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GANTZ – Spiel um dein Leben

IMG_3545Titel: GANTZ – Spiel um dein Leben (jap.: „Gantsu“)
Genre: Science-Fiction / Animeverfilmung
Regie: Shinsuke Sato
Musik:
Produzenten: Takahiro Sato
Dauer: ca. 124 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
Altersfreigabe: FSK 16

„Kei und Kato sind alte Schulfreunde. Nach langer Zeit treffen sie sich in einer U-Bahnstation in Tokyo wieder und werden bei einer Rettungsaktion von einem heranrasenden Express-Zug erfasst und getötet. Doch das Leben der zwei Freunde ist nicht endgültig ausgelöscht. Sie finden sich gemeinsam mit anderen Verunglückten in einem rätselhaften Raum wieder. In dem werden sie von einer mysteriösen Kugel namens GANTZ mit einer tödlichen Mission beauftragt. Mit Hilfe von speziellen Kampfanzügen und einer Auswahl an High-Tech-Waffen müssen sie in einem bestimmten Zeitraum Außerirdische auslöschen. Es beginnt ein waghalsiges Spiel… Jeder hat die Wahl: Spielen oder sterben!“
(Rückentext der DVD)

Damals stand der Anime zu „Gantz“ auf der Liste derer, die ich noch unbedingt sehen muss. Leider steht er da immer noch. Aber, wenn ich nicht den Anime sehen kann, schaue ich mir wenigstens die Realverfilmung an. An dieser Stelle sei gesagt, dass es zwei Filme gibt. Zum einen „GANTZ – Spiel um dein Leben“ und zum anderen „GANTZ – Die ultimative Antwort“. Beide Filme erzählen die Handlung der Vorlage.

Es fällt mir schwer, den Film zu analysieren, aber ich versuche es. Angefangen bei der Geschichte: Wie der Rückentext verrät, sind Kei und Kato nicht tot, obwohl sie es hätten sein müssen, immerhin wurden sie von einem Express-Zug überrollt. Doch stattdessen finden sie sich in einem Raum wieder, in dem GANTZ steht. GANTZ, eine pechschwarze Kugel, die den Auftrag ausgibt, die Invasion der Aliens aufzuhalten. Sie schickt all diejenigen, die dort landen, hinaus, um ebenjene Aliens zu töten. Dabei bekommt die Story tatsächlich noch einen philosophischen Touch. Der Zuschauer fragt sich unweigerlich, was wohl mit ihm passieren wird, wenn er stirbt. Ein Leben nach dem Tod? Eine Mission, eine Aufgabe, als unsichtbarer Held weiterzuleben und Aliens zu töten? Klingt zunächst aufregend, doch früh erkennen die „Teilnehmer“, dass auch ihr dortiges Leben nicht von Unsterblichkeit gekrönt ist. Wer dort stirbt, ist quasi endgültig weg. Auch wenn das alles für GANTZ ein Spiel zu sein scheint – vergibt die Kugel nach jeder Mission doch fleißig Punkte – kann der Spieler, in dem Fall der Tote, Punkte sammeln. Nach 100 Punkten kann er sich dann zwischen „Leben und vergessen, dass es GANTZ gibt“ und „Einen anderen bereits verstorbenen Spieler zurück ins Spiel holen“ entscheiden. Und da sind wir schon bei dem zweiten philosophischen Punkt. Wofür entscheidet man sich? Ist man egoistisch genug und lebt, statt jemanden wieder zurück ins Spiel zu holen? Logisch ist, dass der Zurückgeholte für sich selbst 100 Punkte sammeln kann, um sich dann wieder zwischen den beiden Möglichkeiten zu entscheiden.
Die Geschichte wird die ganze Zeit chronologisch, actionreich und spannend erzählt. Langeweile kam zwar dabei nie auf, aber Kniffe in der Erzählweise lässt der Film gänzlich vermissen.

Die Action war science-fiction-mäßig unterwegs. Es gab zwar keine Laserpistolen, aber dafür eine andere Art. Die Pistolen hatten keinen Lauf und auch keine Patronen. Stattdessen hat man geschossen und kurze Zeit später ist etwas in die Luft geflogen. Spannend. Die Verfolgungsjagden waren gut inszeniert. Die „Teilnehmer“ haben die Aliens durch leere Straßen, Parkhäuser und Museen verfolgt, dabei wurde nicht alles mit den „Pistolen“ geregelt, es gab auch Fäuste und Gewehre. Nicht zu vergessen sind abgetrennte Körperteile, Leichen und viel Blut.

Spannungstechnisch hat „GANTZ – Spiel um dein Leben“ recht viel zu bieten. Die Kämpfe mit den Außerirdischen, die freundschaftliche Beziehung zwischen Kei und Kato und die Frauenwelt kommt auch noch dazu. Die Tatsache, dass die „Wiederbelebten“ zwischen zwei Runden ihrem ganz normalen Leben nachgehen und jederzeit von GANTZ gerufen bzw. transferiert werden, um an der nächsten Runde teilzunehmen, tut ihr Übriges zur Spannung bei.
Keiner weiß, wann es mit der nächsten Runde losgeht und keiner weiß, ob er oder sie danach noch leben wird.

Die Gefühle und Emotionen kommen – ganz typisch für asiatische Filme – teilweise sehr plastisch rüber. Dabei gibt es anfänglich keine „Ich werde mich rächen“- oder „Ich mache das alles aus Liebe“-Momente. Die vorherrschenden Emotionen sind Angst und Mut. Anhand derer erkennt der Zuschauer früh, wie sich die Figuren weiterentwickeln. Langfristig bleiben die Charaktere in diesem Punkt allerdings einfältig.
Die Darstellung der Gefühle ist ein wesentlicher Punkt, um glaubwürdig rüber zu kommen. In drei Viertel des Filmes haben die Schauspieler ihren Charakter nur schlecht abgebildet, daher hat das Publikum den Figuren nicht alles abgenommen.
Darüber hinaus profitieren besonders die hinterhältigen Charaktere von diesem Umstand, denn die sollen tatsächlich kalt und unberechenbar wirken. Dem Rest nimmt das Publikum ihre Figuren nicht ab, dazu fehlte in den ersten zwei Drittel des Filmes das Facettenreichtum, die Tiefe und – wie bereits erwähnt – die emotionale Glaubwürdigkeit.

Einen großen Pluspunkt bekommt der Streifen durch seine Science-Fiction-Effekte. Es fängt damit an, wie Kei und Kato aus der U-Bahnstation in den Raum mit GANTZ transferiert werden. Die Darstellung ist überragend. Im Bezug auf die Außerirdischen ist auch eine große Vielfalt vorhanden. Es reicht von menschlichen-, über roboterähnlichen-, bis hin zu buddhaartigen Aliens, die allesamt auf ihre Weise aufregend und spannend inszeniert wurden.

Die musikalische Komponente ist allerhöchstens Beiwerk. Unauffällig, nebensächlich und von keiner größeren Bedeutung. Manchmal hat man sie mitbekommen, meistens aber nicht. Und wenn doch, dann hat man klassische Stücke zu hören bekommen. Traditionell asiatische Musik findet man in diesem Film ganz und gar nicht.

Mit 124 Minuten durchbricht der Film die Zweistunden-Marke. Dabei kommt er einem unglaublich kurzweilig vor. Häufiger Wechsel der Orte, eine gelungene Mischung aus Kampf- und Charakterszenen und eine spannende Erzählweise sorgen dafür, dass man dieses „Oh, schon vorbei“-Gefühl hat.

IMG_3553Meine Meinung:
Ich mochte „GANTZ – Spiel um dein Leben“ sehr gerne. Doch trotz der guten und gelungenen Erzählweise, spannenden Inszenierung, Vielfalt der Außerirdischen und grandiosen visuellen Effekten, hat er – wie jede Medaille – auch seine Kehrseite. Emotional und Authentisch war da nicht viel zu holen. In den letzten 20 bis 30 Minuten tauten die Figuren erst dahingehend auf und damit waren sie die meiste Zeit blass und eindimensional. Schade.

Dadurch, dass man viele Szenenwechsel hatte, kam die Action gut dosiert bei mir an und hat mich nicht überrumpelt. Ich mag es nicht, wenn sich der Film in schier endlosen Explosionen, Schlachten oder Schießereien verliert. „GANTZ“ hat den Blick für die Story nicht verloren und dabei dennoch eine große Palette Action bereit gestellt und angezündet. Sehr gut.

Auf dem Science-Fiction-Sektor bekommt dieser Film auch seine Punkte. Herausragend waren die visuellen Effekte des Transferierens und die Darstellung der Waffen, Kampfanzüge und Aliens.

Auch wenn der Film viele Fragen aufwirft und einige davon unbeantwortet im Raum stehen lässt, bereitete er großen Spaß. Vielleicht bekommen wir ja im zweiten Teil einige Antworten, schön wäre es.

Meine Wertung:
Story: 8,0 von 10
Action: 8,0 von 10
Spannung: 8,5 von 10
Science-Fiction: 9,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 7,0 von 10
Musik: 5,0 von 10
GESAMT: 7,3

Reihenfolge:
1. GANTZ – Spiel um dein Leben
2. GANTZ – Die ultimative Antwort

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