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Mord auf Shetland (Staffel 1)

© Edel:Motion

Titel: Mord auf Shetland (Staffel 1) (engl.: „Shetland“ (Season 1))
Idee: Ann Cleeves
Genre: Krimiserie / Drama
Musik:
Dauer: 4 Folgen à ca. 112 Minuten
Erscheinungsjahr: Großbritannien: 2013 / Deutschland: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„Nach dem Tod seiner Frau will der gebürtige Shetlander Detective Inspector Jimmy Perez (Douglas Henshall) mit seiner Stieftochter Cassie einen Neuanfang wagen und kehrt zurück auf die Shetland-Inseln. Der ebenso kühle wie selbstbewusste Kommissar sieht das Leben auf der dünn besiedelten, nordatlantischen Inselgruppe nach Jahren auf dem Festland nun mit anderen Augen. Während der Ermittlungen in seinem ersten Mordfall wird der Rückkehrer immer wieder mit den Vorurteilen und inneren Spannungen der eingeschworenen Gemeinschaft konfrontiert. Doch durch die Hilfe seiner neuen Kollegin Alison McIntosh ‚Tosh‘ und Sandy Wilson findet sich Jimmy Perez wieder mit den Eigenarten der Inselbewohner zurecht. Die abgeschiedene, manchmal unwirtliche Umgebung stellt ihn und das Team vor besondere Herausforderungen.“
(Rückentext der DVD)

Ich habe ein kostenloses Rezensionsexemplar von der ersten Staffel „Mord auf Shetland“ erhalten. In der ganzen letzten Woche habe ich also meine freie Zeit darin investiert, mir diese Serie anzuschauen. Wie gut oder schlecht ich „Mord auf Shetland“ empfunden habe, erfahrt ihr nun in meiner Kritik:

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Ich war sehr lange nicht gut auf Krimiserien zu sprechen. In meinem Elternhaus liefen nämlich sämtliche Krimiserien, die es im deutschen Fernsehen gibt, rauf und runter. Immer fanden meine Eltern irgendwo in der Fernsehzeitung irgendeinen Krimi, der geguckt werden musste, egal ob sie ihn schon kannten oder nicht.
Nein, Krimiserien und ich haben keinen guten Stand und dennoch habe ich mir diesen Inselkrimi angeschaut, freiwillig. Er basiert auf der gleichnamigen Romanreihe Ann Cleeves.

Die Handlung der 4 Folgen langen ersten Staffel dreht sich um den Shetlander-Polizisten Jimmy Perez, der in seine alte Heimat zurückkehrt, um fortan das zu tun, was ein Polizist eben tut. Mit seiner Stieftochter versucht er dort nach einem Schicksalsschlag ein neues Leben aufzubauen.
Die Vorgeschichte des Protagonisten bekommen wir nur durch Erzählungen mit. Die Geschichte an sich startet erst auf Shetland und zeigt dem Zuschauer chronologisch die Ereignisse.

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Die DVD-Box enthält den Pilotfilm und die erste Staffel, die insgesamt aus drei circa zweistündigen Episoden besteht. Am Ende entstehen so im Prinzip vier Filme, die alle einen abgeschlossenen Fall behandeln. Das Privatleben von Jimmy wird immer wieder behandelt, aber weder dreht es sich vordergründig darum, noch gibt es Entwicklungen, die sich innerhalb der verschiedenen Filme weiterspinnen. Es dreht sich hauptsächlich um die Mordfälle.

Die Erzählstruktur der Serie ist keineswegs verwirrend oder umständlich. Es werden die Storys nicht in mehreren Zeitebenen dargestellt um so eine besonders vielschichtige Handlung zu simulieren. Das hat diese Serie auch gar nicht nötig. Sie bleibt bodenständig und, meiner Meinung nach, realitätsnah. Und das macht mitunter auch den Reiz aus: Die Mordmotive sind nicht konstruiert und unnatürlich, sondern kommen aus dem Leben.

Anders als in anderen Krimis ist „Mord auf Shetland“ nicht wie ein Schlauch aufgebaut und erzählt. Vielmehr ist es so, dass die Anzahl der Verdächtigen immer groß ist und das auch immer aus einem plausiblen Grund. Die einzelne Folge beschäftigt sich dann durchgehend mit den Ermittlungen, Untersuchungen und zum Schluss natürlich auch mit der Auflösung eines Falls. Besonders erstaunlich empfand ich die Tatsache, dass die Serie komplett ohne Verfolgungsjagd oder Pistolenschuss ausgekommen ist. Für mich ein klares Merkmal dafür, dass die erzählerische Stärke und die spannende Handlung auf seine ganz eigene Weise inszeniert wird.

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Und da bin ich auch schon bei dem wichtigsten Punkt des Inselkrimis: Spannung.
Keine Schießereien, keine Verfolgungsjagden und viel Klein-Klein in der Ermittlung und die Fälle sind allesamt logisch aufgebaut und bis zum Ende erzählt. Das klingt nicht sonderlich spannend, wirkt sich aber komplett anders aus. Es kann an meinem Alter liegen, dass ich einen Krimi heute mehr zu schätzen weiß als damals, aber mich hat diese Serie von der ersten Minute an gepackt. Am Anfang einer jeden Folge lernt man das „Opfer“ kennen und bekommt einen kurzen aber entscheidenden Einblick in das Leben und den Charakter, der absolut ausreichend ist, um Empathie und Sympathie aufzubauen. Fortan hat der Zuschauer ein immens gesteigertes Interesse daran, zu erfahren, wer und warum er den Menschen umgebracht hat. „Mord auf Shetland“ ist alles andere als nervenkitzelig, weiß aber durch seine puristische Art einfach zu überzeugen und auf hohem Niveau zu unterhalten.

In dieser Konstellation passen die Figuren einfach nahezu perfekt zusammen. Jimmy Perez (alleine der Name ist grandios!) als Insulaner und Ermittler hat eine zutrauliche, aber auch gefährliche und obendrein kluge Ausstrahlung. In seinen Ermittlungen fließen nicht nur das polizeiliche Wissen, sondern auch viel Erfahrung, vor allem Lebenserfahrung, hinein, was dieser Serie unglaublich gut tut. Insgesamt bringt jeder Charakter sein Eigenes mit und verleiht dadurch der Serie einen besonderen Touch. Sei es die Naivität der jungen Tosh oder das Unerfahrene aber auch Fleißige von Sandy. All diese Elemente passen wunderbar zu diesem Inselkrimi.

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Im Vorfeld habe ich mir überlegt, was ich zumindest emotional von „Mord auf Shetland“ erwarte. In diesem Punkt wurde ich auch nicht enttäuscht. Man bekommt sehr kühle und nüchterne Ermittler, irgendwie aufgewühlte Hinterbliebene und leblose Opfer. Es gibt aber auch den Jimmy Perez, der Vater ist und da weitaus weniger kühl zu Werke geht und zeigt, wie er „privat“ ist. Auch das gehört dazu und unterhält.
Es gibt keine größeren Gefühlsausbrüche, kein großes Spektrum und ein stark reduziertes Facettenreichtum. Auf der emotionalen Ebene ist diese Serie eben stark limitiert, alles andere wäre äußerst unglaubwürdig. In dieser Konstellation ist es aber absolut stimmig und authentisch.

Die musikalische Untermalung ist ebenfalls alles andere als abwechslungsreich. Es wird sich auf eine Melodie beschränkt, die auch nur zu Anfang zu hören ist und etwas an schottische bzw. nordische Folklore erinnert. Da in der ganzen Serie eben keine sonderliche Untermalung stattfindet, wird das Gefühl der Isolation naturgemäß gesteigert und verdeutlicht dem Zuschauer beim Gucken, dass um einen herum auf den Shetland-Inseln eben nichts ist als Einsamkeit.
Grundsätzlich ist mir das aber viel zu wenig Musik, viel zu wenig Abwechslung für die Ohren. Als Stilmittel zwar legitim, aber nicht unterhaltsam.

Das Setting ist absolut grandios. Wir befinden uns die ganze Zeit auf den Shetland-Inseln und sind so nah an der Natur dran, wie man es sich kaum vorstellen kann. Ich habe selten eine Fernsehproduktion gesehen, die mit so atemberaubenden Naturbildern daherkommt. Eine Schlucht zwischen zwei Klippen, das Spiel der Gezeiten, naturbelassene Strände und, und, und.
Man kann nicht genug von diesen Panoramaaufnahmen bekommen, denn sie üben ihren eigenen Reiz aus.
Darüber hinaus ist der Look des ganzen Formates einheitlich. Es gibt keine kräftigen Farben, alles wirkt eher grau, selten ist ein blauer Himmel zu sehen, meistens ist es bewölkt, regnet oder es ist Nacht. Passend zu den Shetland-Inseln.

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Die Länge dieser ersten Staffel lässt sich schlecht bewerten. Es gibt bloß 4 Folgen, aber jede Folge dauert fast zwei Stunden und damit ist eine Episode fast schon abendfüllend und als Film anzusehen.
Selbst wenn jede Folge bloß 60 Minuten dauern würde, wären es umgerechnet 8 Episoden und ist damit alles andere als lang. Gefühlt war die Zeit okay, tatsächlich kann sich „Mord auf Shetland“ von der Laufzeit her nicht Serie schimpfen.

Ein letzter Punkt ist noch offen, nämlich das Genre.
Jimmy Perez und sein Team bedienen das Krimi-Genre perfekt. Besonders gut hat mir (und auch meiner Herzdame) gefallen, dass die Ermittler nicht doof sind. Auch wenn etwas nicht ausgesprochen wurde, haben die Figuren ihr logisches Denkvermögen nicht verloren und das wird auch gezeigt. Es wird in alle Richtungen ermittelt, keiner wird vorher verurteilt und es wird nicht versucht, jemanden die Schuld in die Schuhe zu schieben, nur weil man diese oder jene Figur nicht mag. Es bleibt also logisch, nicht aus der Luft gegriffen und auch nicht zu abgedreht. Eine waschechte Krimiserie.

Meine Meinung:
„Mord auf Shetland“ hat den Ruf des Krimis bei mir halbwegs herstellen können. Schon vor einigen Jahren habe ich hin und wieder mal eine Folge von „Kommissar Beck“ gesehen und fand daran auch durchaus Gefallen. So wie es zu einer regelmäßigen Sache wurde, hatte ich daran keinen Spaß mehr. Mich dauerhaft hinzusetzen und wirklich jeden Abend eine Krimiserie zu gucken, finde ich anstrengend und wird mich über kurz oder lang auch wieder ermüden. Für einen ersten Versuch, den Krimi in mein Leben zu holen, hat es mit dieser Serie aber sehr gut funktioniert. Ich wünsche mir mehr solcher Formate, weil sie unterhalten und nicht zu sehr ins Action-Unterhaltungsfernsehen abdriftet.

„Mord auf Shetland“ ist für mich absolut sehenswert, empfehlenswert und kaufenswert. Ich bin mir im Nachhinein aber nicht sicher, ob ich zugeschlagen hätte, wenn ich nicht ein kostenloses Rezensionsexemplar erhalten hätte.
Für jemanden der absolut keine Krimis mag, sollte es zumindest mal wieder versuchen, vielleicht kommt es zu einer Geschmacksänderung, ähnlich wie bei mir. Ein Versuch ist es wert.

Meine Wertung:
Story 8,0 von 10
Genre: 10 von 10
Spannung: 8,0 von 10
Länge: 6,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Emotionen: 7,5 von 10
Setting: 10 von 10
Musik: 3,0 von 10
GESAMT: 7,7