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Zwei Kurze, bitte! #9

Die heutige Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“: Filme, die für die große Leinwand gemacht sind.
Und in diesem besonderen Fall dreht es sich um Tim Burtons „Big Fish“, der eine außergewöhnliche Geschichte des Lebens erzählt und Roland Emmerichs „10.000 BC“, der die Geschichte des Lebens an sich erzählt. Ich wünsche allen Lesern viel Spaß!

Titel: Big Fish (2003)
Regie: Tim Burton
Genre: Tragikomödie

Tim Burtons „Big Fish“ erzählt die Geschichte von Edward Bloom, der auf dem Sterbebett liegt. Sein Sohn unternimmt einen letzten Versuch, die nichtvorhandene Vater-Sohn-Beziehung zu kitten und will die Wahrheit hinter all den Lügengeschichten herausfinden.
Ewan McGregor spielt den eigenwilligen, erfinderischen und abenteuerlustigen Edward Bloom auf eine unfassbar unterhaltsame Weise. Die komplette Geschichte überzeugt durch eine ganze Reihe fantasievoller Elemente. Teils witzig, teils tragisch wird der Film vorangetrieben und fordert ein ums andere Mal auch viel Geduld vom Zuschauer ab. Zum Ende hin nimmt der Streifen dann noch einmal Fahrt auf und schließt mit einer zum Schmunzelnden Anekdote ab. Tim-Burton-Fans werden den Film mögen, andere werden nicht ganz so begeistert sein. Erzählerisch ist der Film für die große Leinwand gemacht, trotzdem ist er nur bedingt zu empfehlen.

Titel: 10.000 BC (2008)
Regie: Roland Emmerich
Genre: Abenteuer / Action

In diesem visuell beeindruckenden Film dreht sich alles um die Abenteuer des ersten Helden der Geschichte, der auf dem Weg ist, seine große Liebe aus den Fängen ihrer Entführer zu befreien.
So simpel der Plot ist, so beeindruckend ist er erzählt. Chronologisch und ohne größere Überraschungen verfolgt das Publikum den Protagonisten, der immer wieder mit Emotionen und Widrigkeiten zu kämpfen hat, sich selbst überwinden und seine Verbündeten überzeugen muss.
Ein wahrgewordenes Bildspektakel, das sein volles Potential mit entsprechendem Equipment ausschöpfen kann. Wer kein eigenes Kino besitzt, kann auch zur DVD oder BluRay greifen und sich diesen Traum von Film einfach auf seinem riesengroßen Fernseher anschauen.

Unterm Strich kann ich euch nur einen Film sehr ans Herz legen und für den anderen gibt es nur eine bedingte Empfehlung. Den einen aufgrund seiner faszinierenden Geschichte, den anderen wegen seiner Bilder. Das ist wahrer Stoff fürs Kino.

Watchmen – Die Wächter

Titel: Watchmen – Die Wächter (engl. „Watchmen“)
Genre: Science-Fiction / Comicverfilmung
Regie: Zack Snyder
Musik: Tyler Bates
Produzenten: Lawrence Gordon / Lloyd Levin / Deborah Snyder
Dauer: ca. 155 Minuten
Erscheinungsjahr: 2009
Altersfreigabe: FSK 16

„Es ist das Jahr 1985 und die Superhelden schließen sich zusammen, um den Mord an einem der ihren aufzuklären. Schon bald decken sie einen teuflischen Plan auf, der die gesamte Menschheit in tödliche Gefahr bringt. Während die Superhelden darum kämpfen, das drohende Unheil zu stoppen, entdecken sie, dass sie selbst das Ziel der Vernichtung sind. Doch wenn die Superhelden tot sind, wer wird uns retten?“
(Rückentext der DVD)

Selten fiel es mir schwerer, eine Review zu einem Film zu schreiben, als bei diesem. „Watchmen – Die Wächter“ basiert auf den gleichnamigen Comic, der für viele, viele Jahre als unverfilmbar galt. Dann kam Zack Snyder und sollte uns eines Besseren belehren.
2009 setzte er mit gewohnter Akribie und Sorgfalt einen Streifen um, der sehr viele Stärken, aber auch einige Schwächen hat.

Die Handlung dreht sich um eine bessere Bürgerwehr, die sowohl die Straßen der USA mehr oder weniger sauber hält, als auch gleichzeitig geopolitisch eingesetzt wird: die Watchmen.
Die Story spielt im Jahr 1985 auf einer alternativen Erde. Inmitten des Kalten Krieges steht die Welt vor dem Abgrund. Die metaphorische Weltuntergangsuhr steht auf fünf Minuten vor 12 und der Comedian – ein Mitglied der Watchmen – wurde umgebracht.
Was steckt hinter dem Mord an dem Comedian und kann das Unheil des Weltuntergangs abgewendet werden?

Die Sache mit der Handlung:
Eine von vielen Besonderheiten ist die Erzählung. Zwar wird die Geschichte kontinuierlich vorangetrieben, weiß aber durch Rückblenden die Geschichte zu erweitern und Aufschluss darüber zu geben, wer hinten den Mitgliedern der Watchmen steckt. Immer mal wieder wird der Streifen durch diese Rückblenden unterbrochen und findet im Anschluss dessen nahtlos zurück zur Haupthandlung. Man darf jedoch auch nicht außer Acht lassen, dass es sich bei „Watchmen“ um einen Film von Zack Snyder handelt. Epische Bilder und Kamerafahrten, tolle Kostüme und Kulissen und eine dichte Atmosphäre und ein Blick für das Detail gehören zum guten Ton und werden natürlich abgeliefert, jedoch ist die Handlung komplex. So komplex, dass der Zuschauer nicht nur sehr viel Konzentration, sondern auch Sitzfleisch braucht. Das Folgen der Handlung steht also dem Genießen der Bilder gegenüber, was zwangsläufig dazu führt, dass man diesen Film mindestens zweimal schauen muss. Bedeutet: zweimal 155 Minuten – kritisch!

Die Sache mit den Figuren:
Zwar findet der Zuschauer im Cast keine großen Namen, dafür aber großartige Leistungen – natürlich in differenzierter Form. Mir ist besonders aufgefallen, dass es Figuren gibt, die einen stabilen moralischen Kompass haben und solche, die ihn nicht haben. Gleichzeitig stehen diese Figuren aber auf der gleichen „Seite“. Der Zuschauer hat also mehr oder weniger die Wahl, ob der mordende Vergewaltiger mit einem Alkohol- und Narzissmusproblem zur Identifikationsfigur wird oder die Figur, die für Recht und Ordnung steht und dabei auch im privaten Umfeld eher unauffällig und rechtschaffend ist. Die Vielfalt der Facetten ist in der Tat so groß und die Charaktertiefe bei nahezu allen Figuren enorm. Snyder nutzt die Laufzeit und die durchweg gelungene Einführung der Figuren, um den einzelnen Akteuren ein glaubhaftes und authentisches Auftreten zu sichern. Wir werden Zeuge von übernatürlicher Macht, Resignation und dem Verlust, an das Gute im Menschen zu glauben. Einzelne Figuren spiegeln dabei die schlimmsten Eigenschaften der Gesellschaft wider. Ein Manko ist jedoch, dass es oft an Emotionalität fehlt. Heißt nicht, dass es grundsätzlich daran fehlt, aber wenn Gefühle gezeigt werden, dann sind sie oft wie ein Ausbruch, der sich über den Zuschauer ergießt, daher manchmal etwas drüber.

Die Sache mit dem Setting:
Snydereske Zeitlupenaufnahmen, atemberaubende Bilder, Totalen, Nahaufnahmen, Kamerafahrten, noch nie zuvor gesehene Orte und in den Actionsequenzen wird sehr dynamisch die Kamera bewegt, sodass der Fokus ganz bei den Handlungen liegt. „Watchmen“ ist eine Augenweide. Ein Kuss vor einer apokalyptischen Explosion, sich im Scheine der Sterne räkelnde nackte Frauenkörper oder ein Besuch auf dem Mars sind dabei nur die Kirsche auf der Sahne. Abgerundet wird der gesamte Film authentisch von der passenden Musik aus den 1980er-Jahren oder entsprechender Musik in den Rückblenden.
Auch die Kostüme und die Kulissen sind absolut passend und überzeugend und über jeden Zweifel erhabend.

Die Sache mit der Empfehlung:
„Watchmen – Die Wächter“ ist für mich eine Empfehlung wert, ich kann aber auch die Kritiker verstehen. Auf der einen Seite haben wir hier einen rundum gelungenen Film, der unterhaltsam, spannend und dicht erzählt ist. Die gesamte Geschichte ist sehr komplex und verlangt ein gewisses Maß an Konzentration. Auf der anderen Seite dauert der Streifen satte 155 Minuten (in der Kinoversion; Uncut noch mal deutlich länger).
Manche Kritiker werden außerdem die – in wenigen Teilen – behäbige und recht emotionslose Art der Erzählung kritisieren. Die Dinge kann ich nicht wegdiskutieren, aber mich hat es nicht gestört. Comicfans werden Spaß haben und Zack Snyder hat es allen gezeigt: Den unverfilmbaren Comic gibt es nicht.


Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #63 „Schaue die Verfilmung eines Comics“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
„Watchmen“ hat mir Spaß bereitet und ich hab diesen Film wirklich genossen. Die lange Laufzeit war für mich kein Hindernis, da ich diesen Streifen zum einen bereits mehrfach gesehen habe und zum anderen ohnehin lange Film mit einer guten Einführung fast lieber mag als kurze Streifen, die eher plattitüdenhaft daherkommen.

„Watchmen – Die Wächter“ war für mich außerdem eine Vorbereitung auf die gleichnamige Serie, die zuletzt bei der Primetime-Emmy-Verleihung 2020 als beste Miniserie ausgezeichnet wurde und nur darauf wartet, von mir geschaut zu werden.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Action: 7,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Musik: 9,0 von 10
Setting: 10 von 10
GESAMT: 8,0

The Professor

Titel: The Professor (engl.: „Richard Says Goodbye“)
Genre: Tragikomödie
Regie: Wayne Roberts
Musik: Aaron Dessner / Bryce Dessner
Produzenten: Warren Carr / Brian Kavanaugh-Jones / Greg Shapiro
Dauer: ca. 87 Minuten
Erscheinungsjahr: 2018
Altersfreigabe: FSK 12
Aktuell Verfügbar auf Amazon Prime (Stand: 08.10.2020)

„Für den College-Professor Richard sieht es finster aus: Diagnose Krebs; die Ärzte geben ihm noch sechs Monate… ein wahrgewordener Alptraum. Doch Richard nimmt sein Schicksal mit jeder Menge schwarzen Humor. Er verabschiedet sich von seinen Hemmungen und fesselnden Konventionen und feiert das Leben, als gäbe es kein Morgen. Statt sich selbst zu bemitleiden, beschließt er dem Hedonismus zu frönen und seine letzten Monate in vollen Zügen zu genießen. Mit seinen Eskapaden stößt er sein elitäres Umfeld zwar mehr als einmal vor den Kopf und er bringt seine Stundeten nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Weinen. Aber vor allem lernt und lehrt er nachzudenken über das, was wirklich wichtig ist im Leben.
(Rückentext der DVD)

Heute dreht es sich um den Film „The Professor“ oder wie er im englischen Original heißt: „Richard Says Goodbye“.

Richard ist Professor an einem College und erhält die Nachricht, dass er Krebs hat und daran sterben wird. Selbst wenn er sich behandeln lässt, ist es nur ein Herauszögern des Unabwendbaren. Er macht aus dieser ausweglosen Situation das Beste und fängt auf die beste erdenkliche Art und Weise zu leben an – die, die ihn glücklich macht.

Es nervt mich mal wieder, dass sich für den deutschen Markt ein anderer Titel als „Richard Says Goodbye“ etabliert, dabei dreht es sich genau darum, dass Richard sich verabschiedet und nicht darum, dass er Professor ist. Genug davon.

Ich hatte diesen Streifen nicht auf dem Schirm, bis mir ein neugewonnener Freund ihn mir nahelegte. Zwar war ich zu Beginn eher skeptisch, weil ich Johnny Depps Leistungen seit seinem ersten Wirken in „Fluch der Karibik“ nicht mehr von ebendiesen unterscheiden kann, in diesem Fall wurde ich allerdings eines Besseren belehrt.
In mehreren Kapiteln erzählt also „The Professor“ die Auseinandersetzung eines Mannes mit seiner Sterblichkeit und schafft es sowohl den Zuschauer mitzunehmen, als auch Johnny Depp in seiner Leistung zu rehabilitieren. Unstrittig ist, dass die komplette Handlung von Johnny Depps Figur Richard getragen wird.
Dieser Streifen bietet allerdings so viel mehr, als das, was man messen, wiegen oder zählen kann. Es sind diese Momente, die bittersüß sind und dem Zuschauer einmal mehr verdeutlichen, wie wertvoll das Leben ist.
Die Rolle des Richards sitzt wie ein Maßanzug. Johnny Depp spielt diese Figur mit einer enormen Glaubwürdigkeit und Authentizität, wie ich es bei ihm schon sehr lange nicht mehr gesehen habe. Aus der Schnittmenge „Depps Filme der letzten 10 Jahre“ und „habe ich gesehen“ wurde ich sukzessiv enttäuscht. „The Professor“ zeigt aber, dass er mehr kann als Jack Sparrow.

Das Besondere an diesem Film ist, dass er allzu menschliche Themen anspricht. Jeder hat – oder kennt jemanden, der – einen Verlust durch Krebs zu beklagen hat. Filme wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zeigen den Krebs und spinnen um diesen eine Liebesgeschichte herum. „The Professor“ setzt sich mit der Thematik auseinander und bereitet dabei den Zuschauer, aber auch seinen Protagonisten, auf den Tod vor.
Die zentrale Frage lautet daher: „Sterben, aber wie?“ oder viel mehr „Leben, aber wie?“
Der Tod ist unausweichlich und sich mit dem eigenen Schicksal auseinanderzusetzen, erfordert Größe und Mut. Diesen Prozess kann der Zuschauer zwar sehen, er wird aber nicht kommentiert. „Wen weiht man ein?“, „Wie will man behandelt werden?“, „Therapie ja oder nein?“ sind nur einige Fragen, mit denen sich Richard auseinandersetzen muss, deren Antworten er dem Zuschauer nicht schuldig bleibt.

Sich auf den Weg machen, heißt Abschied nehmen. Emotional gesehen hat der Sterbende die geringste Last zu tragen, diejenigen, die man zurücklässt, müssen aber mit dem Ableben klarkommen. Die Krux mit den Nebendarstellern betrifft die emotionale Glaubwürdigkeit. Wenn ein Vater sich von seiner Tochter verabschiedet, sollten beide aus allen Kanälen heulen. Dass der Streifen nahezu keine Tränen bei unserem Protagonisten zulässt, kann ich allerdings verstehen – ein letztes Mal für seine Tochter stark zu sein, ist dabei ein allzu natürlicher Reflex. Dem Film nehme ich es aber krumm, dass seine Nebendarsteller in der emotionalen Bedeutungslosigkeit dümpeln. Von Beginn an wird in Andacht getrauert, dabei ist der Tod noch nicht einmal eingetreten. Richards Umgang mit der eigenen Sterblichkeit bietet abermals Grund zur Diskussion. Stellt sich die Frage danach, ob das Leben betrauert oder genossen werden soll? Richards zynischer Ansatz ist dabei nicht nur fragwürdig, sondern auch gefährlich. Drogen, Alkohol und ungeschützten Geschlechtsverkehr mit fremden Frauen klingen tatsächlich wie eine Episode aus Depps echten Leben, sind aber Bestandteile des Films und können auch ohne Krebsdiagnose im schlechtesten Fall zum frühzeitigen Ableben führen.
Riskantes Verhalten legitimiert der Film damit, dass die Tage gezählt sind – fragwürdig!

Spaß hat es trotzdem gebracht, sich diesen Streifen anzuschauen. Vor allem in der Institution College erleben wir einige Tabubrüche und interessante Lehr-Lern-Situationen. Die Wirksamkeit und den Mehrwert für die Studenten stelle ich allerdings in Frage.

Das Setting ist gelungen. Der Zuschauer befindet sich in irgendeinem kleinen Ort mit einem College, das eine mittlere bis obere konservative Bildungsschicht repräsentiert. Die Filmmusik ist unaufgeregt und unterstützt den Streifen von Szene zu Szene. Die Kameraarbeit schafft es, in Dialogszenen ein ruhiges, aber interessantes Bild zu zeigen. Dem Publikum wird häufiger die Möglichkeit eingeräumt, in die Gesichtern der Figuren zu blicken und in ihnen unter Umständen zu lesen. Eine Identifikation fällt dennoch schwer.

Meine Meinung:
Es ist schon lange her, dass ich so viel zu einem Film zu sagen hatte, aber „Richard Says Goodbye“ ist da eine klare Ausnahme. Nicht nur, dass mir Johnny Depps Darbietung gefallen hat, mich hat auch der gesamte Film angesprochen und überzeugt. In seinem Handlungsverlauf ist „The Professor“ konsequent. Unweigerlich setzt man sich mit dem Tod auseinander und möchte wissen, wie Richard damit umgeht. In dieser Hinsicht verlangt der Film vieles von einem ab. Er durchbricht die ganz eigene Komfortzone und das kann man ihm sehr hoch anrechnen.

„The Professor“ war für mich eine Überraschung und ein richtiges Highlight. In etwas weniger als anderthalb Stunden schaffte es der Film, mich zu unterhalten und mich mitzunehmen. Er regte mich zum Nachdenken an und berührte mich auf eine besondere Art und Weise.

„The Professor“ erhält von mir daher eine klare Empfehlung und wenn ihr die Möglichkeit habt, dann schaut ihn euch gerne an.

Meine Wertung:
Story: 9,0 von 10
Spannung: 7,5 von 10
Länge: 9,5 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 8,5 von 10

Eine Frau mit berauschenden Talenten

© Neue Visionen Filmverleih

Titel: Eine Frau mit berauschenden Talenten (franz.: „La Daronne“)
Genre: Komödie
Regie: Jean-Paul Salomé
Musik: Bruno Coulais
Produzenten: Kristina Larsen
Dauer: ca. 104 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK 12

„Patience (Isabelle Huppert) ist selbstbewusst, unabhängig und vor allem schlagfertig. Nur bei ihren Finanzen ist Luft nach oben. Als Dolmetscherin im Drogendezernat übersetzt sie abgehörte Telefonate der Drogenszene und ist dafür massiv unterbezahlt. Als das kostspielige Pflegeheim ihrer Mutter wegen unbezahlter Rechnungen droht, die alte Dame auszuquartieren, gerät Patience unter Handlungsdruck. Der Zufall will es, dass gerade eine Drogenlieferung auf dem Weg nach Paris ist. Patience entscheidet sich spontan gegen die Ehrlichkeit und sabotiert die Beschlagnahmung der Drogen. In Eigenregie fahndet sie nach dem hochwertigen Hasch – und wird fündig. Patience macht sich sofort fröhlich ans Werk und zeigt sich von ihrer besten Seite: Als begnadete Verkäuferin mischt sie den Pariser Drogenmarkt maximal auf.“
(Inhalt laut Presseheft – gekürzt)

Am 08.Oktober 2020 startet „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ in den deutschen Lichtspielhäusern und ich hatte die Gelegenheit, diesen Film vorab sehen zu können.

Worum es geht:
Patience arbeitet als Dolmetscherin bei der Polizei und hilft dabei, Drogendealer aus dem nordafrikanischen Raum festzusetzen. Eine in die Verbrechen verwickelte Person ist ihr näher als gedacht. Hinzu kommt, dass Patience finanzielle Probleme hat und so entschließt sie sich kurzerhand, die Ermittlungen zu sabotieren und selbst ins Drogengeschäft einzusteigen.

© Neue Visionen Filmverleih

„Eine Frau mit berauschenden Talenten“ ist eine französische Komödie, die ihren ganz eigenen Rhythmus hat, den der Zuschauer erstmal spüren muss. Von Beginn an setzt der Streifen dabei auf das Charisma seiner Hauptfigur Patience (gespielt von Isabelle Huppert) und ihre Schlagfertigkeit. Dabei hat die Hauptfigur weitaus mehr zu bieten: Sie ist besorgt um ihre Mutter und mimt zeitgleich die starke und selbstbewusste Frau vor ihren Töchtern. Sie ist ehrlich und fleißig im Dienst der Polizei und führt ihren Verehrer – der gleichzeitig ihr Vorgesetzter ist – hinters Licht. Aus der ganzen Konstellation entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das Patience für sich entscheiden muss, um aus ihrer misslichen Lage ausbrechen zu können. Und aus genau dieser Situation entwickelt sich der Humor des Streifens.

Die Art der Erzählung ist chronologisch. Bruchstückhaft erfährt der Zuschauer etwas über die eine oder andere Figur, was zumindest Aufschluss darüber gibt, warum sie so handelt, wie es letzten Endes gezeigt wird. Über weite Strecken geht es sehr unaufgeregt und behäbig zu, die etwas aufregenderen Szenen sind leider sehr spärlich gesät.

Gleichwohl Isabelle Huppert einen gewissen Einblick in ihre Figur gewährt, fühlt sich der Film ein ums andere Mal emotional distanziert an.
Ebenjene Distanz ist es auch, die dazu führt, dass sich der Zuschauer selten abgeholt fühlt. Problematisch empfinde ich es insofern, dass der Zuschauer sich weder solidarisiert, noch Empathie aufbauen kann. Die Schlagfertigkeit unserer Hauptfigur ist unstrittig, aber dennoch fehlt ihr das gewisse Etwas.

© Neue Visionen Filmverleih

Aber was macht diesen Film besonders?
Das ist ganz klar sein französisches Setting. Und ich meine nicht nur die Musik oder Drehorte, sondern die Inszenierung. Sie ist nicht besonders kunstvoll, aber im Gegensatz zu aktuellen deutschen Komödien wird die Pointe nicht um jeden Preis gebracht. Es sind dann eher die Umstände, die dem Zuschauer komplett absurd vorkommen. Lauthals wird dadurch zwar nicht gelacht, aber zumindest geschmunzelt.

„Eine Frau mit berauschenden Talenten“ ist ab dem 08. Oktober 2020 in den deutschen Kinos zu sehen.

Meine Meinung:
Französisches Kino ist immer etwas schwieriger, jedoch haben Filme wie „Ziemlich beste Freunde“ gezeigt, dass es facettenreich, lustig und gleichermaßen kunstvoll und mainstreamig sein kann. „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ hat es da natürlich ungleich schwerer. Die Thematik mit dem Drogenhandel ist eigen und nicht jedermanns Sache. Mir hat der Film daher nur bedingt gefallen. Vor allem im letzten Drittel hat der Film seine Stärken, aber ist das ausreichend?
Wenn man mich fragt nicht, aber schlussendlich solltet ihr euch davon selbst ein Bild machen.

Meine Wertung:
Humor: 6,0 von 10
Spannung: 6,0 von 10
Story: 6,5 von 10
Länge: 7,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,5 von 10
Authentizität: 7,5 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 6,8

Zwei Kurze, bitte! #8

Die heutige Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“ wird aus Deutschland dominiert. Richtig gelesen. Der deutsche Film kann was und ich bin so froh darüber, dass ich mir diese beiden Filme angeschaut habe. Dabei sind „Die vierte Macht“ von Dennis Gansel und Fatih Akins „Soul Kitchen“, gleichzeitig heißt es auch zweimal Moritz Bleibtreu.

Titel: Die vierte Macht (2012)
Regie: Dennis Gansel
Genre: Thriller

Ein deutscher Thriller? Und was für einer! Paul Jensen ist Journalist und geht nach Moskau. Er soll als Klatschreporter einem alten Magazin neues Leben einhauchen und knüpft dort Kontakte. Unter anderem auch zur geheimnisvollen Russin Katja, die selbst auch Journalistin ist. Bei einem Bombenanschlag stirbt Katja, und Paul steht unter Verdacht, den Anschlag verübt zu haben. Paul wird instrumentalisiert, doch wenn er nicht im russischen Geheimgefängnis sterben will, muss er anfangen, die Puzzleteile zusammenzusetzen.
Selten habe ich einen so spannenden Thriller aus Deutschland gesehen, der mit einem vernünftigen Unterbau daherkommt, wie „Die vierte Macht“. Was die einen Revolution nennen, nennen die anderen Terror, doch wo liegt die Wahrheit und wer will sie wissen?
„Die vierte Macht“, ein Film, der bei vielen unterm Radar fliegt. Das sollte sich ändern, am besten gleich jetzt!

Titel: Soul Kitchen (2009)
Regie: Fatih Akin
Genre: Komödie

Zinos ist der Betreiber des schlecht laufenden Soul Kitchen, einem Restaurant/Kneipe in Hamburg-Wilhelmsburg. Und da das noch nicht genug ist, zieht seine Freundin nach China, er bekommt einen Bandscheibenvorfall und sein krimineller Bruder platzt in Zinos leben. Mit dem Engagement des exzentrischen Spitzenkochs Shayn beginnt das Rad sich zu drehen, aber Zinos will den Laden loswerden. Doch dann passieren unvorhergesehene Dinge, alle auf einmal.
Fatih Akin inszenierte hier einen wundervoll atmosphärischen und stimmungsvollen Film, der mit einer Leichtigkeit daherkommt und uns einfach nur Zeuge des Lebens werden lässt. Er zeigt die vielen kleinen Problemchen, die jeder irgendwie hat und lässt uns dennoch spüren, wie schön das Leben sein kann, wenn man nur die richtigen Leute, die passende Musik und leckeres Essen hat. Akin hat nicht ganz unrecht, wenn er sein Werk als „neuen Heimatfilm“ bezeichnet, denn genau das ist er auch. Er wirft ein Blick in meine Heimat Hamburg und zeigt Bilder, Architektur und Viertel, die es vor der Gentrifizierung zu schützen gilt. Kulturgut für Jedermann, wenn man so will. Auch wenn es nicht bei jedem so sein wird, aber mir ging „Soul Kitchen“ direkt ins Herz.

Parasite

Titel: Parasite (original „Gisaengchung“)
Genre: Tragikomödie
Regie: Bong Joon-Ho
Musik: Jeong Jae-Il
Produzenten: Bong Joon-Ho / Jang Young-Hwan / Kwak Sin-Ae / Moon Yang-Kwon
Dauer: ca. 127 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 16

„Familie Kim ist ganz unten angekommen: Sie hausen in einem Keller und sind sich für keinen Aushilfsjob zu schade. Erst als der Jüngste eine Anstellung als Nachhilfelehrer in der todschicken Villa der Familie Park antritt, steigen die Kims ein ins Karussell der Klassenkämpfe. Mit findigen Tricksereien, bemerkenswertem Talent und großem Mannschaftsgeist gelingt es ihnen, die bisherigen Bediensteten der Familie Park nach und nach loszuwerden. Doch dann löst ein unerwarteter Zwischenfall eine Kette von Ereignissen aus, die so unvorhersehbar wie unfassbar sind…“
(Rückentext der DVD)

Dieses Mal dreht es sich um den mehrfach prämierten Film aus Süd-Korea: „Parasite“.

Ja, dieser Film war und ist in aller Munde und ja, er erzählt eine gute und nachvollziehbare Geschichte, doch wird er seinem Hype gerecht? Er hat immerhin das geschafft, was zuvor keinem anderen nicht-englischsprachigen Film gelungen ist: den Oscar® für den besten Film zu gewinnen. Meiner Meinung nach war das ja ohnehin schon Sensation und Würdigung genug, dass er diesen Goldjungen gewonnen hat, aber warum hat er trotzdem den für den besten internationalen Film gewonnen? Ist das nicht eine doppelte Belohnung für den gleichen Fakt? Zweimal als bester Film ausgezeichnet zu werden fühlt sich für mich zumindest falsch an.

Inhaltlich dreht es sich um die Familien Kim und Park. Nach und nach heuert jeder der Familie Kim bei den Parks an, bis sie alle Bediensteten ausgetauscht haben.
Das ist das Grundgerüst der Story, die die komplette Zeit über stringent erzählt wurde.
Jedes weitere Wort wäre zu viel, deswegen bin ich der Meinung, dass der Rückentext ein bisschen viel verrät.
Aufgrund der vielen Preise und des wiederkehrenden Vergleichs zu „Pulp Fiction“ wird die Erwartungshaltung künstlich nach oben getrieben, die der Film meiner Meinung nach nicht erfüllen kann. Dennoch ist die Story interessant inszeniert, da der Zuschauer ein ums andere Mal überrascht werden kann. Besonders gut haben mir die Dialoge gefallen, die eine ganz spezielle Komik besaßen und damit auch maßgeblich zum Spannungsgefühl beigetragen haben.
Immer wieder kreiert Bong Joon-Ho Szenen, die absurd und unterhaltsam sind, wie zum Beispiel eine Toilette nahezu unter der Decke oder eine sogenannte Wasserschlacht mit der Zeitlupe aufgenommen. Absurd sind ohnehin so viele Dinge in diesem Film, dass ich sie nicht alle aufzählen möchte. Es hat mir auch die allermeiste Zeit Spaß bereitet, den Figuren bei ihren Taten zuzusehen.
Dabei fiel mir kaum ein Charakter negativ auf. Der – im Rückentext – beschriebene Klassenkampf ist recht früh sehr deutlich zu vernehmen und genauso haben sich die Figuren von der ersten Minute an präsentiert.

Mit einer Laufzeit von ca. 127 Minuten bewegt sich „Parasite“ in einem guten Rahmen. Er schafft es, in der Zeit unterschiedliche Facetten zu zeigen, die prägnantesten Eigenschaften der Charaktere dazustellen und eine zweigeteilte Atmosphäre auszubilden. Wenn ich hier von der Atmosphäre spreche, dann muss ich erwähnen, dass ich sie unterschiedlich stark wahrgenommen habe. Vor allem in den ersten 90 Minuten baute sich eine witzig-interessante Stimmung auf, die vor allem durch die Dialoge punkten konnte. Nur selten gab es Momente, die in eine tragische Richtung abdrifteten. In der letzten halben Stunde kamen allerdings die klassischen Merkmale einer Tragödie zum Tragen, was sich auch maßgeblich auf die Atmosphäre auswirkte.
In meinen Augen war dieser Bruch deutlich zu vernehmen. Vor allem aber sorgt dieser Wechsel der Stimmung dafür, dass der Streifen retrospektiv betrachtet seinen Hype nicht gerecht wird.

Im positivsten Sinn sticht das Setting hervor. Wechselnde Kulissen, die in ihrer Bildsprache den „Klassenunterschied“ mehr als verdeutlichen. Villa auf der einen Seite, Toilette unter der Decke auf der anderen. Ein riesiges Haus mit genügend Platz für eine Familie plus Bedienstete steht einem Wohnklo mit Kochdusche gegenüber, für vier Personen. Mit Blick auf die Filmmusik lässt sich ebenfalls nichts Negatives sagen, solide Untermalung ohne Ohrwurm-Qualität.


Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #3 „Schaue einen Film aus Fernost (Japan, China, Korea)“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
„Parasite“ hat über 100 internationale Preise eingeheimst und mit Sicherheit ist dieser Film auch besser als viele andere im gleichen Genre. Trotzdem konnte er meine Erwartung nur mäßig erfüllen. Das ist zwar mein ganz eigenes Problem, aber das führt trotzdem dazu, dass ich ihn nicht perfekt bewerten werde.
Ich hangle mich nur an den gewonnen Oscar®-Kategorien entlang:
„Parasite“ hat in den Kategorien Bester Film, bester internationaler Film, beste Regie und bestes Originaldrehbuch gewonnen. Meines Erachtens wurde „Parasite“ doppelt belohnt. Die Preise des besten Films und des besten internationalen Films suggerieren und zeigen im Prinzip nur eine Antwort: Es gab in den Augen der Jury keinen besseren Film, weder einer, der in den Kinos von L.A. lief, noch von denen, was die internationale Konkurrenz eingereicht hat. Dass „Parasite“ gleich beide Preise gewonnen hat, ist daher für mich eher unverständlich. Bong Joon-Ho hat allerdings mit diesem Film gezeigt, dass er ein Geschichtenerzähler ist und ein gutes Drehbuch ebenso gut umzusetzen weiß. Daher sind die beiden weiteren Preise für mich folgerichtig.

Am Werk „Parasite“ muss ich dennoch Kritik üben. Der atmosphärische Wechsel nach 90 Minuten sorgte teilweise für Ernüchterung. Auch kann man mit dem Ende hadern. Gut jedoch war, dass die Spannung weitestgehend mit der Figurenentwicklung und der Handlung verknüpft war. Tiefere Emotionen gab es für mein Dafürhalten zu selten und zu wenig, gleichwohl die Figuren glaubwürdig und interessant dargestellt wurden.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 7,7

Yesterday

Titel: Yesterday
Genre: Musikfilm / Komödie
Regie: Danny Boyle
Musik: Daniel Pemberton
Produzenten: Bernard Bellew / Tim Bevan / Danny Boyle / Richard Curtis / Eric Fellner / Matthew James Wilkinson
Dauer: ca. 111 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 0

„Jack Malik (Himesh Patel) ist ein gescheiterter Singer-Songwriter. Nur seine Jugendfreundin Ellie (Lily James) glaubt unerschütterlich an ihn. Seinen Traum vom großen Durchbruch hat Jack längst begraben. Doch das war gestern! Während eines mysteriösen weltweiten Stromausfalls wird er von einem Bus angefahren – und als er wieder zu Bewusstsein kommt, ist er der einzige Mensch, der sich an die Beatles erinnert! Mit den Songs der berühmtesten Band der Welt verzaubert Jack schnell sein ahnungsloses Publikum und wird über Nacht zum Superstar. Aber was nützt ihm all der Ruhm, wenn das, was er liebt, zurückbleibt? Um Ellie nicht zu verlieren, muss Jack erkennen, wo er hingehört…“
(Rückentext der DVD)

Meine Affinität zu Musikfilmen oder Musicals sollte den allermeisten aufgefallen sein, darum ist es wenig verwunderlich, dass ich mir jetzt „Yesterday“ angeschaut habe. Ein Film, der den Songs der Beatles ein bisschen mehr ein Denkmal setzt, als es „Across the Universe“ getan hat.

Die Story ist simpel: Nach einem weltweiten Stromausfall sind unter anderem die Beatles aus dem Gedächtnis der Welt gelöscht. Einzig der semiprofessionelle Singer-Songwriter Jack, der zum Zeitpunkt des Stromausfalls von einem Bus angefahren wird, erinnert sich an die Lieder und die Band. Er steigt auf zum Star und schmettert die Songs dieser großartigen Band.

Es gab kaum ein Lied, dass ich nicht mitsingen konnte, es gab auch kaum ein Lied, das ich nicht mochte. Ich bin ein Fan der 1960er Jahre, der Musik und der Beatles und damit hat der Streifen schon ordentlich Vorschusslorbeeren erhalten. Ganz unaufgeregt wird dem Zuschauer die Handlung dargeboten, ganz einfach der titelgebende Song „Yesterday“ inszeniert. Eine Gitarre, eine Stimme – mehr nicht.
In der übrigen Zusammenstellung der Lieder fehlte mein ganz persönliches Lieblingslied der Beatles („While my Guitar gently weeps“), was aber dem ganzen Denkmal und dem Kunstwerk keinen Abbruch tut. Die weitere Handlung ist auch darüber hinaus sehr einfach und leicht zu folgen. Es dreht sich eben alles um die Musik und das Gefühl, das sie vermittelt.

Die Figuren sind wirklich schön und facettenreich verkörpert. Himesh Patel war mir bisher unbekannt, macht aber seine Sache sehr gut. Er trägt das Allermeiste der Handlung auf seinen Schultern und überzeugt in der Darbietung insofern, dass ihm der Erfolg merklich spanisch vorkommt und er dies auch glaubhaft spielt. Lily James spielt die Jugendfreundin Ellie. Sowohl die Hauptfigur als auch die Geschichte an sich sucht diese Figur immer wieder auf und bringt eine gewisse Bodenständigkeit in die Handlung. Der eigentliche Star des Films ist aber ein tatsächlicher Star: Ed Sheeran spielt sich selbst und treibt immer wieder die Handlung an.
Das Besondere des Streifens ist aber, dass sich der Zuschauer in einer wohlig-schönen Welt wiederfindet. Der Film ist einfach, unterhaltsam und spannend zugleich. Das Drumherum – eine anbahnende Romanze – ist dahingehend überhaupt nicht störend, sondern vielmehr zwingend notwendig und würde dem Zuschauer fehlen, wenn es sie nicht gegeben hätte.

Die Musik und das Setting sind einfach nur toll. Ich liebe die Musik der Beatles und wenn man etwas anderes erwartet, wird man hier nicht fündig. Der Streifen ist ein bildgewordenes Denkmal, eine Verankerung der Songs von damals in die heutige Zeit. Kulissen und Drehorte sind passend und abwechslungsreich. Von kleinen Bühnen und Tonstudios bis hin zur Main-Stage ist alles dabei. Besonders skurril ist eine Szene, in der der Titel des Albums diskutiert wird und sich die Hauptfigur unglaublich unwohl fühlt. Witzig erscheint die Szenerie alleine deswegen, weil Jack echte Albumtitel der Beatles vorschlägt und die Produktionsfirma irgendetwas anderes haben will.


Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #49 „Schaue einen Film, in dem es um einen Musiker oder eine Band geht“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
Ich bin so froh, dass ich „Yesterday“ gesehen habe, denn der Film hat mir wirklich Spaß bereitet. Die Geschichte hat mich eingefangen und mithilfe der Musik der großartigen Beatles einfach nicht weggehen lassen. Ich wurde gefesselt und extrem gut unterhalten, so sehr, dass ich ein wenig traurig war, als der Film endete. Einfach aus dem Grund, weil ich diese Musik so sehr mag.

Die Figuren haben mich in der Handlung überzeugt und ich konnte mit ihnen mitfühlen. Auch darüber hinaus war das Gesamtkonzept des Streifens stimmig und stringent. Jedoch sollte man sich zuvor nicht den Trailer anschauen, da man sonst das Gefühl bekommt, dass jegliche Handlung dort bereits verraten wird. Aber keine Sorge: „Yesterday“ kann mehr. Das Gefühl der Vorwegnahme verschwindet aber erst am Ende des Streifens.

Von meiner Seite aus gibt es für „Yesterday“ eine Empfehlung. Alle, die Musik mögen, werden ihren Spaß finden; alle, die die Beatles mögen, werden den Film unter Umständen sogar lieben. Denkmal wurde erfolgreich gesetzt!

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 10 von 10
Gefühle/Emotionen: 7,0 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 8,1

David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück (+Gewinnspiel)

© 2020 eOne Germany

Titel: David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück (engl. „The Personal History of David Copperfield“)
Genre: Romanverfilmung
Regie: Armando Iannucci
Musik: Christopher Willis
Produzenten: Armando Iannucci / Kevin Loader
Dauer: ca. 119 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK 6

„David Copperfield (Dev Patel) verbringt mit seiner verwitweten Mutter Clara (Morfydd Clark) eine glückliche Kindheit im viktorianischen England. Als er jedoch eines Tages von einem Besuch bei der Verwandtschaft der von ihm sehr geliebten Haushälterin Peggotty (Daisy May Cooper) zurückkehrt, erfährt er, dass seine Mutter inzwischen Mr. Murdstone (Darren Boyd) geheiratet hat. Dieser entpuppt sich schnell als gemein und grausam – und Davids Anwesenheit im Haus ist ihm offensichtlich ein Dorn im Auge. Schon bald wird David nach London geschickt, wo er in einer Flaschenfabrik einer harten und äußerst schlecht bezahlten Arbeit nachgehen muss. Jahre vergehen, David ist inzwischen ein junger Mann, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter erreicht. Zutiefst erschüttert flieht er aus der Fabrik zu seiner Tante Betsey Trotwood (Tilda Swinton), die ihm gemeinsam mit ihrem äußerst exzentrischen Mitbewohner Mr. Dick (Hugh Laurie) wieder auf die Beine hilft. Doch Davids Reise ist noch lange nicht zu Ende, denn allerlei Begegnungen mit verschiedenen Menschen, die ihm nicht immer Gutes wollen, sorgen dafür, dass sein Leben gleich mehrmals durcheinandergewirbelt wird. Allen Widrigkeiten zum Trotz reift in David ein Ziel: Er möchte als Schriftsteller berühmt werden und seinen Teil dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.“
(Inhalt laut Pressheft)

Am 24. September 2020 erscheint „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ in den deutschen Kinos. Ich habe die Möglichkeit bekommen, diesen Film vorab sehen zu können.
Zusätzlich verlose ich 1×2 Freikarten für „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“. Was zu tun ist, um an die Freikarten heranzukommen, erfahrt ihr im Beitrag.

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„David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ basiert auf dem halbautobiografischen Roman „David Copperfield“ von Charles Dickens.

Es dreht sich um die titelgebende Figur David Copperfield, der als Sohn einer Witwe aufwächst und dann durch eine Verkettung von Ereignissen an mehreren Orten in England lebte und arbeitete. Sein Weg führte ihn aus einer Londoner Flaschenfabrik zu seiner wohlhabenden Tante, die sich mit ihrem skurrilen Cousin das Haus teilt.
Aber wo fängt die Geschichte an und wer ist die Hauptfigur in David Copperfields Geschichte? Eine Frage, mit der sich die Titelfigur ebenfalls auseinandersetzt und den Zuschauer auf eine Reise mitnimmt. Erzählt wird nämlich die Geschichte in einer Rückblende, in der David Copperfield einfach alles erzählt.

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Narrativ überrascht dieser Streifen und kreiert immer wieder Situationen, in denen die Handlung undurchsichtig und leicht konfus wirkt, die Handlungsstränge sich zu teilen scheinen, um schlussendlich wieder zueinander zu finden. Ich hatte, ehrlicherweise, meine Mühen, der Handlung zu folgen, war aber gleichermaßen fasziniert ob der kreativen Umsetzung und der erfrischenden Atmosphäre, die dieser Film erzeugt.

Faszination ist auch das richtige Wort, wenn ich von der Spannung spreche. Der Streifen überzeugt durch seine sehr besondere Art der Erzählung, die unweigerlich dazu führt, dass der Zuschauer sich in die Hauptfigur einfühlen kann. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass das Publikum ein sehr gesteigertes Interesse für das Leben von David Copperfield entwickelt. Es wird voller Faszination in den Bann einer außergewöhnlichen Geschichte gezogen.

Die Laufzeit beträgt 119 Minuten. Damit liegt der Streifen noch gerade so unter der Zwei-Stunden-Marke. Was ich jedoch sehr schade finde, ist, dass die literarische Vorlage mit seinen vielen hundert Seiten mit Sicherheit Stoff für mehr Laufzeit gehabt hätte. Dennoch hat „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ insbesondere am Anfang Schwierigkeiten damit, Tempo aufzunehmen. Gerade in den ersten 15 bis 30 Minuten fühlte der Film sich sehr schwer und behäbig an. Danach zieht das Tempo jedoch an, was ausschlaggebend dafür ist, dass die Geschichte mit einer deutlichen Leichtigkeit daherkommt.

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Wie gut ein Streifen funktioniert, liegt auch an der Glaubwürdigkeit der Figuren und ihrer Beziehungen. In diesem Fall hat alles wunderbar und auch sehr skurril funktioniert. Besonders die teilweise absurden Konstellationen scheinen komplett hanebüchen zu sein, überraschen aber schlussendlich mit einem extrem hohen Unterhaltungswert.
Die Emotionen in „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ sehe ich hingegen eher ambivalent. Es gibt Charakterszenen, in denen die Gefühle antreibend sind, aber oft endet es einfach in einer Verharmlosung. Die Geschichte driftet dann in eine komödiantische Richtung.
Mal ganz davon abgesehen ist die Besetzung in dieser Konstellation einfach skurril. Denn auch wenn die Geschichte auf dem Leben von Charles Dickens basiert, wurde beispielsweise auf ethnische Plausibilität keinen Wert gelegt, was total Spaß machte und in das ganze Setting super passte. So spielt beispielsweise Dev Patel mit indischen Wurzeln den Sohn einer weißen Mutter. Es fällt zwar auf und kann irritieren, ich finde es allerdings skurril und auf seine ganz eigene Art sehr komisch.

Musik und Setting sind interessant gewählt und total spannend. Sowohl die Drehorte als auch die musikalische Untermalung haben den Takt vorgegeben und gleichzeitig eine unbeschreibliche Wirkung entfaltet.
Chapeau für diese Auswahl!

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Schlussendlich kommen ich zum Gewinnspiel:
Um die Möglichkeit zu erhalten, auch in den Genuss dieses tollen Films zu kommen und ihn auf großer Leinwand sehen zu können, musst du einfach den Artikel kommentieren und mir verraten, warum du diesen Streifen sehen willst. Bist du ein Charles-Dickens-Fan oder einfach ein Cineast? Lass es mich wissen und mit etwas Glück gewinnst du zwei Freikarten. Das Gewinnspiel endet am 20.10.2020 um 23:59 Uhr.
(Gewinnspielteilnahme nur innerhalb Deutschlands. Du musst mindestens 18 Jahre alt sein oder das Einverständnis deiner Eltern haben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, der Gewinn kann nicht umgetauscht werden.)
Wenn du Interesse an einer Buch-Ausgabe der Geschichte hast, dann schaue gerne mal bei buecherherz vorbei, dort wird ein Exemplar der Charles-Dickens-Geschichte „David Copperfield“ verlost. Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück.


Das Gewinnspiel ist beendet!
Der Gewinner ist der Teilnehmer mit der Nummer 1! Ich gratuliere dem Inhaber des ersten Kommentars!

 

 

 

Am 24. September 2020 erscheint „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“ in den deutschen Kinos.
 

© 2020 eOne Germany


 
Meine Meinung:
Ich hatte wirklich Spaß mit „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“, da mich der Film auf seine ganze eigene Art unterhalten hat. Es ist die Musik, die Handlung und die Umsetzung.
Über weite Teile ist der Streifen kurzweilig und einfach unterhaltend.
Dabei brilliert er mit einer halbautobiografischen Story, skurrilen Figuren und einer wendungsreichen Geschichte.
Wie sich David Copperfields Weg zum Reichtum und wieder zurück gestaltet, solltet ihr aber besser selbst erfahren, indem ihr euch den Streifen anschaut.

Meine Wertung:
Spannung: 7,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 9,0 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 7,9

The First Avenger: Civil War

Titel: The First Avenger: Civil War (engl. „Captain America: Civil War“)
Genre: Action / Science-Fiction / Comicverfilmung
Regie: Anthony Russo / Joe Russo
Musik: Henry Jackman
Produzenten: Kevin Feige
Dauer: ca. 142 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„Aus Freunden werden Feinde, aus Verbündeten Gegner – und über allem schwebt eine völlig neue Bedrohung, die das ganze Universum einschneidend verändern wird!
‚The First Avenger: Civil War’ beginnt genau dort, wo ‚Avengers: Age of Ultron’ aufgehört hat: Unter Führung von Captain Steve Rogers (Chris Evans) ist das neue Team der Avengers weiterhin für den Erhalt des Friedens im Einsatz, als sie in einen internationalen Vorfall verwickelt werden, der erhebliche Kollateralschäden verursacht. Schnell werden Forderungen nach einer Kontrolle der Einsätze der Avengers laut. Dieser neue politische Druck treibt einen tiefen Keil zwischen Captain America und Iron Man (Robert Downey Jr.) und das daraus entstehende Kräfteringen spaltet das Team der Avengers in zwei Lager. Unüberwindbare Gräben tun sich auf – gerade als ein neuer skrupelloser Feind auf der Bildfläche erscheint…“
(Rückentext der DVD)

Die MCU-Reihe geht bei mir weiter und dieses Mal habe ich mir den dritten Teil von Captain America angeschaut. Jeder weiß, wer damit gemeint ist, doch irgendwelche „Experten“ meinen es nicht gut mit uns, denn die deutsche Übersetzung der Titel ist im Zuge dieser besonderen Filmreihe etwas aus dem Ruder gelaufen. Während Teil eins noch „Captain America: The First Avenger“ hieß, war der deutsche Titel des zweiten Teils schon etwas anders: „The Return of the First Avenger“. Teil drei heißt wiederum „The First Avenger: Civil War“. Im englischen Original heißen alle drei Teile im Übrigen „Captain America“ – jeweils mit einem Namenszusatz.
Zwar ist diese Reihe in ihrer Umbenennung für den deutschsprachigen Raum immer noch irgendwie im Rahmen, aber dann auch wiederum nicht. Mich jedenfalls stört es, dass „Captain America: Winter Soldier“ im deutschen „The Return of the First Avenger“ heißt.
Nun möchte ich aber zum ursprünglichen Thema kommen: „Captain America: Civil War“.

Die Grundgeschichte scheint sehr einfach zu sein, für mich war sie jedoch bei weitem nicht so vorhersehbar, wie ich es erwartet habe. Bei diesem Streifen von einer Quintessenz zu sprechen, fällt mir etwas schwerer, da der Film sich etwas reißerisch der grundlegenden Frage stellt, wie sehr die Freiheit des Einzelnen beschnitten werden darf, um die Sicherheit von vielen zu schützen. Diese existenziellen Fragen sind auch heute noch von Bedeutung.

Auch wenn „Civil War“ im Kern solche Themen behandelt, ist er dennoch ein Captain-America-Abenteuer und zwar – bis hier hin – das beste Solo-Abenteuer im MCU.
Die Handlung schließt direkt an die Geschehnissen von „Avengers: Age of Ultron“ an. Es wird mitunter ebenjene Geschichte aufgearbeitet, in dessen Folge sich die Avengers einige Anschuldigungen anhören lassen dürfen. Auch treten in diesem Kontext neue Figuren in Erscheinung, die ganz eigene Motive verfolgen, um die Ereignisse zu verarbeiten.
Viel mehr möchte ich zu der Story von „The First Avenger: Civil War“ nicht verraten.

Die ganze Atmosphäre in diesem Film ist von der ersten bis zur letzten Sekunde extrem bemerkenswert, denn sie wird mit zunehmender Dauer immer düsterer. Die Bildgestaltung zu Beginn des Streifens ist überwiegend hell mit glänzenden Oberflächen und einer guten Struktur. Auch dort sehen wir vereinzelt matte und deckende Farben, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, was sich im Grunde auch in den Kostümen von Iron Man und Captain America widerspiegelt. Irgendwann in der Mitte des Streifens erfährt „The First Avenger: Civil War“ in der Bildsprache eine Kehrtwende. Deckende und matte Farben dominieren dann das Bild und glänzende und helle Oberflächen sind stark zurückgenommen. Das ist insofern interessant, weil es übergeordnet aussagt, von wo das MCU herkommt und wohin es gehen wird, nicht nur mit den Charakteren, sondern ganz konkret auch mit der Handlung. Aus einer glänzenden Vergangenheit in eine düstere Zukunft?
Ganz direkt daran gekoppelt hängt auch die Spannung. Selten hat mich ein MCU-Film so sehr gefesselt wie dieser. Gleichzeitig fiel mir eine Besprechung selten so schwer, wie von „Captain America: Civil War“, ist die Handlung doch vielschichtig, in der Komposition der Bilder einfach für die große Leinwand gemacht und atmosphärisch, gestalterisch und von den darstellerischen Leistungen nicht nur auf dem Punkt, sondern ganz klar over the Top.

Entsprechend glaubwürdig fallen die Figuren in diesem Setting aus. Sei es ein Tom Holland als Spider-Man, der zu dem Zeitpunkt des Erscheinens von „Civil War“ noch kein Solo-Abenteuer hatte, oder Daniel Brühl als Helmut Zemo, dessen Rolle ich nicht näher erläutern möchte. Natürlich sind auch all die anderen Superhelden dabei, die sich schlussendlich für eine Seite entscheiden. „Team Cap“ oder „Team Iron Man“?

Das Setting, die Effekte, die Filmmusik, die Kostüme und alles, was drum herum eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielt, ist in diesem Film einfach grandios. Klar, die allermeisten Kostüme sind bekannt, jedoch hat in keinem Film zuvor der Iron-Man-Anzug so schön gestrahlt und das Captain-America-Outfit so rough ausgesehen wie hier. Die Filmmusik hat den Streifen perfekt untermalt und hat auch spannungstechnisch Akzente gesetzt. Die Effekte, wovon einige künstlich mithilfe von CGI produziert wurden, andere wiederum ganz handgemacht sind, wirken nie deplatziert oder minderwertig. Die Kulissen und insbesondere die echten Schauplätze – wovon einige auch in Deutschland liegen – passen perfekt zum Geschehen. Dadurch, dass Orte wie der Flughafen Leipzig/Halle oder eine Fußgängerunterführung aus Berlin als Drehort hergehalten haben, wirkt der Streifen tatsächlich geerdet und weniger auf Hochglanz poliert, wie beispielsweise die übrigen Solo-Abenteuer aller Superhelden aus dem MCU.

Meine Meinung:
Ich könnte die ganze Zeit so weiterschreiben und ich würde am liebsten hier näher ins Detail gehen, aber ich möchte nicht spoilern, daher tue ich es auch nicht. Inzwischen sollten die allermeisten Leute, die sich für Filme und gute Geschichten interessieren, diesen Streifen kennen, die werden dann aber auch wissen, was ich meine, ohne dass ich es benenne.

„The First Avenger: Civil War“ hat mich umgehauen. Ich bin nach wie vor kein Verfechter des MCU, aber die Storyline, der Aufbau der Geschichte und das Hinführen zu diesem Punkt durch die einzelnen Solo-Abenteuer, suchen Ihresgleichen. Die Stringenz, mit der diese Reihe umgesetzt wurde, ist bemerkenswert und dass es zu einer solchen Spaltung kommt, war früher oder später abzusehen. Vom Aussehen, der Handlung und den Akteuren kommt dieser Film einem „The Dark Knight“ ziemlich nahe, nur eben mit dem Unterschied, dass das MCU gleich mit 10 Helden aufwarten muss, wohingegen es für Warner Bros. und DC reicht, einen dunklen Ritter und einen anarchistischen Verrückten auf die Leinwand zu bringen.

Nichtsdestotrotz muss ich eine klare Empfehlung aussprechen – retrospektiv auch für die meisten vorangegangenen Streifen des MCU, wenn es zur Folge hat, dass man dann hier landet.

Meine Wertung:
Spannung: 9,0 von 10
Action: 9,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Musik: 9,0 von 10
Setting: 10 von 10
GESAMT: 8,8

Reihenfolge:
1. Captain America – The First Avenger
2. The Return of The First Avenger
3. The First Avenger: Civil War

Marvel Cinematic Universe:
1. Iron Man
2. Der unglaubliche Hulk
3. Iron Man 2
4. Thor
5. Captain America: The First Avenger
6. Marvel’s The Avengers
7. Iron Man 3
8. Thor – The Dark Kingdom
9. The Return of the First Avenger
10. Guardians of the Galaxy
11. Avengers: Age of Ultron
12. Ant-Man
13. The First Avenger: Civil War

Wie das Leben so spielt

Titel: Wie das Leben so spiel (engl.: „Funny People“)
Genre: Komödie / Drama
Regie: Judd Apatow
Musik: Michael Andrews / Jason Schwartzman
Produzenten: Clayton Townsend / Judd Apatow / Barry Mendel
Dauer: ca. 140 Minuten
Erscheinungsjahr: 2009
Altersfreigabe: FSK 12

„Als der erfolgreiche Comedian George Simmons (Adam Sandler) die Chance zu einem Neuanfang bekommt, beschließt er, sein bis dato eher oberflächliches Leben von Grund auf zu ändern. Mit seinem Assistenten, Nachwuchs-Comedian Ira (Seth Rogan), macht er sich daher zu den wichtigsten Menschen und Stationen seines Lebens auf: darunter die Bühne seines ersten Auftritts genauso wie seine verpasste große Liebe Laura (Leslie Mann). Doch wie es aussieht, droht George auch seine zweite Chance gründlich zu vermasseln…“
(Rückentext der DVD)

Es gibt gefühlt unzählige Filme, in denen Adam Sandler einen verpeilten Trottel spielt, aber wie sieht es mit „Wie das Leben so spielt“ aus? Die Geschichte lässt sich gut und kurz zusammenfassen: Die Nachricht über eine Krankheit lässt den Comedian George Simmons nicht ganz kalt. So engagiert er einen Assistenten, der sich um alles kümmern soll – und meldet sich bei seiner großen Liebe Leslie, die gerade an einer ganz anderen Stelle im Leben steht als er. Der Rest ist so vorhersehbar wie Adam-Sandler-like, nämlich viel Quatsch.

„Wie das Leben so spielt“ ist im Genremix Komödie und Drama leider nur mittelmäßig, die Gründe dafür sind vor allem die Inszenierung und die massig verpassten Chancen, auch nur einen Charakter gut dastehen zu lassen. Ich versuche mich aber mal gleichzeitig von beiden Seiten zu nähern. Der Humor ist flach und vulgär. Hin und wieder fand ich es ganz amüsant, den Bauch musste ich mir allerdings nie halten. Vor allem die Witze zu den männlichen Geschlechtsteilen sind auf die Dauer und in der Masse einfach zu viel. Dreiviertel der Witze sind außerdem auch sehr alt und waren es auch schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Streifens. Auf der anderen Seite haben wir das Drama, das sich mit der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und des eigenen Erbes auseinandersetzen könnte. Stattdessen bahnt sich eher eine Liebelei in einer mehr als vorhersehbaren Geschichte an, dessen Ende man auch genau so auf einer Müsliverpackung hätte schreiben können und es würde niemanden stören. Es ist jedoch so, dass der Streifen vor allem genau das bedient, was man mit Adam Sandler verbindet, ein bisschen Quatsch und kaum bis keine ernsteren Töne.

Die Figuren verhalten sich dementsprechend. Seth Rogen, Adam Sandler, Jonah Hill usw. hätten eins zu eins ausgetauscht werden können und es würde niemandem auffallen. Das Besondere am Cast sind dann doch eher die ganzen Cameo-Auftritte von beispielsweise Eminem, Ray Romano und Sarah Silverman. Ansonsten verhalten sich alle Figuren einfach stereotypisch und blass. Keine einzige Darbietung ist ergreifend oder lässt auch nur ansatzweise Empathie aufkommen. Allen voran Seth Rogen und Adam Sandler scheinen in diesem Film nicht in der Lage zu sein, das Geschehen auf ihren Schultern zu tragen und eine ernsthafte und zu würdigende Leistung abzurufen. Zu weit sind die Figuren von der Realität entfernt, zu banal die Bedürfnisse und zu eindimensional die schauspielerische Leistung.

Das Setting ist auch komplett austauschbar. Das Szenenbild ist schnöde, langweilig und nichtssagend. Einzig eine Clubbühne, auf der die Comedians ein paar Mal auftreten, hat Charme und wirkt in gewisser Weise echt. Die Kulissen spielen in der Handlung absolut keine Rolle. Die Musik hingegen versucht, den richtigen Ton zu treffen und schafft es auch erstaunlich oft. „Keep me in your Heart“ von Warren Zevon hat es direkt auf meine Playlist geschafft. Die übrigen Stücke schaffen es ebenfalls, die Handlung zu untermalen und das kann sich durchaus sehenlassen.

Meine Meinung:
„Wie das Leben so spielt“ ist definitiv kein Spannungsgarant oder ein emotionales Feuerwerk, vielmehr ist er ein Film, den man mögen muss, um ihn zu gucken. Zum Berieseln reicht es und wenn er irgendwann im TV läuft, kann man ihn sich bestimmt mal anschauen, aber wenn man Alternativen hat, sollte man eher zu denen greifen, denn die 140 Minuten Laufzeit reizen jegliche Toleranz aus und verlangen viel zu viel vom Zuschauer.

Wer allerdings auf den leicht infantilen bis blödelartigen Humor à la „Jungfrau (40), männlich, sucht“ oder „Superbad“ steht, der findet mit „Wie das Leben so spielt“ genau das, was er braucht. Gute Unterhaltung sieht unterm Strich allerdings anders aus. Mein ganz persönliches Empfinden ist eher ein „Okay“, Punkte gibt es dieses Mal allerdings nicht allzu viele.

Meine Wertung:
Humor: 4,0 von 10
Spannung: 4,0 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 5,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 3,0 von 10
Musik: 6,0 von 10
Setting: 3,0 von 10
GESAMT: 4,3