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Zwei Kurze, bitte! #8

Die heutige Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“ wird aus Deutschland dominiert. Richtig gelesen. Der deutsche Film kann was und ich bin so froh darüber, dass ich mir diese beiden Filme angeschaut habe. Dabei sind „Die vierte Macht“ von Dennis Gansel und Fatih Akins „Soul Kitchen“, gleichzeitig heißt es auch zweimal Moritz Bleibtreu.

Titel: Die vierte Macht (2012)
Regie: Dennis Gansel
Genre: Thriller

Ein deutscher Thriller? Und was für einer! Paul Jensen ist Journalist und geht nach Moskau. Er soll als Klatschreporter einem alten Magazin neues Leben einhauchen und knüpft dort Kontakte. Unter anderem auch zur geheimnisvollen Russin Katja, die selbst auch Journalistin ist. Bei einem Bombenanschlag stirbt Katja, und Paul steht unter Verdacht, den Anschlag verübt zu haben. Paul wird instrumentalisiert, doch wenn er nicht im russischen Geheimgefängnis sterben will, muss er anfangen, die Puzzleteile zusammenzusetzen.
Selten habe ich einen so spannenden Thriller aus Deutschland gesehen, der mit einem vernünftigen Unterbau daherkommt, wie „Die vierte Macht“. Was die einen Revolution nennen, nennen die anderen Terror, doch wo liegt die Wahrheit und wer will sie wissen?
„Die vierte Macht“, ein Film, der bei vielen unterm Radar fliegt. Das sollte sich ändern, am besten gleich jetzt!

Titel: Soul Kitchen (2009)
Regie: Fatih Akin
Genre: Komödie

Zinos ist der Betreiber des schlecht laufenden Soul Kitchen, einem Restaurant/Kneipe in Hamburg-Wilhelmsburg. Und da das noch nicht genug ist, zieht seine Freundin nach China, er bekommt einen Bandscheibenvorfall und sein krimineller Bruder platzt in Zinos leben. Mit dem Engagement des exzentrischen Spitzenkochs Shayn beginnt das Rad sich zu drehen, aber Zinos will den Laden loswerden. Doch dann passieren unvorhergesehene Dinge, alle auf einmal.
Fatih Akin inszenierte hier einen wundervoll atmosphärischen und stimmungsvollen Film, der mit einer Leichtigkeit daherkommt und uns einfach nur Zeuge des Lebens werden lässt. Er zeigt die vielen kleinen Problemchen, die jeder irgendwie hat und lässt uns dennoch spüren, wie schön das Leben sein kann, wenn man nur die richtigen Leute, die passende Musik und leckeres Essen hat. Akin hat nicht ganz unrecht, wenn er sein Werk als „neuen Heimatfilm“ bezeichnet, denn genau das ist er auch. Er wirft ein Blick in meine Heimat Hamburg und zeigt Bilder, Architektur und Viertel, die es vor der Gentrifizierung zu schützen gilt. Kulturgut für Jedermann, wenn man so will. Auch wenn es nicht bei jedem so sein wird, aber mir ging „Soul Kitchen“ direkt ins Herz.

Yesterday

Titel: Yesterday
Genre: Musikfilm / Komödie
Regie: Danny Boyle
Musik: Daniel Pemberton
Produzenten: Bernard Bellew / Tim Bevan / Danny Boyle / Richard Curtis / Eric Fellner / Matthew James Wilkinson
Dauer: ca. 111 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 0

„Jack Malik (Himesh Patel) ist ein gescheiterter Singer-Songwriter. Nur seine Jugendfreundin Ellie (Lily James) glaubt unerschütterlich an ihn. Seinen Traum vom großen Durchbruch hat Jack längst begraben. Doch das war gestern! Während eines mysteriösen weltweiten Stromausfalls wird er von einem Bus angefahren – und als er wieder zu Bewusstsein kommt, ist er der einzige Mensch, der sich an die Beatles erinnert! Mit den Songs der berühmtesten Band der Welt verzaubert Jack schnell sein ahnungsloses Publikum und wird über Nacht zum Superstar. Aber was nützt ihm all der Ruhm, wenn das, was er liebt, zurückbleibt? Um Ellie nicht zu verlieren, muss Jack erkennen, wo er hingehört…“
(Rückentext der DVD)

Meine Affinität zu Musikfilmen oder Musicals sollte den allermeisten aufgefallen sein, darum ist es wenig verwunderlich, dass ich mir jetzt „Yesterday“ angeschaut habe. Ein Film, der den Songs der Beatles ein bisschen mehr ein Denkmal setzt, als es „Across the Universe“ getan hat.

Die Story ist simpel: Nach einem weltweiten Stromausfall sind unter anderem die Beatles aus dem Gedächtnis der Welt gelöscht. Einzig der semiprofessionelle Singer-Songwriter Jack, der zum Zeitpunkt des Stromausfalls von einem Bus angefahren wird, erinnert sich an die Lieder und die Band. Er steigt auf zum Star und schmettert die Songs dieser großartigen Band.

Es gab kaum ein Lied, dass ich nicht mitsingen konnte, es gab auch kaum ein Lied, das ich nicht mochte. Ich bin ein Fan der 1960er Jahre, der Musik und der Beatles und damit hat der Streifen schon ordentlich Vorschusslorbeeren erhalten. Ganz unaufgeregt wird dem Zuschauer die Handlung dargeboten, ganz einfach der titelgebende Song „Yesterday“ inszeniert. Eine Gitarre, eine Stimme – mehr nicht.
In der übrigen Zusammenstellung der Lieder fehlte mein ganz persönliches Lieblingslied der Beatles („While my Guitar gently weeps“), was aber dem ganzen Denkmal und dem Kunstwerk keinen Abbruch tut. Die weitere Handlung ist auch darüber hinaus sehr einfach und leicht zu folgen. Es dreht sich eben alles um die Musik und das Gefühl, das sie vermittelt.

Die Figuren sind wirklich schön und facettenreich verkörpert. Himesh Patel war mir bisher unbekannt, macht aber seine Sache sehr gut. Er trägt das Allermeiste der Handlung auf seinen Schultern und überzeugt in der Darbietung insofern, dass ihm der Erfolg merklich spanisch vorkommt und er dies auch glaubhaft spielt. Lily James spielt die Jugendfreundin Ellie. Sowohl die Hauptfigur als auch die Geschichte an sich sucht diese Figur immer wieder auf und bringt eine gewisse Bodenständigkeit in die Handlung. Der eigentliche Star des Films ist aber ein tatsächlicher Star: Ed Sheeran spielt sich selbst und treibt immer wieder die Handlung an.
Das Besondere des Streifens ist aber, dass sich der Zuschauer in einer wohlig-schönen Welt wiederfindet. Der Film ist einfach, unterhaltsam und spannend zugleich. Das Drumherum – eine anbahnende Romanze – ist dahingehend überhaupt nicht störend, sondern vielmehr zwingend notwendig und würde dem Zuschauer fehlen, wenn es sie nicht gegeben hätte.

Die Musik und das Setting sind einfach nur toll. Ich liebe die Musik der Beatles und wenn man etwas anderes erwartet, wird man hier nicht fündig. Der Streifen ist ein bildgewordenes Denkmal, eine Verankerung der Songs von damals in die heutige Zeit. Kulissen und Drehorte sind passend und abwechslungsreich. Von kleinen Bühnen und Tonstudios bis hin zur Main-Stage ist alles dabei. Besonders skurril ist eine Szene, in der der Titel des Albums diskutiert wird und sich die Hauptfigur unglaublich unwohl fühlt. Witzig erscheint die Szenerie alleine deswegen, weil Jack echte Albumtitel der Beatles vorschlägt und die Produktionsfirma irgendetwas anderes haben will.


Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #49 „Schaue einen Film, in dem es um einen Musiker oder eine Band geht“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
Ich bin so froh, dass ich „Yesterday“ gesehen habe, denn der Film hat mir wirklich Spaß bereitet. Die Geschichte hat mich eingefangen und mithilfe der Musik der großartigen Beatles einfach nicht weggehen lassen. Ich wurde gefesselt und extrem gut unterhalten, so sehr, dass ich ein wenig traurig war, als der Film endete. Einfach aus dem Grund, weil ich diese Musik so sehr mag.

Die Figuren haben mich in der Handlung überzeugt und ich konnte mit ihnen mitfühlen. Auch darüber hinaus war das Gesamtkonzept des Streifens stimmig und stringent. Jedoch sollte man sich zuvor nicht den Trailer anschauen, da man sonst das Gefühl bekommt, dass jegliche Handlung dort bereits verraten wird. Aber keine Sorge: „Yesterday“ kann mehr. Das Gefühl der Vorwegnahme verschwindet aber erst am Ende des Streifens.

Von meiner Seite aus gibt es für „Yesterday“ eine Empfehlung. Alle, die Musik mögen, werden ihren Spaß finden; alle, die die Beatles mögen, werden den Film unter Umständen sogar lieben. Denkmal wurde erfolgreich gesetzt!

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 10 von 10
Gefühle/Emotionen: 7,0 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 8,1

Wie das Leben so spielt

Titel: Wie das Leben so spiel (engl.: „Funny People“)
Genre: Komödie / Drama
Regie: Judd Apatow
Musik: Michael Andrews / Jason Schwartzman
Produzenten: Clayton Townsend / Judd Apatow / Barry Mendel
Dauer: ca. 140 Minuten
Erscheinungsjahr: 2009
Altersfreigabe: FSK 12

„Als der erfolgreiche Comedian George Simmons (Adam Sandler) die Chance zu einem Neuanfang bekommt, beschließt er, sein bis dato eher oberflächliches Leben von Grund auf zu ändern. Mit seinem Assistenten, Nachwuchs-Comedian Ira (Seth Rogan), macht er sich daher zu den wichtigsten Menschen und Stationen seines Lebens auf: darunter die Bühne seines ersten Auftritts genauso wie seine verpasste große Liebe Laura (Leslie Mann). Doch wie es aussieht, droht George auch seine zweite Chance gründlich zu vermasseln…“
(Rückentext der DVD)

Es gibt gefühlt unzählige Filme, in denen Adam Sandler einen verpeilten Trottel spielt, aber wie sieht es mit „Wie das Leben so spielt“ aus? Die Geschichte lässt sich gut und kurz zusammenfassen: Die Nachricht über eine Krankheit lässt den Comedian George Simmons nicht ganz kalt. So engagiert er einen Assistenten, der sich um alles kümmern soll – und meldet sich bei seiner großen Liebe Leslie, die gerade an einer ganz anderen Stelle im Leben steht als er. Der Rest ist so vorhersehbar wie Adam-Sandler-like, nämlich viel Quatsch.

„Wie das Leben so spielt“ ist im Genremix Komödie und Drama leider nur mittelmäßig, die Gründe dafür sind vor allem die Inszenierung und die massig verpassten Chancen, auch nur einen Charakter gut dastehen zu lassen. Ich versuche mich aber mal gleichzeitig von beiden Seiten zu nähern. Der Humor ist flach und vulgär. Hin und wieder fand ich es ganz amüsant, den Bauch musste ich mir allerdings nie halten. Vor allem die Witze zu den männlichen Geschlechtsteilen sind auf die Dauer und in der Masse einfach zu viel. Dreiviertel der Witze sind außerdem auch sehr alt und waren es auch schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Streifens. Auf der anderen Seite haben wir das Drama, das sich mit der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und des eigenen Erbes auseinandersetzen könnte. Stattdessen bahnt sich eher eine Liebelei in einer mehr als vorhersehbaren Geschichte an, dessen Ende man auch genau so auf einer Müsliverpackung hätte schreiben können und es würde niemanden stören. Es ist jedoch so, dass der Streifen vor allem genau das bedient, was man mit Adam Sandler verbindet, ein bisschen Quatsch und kaum bis keine ernsteren Töne.

Die Figuren verhalten sich dementsprechend. Seth Rogen, Adam Sandler, Jonah Hill usw. hätten eins zu eins ausgetauscht werden können und es würde niemandem auffallen. Das Besondere am Cast sind dann doch eher die ganzen Cameo-Auftritte von beispielsweise Eminem, Ray Romano und Sarah Silverman. Ansonsten verhalten sich alle Figuren einfach stereotypisch und blass. Keine einzige Darbietung ist ergreifend oder lässt auch nur ansatzweise Empathie aufkommen. Allen voran Seth Rogen und Adam Sandler scheinen in diesem Film nicht in der Lage zu sein, das Geschehen auf ihren Schultern zu tragen und eine ernsthafte und zu würdigende Leistung abzurufen. Zu weit sind die Figuren von der Realität entfernt, zu banal die Bedürfnisse und zu eindimensional die schauspielerische Leistung.

Das Setting ist auch komplett austauschbar. Das Szenenbild ist schnöde, langweilig und nichtssagend. Einzig eine Clubbühne, auf der die Comedians ein paar Mal auftreten, hat Charme und wirkt in gewisser Weise echt. Die Kulissen spielen in der Handlung absolut keine Rolle. Die Musik hingegen versucht, den richtigen Ton zu treffen und schafft es auch erstaunlich oft. „Keep me in your Heart“ von Warren Zevon hat es direkt auf meine Playlist geschafft. Die übrigen Stücke schaffen es ebenfalls, die Handlung zu untermalen und das kann sich durchaus sehenlassen.

Meine Meinung:
„Wie das Leben so spielt“ ist definitiv kein Spannungsgarant oder ein emotionales Feuerwerk, vielmehr ist er ein Film, den man mögen muss, um ihn zu gucken. Zum Berieseln reicht es und wenn er irgendwann im TV läuft, kann man ihn sich bestimmt mal anschauen, aber wenn man Alternativen hat, sollte man eher zu denen greifen, denn die 140 Minuten Laufzeit reizen jegliche Toleranz aus und verlangen viel zu viel vom Zuschauer.

Wer allerdings auf den leicht infantilen bis blödelartigen Humor à la „Jungfrau (40), männlich, sucht“ oder „Superbad“ steht, der findet mit „Wie das Leben so spielt“ genau das, was er braucht. Gute Unterhaltung sieht unterm Strich allerdings anders aus. Mein ganz persönliches Empfinden ist eher ein „Okay“, Punkte gibt es dieses Mal allerdings nicht allzu viele.

Meine Wertung:
Humor: 4,0 von 10
Spannung: 4,0 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 5,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 3,0 von 10
Musik: 6,0 von 10
Setting: 3,0 von 10
GESAMT: 4,3

The Gentleman

Titel: The Gentleman
Genre: Action / Gangsterfilm / Komödie
Regie: Guy Ritchie
Musik: Christopher Benstead
Produzenten: Guy Ritchie / Ivan Atkinson / Bill Block
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 16

„Der smarte, knallharte Exil-Amerikaner Mickey Pearson (Matthew McConaughey) hat sich über die Jahre hinweg ein millionenschweres Marihuana-Imperium in London aufgebaut. Doch Mickey will nun aussteigen, um endlich mehr Zeit mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery) zu verbringen. Ein Käufer für die Hanf-Plantagen muss her – Auftritt: Matthew Berger (Jeremy Strong). Doch der exzentrische Milliardär will für sein hohes Gebot auch Garantien sehen. Ausgerechnet in dem Moment, in dem auch sämtliche Groß- und Kleinkriminellen der Stadt Wind von Mickeys Plänen bekommen haben. Während Mickeys rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) seinen Boss den gröbsten Ärger vom Hals hält, überbieten sich alle mit Tricks, Bestechung, Erpressung und anderen fiesen Täuschungen…“
(Rückentext der DVD)

Seit dem 10.07.2020 ist Guy Ritchies „The Gentleman“ auf DVD und BluRay erhältlich. Zum Heimkinostart habe ich ein Rezensionsexemplar erhalten. Etwas verzögert könnt ihr bei mir nachlesen, wie ich den Streifen empfunden habe.

Ich persönlich werde immer mehr zum Guy-Ritchie-Fan. Sein 2015er „Codename U.N.C.L.E.“ hat mich lange Zeit sehr begeistert und schürte dadurch die Erwartungen an „The Gentleman“. Aber was kann dieser Film?

Sicher ist, dass auch dieser Film ein klassischer Guy Ritchie ist. Getreu dem Motto „Nichts ist so beständig wie die Veränderung“ ist auch dieser Film nicht mit seinen anderen Werken zu vergleichen. Was ich aber bedenkenlos sagen kann, ist, dass hier ein Filmemacher genau das getan hat, was ihn von anderen Filmemachern unterscheidet: Er hat eine Geschichte erzählt, die wendungsreich, spannend, witzig und aufregend ist.

Der gesamte Film dreht sich um die Abwicklung von Mickey Pearsons Geschäft an einen Milliardär. Dabei zeigt er Hintergründe auf, wie und warum Mickey zu dem geworden ist, was er ist und mit welchen Leuten er welche Deals hat. Die Erzählweise ist dabei besonders. Ohne viel vorweg zu nehmen: Sie wartet mit Perspektivwechseln und einigen Überraschungen auf.

Die Stärken des Films sind jedoch breit gefächert.
Optisch setzt der Streifen keine Highlights, viel Grau in Grau – klassisch britisch – aber dafür authentisch.
Ab der ersten Minute gibt es Szenen, die besonders gut gelungen sind oder einfach zum Stil des Films gepasst haben. Rückblickend betrachtet zelebriert sich der Streifen mit einem Vorspann, der in der Länge und Intensität an das Kino der 1950er- und 1960er-Jahre erinnert, selbst. Allein dieser Vorspann hat einen enormen Coolness-Faktor. Auch darüber hinaus werden Momente inszeniert, die vor Coolness und Stil strotzen. Es bereitet einfach einen Riesenspaß, sich diesen Streifen anzuschauen und mitgenommen zu werden.

Maßgeblich beteiligt sind die Darsteller, die allesamt absolut authentisch sind. Klar, wir müssen uns nicht über große Gefühle unterhalten, aber das schmälert keineswegs die Leistung jedes Einzelnen. In seinem Spektrum und seiner Vielfalt bietet „The Gentleman“ nicht nur eine enorme Fülle verschiedenster Charaktere, sondern erinnert an die jungen Tarantino-Filme, die Ähnliches zu bewerkstelligen vermochten.
Ebenso stark wie die Figuren sind auch die Dialoge, die ebenfalls an ein „Pulp Fiction“ oder „Inglourious Basterds“ erinnern.

Der Film macht einfach unfassbar viel richtig und verdammt wenig falsch. Die Laufzeit ist aber sowohl Fluch als auch Segen, denn einerseits wäre ich gerne noch ein, zwei Stunden bei den Figuren geblieben, andererseits ist „The Gentleman“ ein kurzweiliger Spaß.
Aber wie heißt es so schön: „Ein guter Film kann nicht lang genug sein, ein schlechter Film nicht kurz genug.“

Zu guter Letzt das Setting. Es ist stimmig und unterhaltsam. Es macht Spaß. Grau in Grau juckt niemanden, es gehört einfach zum Charme. Schnitte sind toll und passen sich dem Tempo der Geschichte an. Sie sind maßgeblich an der Entfaltung der Geschichte beteiligt und die Musik ist einfach ein Knaller.

Meine Meinung:
„The Gentleman“ kann der nächste große Kultfilm sein. Rückblickend betrachtet fühlt sich der Streifen wie der „Kansas-City-Shuffle“ an. Er ist einfach so überraschend witzig, spannend und unterhaltsam. Außerdem spricht er sowohl von der Tonalität als auch von der Handlung eher Menschen an, die etwas mit Gangsterfilme anfangen können.

Ich kann nicht anders als eine klare Empfehlung auszusprechen und ihn als ein Highlight zu bezeichnen. Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß mit einem Film aus dem Gangster-Genre.

Meine Wertung:
Spannung: 9,0 von 10
Story: 10 von 10
Humor 8,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 10 von 10
Musik: 9,5 von 10
GESAMT: 8,9

Zwei Kurze, bitte! #6

Heute habe ich eine besondere Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“ für euch, denn es gibt ein kurzes „OSS 117“-Special. Ja, ihr habt richtig gelesen, ein SPECIAL!
Mit dabei, wen wundert es, „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“ und „OSS 117 – Er selbst ist sich genug“. Ich wünsche euch gutes Durchhalten, denn von nun an geht es bergab.

Titel: OSS 117 – Der Spion, der sich liebte (2006)
Regie: Michel Hazanavicius
Genre: Agentenparodie

Im Jahre 1955 ist Ägyptens Hauptstadt Kairo ein Schmelztiegel. Geheimagenten aus der ganzen Welt versammeln sich dort. Um für Ordnung zu sorgen, beschließt der französische Präsident, seinen besten Mann zu schicken, den Helden Europas: Hubert Bonisseur de La Bath, auch bekannt als OSS 117. Und damit nimmt das Unheil seinen Anfang. Auf ausgedehnten 95 Minuten schafft es diese schlechte Agentenparodie nicht einmal, mich zum Lachen zu bringen. Ich kann nur mutmaßen, woran es liegt. Ob es aber die Synchronisation, der fehlende Witz in der Handlung oder einfach die selbstverliebte Darstellung einer mittelmäßigen Figur ohne Talent ist, kann ich nicht ganz genau ausmachen. Die Hauptfigur will sich und das Agenten-/Spionage-Genre aufs Korn nehmen, bekommt es aber zu keiner Sekunde hin, Witze zu produzieren, die über ein infantiles Gehabe hinausgehen.
Pure Zeitverschwendung die Erste.

Titel: OSS 117 – Er selbst ist sich genug (2009)
Regie: Michel Hazanavicius
Genre: Agentenparodie

Ende der 1960er Jahre ist OSS 117 in Südamerika. Genauer: in Rio. Dieses Mal soll OSS 117 eine Liste mit Nazi-Kollaborateuren auftreiben. Es wird tatsächlich etwas weniger infantil, dafür etwas mehr bissig. Dennoch knüpft der zweite Teil mehr oder weniger nahtlos an seinen Vorgänger an, zumindest wenn es um den Humor geht. Inhaltlich ist aber auch Teil 2 genauso leer wie sein Vorgänger. Minimal witziger sind dieses Mal die Dialoge, die aber dennoch nicht rechtfertigen, warum man sich diesen Streifen anschauen sollte. Ich kann allen empfehlen, einen weiten Bogen um diese beiden Teile zu machen.
Pure Zeitverschwendung die Zweite.

Kingsman: The Golden Circle

Titel: Kingsman: The Golden Circle
Genre: Action / Komödie
Regie: Matthew Vaughn
Musik: Henry Jackman / Matthew Margeson
Produzenten: Matthew Vaughn
Dauer: ca. 135 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 16

„‚Kingsman: The Secret Service’ macht die Welt mit den Kingsman bekannt – einem unabhängigen, internationalen Geheimdienst, der auf höchstem Level von Diskretion operiert und dessen ultimatives Ziel es ist, die Welt sicher zu halten. In ‚Kingsman: The Golden Circle’ müssen sich unsere Helden einer neuen Herausforderung stellen. Nachdem ihr Hauptquartier zerstört wird und die ganze Welt in Gefahr gerät, führt sie ihre Reise zur Entdeckung einer verbündeten US-Spionageorganisation namens Statesman, die bis in die Tage der Gründung beider Organisation zurückreicht. In einem neuen Abenteuer, das Stärke und den Einfallsreichtum der Agenten bis zum Äußersten fordert, verbünden sich die beiden Elite-Geheimorganisationen. Sie bekämpfen ihren rücksichtslosen gemeinsamen Feind, um die Welt zu retten, was für Eggsy langsam zur Gewohnheit wird…“
(Rückentext der DVD)

Weiter geht es mit den Kingsman. Ich war von „Kingsman: The Secret Service“ wirklich begeistert und habe daher auch nicht umsonst mein Highlight-Siegel vergeben. Stellte sich natürlich nur die Frage, ob es die Kinsgman schaffen, mich auch mit ihrem Nachfolger zu unterhalten.

Die Handlung dreht sich wieder einmal um den ehemaligen Nachwuchs-Kingsman Eggsy, der inzwischen zu einem richtigen Agenten herangereift und ausgebildet ist. In „Kingsman: The Golden Circle“ werden die Kingsman mit den Statesman zusammenarbeiten müssen, um eine weltweite Bedrohung besiegen zu können.

Vorab: Teil eins und Teil zwei kann man nur bedingt miteinander vergleichen. „The Secret Service“ beruhte seinerzeit noch auf einen Comic, „The Golden Circle“ hat diese Vorlage nicht und dennoch ist diese Fortsetzung eine logische Schlussfolgerung, die aus den Erfolgen des ersten Teils resultiert.
Dabei kann man sagen, dass „Kingsman“ nicht dem Klischee unterliegt – Teil zwei steht seinem Vorgänger nämlich in nichts nach.

Aber wie gut ist „Kingsman: The Golden Circle“? Finanziell gesehen hatte „The Secret Service“ ein paar Millionen weniger zur Verfügung als „The Golden Circle“, wohingegen beide in etwa die gleiche Summe eingespielt haben. Demnach sollte „The Secret Service“ der bessere – weil erfolgreichere – Film sein. Ich denke allerdings, dass es einfach nur daran liegt, dass „The Secret Service“ das eingestaubte Image von Agentenfilmen aufpoliert hat und durch seinen Witz überrascht und zeitgleich unterhalten hat.
Wenn ich mir allerdings die Figuren anschaue und dabei strikt zwischen gut und böse trenne, dann habe ich auf der guten Seite allen voran Eggsy und die Kingsman, die nach wie vor sehr stilecht und stylisch daherkommen und zusätzlich gibt es die Statesman. Sie unterscheiden sich nicht nur im Aussehen von den Kingsman, sondern auch im Equipment. Ihre Südstaaten-Kleidung lässt sie wie Cowboys wirken, in Kombination mit der Ausrüstung ergibt dies ein verrückt-witziges Bild. Auf der bösen Seite gibt es hingegen eine Organisation unter der Führung einer Frau – Poppy Adams. Ihre charakterlichen Eigenschaften lassen sich nicht komplett trennscharf aufzeigen oder nennen. Sie ist nämlich ein durchaus rational handelnder Akteur, der aber auch seine emotionalen, blutrünstigen und unberechenbaren Momente hat.

Aber wie schneidet „The Golden Circle“ im Vergleich zu seinem Vorgänger ab?
Ich weiß, weiter oben habe ich gesagt, dass er seinem Vorgänger in nichts nachsteht, dennoch gibt es da eine Sache, die ich mal ansprechen muss. Wie so oft, wenn es um Gut gegen Böse geht, steht und fällt eine Geschichte mit seinem Antagonisten. Ist er zu mächtig, kann ein Film auch sehr schnell frustrierend sein. Ist er hingegen zu lasch, ist der Streifen sehr leicht zu durchschauen oder ggf. nicht sonderlich spannend. Poppy Adams, gespielt von Julianne Moore, lässt mich in vielerlei Hinsicht zwiegespalten zurück. Das liegt nicht daran, dass sie zu mächtig oder zu schwach gewesen ist, sondern vermutlich daran, dass in „The Secret Service“ ein hervorragender Samuel L. Jackson performed hat und gleichzeitig die Protagonisten persönlichen und aberwitzigen Kontakt zum Antagonisten hatten. Im Prinzip fehlte mir vermutlich das Salz in der Suppe. Das ist aber auch nur Meckern auf hohem Niveau.

Von der größten Schwäche zur größten Stärke:
Genau da wartet der Streifen mit mehreren Dingen auf. An der Narration und einigen sehr tollen Spannungsbögen in der stringenten Handlung hat sich nichts verändert. Da sind beide Filme wirklich gleichwertig. „The Golden Circle“ sticht aber in den Punkten Musik und Spezialeffekte respektive Action hervor.
Die Songs im Streifen werden auf eine extrem unterhaltsame wie spannende Weise verwendet. Es fühlt sich einfach alles genau richtig und stimmig an.
Die Kombination aus Action und Musik wird oft verwendet, um die Geschichte voranzutreiben und auch das funktioniert exzellent.
Vor allem der Endkampf mit der musikalischen Untermalung des Songs „Word Up“ von The BossHoss hat auf sehr vielen Ebenen etwas zu bieten. Die Inszenierung, die Kameraführung, die Effekte und die Musik harmonieren besonders gut, sodass man durchaus das Staunen beginnt.

Setting und Kostüme sind originell, glaubwürdig und fügen sich in den Gesamteindruck eines wertigen Films.

Zu guter Letzt: Was bleibt von der Handlung übrig?
Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, kann man durchaus sagen, dass es schon ein paar Wendungen gibt, die aufgrund der Spannung ihre Daseinsberechtigung haben. Der Inhalt der Geschichte ist – ehrlicherweise – aber nicht sonderlich gehaltvoll. Als Zuschauer hat man aber definitiv seinen Spaß und wird sehr gut unterhalten. Die Handlung brilliert, ebenso wie bei seinem Vorgänger, durch ihre Absurdität und ihren Witz.

Meine Meinung:
„Kingsman: The Golden Circle“ hat mich keineswegs überrascht, denn ich bin davon ausgegangen, dass er meine hohen Erwartungen erfüllen kann. Durch die Statesman bekommt die Handlung bzw. Rahmengeschichte eine weitere Tiefe und lässt dadurch gleichzeitig die Tür für ein Spin-Off offen. Insgesamt mag ich die Geschichte um Eggsy und die Kingsman sehr gerne und bin froh darüber, dass es auch bald ein Prequel zu den Kingsman geben wird.

Das Erfreuliche ist, dass das Erbe von „The Secret Service“ nicht mit Füßen getreten wurde, stattdessen wurde auf die guten Elemente des Vorgängers aufgebaut eine sehenswerte Fortsetzung gedreht. Ich hatte meinen Spaß und kann ohne jeden Zweifel auch diesen Streifen sehr empfehlen.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Action: 8,0 von 10
Humor: 7,0 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotion: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Setting: 9,5 von 10
Musik: 8,5 von 10
GESAMT: 8,2

Reihenfolge:
1. Kingsman: The Secret Service
2. Kingsman: The Golden Circle

Fanfan & Alexandre

Titel: Fanfan & Alexandre (franz. „Fanfan“)
Genre: Komödie / Romantik
Regie: Alexandre Jardin
Musik: Nicolas Jorelle
Produzenten: Alain Terzian
Dauer: ca. 87 Minuten
Erscheinungsjahr: 1993
Altersfreigabe: FSK 12

„Für Alexandre ist die Liebe ein unaufhörlicher Traum. Als ihm seine langjährige Freundin Laure ausgerechnet zum Valentinstag ein paar Pantoffeln schenkt, ist er schockiert. Um seine Liebe nie am Alltagstrott zerbrechen zu lassen, beschließt er, eine Frau zu umwerben, ohne dem Begehren je nachzugeben. Die hübsche Fanfan scheint ihm dafür ideal. Sie ist strahlend, sinnlich und ungezwungen. Fanfan zu verführen, ohne sie zu küssen oder zu berühren, wird Alexandres Obsession. Fanfan hingegen setzt all ihre Fantasie ein, um Alexandre von seinem Vorsatz abzubringen. Die leidenschaftlichen Spiele bringen das Paar an seine Grenze des Verlangens, dahin, wo der Schmerz beginnt und die Vernunft schwindet.“
(Rückentext der DVD)

Ein Film aus meiner Kindheit, mit dem ich, sozusagen, aufgewachsen bin. Schon seit einigen Wochen erzähle ich meiner Herzdame von diesem Film und jetzt habe ich zwecks Kaufs einfach mal gezielt danach gesucht.
Noch am selben Abend schmiss ich die DVD ein und schaute mir den Streifen an.

„Fanfan & Alexandre“ ist eine französische Liebeskomödie aus den frühen 1990er Jahren und ist für mich natürlich einer dieser besonderen Filme.
Die Handlung ist im Prinzip sehr einfach zusammengefasst: Alexandre möchte der Langweile seiner Beziehung entfliehen und Fanfan verführen, dabei aber seiner Verlobten immer treu bleiben. Ich persönlich finde es ja schwierig, wenn ein Mann eine andere Frau begehrt und dabei in einer Beziehung ist. Da muss man sich schon die Frage stellen, wo die Freundschaft aufhört und wo Betrug anfängt.

Der Humor ist pointiert und auch ein wenig schlüpfrig, dabei aber nie infantil und auch nicht so, dass man sich schämen müsste. Auch in Momenten, in denen es gar nicht witzig zugeht, musste ich zumindest schmunzeln, weil die Situation witzig, absurd oder einfach nur schön ist. Grundsätzlich zum Witz muss gesagt werden, dass er nie besonders verschleiert auftritt.

Spannung ergibt sich aus der ganzen Konstellation wie von selbst. Es bringt Spaß, Sophie Marceau und Vincent Perez miteinander agieren zu sehen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie ihre Figuren facettenreich, liebevoll und auf ihre eigene Art verschroben darstellen. Der ganze Handlungsverlauf ist förmlich darauf ausgelegt, einfach überaus interessant zu sein.

Ich kann nicht objektiv beschreiben, wie die Emotionen auf mich gewirkt haben oder wie glaubhaft ich die Figuren finde, denn dieser Streifen ist ein Teil meiner Kindheit. Ich habe schon im frühen Kindesalter dieses Werk mehrfach bestaunt und ich war jedes Mal schwer begeistert.
Auch bei meiner jetzigen Sichtung bin ich mehr als begeistert gewesen. Und zwar so sehr, dass ich einfach nur meiner Kindheitserinnerungen fröne und auf einer Welle des Enthusiasmus reite.

Die Musik erinnert stark an die Wiener Klassik und ist gleichermaßen ein erfrischendes Stilmittel, das die Handlung aufbauscht, unterstreicht und auch in gewisser Weise auf seine ganz eigene und schöne Weise kommentiert.

Das Setting ist altbacken. Zumindest sieht dieser Film aus den frühen ’90ern aus, wie einer aus den frühen ’80ern. Die meisten Filme aus dieser Zeit haben nicht mit einem besonders hochwertigen Look trumpfen können, „Fanfan & Alexandre“ ebenfalls nicht, aber dennoch muss ich sagen, dass es in diesem speziellen Fall stimmig ist und nicht stört.

Meine Meinung:
Ich habe inzwischen einige romantische Komödien gesehen, doch zu keinem dieser Filme hatte ich eine so enge Bindung wie zu diesem Streifen. Meine Bewertung wird daher auf jeden Fall nicht gänzlich objektiv ausfallen.

„Fanfan & Alexandre“ ist nicht der witzigste, spannendste oder tiefgreifendste Film, den ich kenne, aber er ist einer dieser Filme, die in ihrer Komposition einzigartig und wunderbar sind. Für mich ist dieses Werk perfekt, wenn ich allerdings wirklich streng über meine eigene Empfindung hinwegsehe und eine professionelle Bewertung abgeben müsste, dann sähe sie wie folgt aus:

Meine Wertung:
Humor: 6,0 von 10
Spannung: 7,5 von 10
Story: 7,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,5 von 10
Setting: 6,5 von 10
GESAMT: 7,5

Iron Sky

Titel: Iron Sky
Genre: Science-Fiction / Komödie
Regie: Timo Vuorensola
Musik: Laibach / Ben Watkins
Produzenten: Tero Kaukomaa / Samuli Torssonen / Oliver Damian
Dauer: ca. 93 Minuten
Erscheinungsjahr: 2012
Altersfreigabe: FSK 12

„Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges schaffen es die Nazis mit Hilfe von riesigen Ufos, sogenannten Reichsflugscheiben, die dunkle Seite des Mondes zu besiedeln. Als sie im Jahr 2018 zufällig von einer amerikanischen Mondmission entdeckt werden, sehen sie ihre Zeit gekommen, um wieder nach der Weltherrschaft zu greifen. Von nun an lastet das Schicksal der Menschheit auf den Schultern von Renate Richter (Julia Dietze), einer von der Nazi-Ideologie überzeugten Lehrerin mit Gretchen-Frisur. Auf der Erde angekommen wird ihr jedoch schnell bewusst, dass sie ihr Leben lang einer Lüge aufgesessen ist. Nur wie soll es ihr gelingen, ihren machtbesessenen Verlobten Klaus Adler (Götz Otto) und dessen Götterdämmerung aufzuhalten?“
(Rückentext der BluRay)

Nummer vier ist gezogen. Die ersten drei Filme waren „Ohne Limit“, „Codename U.N.C.L.E.“ und „Die Abenteuer von Tim und Struppi – das Geheimnis der Einhorn“. Heute ist „Iron Sky“ dran und schon folgt meine Kritik.

Die Handlung dreht sich um Nazis, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf die dunkle Seite des Mondes verzogen haben und dort ihre Ideologie ausgelebt haben. Durch Zufall werden sie entdeckt und beschließen, in die Offensive zu gehen und die Weltherrschaft wieder an sich zu reißen.

Die Story ist chronologisch und ohne Kniffe, Wendungen, Überraschungen oder andere Besonderheiten erzählt. Das macht es dem Publikum ungemein schwer, die ganze Zeit dran zu bleiben. Auch wenn die Handlung hanebüchen ist, hätte man sie zumindest interessant erzählen oder ausschmücken können.

Spannungstechnisch geht bei diesem Film auch mal rein gar nichts. Die Figuren sind dem Zuschauer so was von egal, dass das persönliche Schicksal einzelner Figuren mehr und mehr in den Hintergrund geraten. Es gibt wenig bis keine Punkte, die den Beobachter an diesen Film binden und das liegt nicht nur an der schwachen Geschichte, sondern vor allem auch an der unzureichenden Charakterzeichnung und dem Cast.

Für eine Science-Fiction-Komödie hatte „Iron Sky“ erstaunlich wenig Humor. Nämlich so ziemlich keinen. Wo mich an anderer Stelle „Spaceballs“ sehr erheitert haben, schafft es dieser Film nicht einmal im Ansatz, auch nur ein Grinsen aus mir herauszubekommen. Von vorne bis hinten ist dieser Streifen im Bereich des Humors eine Katastrophe. Weder pointierte, noch situationskomische Begebenheiten gibt es zu sehen. Stattdessen gibt es pseudowitzige Momente, in denen einfach nichts passiert. Das Witzigste ist noch eine Szene, in der sich zwei Nazis über Schambehaarung unterhalten. Was soll das?

Die Laufzeit beträgt ca. 93 Minuten und jede Minute ist einfach zu lang gewesen. Nach 20 Minuten hat man schon das Gefühl, mindestens eine Stunde geguckt zu haben. Am Ende war der Streifen also deutlich zu lang.

Emotionen werden so gut wie keine gezeigt. Hin und wieder sieht man wenig Glaubhaftes oder irgendwelche Bekundungen, (Treue-)Schwüre oder ähnliches. Die Leistung in diesem Bereich fügt sich nahtlos in den gesamten Film ein.

Insgesamt ist die schauspielerische Leistung durchwachsen. Die Figuren werden alle überspitzt dargestellt. Man versteht zwar den satirischen Charakter, allerdings ist das Bild, das die Schauspieler zeigen, was die Figuren abgeben, einfach schwach, unzureichend und bei weitem nicht witzig. Das ist nicht einmal eine Fehlleistung der Darsteller, sondern einfach nur dem Drehbuch geschuldet, da es offensichtlich keine besseren Ideen hatte.
Julia Dietze und Götz Otto, aber auch Christopher Kirby und Udo Kier sind ja per se deswegen keine schlechten Schauspieler.

Musikalisch orientieren sich die Macher stark an Richard Wagner. Der „Ritt der Walküren“ ist ein Stück, das ich meistens auf Anhieb erkenne. Die Untermalung war erstaunlich abwechslungsreich und auch immer passend. Auch wurde die Musik nicht gänzlich zur Unterstützung verwendet, sondern so in den Film eingebaut, dass sie ein verwendetes Element ist.

Ausgerechnet die Spezialeffekte waren extrem gut anzuschauen. Sie erfüllten ihren Zweck und schienen sehr wertig zu sein. „Science-Fiction made in Finland“ könnte also zu einem Qualitätsmerkmal werden. Schade, dass man bisher nicht so viel davon mitbekommen hat.
Die übrige Kameraführung war unaufgeregt. Besonders in Szenen, die auf den Mond spielen, arbeitet man mit einem Grauschleier, in dem die Farben fast bis zum Schwarzweißen verblasst werden.
Ein Mittel, das auf jeden Fall in den Stil des Streifens passt und so auch ein Stückchen Identität widerspiegelt.

Meine Meinung:
„Iron Sky“ hat mir nicht nur nicht gefallen, er hat mich auch noch zu Tode gelangweilt.
Klamauk und Stumpfsinn sind noch nette Begriffe, mit denen ich diesen Film beschreibe.

Dieser Film hat einfach nichts, was mich glücklich macht. Auch wenn die Effekte gut gemacht sind, gibt es einfach zu viele Dinge, über die ich nicht hinwegsehen kann.

Als ich gelesen habe, dass es davon auch noch eine Fortsetzung geben soll, war ich zutiefst erschrocken, denn das könnte bedeuten, dass es noch so einen schlechten Film gibt.

Für „Iron Sky“ gibt es von mir nicht einmal im Ansatz eine Empfehlung.

Meine Wertung:
Spannung: 2,0 von 10
Humor: 1,0 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 2,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 2,0 von 10
Authentizität: 3,0 von 10
Musik: 7,5 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 3,6

Codename U.N.C.L.E.

Titel: Codename U.N.C.L.E. (engl. „The Man from U.N.C.L.E.“)
Genre: Action / Komödie
Regie: Guy Ritchie
Musik: Daniel Pemberton
Produzenten: John Davis / Steve Clark-Hall / Lionel Wigram / Guy Ritchie
Dauer: ca. 116 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 12

„Anfang der 1960er-Jahre, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, sehen sich CIA-Agent Solo (Henry Cavill) und KGB-Agent Kuryakin (Armie Hammer) gezwungen, ihre jahrelangen Feindseligkeiten zu überwinden, um gemeinsam gegen ein geheimnisvolles internationales Verbrechersyndikat vorzugehen, weil es das empfindliche Gleichgewicht der Supermächte zu destabilisieren droht. Die Agenten haben zunächst nur einen einzigen Anhaltspunkt auf der Suche nach einem verschwundenen deutschen Wissenschaftler – er allein kann ihnen helfen, sich in das Syndikat einzuschleusen.
Inszeniert wurde dieses coole, stylische Action-Abenteuer von Guy Ritchie.“
(Rückentext der BluRay)

Wie schon bei „Ohne Limit“ habe ich auch dieses Mal per Zufallsprinzip einen Film ausgewählt. Anfänglich waren es fünf Filme, die ich zur Auswahl hatte, nun waren es vier. Bleiben noch drei, die ich auf jeden Fall als nächstes schauen möchte. Welche das sind, erfahrt ihr natürlich nach und nach hier auf dem Blog. Heute kümmere ich mich aber erstmal um „Codename U.N.C.L.E.“.

Der Rückentext hilft schon ziemlich gut, den Stoff einzuordnen und gibt eine grobe Richtung vor. Genauer betrachtet steht die Handlung des Filmes aber durchaus in Konkurrenz zu einem James Bond Film. An dieser Stelle muss ich aber auch sagen, wer hier ein Bond-Abklatsch erwartet, wird überrascht und enttäuscht zugleich.

Die Geschichte dreht sich um zwei Superagenten, eine Ost-Berliner-Automechanikerin und Pläne für eine Atombombe. Da steckt unglaublich viel Potential hinter, das der Film nicht gänzlich aber zum größten Teil ausschöpfen kann. Die Inszenierung ist wild, dreckig und absolut stilecht. Die Erzählweise ist chronologisch, spannungsfördernd und witzig mit Elementen, die mehrfach gedeutet werden können. Oder kurz: Man bekommt einen echten Guy-Ritchie-Film. Und das ist auch schon größtenteils das Hauptargument für diesen Film. Natürlich gibt es auch ganz viele andere Punkte, die für „Codename U.N.C.L.E.“ sprechen, aber mit dem Namen des Regisseurs bekommt man schon mal eine gewisse Vorahnung.

Spannung, Emotionen und Originalität laufen unter einem großen Punkt zusammen, nämlich in der Atmosphäre. Guy Ritchie schafft es immer, in seinen Filmen eine ganz besondere Aura zu erzeugen und so reiht sich „Codename U.N.C.L.E.“ grandios in sein filmschaffendes Wirken. Tatsächlich fällt es mir schwer, einen Anfang zu finden.
Alleine die Kombination aus 1960er-Jahre Spionagefilm, den stilechten Schauplätzen, dem Look, der Musik, der Auswahl der Darsteller, der Leistung der Schauspieler, den Figuren und der Thematik, die so typisch, ja gefühlt klischeehaft, ist, aber dann auch so knallhart zu überzeugen weiß, macht diesen Film zum kleinen Highlight.
Die Darsteller: Henry Cavill, Armie Hammer und Alicia Vikander sind überzeugend, authentisch und passen optisch wunderbar in die Zeit, in der der Film spielt. Mit Elizabeth Debicki und Hugh Grant wartet der Streifen mit zwei weiteren wunderbaren Darstellern auf. Durch Sylvester Groth und Christian Berkel wird das Ensemble durch zwei deutsche Schauspieler abgerundet. Ersterer bekommt mehr Screentime und ist auf eine ganz besondere Art und Weise faszinierend und überzeugend.
Auch die Charakterszenen und die daraus resultierenden Dialoge bringen Spaß, haben Witz und überzeugen.

Emotionstechnisch birgt dieser Film viele Facetten. Es gibt Momente, in denen er stark zurückgenommen ist und im nächsten Moment schafft er es, geladen voller Gefühl daher zu kommen und – zwar nicht zu berühren – zu überraschen.
Da stört es auch nicht, dass es für einen kurzen Moment einen Anflug von Klischee gibt. Zum Glück bleibt es bei diesem kurzen Moment.

Zum Setting lässt sich viel sagen, aber nichts Negatives.
Es werden verschiedene Schauplätze genutzt, die auch echt sind und zum Geschehen passen. Von Ost-Berlin bekommt man den vermutlich authentischsten Ort zu sehen: Checkpoint Charlie. Ein Großteil der Geschichte spielt in Italien und auch dort sind die verwendeten Schauplätze stilecht inszeniert. Innenraumaufnahmen fühlen sich an, wie aus einer anderen Zeit. Die Möbel, die verwendeten Requisiten und die Kostüme passen unfassbar gut in die Zeit. Auch die Autos, Motorräder und das Design der Straßen stammen aus den ´60ern.
Die Kameraarbeit und auch die Einblendungen erinnern an alte Filme. Mit großen gelben Lettern fängt der Streifen an und zieht den Zuschauer von der ersten Sekunde an in eine komplett andere Welt. Die Welt von „Codename U.N.C.L.E.“ ist facettenreich, birgt Spannung und hat das gewisse Etwas, das von einem Besitz nimmt.

Die Action beschränkt sich nicht nur auf die üblichen Spionagetätigkeiten, sondern hat da auch ganz klassische Verfolgungsjagden und Schießereien parat. Auch ein unorthodox geführter Faustkampf zwischen zwei Männern veranschaulicht die Bandbreite der genutzten Action. Effekte und Aktionen, die im Zuge der aufregenden Szenen verwendet werden, sehen die ganze Zeit über nie billig aus. Explosionen und Stunteinlagen sehen sehr wertig aus und bringen Spaß.

Der Musik kommt eine doppelte Bedeutung zu. Zum einen bekommen wir sehr viel ´60er-Jahre-Songs zu hören, die mitunter die Geschichte tragen und ganze Passagen einleiten. Zum anderen gibt es ganz klassische spannungsfördernde Musik, die einzelne Szenen untermalt und unterstützt. In beiden Fällen ist der Einsatz und die Songauswahl nicht nur passend, sondern auch über alle Maßen überzeugend.

Mit ca. 116 Minuten ist der Streifen auch nicht zu lang. Für mich persönlich war er eher noch zu kurz. Auch wenn die Geschichte auserzählt war, hätte ich ihn mir allein aufgrund der Atmosphäre, Figuren und Darbietung noch Stunden angucken können. Da man schon vom ersten Moment eine besondere Verbindung zu dem Streifen bekommt, möchte man das Ende oder einen Showdown hinauszögern. Nichtsdestotrotz fieberte ich ihm förmlich entgegen.

Meine Meinung:
Am Ende einer hoffentlich nicht allzu verwirrenden Kritik steht auch meine Meinung. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich viel Spaß mit „Codename U.N.C.L.E.“ hatte und ich hatte echte Schwierigkeiten, diese Rezension zu schreiben, denn in meinem Kopf hat sich alles überworfen. Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll. Der Streifen ist einfach toll, ein Highlight, ein Film, den ich mir definitiv noch öfter anschauen werde.

Als Zuschauer merkt man richtig, dass die Darsteller Freude an der Zusammenarbeit mit Guy Ritchie hatten. Jede Szene strotzte vor Spielfreude und Überzeugung. Bei all den vielen Dingen, die der Streifen richtig macht, fehlt es ihm aber dennoch an der einen oder anderen Stelle an Durchschlagskraft. Insbesondere die Story macht hier auf sich aufmerksam. Sie ist gut erzählt und inszeniert, allerdings ist sie eben klassisch und nicht innovativ.
Zu bemängeln habe ich außerdem die Laufzeit. Für mich hätte der Streifen definitiv noch länger dauern können.

Am Ende bleibt mir zu sagen, dass „Codename U.N.C.L.E.“ die typische Guy Ritchie Handschrift trägt und damit nicht weniger als ein Hightlight-Film ist.

Meine Wertung:
Spannung: 9,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 10 von 10
Setting: 10 von 10
Action: 8,5 von 10
Musik: 10 von 10
GESAMT: 9,0

Das Pubertier

©Constantin Film

Titel: Das Pubertier
Genre: Komödie / Romanverfilmung
Regie: Leander Haußmann
Musik:
Produzenten: Günter Rohrbach
Dauer: ca. 91 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 6

„Gerade war sie doch noch so lieb, so niedlich. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag mutiert Papas kleine Prinzessin plötzlich zum bockigen Pubertier. Der Journalist Hannes Wenger (JAN JOSEF LIEFERS) nimmt sich eine Auszeit, um seine Tochter Carla (HARRIET HERBIG-MATTEN) in dieser schwierigen Lebensphase zu erziehen und von Alkohol, Jungs und anderen Verlockungen fernzuhalten. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn seine Frau Sara (HEIKE MAKATSCH) geht wieder arbeiten und Hannes ist als Vater maßlos überfordert. Ob Party, Zeltlager oder Carlas erstes Mal: Hannes tritt zielsicher in jedes Fettnäpfchen. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Jugendliche peinliche Väter haben: Hannes’ bester Freund, der taffe Kriegsreporter Holger (DETLEV BUCK), lässt sich lieber im Nahen Osten beschießen als sich daheim von seinem grunzenden Pubertier in den Wahnsinn treiben zu lassen.“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Hin und wieder schreibe ich über Filme auch aus dem Kino heraus. Dieses Mal habe ich mir „Das Pubertier“ in der Pressevorführung angeschaut. Ich war etwas verwundert über die Anzahl der Zuschauer, da ja doch in der Regel ein ausgewählter Personenkreis im Kino sitzt. Dass dieses Mal der Personenkreis auf die eigene Familie ausgeweitet wurde und da der ein oder andere Journalist oder Blogger mit sechs, sieben Leuten im Anhang ins Kino gestapft kam, machte mich schon etwas sprachlos. Am Ende war ich aber schlauer. Die Kritik zu Leander Haußmanns „Das Pubertier“ lest ihr hier.

©Constantin Film

Die Geschichte dreht sich um das Leben von Eltern und Kindern unter einem Dach. Beide Seiten wachsen und verändern sich mit der Zeit und so sehen sie sich immer wieder neuen Herausforderungen gegenübergestellt.
Während Eltern nicht mehr so genau wissen, wie es war, als sie in der Pubertät gewesen sind, spielen die Hormone der Kinder verrückt. So „verwandelt“ sich die kleine Prinzessin – Papas Liebling – in ein erbarmungsloses „Pubertier“.
Die Erzählweise ist sehr humoristisch und zeigt die Geschehnisse aus der Sicht des liebenden Vaters. Gekonnt präsentiert der Film alle kleinen Fehler, aber auch alle tollen Kleinigkeiten, die zwischen Eltern und Kindern passieren. Dabei karikiert er nicht nur all die Fettnäpfchen und Stimmungsschwankungen beider Seiten, sondern zeigt auch die familiären und liebevollen Momente.

Im Punkt der Spannung muss ich da ganz klar sagen, dass so ziemlich keine erzeugt wird. Es passiert sehr viel und die Handlungen überschlagen sich teilweise, aber als Zuschauer wird man nicht an den Sitz gefesselt. Stattdessen sieht man sich in einem sehr interessierten Zustand und verfolgt entsprechend auch das Geschehen. Die Figuren wurden darüber hinaus auch nicht so inszeniert, dass der Zuschauer besonders viel Mitgefühl hätte und jetzt unbedingt wissen muss, wie es weitergeht.

©Constantin Film

Mit rund 91 Minuten bekommt man aber zweifelsohne kurzweilige Unterhaltung geboten, die sich an keiner Stelle zu lang anfühlt.

Der Humor basiert auf das kommunikative Missverständnis zwischen Erwachsene und Kindern. Das kann ganz schön anzusehen sein, wenn die Gag-Dichte wesentlich höher wäre. In diesem Fall tue ich mich aber schwer mit dem Humor. Alles war zwar ganz nett anzusehen, aber so richtig witzig war es nicht. Die Handlung schwappt dafür immer wieder in Richtung Familienfilm mit einigen witzigen Momenten. Die witzigen Sequenzen haben bei mir keinen Lachanfall ausgelöst. Wie er bei dem jüngeren Publikum angekommen ist, kann ich an dieser Stelle leider nicht sagen.

Die Emotionen in „Das Pubertier“ sind limitiert. Es gibt keinen Ausreißer in extreme Gefilde. Alles wirkt anfänglich harmonisch und liebevoll, im Verlauf des Streifens bekommt man die natürlichen Stimmungsschwankungen der Jugend mit. Große Gefühle gibt es, bis auf eine Szene am Ende, keine. Was man diesem Film aber zugutehalten muss, ist, dass er sensibel mit dem Thema Erwachsenwerden umgeht.

©Constantin Film

Die Glaubwürdigkeit der Figuren hängt stark an der Screentime. Jan Josef Liefers’ Figur war, in meinen Augen, authentischer als die von Heike Makatsch. Einfach weil man Liefers die ganze Zeit gesehen hat und Makatsch eben nicht.
Grundsätzlich muss man aber sagen, dass alle Figuren etwas überspitzt waren. Der Vater ist viel zu sehr Vater, immer ein bisschen drüber. Erzieherische Maßnahmen werden pädagogisch korrekt überlegt und mit Bedacht verhängt oder durchgezogen. Besonders in diesem Punkt ist der Streifen nicht in der realen Welt angesiedelt.
Auch die Stimmungsschwankungen der Tochter sind sehr krass und extrem. Ich, als jemand mit zwei älteren Schwestern, muss mich einfach nur an meine Kindheit zurückerinnern und kann sagen, dass meine Schwestern nicht von der einen auf die andere Minute komplett anders drauf gewesen sind. Es waren eher Phasen, die über Tage und Wochen hinweg angehalten haben. In diesem Punkt ist der Film für mich nicht glaubwürdig genug. Als Stilmittel kann ich diese Übertreibung aber sehr gut hinnehmen, ich finde sie nur nicht gut.

Die musikalische Untermalung ist unauffällig. Es gibt allerdings ein zwei Szenen, in denen sie als tragendes Stilmittel eingesetzt wurde, um die Sprache zu ersetzen. Im Gesamtwerk hat sie gut gepasst.

©Constantin Film

Das Setting und die Kostüme sind sehr vielfältig, aber absolut unspannend. Bis auf die Zimmer im familiären Haus, die Räumlichkeiten einer Polizeiwache oder die Wohnung der Freunde bekommt man nicht viel zu sehen. Was die Außenaufnahmen betrifft, geht „Das Pubertier“ ohnehin sehr sparsam damit um. Die wenigen werden vom Grundstück der Familie Wenger dominiert, ein, zwei Ausreißer gibt es jedoch trotzdem.
Wer Hoffnungen hegt, einmalige Bilder zu Gesicht zu bekommen, wird enttäuscht.

„Das Pubertier“ ist ab dem 06.07.2017 in den deutschen Kinos.

Meine Meinung:
Technisch ist „Das Pubertier“ eine runde Sache. Warum einige Journalisten und Blogger mit der ganzen Familie angereist sind, ist mir nach Abschluss des Filmes mehr als klar gewesen. Familien sind offensichtlich die Zielgruppe und genau dort passt er am besten rein.

Schaut euch den Film in großer Gruppe und mit allen Altersklassen an, da wirkt er am besten, weil sowohl Eltern als auch Kinder was zum Lachen haben werden (aber mehr die Kinder!).

Über die Schwächen von „Das Pubertier“ kann ich letzten Endes allerdings nicht hinwegsehen und so bleibt ein Nachmittag im Kino in Erinnerung, den ich zwar nicht bereue, aber an dem ich durchaus bessere Filme hätte schauen können.
Leander Haußmann hat hier aber eine gute Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jan Weiler gedreht.

Meine Wertung:
Humor: 6,0 von 10
Spannung: 5,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 7,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 6,0
GESAMT: 6,5