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Nebel im August

©STUDIOCANAL

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Titel: Nebel im August
Genre: Drama / Romanverfilmung
Regie: Kai Wessel
Musik: Martin Todsharow
Produzenten: Ulrich Limmer
Dauer: ca. 126 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„Nach einer wahren Begebenheit – Süddeutschland, Anfang der 1940er-Jahre. Der 13-jährige Ernst Lossa (Ivo Pietzcker), Sohn fahrender Händler und Halbwaise, ist ein aufgeweckter aber unangepasster Junge. Die Kinder- und Erziehungsheime, in denen er bisher lebte, haben ihn als ‚nicht erziehbar’ eingestuft und schieben ihn schließlich wegen seiner rebellischen Art in eine Nervenheilanstalt ab. Nach kurzer Zeit bemerkt er, dass unter der Klinikleitung von Dr. Veithausen (Sebastian Koch) Insassen getötet werden. Er setzt sich zur Wehr und versucht, den behinderten Patienten und Mitgefangenen zu helfen. Schließlich plant er die Flucht, gemeinsam mit Nandl, seiner ersten Liebe. Doch Ernst befindet sich in großer Gefahr, denn Klinikleitung und Personal entscheiden über Leben und Tod der Kinder…“
(Kurzinhalt Produktionsstudio ©STUDIOCANAL)

Ich hatte die Möglichkeit bei der Hamburg-Premiere zu dem Film „Nebel im August“ von Kai Wessel dabei zu sein. Ich habe mich im Vorfeld auf einen spannenden und unterhaltsamen Abend eingestellt und gehofft, dass ich einen tollen Film zu Gesicht bekomme.

©cbj+cbt Verlag

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Die Geschichte dreht sich um den Jungen Ernst Lossa, der in einer Nervenheilanstalt in Nazi-Deutschland der 1940er Jahre lebte. Robert Domes schrieb die Romanbiografie „Nebel im August“ (erschienen bei cbj+cbt Verlag), die die Geschichte von Ernst Lossa erzählt. Der gleichnamige Film behandelt, nach Aussage von Regisseur Kai Wessel, allerdings nur etwa das letzte Drittel des Buches.

Es gibt sie inzwischen wie Sand am Meer: Filme über Nazi-Deutschland. „Operation Walküre“, „Der Untergang“ oder „Inglourious Basterds“ kennt man zumindest vom Namen her oder hat sie auch schon selbst gesehen. „Nebel in August“ spielt zwar in der gleichen Zeit und zeigt das Schicksal eines Jungen, der der Nazi-Willkür zum Opfer fällt, aber dennoch ist er ein komplett anderer Streifen.

Die Erzählweise ist unverblümt und direkt. Der Zuschauer ist stets bei Ernst. Das Publikum wird zum Zeugen dessen, was mit ihm passiert. Dabei entlarvt man die Taten der Nazi-Herrschaft in einer „Heilanstalt“, freundet sich mit einem Mädchen an und erlebt so allerlei Ungerechtigkeit, Willkür und Schmerz.

Ich habe das Buch zum Film nicht gelesen, aber ich konnte schon früh erahnen, wo der Film hin will und was letzten Endes mit Ernst passieren wird. Dennoch war das Geschehen teilweise unvorhersehbar und doch logisch. Man könnte meinen, dass spannungstechnisch nicht viel geht, aber dem ist nicht so. Aufgrund der Erzählweise, dem ständigen Fokus auf Ernst und Nandl, all dem, was drum herum passiert und der ganzen tragischen Schicksale, die nicht nur dem Jungen begegnen, sondern auch dem Zuschauer, fühlte man sich überwältigt. Dem Zuschauer bleibt nichts anderes übrig, als zuzusehen. Man wird zum Zuschauer degradiert, zum bloßen Hinsehen gezwungen, mehr noch zur Unfähigkeit etwas ändern zu wollen, aber nicht zu können.

Zu dem NS-Hintergrund und der traurigen Geschichte des Ernst Lossa gesellen sich aber noch einige andere Dinge, mit denen sich der Zuschauer auseinandersetzen wird. Zwangsläufig wird sich der Einzelne Fragen stellen, wie z.B. welches Leben lebenswert ist und wo man dort die Grenze zieht? Die offensichtlicheren Fragen, wie man so willkürlich und herzlos sein kann, lasse ich an dieser Stelle beiseite. Wer sich mit den Methoden des NS-Regimes auskennt und ein bisschen besser im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, der weiß, dass das Euthanasie-Programm groß aufgezogen wurde. Es war die systematische Ermordung all derer, die dem Staat mehr kosten als einbringen und dazu gehörten unter anderem körperlich und geistig behinderte Menschen und im weiteren Sinne dann auch Kleptomanen, Alkoholiker, Arbeitslose und Oppositionelle. Ernst war weder behindert, noch schwer erziehbar. Er war aufgeweckt, klug und hat durch seine ehrliche Art Courage, Mut und Moral bewiesen und letzten Endes wurde ihm das leider zum Verhängnis.

Die darstellerische Leistung war grandios. Es gibt viele Kinderdarsteller, die mit so viel Hingabe ihren Figuren Leben eingehaucht haben und dabei so überzeugend waren, dass sich manch anderer Film da schon mal eine Scheibe von abschneiden kann. Aber auch die Erwachsenendarsteller haben ihre Sache extrem überzeugend und gut gemacht. Im Einzelnen kann man sagen, dass Ivo Pietzcker als Ernst Lossa und Jule Hermann als Nandl ein tolles Duo sind und man ihnen als Zuschauer jede Sekunde des Films abnimmt. Sie haben ihren Figuren durch ihr Schauspiel Charakter, Glaubwürdigkeit und Tiefe verliehen. Das gilt allerdings für jedes Kind, das an diesem Film mitgewirkt hat.
Sebastian Koch als Dr. Veithausen spielt eine extreme Rolle. Auf der einen Seite stellt er den menschlichen und fürsorglichen Arzt dar und auf der anderen Seite das erbarmungslose Monster, das ohne zu zögern den Tötungsbefehl ausspricht, nur um mehr Geld oder Platz zu haben oder einfach nur, weil eine Stimme ihm gesagt hat, dass er ein Mörder ist.
Fritzi Haberlandt als Schwester Sophia, Henriette Confurius als Edith Kiefer, Branko Smarovski als Max Witt oder Karl Markovics als Ernsts Vater Christian sind andere Darsteller, die auch eine gewisse Symbolik mitbringen, die im Film ihre Tragweite zeigen und dem Zuschauer ebenso imponieren wie ihn begeistern wird.

Die Emotionen schwanken von stark ausgeprägt bis nüchtern. Das meiste, das von Ivo Pietzcker dargestellt ist, ist jedoch stark emotional: viele traurige Momente mit dieser entlarvenden Macht eines Kindes oder eines sehr jungen Jugendlichen, gepaart mit den verschiedenen Schicksalen der Mitgefangenen.
Sebastian Koch zeigt die kalte Schulter des NS-Regimes, das kein Erbarmen kennt und – in ihrer Weltanschauung – minderwertige Individuen umbringt. Auch diese Kaltherzigkeit ist überzeugend und glaubhaft dargstellt.

Die Musik ist unterstützender Natur. Sie hat dem Film nie die Show gestohlen, aber immer emotionale Sequenzen gut hervorgehoben und untermalt. Sie war in jedem Fall eine Bereicherung.

Die Kameraarbeit ist sehr nüchtern und hinterlässt beinahe den Eindruck, dass es sich bei dem Film eher um ein Kammerspiel handelt, denn mit ein paar Ausnahmen finden gefühlt 90% aller Szenen in der Nervenheilanstalt statt. Dieser Umstand erzeugt zusätzlich ein Gefühl der Beklemmung und der Machtlosigkeit des Zuschauers.

Meine Meinung:nebel-im-august_eintrittskarte
Ein deutscher Film –kein amerikanischer Hollywood-Blockbuster, ohne viel Budget produziert und ein schwieriges Thema. Ja, aber es hat sich gelohnt. Die historische Thematik und die Figuren haben wunderbar gepasst, sodass ich diesen Film uneingeschränkt empfehlen kann, mehr noch, an dieser Stelle bekommt dieser Film auch das zacksmovie-Highlightsiegel für besonders gute Unterhaltung.

Die Stärken liegen auf der Hand: Kai Wessel hat hier eine Geschichte verfilmt, die wahr, mitreißend und unglaublich schrecklich ist. Darüber hinaus ist dieser Film nicht umsonst mit dem bayrischen Filmpreis und dem Friedenspreis des deutschen Films ausgezeichnet worden.

Man kann auch die Brücke in die heutige Zeit schlagen: Es stellen sich automatisch die Fragen welches Leben lebenswert ist. Und natürlich beschäftigt man sich automatisch damit, wie man selbst handeln oder reagieren würde, wenn man weiß, dass der eigene Nachwuchs behindert ist.
In der heutigen Zeit, wo sich zunehmend Leistungsdruck breit gemacht hat, überlegen sich viele werdende Eltern, ob sie ein behindertes Kind zur Welt bringen oder nicht.

Unterm Strich ist „Nebel im August“ ein toller deutscher Film, der auf vielen Ebenen zu überzeugen weiß. Ich bin mir außerdem ziemlich sicher, dass er besser im Kino als auf DVD oder BluRay wirkt und deswegen empfehle ich auch jedem, der Interesse an dieser Thematik hat, ihn sich im Kino anzuschauen.

In einem Gespräch mit Kai Wessel habe ich gemerkt, dass er ein besonderes Interesse an einer Realisierung dieses Films hatte, das Resultat ist auf jeden Fall sehenswert.

Insgesamt erhält „Nebel im August“ eine sehr positive Bewertung von mir.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,5 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Kameraarbeit: 8,0 von 10
GESAMT: 8,1

Die Peanuts – Der Film

die-peanuts-der-film_coverTitel: Die Peanuts – Der Film (engl. „The Peanuts Movie“)
Genre: Animationsfilm
Regie: Steve Martino
Musik: Christophe Beck
Produzenten: Paul Feig / Brian Schulz / Craig Schulz / Michael J. Travers / Cornelius Uliano
Dauer: ca. 88 Minuten
Erscheinungsjahr: 2008
Altersfreigabe: FSK 0

„Träume groß und hab Spaß mit dem guten alten Charlie Brown, Snoopy, Lucy, Linus und dem Rest der beliebten Peanuts. Erlebe sie bei ihren neuen Abenteuern – erstmals als Film, basierend auf den Ideen von Charles M. Schulz und erschaffen von den Machern von ‚Ice Age’. Begleite den ewigen Optimisten Charlie Brown in seinem heldenhaften Streben, während sich sein Beagle-Freund Snoopy in den Lüften seinem Erzfeind, dem Roten Baron, stellt. Dieses herzerwärmende und ausgelassene Abenteuer beweist: Jeder kann über sich hinauswachsen!“
(Rückentext der BluRay)

15 Jahre nachdem der Erfinder der „Peanuts“ verstorben ist, führen sein Sohn und sein Enkel dieses Erbe immer noch weiter. Im Winter 2015 erschien dann „Die Peanuts – Der Film“.
Als ich Kind war, habe ich es geliebt Charlie Brown und Co. zuzusehen. Ich hatte immer Freude an der Serie und hin und wieder schaue ich mir den Comic-Strip in der Tageszeitung an und erfreue mich an einer sehr kurzweiligen Geschichte, bestehend aus vier Bildern.

Wie hätte es auch anders sein sollen? Die Geschichte von „Die Peanuts – Der Film“ ist kindgerecht und im typischen Peanuts-Stil erzählt. Dabei verliert er nie diesen Charme, den auch schon die Serie ausgestrahlt hat. Die Handlung ist sehr einfach gehalten, aber stets linear und irgendwie besonders erzählt. Es dreht sich alles um Charlie Brown, der schüchterne und unsichere Junge, der nichts anderes will, als dem rothaarigen Mädchen in seiner Klasse etwas näher zu kommen. Dabei passieren ihm so viele Dinge, die ihn immer wieder vor eine neue Herausforderung stellen. Um dem rothaarigen Mädchen nah zu sein, muss er mit ihr reden und damit fangen die Probleme für den schüchternen Charlie an.
In einem Nebenstrang stellt sich Snoopy seinem persönlichen Widersacher, dem Roten Baron, um seine Liebe Fifi zu retten. Werden Charlie und Snoopy es schaffen, sich den beiden Mädchen zu nähern? Welche Hürden müssen die Zwei auf sich nehmen?

Die Geschichte ist zwar alles andere als anspruchsvoll, allerdings wird sie rührend erzählt. Ich fühlte mich immer wieder in eine dieser Episoden zurückversetzt, in eine dieser alten Folgen von damals aus dem TV. Die eigentliche Story und die Nebenhandlung wurden stilecht umgesetzt und zusammengefügt. Erzähltechnisch passt es sogar noch viel besser zusammen. Man hat nie das Gefühl, dass man zwei komplett unterschiedliche Handlungen präsentiert bekommt. Die Schnittstellen der beiden Teile sind ebenfalls mit viel Witz ausgestattet. Für Kinder ist der Film absolut verständlich und nicht zu komplex, die Message dahinter ist auch nicht sonderlich verschachtelt, sondern wird ohnehin zum Ende direkt aufgelöst bzw. vorgestellt.

Wer „Die Peanuts“ als Fernsehserie gesehen hat, der weiß, dass die Geschichten nicht von hochtrabender Spannung geprägt sind. Viel mehr ist es stetiges Interesse und viel Spaß, die den Zuschauer dazu animieren, weiter am Ball zu bleiben. Genau das ist es auch bei diesem Film, wobei ich persönlich den Film schon auf seine Art und Weise spannend empfunden habe. Es kam zwar nie zu diesem „Boah, ist das spannend“-Gefühl, aber man kann als Zuschauer auch nicht einfach wegschalten, dafür war das, was passiert, viel zu erlebenswert.

Der Humor ist situationskomisch, selten pointiert und meistens für Kinder sehr gut geeignet. Einzige Ausnahme ist Snoopy, der mit seinen Handlungen zweifelsohne die witzigste aller Figuren ist, allerdings dabei gerne mal ins Ironische schlägt.

Musikalisch gibt es nichts zu meckern, außer, dass man die Melodien nicht lange im Kopf behält. Sie haben wenig Wiedererkennungswert, auch wenn sie im Film ihre Sache, durch ihren unterstützenden und untermalenden Charakter, gut gemacht hat.

Die Animationen sind technisch nicht auf dem allerhöchsten Niveau. Das Problem, dem sich die Macher ausgesetzt gefühlt haben, liegt auf der Hand: Sie wollten die altbekannte 2D-Vorlage in eine 3D-Animation umwandeln. Eine allzu große Abweichung von Zeichnungen hätte definitiv etwas kaputt gemacht. Der typische Peanuts-Charme wäre nicht dabei gewesen. Sie mussten der Vorlage treu bleiben und haben das Beste daraus gemacht. Das, was letzten Endes präsentiert wurde, war die einzige Möglichkeit, den Stil und den Charme beizubehalten, aber gleichzeitig das junge Publikum von heute anzusprechen.

Mit einer Laufzeit von 88 Minuten fühlt sich dieser Film an wie eine überlange Episode der Serie. Das ist aber ganz und gar nicht schlimm, da diese Minuten gleichermaßen kurzweilig und unterhaltsam sind. Die Zeit verging wie im Fluge und es macht einfach Spaß, sich diesem Film hinzugeben und ihn sich anzuschauen. Dabei kommen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene auf ihre Kosten.

die-peanuts-der-film_dvdMeine Meinung:
Ich mag die Figuren um Charlie Brown und Snoopy. Damals wie heute sprechen sie mich an und ich war und bin gerne ein Teil dieses Abenteuers. Ich habe ihnen gerne zugesehen. Die Geschichte hat viele kleine Etappenziele, die am Ende ein Großes und Ganzes ergeben. Es war schön, diesen Prozess zu sehen und sich einfach unterhalten zu lassen.

Für mich war es wichtig, dass sich die Charaktere genau so anfühlen, wie sie es früher schon getan haben. Im Falle dieses Filmes wurde es geschafft. Ich hatte von der ersten Minute an genau dieses Gefühl, das mich abgeholt hat und mich für 88 Minuten wieder zu einem kleinen Jungen gemacht hat, der sich mit seiner Wolldecke vor den Fernseher gekuschelt hat und „Die Peanuts“ anschaute.

Technisch ist dieser Film nicht das Nonplusultra, aber das habe ich auch nicht erwartet. Für Nostalgiker, für diejenigen, die mit „Die Peanuts“ groß geworden sind und für jene, die zwar viel später geboren sind, aber sich trotzdem die Serie im TV angeschaut haben und irgendwas mit ihnen verbindet, für all diejenigen ist dieser Film. Er wird sie abholen und sie werden sich gut fühlen.

Ein zacksmovie-Highlight!

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Animationen: 6,5 von 10
Humor: 7,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Musik: 6,0 von 10
GESAMT: 7,3

Nerve

©STUDIOCANAL

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Titel: Nerve
Genre: Thriller / Romanverfilmung
Regie: Henry Joost / Ariel Schulman
Musik: Rob Simonsen
Produzenten: Allison Shearmur / Anthony Katagas
Dauer: ca. 96 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 12 beantragt

„Bist du Watcher oder Player? Auf Vees (Emma Roberts) Highschool gibt es so gut wie kein anderes Gesprächsthema mehr als die immer riskanter werdenden Challenges, die das illegale Online-Game ‚Nerve’ seinen Spielern stellt. Um ebenso wie ihre Freundin Sydney einmal im Mittelpunkt zu stehen, meldet sich die eher schüchterne Vee kurzentschlossen selbst bei ‚Nerve’ an. Angetrieben vom Kick des Verbotenen bricht Vee mit ihrem ebenso attraktiven wie mysteriösen Game-Partner Ian (Dave Franco) schnell alle Tabus: keine Challenge ist ihnen zu riskant. Über Nacht werden Vee und Ian die Sensation des immer gefährlicher werdenden Spiels! Doch als Vee herausfindet, dass ihre gesamten Social-Media-Accounts gehackt wurden, und versucht, aus dem Spiel auszusteigen, muss sie feststellen, dass es dafür längst zu spät ist…“
(Kurzinhalt Presseheft)

Es war ein heißer Sommertag und ich freute mich sehr darüber, dass ich zu einer von drei Pressevorführungen in ganz Deutschland gehen konnte, um den am 08. September in den deutschen Kinos erscheinenden Film „Nerve“ zu sehen.

Der Kurzinhalt beschreibt ziemlich genau die wesentlichen Eckpunkte des Films, ohne dabei zu spoilern. Ich empfehle auch jedem, sich nicht den Trailer anzuschauen, denn der gibt eindeutig zu viel vom Inhalt Preis. Wer Interesse an dem Film hat, sollte ihn sich im Kino anschauen.

Vee (Emma Roberts) ©STUDIOCANAL

Vee (Emma Roberts) ©STUDIOCANAL

Ian (Dave Franco) ©STUDIOCANAL

Ian (Dave Franco) ©STUDIOCANAL

Henry Joost und Ariel Schulman haben bereits bei „Paranormal Activity 3+4“ zusammen gearbeitet. Jetzt haben sie mit „Nerve“ einen Thriller gedreht, der vor allem durch seine Thematik aufsehen erregen sollte. Dazu aber später mehr.
Ariel Schulman ist mir zumindest ein Begriff. Auch wenn ich die beiden Horrorfilme nicht gesehen habe, kenne ich ihn zumindest von „Catfish – Der Film“, einem Dokumentarfilm über die Online-Beziehung seines Bruders Nev. Durch den Film und die Serie „Catfish – The TV Show“ wurde das Wort „catfishing “ im Urban Dictionary aufgenommen und beschreibt jemanden, der sich im Internet als jemand anderes ausgibt und daraus eine langanhaltene emotionale oder romantische Beziehung führt.
„Nerve“ basiert auf den Roman „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ (OT: „Nerve“) von Jeanne Ryan.

Die Geschichte ist linear und spannend erzählt. Es dreht sich alles um Vee und Ian, die durch eine Challenge zueinander gefunden haben. Nach einer kurzen Begegnung sollten sich die Wege der beiden wieder trennen, aber nicht, wenn es nach Nerve, dem Online-Game, geht. Und so verbringen Ian und Vee die nächste Zeit miteinander und werden von der einen Challenge in die nächste geschickt, die sie alle bestehen müssen. Schaffen die zwei eine Challenge, gibt es Geld, verlieren sie eine Challenge, verlieren sie jeden zuvor gewonnenen Cent.

Sydney (Emily Meade) ©STUDIOCANAL

Sydney (Emily Meade) ©STUDIOCANAL

Die Handlung spielt in New York in einigen Jahren, gar nicht so unweit von unserer Gegenwart entfernt und der Hype um das Online-Spiel „Nerve“ ist voll im Gange. Unter Jungendlichen und jungen Erwachsenen gibt es kaum ein anderes Gesprächsthema. Obendrein ist es ist die Gelegenheit für so viele Menschen, eine kurze Zeit im Scheinwerferlicht zu stehen, denn über dem Spiel steht eine zentrale Frage: Bist du watcher oder player?
„Nerve“ kommt nicht nur mit einem spannenden Grundszenario daher, sondern auch gleichzeitig mit einer Mahnung. Besonders heute, wo der NSA-Skandal noch ziemlich fest in den Köpfen der Menschen ist, muss sich jeder die Frage stellen: Wie viel will man von sich in den sozialen Netzwerken veröffentlichen? Mit wem teile ich welche Inhalte? Und vor allem: Wenn es ‚Nerve’ heute tatsächlich gäbe, bin ich watcher oder player?
Das Szenario selbst ist gar nicht so unrealistisch, die Mittel und Wege stünden uns heute bereits zur Verfügung. Daher sind die Handlung und Geschichte an sich verständlich und einfach nachzuvollziehen ohne dabei besonders aus der Luft gegriffen zu sein.

Ian und Vee (Dave Franco und Emma Roberts) ©STUDIOCANAL

Ian und Vee (Dave Franco und Emma Roberts) ©STUDIOCANAL

Spannungstechnisch hat „Nerve“ recht viel zu bieten. Mit einigen Wendungen und Überraschungen und einer rasanten Erzählweise wird dem Zuschauer in 96 Minuten Laufzeit alles andere als langweilig. Einziger Nachteil in diesem Punkt ist die Tatsache, dass manche Wendungen nur einmal ziehen. Hat man den Film bereits gesehen, wird man nicht mehr so überrascht sein. Ein zweites Mal Gucken ist nicht notwendig, da man am Ende nicht vor einem „Rätsel“ steht (nicht so wie bei „Interstellar“ oder „Inception“). Ein zusätzlicher Stimmungsmacher ist die gekonnt eingesetzte Action, wodurch das Interesse stets hoch ist. Die Challenges an sich sind immer aufregend und üben ihren eigenen Reiz aus.

Die Gefühlspalette war nicht sehr breit. Neben einem klischeehaften Verliebtsein wird dem Publikum noch Angst und Rivalität gezeigt. Die letzten beiden waren dabei in diesem Szenario wesentlich glaubhafter dargestellt als diese obligatorische Romanze. Man sieht sowieso immer öfter und in nahezu jedem Film eine Romanze und ich bin mir sicher, dass dieser Film mindestens genau so gut funktioniert hätte ohne ein Tête-à-Tête.

Zu den Figuren lässt sich viel sagen. Sie harmonieren und funktionieren zusammen sehr gut. Neben Dave Franco und Emma Roberts sieht man u.a. Juliette Lewis, Emily Meade, Miles Heizer und Colson Baker. Allesamt sind glaubhaft dargestellt und waren im Ausdruck nie drüber. Sie waren genau auf dem Punkt und waren mit ihren Charakteren eins. An der darstellerischen Leistung haben ich absolut nichts auszusetzen. Volle Punktzahl.

„Nerve“ hat es außerdem geschafft, dass ich meine Kategorie „Kameraführung“ herausholen muss. Denn hier muss ich sagen, dass dem Film ein ganz entscheidender Charme innewohnt. Oft ist der Zuschauer ebenfalls ein „watcher“ und sieht alles durch eine Smartphone-Kamera. Auch wird das Szenenbild von Texteinblendungen ergänzt, die die Kommentare der watcher zeigen. Ansonsten sieht man überwiegend New York bei Nacht, aber seltener die berühmten Sehenswürdigkeiten. Die ein oder andere Wohnung, ein Lagerhaus oder öffentliche Plätze sind auch dabei und sehr gut in Szene gesetzt.

Vee und Ian (Emma Roberts und Dave Franco) ©STUDIOCANAL

Vee und Ian (Emma Roberts und Dave Franco) ©STUDIOCANAL

Die Musik ist ein Mix aus populären und klassischen Stücken, wobei die klassisch-melodischen Songs in der Überzahl sind. Da ist es eher so, dass sie spannungsfördernd eingesetzt werden. Zu Anfang wird ein Pop-Song dafür verwendet, um die Story im eigentlichen Sinne voranzutreiben. Das Lied wird also Gegenstand der Geschichte. Ansonsten gibt es aber in diesem Punkt keine besonderen Kniffe, sodass unterm Strich die Auswahl der Melodien zwar stimmig, aber unauffällig ist.

Meine Meinung:
Das war meine erste Pressevorführung und ich habe es genossen.
Der Buchverlag cbt hat mir im Vorfeld einen Link zu einem Trailer zukommen lassen und ich empfehle jedem, der sich wirklich für diesen Film Interessiert, ihn sich nicht anzuschauen.

Ich bin mit dem Gedanken „kann man sich mal anschauen“ ins Kino gegangen und war tatsächlich begeistert. Nicht weil ich Kino für umsonst bekommen habe, sondern weil ich wirklich abgeholt wurde. Unter normalen Umständen wäre ich nie zu diesem Film ins Lichtspielhaus gegangen.

Dieser Thriller funktioniert sehr gut und unterhält auf einem kurzweiligen, aber hohen Niveau und das ist doch, was wir letzten Endes im Kino wollen: gute Unterhaltung.

Ich sehe außerdem keine andere Möglichkeit als „Nerve“ das zacksmovie-Highlightsiegel für gute Unterhaltung zu geben.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 10 von 10
Musik: 7,0 von 10
Kameraführung: 8,5 von 10
GESAMT: 8,2

Deadpool

Deadpool_CoverTitel: Deadpool
Genre: Action / Comicverfilmung
Regie: Tim Miller
Musik: Junkie XL
Produzenten: Lauren Shuler Donner / Simon Kinberg / Ryan Reynolds
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„Haltet eure Chimichangas fest, Leute. Hier ist DEADPOOL, das actiongeladene Meisterwerk mit dem heißesten Anti-Helden der Marvel Comics: ICH! Dringe tief ein (Ich liebe es!), in meine Geschichte, – typischer Kram… zwielichtiges Experiment, schnelle Heilungsfähigkeiten, furchtbare Verunstaltung, ROTER SPANDEXANZUG und unmittelbare Rache. Inszeniert von dem überbezahlten Regisseur Tim Miller und dem Vollidioten Ryan Reynolds, sowie mit Ed Skrein, Morena Baccarin, T.J. Miller und Gina Carano. DEADPOOL ist ein schräges Feuerwerk mit mehr Wendungen als die Eingeweide meiner Feinde und mehr Action als eine Schulabschlussfeier. GEILE SACHE!“
(Rückentext der BluRay)

Dieses Mal habe ich mir „Deadpool“ angeschaut. Einen Film, den ich bereits im Kino sah und mir auch auf BluRay besorgt habe. Wie gut mir dieser achte Teil der X-Men-Saga gefallen hat, lest ihr hier.

Die Handlung wird schon ziemlich treffend vom Rückentext beschrieben ohne großartig zu spoilern.
Das Besondere an dem Film ist, und das sieht man auch anhand der Beschreibung auf der BluRay, dass Deadpool immer wieder die imaginäre vierte Wand durchbricht und zum Zuschauer spricht. Aus dem Off oder direkt in die Kamera kommentiert, erklärt oder parodiert Wade Wilson/Deadpool die Situationen oder die ganze Handlung, wie es bis zu einem gewissen Ereignis kommen konnte.

Der ganze Film hat von Anfang bis Ende seinen komplett eigenen Stil und bleibt sich selbst auch immer treu. Die Erzählweise ist, wie eingangs erwähnt, geprägt vom Durchbrechen der „vierten Wand“ und einem „in der Zeit immer wieder hin und her Springen“, bis man jeden Aspekt kennt und weiß wie, was, wo passieren konnte. Anfangs ist es etwas verwirrend, mit der Zeit kündigt aber Deadpool an, wie weit man wohin springt. Auch dieses Stilmittel zieht sich durch den ganzen Film und ist dabei durchaus unterhaltsam, da es kaum Stellen gibt, in denen die Handlung still zu stehen scheint.

Eine gewisse Vielfältigkeit des Streifens zeichnet sich auch in der Art und Weise ab, wie man Spannung erzeugen möchte. Man beschränkt sich hier nicht nur auf den bloßen Einsatz von Actionsequenzen, sondern bietet dem Publikum dahinter auch noch eine recht unterhaltsame Story, die klischeehaft, einfach und doch absolut verständlich und nachzuvollziehen ist.

Mit schwarzhumorigen Witzen, satirischen bzw. ironischen Sprüchen und skurrilen Begebenheiten wird „Deadpool“ immer wieder aufgelockert. Es werden oft Begriffe verwendet, die stark unter die Gürtellinie gehen und dabei – offensichtlich – keine Grenzen des guten Geschmacks kennen oder setzen. Lacher werden dennoch oft und zur Genüge produziert.

Die Action ist immer sehr explizit. Es werden Gliedmaßen abgetrennt, Kopfschüsse verpasst, es spritzt Blut, Körper werden zerquetscht, verstümmelt und zugrundegerichtet. Ja, es ist alles sehr viel, aber es macht auch unglaublich viel Spaß, sich diesen Film anzuschauen, da es gut gemachte und teilweise vollkommen unrealistische Action ist. Popcorn-Kino vom Allerfeinsten.

Vor lauter Action und Witz könnte man meinen, dass die Emotionen dabei zu kurz kommen könnten. Falsch. Rache, Liebe, Vergeltung, Hass und zum Teil auch Trauer werden gefühlstechnisch ausgedrückt. Dabei zeigt „Deadpool“ auch eine überaus menschliche Seite. Weitestgehend werden die Gefühle allerdings nur oberflächlich abgehandelt.

Die darstellerische Leistung des Casts war von Grund auf solide und überzeugend. Ryan Reynolds und Morena Baccarin sind ein tolles Duo, das wunderbar auf der Leinwand harmoniert. Die Personenkonstellation funktioniert auch sehr gut. Schade ist allerdings, dass die meisten Figuren nicht sonderlich tief sind. Auch erfährt man von den allermeisten recht wenig bis gar nichts, ausgenommen Wade Wilson. Auch die Verkörperung des Antagonisten ist Ed Skrein sehr gut gelungen. Es gibt hier einen klaren Unterschied zwischen den beiden „Hauptfiguren“. Deadpool, der eher verrückte und psychisch labile Charakter trifft auf den geradlinigen und bösen Ajax.

„Deadpool“ ist in 108 Minuten knackig und gut erzählt. Dadurch, dass der Zuschauer immer wieder in der Zeit hin und her springt kommt auch keine Langeweile auf. „Deadpool“ ist zwar nur zum Teil auserzählt, Anknüpfungspunkte für einen zweiten Teil sind trotzdem vorhanden.

Die Musik war sehr gut ausgewählt. Junkie XL hat einen guten Mix gefunden. Selten bis nie wurden klassische Stücke verwendet. Den Löwenanteil der Musik machen moderne Hip-Hop-Klänge aus. Ausreißer in die 80er Jahre gibt es aber auch hin und wieder. Teilweise war die Musik aber überpräsent und man neigte eher dazu, mit dem Beat zu gehen, statt auf den Film zu achten.
Darüber hinaus dient die Musik als Stilmittel. In Szenen, in denen es eigentlich traurig zugeht, wird fröhliche Musik zur Untermalung verwendet. Die Musik wird immer wieder dafür benutzt, einen zu Kontrast bilden.

Deadpool_DVDMeine Meinung:
So viele Jahre nachdem der erste „X-Men“-Film erschien, ist nun mit „Deadpool“ der achte Ableger der „X-Men“-Reihe heraus gekommen. Das Schöne ist, dass beide Streifen in gewisser Weise Vorreiter sind. Mit dem ersten Teil wurde die Comicverfilmung salonfähig. 16 Jahre später überzeugt „Deadpool“ mit Witz, einer hervorragenden Schnittarbeit und einer perfekt umgesetzten Erzählweise, die immer wieder das Publikum mit einbezieht.

Deadpool ist eine komplett andere Comicfigur, als wir sonst zu Gesicht bekommen. Er ist ein Anti-Held. Mit diesem Streifen bekommen wir auch zum ersten Mal eine Comicverfilmung, die viel blutiger, asozialer und dreckiger ist als andere.

Davon ab, ich mochte die Geschichte, die Beweggründe, die Figuren und die Musik. Ich hatte kein Problem mit der sehr expliziten Action oder dem plumpen Humor. Entertainment pur.

Wer sich von einer sehr flachen Handlung und dem übermäßigen Gebrauch von Schuss- oder Stichwaffen nicht abschrecken lässt, der obendrein auf Comicverfilmungen steht und auch sonst Fan der gepflegten Explosion ist, der macht mit „Deadpool“ nichts falsch. Auf der Leinwand, wie auch auf dem Fernseher überzeugt dieser Streifen mit seiner unkonventionellen Erzählweise und macht richtig Spaß.

Ich kann aber auch Kritiker verstehen, denen es zu wenig Handlung und zu viel Action ist, denen die Emotionen zu oberflächlich waren und die sich durch die Erzählweise eher verwirrt gefühlt haben. Aus ebenjenen Gründen gibt es Punktabzüge. Von mir bekommt der Film aber dennoch das „zacksmovie-Highlight-Siegel“ für überragende Unterhaltung.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Action: 9,0 von 10
Humor: 7,5 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,5 von 10
GESAMT: 7,8

Kick-Ass

IMG_3374Titel: Kick-Ass
Genre: Action / Comicverfilmung
Regie: Matthew Vaughn
Musik: John Murphy / Henry Jackman / Marius de Vries / Ilan Eshkeri
Produzenten: Matthew Vaughn / Brad Pitt / Kris Thykier / Adam Bohling / Tarquin Pack / David Reid
Dauer: ca. 112 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 16

„Dave Lizewski ist ein stinknormaler Teenager. Keine Freundin, keine Superkräfte, aber eine schräge Idee. Als ‚Kick-Ass’ will er in den Straßen von New York für Recht und Gesetz kämpfen, kassiert dafür aber erst einmal ordentlich Prügel. Gleichzeitig erscheint ein Superheldenduo auf der Bildfläche: Big Daddy und seine kampflustige Tochter Hit-Girl, die der Gangsterbande um Mafioso Frank D´Amico den Krieg erklärt haben. Erst im großen Showdown wird auch Kick-Ass beweisen können, dass er seinen Namen zu Recht trägt… oder dabei draufgehen.“
(Rückentext der DVD)

„Kick-Ass“, einer meiner zehn liebsten Filme. Eigentlich wollte ich ihn mir auf BluRay holen, beim sehen der DVD-Hülle habe ich mich spontan dagegen entschieden. Ich habe ihn nun 5, 6, 7 Mal gesehen und ich liebe ihn nach wie vor.
Es ist schwierig, hier eine objektive Kritik zu schreiben, da ich so viel mit dem Film verbinde.

Die komplette Geschichte wird uns von Dave aus dem Off erzählt, der aktiv das Publikum anspricht und mal mehr, mal weniger, sarkastisch das Geschehen kommentiert. Insgesamt ist die Erzählweise aber recht knifflig, denn es werden gleich drei Handlungsstränge parallel erzählt. Zum einen befinden wir uns bei Dave und seinen Kumpels aus der Highschool, zum anderen bei dem Mafiaboss Frank D´Amico und zum dritten sehen wir Big Daddy und seine Tochter Hit-Girl. Die verschiedenen Storyebenen sind zwar nicht von Anfang an ineinander verstrickt, werden es aber mit zunehmender Laufzeit. Für einen kurzen Abschnitt übernimmt Big Daddy das Erzählen und lässt uns an seiner Geschichte – in Form eines Comicheftes – teilhaben. Besonders stilecht sind die comichaften Einblendungen, die sich durch den ganzen Film ziehen und dem Zuschauer eine kleine Hilfestellung geben, wo oder in welcher Zeit wir uns befinden. Spätestens jetzt wird klar, dass „Kick-Ass“ auf einem Comic basiert und eine klare Verbindung zu seiner Vorlage herstellt. Außerdem ist der Film in einer riesigen Rückblende erzählt. Der Hauptteil der Geschichte spielt tatsächlich 6 Monate in der Vergangenheit. Erst am Ende, ca. die letzten 5-8 Minuten, sind wir in der Gegenwart.

Von Minute eins an wird Spannung erzeugt. Es beginnt mit einem Typen, der auf einem Dach eines Wolkenkratzers steht und ein Superhelden-Kostüm trägt. Was wird er machen? Dazu passend, die einleitenden Worte von Dave aus dem Off. Hier ist der erste Punkt, an dem der Zuschauer abgeholt wird. Besonders die ersten zwanzig Minuten sind von einem stetigen Wechsel von Auf- und Abbauen des Interesses geprägt. Das liegt vermutlich auch daran, dass in dieser Zeit alle wichtigen Figuren eingeführt und vorgestellt werden. Früh merkt man, auf wessen Seite das Publikum gezogen werden soll. Mit zunehmender Laufzeit steigert sich die Intensität und die Entwicklungen der Figuren bekommt seine ganz eigene Dynamik.
Dadurch, dass einige Handlungen stark vorhersehbar sind, kommen Überraschungsmomente beim Zuschauer leider nicht an. Zum Ende des Streifens wird es dann noch Mal richtig heiß und alles gipfelt in einem Actionfeuerwerk, das Seinesgleichen sucht. Ein Showdown, der es wert ist, so genannt zu werden.

Actionmäßig bekommt das Publikum ordentlich was geboten. Schlägereien, Kampfszenen, Explosionen und Schießereien gehören standardmäßig zum Repertoire. „Kick-Ass“ unterscheidet sich da nicht von anderen Actionfilmen und ist auch nichts Besonderes, allerdings sieht es ziemlich cool aus, wenn sich ein Niemand ein Kostüm anzieht und dadurch zu einem anderen Charakter wird.

Hinter dem Gesamtkunstwerk „Kick-Ass“ stecken auch einige Gefühle, die von Rachegelüsten bis zur Lovestory reichen. Alles, was sich dazwischen befindet, ist leider nur so halb vorhanden. Der Fokus liegt nicht auf den Gefühlen und auch die Motive sind – zumindest bei Dave – nicht emotionsbedingt. Das lässt sich aber nicht generalisieren, bei anderen Figuren sind Gefühle die ausschlaggebende Motivation für ihr Handeln.

Dave ist ein Niemand, ein unscheinbarer Typ, der in der Woche zwischen 21 und 2 Uhr nachts Verbrechen bekämpft. Er macht einen nerdigen Eindruck, doch sowie er in seinem Kostüm steckt und zu Kick-Ass wird, ist er mutig und heldenhaft. Im wahrsten Sinne wird er zu einem anderen Menschen. Im echten Leben ist eine solche „Verwandlung“ schwer denkbar, aber im Film oder im Comic ist diese Wesensänderung durchaus nachzuvollziehen.
Dazu lässt sich sagen, dass die Rolle des Mafiabosses Frank D´Amico realitätsnäher als Kick-Ass oder Hit-Girl ist. Am wenigsten überzeugend war die Rolle von Christopher Mintz-Plasse: Er spielt Chris D´Amico/Red Mist. Im gesamten Film ist er unauthentisch und nicht glaubwürdig, da es ihm an vielen Dingen fehlt. Als Sohn eines Mafiabosses kommt er verweichlicht, feige und falsch daher, außerdem spielt er seine Rolle mit einer unangenehmen Milchbubi-Attitüde, die nur von seiner schlechten Frisur übertroffen wird.
Auf der menschlichen Ebene sind Dave Lizewski (Aaron Johnson) und seine beiden Kumpels Marty (Clark Duke) und Todd (Evan Peters) sehr überzeugend. Sie verhalten sich wie drei Freunde aus der Schule, mit post-pubertären Sprüchen und leichtem Machogehabe.
Big Daddy und Hit-Girl (Nicolas Cage und Chloë Moretz) sind sowohl mit als auch ohne Maske eigensinnig. Bis zum Ende des Filmes wirken sie übernatürlich und im Gegensatz zu den anderen Figuren stark arrogant.
Verletzlich, mutig, ehrlich und aufrichtig kommt als einziger in der Mischung Dave/Kick-Ass daher. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er ständig Schläge einstecken muss. Er kämpft und überzeugt, sowohl mit als auch ohne Maske.

Über eine Sache in diesem Streifen kann man wirklich nicht meckern: die Filmmusik.
Sie war gleichermaßen zurückhaltend wie unterstützend. Ausnahmen, in denen sie vorherrschendes Stilmittel einer Szene war, wurden sehr gekonnt ausgewählt. Besonders die klassischen Stücke haben einen epischen Charakter und verursachen nichts weniger als Gänsehaut.

Die changierende Papphülle ist ein besonderer Blickfang

Die changierende Papphülle ist ein besonderer Blickfang

Meine Meinung:
„Kick-Ass“ gehört zu den zehn Filmen, die ich an einem verregneten Sonntagnachmittag, zu Weihnachten oder zu Beginn eines perfekten DVD-Abends anschauen kann.

Über einige Schwächen kann ich hinwegsehen, aber um fair zu bleiben muss ich sie hier mit einigen Punkten Abzug „bestrafen“.

Das faszinierende an dem Film ist, dass sich ein stinknormaler Teenager in einen Neoprenanzug zwängt, eine Maske aufsetzt und sich Kick-Ass nennt. Er hat keinerlei besonderer Fähigkeiten außer seinem Sinn für Gerechtigkeit und seinem Mut, Dinge zu tun, vor denen andere Angst haben.

Trotz der komplexen Story mit den drei Handlungssträngen ist der Film nicht verwirrend, auch fällt es mir nicht schwer, der Geschichte zu folgen. Bei einer Laufzeit von ca. 112 Minuten kommt auch keine Langweile auf, selbst dann nicht, als die Charaktere vorgestellt und eingeführt werden.

Insgesamt ist „Kick-Ass“ ein Highlight und ein Film, den man in diesem Genre gesehen haben muss.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Action: 8,0 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,5 von 10
Authentizität: 7,5 von 10
Musik: 10 von 10
GESAMT: 8,1

Reihenfolge:
Kick-Ass
Kick-Ass 2

Her

IMG_3373Titel: Her
Genre: Science-Fiction / Drama
Regie: Spike Jonze
Musik: Arcade Fire
Produzenten: Megan Ellison / Vincent Landay
Dauer: ca. 121 Minuten
Erscheinungsjahr: 2013
Altersfreigabe: FSK 12

„‚Her’ spielt in naher Zukunft in Los Angeles: Der hochsensible Theodore (Joaquin Phoenix) lebt davon, anrührend persönliche Briefe für andere Menschen zu verfassen. Eine gescheiterte langjährige Beziehung hat ihm das Herz gebrochen – umso aufgeschlossener reagiert er auf sein neues Betriebssystem, das ihm als intuitive, eigenständige Persönlichkeit angepriesen wird. Als Theodore das System startet, lässt er sich von „Samanthas“ freundlicher Stimme (im Original gesprochen von Scarlett Johansson) bezaubern, denn sie stellt sich mit viel Verständnis, Sensibilität und erstaunlichem Humor auf ihn ein. Samanthas und Theodores Bedürfnisse und Sehnsüchte ergänzen sich, entwickeln sich weiter, ihre Freundschaft wird intensiv… bis sie sich schließlich ineinander verlieben.“
(Rückentext der DVD)

„Her“ war ein ganz spontan gekaufter Film und auf Anraten meiner Herzdame griff ich zu. Oft schmiss sie diesen Film in den Ring, wenn wir uns gefragt haben, was wir uns anschauen wollen. Heute hat sie gewonnen.

„Her“ kommt ruhig, mit einer einfachen Erzählweise und einer aufwühlenden Geschichte daher. Der Rückentext verrät schon recht viel über den Inhalt, deswegen werde ich versuchen, nicht weiter auf das Geschehen einzugehen, sondern nur den Inhalt zu analysieren und einige Gedanken aufzugreifen und weiter zu entwickeln.
Die Erzählweise ist wirklich sehr einfach gehalten und die Einführung der Charaktere ist ebenso schnell vollzogen, wie sich das neue Betriebssystem im Film etabliert hat. Dem Zuschauer kommt OS1 – oder Samantha – wie ein echter Charakter vor. Für das Publikum klingt sie wie eine Stimme aus dem Off, wohingegen Theodore sie, mittels eines Knopfs im Ohr, hören kann. Die Handlung ist von emotional komplexen Vorgängen geprägt und wirft immer wieder Fragen beim Zuschauer auf, die sie auch meistens beantworten kann.

Wenn man sich auf die Handlung und die Figuren eingelassen hat, wächst das Interesse von Minute zu Minute. Die Nerven werden zwar nicht auf die Zerreißprobe gestellt, aber dadurch das „Her“ so unglaublich emphatisch ist, will man auch unbedingt wissen, wie es weiter geht mit Theodore und Samantha. Ebenso will man erfahren, wie offen er mit der Tatsache umgeht, sich in sein Betriebssystem verliebt zu haben oder wie seine Umwelt auf diese Neuigkeit reagiert. Entgegnet man ihm mit Akzeptanz oder wird man ihn für verrückt erklären? Weiß Theodore, dass Samantha bloß in einem Computer lebt und wie will sie überhaupt an seinen sozialen Kontakten und Unternehmungen teilhaben? Wird er sich von nun an nur in seinen eigenen vier Wänden befinden und versuchen eine, auf verschrobene Art und Weise, normale Beziehung mit einem Computer zu führen?
All diese Fragen entstehen nur durch die reine Beobachtung der Handlung und sorgen automatisch maßgeblich dafür, dass das Interesse hoch bleibt. Wendungen im Verlauf der Geschichte scheinen vorhersehbar zu sein, die Ausgänge dieser Überraschungen sind aber tatsächlich unerwartet und aufregend.

Emotional und authentisch, kann man die Leistung der Darsteller beschreiben. Natürlich lebt der Film von Theodore, da er ja auch der Hauptprotagonist ist. Joaquin Phoenix verleiht seiner Figur viel Tiefe und untermalt das Ganze mit einer breiten Gefühlspalette. Von einer leicht depressiven Neigung zu Anfang, verändert sich seine Stimmungslage mit zunehmender Dauer des Films. Ein grundsätzlich positiver Trend wird immer mal wieder von einer kurzen Phase unterbrochen, eine Phase von Einsamkeit und übertriebener Verletzbarkeit. Samantha kommt mit einer gelassenen und humorvollen Art daher, die im Bereich der künstlichen Intelligenz definitiv seines Gleichen sucht.
Auch die Figuren in seinem Umfeld sind stetig dabei, sich zu verändern. Selbst Samantha, die von Anfang an selbstreflektierend ausdrücken kann, was ihr fehlt und was sie sich wünscht, ist dabei, eine merkliche Entwicklung zu durchlaufen.

Für den Zuschauer mag es in erster Linie etwas befremdlich sein, dass sich ein Mann in sein Betriebssystem verliebt und es sich auch in ihn, aber in dieser nicht näher definierten Zukunft von Los Angeles sind die Grenzen von echter und künstlicher Intelligenz nahezu aufgehoben. Samantha wird immer mehr zu einem Wesen mit echten Emotionen und tiefgreifenden Bedürfnissen, sowohl körperlicher als auch geistiger Natur. „Her“ fängt dahingehend (vermutlich sehr) authentisch ein, wie eine veränderte technologisierte Welt aussehen kann und in welchem Ausmaß echte und künstliche Intelligenz anfangen zu interagieren.

Die musikalische Untermalung wurde dominiert von Saitenmelodien, im engeren Sinne von klassischer Klaviermusik. Abwechslung wurde durch den gelegentlichen Gebrauch von Ukulele erzeugt.

Meine Meinung:

Ich war zunächst sehr skeptisch, ob mir „Her“ gefallen könnte, doch schon nach wenigen Minuten wurde ich von den Figuren in ihren Bann gezogen. Meine anfängliche Skepsis verflog.

Ich fühlte mich erstaunlich entertaint. Meine anfänglich niedrigen Erwartungen an den Film wurden schnell sehr weit übertroffen und „Her“ entpuppte sich als ein Kunstwerk mit unschätzbarem Wert. Ein absolutes Highlight, das erfrischend anders als die anderen ist. Eine gefühlvolle Lovestory, ein spannendes Drama und eine Geschichte, die vorhersehbare Wendungen mit überraschenden Ausgängen kombiniert.

Besonders die emotionale Ebene spricht mich sehr an. Die Tatsache, dass sich ein Mann in sein neues Betriebssystem verliebt und Gefühle entwickelt, für etwas Unechtes, das keine echten Gefühle erwidern kann. Problematisch sieht es spätestens dann aus, wenn man diese Gefühle ausleben möchte oder an gesellschaftlichen Aktivitäten zu zweit oder zu viert teilnehmen möchte. Wie wird es aufgenommen? Sieht man dann dort einen Typen mit seinem Smartphone oder zwei gleichwertige Individuen, die auf emotionaler und geistiger Augenhöhe miteinander kommunizieren und interagieren? Sind liebevolle und emphatische Freundschaften überhaupt möglich? „Her“ zeigt dem Zuschauer, wie so eine Zukunft aussehen kann.

Und wenn man Schluss machen will, dann fährt man den PC einfach herunter und lebt. Im Hier und Jetzt, mit echten Menschen, echten Herzen und echten Gefühlen. Das ist zwar komplizierter und anstrengender, aber man bekommt auch echte Liebe zurück.

Meine Wertung:
Spannung: 9,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 10 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,7

IP Man

IMG_2093Titel: IP Man (Mandarin: „Yè Wèn“)
Genre: Martial-Arts-Film / Eastern
Regie: Wilson Yip
Musik: Kenji Kawai
Produzenten: Bak-Ming Wong
Dauer: ca. 101 Minuten
Erscheinungsjahr: 2008
Altersfreigabe: FSK 18

„Im China der Vorkriegszeit ist IP Man (Donnie Yen) der berühmteste Vertreter der Martial-Arts-Kampfkunst ‚WingTsun’. Doch als die Japaner ins Land einmarschieren und seine Heimatstadt gewaltsam einnehmen, kann er nicht mehr für seine Familie sorgen und sieht sich gezwungen, im Bergwerk zu arbeiten. Als nach einem Kampfpartner gefragt wird – gegen ein Sack Reis im Falle des Sieges – meldet er sich. Auch ein alter Freund IP Mans nimmt das Angebot an und stellt sich den Japanern in einem der brutalen Martial-Arts-Kämpfen. Doch das fatale Duell endet für seinen Freund tödlich. Von Gerechtigkeit beflügelt versucht IP Man nun, den japanischen Soldaten auf seine eigene Art und Weise gegenüberzutreten. Es kommt zu einem alles entscheidenden Duell zwischen ihm und General Miura…“
(Rückentext der DVD)

Der erste asiatische Kampffilm auf meinem Blog ist „IP Man“. Wer diesen Blog kennt und liest, der sollte wissen, dass ich ein Faible für Kampf- und Sportfilme habe. Noch heute schwärme ich zum Beispiel für „Warrior“, der mich sehr beeindruckt hat. Habe ich mir also mit „IP Man“ einen würdigen „Nachfolger“ angeschaut?

Die Story handelt ausschließlich von „Meister IP“ (so wird er die meiste Zeit im Film genannt) und seiner nicht allzu weit verbreiteten Kampfkunst „WingTsun“. Als ein Meister einer Kampfkunst ohne Schule in Foshan wird er oft von Bewohnern der Stadt belagert und von anderen Meistern gebeten, eine Unterrichtseinheit in ihrer Schule zu geben, und zum Kampf herausgefordert. Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er in einem schönen Haus, bis die Japaner einmarschieren und er umziehen muss. Sein Leben wird rauer und er beginnt in einem Bergwerk zu arbeiten.
Die Handlung ist nicht verwirrend oder kompliziert erzählt. Wie in einer Autobiografie erlebt der Zuschauer alles, was IP Man betrifft, aus erster Hand. Einige Male wird der Film unterbrochen und eine Off-Stimme erklärt die Verhältnisse und sagt dem Publikum, was in der Zeit passiert ist, die nicht im Film gezeigt wurde. Das sind auch die einzigen Male, wo größere Zeitsprünge vorgenommen werden.

Für alle, die weder auf Sport- noch auf asiatische Kampffilme stehen, wird „IP Man“ nicht halb so spannend sein, wie ich ihn empfand. Tatsächlich schafft es der Film, eine gute Balance zwischen actionreichen Kampf- und markanten Charakterszenen herzustellen und nicht zuletzt damit das Interesse des Zuschauers auf sich zu ziehen. Am Beispiel von IP Man und seiner Familie wird auch gezeigt, wie die chinesische Bevölkerung unter der Besatzung der Japaner gelitten hat und welche Möglichkeiten sie hatten.

Um in einem Martial-Arts-Film die Gefühle zu finden, muss man schon sehr genau hinsehen. In der ersten Hälfte des Streifens waren emotionale Regungen eher Mangelware. Die Charaktere verhielten sich respektvoll, aber zurückhaltend – um nicht zu sagen kühl. In der zweiten Hälfte tauten die Emotionen auf, mit der Besatzung durch die Japaner kamen Sorgen, Wut und tiefer Stolz auf, aber auch Freundschaft wurde explizit dargestellt. Für einen asiatischen Film ist das schon fast ausufernd, tatsächlich ist es aber nur Mittelmaß, da man durchaus die Gelegenheit hatte, mehr, größere, wenn nicht sogar extremere Gefühle zu zeigen.

Die Darstellung der Charaktere ist dabei aber immer sehr glaubwürdig und originell. Donnie Yen passt in die Figur des IP Man. Er wirkt jung, stark und weise, dazu gibt er sich als nahbar und ist keiner, der einfach über allem steht. Auch die anderen Figuren sind sehr authentisch in Szene gesetzt. Von der Ehefrau Yong Chen (gespielt von Lynn Hung) über seinen Freund Quing Quan (gespielt von Simon Yam) bis hin zum japanischen General Miura (gespielt Hiroyuki Ikeuchi) sind die Figuren so dargestellt, wie man es von ihnen erwartet hat. Yong Chen ist eine echte Ehefrau, die hart mit IP Man ins Gericht geht und die will, dass ihr Mann mehr Zeit mit dem Sohn als mit dem Kämpfen verbringt. Quing Quan ist gegenüber IP Man stets loyal und aufrichtig und er verhält sich wie ein Freund. Der General Miura und sein Handlanger oder Adjutant Sato sind beide sehr originell. Der General ist hart, sowohl in Gestik als auch Mimik, wo hingegen Sato hinterhältig und niederträchtig wirkt. An dieser Stelle muss ich Shibuya Tenma für seine Darbietung als Sato loben, denn ich habe selten eine Figur so wenig gemocht wie diese. Das zeigt einmal mehr, dass er seine Sache gut gemacht hat.

Die Musik in „IP Man“ war nicht herausragend. Nach kurzer Zeit verblasst sie schon und wird von den Kampfbildern überlagert. Auch wenn sie im Film rein unterstützender Natur ist, hinterlässt sie keine Spuren und es wäre so, als sei sie nicht dagewesen. Schade, auch in diesem Punkt wäre definitiv mehr drin gewesen, Daumen runter.

IMG_2090Meine Meinung:
Was habe ich mich gefreut, endlich einen asiatischen Film für meinen Blog zu schauen. Tatsächlich kannte ich „IP Man“ noch nicht, um genauer zu sein: Ich habe einige Minuten aus dem zweiten Teil im Free-TV gesehen, die mich schon so faszinierten, dass ich mir gleich beide Filme bei dem DVD-Dealer meines Vertrauens holte.

Ich mag solche Filme, ich mag dieses asiatische Flair und ich mag Martial Arts. Deswegen bekommt „IP Man“ auch einen ganz besonderen Platz in meiner DVD-Sammlung.

Die Charaktere wurden sehr toll dargestellt und wirken authentisch. Die Gefühle waren aber leider eher nur so lala und haben mich nicht beeindruckt. Insbesondere die erste Hälfte des Filmes war dahingehend enttäuschend.

„IP Man“ hält sich mit ca. 101 Minuten eher kurz und wirft ein Blick auf das Wesentliche.

Die Geschichte um Meister IP ist aber, alles in allem, sehr überzeugend und spannend erzählt. Insbesondere die Kampfszenen haben ihren Teil zur Spannung beigetragen, auch wenn die Charakterszenen einprägend und „ruhig“ waren, haben sie ihre Wirkung nicht verfehlt. Beide Komponenten runden den Film gekonnt ab und machen ihn zu einem kleinen Meisterwerk.

Die Musik im Film ist nicht der Rede wert, Punktabzug.

Meine Wertung:
Story: 8,0 von 10
Action: 8,5 von 10
Spannung: 8,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 5,0 von 10
GESAMT: 7,4

Reihenfolge:
1. IP Man
2. IP Man 2
3. IP Man 3
4. IP Man 4 – The Finale

Angelehnt an die Story:
IP Man Zero
IP Man – Final Fight

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Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Das Schicksal ist ein mieser VerräterTitel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (engl. „The Fault in Our Stars“)
Genre: Drama
Regie: Josh Boone
Musik:
Produzenten: Marty Bowen
Dauer: ca. 121 Minuten (erweiterte Fassung ca. 128 Minuten)
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 6

„Hazel (Shailene Woodley) und Gus (Ansel Elgort) sind zwei außergewöhnliche Teenager, die ihren Sinn für Humor und ihre Abneigung gegen Konventionen teilen. Die beiden verlieben sich unsterblich ineinander und auch ihre Beziehung ist nichts weniger als außergewöhnlich – nicht nur weil eine Sauerstoff-Flasche Hazels ständige Begleiterin ist und Gus dauernd Witze über seine Bein-Prothese macht! Gemeinsam fliegen die beiden nach Amsterdam, um dort Peter van Houten (Willem Dafoe) zu treffen, den Autor von Hazels Lieblingsbuch…“
(Rückentext der DVD)

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist nicht einfach nur der Titel eines Buches von John Green und der Name eines Filmes, der auf dem Buch basiert, es ist auch irgendwie eine verdammt treffende Aussage, die jeder mehr oder weniger unterschreiben könnte, wenn man einen kurzen Blick in sein eigenes Leben wirft. Ich habe das Buch gelesen und konnte es in den ersten 2 Versuchen nicht beenden, weil mir die Thematik zu sehr an die Nieren ging. Erst im dritten Versuch, nachdem schon viel Zeit und Abstand zum 2. Mal gewonnen wurde und ich auch in meiner Situation besser mit dieser Thematik klar gekommen bin, konnte ich das Buch beenden. Am Ende stand für mich natürlich fest, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes ist.

Jetzt habe ich mich auch an den Film gewagt und ich bin gespannt, wie weit man sich von der Romanvorlage entfernt hat, ob er mich genauso abholt, wie das Buch und ob ich auch wieder mit einem pochenden Herzen dasitze und an alte Zeiten denke.
Hazel und Gus teilen sich ein Schicksal: Beide haben Krebs und beide gehen auf ihre ganz eigene Weise damit um. So unterschiedlich sie sich sind, so gleich sind sie auch in ihrer Einstellung und ihrem hoffnungsvollen Denken und Handeln.

Die Geschichte ist nicht sehr komplex und auch nicht verwirrend erzählt, dafür ist sie herzerwärmend und ebenjenes auch zerreißend. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nimmt uns mit auf eine unendlich schöne Reise in das Leben zweier Teenager, die außer sich nur die Gewissheit haben, irgendwann zu sterben. Die Story ist zwar nicht sehr innovativ, dafür aber aus dem Leben und sie beschreibt und zeigt eine solche Situation wohl ehrlicher, als man sich eingestehen, geschweige denn erleben will. Da der Film teilweise auch im niederländischen Amsterdam spielt und ich erst letztes Jahr dort war, habe ich mich diverse Male dorthin zurückversetzt gefühlt und ich konnte, wenn auch nur in meinen Gedanken, die wundervolle Zeit, die ich dort erlebt habe, irgendwie nochmals erleben.

Ein klassisches Spannungsgefühl kam nicht auf, das hängt aber auch mit dem Genre zusammen. Man möchte nicht auf dieser Ebene so unterhalten werden wie in Actionfilmen. Man möchte einfach nur bei Hazel und Gus sein und mit ihnen ihre Unendlichkeit erleben, ihr kleines Leben leben und hoffen und fühlen und lieben, so wie die zwei sich lieben. Automatisch will man wissen, was passiert und wissen, wie es passiert. Das ist die einzige Art der Spannung, die man bekommt.

Die Gefühle sind allesamt sehr stark. Es gibt auch keine Möglichkeit, sie anders darzustellen, denn die beiden haben keine andere Wahl als starke Gefühle zuzulassen. Wenn sie es nicht tun, wird es vielleicht kein zweites Mal geben. Die Gefühle sind so stark, dass sie das Publikum ergreifen und es mitnehmen. Wenn der Zuschauer sieht, wie Hazel ihren Gus liebt, dann liebt jeder einzelne Mensch Gus irgendwie auf die gleiche Weise.

Hierbei spielt auch die Authentizität eine große Rolle. Dabei stellte sich mir die Frage, wie ehrlich waren die Figuren und wie passen die gezeigten Emotionen zu den Charakteren.
In diesem Punkt kann ich nur sagen, dass alles sehr stimmig war. Es wurde nicht zu dick aufgetragen, sodass es künstlich aussieht, aber immer noch dick genug, um die Brisanz und die Dringlichkeit zu bemerken, solche Gefühle zu leben und zu fühlen. Eine Liebe ist ja auch irgendwie ein emotionales Auf und Ab. Doch bei Hazel und Gus ist es damit nicht genug, bei ihnen ist es auch ein gesundheitliches Auf und Ab, das besonders bei Krebspatienten immer stark ausgeprägt ist.
Auch die Nebenfiguren sind besonders und machen einen großen Teil des Charmes der Geschichte aus. Egal, ob Hazels übervorsichtige Eltern, der blinde Isaac oder der lebensbejahende Patrick – jeder ist auf seine Art authentisch und originell mit seinen Problemen und Gedanken und macht den Film ein kleines Stück besonderer.

In dem Punkt der musikalischen Untermalung wurde zunehmend auf bereits existierende Stücke zurückgegriffen. Birdy, Ed Sheeran, Tom Odell und Charlie XCX sind nur einige Namen, die man auf dem originalen Soundtrack zu hören bekommt. Die Mischung passt sehr gut und schafft es, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ auch auf der Ebene unterhaltend wirken zu lassen.

Meine Meinung:
„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ lehrt uns einige Dinge. Jedem vermutlich etwas anderes, aber definitiv auch, dass es etwas Wunderbares ist, zu lieben und geliebt zu werden. Eingangs habe ich beschrieben, welche Schwierigkeiten ich mit dem Buch hatte und wie sehr mich die Thematik beschäftigt hat. Zwar ist die Thematik immer noch die Gleiche, aber es macht es für mich nicht unbedingt leichter, eine filmische Umsetzung zu einem Buch zu sehen, welches mich sehr berührt hat.

Ja, der Film hat mich auch mitgenommen und ebenso berührt wie das Buch, aber doch anders. Im Film verfliegt der Moment und wird von einem anderen eingeholt, im Roman habe ich teilweise eine Stelle 10 bis 15 Mal gelesen, weil die Wortwahl mich so sehr getroffen hat und ich erst einmal diesen Moment erleben und verarbeiten musste. Solche „Probleme“ gibt es selten in Filmen, dass man eine Stelle immer wieder zurückspult, etwas immer wieder sieht und einfach noch nicht bereit ist, etwas anderes zu fühlen.

Der Film selbst hat mich sehr gut unterhalten, ich war von Minute 1 an dabei und durfte weitestgehend alles noch mal genau so fühlen, wie ich es damals beim Buch gefühlt habe. Auch wenn die Emotionen bei mir nicht ganz so ausgeprägt und intensiv waren, so kam ich nicht drum herum, ergriffen zu sein und die eine oder andere Träne zu vergießen.

Ich kann nicht viel meckern, denn im Großen und Ganzen wurde gute Arbeit geleistet. Hazel und Gus sind super besetzt, die Geschichte ist toll verpackt und das Setting genau so, wie ich es mir im Buch erdacht habe. Ich hatte zwar eine andere Vorstellung von den meisten Figuren und wie sie aussehen, aber ich finde dennoch, dass sie irgendwie gepasst haben und ich keine Probleme habe von meiner Ansicht abzurücken.

Die Musik hat mich, wie bereits erwähnt, auch sehr gut unterhalten und ich empfand sie keineswegs fehl am Platz oder falsch bzw. ungenügend ausgewählt.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass man sich die Lieder nicht einzeln anhören sollte, da sie im Film viel besser zueinander passen und auch die Tragweite und die Ausstrahlung der Songs kommen im Streifen besser zur Geltung.

Es hat mir auch gefallen, dass auf meiner DVD die erweiterte Fassung enthalten ist und so habe ich mir die 7 Minuten längere Version angeschaut, in der man auch den Autor des Buches John Green als Vater eines kleinen Mädchens am Flughafen sieht.
Fest steht, der Film hat von mir ganz klar den „Buch-Bonus“. Ich mochte das Buch und den Film und werde deswegen in mancher Hinsicht eher wohlwollend bewerten.

Und wenn ich doch noch mal etwas zu dem Buch lesen möchte, dann schaue ich mir den Beitrag von buecherherz an.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 10,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 9,0 von 10
Authentizität: 10,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,8

Interstellar

IMG_8328Titel: Interstellar
Genre: Science-Fiction / Drama
Regie: Christopher Nolan
Musik: Hans Zimmer
Produzenten: Christopher Nolan / Emma Thomas / Lynda Obst
Dauer: ca. 162 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 12

„Regisseur Christopher Nolan („Inception“, „The Dark Knight“-Trilogie) inszeniert die Story eines Forscherteams auf der bedeutendsten Mission in der Geschichte der Menschheit. Oscar®-Preisträger Matthew McConaughey spielt den Ex-Piloten und jetzigen Farmer Cooper, der seine Familie und die vom Untergang bedrohte Erde verlassen muss, um mit seiner Expeditionscrew die Grenzen unserer Galaxis zu überwinden und herauszufinden, ob die Menschheit in den Weiten des Alls auf einen neuen Anfang hoffen darf. Oscar®-Preisträgerin Anne Hathaway und Oscar®-Kandidatin Jessica Chastain wirken ebenfalls mit in diesem filmischen Meilenstein, den Lou Lumenick in der New York Post als ‚einen der anregendsten Kinoerfahrungen des neuen Jahrhunderts’ bezeichnet.“
(Rückentext der DVD)

Ich habe mir zuletzt „Interstellar“ angeschaut und habe festgestellt, dass es ein Fehler war, ihn noch nicht früher gesehen zu haben.

Christopher Nolan erzählt in diesem Film die Geschichte eines Ex-Piloten, der durch die Widrigkeiten auf der Erde dazu gezwungen ist, ein Farmer zu sein. Wir befinden uns in einer nicht näher definierten Zukunft, in der die Welt ausgelaugt und zerstört scheint. Überall sind nur Sand und Wüsten und der Mais ist das letzte Getreide, das die Menschen noch anbauen. Ein Vater muss die Erde verlassen, um für die Menschheit eine Zukunft zu finden. Die Erzählweise des Filmes ist anfänglich verwirrend, da ich das Gefühl hatte, ich würde mich in einer Dokumentation befinden. In den ersten Minuten werden öfter alte Menschen – die wie Zeitzeugen aussahen – interviewt und alle sprechen davon, wie es früher war. Es wirkte wahrhaftig wie ein Bericht über eine vergangene Zeit. Hinter diesem Einstieg entfaltete sich dann „Interstellar“ und entpuppte sich als alles, aber keine Dokumentation. Die Geschichte ist von der ersten Sekunde an chronologisch erzählt, es gibt keine Rückblenden und auch keine Verwirrung beim Publikum. Je mehr der Film ins Detail geht, desto mehr klärt er den Zuschauer auf. „Interstellar“ lässt niemanden im Dunkeln sitzen und kocht sein eigenes Süppchen, sondern er nimmt jeden Zuschauer mit auf diese Reise durch die Galaxie.

In seinen 162 Minuten Laufzeit nimmt „Interstellar“ sich auch Zeit für die „kleinen“ Dinge. In der ersten Stunde lernen wir eigentlich nur Cooper und seine Familie kennen und wissen, wie es um sein eigenes Schicksal bis dahin bestimmt ist. Nur langsam erahnen wir, was passieren wird. Darüber hinaus ist „Interstellar“ einer der wenigen Filme, die trotz einer großen Laufzeit, meiner Meinung nach, gerne noch eine Stunde länger sein könnten.

Cooper ist die tragische Figur in dem ganzen Film. Auf seinen Schultern liegt nicht nur das Schicksal der Erdbevölkerung, sondern auch das ganz persönliche Schicksal seiner Kinder. Er ist es, der sich entscheiden muss zwischen: „Ich lasse meine Kinder alleine zurück.“ und „Die Menschheit muss selbst sehen wo sie bleibt.“. Matthew McConaughey spielt diese Rolle grandios und zeigt sehr deutlich, wie schwer es seiner Figur gefallen ist, sich für eine Expedition zu entscheiden, ohne zu wissen, wann und ob er jemals seine Kinder wiedersieht. Von Lieben und Hoffen bis Hoffnungslosigkeit und dem traurigen Gewissen, der Liebe den Rücken gekehrt zu haben, ist auf der emotionalen Ebene alles dabei. Ebenso ist Mut ein treibender Faktor, den ausnahmslos alle Figuren irgendwie in sich vereinen.

Selten war ich so überzeugt von den Schauspielern. „Interstellar“ hat einen grandiosen Cast. Matthew McConaughey verleiht seiner Figur unglaublich viel Tiefe. Er schafft es sogar so weit zu gehen, dass ich mich gefragt habe, wie ich mich an seiner Stelle entscheiden würde. Michael Caine spielt einen Professor extrem glaubhaft, da er trotz Schauspielerei eine lehrerhafte Attitüde besitzt. Er wirkt weise, entschlossen und hoffnungsvoll und sucht eine Lösung in den Weiten des Alls. Zuweilen hatte ich auch das Gefühl, dass er besonders durch seine Weisheit als stabiler Rückhalt funktioniert, an dem man sich festhalten kann, ähnlich wie sich ein Kind an seinem Vater festhält, wenn es Schutz sucht. Jessica Chastain und Anne Hathaway sind die beiden weiblichen Rollen, die mich mit jeder Minute mehr und mehr überzeugt haben. Auch wenn es mir schwer fiel einen Zugang zu ihnen zu bekommen, bin ich letzten Endes überzeugt von ihren Leistungen. Unter all den guten Leistungen haben die Charaktere deutlich gemacht, warum sie tun, was sie tun. Darüber hinaus hatte ich nicht das Gefühl, dass die Schauspieler „zu viel“ gegeben haben. Es war eine glanzvolle und perfekte Mischung.
Auch die Atmosphäre im Film ist stark durch dieses Endzeitszenario geprägt. „Interstellar“ ruft beim Schauen eine Beklemmung hervor, die einem dieses Szenario noch ein Stückchen näher bringt.

Ich konnte bisher nichts Schlechtes über „Interstellar“ sagen und das soll auch so bleiben. Die von Hans Zimmer komponierte Musik untermalt den Film in jeder Szene. Sie verleiht von der ersten Minute an Gänsehaut und legt dabei den Fokus auf den Film. Die ohnehin schon sehr starken Bilder mit den starken Gefühlen, die man im Laufe des Films zu Gesicht bekommt, wirken nochmal wesentlich intensiver, wenn man sie mit der grandiosen Musik zusammen nimmt.

Ähnlich wie bei den „Der Hobbit“-Filmen muss ich auch bei „Interstellar“ die Kategorie „Kameraführung“ zurück ins Leben rufen: Der Film ist in dem Punkt eine Meisterleistung. Es ist unfassbar, was Christopher Nolan uns da eigentlich zeigt und wie viel Pioniergeist darin steckt. Von unwirklichen Welten bis hin zu Schwarzen Löchern ist alles dabei.
Die Spannung ist ein Zusammenspiel aus allen Punkten. Im Fall „Interstellar“ ist es eine perfekte Mischung und zum ersten Mal habe ich einen Film gesehen, bei dem ich mich gefragt habe, wie man es besser machen will.

Meine Meinung:
„Interstellar“ ist so viel mehr als ein Science-Fiction-Film. Er ist nicht abgedreht, soll heißen: Es geht weniger um die Raumschiffe, als um das Abenteuer. Es geht um Dimensionen und die Relativitätstheorie und was aus einem Menschen wird, der seine Kinder wiedersehen will, aber auf einer langen Reise ist, in der er sich auf Planeten befindet mit anderen Zeiten und Geschwindigkeiten, wo einige Minuten auf der Erde einige Jahre sind. Dass daraus dramatische Momente entstehen, die einzigartig sind, muss ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. Christopher Nolan zeigt Planeten, die man noch nie so gesehen hat und Schwarze Löcher, die von den Menschen genutzt werden. In den ganzen physikalischen Theorien bezieht er sich immer wieder auf den Faktor Zeit und Gravitation und er kreierte hier wieder einen Film, den man sich öfter angucken muss, um ihn komplett zu verstehen.

Ich frage mich, wie man sich so etwas ausdenken kann und dann, wie man so etwas auf die Leinwand bringen kann.
„Interstellar“ ist wohl das Beste, was ich je gesehen habe und ich verneige mich tief vor allen, die diesen Film zustande gebracht haben.

Ein Meisterwerk von Christopher Nolan, ein grandioser Cast, perfekte Musik von Hans Zimmer, dramatische und tiefgreifende Emotionen und eine Story, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht.

Meine Wertung:
Spannung: 10 von 10
Story: 10 von 10
Länge: 9,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 10 von 10
Authentizität: 10 von 10
Musik: 10 von 10
Kameraführung: 10 von 10
GESAMT: 9,9

S wie „Stonehearst Asylum“

IMG_7648Titel: Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen (engl. „Stonehearst Asylum)
Genre: Psychothriller
Regie: Brad Anderson
Musik: John Debney
Produzenten: Mark Amin / Bruce Davvey / Mel Gibson
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 16

„Am Weihnachtsabend 1899 erreicht der junge Arzt Edward Newgate (Jim Sturgess) die abgelegene Irrenanstalt Stonehearst. In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen möchte er von Dr. Lamb (Ben Kingsley) die modernsten Methoden im Umgang mit Geisteskrankheiten erlernen. Anders als üblich werden die Insassen hier nicht betäubt oder gefesselt, sondern können sich frei entfalten und ihren Wahnsinn ausleben. Unter den Patienten der Einrichtung befindet sich auch die wunderschöne Eliza Graves (Kate Beckinsale), die von Anfang an eine geheimnisvolle Anziehung auf Edward ausübt. Als Edward jedoch verdächtigen Geräuschen in die dunklen Keller des Gebäudes folgt, entdeckt er einen eingesperrten Mann, der behauptet, der eigentliche Leiter der Einrichtung zu sein. Um Dr. Lamb zu stoppen, muss Edward es schaffen, die geheimnisvolle Eliza Graves zu überzeugen, ihm zu helfen…“
(Rückentext der DVD)

Heute ist die Challenge bei „S“ angekommen und nachdem ich meine Wahl für „S“ schon getroffen hatte, habe ich sie für einen Film umgeworfen, der neu in meine große Sammlung kam. Ich war fest entschlossen, ihn schon bald zu gucken, aber die Wärme und meine übrige Freizeitgestaltung trieben mir die Lust heraus. Als ich dann „R“ gesehen habe und mir die obligatorische Trailershow gegeben habe, sprang mir förmlich „Stonehearst Asylum“ entgegen. Am Ende wurde es nicht der Film, den ich geplant hatte zu gucken und aus einer „nur-mal-kurz-in-die-Stadt-fahren“-Aktion wurde wieder ein viel zu großer Einkauf bei meinem örtlichen DVD-Dealer meines Vertrauens.

„Stonehearst Asylum“ bedient sich einfacher und genretypischer Methoden, um Spannung zu erzeugen. Sei es ein geheimnisvolles Geräusch, das durch einen Lüftungsschach kommt, dunkle oder sehr schattige Orte und viele Winkel, die alle schlecht ausgeleuchtet sind. Hinter allen möglichen Dingen kann etwas lauern, das schon die ganze Zeit darauf gewartet hat, heraus zu kommen.
Diese Methoden sind zwar altbewährt, aber leider auch vorhersehbar, sodass nicht immer der gewünschte Effekt eintraf und echte Schock-Momente ausblieben. Indirekt wurde die Spannung durch die Geschichte angeheizt, wodurch der Zuschauer immer wieder in den Bann gezogen wurde.

Die Geschichte ist komplex, sowohl in der Struktur als auch in der Erzählweise, dabei aber nicht allzu verwirrend. Aus der Sicht des jungen Arztes Edward Newgate bekommt der Zuschauer das Geschehen aus erster Hand mit. Dabei erkennt man rasch, dass es um mehr geht als bloß um die Heilung von Geisteskrankheiten. Aufgewertet wird der Film durch einige erstaunliche Wendungen und Geheimnisse. Auch die eine oder andere Rückblende bekommt das Publikum zu sehen. Dadurch bekommt es die einmalige Gelegenheit zu sehen, was vor der Ankunft von Edward Newgate in der Einrichtung geschehen ist.

„Stonehearst Asylum“ spielt die meiste Zeit in einer Irrenanstalt und dementsprechend bekommt das Publikum meistens Irre zu sehen. In dem Punkt haben die Schauspieler gute Arbeit geleistet, denn sie haben ihre Rollen authentisch verkörpert und mit Persönlichkeit gefüllt. Besonders müssen hier Ben Kingsley und Jim Sturgess hervorgehoben werden, da sie Hauptantrieb der Geschichte und der Spannung waren. Hätte auch nur einer der beiden weniger geleistet, hätte es Charme, „Glaubwürdigkeit“ und Authentizität des Streifens zerstört.

Darüber hinaus lässt „Stonehearst Asylum“ auch Gefühle zu, jedoch nicht immer glaubwürdig. Kate Beckinsale hat in der einen oder anderen Szene sehr dick aufgetragen. Weniger ist manchmal eben doch mehr. Nichtsdestotrotz zeigt der Film dennoch traurigen Anstaltsalltag im Jahre 1899 – so wie wir es uns vorstellen könnten – mit all seiner Skrupellosigkeit und – leider auch – Unwissenheit. Die daraus folgende Aggression, Trauer und Schmerz kam nicht in Form von Dialogen ans Tageslicht, sondern eher durch das glaubwürdige Handeln der Charaktere. „Stonehearst Asylum“ geht sogar noch einen Schritt weiter und beschreibt, dass auf einem Grund voller Tristesse auch Hoffnung, Mut und Zuneigung wachsen kann.

Meine Meinung:
Bei „Stonehearst Asylum“ kannte ich bloß den Trailer, den ich einen Tag vor dem Kauf der DVD erst entdeckt habe. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, einen Film zu gucken, den ich vorher a) noch nie gesehen habe und b) auch nicht kannte. Ich kannte keine Kritiken und hatte auch sonst keine Empfehlungen. Umso erstaunter war ich, dass er mich gut entertaint hat.

Im ganzen Film hatte ich nicht das Gefühl, irgendwie gelangweilt zu werden, auch wenn die Handlung in Teilen vorhersehbar gewesen ist. Ich hatte dennoch Spaß und empfand die Story als komplex, aber nicht verwirrend. Spannend war es hin und wieder auch, aber ohne den richtigen Schock-Moment.

Beeindruckt hat mich die darstellerische Leistung: Einen Irren zu spielen, verlangt manchmal mehr ab als einen absolut gesunden und normalen Menschen darzustellen. Obwohl Kate Beckinsale meiner Meinung nach ein bisschen zu viel Gefühl „reingelegt“ hat, empfand ich es nicht als großartig störend, der Rest hat ja weitestgehend überzeugt.

Die Musik war genretypisch, aber zurückhaltend und nichtssagend. Leider hat sie durch ihre Unauffälligkeit den Film auch nicht unterstützen oder einige Szenen untermalen können. Die Länge hingegen war absolut angenehm, auch wenn ich im Nachhinein denke, dass es verdammt viel „Stoff“ in so kurzer Zeit ist, hat aber gepasst.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 7,5 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Musik: 4,0 von 10
GESAMT: 7,0