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The Night Clerk – Ich kann dich sehen

© EuroVideo Medien GmbH

Titel: The Night Clerk
Genre: Psychothriller
Regie: Michael Cristofer
Musik: Erik Hall
Produzenten: David M. Wulf / Arianne Fraser / Tye Sheridan
Dauer: ca. 86 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK 12

„Um seine Sozialkompetenz zu trainieren, installiert der autistische Hotelnachtwächter Bart Bromley (Tye Sheridan) Kameras zur Überwachung seiner Gäste. Als er Hauptverdächtiger in einem Mordfall wird, könnten die Aufzeichnungen seine Unschuld beweisen, doch er weigert sich, dem Ermittler Johnny Espada (John Leguizamo) ihre Existenz preiszugeben.“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Zum Heimkinostart von „The Night Clerk“ am 19.11.2020, habe ich die Möglichkeit erhalten, diesen Film zu schauen.

„The Night Clerk“ ist ein Psychothriller mit Tye Sheridan, Ana de Armas, Helen Hunt und John Leguizamo und erzählt die Geschichte vom Nachtwächter Bart. Aufgrund seines Autismus hat er Schwierigkeiten, soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Aus eigenem Antrieb heraus möchte er dieses Handicap ausmerzen und installiert daher in einigen Hotelzimmern Kameras, um sich das zwischenmenschliche Verhalten seiner Gäste anzuschauen und auszuwerten, bis eines Tages ein Mord in einem dieser Zimmer stattfindet. Wie kann er – ohne von der Existenz der Kameras zu berichten – aus dem Visier der Ermittler gelangen?

Mit rund 86 Minuten bietet „The Night Clerk“ im Grunde eine kurzweilige Unterhaltung, die sich gleich auf mehrere Säulen stützt. Inhaltlich bietet dieser Film zum einen einen Kriminalfall und zum anderen die ganz persönliche und tragische Geschichte von Bart, der Asperger-Autist ist. Und genau diese Kombination macht „The Night Clerk“ zu einem besonderen Film.
Selten bis nie kann man das eine ohne das andere betrachten.
An dieser Stelle ist es von Vorteil, einen guten und talentierten Schauspieler in einer Rolle zu haben, der eine gewisse Überzeugung mitbringt. Tye Sheridan bringt sich mit seinem Schauspiel groß ein und überzeugt als Autist mit fehlender Sozialkompetenz.

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Vor allem zeigt der Streifen ein grundsätzliches Problem auf. Wie geht man mit Asperger-Autismus um? Es geht nicht um eine Bevormundung, sondern um ein respektvolles Miteinander. Die Polizei, die die Rechte des Einzelnen nicht immer allzu ernst nimmt, wird dabei in ihrem Handeln recht stereotypisch und unflexibel dargestellt. Als Gegenspieler zur Polizei gibt es Barts Mutter (gespielt von Helen Hunt), die immer wieder auf die Rechte ihres Sohns pocht und versucht, ihn abzuschirmen. Erfrischend ist da die Besetzung und das Mitwirken von Ana de Armas Rolle. Sie normalisiert die Sicht auf Bart. Ohne Bevormundung oder Benachteiligung lässt sie ihn normal dastehen.

Aber wie wirkt das alles und wie sind die Figuren aufgebaut?
Tye Sheridan habe ich bereits positiv hervorgehoben und mit ihm ist die Liste tatsächlich recht kurz. Helen Hunt hat, obgleich ihrer wichtigen Rolle in diesem Film, verhältnismäßig geringe Screentime, ebenso John Leguizamo. Übrig bleibt Ana de Armas, die eine wundervolle Leistung in „Knives Out“ hingelegt hat, aber in „The Night Clerk“ vieles vermissen ließ.
Vor allem stellte sie die Figur so ambivalent dar, dass sie von der einen auf die andere Sekunde Sympathien sammelte und diese direkt über Bord wirft und sich in den Mittelpunkt des Handelns schiebt. Sie spielte mit ihrer Glaubwürdigkeit, sodass ich emotionalere Momente nicht authentisch empfand.

Die wichtigste Frage ist aber, wie es mit der Spannung und der Story bestellt ist. Ich für meinen Teil finde die Handlung wenig innovativ, was vor allem daran liegt, dass 2018 ein Film mit ähnlich gelagerten Ansätzen erschienen ist. Ich kann ihr aber dennoch etwas abgewinnen. Die Prämisse ist an sich nämlich recht spannend. Inszenatorisch weist dieser Film aber seine Makel auf. Zu behäbig und zu ausgedehnt werden Einstellungen und Dialoge gedreht und dargestellt. Der Kriminalfall hat kaum Möglichkeiten, sein Potential zu entfalten, da der Film von Beginn an das Rätsel löst und die Polizei zu eindimensional handelt. Die erzeugte Atomsphäre ist daher leider auch stark begrenzt.

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Unterm Strich ist „The Night Clerk“ ein solider Film, der ganz bestimmt seine Fans finden wird. Ein gesellschaftskritischer Kriminal-Psychothriller ist leider nicht so einfach zu verkaufen, aber wenn man unaufgeregte und gute Geschichten sehen will, wird man über kurz oder lang nicht an diesem Film vorbeikommen. Ich kann „The Night Clerk“ trotzdem nur bedingt empfehlen, da mir die Identifikationen fehlten. Die Figuren waren zwar teilweise schön und glaubhaft anzusehen, jedoch fiel es mir schwer, mich mit irgendeiner Figur zu identifizieren. Diesbezüglich konnte mich der Streifen leider nicht abholen.

Und auch sonst fehlte etwas: Musik, die in irgendeiner Art Stimmung zu transportieren wusste oder vielfältige Kulissen sucht man vergebens. Dafür ist die Kameraarbeit hingegen sehr direkt, unaufgeregt und teilweise Impulsgeber dafür, wie der Zuschauer Situation empfindet.

„The Night Clerk“ ist ab dem 19. November 2020 im Handel erhältlich.

Meine Meinung:
Die Schwächen möchte ich nicht verheimlichen und die Stärken sind leider auch recht spärlich gesät. Das ist aber vollkommen ok, denn „The Night Clerk“ wird vielleicht nicht jedem gefallen, aber niemand wird ihm ein durchweg schlechtes Zeugnis ausstellen können.

Ich kann einfach nur jedem raten, diesem Film eine echte Chance zu geben.

Meine Wertung:
Spannung: 5,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 7,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,5 von 10
Authentizität: 6,0 von 10
Musik: 4,0 von 10
Setting: 5,5 von 10
GESAMT: 5,6

Knives Out – Mord ist Familiensache

Titel: Knives Out – Mord ist Familiensache (original: „Knives Out“)
Genre: Kriminalfilm
Regie: Rian Johnson
Musik: Nathan Johnson
Produzenten: Rian Johnson / Ram Bergman
Dauer: ca. 126 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 12

„Harlan Thrombey (Christopher Plummer) ist tot! Der renommierte Krimiautor und Familienpatriarch wurde auf der Feier zu seinem 85. Geburtstag umgebracht. Doch natürlich wollen weder die versammelte exzentrische Verwandtschaft noch das treu ergebene Hauspersonal etwas gesehen haben. Ein Fall für den lässig-eleganten Kommissar Benoit Blanc (Daniel Craig)! Ein komplexes Netz aus Lügen, falschen Fährten und Ablenkungsmanövern muss durchkämmt werden, um die Wahrheit hinter Thrombeys vorzeitigem Tod zu enthüllen…“
(Rückentext der DVD)

Ein Dank geht an Jil von Jil´s Blog. Ich habe bei ihrem Gewinnspiel gewonnen und bin damit in den Besitz der DVD gekommen.

Und nun kam ich endlich dazu, mir den Film anzuschauen. Und was ich in den rund 126 Minuten erlebt habe und wie ich diesen Streifen finde, erfahrt ihr hier in meiner Kritik.

Zum Inhalt möchte ich nicht mehr sagen, als der Rückentext wiedergibt, da die Gefahr viel zu groß ist, dass ich etwas spoilere. Vorab muss ich trotzdem eine Empfehlung aussprechen, da es sich bei dem Streifen um einen Kriminalfilm handelt, der zum Mitraten und Rätseln einlädt. Aber das ist nicht der einzige Grund meiner Empfehlung – der Rest folgt hier und jetzt.

Eigentlich möchte ich euch erzählen, wie gut die Darsteller ihre Arbeit machen. Wie gut und glaubwürdig sie ihre Figuren mimen. Wie – nahezu – perfekt die Figurenkonstellation ist und sich diese Leistung auf den ganzen Film auswirkt. Aber gleichzeitig vermute ich, dass meine Worte dem nicht gerecht werden können. Und auch wenn ich die richtige Tonalität treffe, ist vielleicht eure Erwartungshaltung eine ganz andere, vor allem vor dem Hintergrund der ganzen Namen, die in diesem Streifen mitspielen. Aber was außer eines großen Films erwartet man bei Namen wie Chris Evans, Daniel Craig, Jamie Lee Curtis, Don Johnson und Michael Shannon?

Die Frage ist: Wie überzeuge ich euch von diesem Film?
Ich versuche einfach, von meinen Empfindungen zu berichten, denn ich war ab Minute eins voll dabei. Das liegt vor allem daran, dass diese Kriminalgeschichte sich entfaltet und sich mit jedem neuen Verdächtigen auch die Vermutungen über einen Mörder ändert. Besonders in der ersten Stunde war es ein Hin und Her, in der auch ich mich mehrfach gefragt habe, wie dieser Fall aufgelöst wird und überhaupt an der ganzen Geschichte, wie sie dem Publikum aufgetischt wird, zweifelte.

„Knives Out“ lässt dabei die Spannung allerdings nicht bis ins Unermessliche anwachsen, sondern sorgt gezielt und gekonnt immer wieder für Nadelstiche, die das Ganze abflachen lassen. Ab einem gewissen Punkt läuft dann natürlich alles – mehr oder weniger – geordnet auf einen Show-Down zu.

Das Setting ist ein Familiensitz mit zahlreichen Räumen, Stockwerken, Gängen und Versteckmöglichkeiten. Abgeschieden genug, um den Kreis der Verdächtigen klein zu halten und trotzdem mit einer Straßenanbindung. Alles ist der Handlung sehr dienlich und treibt sie auf eine bestimmte Art und Weise gut voran. Und auch die Erzählweise ist stringent und stimmig, die aber durch Wendungen zu überraschen weiß. Die Musik dient ausschließlich der Untermalung und nicht, um Zeitsprünge zu kaschieren.

Meine Meinung:
Ich möchte nicht so richtig ins Detail gehen, denn ich finde „Knives Out“ so gut, dass ich diesen Film einfach nahezu jedem empfehlen kann und niemanden um dieses Abenteuer berauben möchte. Jeder soll sich genau so sehr von ihm unterhalten lassen, wie es möglich ist.
Ich habe mich die ganze Zeit sehr gut unterhalten gefühlt und spannend und interessant war es auch. Und ach, die Darsteller? Die waren super und die Geschichte war – für einen Krimi – auch toll.

Ich empfehle einfach jedem diesen Film. Zurecht ein Zacksmovie-Highlight!

Meine Wertung:
Story: 9,0 von 10
Spannung: 9,5 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,5 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Musik: 8,0 von 10
Setting: 10 von 10
GESAMT: 9,1