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The Missing (Staffel 1)

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Titel: The Missing (Staffel 1) engl.: „The Missing“ (Season 1)
Idee: Harry Williams / Jack Williams
Genre: Krimiserie / Drama / Thriller
Musik: Dominik Scherrer
Dauer: 8 Folgen à ca. 60 Minuten
Erscheinungsjahr: Großbritannien: 2014 / Deutschland: 2015
Altersfreigabe: FSK 16

„Der Familienurlaub von Tony und Emily Hughes (James Nesbitt, Frances O’Connor) endet in einem furchtbaren Albtraum. Im kleinen französischen Städtchen Chalons Du Bois verschwindet ihr fünfjähriger Sohn Oliver (Oliver Hunt) plötzlich in einer Menschenmenge. Die Polizei startet umgehend eine Suchaktion und beordert Julien Baptiste (Tcheky Karyo), einen der renommiertesten Ermittler Frankreichs, in den kleinen Ort. Ohne Erfolg: Der Junge bleibt spurlos verschwunden. Während die Verzweiflung der Eltern wächst, stürzen sich die Medien auf den spektakulären Fall.

Acht Jahre später kehrt Tony Hughes an den Ort des Verbrechens zurück. Schuldgefühle und Schmerz haben seine Ehe zerstört, doch während Emily in einer anderen Beziehung den Neuanfang gewagt hat, sucht Tony weiter wie besessen seinen Sohn. Als neue Hinweise auftauchen, wird auch das Interesse des mittlerweise pensionierten Julien Baptiste wieder entfacht…“
(Rückentext der DVD)

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Ich habe neben „Mord auf Shetland“ und „Poldark“ auch „The Missing“ als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten.
Inzwischen habe ich auch die letzte der drei Serien beenden können. Ich war sehr gespannt auf sie, denn ich hatte in der Vergangenheit viel Gutes davon gehört und gelesen. Wie ich die erste Staffel von „The Missing“ mit James Nesbitt empfunden habe, erfahrt ihr nun in meiner Kritik:

Es dreht sich alles um das Ehepaar Hughes, das im Jahr der Deutschland-WM Urlaub in Frankreich machen wollte. Schon bald verschwindet ihr Sohn Oliver spurlos. Acht Jahre später gibt es einen neuen Hinweis auf seinen Verbleib und Tony geht ihm hinterher.

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Die Story hat sehr viel Potential. Durch ein Entführungs- bzw. Verschwindensszenario kann eine Serie die Zuschauer wie ein Magnet vor die TV-Geräte ziehen und auch in diesem Fall ist das Verschwinden von Oliver ein Rätsel, das der Zuschauer unbedingt gelöst wissen will. Im Gegensatz zur Idee hapert es gewaltig an der Umsetzung. Spannungstechnisch geht bei dieser Serie leider nicht viel.
Die Erzählweise ist sehr besonders. Als Zuschauer erfährt man gleich mehrere Handlungsstränge. Zum einen sieht der Zuschauer alles, was im Jahr 2006 und zum anderen, was im Jahr 2014 geschieht.
Das Interessante dabei ist natürlich, dass das Publikum sowohl immer auf dem Stand der Ermittlungen ist, als auch die neusten Erkenntnisse und Hinweise, acht Jahre später, mitbekommt.
Es hätte im Prinzip alles so gut sein können, allerdings, und das ist das Schlimmste an der ganzen Serie, kommt in den ersten fünf Folgen keine Geschwindigkeit auf, sodass jeder Funke Spannung sofort wieder erlischt, noch bevor er richtig aufkeimen konnte.
Ab der sechsten Folge nimmt die Handlung hingegen rapide an Tempo zu und nutzt dieses, um zumindest für die letzten drei Folgen, Spannung zu erzeugen.

Die Länge ist mit 8 Folgen à 60 Minuten eher schlecht als recht. Zwar ist die Laufzeit pro Folge ein Segen für jeden Serienfan, aber mit dieser Anzahl an Folgen, wird keiner am Ende sonderlich befriedigt sein. Obwohl die Laufzeit prinzipiell zu kurz ist, ist „The Missing“ aufgrund der fehlenden Spannung und des behäbigen Tempos aber zu ausgedehnt und langatmig.

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Bei Tony und Emily sind die Emotionen allesamt sehr stark und ausgeprägt. Wenn man sich Julien Baptiste anschaut, dann sieht man auch die rationale Seite dieser Serie. Im Zusammenspiel erhält man einen gelungenen Kontrast. Als Zuschauer nimmt man den Protagonisten ihre Rollen ab. Die Darsteller verkörpern auf den unterschiedlichen zeitlichen Ebenen sehr glaubwürdig ihre Figuren. Bei allen Charakteren, sei es Haupt- oder Nebendarsteller, findet man Facettenreichtum und Tiefe.

Die Musik ist stark zurückgenommen. In den ersten fünf Folgen findet man so gut wie keine unterstützende Musik, ab der sechsten Episode hört man auch die ein oder andere spannungsfördernde und klassische Melodie, die durchaus zum Interesse des Zuschauers beiträgt.
Das Setting ist absolut zweckdienlich. Man sieht Büroräume, kleinstädtische Gebäude, Läden, Baustellen und ein Hotel. Alles ist ziemlich austauschbar und universell gehalten. Die Kameraarbeit ist sehr unaufgeregt und die Farben sind allesamt eher gedeckt.
An dieser Stelle kann man der Serie keinen Punkt abziehen.

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„The Missing“ ist ein klassischer Vertreter der Genres Krimi und Drama, die auch bedient werden. Grundsätzlich sind die Kameraarbeit, die Farben und die Story dem Genre zuträglich und machen am Ende auch aus „The Missing“; was es ist.

Bei all dem Potential und den Voraussetzungen schafft „The Missing“ es nicht; spannend zu sein. Die ersten Folgen sind dermaßen lang erzählt, dass man sich schon sehr stark konzentrieren muss; um am Ball zu bleiben. Die erzählweise ist zwar außergewöhnlich, sorgt aber im Umkehrschluss für keine zusätzliche Spannung.

Meine Meinung:
Von „The Missing“ habe ich mir sehr viel versprochen und aufgrund der fehlenden Spannung wurde ich nicht eingefangen. Ich habe mich regelrecht durch die Serie prügeln müssen. Die ersten fünf Folgen haben sich gezogen und ich kam nicht so recht voran. Ich hatte schon nach einer Folge keine Lust mehr auf „The Missing“. Ab Folge sechs fing die Serie erst an; mich zu interessieren und dann war sie auch schon nach der achten Folge wieder vorbei.

Meiner Meinung nach wäre die komplette Geschichte besser in 3 Folgen à 90 Minuten erzählt worden. Dann hätte allerdings noch das Tempo stimmen müssen. Letzten Endes wurde ich wirklich nicht gut unterhalten.

Diese Serie lässt sich sehr entspannt im TV schauen, aber man braucht einen langen Atem und man muss ein ausgewiesener Krimi-Fan sein, andernfalls wird man auf ganzer Linie enttäuscht. Ich habe mich schon informiert und weiß, dass es eine zweite Staffel geben wird, die nichts mit der ersten zu tun hat. Ich werde sie mir, trotz der schlechten Erfahrung mit der ersten Staffel, vermutlich anschauen.

Meine Wertung:
Story 7,0 von 10
Genre: 7,0 von 10
Spannung: 2,0 von 10
Länge: 4,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Emotionen: 8,5 von 10
Setting: 8,0 von 10
Musik: 4,0 von 10
GESAMT: 6,1

Reihenfolge:
1. The Missing (Staffel 1)
2. The Missing (Staffel 2)

Kick-Ass

IMG_3374Titel: Kick-Ass
Genre: Action / Comicverfilmung
Regie: Matthew Vaughn
Musik: John Murphy / Henry Jackman / Marius de Vries / Ilan Eshkeri
Produzenten: Matthew Vaughn / Brad Pitt / Kris Thykier / Adam Bohling / Tarquin Pack / David Reid
Dauer: ca. 112 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 16

„Dave Lizewski ist ein stinknormaler Teenager. Keine Freundin, keine Superkräfte, aber eine schräge Idee. Als ‚Kick-Ass’ will er in den Straßen von New York für Recht und Gesetz kämpfen, kassiert dafür aber erst einmal ordentlich Prügel. Gleichzeitig erscheint ein Superheldenduo auf der Bildfläche: Big Daddy und seine kampflustige Tochter Hit-Girl, die der Gangsterbande um Mafioso Frank D´Amico den Krieg erklärt haben. Erst im großen Showdown wird auch Kick-Ass beweisen können, dass er seinen Namen zu Recht trägt… oder dabei draufgehen.“
(Rückentext der DVD)

„Kick-Ass“, einer meiner zehn liebsten Filme. Eigentlich wollte ich ihn mir auf BluRay holen, beim sehen der DVD-Hülle habe ich mich spontan dagegen entschieden. Ich habe ihn nun 5, 6, 7 Mal gesehen und ich liebe ihn nach wie vor.
Es ist schwierig, hier eine objektive Kritik zu schreiben, da ich so viel mit dem Film verbinde.

Die komplette Geschichte wird uns von Dave aus dem Off erzählt, der aktiv das Publikum anspricht und mal mehr, mal weniger, sarkastisch das Geschehen kommentiert. Insgesamt ist die Erzählweise aber recht knifflig, denn es werden gleich drei Handlungsstränge parallel erzählt. Zum einen befinden wir uns bei Dave und seinen Kumpels aus der Highschool, zum anderen bei dem Mafiaboss Frank D´Amico und zum dritten sehen wir Big Daddy und seine Tochter Hit-Girl. Die verschiedenen Storyebenen sind zwar nicht von Anfang an ineinander verstrickt, werden es aber mit zunehmender Laufzeit. Für einen kurzen Abschnitt übernimmt Big Daddy das Erzählen und lässt uns an seiner Geschichte – in Form eines Comicheftes – teilhaben. Besonders stilecht sind die comichaften Einblendungen, die sich durch den ganzen Film ziehen und dem Zuschauer eine kleine Hilfestellung geben, wo oder in welcher Zeit wir uns befinden. Spätestens jetzt wird klar, dass „Kick-Ass“ auf einem Comic basiert und eine klare Verbindung zu seiner Vorlage herstellt. Außerdem ist der Film in einer riesigen Rückblende erzählt. Der Hauptteil der Geschichte spielt tatsächlich 6 Monate in der Vergangenheit. Erst am Ende, ca. die letzten 5-8 Minuten, sind wir in der Gegenwart.

Von Minute eins an wird Spannung erzeugt. Es beginnt mit einem Typen, der auf einem Dach eines Wolkenkratzers steht und ein Superhelden-Kostüm trägt. Was wird er machen? Dazu passend, die einleitenden Worte von Dave aus dem Off. Hier ist der erste Punkt, an dem der Zuschauer abgeholt wird. Besonders die ersten zwanzig Minuten sind von einem stetigen Wechsel von Auf- und Abbauen des Interesses geprägt. Das liegt vermutlich auch daran, dass in dieser Zeit alle wichtigen Figuren eingeführt und vorgestellt werden. Früh merkt man, auf wessen Seite das Publikum gezogen werden soll. Mit zunehmender Laufzeit steigert sich die Intensität und die Entwicklungen der Figuren bekommt seine ganz eigene Dynamik.
Dadurch, dass einige Handlungen stark vorhersehbar sind, kommen Überraschungsmomente beim Zuschauer leider nicht an. Zum Ende des Streifens wird es dann noch Mal richtig heiß und alles gipfelt in einem Actionfeuerwerk, das Seinesgleichen sucht. Ein Showdown, der es wert ist, so genannt zu werden.

Actionmäßig bekommt das Publikum ordentlich was geboten. Schlägereien, Kampfszenen, Explosionen und Schießereien gehören standardmäßig zum Repertoire. „Kick-Ass“ unterscheidet sich da nicht von anderen Actionfilmen und ist auch nichts Besonderes, allerdings sieht es ziemlich cool aus, wenn sich ein Niemand ein Kostüm anzieht und dadurch zu einem anderen Charakter wird.

Hinter dem Gesamtkunstwerk „Kick-Ass“ stecken auch einige Gefühle, die von Rachegelüsten bis zur Lovestory reichen. Alles, was sich dazwischen befindet, ist leider nur so halb vorhanden. Der Fokus liegt nicht auf den Gefühlen und auch die Motive sind – zumindest bei Dave – nicht emotionsbedingt. Das lässt sich aber nicht generalisieren, bei anderen Figuren sind Gefühle die ausschlaggebende Motivation für ihr Handeln.

Dave ist ein Niemand, ein unscheinbarer Typ, der in der Woche zwischen 21 und 2 Uhr nachts Verbrechen bekämpft. Er macht einen nerdigen Eindruck, doch sowie er in seinem Kostüm steckt und zu Kick-Ass wird, ist er mutig und heldenhaft. Im wahrsten Sinne wird er zu einem anderen Menschen. Im echten Leben ist eine solche „Verwandlung“ schwer denkbar, aber im Film oder im Comic ist diese Wesensänderung durchaus nachzuvollziehen.
Dazu lässt sich sagen, dass die Rolle des Mafiabosses Frank D´Amico realitätsnäher als Kick-Ass oder Hit-Girl ist. Am wenigsten überzeugend war die Rolle von Christopher Mintz-Plasse: Er spielt Chris D´Amico/Red Mist. Im gesamten Film ist er unauthentisch und nicht glaubwürdig, da es ihm an vielen Dingen fehlt. Als Sohn eines Mafiabosses kommt er verweichlicht, feige und falsch daher, außerdem spielt er seine Rolle mit einer unangenehmen Milchbubi-Attitüde, die nur von seiner schlechten Frisur übertroffen wird.
Auf der menschlichen Ebene sind Dave Lizewski (Aaron Johnson) und seine beiden Kumpels Marty (Clark Duke) und Todd (Evan Peters) sehr überzeugend. Sie verhalten sich wie drei Freunde aus der Schule, mit post-pubertären Sprüchen und leichtem Machogehabe.
Big Daddy und Hit-Girl (Nicolas Cage und Chloë Moretz) sind sowohl mit als auch ohne Maske eigensinnig. Bis zum Ende des Filmes wirken sie übernatürlich und im Gegensatz zu den anderen Figuren stark arrogant.
Verletzlich, mutig, ehrlich und aufrichtig kommt als einziger in der Mischung Dave/Kick-Ass daher. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er ständig Schläge einstecken muss. Er kämpft und überzeugt, sowohl mit als auch ohne Maske.

Über eine Sache in diesem Streifen kann man wirklich nicht meckern: die Filmmusik.
Sie war gleichermaßen zurückhaltend wie unterstützend. Ausnahmen, in denen sie vorherrschendes Stilmittel einer Szene war, wurden sehr gekonnt ausgewählt. Besonders die klassischen Stücke haben einen epischen Charakter und verursachen nichts weniger als Gänsehaut.

Die changierende Papphülle ist ein besonderer Blickfang

Die changierende Papphülle ist ein besonderer Blickfang

Meine Meinung:
„Kick-Ass“ gehört zu den zehn Filmen, die ich an einem verregneten Sonntagnachmittag, zu Weihnachten oder zu Beginn eines perfekten DVD-Abends anschauen kann.

Über einige Schwächen kann ich hinwegsehen, aber um fair zu bleiben muss ich sie hier mit einigen Punkten Abzug „bestrafen“.

Das faszinierende an dem Film ist, dass sich ein stinknormaler Teenager in einen Neoprenanzug zwängt, eine Maske aufsetzt und sich Kick-Ass nennt. Er hat keinerlei besonderer Fähigkeiten außer seinem Sinn für Gerechtigkeit und seinem Mut, Dinge zu tun, vor denen andere Angst haben.

Trotz der komplexen Story mit den drei Handlungssträngen ist der Film nicht verwirrend, auch fällt es mir nicht schwer, der Geschichte zu folgen. Bei einer Laufzeit von ca. 112 Minuten kommt auch keine Langweile auf, selbst dann nicht, als die Charaktere vorgestellt und eingeführt werden.

Insgesamt ist „Kick-Ass“ ein Highlight und ein Film, den man in diesem Genre gesehen haben muss.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Action: 8,0 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,5 von 10
Authentizität: 7,5 von 10
Musik: 10 von 10
GESAMT: 8,1

Reihenfolge:
Kick-Ass
Kick-Ass 2

Das hält kein Jahr..!

IMG_0407Titel: Das hält kein Jahr..! (engl. „I give it a year“)
Genre: Komödie
Regie: Dan Mazer
Musik: Ilan Eshkeri
Produzenten: Tim Bevan / Eric Fellner / Kris Thykier
Dauer: ca. 93 Minuten
Erscheinungsjahr: 2013
Altersfreigabe: FSK 12

„Es gibt sie noch, die Liebe auf den ersten Blick. Das glauben zumindest Nat (Rose Byrne) und Josh (Rafe Spall) und stürzen sich Hals über Kopf vor den Traualtar. Doch nicht nur dem Pfarrer bleibt das „Hiermit erkläre ich euch…“ im Halse stecken, so wirklich überzeugt ist von dem jungen Glück niemand. Als dann auch noch der smarte Guy (Simon Baker) in Nats Leben tritt und Joshs Ex-Flamme Chloe (Anna Faris) wieder auftaucht, scheint die Trennung beschlossene Sache zu sein.“
(Rückentext der DVD)

Der örtliche DVD-Dealer meines Vertrauens hatte da eine Auslage mit vielen preisreduzierten DVDs und ich kam leider nicht drum herum und „shoppte“. „Das hält kein Jahr..!“ war mit dabei. Eigentlich war es nie ein Film, den ich so richtig auf der Rechnung hatte, das eine oder andere Mal habe ich davon einen Trailer gesehen und ich erinnerte mich, dass ich diese irgendwie witzig fand und deswegen wanderte bei diesem Einkaufsbummel der Film in den Korb.

Die Story haut einen nicht vom Hocker. Ein Pärchen überstürzt es, heiratet und findet sich in einer mehr oder weniger (un)glücklichen Beziehung wieder. Wie bei vielen Paaren kommt dann der Alltag und die beiden haben sich nichts so richtig zu erzählen. Sie führt ein durchorganisiertes Leben, hat eine feste Arbeit mit festen Arbeitszeiten und Terminen. Er, ein Freigeist, Autor und mit seinen Gedanken überall, aber nicht im Hier und Jetzt. Wenn ein Paar zwei komplett verschiedene Leben führt, ist es halt insgesamt nicht förderlich für eine gemeinsame Zukunft. Alles wirkt so, als ob der Partyflirt nicht nur über Nacht geblieben ist, sondern auch noch den darauffolgenden Tag bei einem ist.

Die Erzählweise ist nur so lange verwirrend, bis man dahinter gestiegen ist. Es wird ein chronologischer Handlungsstrang suggeriert, weil man am Anfang an diesem Traualtar steht. Im nächsten Moment gibt der Film dann einen Ort und eine Zeit vor – und blendet es auch ein – und dann wird das Feld von „hinten aufgerollt“. Ab dem Hochzeitstag bis zu dem Tag in der Zukunft wird alles in einer großen Rückblende erzählt. Prinzipiell ist das nicht schwer zu verstehen, aber diese Momente in der eigentlichen Gegenwart und die in der Erzählung sehen komplett identisch aus, sodass ich mich schon gefragt habe, wo ich jetzt bin, also storytechnisch.

„Das hält kein Jahr..!“, wenn ich nicht wüsste, dass ich mir das für den Blog antue, hätte ich dem Film einen neuen Titel gegeben, so etwas wie: „Das hält keine Stunde..!“. Spannungstechnisch hat eine Waschmaschine im Schleudergang mehr Unterhaltungspotential als dieser Film.

In dem Punkt der Gefühle wurde schon etwas mehr geboten. Vorherrschend ist das Gefühl der Liebe. Natürlich war am Anfang zwischen Nat und Josh so etwas wie Liebe vorhanden, aber tiefgreifend war sie eben nicht und deswegen haben die anderen beiden Charaktere, die plötzlich in das Leben des Ehepaars treten, ein extrem leichtes Spiel.

Authentisch waren die meisten Charaktere. Der freigeistige Josh und seine Frau Nat sind glaubhaft dargestellt. Sowie sie aber aus ihren Rollen herausbrechen mussten, um mit dem jeweils anderen in Interaktion zu treten, sah alles doch sehr gestellt aus.
Guy, gespielt von Simon Baker, ist ein Schönling. Jemand, der sehr von sich überzeugt ist und ein Patent auf den größten Haufen lebende Arroganz angemeldet hat. Leider war die Idee besser als die Ausführung.
Ein kleines Highlight sind die Nebendarsteller. Naomi (Minnie Driver) und Hugh (Jason Flemyng) sind in dem Film ebenfalls ein verheiratetes Paar und in denen steckt so viel Wahrheit drin. Sie giften sich an, machen den anderen nieder und liegen trotzdem nebeneinander im Bett. Das macht die beiden nicht gerade sympathisch, aber total originell und so wie sie es umgesetzt haben, weiß man erst, wie schlecht die Hauptfiguren im Vergleich sind.

Der Humor war oft sexuell untermalt, plump und hatte eine Mischung aus Sarkasmus und Ironie inne. Hier kann ich den Charakter Dan (Stephen Merchant) anführen. Er war der Trauzeuge auf der Hochzeit und hielt einen extrem schlechten Toast auf das Brautpaar, in dem er jedes Fettnäpfchen mitgenommen hat, was da war. Inklusive derer, die er selbst aufgestellt hat, um die Schwierigkeit zu erhöhen. Trotzdem muss ich sagen, dass Dan mir humortechnisch am besten gefallen hat. Auch Naomi und Hugh hatten ihre Sternstunden. Die Hauptcharaktere waren leider auch in diesem Punkt eher blass und fielen nicht so sehr auf. Zum Ende hin tauten sie aber etwas auf.

Die Musik war durch die Bank gespickt von Songs, die eine verliebte Stimmung erzeugen sollten. Kaum bis kein klassisches Stück, allesamt richtige Songs mit Text und Gesang. Die Atmosphäre wirkte tatsächlich für die Dauer der Lieder auch sehr rosa-rot und verliebt, fiel aber auf einen „Nullpunkt“ mit dem Ende eines Stücks. Grundsätzlich hat die Musik gepasst, der Film hat halt einfach nicht zu den Songs gepasst.

Meine Meinung:
„Das hält kein Jahr..!“ soll so etwas wie eine romantische Komödie sein. Eine Tragikomödie hätte es auch sein können. Insgesamt stört mich das Wort „Komödie“ an der Genrebezeichnung, denn die Lachmuskeln mussten sich eigentlich nicht anstrengen. Ein müdes Lächeln war in normalen Szenen das Höchste aller emotionalen Regungen. Ausnahmen waren Dan, Naomi und Hugh, die meinem Zwerchfell da schon eher eingeheizt haben, liegt aber auch daran, dass ich einen sehr speziellen Humor habe.

Die Story war jetzt auch kein großes Kino. Oder kleines Kino. Oder kinotauglich. Eine volle Babywindel hat da mehr Inhalt als dieser Film und den Rest bekommt man dann eben von der Waschmaschine.

Das Gute an dem Film war, dass die 93 Minuten schnell vorbei waren. Er hätte gerne etwas kürzer, aber auf keinen Fall länger sein dürfen.

Emotionen und Authentizität reißen die Bewertung ein bisschen nach oben. Die Nebendarsteller sind halt einfach genau nach meinem Geschmack und waren die „Helden“ des Streifens. Auch ohne wirklich extreme Gefühle, versucht der Film dennoch zu Punkten. Immerhin, ein Versuch ist es wert.

Die Musik war okay. Mir fallen auf Anhieb mindestens 10 Lieder ein, die eine liebevolle Untermalung besser dargestellt und transportiert hätten. Gute Ansätze erkenne ich aber trotzdem und deswegen lasse ich Gnade vor Recht walten.

Meine Wertung:
Humor: 7,0 von 10
Spannung: 4,5 von 10
Story: 4,5 von 10
Länge: 7,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,0 von 10
Authentizität: 7,0 von 10
Musik: 6,0 von 10
GESAMT: 6,0

S wie „Stonehearst Asylum“

IMG_7648Titel: Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen (engl. „Stonehearst Asylum)
Genre: Psychothriller
Regie: Brad Anderson
Musik: John Debney
Produzenten: Mark Amin / Bruce Davvey / Mel Gibson
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 16

„Am Weihnachtsabend 1899 erreicht der junge Arzt Edward Newgate (Jim Sturgess) die abgelegene Irrenanstalt Stonehearst. In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen möchte er von Dr. Lamb (Ben Kingsley) die modernsten Methoden im Umgang mit Geisteskrankheiten erlernen. Anders als üblich werden die Insassen hier nicht betäubt oder gefesselt, sondern können sich frei entfalten und ihren Wahnsinn ausleben. Unter den Patienten der Einrichtung befindet sich auch die wunderschöne Eliza Graves (Kate Beckinsale), die von Anfang an eine geheimnisvolle Anziehung auf Edward ausübt. Als Edward jedoch verdächtigen Geräuschen in die dunklen Keller des Gebäudes folgt, entdeckt er einen eingesperrten Mann, der behauptet, der eigentliche Leiter der Einrichtung zu sein. Um Dr. Lamb zu stoppen, muss Edward es schaffen, die geheimnisvolle Eliza Graves zu überzeugen, ihm zu helfen…“
(Rückentext der DVD)

Heute ist die Challenge bei „S“ angekommen und nachdem ich meine Wahl für „S“ schon getroffen hatte, habe ich sie für einen Film umgeworfen, der neu in meine große Sammlung kam. Ich war fest entschlossen, ihn schon bald zu gucken, aber die Wärme und meine übrige Freizeitgestaltung trieben mir die Lust heraus. Als ich dann „R“ gesehen habe und mir die obligatorische Trailershow gegeben habe, sprang mir förmlich „Stonehearst Asylum“ entgegen. Am Ende wurde es nicht der Film, den ich geplant hatte zu gucken und aus einer „nur-mal-kurz-in-die-Stadt-fahren“-Aktion wurde wieder ein viel zu großer Einkauf bei meinem örtlichen DVD-Dealer meines Vertrauens.

„Stonehearst Asylum“ bedient sich einfacher und genretypischer Methoden, um Spannung zu erzeugen. Sei es ein geheimnisvolles Geräusch, das durch einen Lüftungsschach kommt, dunkle oder sehr schattige Orte und viele Winkel, die alle schlecht ausgeleuchtet sind. Hinter allen möglichen Dingen kann etwas lauern, das schon die ganze Zeit darauf gewartet hat, heraus zu kommen.
Diese Methoden sind zwar altbewährt, aber leider auch vorhersehbar, sodass nicht immer der gewünschte Effekt eintraf und echte Schock-Momente ausblieben. Indirekt wurde die Spannung durch die Geschichte angeheizt, wodurch der Zuschauer immer wieder in den Bann gezogen wurde.

Die Geschichte ist komplex, sowohl in der Struktur als auch in der Erzählweise, dabei aber nicht allzu verwirrend. Aus der Sicht des jungen Arztes Edward Newgate bekommt der Zuschauer das Geschehen aus erster Hand mit. Dabei erkennt man rasch, dass es um mehr geht als bloß um die Heilung von Geisteskrankheiten. Aufgewertet wird der Film durch einige erstaunliche Wendungen und Geheimnisse. Auch die eine oder andere Rückblende bekommt das Publikum zu sehen. Dadurch bekommt es die einmalige Gelegenheit zu sehen, was vor der Ankunft von Edward Newgate in der Einrichtung geschehen ist.

„Stonehearst Asylum“ spielt die meiste Zeit in einer Irrenanstalt und dementsprechend bekommt das Publikum meistens Irre zu sehen. In dem Punkt haben die Schauspieler gute Arbeit geleistet, denn sie haben ihre Rollen authentisch verkörpert und mit Persönlichkeit gefüllt. Besonders müssen hier Ben Kingsley und Jim Sturgess hervorgehoben werden, da sie Hauptantrieb der Geschichte und der Spannung waren. Hätte auch nur einer der beiden weniger geleistet, hätte es Charme, „Glaubwürdigkeit“ und Authentizität des Streifens zerstört.

Darüber hinaus lässt „Stonehearst Asylum“ auch Gefühle zu, jedoch nicht immer glaubwürdig. Kate Beckinsale hat in der einen oder anderen Szene sehr dick aufgetragen. Weniger ist manchmal eben doch mehr. Nichtsdestotrotz zeigt der Film dennoch traurigen Anstaltsalltag im Jahre 1899 – so wie wir es uns vorstellen könnten – mit all seiner Skrupellosigkeit und – leider auch – Unwissenheit. Die daraus folgende Aggression, Trauer und Schmerz kam nicht in Form von Dialogen ans Tageslicht, sondern eher durch das glaubwürdige Handeln der Charaktere. „Stonehearst Asylum“ geht sogar noch einen Schritt weiter und beschreibt, dass auf einem Grund voller Tristesse auch Hoffnung, Mut und Zuneigung wachsen kann.

Meine Meinung:
Bei „Stonehearst Asylum“ kannte ich bloß den Trailer, den ich einen Tag vor dem Kauf der DVD erst entdeckt habe. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, einen Film zu gucken, den ich vorher a) noch nie gesehen habe und b) auch nicht kannte. Ich kannte keine Kritiken und hatte auch sonst keine Empfehlungen. Umso erstaunter war ich, dass er mich gut entertaint hat.

Im ganzen Film hatte ich nicht das Gefühl, irgendwie gelangweilt zu werden, auch wenn die Handlung in Teilen vorhersehbar gewesen ist. Ich hatte dennoch Spaß und empfand die Story als komplex, aber nicht verwirrend. Spannend war es hin und wieder auch, aber ohne den richtigen Schock-Moment.

Beeindruckt hat mich die darstellerische Leistung: Einen Irren zu spielen, verlangt manchmal mehr ab als einen absolut gesunden und normalen Menschen darzustellen. Obwohl Kate Beckinsale meiner Meinung nach ein bisschen zu viel Gefühl „reingelegt“ hat, empfand ich es nicht als großartig störend, der Rest hat ja weitestgehend überzeugt.

Die Musik war genretypisch, aber zurückhaltend und nichtssagend. Leider hat sie durch ihre Unauffälligkeit den Film auch nicht unterstützen oder einige Szenen untermalen können. Die Länge hingegen war absolut angenehm, auch wenn ich im Nachhinein denke, dass es verdammt viel „Stoff“ in so kurzer Zeit ist, hat aber gepasst.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 7,5 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Musik: 4,0 von 10
GESAMT: 7,0