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Zwei Kurze, bitte! #1

Zukünftig werde ich unter dem Titel „Zwei Kurze, bitte!“ zwei kurze Kurzkritiken vorstellen. Hier werden Filme und Serien besprochen, die es leider nicht geschafft haben, von mir in einer „großen“ Rezension besprochen zu werden. Wer die Filme und Serien über den Reiter „Index“ sucht, kommt dann auf die Kurzkritiken.

In der ersten Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“ geht es um „I Kill Giants“ und „Boss Baby“.


Titel: I Kill Giants (2017)
Regie: Anders Walter
Genre: Drama

„I Kill Giants“ ist ein Coming-of-Age-Drama mit Fantasie-Elementen. Alles dreht sich um ein Mädchen, das felsenfest davon überzeugt ist, dass ihre Stadt von Riesen bedroht wird und sie diese aufhalten muss. Um die Riesen zu töten, legt sie allerhand Fallen aus und patrouilliert. Die Flucht in ihre Fantasiewelt voller Magie und Riesen hat natürlich einen bestimmten Hintergrund: Probleme Zuhause und in der Schule, die durch ihr Umfeld verstärkt werde, setzen ihr zu.
Der Streifen lässt allerhand vermissen, vor allem Spannung, narrative Finesse oder irgendeinen anderen Unterhaltungswert. Die Geschichte ist vorhersehbar und der Weg zur Erkenntnis einfach unfassbar lang. Die Konfrontation mit dem eigentlichen Problem vollzog sich erst im letzten Viertel des Films und die Schlüsse daraus sind unglaubwürdig.
Besser man lässt die Finger davon.


Titel: The Boss Baby (2017)
Regie: Tom McGrath
Genre: Animationsfilm

„The Boss Baby“ dreht sich um Tim und seinen kleinen Bruder. Tim ist es gewohnt, dass er die Aufmerksamkeit seiner Eltern bekommt, doch das Baby stiehlt ihm die Show. Ganz davon ab, dass der kleine Bruder im Anzug und mit Aktentasche daherkommt, verhält er sich auch noch sehr merkwürdig. Am Ende machen aber Tim und das Baby gemeinsame Sache, denn die eigentliche Mission ist es, die Liebe der Eltern gegenüber von Welpen zu verteidigen.
Die Animationen sind die ganze Zeit vielfältig und abwechslungsreich, die Handlung ist familienfreundlich und der Humor pointiert. Spannungstechnisch schafft es der Film aber nicht, dauerhaft an sich zu binden. Ab circa der Hälfte kann der erfahrene Zuschauer bereits jede Szene vorahnen. Und auch als es zum „Showdown“ kommt, ist der Streifen spannungstechnisch allerhöchstens Mittelmaß. „Boss Baby“ bietet grundsätzlich kurzweilige Unterhaltung, Kinder werden aber definitiv mehr Spaß haben als Erwachsene.

Shutter Island

Titel: Shutter Island
Genre: Psychothriller / Romanverfilmung
Regie: Martin Scorsese
Musik: Robbie Robertson
Produzenten: Brad Fischer / Mike Medavoy / Arnold Messer / Martin Scorsese
Dauer: ca. 133 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 16

„U.S.-Marshal Teddy Daniels wird mit seinem neuen Partner Chuck Aule nach Shutter Island beordert. Dort sollen sie klären, wie es einer psychisch gestörten mehrfachen Mörderin gelingen konnte, aus dem absolut fluchtsicheren Ashecliffe Hospital zu entkommen und spurlos zu verschwinden. Im Zuge der Ermittlungen entdeckt Teddy immer mehr schockierende und beängstigende Wahrheiten über die abgelegene Insel und erfährt dabei, dass es Orte gibt, die einen nie mehr loslassen.“
(Rückentext der DVD)

Und da greift man in sein DVD-Regal und zieht eine dieser Überraschungen heraus.

Dieses Mal dreht es sich um „Shutter Island“. Ich bin sonst kein Freund von Psychothrillern und doch gibt es da die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Der Streifen spielte weltweit knapp 300 Mio. USD – bei einem Gesamtbudget von ca. 80 Mio. USD – ein. Damit ist „Shutter Island“ nicht gefloppt.

Bereits mit dem Wissen, dass sich der gesamte Streifen in einer Psychiatrie abspielt, ändert sich die mentale Grundhaltung des Zuschauers. Jede Begebenheit und jede Interaktion wird dadurch doppelt kritisch beäugt. Das Besondere ist, dass sich vor dem Hintergrund einer Psychiatrie vielschichtige und wendungsreiche Geschichten inszenieren lassen. „Shutter Island“ steht dem in fast nichts nach. Insgesamt ist das Setting meistens spannungsgeladen und prominent. Videospiele bedienen sich dieses Stilmittels ebenso sehr wie Serien oder Musikvideos. Das Stilmittel der Psychiatrie hat „Shutter Island“ also nicht gepachtet. Psychiatrien insgesamt haben aber auch eine ganz andere Seite, eine Seite, die in Filmen oder Serien nicht erfasst wird. Es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt, der einem nicht bewusst ist. In gewissem Maße erfüllen diese Anstalten einen weiteren Zweck, denn sie sind als „Lost Places“ Ziel für Touristen und Einheimische, die die vergessenen Orte aufsuchen um in den Bann der ganz besonderen Atmosphäre gezogen zu werden.

Ich kann nur vermuten, dass sich die Menschen von diesem Charme angezogen fühlen. Eine Idee von dem zu haben, was dort geschehen ist. Welche Erkrankungen dort behandelt wurden. Man malt sich aus, dass ein ganz besonders „verrückter“ Patient auf den Fluren unterwegs gewesen ist, vielleicht hat er oder sie sich am Handlauf festgehalten, vielleicht war dieser Patient nicht ganz bei Sinnen und lebte in gewisser Weise in seiner eigenen Welt. Behandlungen wurden vielerorts durchgeführt, die nach modernen Erkenntnissen durchaus auch als Fehldiagnostik, Freiheitsentzug und sogar Folter durchgehen würden.

An dieser Stelle muss ich wieder den Bogen zurück zu „Shutter Island“ schlagen, der das Setting einer Psychiatrie ebenso spannend wie aufregend aufgreift und es damit schafft, nahezu perfekt in Szene zu setzen.
Die Pressestimmen des Jahres 2010 hatten damals die Worte „das Traumgespann“ in den Mund genommen und meinten damit die Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio, denn dieses Duo hat bereits in „Departed – Unter Feinden“, „Aviator“ und „Gangs of New York“ zusammengewirkt. Der später gedrehte Film „The Wolf of Wall Street“ führte das Traumgespann abermals zusammen.

„Shutter Island“ ist erzählerisch attraktiv und ergreifend, gleichzeitig ist er ruhig und unaufgeregt. Einige Szenen könnten so auch in einem Horrorstreifen vorkommen, nicht weil sie geschmacklos oder von übertriebener Härte sind, sondern weil sie einige „grausame“ Rückschlüsse auf das Geschehen erlauben.
Auf so vielen Ebenen bietet „Shutter Island“ Unterhaltung und Spannung, gleichzeitig hat dieser Streifen aber auch seine Schwierigkeiten. Ein in den Vordergrund drängender Soundtrack – der es aber auch schafft, stellenweise Gänsehaut auszulösen – und eine Bedeutungsschwere, die sich vor allem im Mittelteil ausdehnt, mindern teilweise den Filmspaß.

Meine Meinung:
„Shutter Island“ hat seine Gruselmomente und seine hervorragende Geschichte, die sich Stück für Stück auffächert. Als Zuschauer ist man Zeuge eines besonders intensiven Erlebnisses. Schwächen hin oder her, Martin Scorsese – und natürlich auch Leonardo DiCaprio – liefert hier ein Werk ab, das eingeschlagen ist.

DiCaprio lieferte im Jahr 2010 neben „Shutter Island“ einen weiteren prämierten Film ab. „Inception“ erwirtschaftete rund 825 Mio. USD. In der Summe setzte die Beteiligung DiCaprios durch diese beiden Filme insgesamt 1,125 Milliarden USD. um. Im Vergleich dazu: „Toy Story 3“ – der Film mit dem höchsten Einspielergebnis im Jahr 2010 – erwirtschaftet weltweit 1,067 Milliarden USD.
Ganz offensichtlich ist DiCaprios Mitwirken ein kleiner Garant dafür, dass Geld in die Kasse gespült wird.
Der Film ist stark und unterhaltsam. Obendrein ist er ein Paradestück seines Genres. Eine klare Empfehlung meinerseits.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 6,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,5 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 7,9

Spider-Man: A New Universe

Titel: Spider-Man: A New Universe (engl. „Spider-Man: Into the Spider-Verse“)
Genre: Animationsfilm
Regie: Bob Persichetti / Peter Ramsey / Rodney Rothman
Musik: Daniel Pemberton
Produzenten: Avi Arad / Amy Pascal / Phil Lord / Christopher Miller / Christina Steinberg
Dauer: ca. 112 Minuten
Erscheinungsjahr: 2018
Altersfreigabe: FSK 6

„‚Spider-Man: A New Universe‘ präsentiert uns Miles Morales, einen Teenager aus Brooklyn, und die grenzenlosen Möglichkeiten des Spider-Universums, in dem mehr als einer die Maske tragen kann.“
(Rückentext der DVD)

Als ich letztens beim DVD-Dealer meines Vertrauens war und mich dort neu ausstattete, stolperte ich mehr oder weniger zufällig über diesen Film. Ich mochte die Idee eines Spider-Man-Multiversums schon immer irgendwie sehr gerne und war deshalb gespannt, ob ich mir das Richtige unter diesem Titel vorstellen kann. Dass er dann zusätzlich einen Oscar® als bester Animationsfilm gewonnen hat, hat zusätzlich dafür gesorgt, dass ich den Streifen so interessant finde. Nun geht es aber um meine Kritik.

Miles Morales wird ein neuer Spider-Man, denn auch er wird von einer genetisch veränderten Spinne gebissen, wodurch er letzten Endes seine Fähigkeiten erhält.
Währenddessen versucht Peter Parker (alias Spider-Man) die fiesen Pläne von Kingpin zu durchschauen und zu vereiteln. Mehr sollte über die Geschichte nicht gesagt werden, außer, dass es mehr als die zwei Spider-Mans gibt.

Die Geschichte ist vielschichtig aufgebaut und entstaubt das in die Jahre gekommene Image von Spider-Man.
Obwohl Peter Parker mit der „Spider-Man“-Trilogie oder den „The Amazing Spider-Man“-Filmen neues Leben eingehaucht wurde, wird nun Miles Morales als Spider-Man in den Fokus gerückt, auch wenn weiterhin ebenfalls auf Peter Parker gebaut wird. Insofern wird hier also ein neuer Weg eingeschlagen und gleichermaßen eine alternative Wirklichkeit angeboten.
In der Komplexität, der Zusammenstellung der Figuren und der Handlung spielt „Spider-Man: A New Universe“ auf jeden Fall bei den besseren Animationsfilmen mit. Auch wenn am Ende des Tages die Geschichte denkbar einfach ist, so gewinnt er durch die Narration und die Figuren.

„Spider-Man“ verbindet so viele kleine Elemente miteinander, die das Gesamtwerk wunderbar wirken lassen. So ist der Streifen spannend, witzig, wunderbar animiert und gleichermaßen bunt wie auch düster. Und am Ende ist der Vorteil eines Animationsfilmes der, dass Dinge, die mit einer normalen Kamera nicht dargestellt werden können, darstellbar sind.

Die Länge von ca. 112 Minuten ist sehr angemessen. Der gesamte Streifen bekommt genügend Möglichkeiten, sich zu entfalten und die Figuren einzuführen, was am Ende auch sehr gelungen inszeniert wird.

Der Animationsstil ist nicht umsonst Oscar®-prämiert. Er besticht durch eine hohe Vielfalt, die vom klassischen Zeichentrick, über Manga bis hin zu modernen Animationen reicht.

Ein weiterer Punkt ist die Musik. Ich fahre voll darauf ab, wenn Szenen passend untermalt werden und dieser Punkt wird sehr gut getroffen. Auch hier begeht der Film unkonventionelle Wege, denn man bekommt seltener klassische Klänge zu hören, als viel mehr Hip Hop oder Rap-Musik. In der Gesamtheit passen Bild und Ton sehr gut zusammen und haben einen hohen Unterhaltungswert.

Meine Meinung:
Ich als Spider-Man-Fan, der schon als kleiner Junge die Zeichentrickserie und die paar Comics, die es in Deutschland gab, gesehen und gelesen hat, war anfangs eher skeptisch. Ich war mir nicht sicher, ob mir Miles Morales und die Einführung eines neuen Spider-Man-Universums gefehlt haben. Dennoch habe ich dem Film die Chance gegeben, sich zu etablieren und bin sehr froh darüber.

„Spider-Man: A New Universe“ hat mich unterhalten und überrascht und bekommt daher von mir eine klare Empfehlung für alle Comic-Fans und all diejenigen, die eine tolle Geschichte mit einer abgefahrenen Umsetzung sehen möchten und Spider-Man mögen.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Animationen: 9,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Musik: 9,0 von 10
GESAMT: 8,6

Sicario

Titel: Sicario
Genre: Krimi-Thriller
Regie: Denis Villeneuve
Musik: Jóhann Jóhannson
Produzenten: Basil Iwanyk / Thad Luckinbill / Trent Luckinbill / Edward McDonnell / Molly Smith
Dauer: ca. 117 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 16

„Die idealistische FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) findet das grausige Geheimversteck eines Drogenkartells und meldet sich freiwillig für den Einsatz in einer internationalen Task-Force, um Jagd auf die Drahtzieher zu machen. Dort trifft sie auf den ebenso skrupellosen wie kampferprobten Söldner Alejandro (Benicio del Toro), und schon bald werden Kates moralische Überzeugungen einer harten Prüfung unterzogen, als die Grenzen zwischen Gut und Böse zusehends verschwimmen…“
(Rückentext der DVD)

Heute geht es um den viel gelobten Film „Sicario“. Ob er bei mir genauso gut angekommen ist, wie in den Medien oder bei anderen Kritikern, erfahrt ihr in meiner Review.

Ich empfand den Streifen als einen sehr atmosphärischen und stringent erzählten Thriller, der seine guten Momente hat, aber narrativ eher weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Vor allem die beiden männlichen Rollen, die von Josh Brolin und Benicio del Toro gespielt werden, überzeugen durch ihre Darstellungen. Sie spielen beide keine aalglatten Figuren, sondern Charaktere mit vielen Fehlern und Ansichten, die nicht unbedingt als tugendhaft bezeichnet werden können. Sie haben mir deshalb so gut gefallen, weil sie einfach brutal sind. Zwei richtige Kerle eben.
Meine Meinung zu der Leistung von Emily Blunt änderte sich mit ein paar Tagen Abstand teilweise. Zunächst empfand ich sie eher negativ. Ich dachte, dass man auf ihre Rolle hätte gänzlich verzichten können, doch inzwischen sehe ich das etwas anders. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die komplette Geschichte aber auch ohne die Figur Kate Macer funktioniert hätte. Was mein Umdenken letzten Endes ausgelöst hat, war ein Vergleichen der beiden Handlungsstränge von „Sicario“ und „Sicario 2“. Ich habe dabei festgestellt, dass Emily Blunts Figur als ein moralischer Fixpunkt dienen kann.

Erzählerisch macht „Sicario“ für mein Gefühl aber viel zu viele kleine Schritte. Irgendwie sitzt man ständig im Auto und fährt von A nach B, ohne dass das jetzt besonders wertvoll für die Handlung wäre. Ich finde es schwierig, solche Szenen zu inszenieren, wenn sie handlungstechnisch wenig bis keine Bedeutung haben. Schlussendlich wurden solche Momente auch immer dafür verwendet, eine Actionsequenz einzubauen oder anderweitig Spannung in Form von Action aufzubauen und darzustellen.

Die Geschichte selbst dreht sich um eine Einsatztruppe, welche aktiv gegen ein Drogenkartell vorgeht. Emily Blunts Figur Kate Macer verfolgt mit ihrer freiwilligen Teilnahme an dieser Einsatztruppe rechtschaffene Ziele. So eindeutig sind die Ambitionen der anderen Charaktere jedoch nicht. Und genau damit habe ich meine Probleme. Es gibt ganz konkrete Szenen, in denen es nicht um Rechtschaffenheit geht, sondern einfach nur darum, ein persönliches Ziel eines Akteurs zu erreichen. Das ist ja auch vollkommen okay, jedoch bekommt der Film an sich, durch die Art der Erzählung und wie viel Raum dieser Strang in der Handlung erhält, einen bitteren Beigeschmack. Anfänglich suggerierte der Streifen, dass es sich thematisch um das Bekämpfen eines Drogenkartells und die persönlichen Erfahrungen der Figur Kate Macer dreht. Schlussendlich ging es aber um einen persönlichen Rachefeldzug, der nur als Sekundärziel die Bekämpfung des Drogenmarktes hat.

Dennoch profitiert „Sicario“ von seiner starken schauspielerischen Leistung. Emily Blunts Figur ist zwar überflüssig, aber hervorragend dargestellt. Auch die beiden männlichen Hauptrollen fallen durch ihre kernige und kantige Art auf. Die Nebenrollen sind nicht mit minderer Qualität besetzt und freudig wurde ich überrascht, als ich einen meiner Lieblingsseriendarsteller wiedersah: Jeffrey Donovan (Burn Notice).

Ich habe mich mit dem einen oder anderen über „Sicario“ unterhalten und alle fanden den Score überragend und intensiv. Ich glaube, da bin ich dann wohl die Ausnahme, die ihn als überragend nervig empfunden hat. Ständig lief die immergleiche Melodie mit wenig Variabilität. „Sicario“ versucht mithilfe der Musik die Spannung auf den Punkt zu bringen. Am Anfang fand ich das auch noch schön, aber nach 117 Minuten war ich froh, dass es endlich vorbei war.

Erzählerische Limitiertheit wird unterstützt durch gut inszenierte Schießereien, die keineswegs Überhand genommen haben. Durch die Handlung an sich hat der Film zwar sehr großes Potential, um Spannung aus sich selbst heraus zu produzieren, kann aber eben nicht ohne solche Szenen arbeiten.

Schlussendlich empfinde ich den Streifen zwar gut, aber auch deutlich zu lang. Alle Szenen, in denen man viel zu viel in stumme Gesichter schaut, in denen man in einem Auto sitzt und einfach nur hin- und herfährt, sind schon deutlich überflüssig.

Mir ist das Setting positiv aufgefallen. Es gibt viele unterschiedliche Lichtverhältnisse. Im einen Moment ist es noch hell und sonnenlichtdurchflutet und dann befindet man sich auf einmal in einem dunklen Kämmerlein. In der nächsten Szene dominiert dann sehr stark künstliches Licht. Es sind dieser Wechsel und die starken Kulissen, die immer wieder etwas von Wüste und Großstadtdschungel haben, die maßgeblich am visuellen Eindruck beteiligt sind.

Meine Meinung:
Ich bin ein Freund davon, wenn man sich eine Reihe anschaut, mit dem ersten Teil zu beginnen. Ich habe auch Probleme damit, Serien anzufangen und sie dann nicht zu beenden, egal wie schlecht sie sind. Zurück zum Thema: „Sicario“ ist sehr atmosphärisch und überzeugt mich mit Josh Brolin und Benicio del Toro. Ich frage mich sogar inzwischen, warum ich noch nicht mehr Filme mit den beiden gesehen habe.

Es gab aber etwas, das mir in der Gesamtheit noch fehlte:
Ich hätte mir mehr von den „dreckigen“ Momenten gewünscht. Zwar hat „Sicario“ im Unterton, meiner Meinung nach, eine gewisse Kritik geäußert und auch Themen, die sich mit moralisch verwerflichen Dingen befassen, angesprochen, jedoch fehlt mir die letzte Konsequenz. Sozusagen die Steigerung oder letzte Grenzüberschreitung von Recht und Unrecht.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Action: 7,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 5,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Musik: 6,5 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 7,6

septembe*R*-Challenge 2.0: Rain Man

Titel: Rain Man
Genre: Drama
Regie: Barry Levinson
Musik: Hans Zimmer
Produzenten: Mark Johnson
Dauer: ca. 128 Minuten
Erscheinungsjahr: 1988
Altersfreigabe: FSK 12

„Der windige Autohändler Charlie Babbitt (Tom Cruise) erfährt erst nach dem Tod seines Vaters von der Existenz seines autistischen Bruders Raymond (Dustin Hoffman). Um an dessen Erbe heranzukommen, nimmt er ihn mit auf eine Reise, die sein Leben verändern soll. Aber dann kommt alles anders! Mit seinem Verhalten – von der Weigerung zu fliegen, bis hin zu seiner Sucht nach TV-Quizshows – bringt Raymond den hitzköpfigen Charlie zunächst an die Grenzen seiner Geduld, um ihn schließlich ganz aus seiner egoistischen Welt herauszureißen. Was als unsentimentale Reise der Babbitt-Brüder beginnt, endet als ergreifendes und tiefgründiges Abenteuer, über zwei völlig gegensätzliche Menschen, die plötzlich zueinander finden.“
(Rückentext der DVD)

Der letzte Film meiner S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge ist „Rain Man“ aus dem Jahr 1988. Zum Schluss greife ich also noch einmal in die Nostalgiekiste.

Die Handlung wird ziemlich gut von dem Rückentext der DVD zusammengefasst. Was mir jedoch absolut missfällt, ist der Abschnitt, in dem dieser Film als „ergreifendes und tiefgründiges Abenteuer“ verklärt wird.
Die Geschichte fing gut an und nahm ihren unglaublich schlechten Lauf, als sich Charlie dazu entschied, seinen Bruder das Geld aus der Tasche zu ziehen. Von Anfang an verfolgte Charlie dabei ausschließlich egoistische Ziele. Die Vormundschaft für seinen autistischen Bruder war dabei nur der erste Schritt. Als er jedoch feststellt, dass Raymond besondere Fähigkeiten besitzt, will er sie gleich in Las Vegas nutzen um noch mehr Geld daraus zu machen. Auch die Umsetzung, dass die beiden Brüder „plötzlich zueinander finden“ wird mit einer lapidaren und halbgaren Szene aufgelöst. Das ist ein klassischer Fall von Potential verschwendet.

Spannungstechnisch und auch auf der emotionalen Ebene bekommt der Zuschauer recht wenig geboten. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass die Handlung schwach inszeniert, das Schauspiel von Tom Cruise unglaubwürdig und das Erzähltempo viel zu behäbig ist. Die darstellerische Leistung von Dustin Hoffman hingegen ist auf einem hohem Niveau, für die er zu recht auch einen Oscar® bekommen hat.

Sonnendurchflutete Bilder dominieren die Kameraarbeit. Gleichzeitig schafft es Hans Zimmer, den Score so zu komponieren, dass man immer das Gefühl hat, ein Song von Toto oder einer anderen Band aus der Zeit würde gerade beginnen. Mir persönlich haben die Kulissen und auch der Score sehr gut gefallen, da sie wunderbar zueinander gepasst haben und dem Streifen eine besondere Atmosphäre verliehen haben.

Mit 128 Minuten ist der Film allerdings mehr als nur auserzählt. Dazu kommt, dass die sehr schwache deutsche Synchronisation das Sehvergnügen zusätzlich deutlich gemindert hat.

Meine Meinung:
Die diesjährige S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge wurde mehr und mehr zu einer Challenge der Oscar®-prämierten Filme. Ich musste feststellen, dass die meisten Gewinnerfilme schlicht und ergreifend stark überbewertet sind.

Ich habe jetzt „Rain Man“ zum zweiten Mal gesehen. Beim ersten Schauen hatte ich noch ein Gefühl von: „Ok, der Film muss jetzt gemocht werden, weil es ein Klassiker ist.“ Heute sehe ich das komplett anders und muss auch zugeben, dass es durchaus bessere Filme gibt.

Aus vielen Gründen ziehe ich gerechtfertigt Punkte ab.

Meine Wertung:
Spannung: 4,5 von 10
Story: 7,5 von 10
Emotionen: 5,5 von 10
Länge: 4,0 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 5,8

septemb*E*r-Challenge 2.0: Die Entdeckung der Unendlichkeit

Titel: Die Entdeckung der Unendlichkeit (engl. „The Theory of Everything“)
Genre: Biopic / Romanverfilmung
Regie: James Marsh
Musik: Jóhann Jóhannsson
Produzenten: Tim Bevan / Lisa Bruce / Eric Fellner / Richard Hewitt / Anthony McCarten
Dauer: ca. 118 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 0

„Das Schicksal des genialen Physikstudenten Stephen Hawking (Eddi Redmayne) scheint besiegelt, als bei dem 21-Jährigen eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird. Doch die Liebe zu seiner Cambridge-Kommilitonin Jane (Felicity Jones) gibt ihm neuen Lebensmut. Mit ihrer Unterstützung stürzt er sich in sein wichtigstes Projekt und erforscht genau das, wovon ihm nur noch wenig bleibt: die Zeit. Aber kann die Liebe zwischen Stephen und Jane auch den Tod besiegen?“
(Rückentext der DVD)

Das letzte E in September ist nun gesehen. Nachdem die Challenge ja doch eher mittelprächtig anfing, startet der September nun noch einmal durch und das nicht zuletzt durch „Die Entdeckung der Unendlichkeit“.
Dieser Film ist nicht einfach nur irgendein Biopic, sondern es zeigt das Leben und Wirken von Stephen Hawking ab seiner Zeit in Cambridge. Erzählt wird es aus der Sicht seiner ersten Ehefrau. Die literarische Vorlage sind im Übrigen auch ihre Memoiren.

Ich dachte ja immer, dass Biopics das Leben einer realen oder historischen Person auf äußerst unspektakuläre Weise zeigen. Das erste Mal so richtig überrascht wurde ich von „127 Hours“, der mich aufgrund der darstellerischen Leistung überzeugen konnte. Auch „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ weiß zu überzeugen und ich bin wieder einmal froh, dass ich mir diesen Film für meine S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge 2.0 ausgesucht habe.

Die Geschichte dreht sich weitestgehend um das Schaffen und Wirken von Stephen Hawking und auch um die Liebe zu seiner ersten Frau. Und da haben wir auch gleich einen Gegensatz: Emotionen gegen Rationalität. Meines Erachtens ist es ein starkes Stück Arbeit, diesen „Konflikt“ darzustellen, ohne dass er lächerlich wirkt. Es gibt auch weitere Unterschiede, die in ihrer Gesamtheit den Eindruck vermitteln könnten, dass das nicht zusammenpasst. Der Zuschauer wird aber gleich eines Besseren belehrt. Ich möchte von der tollen Story jedoch nicht zu viel vorwegnehmen, denn der Film hat noch so vieles mehr zu bieten.

Ich betrachte diesen Streifen als ein Gesamtkunstwerk, der ein ums andere Mal seine Zuschauer an eine emotionale Grenze treibt. In der ersten Stunde war ich zunehmend damit beschäftigt, nicht loszuheulen (teilweise bin ich gescheitert) und mich weiterhin auf das Gezeigte zu fokussieren. Wenn man sich die Emotionen im Einzelnen anschaut und sich dabei die beiden Hauptfiguren vornimmt, dann stellt man schnell fest, dass jeder Satz, jeder Blick oder jede Berührung voller Gefühl steckt. Manchmal wurde es witzig, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Wir erfahren, welche Mühe sich seine erste Ehefrau gibt, ihm weiterhin Hoffnung zu machen und Freude am Leben zu bereiten, aber gleichzeitig geizen auch Hawkings Wegbegleiter nicht mit Emotionen, was den Zuschauer ein ums andere Mal ergreift . Auch an dieser Stelle könnte ich exemplarisch Szenen nennen, die meinen Eindruck untermauern, aber es wäre besser, ihr schaut euch diesen Film selbst an.
In all der Zeit erfährt das Publikum ein Maximum an Authentizität.
Ich könnte immer so weiter machen, denn so gerne man es auch möchte, man wird nichts Negatives bei den Emotionen oder der Authentizität finden.

Das Setting ist vielfältig. Man ist stets im Wechsel zwischen Cambridge, dem Haus der Hawkings und einigen anderen Kulissen. Alles wirkt dabei stets professionell und hochwertig. Die Kostüme sind ebenfalls mit der Zeit gegangen. Zum Ende hin werden die Klamotten immer moderner, wohingegen zu Beginn noch der Stil der 60er Jahre getragen wurde. Die Filmmusik ist hervorragend ausgewählt und komponiert. Insgesamt wurden nur klassische Stücke verwendet, die mal aktiv und mal passiv in den Film eingebaut wurden. Die Kameraarbeit bzw. auch deren Nachbearbeitung ist sehr angenehm. Zwar wurde oft der Weichzeichner eingesetzt, trotzdem waren die Bilder schön anzusehen und passend zur Handlung.

Wenn es um die Sache mit der Spannung geht, fällt mir eine Bewertung schon deutlich schwerer, denn so richtig spannend ist der Streifen nicht, jedoch weiß er mit seinen Mitteln zu überzeugen. Es ist mehr ein sehr stark gesteigertes Interesse, gleichzeitig zieht der Film seinen Zuschauer in den Bann und lässt ihn bis zuletzt nicht mehr los.

Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #55 „Schaue ein Biopic über eine männliche Person (1)“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
Auch bei diesem S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge-Film stelle ich mir die Frage, was schlussendlich übrig bleibt und stelle fest, dass ich selten einen so starken Film gesehen habe. Nicht nur handlungstechnisch, sondern auch darstellerisch bekommt man mit „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ einen unfassbaren ergreifenden und starken Film, der sich allemal bezahlt gemacht hat.

Eddie Redmayne hat nicht zu Unrecht für seine Leistung in diesem Streifen einen Oscar® für den besten männlichen Hauptdarsteller bekommen. Die Oscar®-prämierten Filme sind also doch noch nicht verloren.

Meine Wertung:
Story: 10 von 10
Spannung: 6,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 10 von 10
Gefühl/Emotionen: 10 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 8,8 von 10

septem*B*er-Challenge 2.0: The Big Short

Titel: The Big Short
Genre: Drama / Finanzthriller / Romanverfilmung
Regie: Adam McKay
Musik: Nicholas Britell
Produzenten: Dede Gardner / Jeremy Kleiner / Arnon Milchan / Brad Pitt
Dauer: ca. 125 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 6

„Vier Außenseiter riskieren alles, um den amerikanischen Banken, die für den größten Betrug der US-Finanzgeschichte verantwortlich sind, eins auszuwischen. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis, Autor der Kinoerfolge ‚The Blind Side’ und ‚Moneyball’, ist diese Geschichte so unglaublich wie wahr. Als brillant und explosiv von der Presse hochgelobt, überzeugt der packende Finanzthriller auch mit einem hochkarätigen Cast: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling und Brad Pitt in Bestform machen ‚The Big Short’ zu einem der eindrucksvollsten und unterhaltsamsten Film-Highlights des Jahres.“
(Rückentext der DVD)

Der September mit seiner Challenge 2.0 dreht endlich auf. Ich frage mich ja, warum ich solche Perlen bloß immer so spät aus meinem DVD-Regal ziehe?

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine Offenbarung erlebt habt? So etwas hatte ich bisher zwei- oder dreimal und auch dieses Mal war es wieder soweit. „The Big Short“ hat mich also aus den Socken gehauen.

Die Handlung dreht sich um die Finanzkrise 2007/2008, die darin endete, dass unter anderem die Immobilienblase in den USA geplatzt ist und die Investment Bank Lehman Brothers insolvent ging. Die ganze Geschichte fing aber schon ca. 3 Jahre vorher an. Nämlich dann, als jemand die Hypotheken genauer unter die Lupe genommen hat und aufgrund der Zusammenstellung der Fonds festgestellt hat, dass das ganze System auf Mist aufgebaut ist.

Bevor ich zu sehr spoilere, muss ich an dieser Stelle den Streifen empfehlen, denn er zeigt auf eine erschreckende Art und Weise, wie viel vor rund 10 Jahren falschgelaufen ist. Thematisch scheint „The Big Short“ recht trocken zu sein, allerdings hilft der Film auch dabei, Zusammenhänge zu erklären und zu verdeutlichen. Die Handlung ist aber auch ausschlaggebend dafür, dass dieser Film eine Offenbarung ist. Ich habe inhaltlich und an der Darstellung der Figuren nichts auszusetzen, denn all das, wie es gezeigt wird, ist für mich von vorne bis hinten authentisch. Dabei war es mir vollkommen egal, wie verschroben die Charaktere auch sein mögen, denn genau so etwas kann es im echten Leben geben. Die einen sind cholerisch und die anderen paranoid.

Die Spannung ergab sich für mich aus der Handlung. Anfangs wurde ich noch nicht ganz abgeholt, aber nach ca. 10 bis 15 Minuten war ich in der Thematik drin. Es bedarf auch keinerlei ausufernder Gefühle oder Zuschaustellung von Schicksalen, denn das Ende ist allen bewusst: acht Millionen US-Bürger verloren ihren Job, sechs Millionen ihr Haus.

Es muss gesagt werden, dass „The Big Short“ mit einem erstaunlich guten Cast daherkommt und damit auch vollkommen richtig liegt. Brad Pitt, Ryan Gosling, Christian Bale und Steve Carell überzeugen mit all ihren Stärken und gleichzeitig sieht man sie nicht in für sie typischen Rollen.

Im Unterton ist „The Big Short“ ein extrem sarkastischer Film, der immer wieder mit dem Zeigefinger auf alle Verfehlungen deutet, die da damals passiert sind. Der Streifen ist bei dem Sarkasmus aber nicht so richtig zum Lachen, er will ja auch bei weitem keine Komödie sein. Viel mehr resigniert er von Beginn an und lässt dem Unheil seinen Lauf. Bei einer wahren Begebenheit fällt es allerdings auch schwer, etwas an der Handlung zu ändern.

Das Setting bietet zur Handlung ein richtiges Kontrastprogramm, denn man bekommt zumeist helle Bilder, eine angenehme musikalische Untermalung und Kostüme bzw. Outfits, die auch in den Finanzsektor passen. Die Kulissen wirken stilecht und ich kann mir gut vorstellen, dass in Gebäuden gedreht wurde, welche tatsächlich Schauplatz der „Katastrophe“ gewesen sind.

Meine Meinung:
Was lässt sich also letzten Endes zu „The Big Short“ sagen?
Dieser Film ist ein durchaus trockener, aber auf seine Weise sarkastischer Film. Das Publikum sollte schon Interesse am Finanzsektor und an Politik haben, ansonsten kann es auch zu einer zähen Nummer werden. Für mich war dieser Film allerdings eine Offenbarung und das aus mehreren Gründen: Der Cast ist einfach gut, die Thematik stimmte für mich und die Form der Erzählung hat mich zwar erst nach einer viertel Stunde abgeholt, aber dann richtig.

Aus meiner subjektiven Sicht bekommt der Film daher auch eine entsprechende Punktzahl. Da der Streifen aber überwiegend emotionslos bleibt und eher Verfehlungen aufzeigt, als darauf ausgelegt ist, Gefühle zu zeigen, muss ich ihn an entsprechender Stelle deutlich abstrafen.

Meine Wertung:
Story: 10 von 10
Spannung: 9,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 3,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Setting: 9,0 von 10
GESAMT: 8,1

septe*M*ber-Challenge 2.0: Manchester by the Sea

Titel: Manchester by the Sea
Genre: Drama
Regie: Kenneth Lonergan
Musik: Lesley Barber
Produzenten: Matt Damon / Chris Moore / Lauren Beck / Kimberly Steward / Kevin J. Walsh
Dauer: ca. 132 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„Der schweigsame Einzelgänger Lee Chandler (Casey Affleck) ist schockiert, als er vom plötzlichen Tod seines Bruders erfährt. Äußerst widerwillig verlässt er Boston und kehrt in seine alte Heimat Manchester-by-the-Sea zurück. Dort wird er mit der unerwarteten Vormundschaft über seinen 16-jährigen Neffen Patrick konfrontiert. Die Begegnungen mit seiner Ex-Frau Randi (Michelle Williams) wirft Lee vollends aus der Bahn und zwingt ihn, sich mit seiner tragischen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Einen unerträglichen Schmerz, den er hinter sich gelassen zu haben glaubte…“
(Rückentext der DVD)

Kurz vor knapp gibt es heute die Kritik für M und dabei dreht es sich um nichts Geringeres als „Manchester by the Sea“.

Ich frage mich allen Ernstes, ob man Oscar-Preisträger mögen muss? Ich habe so viel Positives über diesen Film gelesen und dachte mir dabei, dass das ein Streifen ist, der mir mit Sicherheit gefallen wird. So langsam aber sicher glaube ich aber, dass er nur so viele gute Kritiken bekommen hat, weil Gott und die Welt glaubt, diesen Film mögen zu müssen, weil er einen Oscar bekommen hat und nicht umgekehrt.

Wer hier weiter liest, wird vermutlich schon ahnen, wie ich diesen Streifen nun empfunden habe. Ich attestiere „Manchester by the Sea“ aber auch ein paar gute Umsetzungen und eine durchaus passable Handlung.
In meiner Wahrnehmung haben sich aber auch einige Mängel aufgetan, die mir nicht gefallen haben.

Die Handlung dreht sich um Lee Chandler, der so einiges in seinem Leben durchgemacht hat. Doch der Tod seines Bruders und die übertragene Vormundschaft für seinen Neffen überraschen und belasten ihn so, dass er sich nun auch mit den Dämonen seiner Vergangenheit auseinandersetzt.
Die Erzählweise ist nicht stringent aufgebaut und die stetigen Wechsel zwischen Vergangenheit und heute passieren oft abrupt und ohne Änderung der Kameraperspektiven oder Filter. Von der einen Szene in die andere ist der Zuschauer erst noch in der Gegenwart und dann auf einmal ein paar Jahre in der Vergangenheit, ohne, dass er es kommen gesehen hat. Das macht es schwierig, die Szene, die Zeit und den Handlungsstrang zu erkennen.
Ein weiterer Punkt ist die Erzählgeschwindigkeit. Ja, schier behäbig kommt „Manchester by the Sea“ daher und ist dabei ein ums andere Mal an der Grenze des Zumutbaren.

Genau dieses Bild spiegelt sich auch wider, wenn man sich die Spannung anschaut. Genau genommen schafft es der Streifen nicht, mehr als Interesse an den Figuren auszulösen, denn die Handlung ist in sich nicht spannend.

Die Figuren sind allesamt schön gezeichnet und bringen ihre eigene Geschichte mit. Das ist insofern gut, als dass sich die Charaktere nicht ähneln. An vorderster Front ist da natürlich die Hauptfigur Lee Chandler (gespielt von Casey Affleck).
Die Narration begünstigt den Vergleich der Figuren von der Vergangenheit zur Gegenwart und dadurch zeigt sich einmal mehr, wie sich die Charaktere entwickelt haben. Man erkennt dadurch die Veränderung von Lee, der sich im Laufe der Zeit von einem Familienmenschen mit einer glücklichen Grundeinstellung zu einem Einzelgänger mit zynischem Einschlag entwickelt hat. Auch die übrigen Protagonisten erleben in irgendeiner Form eine vergleichbare Entwicklung.
Was mich jedoch an Lee stets aufgeregt hat, war seine Distanziertheit. Schier teilnahmslos erträgt er die Veränderungen in seinem Leben.
Während sich alle anderen Figuren irgendwie natürlich und authentisch verhalten, ist es Lee, der sich mit seinem zynischen Auftreten unter großen Widrigkeiten einer neuen Lebenssituation stellen muss. Aus diesem Grund wirken manche Entscheidungen stur und eben nicht authentisch. Erst wenn man die Vergangenheit kennt, kann man erahnen, warum Lee ist, wie er ist. Dass sich rückblickend alles irgendwie auflöst bzw. erklärt, macht die Verfehlungen nicht wett.

Durch die sehr behäbige Narration ergibt sich eine Laufzeit, die meines Erachtens viel zu lang ist. Mit mehr als 2 Stunden Laufzeit verlangt der Film viel vom Publikum ab. Wenn das Tempo stimmen würde, die Geschichte packend und die Figuren stärker wären, also wenn das Paket runder wäre, dann wären 132 Minuten absolut okay. In diesem Fall sind sie aber deutlich zu lang.

Das Setting ist vielfältig. Die Kulissen spiegeln ein kleinstädtisches Feeling wider. „Manchester by the Sea“ stahlt dabei immer etwas Fragiles und Bewahrenswertes aus. Die Kameraarbeit ist solide und zeigt jede Reaktion, oder Nicht-Reaktion, in den Gesichtern der Charaktere. Mit einigen starken und beeindruckenden, klassisch komponierten Stücken wird die Geschichte perfekt untermalt. Immer wieder hatte ich das Gefühl, nur durch die Musik ergriffen zu sein und das obwohl das Dargestellte es eben nicht gewesen ist. Es war nicht ergreifend.

Meine Meinung:
Muss man jetzt jeden Oscar®-Gewinner mögen? Ich denke nicht. Wie so oft wurde ich von einem Preisträger nicht unbedingt enttäuscht, aber ich sah auch bei „Manchester by the Sea“ deutliche Schwächen. Zweifellos ist er ein solider Film mit einer guten Charakterentwicklung, aber er macht nichts besser als andere Filme.

Das einzig Besondere an dem Film ist die Erzählweise, die aber mehr verwirrt und doch eher ein Nachteil ist. Die Story ist an und für sich stark und Casey Affleck macht wahrscheinlich genau das, was der Regisseur von ihm wollte, aber mich hat es eher aufgeregt. Erst nach ca. der Hälfte versteht man, was passiert ist und warum er so ist, wie er ist. Meiner Meinung nach ist das zu spät, um den ersten Eindruck zu verändern.

Schlussendlich ist „Manchester by the Sea“ einer der Filme, bei denen es mir reicht, sie einmal gesehen zu haben, denn nachhaltig wird mich der Streifen nicht verändern. Und spätestens in einem halben Jahr werde ich sogar schon vergessen haben, dass ich ihn gesehen habe.

Meine Wertung:
Spannung: 4,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 4,0 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 6,1

sept*E*mber-Challenge 2.0: Ein Hologramm für den König

Titel: Ein Hologramm für den König (engl.: „A hologram for the King“)
Genre: Romanverfilmung / Drama / Romantik
Regie: Tom Tykwer
Musik: Johnny Klimek / Tom Tykwer
Produzenten: Stefan Arndt / Gary Goetzman / Arcadiy Golubovich / Tim O´Hair / Uwe Schott
Dauer: ca. 95 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 6

„Alan Clay (Tom Hanks), Alter 54, Opfer der Bankenkrise, hat eine letzte Chance. Er soll innovative Hologramm-Kommunikationstechnologie an den Mann, besser gesagt den König bringen: König Abdullah von Saudi-Arabien lässt mitten in der arabischen Wüste eine strahlende Wirtschaftsmetropole errichten. Doch der König kommt nicht. Nicht am ersten Tag, nicht am zweiten – und auch nicht in den Tagen danach. In diesen Tagen der Unverbindlichkeit und des Wartens wird der junge Fahrer Yousef (Alexander Black) Alans Gefährte. Durch ihn erlebt er die Widersprüchlichkeiten eines Landes zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen Tradition und Moderne. Und er lernt die schöne Ärztin Zahra (Sarita Choudhury) kennen. Anhand dieser Begegnungen und der neuen kulturellen Eindrücke entwickelt sich Alan Clay vom zielstrebigen und erfolgsgetriebenen Salesman zu einer Person, die sich selbst Perspektiven sucht und für sich einen neuen Platz im Leben findet. So gerät für Alan immer mehr zur Nebensache, ob der König nun kommt oder nicht.“
(Rückentext der DVD)

Erfahrungsgemäß und durch Berichte von anderen Bloggern ist mir bewusst, dass der Buchstabe E besonders schwierig ist. Mein zweites E ist daher „Ein Hologramm für den König“. Dabei handelt es sich um eine Adaption des gleichnamigen Romans von Dave Eggers.

Long story short: Der König kommt nicht und Alan findet mehr und mehr zu sich. Dabei durchlebt er mehrere Phasen, aus denen er unterschiedlichste Erkenntnisse zieht.

Die Erzählweise ist unaufgeregt und fokussiert sich einzig und allein auf das Schicksal von Alan. Der Zuschauer bleibt die ganze Zeit bei ihm und bekommt seine innere Haltung eins zu eins mit. Anfangs schien er noch zielstrebig zu sein und Ambitionen zu besitzen, dabei verliert er sich selbst aber aus den Augen und mit zunehmender Dauer wandelt sich das Bild. Am Ende des Streifens wird Alan ganz bei sich sein und das Leben nicht mehr ganz so eng sehen. Die Narration war nie auf das berufliche Leben Alans ausgelegt. Vielmehr wurde über den Beruf der Einstieg in die Materie gewährt, damit sich das Publikum mit Alan identifizieren kann, was schlussendlich bei mir auch funktioniert hat.

Mit der arabischen Ärztin Zahra wird ein Gegenpool integriert. Eine Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft, die Ärztin ist, aber zugleich auch unter den Zwängen und Gepflogenheiten dieser besonderen Gesellschafts- und Kulturstruktur zu leiden scheint. In Gesprächen, Schriftverkehr und Blicken erkennt man ganz deutlich, wie sich Alan und Zahra nicht nur körperlich, sondern auch geistig näherkommen. Sie überschreiten damit zweifellos gesellschaftliche Grenzen, allerdings tun sie sich gegenseitig gut und das spiegelt sich auch zunehmend an den Figuren wider.

Ich würde „Ein Hologramm für den König“ durchaus als emotionalen und authentischen Film bezeichnen. Ich muss aber auch sagen, dass mich die Thematik interessiert hat und mich die Figur Alan Clay auch wunderbar abholen konnte. Auch die Figur Yousef half mir, mich mit dem Film auseinanderzusetzen, denn er bringt immer wieder etwas Humor in die Geschichte und zeigt damit, dass es in den arabischen Ländern, oder hier in Saudi-Arabien, starre Strukturen gibt, sie aber an der einen oder andere Stelle aufzuweichen scheinen.
Ich habe dennoch etwas zu kritisieren: Die Figuren wirken des Öfteren sehr distanziert zueinander. Das störte mich insofern, als dass ich gerne am Glück der Protagonisten teilhaben wollte, es aber nicht konnte, weil der Funke zu mir nicht übergesprungen ist.

Eben dieser Funke sprang auch nicht über, wenn wir uns zum Thema Spannung unterhalten wollen. Denn spannend ist dieser Film nicht, er ist sogar sehr weit davon entfernt. „Ein Hologramm für den König“ punktet hingegen mit seiner schönen Charakterzeichnung.

Das Setting ist absolut aufeinander abgestimmt. Die Auswahl der Kulissen wirkt hochwertig und war obendrein auch variabel. Moderne Hotelzimmer, Nomadenzelte und Baustellen gibt es zu sehen. Auch bekommt der Zuschauer ein Gefühl für Infrastruktur durch teils sehr staubige und beschädigte Straßen, aber auch durch teils hochmoderne Verkehrswegen.
Die Kostüme sind stilecht und passen in das Bild, das wir vom arabischen Raum haben. Die Musik hat das Geschehen wunderbar untermalt und verhalf dem kompletten Streifen, eine besondere Atmosphäre aufzubauen. Auch dort spiegelte sich der Konflikt zwischen Alt und Neu oder Tradition und Moderne wider.

Meine Meinung:
„Ein Hologramm für den König“ ist ein guter, für den einen oder anderen auch sehenswerter, Film, aber wirklich kein überragender. Mich konnte er jedoch gut abholen, auch wenn es an manchen Stellen im Storytelling sehr dünn zuging und man sich mit schöner Musik und einigen Kamerafahrten zufriedengeben musste.

Wenn man mich nun fragt, ob dieser Film empfehlenswert ist, dann müsste ich aus meiner Sicht diese Frage mit ja beantworten, weil er im Gesamtkonzept sehr rund und unterm Strich auch unterhaltsam ist.
Was mich aber die ganze Zeit störte, war die deutsche Vertonung. Die deutsche Audiospur klang stets so, als ob man in eine Blechdose gesprochen hätte.

Meine Wertung:
Story: 6,0 von 10
Spannung: 4,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 7,1 von 10

sep*T*ember-Challenge 2.0: Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt

Titel: Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt (engl.: „Evil Dead II – Dead by Dawn“)
Genre: Horror / Splatterkomödie
Regie: Sam Raimi
Musik: Joseph LoDuca
Produzenten: Robert G. Tapert
Dauer: ca. 84 Minuten
Erscheinungsjahr: 1987
Altersfreigabe: FSK 16

„Ash Williams (Bruce Campbell) kehrt zurück zu der Hütte, in der das Unheil seinen Lauf nahm. Wieder beschwört er mit dem Buch des Todes die Mächte des Bösen herauf, die sofort von seiner Freundin Linda (Denise Bixler) Besitz ergreifen. Von da an geht es ans Eingemachte, denn die Ausgeburten der Hölle müssen gebannt werden, bevor sie die Weltherrschaft an sich reißen. Nebenbei muss Ash sich der Angriffe seiner ‚dämonischen’ Hand erwehren. Keine leichte Aufgabe, aber eine Kettensäge ist allemal ein guter Anfang…“
(Rückentext der DVD)

Das T in September steht dieses Jahr für „Tanz der Teufel II“. Sam Raimi hat einen zweiten Teil zu seinem 1982 erschienen „Tanz der Teufel“ gedreht. Damals wollte ich meine eigenen Grenzen austesten und über den Tellerrand der Sehgewohnheiten schauen. Schnell stellte ich fest, dass „Tanz der Teufel“ mehr oder weniger so etwas wie eine Persiflage an einen Horrorfilm ist. Dabei sah Teil 1 weder gut aus, noch konnte er mich mit besonderen Kniffen aus der Reserve locken. Meine Erwartungen an Teil 2 sind entsprechend niedrig.

Die Handlung ist so unlogisch wie vorhersehbar. Ganz davon ab wird im Film nie klar, dass Ash um die Rettung der Welt kämpft. Mich wundert es stets, wie dumm die Charaktere handeln. Wieder fährt Ash mit einem Mädchen zur Hütte im Wald und wieder wird das Tonband abgespielt. Warum tut er das? Er hat doch schon im ersten Teil gesehen, dass das keine gute Idee gewesen ist. Ein solch unlogisches Verhalten vermiest mir jeden Filmspaß.
Und überhaupt: Warum ist der deutsche Untertitel „Jetzt wird noch mehr getanzt“, wenn man im ganzen Film keine Tanzeinlage zu Gesicht bekommt?

In einigen leicht humoristischen Szenen muss man zwar nicht lachen, jedoch schüttelt man vor Fassungslosigkeit den Kopf. Es geht dann eher darum, dass der Film tatsächlich versucht, mit solch platten und ideenlosen Witzen Lacher zu generieren. Aber auch sonst steht „Tanz der Teufel II“ seinem Vorgänger in nichts nach. Die Musik ist unglaublich anstrengend und nervig. Die Bilder sind allesamt nicht schön und teilweise erreicht man da auch die Grenzen des guten Geschmacks. Blut gibt es sehr viel, aber das habe ich auch nicht anders erwartet. Zu guter letzt ist die Handlung wenig innovativ und die Spannung bleibt sogar ganz weg.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Tanz der Teufel II“ eine klassische Fortsetzung ist. Sie kommt nicht an die (wirklich schwache) Leistung des Vorgängers ran.

Meine Meinung:
Manche Filme sind eine wahre Bereicherung, manche Filme kann man gesehen haben und einige Filme sind ein schöner Griff ins Klo. „Tanz der Teufel II“ zählt definitiv zu der letzten Kategorie.

Wenn ich wenigstens schlechte Unterhaltung gehabt hätte, dann gäbe es etwas, worüber ich mich ärgern könnte, aber dieser Film hat mich rein gar nicht unterhalten.
Was ich aber tatsächlich interessant fand, war, dass der Streifen sein Ende im Prinzip schon selbst verraten hat. Wer aufpasst, wird wissen was ich meine. Ich bin aber tatsächlich schon gespannt, ob „Armee der Finsternis“ ebenfalls so trashig wird.

Meine Wertung:
Spannung: 2,0 von 10
Story: 2,0 von 10
Länge: 3,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 2,0 von 10
Authentizität: 2,0 von 10
Humor: 3,5 von 10
Horror: 5,0 von 10
GESAMT: 2,8

Reihenfolge:
1. Tanz der Teufel
2. Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt