Archiv der Kategorie: Thriller

Hell or High Water

Titel: Hell or High Water
Genre: Western / Thriller
Regie: David Mackenzie
Musik: Nick Cave / Warren Ellis
Produzenten: Peter Berg / Carla Hacken / Sidney Kimmel / Julie Yorn
Dauer: ca. 98 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„Toby (Chris Pine) und sein knasterfahrener Bruder Tanner (Ben Foster) überfallen mehrere Banken, um die hochverschuldete Familienfarm vor der Pfändung zu retten. Zunächst läuft alles nach Plan, doch dann hängt sich der Texas Ranger Marcus (Oscar®-Preisträger Jeff Bridges) dicht an ihre Fersen. Ein verzweifelter Kampf beginnt, bei dem beide Seiten nicht viel zu verlieren haben…“
(Rückentext der DVD)

Für mich ist „Hell or High Water“ ein ganz neuer Film, habe ich ihn doch erst im letzten Monat gekauft. Heute habe ich mich um den Film gekümmert und was er drauf hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Vorweg: Falls ihr den Trailer kennt und den schon gut fandet, dann schaut euch unbedingt den Film an, denn der ist noch viel besser. Von der ersten bis zur letzten Minute hatte ich das Gefühl, dass ich mir eine Mischung aus Western und Heist-Movie anschaue, bloß ohne Cowboys, Indianer, Pferde und Planungen zum Überfall. Aber dennoch weiß „Hell or High Water“ mit seinen wertigen Effekten, westernartigen Bildern und seinen Figuren zu überzeugen. Dazu später mehr.

Ich sehe in der Grundthematik aber noch mehr, als bloß das Überfallen von Banken, um die Familienfarm zu retten. Insbesondere Toby (Chris Pine) hat mit sich zu kämpfen, denn er ist der intelligentere, ehrlichere, rechtschaffenere Bruder. Er begibt sich mit den Raubüberfällen mehr in Gefahr als sein polizeibekannter Bruder. Toby hat zwei Söhne und ist geschieden, doch das einzige, was er will, ist seinen Söhnen ein besseres Leben zu ermöglichen als er es hatte.
Im Film wird diese Thematik in einigen prägnanten Szenen sehr schön herausgearbeitet und lässt die Figur noch viel authentischer wirken.
Die Emotionen scheinen bei diesem Western eher zurückgenommen, dabei erleben wir hier ein Paradebeispiel von nicht offen zur Schau gestellten Gefühlen.
Das vorherrschende Gefühl ist Liebe. Liebe zweier Brüder, die Verständnis füreinander haben, die sich gegenseitig helfen und die nun zusammen Banken ausrauben, um sich nicht einfach zu bereichern, sondern den Familienbesitz zu sichern. Die Motive und die Emotionen werden dem Zuschauer innerhalb von nur wenigen Minuten klargemacht und daran ändert sich die restliche Laufzeit über nichts.

An dieser Stelle muss ich die Vorhersehbarkeit der Handlung kritisieren. Wenn man schon einige Filme gesehen hat, dann kann man den Verlauf schon ziemlich genau erahnen. Allerdings muss ich auch sagen, dass es bei diesem Streifen, bei weitem nicht so schlimm ist wie bei anderen.

Aus folgenden Gründen kann ich „Hell or High Water“ seine Makel sehr gut verzeihen:
An erster Stelle stehen die Figuren. Chris Pine und Ben Foster spielen die zwei Brüder. Sie unterscheiden sich grundsätzlich von einander, haben aber doch das gleiche Ziel vor Augen. Mit Jeff Bridges hat man einen grandiosen Darsteller verpflichten können, der in dieses Genre so gut passt wie kaum ein anderer (außer vielleicht Clint Eastwood). Die Figuren sind allesamt sehr bodenständig, glaubwürdig und rau, in diesem Fall gefällt es mir sehr, sehr gut.
An zweiter Stelle steht die Kameraarbeit. Die ganze Zeit über hat mich diese Kameraarbeit fasziniert. Ich saß da und dachte: „Geil gemacht!“. Nicht nur, dass wir an unterschiedlichsten Stellen bei den verschiedenen Charakteren sind und dort auch jedes Mal andere Einstellungen verwendet werden, nein, wir sehen eine extrem gut gemachte – und von den Aufnahmen her sehr variable – Verfolgungsjagd. Wir bekommen Bilder aus Wüsten-Städten zu sehen, die nichts anderes sagen als: „Es ist verdammt heiß hier!“. Und nicht zu vergessen, dass es auch ganz typische Western-Einstellungen gibt, die besonders große Abschnitte einer Umgebung zeigen.
Und zu guter Letzt: das Zwischenspiel von Spannung und Tempo. Ja, dieser Punkt ist etwas komplexer. 98 Minuten sind nicht lange, das werden sie bei diesem Film auch nie sein. David Mackenzie schafft es, sowohl bei der Spannung als auch beim Tempo einen Spagat zu machen, der aktuell seinesgleichen sucht. Immer wieder wird das Tempo rausgenommen, dadurch funktionieren die Handlung und die Beziehung der Brüder noch besser als ohnehin schon. Außerdem sind Ortswechsel dadurch nicht nervig. Charakterszenen dominieren die ruhigeren Passagen und unterhalten dabei auf sehr hohem Niveau, ohne dabei Spannung zu verlieren, die immer wieder in den temporeicheren Szenen aufgebaut wird. In entschleunigten Sequenzen verlor „Hell or High Water“ nie seinen Reiz auf mich.

Die Effekte machten einen sehr guten Eindruck. Da wurde wenig mit dem Computer nachbearbeitet und auch die Wunden, die gezeigt wurden, sahen realistisch und überzeugend aus.
Was die Action angeht, gibt es Western, die weitaus mehr zur Sachen gehen. Man bekommt aber auch hier Schießereien, Verfolgungsjagden und Explosionen zu sehen, wobei ich sie größtenteils nicht vermisste.

Die Musik, und das fiel mir die ganze Zeit über auf, war zwar sehr passend, aber auch sehr zweigeteilt.
Entweder es wurden stilechte Songs perfekt in die Story eingebaut, die auch eine tolle Atmosphäre transportierten, oder sie wurden komplett weggelassen. Gefühlt gibt es in der zweiten Hälfte des Streifens keine Musik. Fand ich persönlich spannend, weil es „Hell or High Water“ auch nicht zwingend nötig hatte, durch musikalische Untermalung Spannung zu erzeugen.

Meine Meinung:
„Hell or High Water“ war für mich ein echter Glücksgriff. Man hat schon vieles gehört oder gelesen, aber ich kam immer drum herum, genauere Details zu diesem Streifen zu bekommen, weil ich auch nie danach gesucht habe. Bei den letzten Oscars® war dieser Film mehrfach nominiert. Wie ich feststellen konnte: zu Recht.

Ich hatte ausgesprochen großen Spaß mit diesem Film und habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Zwar bekommt man als Zuschauer keine großspurige Handlung, allerdings ist das Gesamtpaket sehr stimmig. Am Ende ist es dieser Streifen eben ein Genrefilm, ein Western, so ganz ohne Pferde.
Hier und da gibt es einen Punktabzug, weil es eben die Nuancen sind, die einen 100% großartigen Film von einem über weite Strecken großartigen Film unterscheiden.

Meine Wertung:
Spannung: 9,5 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 9,0 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Musik: 8,0 von 10
Action: 7,5 von 10
GESAMT: 8,5

septem*B*er-Challenge: Boston

©STUDIOCANAL

Titel: Boston (engl. „Patriots Day“)
Genre: Thriller
Regie: Peter Berg
Musik: Trent Reznor / Atticus Ross
Produzenten: Dorothy Aufiero / Dylan Clark / Stephen Levinson / Hutch Parker / Michael Radutzky / Scott Stuber / Mark Wahlberg
Dauer: ca. 124 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„Boston, 15. April 2013 – Wie jedes Jahr zieht es tausende Läufer und Zuschauer aus aller Welt an die Strecke des beliebten Bostoner Marathons. Doch die Feierlichkeiten enden schlagartig, als zwei Sprengsätze an der Zielgerade detonieren. Noch ist unklar, ob den Explosionen weitere folgen werden. Für die Ermittler beginnt ein packender Wettlauf gegen die Zeit und eine der nervenaufreibendsten Großfahndungen in der Geschichte Amerikas nimmt ihren Lauf.“
(Rückentext der DVD)

Für das „B“ in meiner S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge habe ich mir dieses Mal einen Film ausgesucht, den ich als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Seit dem 07.09.2017 ist „Boston“ auf DVD und BluRay im Handel erhältlich. Aus unterschiedlichsten Gründen konnte ich den Film nicht vor der Veröffentlichung sehen, daher war es für mich glasklar, dass ich diesen Streifen in meiner Challenge unterbringe.

Wenn es etwas gibt, das niemals zur Normalität werden sollte, dann ist es Terror. Überall auf der Welt passieren täglich schlimme Dinge und eigentlich sollte man Notiz von jeder noch so kleinen Sache nehmen, aber irgendwie geht es nicht, weil die schlechten Nachrichten Tag für Tag zunehmen. Am 15. April 2013 kommt eine dieser schlechten Nachrichten aus der westlichen Welt, von einem Event, das Sportlichkeit, Zusammenhalt und Freude zelebrieren sollte. Der Boston-Marathon ist einer der ältesten der Welt. An ihm verübten zwei Brüder einen Anschlag mit selbstgebauten Bomben, bei dem drei Menschen gestorben sind und in Folge dessen ein weiterer sein Leben ließ. Jeder Tote ist einer zu viel.
Dieser Streifen wurde als Dank für alle Helfer, Ermittler, Sanitäter und Ärzte gedreht und rekonstruiert den schlimmen Tag und die Flucht beziehungsweise Fahndung detailreich. Der Zuschauer lernt nicht nur diensthabende Polizisten kennen, sondern auch Bewohner, die am Patriots Day den Marathon besuchen wollen und die beiden Attentäter, die sich auf ihren Anschlag vorbereiten.

Die Art der Erzählung ist zweigeteilt. In den ersten 45-60 Minuten springen wir zwischen den Protagonisten hin und her und erhalten dadurch Einblicke in die einzelnen Abläufe ihrer Leben. Bis zur Detonation haben wir also eine richtig gelungene Erzählweise, aber ab dann bleibt die Handlung statisch und wir bleiben fortan nur noch bei einem der diensthabenden Polizisten. In der zweiten Hälfte versucht der Streifen seine Stärken in der Erzählung beizubehalten, was ihm nur bedingt gelingt. Auf Dauer hat „Boston“ sichtlich seine Probleme damit.

Was mich verwundert hat, war, wie wenig ich eigentlich von den Umständen des Anschlages wusste und was mir alles nicht klar gewesen ist. Genau dadurch wurde es auch hin und wieder wirklich spannend, obwohl man das Ende schon absehen konnte, wenn man in den letzten Jahren die Nachrichten verfolgt hat. Aufgewertet wurde der Eindruck des Streifens immer wieder durch den Einsatz echter Bilder.

Ich war vom Film die meiste Zeit überrascht, weil er mir die Umstände näherbrachte. Er zeigt auf eine brutale Art und Weise, was die Bostoner Bevölkerung durchgestanden hat, wie schlimm die Verletzungen der Opfer gewesen sind und was die Reaktionen auf das Passierte gewesen ist.

Die Darsteller sind weitestgehend glaubwürdig, allerdings gibt es schon die eine oder andere Szene, in denen die Emotionen wahrscheinlich realitätsnah dargestellt waren, aber beim Zuschauer übertrieben ankommen. Die Macher haben hier nicht auf die Balance geachtet und so kommt auf eine starke Charakterszene meistens eine schwache. Die Actionsequenzen sehen meistens gut und sauber aus, allerdings merkt man dem Streifen insbesondere bei Bildern mit viel Rauch den Einsatz von Greenscreen an. Gerade am Bildrand wird es doch deutlich pixelig.

Meine Meinung:
„Boston“ macht vieles richtig, aber ebenso viel falsch. Stark finde ich, dass man sich hier klar an die Ereignisse gehalten hat und man auch die Schicksale Unbekannter vorgestellt hat.
Ich fand die Erzählweise in der ersten Hälfte wirklich gelungen, aber schade finde ich, dass man das nicht den ganzen Streifen durchgehalten hat.

Die Länge ist mit 124 Minuten erheblich zu doll geraten. Mit 10 bzw. 15 Minuten weniger wäre es nicht getan, um eine gute und annehmbare Länge zu erhalten. Der Streifen wurde jetzt ausgeschmückt und weitreichend erzählt, das kann man so machen, allerdings nagt das auch sehr stark am Zuschauer. Meiner Meinung nach wären 25, wenn nicht sogar 30 Minuten weniger Laufzeit angemessen gewesen.
Am Ende habe ich einen guten Film bekommen, den man mal gesehen haben muss. Terror ist und bleibt etwas Schreckliches und dieser Film zeigt die hässliche Fratze feiger und hinterhältiger Attentäter.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 7,5 von 10
Länge: 5,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 7,5 von 10
Musik: 6,0 von 10
GESAMT: 6,8

Hier geht es zu meinen anderen Beiträgen:
*S*eptember-Challenge: Source Code
s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut
se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp
sep*T*ember-Challenge: Toni Erdmann
sept*E*mber-Challenge: Edward mit den Scherenhänden
septe*M*ber-Challenge: Merida – Legende der Highlands
septem*B*er-Challenge: Boston
septemb*E*r-Challenge: Extrem laut & unglaublich nah
septembe*R*-Challenge: Regression

Beiträge anderer Teilnehmer:
Shalima – Breakfast Club
Hotaru – Blame!
Ma-Go – Blue Ruin
Stepnwolf – Before night falls

sept*E*mber-Challenge: Edward mit den Scherenhänden

Titel: Edward mit den Scherenhänden (engl. „Edward Scissorhands“)
Genre: Thriller / Tragikomödie
Regie: Tim Burton
Musik: Danny Elfman
Produzenten: Tim Burton / Denise Di Novi
Dauer: ca. 101 Minuten
Erscheinungsjahr: 1990
Altersfreigabe: FSK 6

„Das hätte sich die Avon-Beraterin Peg nicht träumen lassen: Statt Kunden findet sie in einem alten Schloss den Kunstmenschen Edward (Johnny Depp). Dessen Erfinder stirbt kurz vor der Vollendung seines Meisterwerks. Das Ergebnis: Edward sieht aus wie eine Mischung zwischen Pinocchio und missratener Wachsfigur. Das Auffallendste an ihm sind aber seine riesigen Scherenhände. Als die resolute Avon-Lady ihn mit nach Hause nimmt, verliebt Edward sich in Pegs engelsgleiche Tochter Kim (Winona Ryder). Schon bald reißen sich die Leute um den Exoten, der mit seinen Scheren nicht nur Büsche und Bäume, sondern auch Hunde- und Frauenhaare in extravagante Kunstwerke verwandeln kann. Doch leider wollen nicht alle Edwards Talente für gute Zwecke einsetzen und bringen den naiven Scherenmenschen mit dem Gesetz in Konflikt. Sympathie verwandelt sich in Ablehnung und Hass…“
(Rückentext der DVD)

Lange ist es her, als ich das letzte Mal „Edward mit den Scherenhänden“ gesehen habe. Ich kann mich fast nicht mehr erinnern und bis auf ein paar Szenen blieben mir weder Figuren noch Handlungen in Erinnerung. Für die S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge habe ich beschlossen, dass das zweite „E“ gerne dieser mehr als 25 Jahre alte Streifen sein kann.

Der Rückentext beschreibt die Handlung schon sehr gut, es gibt da auch nichts, was ich an dieser Stelle noch erwähnen müsste. In meiner Erinnerung war „Edward mit den Scherenhänden“ sowohl witziger, als auch skurriler und angsteinflößender. Am Ende muss ich aber feststellen, dass dieser Film das alles nicht ist. Er ist nicht witzig, er ist nur ein bisschen skurril, und er ist überhaupt nicht angsteinflößend. Erzählerisch hatte ich übertriebene Erinnerungen und wurde auch in diesem Punkt letzten Endes enttäuscht. Ja, ich war Kind, als ich diesen Film zum ersten Mal gesehen habe, aber wenn der Streifen auch nur im Entferntesten gut oder packend wäre, dann sollte er auch heute seinen Charme sprühen lassen. Also wartete ich. Die Erzählweise ist behäbig und sehr nüchtern bzw. langsam. In die Gänge kommt dieser Film nicht so richtig und so passierte, was zu erwarten war: Mir fielen die Augen zu. Ich wurde in den ersten 20 Minuten nicht so richtig gepackt. Sowohl inhaltlich als auch darstellerisch lässt Tim Burton mit diesem Film viele Wünsche offen.
Dabei ist Edward mit den Scherenhänden eine Figur, die total ins Bild von Tim Burton passt und eigentlich auch genau sein Ding sein sollte, zumindest dann, wenn man sich seine anderen Werke anschaut. Burton steht mindestens für abgedrehte Figuren, Drehbücher und Filme wie Zack Snyder für epische Schlachten.

Tja, wenn es schon storymäßig nicht so recht hinhaut, wie ist dann die Inszenierung? Oder die Spannung? Rein technisch gesehen macht die Inszenierung einen sehr wertigen Eindruck für damalige Verhältnisse. „Edward mit den Scherenhänden“ ist aber definitiv nichts für heutige Cineasten. Neben äußerst einfach gehaltenen Kulissen bekommt man noch wenig ausgetüftelte Kameraeinstellungen zu sehen. Spannungstechnisch fühlte ich mich richtig falsch verstanden, denn auch unter diesem Gesichtspunkt hat es mir der Edward nicht angetan.
Ganz und gar nicht.

Zu den Darstellern möchte ich auch nicht viele Worte verlieren. Der komplette Cast bringt so gut wie keine Leistung. Angefangen mit Johnny Depp und Winona Ryder. Ich habe selten so unglaubwürdige und versteifte Hauptfiguren gesehen wie in diesem Film. Die Dialoge sind äußerst vorhersehbar und absolut unglaubwürdig. Die Emotionen bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau und das finde ich persönlich äußerst schade, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass der Film zumindest mit einem gewissen Potential ausgestattet ist.
Die Gefühlspalette suggeriert breit aufgestellt zu sein, aber tatsächlich sehen wir so gut wie nichts davon. Besonders die positiven Emotionen werden stark vernachlässigt, bei den negativen wird, besonders zum Ende hin, dick aufgetragen. Potential verschenkt.

Mit 101 Minuten hat Tim Burton diesen Film stark in die Länge gezogen. 20 Minuten hätte man locker einsparen können. Einziger Wermutstropfen ist zumindest die musikalische Unterstützung. Danny Elfman leistet gute Arbeit und bringt einen eigentümlichen Sound in diesen Streifen. Irgendwie klingt die Musik wie aus einer Spieluhr und verleiht dem Film dadurch einen sehr skurrilen Touch, der von mir sehr positiv wahrgenommen wird.

Meine Meinung:
„Edward mit den Scherenhänden“ ist für die S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge von mir ausgewählt worden und ich muss sagen, dass ich es einerseits bereue, weil ich euch gerne tolle Filme mit überschwänglichen Worten präsentieren möchte, andererseits ist es aber auch eine gute Wahl, weil ich eben nicht immer nur die besten, schönsten und tollsten Filme schaue und kritisiere.

Unterm Strich bin ich ein bisschen enttäuscht von diesem Film, weil ich eine typische Tim-Burton-Qualität erwartet habe, aber nicht beachtet hatte, dass es sich mit „Edward mit den Scherenhänden“ um einen älteren Film handelt und auch Burton mit jedem Werk gewachsen ist.
Trotzdem bin ich unzufrieden. Meine Wertung fällt wie folgt aus:

Meine Wertung:
Spannung: 3,0 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 3,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 3,0 von 10
Authentizität: 2,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
GESAMT: 3,7

Hier geht es zu meinen anderen Beiträgen:
*S*eptember-Challenge: Source Code
s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut
se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp
sep*T*ember-Challenge: Toni Erdmann
sept*E*mber-Challenge: Edward mit den Scherenhänden
septe*M*ber-Challenge: Merida – Legende der Highlands
septem*B*er-Challenge: Boston
septemb*E*r-Challenge: Extrem laut & unglaublich nah
septembe*R*-Challenge: Regression

Beiträge anderer Teilnehmer:
Shalima – E-Mail für dich
Ma-Go – Europa Report
Hotaru – The Eyes of my Mother
Stepnwolf – Edge of Love

s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut

Titel: Eyes Wide Shut
Genre: Thriller / Drama / Romanverfilmung
Regie: Stanley Kubrick
Musik: Jocelyn Pook
Produzenten: Stanley Kubrick / Jan Harlan
Dauer: ca. 152 Minuten
Erscheinungsjahr: 1999
Altersfreigabe: FSK 16

„Stanley Kubricks gewagter letzter Film ist eine erfrischende psychosexuelle Exkursion, eine mitreißend spannende Geschichte und ein Meilenstein in den Karrieren der Hauptdarsteller Tom Cruise und Nicole Kidman. Cruise spielt einen Arzt, dessen Frau (Kidman) ihre sexuellen Sehnsüchte offenbart. Daraufhin stürzt er sich in ein erotisches Abenteuer, das seine Ehe gefährdet – und ihn möglicherweise sogar in einen Mordfall verwickelt. Mit meisterhaften Ornamenten illustriert Kubrick diesen von Zweifeln und Angst gesteuerten Selbsterfahrungstrip auf dem Weg zur Versöhnung. Gediegene Kamerafahrten, satte Farben, atemberaubende Bilder: eine bravouröse Handschrift, die Kubrick als zeitlosen Filmemacher ausweist, vor dem niemand die Augen verschließen kann.“
(Rückentext der DVD)

Im Gegensatz zu „Source Code“ verbinde ich mit „Eyes Wide Shut“ so ziemlich gar nichts. Auf der Suche nach einem Filmtitel mit „E“ habe ich nur welche in meinem DVD-Regal, die einen Artikel haben. Meine Herzdame schreibt allerdings eine Hausarbeit über diesen Film und hat mich gebeten, ihn mit ihr zusammen zu schauen. Da „Eyes Wide Shut“ keinen Artikel hat, kam meine Herzdame auch auf die Idee, diesen Streifen dann für die S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge zu verwenden.
Damit bin ich bei meinem nächsten Buchstaben in ebenjener Challenge.
Ich wünsche euch viel Spaß mit dieser Kritik.

Ich habe vor „Eyes Wide Shut“ nur „Uhrwerk Orange“ und „Full Metal Jacket“ von Stanley Kubrick gesehen. Beim ersten Film wurde ich bitterböse enttäuscht und werde ihn mir Zeit meines Lebens kein zweites Mal anschauen. „Full Metal Jacket“ habe ich durch Zufall einen Tag vor meinem Dienstantritt bei der Bundeswehr angesehen und ich war begeistert.

Einleitend zu „Eyes Wide Shut“ muss ich sagen, dass dieser Streifen echte Probleme hat.
Was sich Stanley Kubrick bei der Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ gedacht hat, ist mir schleierhaft. Von der ersten bis zur letzten Minute wurde ich gelangweilt, weil das Tempo einfach zu langsam ist, weil die Inszenierung zu behäbig ist und weil die Darsteller mich von Anfang an nicht packen konnten. Zur Handlung gibt der Rückentext kaum bis wenig Aufschluss, aber im Prinzip geht es darum, dass die Frau von Dr. Hardford von Orgien und sexuellen Ausflügen träumt. Sie erzählt ihrem Mann etwas davon, woraufhin er sich dazu genötigt fühlt, seine Frau nicht im Traum, sondern tatsächlich zu hintergehen.

Ich habe mich die komplette Zeit über durch diesen Film gequält und auch für meine Herzdame war es kein Spaziergang, denn auch sie kämpfte mit der Geschichte. Wenn ich zukünftig noch einmal jemanden höre, der mir sagt, dass „Sex sells“, dem werde ich raten, sich diesen Film anzuschauen und noch einmal über seine Worte nachzudenken.

Aber nicht nur die Geschichte störte mich, sondern auch die Darsteller. Nicole Kidman und Tom Cruise sind in diesem Streifen hölzern und unglaubwürdig. Ich finde es total klasse, wenn man die Emotionen am Gesicht ablesen kann und bei diesen beiden „Größen“ sucht man vergeblich irgendein Gefühl. Obendrein ist die musikalische Untermalung einfach nur nervtötend gewesen. Immer dieses eindringliche, langweilige und einfach zu dominante Trommeln.

Bei all dem kann man sich fragen, was mit der Spannung ist. Die Antwort folgt zugleich: Gar nichts!
Ich habe selten einen Film gesehen, der so uninteressant ist, wie dieser. Bei all dem muss ich aber auch sagen, dass „Eyes Wide Shut“ sehr gut die Welt der Parallelgesellschaften aufzeigt. Sie wird als „rechtsfreie“ Zone dargestellt und in meiner Vorstellung von Parallelgesellschaften ist das genau so: nämlich rechtsfrei.

Am Ende komme ich zu meinem an den Anfang gestellten Satz, dass dieser Filme echte Probleme hat.
„Eyes Wide Shut“ kann einfach nicht überzeugen und die Geschichte ist so uninteressant, dass ich bei weitem keine Lust mehr habe, mir Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ durchzulesen, obwohl sich dadurch einige Logikfragen des Films klären könnten. Stanley Kubrick hat mit diesem Streifen einfach niemanden einen Gefallen getan.

Meine Meinung:
Es ist so ziemlich alles gesagt.
„Eyes Wide Shut“ ist absolut nicht zu empfehlen. Die Hälfte des gesamten Films sieht man einfach nur, wie Tom Cruise von A nach B geht, ohne dass dabei irgendetwas passiert. Und mir ist absolut schleierhaft, wie man zu so einer Kurzschlussreaktion kommt, nur weil die Frau von sexuellen Sehnsüchten träumt und berichtet.

Damit ist der zweite Film der S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge beendet und ich hätte keinen schlechteren Streifen anschauen können. Denkbar schlecht fällt „Eyes Wide Shut“ in der Benotung aus. Für Kubrick-Fans kann sich sein letztes Werk lohnen, für einfache Film- und Fernseh-Gucker ist dieser Streifen einfach nur Zeitverschwendung.

Kennt ihr „Eyes Wide Shut“ und wie bewertet ihr die Inszenierung von Kubricks letztem Film?
Seid ihr vielleicht sogar echte Fans und himmelt diesen Filmschaffenden an?
Hinterlasst gerne ein Kommentar unter diesem Beitrag.

Meine Wertung:
Spannung: 2,0 von 10
Story: 3,0 von 10
Länge: 1,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 2,0 von 10
Authentizität: 1,0 von 10
Musik: 3,0 von 10
GESAMT: 2,0

Hier geht es zu meinen anderen Beiträgen:
*S*eptember-Challenge: Source Code
s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut
se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp
sep*T*ember-Challenge: Toni Erdmann
sept*E*mber-Challenge: Edward mit den Scherenhänden
septe*M*ber-Challenge: Merida – Legende der Highlands
septem*B*er-Challenge: Boston
septemb*E*r-Challenge: Extrem laut & unglaublich nah
septembe*R*-Challenge: Regression

Beiträge anderer Teilnehmer:
Ma-Go – Enemy
Shalima – Eat Pray Love
Hotaru – The Edge of Seventeen
Ainu89 – Everst
Morgen Luft – Eine fantastische Frau
Stepnwolf – Ein Tick anders

*S*eptember-Challenge: Source Code

Titel: Source Code
Genre: Thriller / Action
Regie: Duncan Jones
Musik: Chris P. Bacon
Produzenten: Mark Gordon / Jordan Wynn / Philippe Rousselet
Dauer: ca. 89 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
Altersfreigabe: FSK 16

„Eine Eilmeldung im Fernsehen: Kurz vor Chicago explodiert ein Personenzug – es gab keine Überlebenden. Wenig später erwacht Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) in genau diesem Zug – im Körper eines anderen Mannes und an der Seite der jungen Christina (Michelle Monagham). Nach und nach begreift der Kampfpilot: Er ist im ‚Source Code’. Dank dieser Technologie kann Stevens den Körper eines anderen Menschen übernehmen – für acht Minuten vor dessen Tod. Sein Auftrag: Finde die Bombe und schalte den Bombenleger aus. Wieder und wieder durchlebt Stevens die Katastrophe und setzt das Puzzle mit Christinas Hilfe zusammen. Die Zeit drängt, denn ein weiterer, viel größerer Anschlag droht.“
(Rückentext der DVD)

„Source Code“ ist der erste Film meiner „S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge“. Und daher möchte ich nicht nach Schema-F eine Kritik dazu schreiben, sondern versuche es etwas anders aufzuziehen.

Mit diesem Streifen wurde mir Jake Gyllenhaal bekannt und seitdem habe ich ihn auf dem Schirm mit dem Hinweis, dass der Film gut sein könnte, denn mir hat er in der Rolle des Colter Stevens sehr gut gefallen. Bisher gab es auch kaum Filme, in denen ich seine Leistung schlecht empfand. Einen ebenso bleibenden Eindruck hat er z.B. auch mit „Southpaw“ hinterlassen.

Was mich an diesem Streifen reizt, ist die Spannung, die aufgebaut wird. Durch die Technologie gelingt es Stevens, sich für die letzten acht Minuten in einen fremden Körper zu transferieren. Der Rückentext suggeriert an der entsprechenden Stelle einen actionlastigen Streifen, aber dem ist bei weitem nicht so. „Source Code“ ist eher ein Thriller mit einigen Actionelementen und einem sehr philosophischen Ansatz, der sich viel und oft um die „Was würdest du tun?“-Frage dreht, wie:
„Wenn du nur noch die nächsten 30 Sekunden leben würdest, was würdest du tun?“.
Gefühlt hat man die Handlung von diesem Film schon irgendwo mal gesehen, aber praktisch fällt mir kein Titel ein, der auch nur im Ansatz mit dieser Raffinesse eine solche wendungsreiche Geschichte erzählt.

Mir gefiel es auch sehr, dass der Film mit einem wissenschaftlichen Ansatz daherkommt, aber die Macher ihn nicht zu sehr nach Theorie aussehen ließen. Viel mehr spielte die Praxis eine Rolle, im Detail dreht es sich auch um eine Parallelwelt und die Einflussnahme von außen durch die Source-Code-Technologie.

So etwas packt mich immer recht schnell und die Zeit vergeht beim Schauen wie im Flug. Doch spätestens, wenn meine Herzfrequenz steigt, merke ich, dass der Film sehr vieles richtig macht. Ich war ergriffen von der Handlung, den emotionalen Motiven und einer sich anbahnenden Lovestory. An dieser Stelle muss ich allerdings sagen, dass der Film am stärksten in den Überraschungen ist. Ich konnte mich dem Bann von „Source Code“ nicht entziehen, auch schon damals nicht, als ich diesen Film das erste Mal sah. Für mich war das einer der ersten Filme, die ich für meine DVD-Sammlung angeschafft habe und ebenso eine meiner ersten Berührungen mit einem Thriller, der vor lauter Spannung meine Nerven bis zum Zerreißen anspannte.

„Source Code“ war für mich auch einer der ersten Filme, bei dem ich merkte, wie wichtig eigentlich Musik in einem Film ist. Besonders dann, wenn sie einfach nur einen Zweck erfüllen sollte. In diesem Fall sollte sie nicht unterhalten, sondern unterstützen, untermalen und Szenen hervorheben, indem der Zuschauer etwas sehr Auffälliges oder Wiederkehrendes hört. Heute ist mir das auch wieder aufgefallen, als kurz vor Schluss ein Musikstück einfach mal doppelt so laut wiedergegeben wurde, als noch zum Anfang des Streifens. Es hat sich aber so sehr eingebrannt, dass der Zuschauer weiß: „Okay, das hier ist jetzt eine wichtige Szene.“.

Meine Meinung:
Diese „Filmkritik“ ist etwas anders geworden, als die übrigen Beiträge, die ich sonst verfasse.
Für S-E-P-T-E-M-B-E-R möchte ich mich auch ein bisschen mehr einbringen und nicht nur über die rein technischen Dinge berichten. Die Handlung war sehr stark und die Darsteller haben sehr gut in den Streifen gepasst. Das ist alles wichtig, aber ebenso wichtig ist, wie sehr mich dieser Film unterhalten hat. Ich konnte, wie gesagt, nicht weggucken und ich war einfach gepackt von der Handlung, den Emotionen und der Spannung.

Gerne darf man auch über Symbolik, Meta-Ebenen und Charaktere sprechen, aber an dieser Stelle belasse ich es mit „Source Code“ und muss zu guter Letzt auch eine Empfehlung aussprechen.
Für alle, die gerne eine Benotung haben möchten, findet sich diese natürlich im Anschluss.
Aber schaut euch doch am besten den Streifen mal an, denn für seine kurze Laufzeit bekommt man eine riesige Portion Unterhaltung geboten.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Musik: 7,5 von 10
GESAMT: 8,1

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*S*eptember-Challenge: Source Code
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Beiträge anderer Teilnehmer:
Hotaru – Still
Ma-Go – Slumdog Millionär
Shalima – Sofies Welt
Ainu89 – Sing Street
Morgen Luft – Seom
Stepnwolf – Spotlight

Ohne Limit

Titel: Ohne Limit (engl. „Limitless“)
Genre: Science-Fiction / Thriller
Regie: Neil Burger
Musik: Paul Leonard-Morgan
Produzenten: Ryan Kavanaugh / Leslie Dixon / Scott Kroopf
Dauer: ca. 101 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
Altersfreigabe: FSK 16

„Eddie Morras Leben verläuft nicht gerade auf der Überholspur. Der erfolglose Schriftsteller treibt sich lieber in den Bars von New York herum, als seinen Roman fertigzustellen. Zufällig begegnet er eines Tages einem alten Bekannten, der ihm eine Designerdroge anbietet. Und dieses Mittel wirkt Wunder: Innerhalb kürzester Zeit ist Eddie in der Lage, die volle Kapazität seines Gehirns zu nutzen. Plötzlich ist alles ganz leicht! Doch bald merkt Eddie, auf welches gefährliche Spiel er sich eingelassen hat. Die Droge ermöglicht ein Leben ohne Limit – aber nicht ohne Preis…“
(Rückentext der DVD)

Ich sah ein, zwei Folgen der Serie „Limitless“ im TV, ehe ich mich dazu entschloss, sie mir auf DVD zu kaufen. Erst im Nachhinein stellte ich fest, dass die Serie auf dem Film „Ohne Limit“ aufbaut und schon sah ich mich gezwungen, mir ebenfalls den Film zu kaufen, da ich ihn noch nicht kannte.
Ich bilde mir dabei immer ein, dass man alles umfänglich kennen muss, um die Tragweite einer Geschichte zu verstehen. Ich bekomme gerade Lust auf die Serie, doch bevor ich damit beginne, schaue ich mir den Film an. Habe ich jetzt getan, meine Kritik findet ihr hier.

Die Geschichte basiert auf dem Buch „The Dark Fields“ (deutscher Titel: „Stoff“) von Alan Glynn. Alles dreht sich um Eddie Morra, ein Schriftsteller, der keinen Erfolg hat. Durch eine experimentelle Droge, die er von einem Bekannten bekommt, steigert sich die Leistungsfähigkeit seines Gehirns und er beginnt, strukturiert, konzentriert und analytisch in allen Bereichen seines Lebens zu arbeiten und zu entscheiden. Durch ebenjene Droge verändert sich alles in seinem Leben, beginnend mit ihm selbst. Die Geschichte zeigt die Verwandlung eines Mannes, der von nahezu ganz unten kommt und seinen Weg nach ganz oben findet. Die Art und Weise, wie er es macht, ist dabei erstaunlich.
Die Erzählweise ist raffiniert, denn der Zuschauer bekommt alles aus der Sicht von Eddie mit, wir sind quasi in seinem Kopf. Immer wieder spricht er auch aus dem Off zum Publikum und analysiert Situationen, erklärt Zusammenhänge und erzählt uns, in welcher Situation er sich befindet. Darüber hinaus wird nahezu der komplette Film in einer riesigen Rückblende erzählt.

Die Emotionen sind weitestgehend zurückgenommen. Es gibt nur wenige Momente, in denen die Gefühle der Grund einer Handlung sind und das passt in das Bild des Protagonisten. Er ist am Anfang noch sehr von seinem Gemütszustand abhängig, was sich im Laufe der Zeit vollkommen ändert. Rationale Entscheidungen dominieren das Geschehen und die Emotionen verlieren zwar nicht an Bedeutung, jedoch rücken sie stark in den Hintergrund.
Bradley Cooper verkörpert die Figur des Eddie Morra extrem glaubwürdig und auch die Nebendarsteller machen ihre Sache wirklich gut.
Es fällt dabei auf, dass niemand drüber gewesen ist oder aus irgendwie unverständlichen Gründen handelt. Auch die gezeigten Emotionen sind bei dieser Betrachtungsweise logisch und schlüssig. Durch die Bank eine grundsolide Leistung von allen Beteiligten.

Spannungstechnisch fährt „Ohne Limit“ auf der Überholspur. Eine gute Story, gepaart mit wirklich guten Darstellern, einer rasanten Inszenierung und einer wunderbaren Erzählstruktur sind in diesem Fall die Mischung. Die ca. 101 Minuten wirken aus diesem Grund sehr kurzweilig und auch sonst weiß der Streifen durch die Atmosphäre und den Figuren zu überzeugen.
„Ohne Limit“ fühlt sich zeitweise an wie ein Actionfilm, da es viele Ortswechsel und Schnitte gibt, die die rasante Inszenierung begünstigt. Als Zuschauer ist man stets interessiert und gefesselt, wie es weitergeht und wo es den Protagonisten hinführt.

Das Setting ist sehr vielfältig. Kulissen, Kostüme und Kameraarbeit sind abwechslungsreich und sorgen immer wieder für ein ganz besonderes Flair.
Anfänglich wird der Streifen von einem kontrastarmen Bild dominiert, in dem alles sehr grau und ohne Struktur ist. Im Mittelteil ist der Film so unglaublich bunt und sogar überbelichtet, sowohl das Bild als auch die Lebensumstände des Protagonisten sind aufgeräumt. Ein dritter Filter kommt ganz zum Schluss noch zum Einsatz.
Das Spiel mit der Kamera und den Filtern ist über aller Maßen überzeugend und bringt einfach nur Spaß.

In dem Punkt der Musik bekommt das Publikum rein unterstützende Klänge zu hören. Es sind keine richtigen Songs, keine Melodien, die sich in irgendeiner Form in den Vordergrund stellen und auch nichts, was dem Streifen in irgendeiner Form die Show stiehlt. Eine bessere Untermalung hätte dem Streifen wesentlich besser zu Gesicht gestanden, denn die Melodien, die man hört sollen zwar spannungsfördernd sein, sind es aber nur bedingt.

Meine Meinung:
„Ohne Limit“ bietet eine tolle Geschichte und mehr noch eine rasante Erzählstruktur, die mich sehr gefesselt und überzeugt hat. Auch ohne den Film gesehen zu haben, schafft er durch die Darsteller Bradley Cooper und Robert De Niro bereits ein grundsätzliche Interesse.

Die ganze Zeit über habe ich mich sehr unterhalten gefühlt, auch wenn mich der Grundgedanke hinter der ganzen Geschichte ein wenig an „Lucy“ erinnerte, der zwar drei Jahre jünger als „Ohne Limit“ ist, den ich aber zuerst sah. Thematisch läuft es eben auf den 10-Prozent-Mythos hinaus, der besagt, dass wir alle nur ca. 10 Prozent unseres Gehirns nutzen. Die restlichen 90 Prozent sind freie Kapazitäten, die ungenutzt bleiben.

Ich bin fasziniert von diesem Mythos. Auch wenn er Quatsch ist, bietet er doch genügend Möglichkeiten einer filmischen Umsetzung. „Ohne Limit“ schlägt zwar nur so halb in diese Kerbe, aber weiß sehr zu unterhalten.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Setting: 8,5 von 10
Musik: 5,5 von 10
GESAMT: 7,8

The Purge: Election Year

the-purge-election-year_coverTitel: The Purge: Election Year
Genre: Thriller
Regie: James DeMonaco
Musik: Nathan Whitehead
Produzenten: Michael Bay / Jason Blum / Andrew Form / Bradley Fuller / Sébastien Lemercier
Dauer: ca. 104 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„In der Purge-Nacht herrscht alljährlich zwölf Stunden lang absolute Gesetzlosigkeit. Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell) setzt sich für die Abschaffung dieses blutigen Gesetzes ein und spaltet die Nation damit in Befürworter und Gegner der brutalen Tradition. In diesem Jahr fällt das Ritual auf den Abend vor der Präsidentschaftswahl. Sicherheitschef Leo Barnes (Frank Grillo), der sich vor zwei Jahren gegen einen blutigen Racheakt in der Purge-Nacht entschieden hatte, ist für die Sicherheit der Senatorin verantwortlich. Als die Nacht der puren Anarchie beginnt, werden Roan und Barnes durch einen hinterhältigen Verrat auf die Straße getrieben. Vollkommen auf sich allein gestellt, kämpfen sie darum, bis zum Morgengrauen zu überleben…“
(Rückentext der DVD)

Heute habe ich mir den dritten Teil der „The Purge“-Reihe angeschaut. Grundsätzlich habe ich mich gefreut, da das ganze Thema in den ersten beiden Teilen unglaublich spannend inszeniert und mit extrem viel Nervenkitzel versehen war. Darüber hinaus lässt der Gedanke an so einen Tag, auch wenn es reine Fiktion ist, das Blut in den Adern gefrieren.

Erstmalig bauen mit „Anarchy´“ und „Election Year“ zwei Teile aufeinander auf, sind aber zeitlich ganz klar von einander getrennt. Die Geschehnisse vom dritten Teil spielen rund zwei Jahre nach seinem Vorgänger, aus dem wir auch schon die Figur Leo, gespielt von Frank Grillo, kennen.

Beginnend mit einer großen Rückblende, hat der Streifen keine weiteren Kniffe in der Art der Erzählung parat. Mithilfe der Rückblende wird die Senatorin Roan in die Handlung eingeführt und verdeutlicht, wie und warum sie sich zur Säuberung positioniert.
Handlungs- und spannungstechnisch liegen allerdings Welten zwischen dem dritten und den beiden ersten Teilen. Nach zwei Fortsetzungen weiß man nun, worum es geht und was der Sinn und Zweck hinter der Purge-Nacht ist. „Election Year“ macht aus einer sehr dystopischen Vorstellung mit einem hohen Gruselfaktor ein actionreiches Katz-und-Maus-Spiel, das mich viel zu sehr an Filme von Steven Segal oder Jean Claude van Damm erinnert.
In diesem Teil macht die Handlung den nächsten logischen Schritt, doch wird hier versäumt, die Motive deutlicher zu untermauern. Die Idee ist zwar gewachsen, jedoch die Umsetzung nicht.
Und auch die nervenzerreißende Spannung ließ so stark nach, dass der Film mit seinen Vorgängern nur noch wenig gemeinsam hat.

Die Charaktere sind durch die Bank eindimensional. Es gibt nur weiß oder schwarz. In einer Nacht wie dieser ist es zwar wenig verwunderlich, dass die einen morden und die anderen eher wegrennen, aber auch das Umfeld, in das die Figuren gebettet werden, ist stark konstruiert und wirkt dadurch einfach unglaubwürdig.
Die Emotionen reihen sich nahtlos in diese Unglaubwürdigkeit ein. Der Funkte zum Publikum springt nicht über. Ein wesentlicher Punkt ist der Vergleich zum ersten Teil „The Purge – die Säuberung“, in dem besonders die Gruselmomente hervor stachen.

Mit rund 104 Minuten ist der Streifen mehr als auserzählt. Die meiste Zeit geht eh für ausgedehnte Actionsequenzen drauf. Die reine Geschichte würde auch mit 20 Minuten weniger sehr gut auskommen und wäre dann immer noch in voller Gänze erzählt.

Im dritten Teil der „The Purge“-Reihe bekommt die Action einen größeren Platz. Explosionen aber auch Kampfszenen mit Stich- und Schusswaffen erinnern an alte Actionfilme wie „Alarmstufe Rot I+II“ mit Steven Segal. Besonders innovativ waren die eingesetzten Effekte allerdings nicht. Irgendwie und irgendwo hat man solche Szenen ja doch schon gesehen. Die Spannung wird nur kaum merklich nach oben getrieben.

Die Musik ist spannungsfördernd aber unauffällig und nichtssagend. Sie war allerdings wohl dosiert und nicht störend.

the-purge-election-year_dvdMeine Meinung:
„The Purge – Die Säuberung“ faszinierte mich mit ihrer außergewöhnlichen Geschichte und dem dystopischen Gedanken. Außerdem war die Inszenierung wie in einem Kammerspiel und sorgte für reichlich Nervenkitzel.
Teil 2 „Anarchy“ führte uns erstmal nach draußen und zeigte uns Bilder der Purge bei Nacht auf der Straße.
„Election Year“ brachte mir nichts Neues. Keine Besonderheit, die die Idee hinter der Geschichte entscheidend voranbringt.
Über weite Strecken konnte mich der Film nur mittelmäßig unterhalten. Ich hatte wenig Spaß und verspürte keinen Nervenkitzel und durch die schlechte Leistung der Schauspieler waren sie mir auch egal. Ich war ihnen nicht nahe genug, um mit ihnen den Überlebenskampf anzunehmen.
Ich bin wirklich enttäuscht von diesem Film und verstehe nicht, wie manch einer sagen kann, dass die „The Purge“-Reihe im Laufe der Filme immer besser wurde. Ich sehe das absolut anders und aus diesem Grund vergebe ich folgende Punktzahlen:

Meine Wertung:
Spannung: 5,5 von 10
Story: 5,5 von 10
Länge: 4,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 4,0 von 10
Authentizität: 3,0 von 10
Action: 6,0 von 10
Musik: 6,0 von 10
GESAMT: 4,9

Reihenfolge:
1. The Purge – Die Säuberung
2. The Purge: Anarchy
3. The Purge: Election Year

Money Monster

money-monster_coverTitel: Money Monster
Genre: Thriller
Regie: Jodie Foster
Musik: Dominic Lewis
Produzenten: Lara Alameddine / George Clooney / Daniel Dubiecki / Grant Heslov
Dauer: ca. 95 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„In dem hochgradig spannenden Thriller MONEY MONSTER spielt GEORGE CLOONEY den TV-Moderator Lee Gates, der es durch seine erfolgreiche Finanzshow im Fernsehen zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Er genießt den Ruf, das Geld-Genie der Wall Street zu sein. Doch nachdem er seinen Zuschauern eine High-Tech-Aktie empfohlen hat, deren Kurs anschließend auf mysteriöse Weise abstürzt, nimmt ein wütender Investor (JACK O´CONNELL) Gates, seine Crew und seine Star-Produzentin Patty Fenn (JULIA ROBERTS) Live on Air als Geisel.“
(Rückentext der DVD)

Jodie Foster hat mit „Money Monster“ einen zeitgemäßen Film geschaffen, der die Nachrichten der Finanzwelt und deren Auswirkungen zeigt und dramatisch in Szene setzt.

Die Handlung selbst dreht sich um Lee Gates, der diese Finanz-Fernseh-Serie macht und Unwissenden erzählt, was am Markt abgeht und worin man investieren soll oder eben nicht. Nachdem einer seiner Tipps nach anfänglichem Erfolg urplötzlich floppt, ist der Laien-Investor Kyle, auf der Suche nach Antworten.

Der Streifen wird chronologisch und ohne besondere Kniffe erzählt. Der Zuschauer bekommt eine kleine Rückblende in Form eines Videos gezeigt, aber darüber hinaus keine anderen Anreize.
Der Streifen ist eine Art Kammerspiel, denn die meiste Zeit spielt er in einem Fernsehstudio. Dennoch bekommt das Publikum mit, was außerhalb des Studios passiert. Nicht zu Letzt werden auch dort Dinge gezeigt, die die Handlung vorantreiben.
„Money Monster“ lässt zahlreiche Möglichkeiten, die Finanzwelt zu kritisieren, aus, selbst dann, wenn Menschenmassen als Sprachrohr dieser Kritik herhalten könnten.
Statt einer offensichtlichen Kritik spricht „Money Monster“ eher eine Mahnung an alle Unwissenden aus, sich umfassend zu informieren.

Grundsätzlich ist „Money Monster“ spannend, das liegt aber weniger an den Zahlen und Fakten oder dem Zwischenmenschlichen. Interessant für den Zuschauer ist zu wissen, wozu Kyle fähig ist und wie weit er sein Spiel treiben wird, schließlich ist er der Geiselnehmer. Ich persönlich kann Filmen über die Welt der Finanzen sehr viel abgewinnen und deswegen störten mich auch kein Fachjargon oder viel zu theoretische Begriffe. Für Zuschauer, die sich nicht dafür interessieren, ist „Money Monster“ eher schwer zu genießen.

Mit ca. 95 Minuten ist „Money Monster“ zwar auserzählt und bietet kaum Zeit zum Verschnaufen, aber dadurch kommt es eben auch zu fehlender Kritik und gekürztem Inhalt. Durch die rasante Erzählstruktur bleibt wenig bis kein Platz für Nebenhandlungen, die nebenbei gesagt auch vollkommen unangebracht wären.

Die Emotionen sollten überkochen. Der Zuschauer sollte Furcht im Gesicht von Patty, pure Angst in Lee und unendliche Wut und Risikobereitschaft in Kyle sehen. Das Publikum bekommt diese Gefühlsausbrüche, aber nur sehr kurz und viel zu dosiert.
Darunter leidet auch die Originalität der Figuren.
Tatsächlich kann ich nur Jack O’Connell seine Rolle abnehmen, ist er über weite Strecken der überzeugendste Darsteller. Er hat seinem Charakter nicht nur Tiefe, sondern auch die nötige Glaubwürdigkeit verliehen. Von George Clooney und Julia Roberts kann man definitiv mehr erwarten. Sie sind in Ihrer Darstellung eindimensional und unkreativ. Das selbstverliebte Verhalten von Lee Gates wirkte zuweilen extrem künstlich und Patty Fenn war in allem, was sie tat, kühl, emotionslos und aufgesetzt.

Bis auf einmal wurde „Money Monster“ mit austauschbarer, aber atmosphärischer Musik untermalt. Dennoch sollte man in diesem Punkt keine Innovationen erwarten.

Das Setting ist, wie bereits beschrieben, ein Fernsehrstudio und zum Ende hin irgendwo im New Yorker Finanzdistrikt. Immer wieder werden allerdings auch andere Orte gezeigt, denen man keine besondere Aufmerksamkeit schenken muss. Die wichtigen Orte haben gepasst und gut funktioniert.

money-monster_dvdMeine Meinung:
„Money Monster“ ist ein sehr kurzweiliger Film, der mir aufgrund seiner Thematik gefallen hat. Die Geschichte ist zwar an sich auserzählt, bietet aber Diskussionsstoff und da fehlt es mir persönlich stark an der Kritik, die dieser Film hätte machen können.

Ich befürchte, dass der moralische Gedanke hinter dem Film viel zu tief vergraben ist und dadurch verloren geht. Ich hätte mir, besonders inhaltlich, mehr gewünscht.
Hier ist gerade die Schnelligkeit ein Hindernis, aber das Nervenkitzelige könnte durch eine ausgedehnte Handlung entsprechend leiden. In diesem Fall war der Ansatz zwar gut, aber am Ende nicht gut genug.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 6,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,5 von 10
Authentizität: 5,0 von 10
Musik: 6,0 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 6,5

[Gastrezension] American Horror Story – Hotel (Staffel 5)

american-horror-story-hotel_coverTitel: American Horror Story – Hotel (Staffel 5) (engl.: „American Horror Story: Hotel“)
Idee: Ryan Murphy / Brad Falchuk
Genre: Horror / Thriller / Drama / Fantasy / Mystery
Musik: Cesar Davila-Irizarry (Theme) / Charlie Clouser (Theme) / James S. Levine
Dauer: 12 Folgen à ca. 40-70 Minuten
Erscheinungsjahr: USA: 2015/2016 / Deutschland: 2015/2016
Altersfreigabe: FSK 18

„Willkommen im Hotel ‚Cortez‘! Hinter jeder Tür der labyrinthischen Räumlichkeiten lauert ein Alptraum-Szenario. Verantwortlich dafür zeigt sich vor allem die Besitzerin ‚Die Countess‘ (Lady Gaga). Aber nicht nur die Besitzerin liefert den Stoff für jede Menge Horror-Storys, sondern auch die Hotelgäste selbst – darunter Junkies, Freaks und Filmstar Ramona Royale.“
(Rückentext der DVD)

Der Erscheinungstermin der DVD von „American Horror Story – Hotel“ war seit Monaten dick in meinem Kalender eingetragen. Ich fieberte dem Tag wirklich entgegen. Und dann hielt mir mein Freund schon einen Tag vorher die Staffel als Geschenk unter die Nase. Ich bin halb ausgerastet vor Freude.
Am nächsten Tag hatte ich sie dann auch schon beendet. Das war der 13. Oktober 2016. Doch dann hatte ich keine Zeit, mich mit der Rezension zu befassen. Und irgendwie wirkte die Staffel auch noch so nach, dass ich es nicht konnte.
Doch nun habe ich – knapp drei Monate später – sie noch einmal geschaut, und nun bin ich bereit, sie zu rezensieren.

Ein Mordfall führt den Polizisten John Lowe in das Hotel Cortez, wo ein Pärchen beim Sex erstochen wurde. Augen und Zungen herausgeschnitten. Die Hände an das Bett genagelt. Es ist nicht der erste grausame Mord dieser Art. John befasste sich in letzter Zeit oft mit solch rätselhaften Mordfällen und es bedarf nur wenig Kombinationsgabe, um herauszufinden, dass jemand Menschen, die gegen die 10 Gebote verstoßen, umbringt.
Einmal im Hotel Cortez, lässt dieses ungewöhnliche Gebäude John nicht mehr los. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Zeit verschwimmt, die Gäste faszinieren, jeder Gang enthält Geheimnisse, die es zu enthüllen gibt. Was hat es mit der wunderschönen Countess auf sich? Woher kommt all das Blut? Und vor allem: Was verbirgt sich hinter der Tür von Zimmer 64?

Das Erste, was man über die fünfte Staffel der amerikanischen Horrorgeschichte sagen muss: Sie ist ein Abklatsch. In vielerlei Hinsicht.
Die Horror- und Fantasyelemente waren schon in anderen Staffeln enthalten. Der „10-Gebote-Mörder“ erinnert von der Idee her an die Morde an Todsündern in dem Film „Sieben“ und auch manche Figuren vergangener Staffeln kamen vor.
Und trotzdem lohnt sich das Angucken sehr.

Als Grundgerüst lässt sich eine klare Zweiteilung feststellen: Die ersten paar Folgen enthalten viel Grusel, während das Hotel langsam seine Geheimnisse und Schrecken enthüllt. Danach wird die Staffel eher zu einem Thriller, in dem der unbekannte 10-Gebote-Mörder zum Hauptmotiv wird.
Das macht die Staffel durchaus spannend und dabei vielfältig und abwechslungsreich.
Es wird jedoch nicht nur Wert auf die Geschichte des Hauses gelegt und auf Johns Leben und seine Suche nach dem Mörder, sondern jeder Bewohner des Hotels bekommt seinen gar nicht mal so kleinen Platz in der Staffel. Ihre Vergangenheiten werden betrachtet, dunklen Seiten beleuchtet und Verbindungen zwischen den Figuren geknüpft.

Auch wenn die ersten paar Folgen und das Entdecken des Hauses durchaus gruselige Momente hat, ist die Staffel nicht wirklich von Horror durchzogen. Der Thriller-Anteil überwiegt sehr deutlich.
Doch trotzdem wird auch in Staffel 5 nicht an Kunstblut gespart. Morde passieren in einer Tour. Oft in der Gegenwart, noch öfter in den vielfältigen Rückblenden.
Blut, Hirn, Gedärme – man sieht alles stets und deutlich. Wo andere Kameras wegschwenken würden, hält die von „American Horror Story“ noch mal extra drauf.

Die Schauspielleistung von Lady Gaga wurde seit der Free-TV-Ausstrahlung in den USA ausgiebig kommentiert und das durchweg positiv. 2015 gewann sie sogar den Golden Globe für ihre Darstellung der Countess.
Und tatsächlich überstrahlt sie in ihrer Rolle alle. Wie immer sind die Schauspieler beziehungsweise ihre Rollen besonders, individuell und einzigartig. Doch Lady Gaga bringt einen Glamour in die Staffel, dem man sich schwer entziehen kann. Wenn man sich jeden Einzelnen genau ansieht, spielt eigentlich jeder seine Rolle überzogen. Und doch wirkt niemand in seiner Überzogenheit unnatürlich. In diesem besonderen Hotel müssen einfach genau solche Menschen wohnen.
Der Cast speist sich wieder fast vollkommen aus den letzten Staffeln. Neben Lady Gaga ist nur Cheyenne Jackson als Modedesigner Will Drake neu.

Und nicht nur die Schauspieler waren ein Fest für die Augen, sondern auch das Hotel an sich. Dieses wahnsinnig große, glamouröse, außergewöhnliche Haus machte die Staffel zu etwas Besonderem. Es ist hell, edel und von schwermütiger Schönheit und enthält doch so unglaublich viel Tod und Schrecken. Dieser Mix funktioniert unglaublich gut.

Die Musik ist zweigeteilt. Einerseits gibt es die klassische, atmosphärische Filmmusik, die das Unheimliche unterstützt und andererseits gibt es Klassiker aus den 70ern und 80ern wie „Hotel California“ von den Eagles, „The Ballad Of Lucy Jordan“ von Marianne Faithfull oder „Bette Davis Eyes“ von Kim Carnes. Auch diese Lieder untermalen die Stimmung des Hotels auf passende Weise. Das Hotel wirkt so altmodisch, dass moderne Songs deplatziert gewirkt hätten.

Interessant waren die vollkommen unterschiedlichen Längen der einzelnen Folgen. Die meisten dauerten knapp eine Dreiviertelstunde, aber manche auch länger. Eine Folge schlägt mit 70 Minuten zu Buche. Es lässt den Zuschauer mit dem Gefühl zurück, dass die Geschichte der Folge auf jeden Fall auserzählt wird. Es wird nichts mit Gewalt in ein 45-Minuten-Korsett gezwungen. Die Macher der Serie nehmen sich die Zeit, die sie brauchen. Und das ist auch gut so.
Und daran, dass die Staffel an sich mit 12 Folgen relativ kurz ist, hat der Zuschauer sich in der fünften Staffel wohl langsam gewöhnt.

american-horror-story-hotel_dvdMeine Meinung:
Manches wirkte abgekupfert und der Horror war in dieser Staffel eher in homöopathischen Dosen enthalten, aber trotzdem gefiel mir die Staffel außerordentlich gut.
Es war wie ein kleines Aufatmen zwischen all den düsteren Staffeln. Es war etwas fürs Auge und vor allem auch zum Miträtseln aufgrund der Mordserie.
Mit Lady Gaga gelang ein Glücksgriff für den Cast nach dem Abgang von Jessica Lange.
Und auch nach dem zweiten Schauen der Staffel, bin ich weder von der Story, noch von den Figuren gelangweilt. Eine Staffel, die man sich gut immer mal wieder angucken kann.

Meine Wertung:
Story: 7,5 von 10
Horror: 3,0 von 10
Spannung: 8,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Emotionen: 7,0 von 10
Schnitt: 9,0 von 10
Musik: 8,5 von 10
GESAMT: 7,3

Reihenfolge:
1. American Horror Story (Staffel 1)
2. American Horror Story – Asylum (Staffel 2)
3. American Horror Story – Coven (Staffel 3)
4. American Horror Story – Freak Show (Staffel 4)
5. American Horror Story – Hotel (Staffel 5)
6. American Horror Story – Roanoke (Staffel 6)

Autor: buecherherz

Prestige – Die Meister der Magie

prestige-die-meister-der-magie_coverTitel: Prestige – Die Meister der Magie (engl. „The Prestige“)
Genre: Thriller
Regie: Christopher Nolan
Musik: David Julyan
Produzenten: Christopher Nolan / Aaron Ryder / Emma Thomas
Dauer: ca. 125 Minuten
Erscheinungsjahr: 2006
Altersfreigabe: FSK 12

„Gibt es ein Geheimnis, für das Sie töten würden? In diesem elektrisierenden spannungsgeladenen Thriller von Christopher Nolan (Batman Begins, Memento) spielen Hugh Jackman und Christian Bale Zauberkünstler, die mit allen Mitteln kämpfen, um einander zu übertrumpfen – was schließlich in tödlichen Täuschungsmanövern mündet. Scarlett Johansson spielt die Bühnenassistentin, die im Kampf der Rivalen zunächst als Schachfigur dient, dann aber eine immer wichtigere Rolle einnimmt. Hervorragend die Nebendarsteller (darunter Michael Caine und David Bowie). Genial die Story. Verblüffend die Auflösung. Wenn Sie ‚Prestige – Die Meister der Magie’ einmal gesehen haben, werden Sie den Film immer sehen wollen. Schauen Sie ganz genau hin.“
(Rückentext der DVD)

Schon des Öfteren hatte ich Lust diesen Film zu sehen, denn ich habe ihn ja auch schon eine ganze Weile auf DVD. Als dann auch meine Herzdame Lust auf diesen Film hatte, wir ihn aber nicht parat hatten, sorgte ich wenig später dafür, dass der Streifen griffbereit war. Es kam dann der Zeitpunkt, wo wir wieder Lust auf „Prestige“ verspürten, mit dem Unterschied, dass ich dieses Mal vorbereitet war.

Ich möchte gar nicht allzu viel zu der Handlung sagen, denn jedes Wort wäre irgendwie schon gespoilert. In diesem Fall muss alles, was der Rückentext aussagt, reichen.

Die Erzählstruktur ist eher verwirrend. Es gibt unterschiedliche zeitliche Ebenen, die nicht klar voneinander getrennt sind. Dabei springt der Fokus immer wieder zwischen den beiden Hauptakteuren. Insgesamt sollte der Zuschauer ohnehin immer aufmerksam sein, denn eine Unachtsamkeit ist vollkommen ausreichend, um wesentliche Punkte im Geschehen zu verpassen. Oft ist es einfach nur ein kurzes Bild, eine Bewegung, ein Satz oder nur ein Gesichtsausdruck, der zwar nicht unbedingt entscheidend, aber wichtig für das Geschehen ist.

Der Zuschauer wird die Handlung mit großem Interesse verfolgen, aber die nervenaufreibende Spannung kommt nicht wirklich auf. Man möchte stets wissen, was die Figuren als nächstes machen, darüber hinaus sind die Tricks, die Shows und die Atmosphäre passend und anziehend und sorgen definitiv für reichlich Unterhaltung.

Die Länge ist mit 125 Minuten eher ausufernd. Handlung, Erzählstruktur und die Tatsache, dass nicht so richtig Spannung aufkommt, sorgen für Längen. Immer wieder sind Szenen sehr detailreich ausgeschmückt und wirken daher überladen. Andererseits ist die Laufzeit nötig, um die Komplexität der Geschichte zu vermitteln, kürzer hätte „Prestige“ wirklich nicht sein dürfen. Auch in diesem Punkt bin ich komplett unentschlossen.

Die Gefühle und Emotionen werden teilweise glaubhaft dargestellt und sind nachvollziehbar. Es gibt aber auch Szenen, in denen sie sehr künstlich und zu viel sind. An diesen Stellen sind sie dann dementsprechend unglaubwürdig.

Was die Authentizität betrifft, bin ich keineswegs zwiegespalten. Die beiden Hauptfiguren gespielt von Hugh Jackman und Christian Bale sind ohne jeden Zweifel sehr originell. Das Schauspiel der beiden ist facettenreich und glaubhaft. Aber auch die Nebendarsteller sind absolut überragend: Mit Michael Caine, Scarlett Johansson und David Bowie sind ebenjene Nebendarsteller großartig besetzt.
Auch diese haben ihre Wirkung nicht verfehlt.

Die musikalische Begleitung war ausschließlich klassisch und hat gepasst, war aber weitestgehend unauffällig.

Das Setting ist grandios ausgewählt. Ende des 19. Jahrhunderts ist für mich immer eine Zeit, wo Magier Hochkonjunktur gehabt haben müssen, weil viele Tricks einfach noch nicht bekannt waren. In gewisser Weise ist diese Zeitpunkt perfekt, um zwei aufstrebende und talentierte Magier gegeneinander wetteifern zu lassen. Kostüme und Kulissen sind stilvoll und passen in ebenjene Zeit. Den Ort der Handlung hätte ich vermutlich nicht auf europäischen Boden sein lassen, sondern eher in Übersee. Grundsätzlich wurde hier gute Arbeit geleistet, das ein oder andere Quäntchen fehlte aber, um wirklich zehn Punkte zu erhalten, daher gibt es neun.

prestige-die-meister-der-magie_dvdMeine Meinung:
Ich finde Christopher-Nolan-Filme meistens extrem gelungen und über jeden Zweifel erhaben. Mit „Prestige“ aus dem Jahr 2006 habe ich erstmals eines seiner Werke gesehen, das mich irgendwie nicht richtig überzeugen konnte. Also ja, der Film ist wirklich gut gemacht, aber es sind zu viele Punkte, die mich nicht gänzlich überzeugen konnten. Wenn alles richtig gut gewesen wäre, hätte es mich überzeugt und zwar von der ersten Sekunde an.

Technisch und darstellerisch ist der Film eine astreine Nummer und wirklich richtig gut gemacht. Inhaltlich ist er sehr interessant, aber die nervenaufreibende Spannung fehlt.

Daraus ergeben sich leider einige Punktabzüge.

Meine Wertung:
Spannung: 6,0 von 10
Story: 7,5 von 10
Länge: 6,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Musik: 6,0 von 10
Setting: 9,0 von 10
GESAMT: 7,2