: Matti Bye
Produzenten: Felix Herngren / Malte Forssell / Henrik Jansson-Schweizer / Patrick Nebout
Dauer: ca. 110 Minuten
Erscheinungsjahr: 2013
Altersfreigabe: FSK 12

„Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Doch anstatt sich auf die geplante Geburtstagsfeier zu freuen, verschwindet er lieber kurzerhand aus dem Altersheim und macht sich in seinen Pantoffeln auf den Weg zum örtlichen Busbahnhof. Raus aus der Langeweile und rein in ein neues Abenteuer. Während seiner Reise kommt er zu einem riesigen Vermögen, findet neue Freunde und trifft auf Gauner und Ganoven. All das ist für Allan aber schon lange nichts Besonderes mehr, hat er doch die letzten 100 Jahre maßgeblich dazu beigetragen, das politische Geschehen in der Welt unbewusst auf den Kopf zu stellen…“
(Rückentext der DVD)

Bevor der zweite Teil „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ ins Kino kommt, wollte ich zunächst seinen Vorgänger gesehen haben. Da es nicht nur mir so geht, sondern auch meiner Herzdame, hat sie sich kurzerhand um die DVD gekümmert.

Diese schwedische Komödie von Felix Herngren basiert auf dem gleichnamigen Weltbestseller von Jonas Jonasson.
Die Story ist abwechslungsreich und breit erzählt. Da haben wir Allan (gespielt von Robert Gustafsson), der seine eigene Geschichte in mehreren Ebenen erzählt. Zum einen präsentiert er uns fortlaufend das aktuelle Geschehen und schweift in seiner Erzählung immer wieder ab. Passend dazu erinnert er sich an Vergleichbares, das er schon einmal erlebt hat. Diese Rückblenden werden immer wieder aus dem Off durch ihn selbst kommentiert.
Auf der anderen Seite gibt es noch die Nebendarsteller, aus deren Sicht wir auch immer wieder Teile das aktuelle Geschehen betrachten dürfen.
Erzählerisch wartet da der Streifen durch seine besondere Technik auf.

Was die Spannung betrifft könnte der Streifen von der Grundthematik fast nicht langweiliger sein. Ein alter Sack steigt aus dem Fenster und verschwindet. Mehr ist es tatsächlich nicht.
Was der Regisseur allerdings aus dieser einfältigen Idee macht, ist umso bemerkenswerter. Tatsächlich schafft er es, alles so aussehen zu lassen, als ob der Film extrem aufregend wäre. Felix Herngren hat das nur geschafft, weil die Figuren wunderbar miteinander interagiert haben. Wenn man so will, ist die Charakterkonstellation wie ein zweischneidiges Schwert: Es hätte richtig gut werden können oder ein kompletter Griff ins Klo. Schlussendlich muss man sagen, dass der Streifen interessant ist, ohne spannend zu sein, aber eben auch spannend ohne interessant zu sein. Egal was er ist, es passt zu ihm und verleiht ihm einen gewissen Charme.

Der Humor ist extrem trocken und schwedisch kühl. Dabei ist das Witzige nicht der pointierte Gag, sondern die Situation bzw. die Situationen. Manch einer mag da schallend lachen, andere wiederum werden nur leicht in sich hinein grinsen. Auch hier ist es extrem geschmacksabhängig, ob man als Zuschauer diesen Film witzig findet.
Grundsätzlich spricht dieser Film in puncto Witz nicht die breite Masse an, obwohl er nicht aufgesetzt oder künstlich und noch viel weniger vulgär oder unpassend ist.

Die Emotionen und auch die Authentizität sind direkt miteinander verbunden. Emotionstechnisch ist dieser Streifen aus Schweden genau das, was man von ihn erwartet: Stark zurückgenommen und extrem unterkühlt. Authentisch ist er aufgrund dieses Klischees eben auch und überhaupt ist keiner der Figuren aufgesetzt oder unglaubwürdig. Selbst die extrovertierte und irgendwie verschrobene Gunilla wirkt in diesem Film alles andere als deplatziert. Es ist eben das Gesamtpaket, das bei „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ stimmt und deswegen gibt es bis auf ein paar Ungereimtheiten bzw. Unstimmigkeiten in der Charakterkonstellation wenig, was ich zu bemängeln habe.

Die Musik ist außergewöhnlich, damit will ich aber nicht sagen, dass die besonders ist. Sie ist eben genau das, was ich nicht erwartet hatte. Viele Bläser und Trommler die einen leichten Marsch-Kapellen-Charme mitgebracht haben und dadurch irgendwie nicht nur die Story, sondern auch den Witz untermalt haben. Mit der Auswahl der Stücke hat man in gewisser Weise einen Glücksgriff gelandet.

Meine Meinung:
„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist eine Romanverfilmung, der man ihren Charme nicht absprechen kann. An dieser Stelle muss ich aber sagen, dass ich seine technischen Vorzüge anerkenne, aber grundsätzlich wenig begeistert von dem Film bin.
Er konnte mich eben nicht mitreißen und vielleicht ist die Story für mein Empfinden zu sehr konstruiert.

Ich kann aber dennoch auch eine Empfehlung aussprechen für all diejenigen, die einen besonders trockenen Humor haben und eben auf skandinavische Filme stehen.

Meine Wertung:
Story: 7,0 von 10
Humor: 7,5 von 10
Musik: 8,5 von 10
Länge: 7,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,0 von 10
GESAMT: 7,4 von 10

Reihenfolge:
1. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
2. Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

Die Wahrheit über Männer

die-wahrheit-ueber-maenner_coverTitel: Die Wahrheit über Männer (dän. „Sandheden om mænd “)
Genre: Komödie
Regie: Nikolaj Arcel
Musik: Asger Baden / Steen Holbek / Flemming Nordkrog
Produzenten: Meta Louise Foldager / Louise Vesth
Dauer: ca. 91 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 12

„Man könnte glauben, Mads hat das perfekte Leben: Er ist Anfang dreißig, schreibt Drehbücher und ist mit einer tollen Frau zusammen. Dennoch ist er nicht glücklich. Die beste und wildeste Zeit liegt längst hinter ihm, seine Drehbücher werden zunehmend uninteressant und seine Freundin war eigentlich nie wirklich sein Typ. Statt wie ein Rocksong fühlt sich sein Leben an wie Fahrstuhlmusik. Mads beschließt, dass sich etwas ändern muss.

Er verlässt die Frau, kündigt seinen Job und begibt sich auf die kompromisslose Suche nach seinem Glück. Zwischen wilden Affären und verrückten Drehbuchideen wird Mads zum exzessiven Glücksritter, den die Überdosis Leben schon bald überfordert. Doch was ist es, das ihn wirklich glücklich macht?“
(Rückentext der DVD)

„Die Wahrheit über Männer“ habe ich durch Zufall bei einer Shopping-Tour mit meiner Herzdame entdeckt und wanderte zugleich in den Einkaufswagen. Eine weitere DVD, von der ich nicht wusste, wann ich sie sehen werde, aber für den September-Koffer war es gut, denn dadurch hatte ich eine DVD mehr. Dass ich sie so schnell sehen würde, war mir bis jetzt gar nicht klar.
Ganz spontan griff ich in mein DVD-Regal und zog sie heraus. Beschlossene Sache.

Die Handlung dreht sich um Mads, der aus dem Trott seines Lebens ausbrechen will. Wie der Rückentext bereits wiedergibt, schmeißt er alles hin. Die Trennung von seiner Freundin, die Kündigung seines Jobs und darüber hinaus startet er sein persönliches Abenteuer und begibt sich auf einen Trip der Selbstfindung. Er probiert sich aus, führt Affären und gelangt zu neuer Kreativität. Und auch sein Glück kehrt zurück.
Die Schattenseiten bleiben aber nicht verborgen. Der Trott, die Sehnsucht nach Normalität, das Verlangen ein normales und langweiliges Leben zu führen.

„Die Wahrheit über Männer“ ist kein Film, der mit Pointen um sich schmeißt oder ein Gag-Feuerwerk abbrennt, stattdessen kommt er mit einer natürlichen Witzigkeit, Intelligenz und subtilem Humor, der in der Natur der Sache steckt, daher. Die Geschichte wird immer wieder durch Erklärungen von Mads aus dem Off ergänzt und dabei analysiert er diese – seine – Geschichte mithilfe von Techniken, die er in seinem Job als Drehbuchautor tagein tagaus verwendet. Schon am Anfang des Filmes weiß der Zuschauer theoretisch, wo es hingehen soll.
Die Erzählweise ist grundsätzlich chronologisch mit einigen Ausnahmen, in denen man in der Zeit hin und her springt. Dabei wird die Geschichte aber nicht künstlich verwirrend, da das Publikum durch Musik, Kameraeinstellungen oder Filter weiß, dass man sich in einer anderen Zeitebene befindet.

Das mit der Spannung ist bei Komödien immer so eine Sache. Bei dieser ganz besonders, denn es handelt sich hierbei um eine anti-romantische Komödie. Ich empfinde solche Aussagen ja immer als problematisch. Aber in diesem Fall läuft es nicht darauf hinaus, dass der Kerl vom Anfang der total Liebe ist und die schönste Frau im Dorf bekommt, stattdessen macht der Kerl mit der schönsten Schluss und fühlt sich dabei dann auch noch ziemlich befreit. Ja, nein, spannend ist er nicht. Er zieht eher mit einer karikaturistischen Darstellung des Lebens den Zuschauer an sich heran. Dabei wird es allerdings nie nervenkitzelig. Die häufig gestellten Fragen sind dabei immer dieselben: „Was passiert als nächstes?“ und „Wie wird das ausgehen?“.

Der Humor, wie bereits erwähnt, ist nicht unbedingt auf den ersten Blick sichtbar, doch ist er zweifellos vorhanden. Nicht wie in den meisten und neusten Komödien, wie ein dicker Balken, eher wie eine feine Linie, die sich wie ein roter Faden durch das Leben von Mads zieht. Nicht immer zum Lachen, manchmal aber schon und dabei trocken, unverblümt und ehrlich.

Die musikalische Untermalung war gemischt. Melodien im Wechsel mit gesungenen Stücken, die ich eher in die Alternative-Ecke packen würde. Unterhaltsam und zur Atmosphäre des Filmes passend.

Die Authentizität und die Emotionen treten hier weitestgehend gemeinsam auf. Wird der Ausdruck zu doll, klappt es auch nicht mit der Glaubwürdigkeit. Ebenso wie wenn man zu wenig zeigt oder eher stark unterkühlt sein möchte. Da nun dieser Film aus Dänemark kommt, sollte man sich eher an zu wenig, oder weniger, gewöhnen. Da sich der ganze Film um Mads dreht, kann man ihn als bestes Beispiel nehmen. Er ist Dreh- und Angelpunkt, wenn es um die Gefühle geht, und zwar um die Gefühle aller. Mads (gespielt von Thure Lindhardt) bringt es mit seinem Charakter mit der Tiefe und der Glaubwürdigkeit so ziemlich auf den Punkt. Ich habe ihm jedes einzelne – egal ob gesprochene oder gedachte – Wort abgenommen. An seinem Mimikspiel konnte man Enttäuschung, oder auf der anderen Seite, Freude ablesen. Die Nebenfiguren sind vergleichsweise schwächer gewesen. Das liegt aber vermutlich auch an der mangelnden Screentime. Zu oft werden die Protagonisten durchgetauscht.
So bleibt unterm Strich eine eher durchschnittliche Gesamtleistung, wenn man nur einem im gesamten Cast die Wahrheit seiner Emotionen abnimmt.

Neben Thure Lindhardt blieb mir noch Rosalinde Mynster im Kopf, sie spielt Julie. Sie ist, zumindest zeitweise, in ihrer Vielfalt und dem Facettenreichtum gut anzusehen. Sie versprüht eine Art Ideenreichtum, bringt frischen Wind in den Film und verfolgt selbst auch kreative Ziele. Obwohl sie aus einem snobistischen Haushalt kommt, hat sie die gleichen Vorstellungen von Leben und Freiheit. Das Potential, das ihrer Figur inneliegt, wird leider nie ganz ausgeschöpft und geht hinterher sogar noch etwas unter.

die-wahrheit-ueber-maenner_dvdMeine Meinung:
„Die Wahrheit über Männer“, ein Film aus Dänemark.
Selten hört, sieht oder liest man etwas über Filme, die in Dänemark, unserem nördlichen Nachbarn produziert werden. Schade, denn ich hätte es mir gewünscht, früher von diesem Streifen etwas zu wissen und zwar aus folgendem Grund: Er hat mir Spaß gebracht. Ich habe hier einen grundsoliden Film gesehen, der manchmal leichtfüßig, manchmal etwas schwerer daherkam und mich meinen Alltag hat vergessen lassen, indem ich Zeuge wurde, wie jemand anderes seinen Alltag verlassen hat. Kurios.

Nikolaj Arcel hat hier keinen makellosen Film geschaffen. Natürlich hat er seine Schwächen, aber seine Stärken überwiegen, vielleicht zwar nicht in der Punktevergabe, dafür aber auf jeden Fall von meinem Gefühl.
Wer eine anti-romantische Komödie sehen möchte, sollte „Die Wahrheit über Männer“ nicht auslassen.

Meine Wertung:
Spannung: 6,0 von 10
Humor: 7,5 von 10
Musik: 7,0 von 10
Länge: 6,5 von 10
Authentizität: 7,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,5 von 10
GESAMT: 6,8 von 10

Die Feuerzangenbowle

die-feuerzangenbowle_coverTitel: Die Feuerzangenbowle
Genre: Komödie / Romanverfilmung
Regie: Helmut Weiss
Musik: Werner Bochmann
Produzenten: Heinz Rühmann
Dauer: ca. 92 Minuten
Erscheinungsjahr: 1944
Altersfreigabe: FSK 12

„Dr. Johannes Pfeiffer, ein junger erfolgreicher Schriftsteller, muss bei einer feuchtfröhlichen Herrenrunde erkennen, dass er während seines Privatunterrichts einiges verpasst hat: All die köstlichen Pennälerstreiche seiner Freunde hat er nie erlebt. Also entschließt er sich, das Versäumte nachzuholen.
Als Gymnasiast verkleidet, drückt er noch einmal die Schulbank. Seine haarsträubenden Streiche bringen die Lehrer auf die Palme und Pfeiffer (mit drei f) eine aufregende Liebesaffäre.“
(Rückentext der DVD)

„Die Feuerzangenbowle" von 1944 basiert auf dem gleichnamigen Roman von Heinrich Spoerl

„Die Feuerzangenbowle“ von 1944 basiert auf dem gleichnamigen Roman von Heinrich Spoerl

Jeder kennt sie und fast jeder hat sie schon mal getrunken: Die Feuerzangenbowle.
Es ist kurz vor Weihnachten und man kann schon sagen, dass die Weihnachtszeit begonnen hat. Ich erinnere mich, wie mein Vater und ich mal gewollt, mal zufällig im öffentlich rechtlichen Fernsehen genau diesen Film viele Jahre in Folge gesehen haben. Inzwischen ist viel passiert und ebenjener Film, der mich an gemeinsame Zeiten erinnert, ist nun auf DVD in meinem Besitz. Ich habe ihn mir heute angeschaut, obwohl ich ihn schon gefühlt 10 bis 15 Mal gesehen habe.

Die Geschichte ist linear erzählt und lebt von der Hauptfigur Dr. Johannes Pfeiffer. Der Zuschauer erlebt alles das, was Pfeiffer (mit drei f) erlebt und steht ihm bei seinen Streichen, wie seine Kameraden, zur Seite. „Die Feuerzangenbowle“ konfrontiert auch den Zuschauer mit seiner eigenen Schulzeit und so habe ich mich immer wieder an Begebenheiten meiner Schulzeit erinnert, als ich nicht unbedingt dem Lehrer, sondern viel mehr meinen Mitschülern, freundschaftliche Streiche gespielt habe.

Regie hat Helmut Weiss geführt

Regie hat Helmut Weiss geführt

Aber wie sind nun die Figuren, in dieser deutschen Komödie von 1944? Klar, selbst ich bin zu jung, um auf der Höhe dieses Humors zu sein. Ich bin auch mit „Full House“, „Alle unter einem Dach“ oder „Eine starke Familie“ aufgewachsen. Für 1944 hingegen ist sowohl die Darstellung, als auch der komödiantische Einschlag großes Kino. Heinz Rühmann spielt hier den Dr. Johannes Pfeiffer und wirkt anfänglich so, als sei er in einer Midlife-Crisis und will noch einmal die besten Zeiten in seinem Leben erleben, die er so nie hatte. Seine neu gefundenen Freunde passen perfekt in dieses Schauspiel und die Lehrer erscheinen tatsächlich moderner als sie es zu der Zeit vielleicht gewesen sind.
Daher muss ich sagen, dass in diesen 92 Minuten sowohl die Handlung, als auch die Schauspieler gut harmoniert haben. Von der Originalität her hat es gepasst.

Die Gefühle spielen in diesem Streifen eine untergeordnete Rolle. Eine kleine Liebesaffäre in einem Nebenstrang der Geschichte wird zwar gesponnen, aber sie ist nettes Beiwerk und keineswegs für die Unterhaltung ausschlaggebend.
Vielmehr versprüht dieser Film Freude, Lust am Leben und am Jungsein und zum Schluss führt er einem vor Augen, dass wir alle vermutlich nur in der Schulzeit wirklich unbekümmert waren und auch nur dort unsere Gelegenheit war, es zu sein.die-feuerzangenbowle_loblied

Das Setting hat sehr gut gepasst. Die meiste Zeit spielt „Die Feuerzangenbowle“ in einer Schule, denn ebenjener Schauplatz ist Dreh- und Angelpunkt, wenn man Dinge aus der Schulzeit nachholen möchte. In diesem Fall muss ich auch sagen, dass das Kamerabild nicht viel hergab, denn der Streifen ist komplett in schwarz/weiß und daher kann ich nicht viel Beurteilendes zu den Kostümen und Masken sagen, außer, dass sie funktioniert haben.

Die Länge ist hier mit 92 Minuten absolut passabel. Der Film ist dabei nie sonderlich ausschweifend oder zu knapp gehalten. Stattdessen gibt es kurzweilige Unterhaltung, die auch zum Lachen ist.

Zum Ende meiner Rezension füge ich ein Zitat aus dem Film an. In der Schlussszene schaut Heinz Rühmann in die Kamera und sagt:

„Wahr an der ganzen Sache ist nur der Anfang. Die Feuerzangenbowle. Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen, die Träume, die wir spinnen und die Sehnsüchte, die uns treiben, damit wollen wir uns beschreiben.“

die-feuerzangenbowle_dvdMeine Meinung:
Ein Klassiker aus dem Jahre 1944. Damals hieß das ganze noch „ein heiterer Film“ heute nennt man es Komödie. Tatsächlich sind damalige Filme mit denen von heute nicht zu vergleichen.
Die Heinz Rühmanns und die Heinz Erhardts von damals wurden durch die Ben Stillers und Adam Sandlers ausgetauscht. Immer mehr Spezialeffekte zeigen mit dem Zeigefinger auf die Pointen und der Zuschauer muss einfach nur lachen. Der Witz ist flach geworden und auf die breite Masse ausgelegt.
Vielleicht ist „Die Feuerzangenbowle“ nicht zeitgemäß oder aufregender als neue Filme, aber über weite Strecken ist sie unterhaltsamer und witziger als die meisten Komödien, die heutzutage in den Traumfabriken auf der ganzen Welt erstellt werden.

Ich mag diesen Film und ich werde ihn mir gerne ein weiteres Mal anschauen. Und wenn meine Herzdame dazu bereit ist, freue ich mich darauf, ihr diesen Steifen zu zeigen und vielleicht auch das ein oder andere Glas Feuerzangenbowle zu trinken.

Bis dahin bekommt er folgende Bewertung:

Meine Wertung:
Story: 7,5 von 10
Humor: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 7,5 von 10
Gefühle/Emotionen: 5,0 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 7,4 von 10