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Southpaw

IMG_2823Titel: Southpaw
Genre: Boxfilm / Drama / Sportfilm
Regie: Antoine Fuqua
Musik: James Horner
Produzenten: Antoine Fuqua / Todd Black / Jason Blumenthal / Steve Tisch / Peter Riche / Alan Riche
Dauer: ca. 120 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 16

„Den Titel des Boxweltmeisters hat sich Billy Hope (Jake Gyllenhaal) hart von ganz unten erarbeitet, nicht zuletzt dank der unermüdlichen Unterstützung seiner geliebten Frau Maureen (Rachel McAdams), die im Hintergrund die Fäden zieht. Doch ein Schicksalsschlag, durch den auch das Leben von Billys kleiner Tochter aus den Fugen gerät, zerstört jäh die Idylle. Als ihn dann auch noch sein langjähriger Freund und Manager (Curtis „50 Cent“ Jackson) im Stich lässt, fällt Billy ins Bodenlose. Erst als Box-Coach Tick Wills (Forest Whitaker) ihn unter seine Fittiche nimmt, ist Billy bereit, sich wieder in den Ring zu wagen und sich dem härtesten Kampf seines Lebens zu stellen: dem Kampf gegen sich selbst.“
(Rückentext der DVD)

Ich hatte es in einer anderen Filmkritik bereits erwähnt, dass ich total auf Sportfilme stehe und so war es irgendwie schon vorher klar, dass ich mir unbedingt „Southpaw“ zulegen muss. Ich habe ihn schon eine ganze Weile, aber ich kam erst jetzt dazu, ihn mir anzusehen. Im Vorfeld habe ich nicht so viel von diesem Film gehört, auch damals nicht, als er frisch in die Kinos kam. Umso besser, denn dann kann ich mich vollkommen unbeeinflusst auf ihn einlassen.

Zu dem Inhalt gibt der Rückentext schon viele Informationen wieder, ohne näher ins Detail zu gehen. Ergänzend kann ich nur sagen, dass das Leben Billy mit voller Breitseite trifft und er ins Wanken gerät. Mit allem, was er hat, versucht er aus einem Sumpf von Trauer, Wut und Hoffnungslosigkeit zu entkommen und zurück in die Spur zu finden. Die Erzählweise ist sehr einfach und hat keine besonderen Kniffe. Der Zuschauer ist die ganze Zeit bei Billy, egal ob er im Ring steht, bei seiner Frau und seinem Kind ist oder im Gym. Wir erfahren somit alles, was Billy explizit betrifft und was er erlebt.
Da es sich bei „Southpaw“ aber um ein Sportledrama handelt, hat ein persönlicher Schicksalsschlag auch immer einen – nicht unerheblichen – Einfluss auf die Karriere des Sportlers. Billys Absturz lässt also nicht lange auf sich warten.
An sich Bedarf es bei dem Film keine größere Konzentration seitens der Zuschauer, denn die Geschichte ist nicht sehr komplex oder unverständlich. Hingegen ist sie unterhaltsam, mitreißend und spannend inszeniert.

Eine passende Mischung aus Kampf- und Charakterszenen zieht immer wieder die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich, eine abwechslungsreiche Performance mit (ACHTUNG: Boxersprache!) „guter Beinarbeit“. Das Interesse steigt durch sehr gute Kameraeinstellungen, die es schafft, das Publikum direkt mit am Kampf teilhaben zu lassen. Die Action sorgt dann für das Übrige.
In den Charakterszenen können die Zuschauer etwas durchatmen, ohne großen Verlust des Interesses. Solche Momente sprechen nämlich eine komplett andere Ebene an, sodass der Film weiterhin anziehend bleibt.

Der Zuschauer bekommt sowohl im als auch abseits des Ringes viele Emotionen geboten. Im Ring dominieren überwiegend aggressive Gefühle das Geschehen, wohingegen abseits des Rings Liebe, Trauer, Angst und Hoffnungslosigkeit zu den stärksten Vertretern gehören. Einen fließenden Übergang zur Authentizität gibt es – wie so oft – auch, denn im nächsten Punkt habe ich mich gefragt, wie echt diese Gefühle sind. Dadurch, dass der Streifen einen recht bekannten Cast hat, schaut man ihn sich mit hohen Erwartungen an.
Jake Gyllenhaal als Billy Hope zeigt alles, was er hat: Kraft, Energie, Schmerzen, Liebe und Trauer. Er ist der Dreh- und Angelpunkt und durch seine Darbietung bekommt der Film die Atmosphäre eines Sportlerdramas. Die übrigen Darsteller waren auch weitestgehend überzeugend. Am Beispiel Curtis „50 Cent“ Jackson kann man sagen, dass er seine Rolle auffallend gut gespielt hat, jedoch ist dieser Charakter nur negativ in Erinnerung geblieben. Rachel McAdams, Forest Whitaker und, als weitere Nebenrolle, Oona Laurence haben durchweg überzeugt. Ein kleines Manko hat „Southpaw“ aber trotzdem: Es fehlt ein bisschen an der charakterlichen Tiefe, insbesondere bei den Figuren von 50 Cent und Forest Whitaker.

Die musikalische Untermalung hat James Horner übernommen, der unter anderem für „Titanic“, „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ und „Apollo 13“ die Musik komponierte bzw. den Soundtrack zusammenstellte. Noch bevor „Southpaw“ veröffentlicht wurde, verstarb er. Der Film und der Soundtrack sind ihm zum Andenken gewidmet.
Nun im Detail: Die Musik war ein Mix aus klassisch komponierten Stücken und einigen populären Songs. Die populäre Musik wird dominiert von Rap-Songs bspw. von Eminem und 50 Cent, die besonders die Aggressivität und die Wut unterstreichen. Die klassischen Stücke hingegen untermalen die Charakterszenen.

Mit ca. 120 Minuten erreicht „Southpaw“ eine gute Länge, allerdings hätten ihm gerne 10 oder 20 Minuten mehr auch sehr gut getan, um charakterliche Stärken und die damit verbundene Tiefe der Figuren hervor zu heben.

Meine Meinung:
„Southpaw“: ein Sportfilm, ein Drama. Was habe ich mich gefreut, endlich wieder so einen Film zu gucken. Ich stehe total auf Sportfilme und dieser Streifen unterstreicht es einmal mehr.

Die Story ist, wie gesagt, nicht sehr komplex, der Film lebt aber von der mitreißenden Inszenierung. Spannung wird durch den Wechsel von Kampf- und Charakterszenen erzeugt. Die dramatische Geschichte wurde durch eine breite Palette von Emotionen gut hervorgehoben und unterstrichen.

Authentisch waren nahezu alle Akteure, insbesondere Jake Gyllenhaal hat in die Rolle des Billy Hope gepasst. Charakterliche Tiefe wird aber nicht von allen Figuren geboten, daher muss ich hier einige Punkte abziehen.

Die musikalische Vertonung war gut und sie passte zum Film. Die klassischen Stücke waren nicht so auffällig wie die Rap-Songs, wodurch ich das Gefühl hatte, dass es verhältnismäßig mehr Rap als klassische Musik gab.

Meine Wertung:
Story: 7,5 von 10
Drama: 7,5 von 10
Spannung: 8,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,5 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Musik: 7,0 von 10
GESAMT: 7,9

Auge um Auge

FullSizeRenderTitel: Auge um Auge (engl. „Out of the Furnace“)
Genre: Drama
Regie: Scott Cooper
Musik: Dickon Hinchliffe
Produzenten: Michael Costigan / Leonardo DiCaprio / Ryan Kavanaugh / Jennifer Davisson Killoran / Ridley Scott / Tony Scott
Dauer: ca. 112 Minuten
Erscheinungsjahr: 2013
Altersfreigabe: FSK 16

„Der Irak-Kriegsveteran Rodney Baze (Casey Affleck) ist es leid, wie sein älterer Bruder Russell (Christian Bale) für den Lebensunterhalt im Stahlwerk zu schuften. Lieber kämpft er bei illegalen Street-Fights. Eine fatale Entscheidung, denn als er sich dabei mit dem brutalen und eiskalten Bandenchef Harlan DeGroat (Woody Harrelson) anlegt, hat das schlimme Folgen. Rodney kehrt nicht zurück, und auch die Ermittlungen der Polizei laufen ins Leere. Deshalb zieht Russel mit unbändiger Wut auf eigene Faust los…“
(Rückentext der DVD)

Um Gerechtigkeit zu erfahren, ist jedes Mittel recht.

Die Story von „Auge um Auge“ ist ergreifend und in weiten Teilen realitätsnah aufgebaut. Sie ist durchweg logisch und nicht verwirrend. Der Rückentext der DVD suggeriert wesentlich mehr Action als letzten Endes vorhanden ist. Eher beherbergt der Film eine unglaublich bewegende Erzählweise, die zur Stimmung und der Geschichte passt, und diesen unterstützt.

Der Film ist spannend und fesselnd zugleich, auch wenn der Zuschauer das Gefühl haben könnte, der Film käme nicht so richtig in die Gänge. Das Publikum wird trotz dessen gespannt den Film verfolgen können, da die Geschichte tiefgründig ist und ein paar Wendungen parat hat. Das Gefühl von Anspannung wird durch die Stimmung im Film immer wieder erzeugt.

In Anbetracht der Tatsache, dass der Film anfangs wirklich etwas Zeit benötigt, erscheinen 112 Minuten eher als zu lang, doch tatsächlich ist die Laufzeit perfekt. Die Geschichte ist in dieser Zeit optimal erzählt und nicht unnötiger Weise zu sehr reduziert.

Dieser Streifen strotzt vor Emotionen. Wie im Rückentext erwähnt, wird Russel von Wut angetrieben, sie ist aber nicht das vorherrschende Gefühl. Das Publikum findet die Charaktere immer wieder
sich sorgend, enttäuscht oder verzweifelt vor. Auf der emotionalen Ebene sind die Charaktere durchweg authentisch und glaubwürdig.

In dem Punkt der Authentizität sind die Darsteller über jeden Zweifel erhaben. Der Irak-Kriegsveteran, gespielt von Casey Afflek, der sich mit Street-Fights sein Lebensunterhalt verdient. Der rechtschaffende ältere Bruder, von Christian Bale gespielt, und der wahnsinnige Harlan DeGroat, der von einem scheinbar genauso wahnsinnigen Woody Harrelson performt wird.

Die Filmmusik ist nicht existent. Es gäbe wohl auch kaum eine passable Mischung die die grundbetrübte und niedergeschlagene Stimmung widerspiegeln könnte, die dieser Streifen vermittelt. Ausnahme ist ein einziger Song im Abspann des Films.

Meine Meinung:
Mir hat der Film sehr gut gefallen und mich in allen Belangen perfekt entertaint.
Die Tatsache, dass die Kulisse ein kleines Dorf mit angrenzenden Stahlwerk ist, passt absolut in die emotionsgeladene und sehr bewegende Story.
Die Sorgen und Nöte der Charaktere hätten durchaus auch einen Platz im wahren Leben und sind deswegen nicht weit von der Realität entfernt. Dadurch, dass Spannung durch Wendungen erzeugt und von der Geschichte vorangetrieben wird, fesselte es mich an diesen unglaublichen Film.

In dem Punkten der Emotionen und der Authentizität gingen die Darsteller mit ihrer Leistung unter die Haut und werden, meiner Meinung nach, den strengsten Kritiker überzeugen können.
Das Paket aus Atmosphäre, Story und Spannung ist absolut stimmig und fördernd, der Zuschauer wird genauso wenig gelangweilt sein wie ich.
Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Plus- oder ein Minuspunkt ist, dass es keine Filmmusik gibt. Zeitweise hatte ich das Gefühl, dass die Musik fehlen würde, aber andererseits hat es mich nicht gestört, dass sie nicht da war.

Ich kann guten Gewissens eine Empfehlung aussprechen: „Auge um Auge“ ist absolut sehenswert.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 9,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
GESAMT: 8,4