Archiv der Kategorie: Thriller

Cops – Die Eliteeinheit

© „Cops – Die Eliteeinheit“ (Meteor Film GmbH)

Titel: Cops – Die Eliteeinheit (original „Cops“)
Genre: Drama / Thriller
Regie: Stefan A. Lukacs
Musik: Wolfgang Frisch / Markus Kienzl
Produzenten: Arash T. Riahi / Karin C. Berger
Dauer: ca. 100 Minuten
Erscheinungsjahr: 2020
Altersfreigabe: FSK noch nicht bekannt

„Christoph ist Rekrut der Polizeispezialeinheit WEGA – ein Alltag zwischen Testosteron, Revierkämpfen und Gruppendruck. Als er während der Ausbildung einen aggressiven Mann niederschießt, wird er von seinen Kollegen als Held gefeiert. Doch Christoph hat Zweifel und löst damit eine Spirale der Gewalt aus, die sein Bild von der makellosen Eliteeinheit ins Wanken bringt…“
(Kurzinhalt laut Presseheft)

Ich habe die Möglichkeit bekommen, „Cops – Die Eliteeinheit“ zum Video-on-Demand-Release anschauen zu dürfen. Das lasse ich mir ja nicht zweimal sagen und habe gespannt den Film angeschaut. Wie ich ihn empfunden habe, erfahrt ihr hier.

Die Handlung dreht sich um Christoph, der bei einer Polizei-Spezialeinheit in der Ausbildung ist. Bei seinem ersten Einsatz schießt er einen aggressiven Mann nieder und muss von nun an alleine damit klarkommen. Wie der Rückentext gut beschreibt, befindet sich Christoph zwischen dem testosterongeladenen Druck der Truppe und seinen Selbstzweifeln. Der Film geht auch noch einen Schritt weiter, denn er zeigt viele Mängel einer Gesellschaft auf, in der es truppenähnliche Konstrukte, wie Polizei oder Bundeswehr, gibt, das über das normale Verhältnis von Arbeitskollegen hinausgeht.

© „Cops – Die Eliteeinheit“ (Meteor Film GmbH)

Die Spannung erzeugte der Film in ausreichender Menge aus seiner Handlung heraus. Dadurch wusste „Cops“ sehr zu überzeugen und hat es geschafft, dass ich nahezu die komplette Zeit gespannt bei der Geschichte war. Elementar für die Spannung war die Atmosphäre, die der Streifen dabei erzeugte. Es war ein stetiges Auf und Ab, wodurch der Zuschauer noch mehr und tiefer in die Geschichte gezogen wurde. Außerdem verlangt sie viel ab, vor allem Energie und Nerven, da man sich automatisch selbst fragt, wie man in Christophs Situation agieren würde, zwischen dem Gefühl der Zugehörigkeit und der Ohnmacht der eigenen Psyche.

Die Figuren agierten stets plausibel und haben es geschafft, Emotionen zu transportieren. In gewisser Weise konnte ich Christophs Beweggründe verstehen, ohne dass er wörtlich sagen musste, warum er wie gehandelt hat. Die Art des Schauspiels, das Spiel mit Mimik und Gestik, aber auch die Kameraarbeit haben da einen sehr guten Job gemacht. Besonders hervorgehoben wurde in dem Punkt der Authentizität und der Emotionen die Beziehung zwischen Christoph und seinem Ausbilder, der maßgeblich daran beteiligt war, als Christoph in seinem ersten Einsatz den Mann niedergeschossen hat.

Etwas störend empfand ich jedoch die Sprache. Da der Film aus Österreich stammt, wurde mit dem landestypischen Dialekt gesprochen und ich muss gestehen, dass mir englische Untertitel noch nie so sehr geholfen haben, wie bei diesem Film. All denjenigen, bei denen das ein Ausschlusskriterium sein sollte, kann ich nur sagen: Gebt dem Film eine Chance. Nach zehn Minuten groovt man sich ein und ab dann gibt es nur wenige Stellen, die man als Hochdeutschsprechender nicht versteht. Besonders faszinierend fand ich, dass die dialektische Ausdrucksweise – an manchen Stellen – deutlich härter und teilweise aggressiver klingt als das Standarddeutsch.

Zum übrigen Setting und der Musik lässt sich sagen, dass mit Wien ein guter Handlungsort ausgewählt wurde. Wir bewegen uns unspezifisch durch die Stadt und begleiten Christoph und seine Truppe, lernen aber auch ein paar Nebenfiguren kennen, wie z. B. seinen Vater, seine Freundin, seinen Ausbilder und einige andere Kollegen. Alle Aufnahmen waren diesbezüglich stimmig. Die Filmmusik rundete die ganze Handlung ab. Aufgedrehte Techno-Beats wechselten sich mit stimmungsvollen und feinfühligen Klängen ab. Sowohl die eine als auch die andere Melodie hat ihres zur gelungenen Atmosphäre beigetragen.

© „Cops – Die Eliteeinheit“ (Meteor Film GmbH)

„Cops – Die Eliteeinheit“ erscheint ab 29.05.2020 als Video on Demand (unter anderem bei iTunes, Maxdome, Amazon Digital, Sony Playstation und ab dem 05.06.2020 ziehen Vodafone, Google und Microsoft nach).

Meine Meinung:
Wer hätte es gedacht, dass „Cops – Die Eliteeinheit“ (warum gibt es in Deutschland mal wieder einen Untertitel?) mir so gut gefallen würde? Dieser Film ist besser als ich erwartet hatte. Mit einer glaubwürdigen Geschichte präsentiert sich der österreichische Film, der keine Geschichte von Helden, sondern Antihelden erzählt und mich damit komplett überrascht hat.

Und wer hier einen typisch-deutschen Polizeifilm erwartet, wird vermutlich noch deutlich mehr überrascht sein, als ich es war.
Mir bleibt fast nichts anderes übrig, als diesen Streifen zu empfehlen.
Punktabzug gibt es nur aufgrund einiger weniger Makel.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Story: 9,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,3

Zwei Kurze, bitte! #4

In der heutigen Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“ dreht sich alles um Protagonisten in komischen Anzügen. Mit von der Partie sind „Max Steel“, eine Low-Budget-Adaption einer Animationsserie mit Andy Garcia in einer Nebenrolle und „The Call Up“, einem Science-Fiction-Thriller.

Titel: Max Steel (2016)
Regie: Stewart Hendler
Genre: Science-Fiction

In „Max Steel“ aus dem Jahr 2016 dreht sich alles um den Schüler Max, der auf einmal anfängt, besondere Kräfte zu produzieren. Er kann sie allerdings nicht kontrollieren und da kommt das Alien Steel ins Spiel, der mit Max eine Symbiose eingehen kann, um die Energie kontrollierbar zu machen. Natürlich gibt es auch Mächte, die es auf Max und Steel abgesehen haben und dann ist da auch noch die mysteriöse Geschichte um Max’ Vater.
Dass Stewart Hendler eigentlich aus dem Horror-Genre kommt, spürt der Zuschauer auch bei diesem Film. Besonders zu Beginn wird mit der Atmosphäre so gut gespielt, dass teilweise eine sehr bedrückende Stimmung erzeugt wird, die sich nach ca. 15 bis 20 Minuten komplett aufgelöst hat. Ab da nimmt das Unheil im Prinzip seinen Lauf und die vorhersehbare Geschichte wird eigentlich nur von der unglaubwürdigen und schlechten darstellerischen Leistung übertrumpft. In einer Zeit, in der es gut konzipierte Comic-Multiversen gibt, braucht man diesen „Superhelden“ allerdings nicht. Lasst lieber die Finger weg.

Titel: The Call Up (2016)
Regie: Charles Barker
Genre: Science-Fiction / Thriller

In diesem Science-Fiction-Thriller werden acht erfolgreiche Gamer zu einem Betatest einer hochmodernen Virtual-Reality-Simulation nebst Kampfanzug und allem Schnickschnack eingeladen. Die Spieler sollen virtuelle Terroristen töten, Anreiz ist dabei sogar ein Preisgeld für den besten Spieler. Jedoch gibt die Ausrüstung reales Feedback und so wird aus einem Computerspiel plötzlich ein Spiel auf Leben und Tod.
Um es kurz zu fassen: Dieser Film hat Nichts! Die Schauspieler sind schlecht, die Synchronisation ist miserabel, die Effekte nicht vorhanden. Emotionen und Echtheit sind absolut nicht gegeben und die Story findet man in „Gamer“ oder dem Anime „Sword Art Online“ um ein Vielfaches besser präsentiert. Auch hier lieber die Finger von diesem Film lassen, er ist nicht nur Zeit, sondern auch Geldverschwendung.

Sicario

Titel: Sicario
Genre: Krimi-Thriller
Regie: Denis Villeneuve
Musik: Jóhann Jóhannson
Produzenten: Basil Iwanyk / Thad Luckinbill / Trent Luckinbill / Edward McDonnell / Molly Smith
Dauer: ca. 117 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 16

„Die idealistische FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) findet das grausige Geheimversteck eines Drogenkartells und meldet sich freiwillig für den Einsatz in einer internationalen Task-Force, um Jagd auf die Drahtzieher zu machen. Dort trifft sie auf den ebenso skrupellosen wie kampferprobten Söldner Alejandro (Benicio del Toro), und schon bald werden Kates moralische Überzeugungen einer harten Prüfung unterzogen, als die Grenzen zwischen Gut und Böse zusehends verschwimmen…“
(Rückentext der DVD)

Heute geht es um den viel gelobten Film „Sicario“. Ob er bei mir genauso gut angekommen ist, wie in den Medien oder bei anderen Kritikern, erfahrt ihr in meiner Review.

Ich empfand den Streifen als einen sehr atmosphärischen und stringent erzählten Thriller, der seine guten Momente hat, aber narrativ eher weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Vor allem die beiden männlichen Rollen, die von Josh Brolin und Benicio del Toro gespielt werden, überzeugen durch ihre Darstellungen. Sie spielen beide keine aalglatten Figuren, sondern Charaktere mit vielen Fehlern und Ansichten, die nicht unbedingt als tugendhaft bezeichnet werden können. Sie haben mir deshalb so gut gefallen, weil sie einfach brutal sind. Zwei richtige Kerle eben.
Meine Meinung zu der Leistung von Emily Blunt änderte sich mit ein paar Tagen Abstand teilweise. Zunächst empfand ich sie eher negativ. Ich dachte, dass man auf ihre Rolle hätte gänzlich verzichten können, doch inzwischen sehe ich das etwas anders. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die komplette Geschichte aber auch ohne die Figur Kate Macer funktioniert hätte. Was mein Umdenken letzten Endes ausgelöst hat, war ein Vergleichen der beiden Handlungsstränge von „Sicario“ und „Sicario 2“. Ich habe dabei festgestellt, dass Emily Blunts Figur als ein moralischer Fixpunkt dienen kann.

Erzählerisch macht „Sicario“ für mein Gefühl aber viel zu viele kleine Schritte. Irgendwie sitzt man ständig im Auto und fährt von A nach B, ohne dass das jetzt besonders wertvoll für die Handlung wäre. Ich finde es schwierig, solche Szenen zu inszenieren, wenn sie handlungstechnisch wenig bis keine Bedeutung haben. Schlussendlich wurden solche Momente auch immer dafür verwendet, eine Actionsequenz einzubauen oder anderweitig Spannung in Form von Action aufzubauen und darzustellen.

Die Geschichte selbst dreht sich um eine Einsatztruppe, welche aktiv gegen ein Drogenkartell vorgeht. Emily Blunts Figur Kate Macer verfolgt mit ihrer freiwilligen Teilnahme an dieser Einsatztruppe rechtschaffene Ziele. So eindeutig sind die Ambitionen der anderen Charaktere jedoch nicht. Und genau damit habe ich meine Probleme. Es gibt ganz konkrete Szenen, in denen es nicht um Rechtschaffenheit geht, sondern einfach nur darum, ein persönliches Ziel eines Akteurs zu erreichen. Das ist ja auch vollkommen okay, jedoch bekommt der Film an sich, durch die Art der Erzählung und wie viel Raum dieser Strang in der Handlung erhält, einen bitteren Beigeschmack. Anfänglich suggerierte der Streifen, dass es sich thematisch um das Bekämpfen eines Drogenkartells und die persönlichen Erfahrungen der Figur Kate Macer dreht. Schlussendlich ging es aber um einen persönlichen Rachefeldzug, der nur als Sekundärziel die Bekämpfung des Drogenmarktes hat.

Dennoch profitiert „Sicario“ von seiner starken schauspielerischen Leistung. Emily Blunts Figur ist zwar überflüssig, aber hervorragend dargestellt. Auch die beiden männlichen Hauptrollen fallen durch ihre kernige und kantige Art auf. Die Nebenrollen sind nicht mit minderer Qualität besetzt und freudig wurde ich überrascht, als ich einen meiner Lieblingsseriendarsteller wiedersah: Jeffrey Donovan (Burn Notice).

Ich habe mich mit dem einen oder anderen über „Sicario“ unterhalten und alle fanden den Score überragend und intensiv. Ich glaube, da bin ich dann wohl die Ausnahme, die ihn als überragend nervig empfunden hat. Ständig lief die immergleiche Melodie mit wenig Variabilität. „Sicario“ versucht mithilfe der Musik die Spannung auf den Punkt zu bringen. Am Anfang fand ich das auch noch schön, aber nach 117 Minuten war ich froh, dass es endlich vorbei war.

Erzählerische Limitiertheit wird unterstützt durch gut inszenierte Schießereien, die keineswegs Überhand genommen haben. Durch die Handlung an sich hat der Film zwar sehr großes Potential, um Spannung aus sich selbst heraus zu produzieren, kann aber eben nicht ohne solche Szenen arbeiten.

Schlussendlich empfinde ich den Streifen zwar gut, aber auch deutlich zu lang. Alle Szenen, in denen man viel zu viel in stumme Gesichter schaut, in denen man in einem Auto sitzt und einfach nur hin- und herfährt, sind schon deutlich überflüssig.

Mir ist das Setting positiv aufgefallen. Es gibt viele unterschiedliche Lichtverhältnisse. Im einen Moment ist es noch hell und sonnenlichtdurchflutet und dann befindet man sich auf einmal in einem dunklen Kämmerlein. In der nächsten Szene dominiert dann sehr stark künstliches Licht. Es sind dieser Wechsel und die starken Kulissen, die immer wieder etwas von Wüste und Großstadtdschungel haben, die maßgeblich am visuellen Eindruck beteiligt sind.

Meine Meinung:
Ich bin ein Freund davon, wenn man sich eine Reihe anschaut, mit dem ersten Teil zu beginnen. Ich habe auch Probleme damit, Serien anzufangen und sie dann nicht zu beenden, egal wie schlecht sie sind. Zurück zum Thema: „Sicario“ ist sehr atmosphärisch und überzeugt mich mit Josh Brolin und Benicio del Toro. Ich frage mich sogar inzwischen, warum ich noch nicht mehr Filme mit den beiden gesehen habe.

Es gab aber etwas, das mir in der Gesamtheit noch fehlte:
Ich hätte mir mehr von den „dreckigen“ Momenten gewünscht. Zwar hat „Sicario“ im Unterton, meiner Meinung nach, eine gewisse Kritik geäußert und auch Themen, die sich mit moralisch verwerflichen Dingen befassen, angesprochen, jedoch fehlt mir die letzte Konsequenz. Sozusagen die Steigerung oder letzte Grenzüberschreitung von Recht und Unrecht.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Action: 7,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 5,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Musik: 6,5 von 10
Setting: 8,5 von 10
GESAMT: 7,6

septem*B*er-Challenge 2.0: The Big Short

Titel: The Big Short
Genre: Drama / Finanzthriller / Romanverfilmung
Regie: Adam McKay
Musik: Nicholas Britell
Produzenten: Dede Gardner / Jeremy Kleiner / Arnon Milchan / Brad Pitt
Dauer: ca. 125 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 6

„Vier Außenseiter riskieren alles, um den amerikanischen Banken, die für den größten Betrug der US-Finanzgeschichte verantwortlich sind, eins auszuwischen. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis, Autor der Kinoerfolge ‚The Blind Side’ und ‚Moneyball’, ist diese Geschichte so unglaublich wie wahr. Als brillant und explosiv von der Presse hochgelobt, überzeugt der packende Finanzthriller auch mit einem hochkarätigen Cast: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling und Brad Pitt in Bestform machen ‚The Big Short’ zu einem der eindrucksvollsten und unterhaltsamsten Film-Highlights des Jahres.“
(Rückentext der DVD)

Der September mit seiner Challenge 2.0 dreht endlich auf. Ich frage mich ja, warum ich solche Perlen bloß immer so spät aus meinem DVD-Regal ziehe?

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine Offenbarung erlebt habt? So etwas hatte ich bisher zwei- oder dreimal und auch dieses Mal war es wieder soweit. „The Big Short“ hat mich also aus den Socken gehauen.

Die Handlung dreht sich um die Finanzkrise 2007/2008, die darin endete, dass unter anderem die Immobilienblase in den USA geplatzt ist und die Investment Bank Lehman Brothers insolvent ging. Die ganze Geschichte fing aber schon ca. 3 Jahre vorher an. Nämlich dann, als jemand die Hypotheken genauer unter die Lupe genommen hat und aufgrund der Zusammenstellung der Fonds festgestellt hat, dass das ganze System auf Mist aufgebaut ist.

Bevor ich zu sehr spoilere, muss ich an dieser Stelle den Streifen empfehlen, denn er zeigt auf eine erschreckende Art und Weise, wie viel vor rund 10 Jahren falschgelaufen ist. Thematisch scheint „The Big Short“ recht trocken zu sein, allerdings hilft der Film auch dabei, Zusammenhänge zu erklären und zu verdeutlichen. Die Handlung ist aber auch ausschlaggebend dafür, dass dieser Film eine Offenbarung ist. Ich habe inhaltlich und an der Darstellung der Figuren nichts auszusetzen, denn all das, wie es gezeigt wird, ist für mich von vorne bis hinten authentisch. Dabei war es mir vollkommen egal, wie verschroben die Charaktere auch sein mögen, denn genau so etwas kann es im echten Leben geben. Die einen sind cholerisch und die anderen paranoid.

Die Spannung ergab sich für mich aus der Handlung. Anfangs wurde ich noch nicht ganz abgeholt, aber nach ca. 10 bis 15 Minuten war ich in der Thematik drin. Es bedarf auch keinerlei ausufernder Gefühle oder Zuschaustellung von Schicksalen, denn das Ende ist allen bewusst: acht Millionen US-Bürger verloren ihren Job, sechs Millionen ihr Haus.

Es muss gesagt werden, dass „The Big Short“ mit einem erstaunlich guten Cast daherkommt und damit auch vollkommen richtig liegt. Brad Pitt, Ryan Gosling, Christian Bale und Steve Carell überzeugen mit all ihren Stärken und gleichzeitig sieht man sie nicht in für sie typischen Rollen.

Im Unterton ist „The Big Short“ ein extrem sarkastischer Film, der immer wieder mit dem Zeigefinger auf alle Verfehlungen deutet, die da damals passiert sind. Der Streifen ist bei dem Sarkasmus aber nicht so richtig zum Lachen, er will ja auch bei weitem keine Komödie sein. Viel mehr resigniert er von Beginn an und lässt dem Unheil seinen Lauf. Bei einer wahren Begebenheit fällt es allerdings auch schwer, etwas an der Handlung zu ändern.

Das Setting bietet zur Handlung ein richtiges Kontrastprogramm, denn man bekommt zumeist helle Bilder, eine angenehme musikalische Untermalung und Kostüme bzw. Outfits, die auch in den Finanzsektor passen. Die Kulissen wirken stilecht und ich kann mir gut vorstellen, dass in Gebäuden gedreht wurde, welche tatsächlich Schauplatz der „Katastrophe“ gewesen sind.

Meine Meinung:
Was lässt sich also letzten Endes zu „The Big Short“ sagen?
Dieser Film ist ein durchaus trockener, aber auf seine Weise sarkastischer Film. Das Publikum sollte schon Interesse am Finanzsektor und an Politik haben, ansonsten kann es auch zu einer zähen Nummer werden. Für mich war dieser Film allerdings eine Offenbarung und das aus mehreren Gründen: Der Cast ist einfach gut, die Thematik stimmte für mich und die Form der Erzählung hat mich zwar erst nach einer viertel Stunde abgeholt, aber dann richtig.

Aus meiner subjektiven Sicht bekommt der Film daher auch eine entsprechende Punktzahl. Da der Streifen aber überwiegend emotionslos bleibt und eher Verfehlungen aufzeigt, als darauf ausgelegt ist, Gefühle zu zeigen, muss ich ihn an entsprechender Stelle deutlich abstrafen.

Meine Wertung:
Story: 10 von 10
Spannung: 9,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 3,0 von 10
Authentizität: 9,0 von 10
Setting: 9,0 von 10
GESAMT: 8,1

s*E*ptember-Challenge 2.0: The Equalizer

Titel: The Equalizer
Genre: Action / Thriller
Regie: Antoine Fuqua
Musik: Harry Gregson-Williams
Produzenten: Alex Siskin / Denzel Washington / Jason Blumenthal / Mace Neufeld / Michael Sloan / Richard Wenk / Steve Tisch / Todd Black / Tony Eldrige
Dauer: ca. 127 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 16

„McCall (Denzel Washington) hat seine mysteriöse Vergangenheit hinter sich gelassen und lebt nun ein ruhiges Leben. Doch als er Teri (Chloë Grace Moretz) trifft, ein Mädchen in den Klauen eines gewalttätigen russischen Gangsters, kann er nicht tatenlos zusehen. McCalls Wunsch nach Gerechtigkeit ist zu stark. So beendet er seine selbst auferlegte Rente und übt mit seinen geheimen Fähigkeiten Rache für die Opfer von Gewalttaten. Wer ein Problem hat, gegen wen sich das Schicksal verschworen hat, wer Hilfe von niemanden erwarten kann – McCall ist zur Stelle. Er ist der Equalizer.“
(Rückentext der DVD)

Der zweite Film meiner S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge 2.0 ist „The Equalizer“. Dieses Mal war meine Schwester ganz spontan zu einem Film vorbei gekommen und da habe ich ihr gleich mal diesen Film vorgeschlagen. Da ich ihn ebenfalls noch nicht kannte, waren wir beide gespannt, was auf uns zukommen wird.

Antoine Fuqua hat mich ein ums andere Mal mit seinen Filmen überrascht und beeindruckt, aber gleichzeitig ist er eben auch der Regisseur von „Training Day“. Manchmal passt das nicht zusammen. Ich hoffte also auf einen Film, der mehr so in Richtung „Southpaw“ geht: actionreich und unterhaltsam.

Die Geschichte von „The Equalizer“ ist schlicht: Es dreht sich um einen Ex-Spezialisten, der auf Gerechtigkeitstour geht und dabei so Allerlei Ungerechtigkeit begegnet. Sein Ziel dabei ist, diese Ungerechtigkeit zu „besiegen“. Die Nebenstränge der Handlung münden allesamt früher oder später in der Haupthandlung.

Die Figuren sind auf den ersten Blick vielschichtig, doch bei näherer Betrachtung erweisen sie sich als nicht sonderlich tiefgreifend. Obwohl sich der erste Eindruck sehr hartnäckig über einen langen Zeitraum hält, lösen sich die wenigen Facetten in ihre Bestandteile auf. Am schwierigsten empfinde ich persönlich allerdings, dass die Figuren nur pseudomäßig eingeführt werden und bis zum Ende nicht richtig glaubwürdig werden. Es wird nie klar, was McCall durchgemacht hat, bzw. was er vorher beruflich gemacht hat. Grundsätzlichen stellt sich natürlich die Frage, woher er seine Fähigkeiten überhaupt hat. Im Laufe des Films gibt es eine Verbindung zu einer ranghohen Person, scheinbar gehört sie zur CIA, aber der genaue Zusammenhang zwischen den beiden wird nicht klar. Auch die Menschen, die McCall näherstehen, wissen nichts von seinen Fähigkeiten oder seiner Vergangenheit. Das scheint mir alles sehr undurchsichtig und äußerst konstruiert. Die Erzählweise und die Darstellung der Figur McCall sind für die Geschichte und die Spannung nicht zuträglich, denn der komplette Film wirkt wie ein lieblos arrangiertes Werk. Am Ende wirken die wenigen Actionsequenzen wie ein kurzes Aufflackern von Potential, das durch die mangelnde Einführung der Charaktere allerdings wieder verdunkelt wird.

Wie bereits erwähnt, mangelt es an der Spannung. Mehr noch sind viele Teile des Streifens nichtssagend und richtig langweilig. Natürlich ist diese Empfindung, wie alle anderen auch, subjektiv. Zu allem Überfluss fehlt es dem Streifen auch an Tempo, denn gefühlt kommt „The Equalizer“ nicht aus dem Knick und verpasst es, mit gut gesetzten Schnitten das Potential gänzlich auszuschöpfen.

Die Kulissen sind durchaus gut gewählt und zweckdienlich. Die Grundstimmung ist eher düster, allerdings wenig atmosphärisch. Der Funke springt auch in diesem Punkt nicht über. Die musikalische Untermalung ist auch keineswegs unterstützend, eher noch unpassend und damit ebenfalls kontraproduktiv.

Meine Meinung:
Tatsächlich hatte ich hohe Erwartungen an „The Equalizer“ und wurde schlussendlich bitter enttäuscht. Nach dem Schauen stellte sich eine Art Ernüchterung ein, die mich dazu bringt, diesen Film direkt neben „Training Day“ zu stellen: in die unterste Schublade.

Es fehlten einfach so viele Details. Die Charakterzeichnung war nicht ausreichend und überaus oberflächlich. Die Handlung hatte Potential, sie wurde aber eher abgewatscht und ohne Fantasie umgesetzt.

Meine Wertung:
Spannung: 4,0 von 10
Story: 5,0 von 10
Länge: 3,0 von 10
Action: 6 von 10
Gefühl/Emotionen: 3,0 von 10
Authentizität: 4,0 von 10
Setting: 4,0 von 10
GESAMT: 4,1

What happened to Monday?

Titel: What Happened to Monday? (engl.: „What Happened to Monday“)
Genre: Science-Fiction / Action-Thriller
Regie: Tommy Wirkola
Musik: Christian Wibe
Produzenten: Raffaella De Laurentis / Fabrice Gianfermi / Philippe Rousselet
Dauer: ca. 120 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 16

„In naher Zukunft zwingen Überbevölkerung und Hunger die globale Regierung zu einer drastischen Ein-Kind-Politik. Daher treiben die sieben Settman-Schwestern (Noomi Rapace) seit ihrer Geburt ein gefährliches Versteckspiel mit dem Kinder-Zuteilungsbüro: Jede von ihnen darf nur an einem Tag der Woche in die Öffentlichkeit – um die gemeinsame Identität der Karen Settman zu verkörpern. Für die anderen sechs wird ihr Zuhause zum Gefängnis. Der Plan funktioniert und stellt das Überleben der jungen Frauen sicher. Bis eine der Schwestern eines Tages nicht nach Hause kommt…“
(Rückentext der DVD)

Eine siebenfache Hauptrolle für Noomi Rapace, die die sieben Schwestern verkörpert. Ein Thriller, der in der Zukunft spielt und dessen Thematik gar nicht so abwegig scheint. Wie ich „What Happened to Monday?“ bewerte, erfahrt ihr nun in meiner Kritik.

Als die sieben Schwestern geboren wurden, entschied der Opa (Willem Dafoe), sie allesamt aufzuziehen, obwohl er eigentlich sechs abgeben müsste. Bis ins Erwachsenenalter leben die sieben Schwestern, die nach den sieben Wochentagen benannt wurden, an denen sie das Haus verlassen dürfen, zusammen. Nach außen spielen sie die Karen Settman, obwohl jede Einzelne ihre ganz spezielle Persönlichkeit hat. Eines Tages kehrt Monday nicht wieder zurück und bringt damit alle anderen in Gefahr.

Die Erzählweise von „What Happened to Monday?“ lässt sich in zwei Ebenen aufteilen. Ebene eins behandelt den chronologischen Handlungsverlauf der erwachsenen Schwestern. Dabei ist man nur am Anfang bei Monday und im Verlauf der Geschichte immer bei einer der anderen Schwestern. Der Zuschauer fungiert hier nur als Beobachter, der eben nicht immer durch jede Tür gehen kann. Die zweite Ebene ist ganz klar die Vergangenheit. In Rückblenden, die sich aber nicht so anfühlen, als ob es welche sind, erfährt der Zuschauer Detailwissen, das gewisse Umstände und Eigenschaften der erwachsenen Schwestern erklärt. Die Erzählweise passt insofern ganz gut, weil sie gerade so viel wie nötig von der Handlung zeigt, damit das Publikum nicht komplett ahnungslos ist und man im Schauen Interpretationen anstellen kann. Der aufmerksame Zuschauer wird aber mit Leichtigkeit gewisse Handlungsstränge vorausahnen. Die Symbolik ist da, besonders in der ersten Hälfte des Films, eindeutig und lässt keinen anderen Schluss zu.

Besonders was die Spannung betrifft, ist die Art der Erzählung sehr zuträglich, da das Publikum, wie bereits erwähnt, nicht überall mit hingenommen wird. Dadurch fehlen an der einen oder anderen Stelle Informationen, die die Geschichte sonst schon sehr früh auflösen würden.
Aber auch sonst schafft es der Streifen, echte Spannung aufzubauen. Nicht nur durch die klug eingestreuten dramatischen Szenen, sondern auch durch Actionsequenzen. Die ganze Zeit bewegt sich „What Happened to Monday?“ zwischen Action-Thriller und Drama und nutzt dabei überwiegend die Vorteile aller Genres. Über die deutlichen und mehrfach auftretenden Logikfehler kann ich dennoch nicht hinwegsehen. Sie trübten das Seh-Erlebnis immer wieder und ließen die Spannung abflachen.

Die Authentizität passte nahezu immer. Noomi Rapace mimt gleich alle sieben Schwestern und verleiht durch Aussehen, Mimik und Gestik jeder einzelnen einen einzigartigen Charakter. Die Bandbreite reicht dabei vom sehr sportlichen und sportbegeisterten Typ, die ihren durchtrainierten Körper zu Schau stellt, bis zur Analytikerin, die sich besonders gut mit Mathematik, Zahlen und der neusten Software auskennt. Auch alles, was dazwischen liegt, passt sehr gut in den Film und trägt zur Charaktertiefe bei.

Die Actionsequenzen sind sehr vielfältig. Es gab eine gelungene Mischung aus Explosionen, Schießereien und Nahkämpfen. Die Kampfszenen wirkten dabei sehr durchchoreografiert. Schießereien und Explosionen hatten immer einen sehr bearbeiteten Look, der aber zur dystopisch angehauchten Grundstimmung des Films passte. Insbesondere nach Explosionen konnte man Logikfehler entdecken.

Die Leistung, die Noomi Rapace bei der Darstellung abruft, ist immens und mit keiner anderen gleichzusetzen. Sieben unterschiedliche Figuren mit den unterschiedlichsten Eigenschaften und Motivationen glaubwürdig zu spielen, ist mit Sicherheit keine einfache Aufgabe, die sie mit Bravour gemeistert hat. Auch ihre Kollegen wie Glenn Close und Willem Dafoe machen ihre Arbeit mehr als gut. Vor allem Glenn Close zeigt dabei einmal mehr, was in ihr steckt. Ihr facettenreiches Spiel reiht sich daher nahtlos in die sehr gute Leistung Rapaces ein. Willem Dafoe spielt vollkommen solide und unaufgeregt seine Rolle des Opas, den man in den Rückblenden zu sehen bekommt.

Was die Emotionen betrifft, bin ich jedoch sehr zwiegespalten. Ich kann nicht genau sagen, ob es an der deutschen Synchronisation oder der darstellerischen Leistung liegt, aber manche offensichtliche Emotionen, wie Weinen, ein Wutausbruch oder Flehen wirken sehr künstlich. Die Gefühle werden in den ruhigen Charakterszenen über die Mimik und die Gestik besser transportiert, als wenn sie zur Schau gestellt werden.

Die Länge ist mit 120 Minuten perfekt. Die Geschichte ist auserzählt und es bleiben keine Fragen offen. Das Tempo ist auch sehr gut, da keine Längen aufkommen. Es gibt an der Laufzeit wirklich nichts zu meckern.

Die musikalische Unterstützung ist spannungsfördernd und passend dazu eingesetzt. Es gab keine Besonderheiten oder Auffälligkeiten. Die gespielten Melodien sind überwiegend klassischer Natur gewesen und haben so gut wie nie den Weg in den Vordergrund gefunden.

Das Setting ist durch die Bank von einem dystopischen Grundton. Kaum bis keine prächtigen Farben, alles ist eher grau gehalten. Das öffentliche Leben wird durch Straßensperren, Schleusen und Sektoren kontrolliert. Allgemein ist Kontrolle ein ganz wichtiger Aspekt der Inszenierung. In den Häusern gibt es nur wenige Fenster und man spricht auch von Sektoren, wenn es um Kriminalität oder Armut geht. Alleine schon das Straßenbild übt einen bedrückenden und strengen Eindruck aus.

Im Rahmen der Filmreise-Challenge habe ich nun Aufgabe #26 „Schaue einen Film, der in einer fernen Zukunft spielt“ beendet. Für weitere Informationen klickt bitte einfach auf das Banner.

Meine Meinung:
Ich finde, dass „What Happened to Monday?“ sehr gelungen ist und kann ihn an dieser Stelle nur empfehlen. Dass ich einige Wendungen bereits sehr früh wusste, tut der Story keinen Abbruch. Ich konnte dennoch gut und lange unterhalten werden.

Eines der stärksten Argumente für diesen Film ist Noomi Rapace, die sich aufopfert und überzeugend diese schwere Rolle mit den unterschiedlichsten Facetten und Emotionen spielt. Mir hat es sehr gut gefallen, was sie da gezeigt hat.

Es wird Leute geben, die „What Happened to Monday?“ zu actionlastig finden. Denen kann ich nur sagen, dass es ein Stilmittel ist, welches die Brisanz der Thematik auf eine besondere Art und Weise unterstreicht. Wenn man sich auf diesen Streifen einlässt, bekommt man ein dystopisches Zukunftsszenario, das mit all seinen Überraschungen zum Nachdenken anregt.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 7,5 von 10
Action: 8,0 von 10
Länge: 10 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,5 von 10
GESAMT: 8,1

Das Morgan Projekt

Titel: Das Morgan Projekt (engl. „Morgan“)
Genre: Action / Thriller / Science-Fiction
Regie: Luke Scott
Musik: Max Richter
Produzenten: Mark Huffam / Michael Schaefer / Ridley Scott
Dauer: ca. 88 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„Von dem Oscar®-nominierten Produzenten Ridley Scott und dem Regisseur Luke Scott stammt dieser mitreißende, hochspannende Thriller. Hochkarätig besetzt mit Kate Mara, Paul Giamatti, Toby Jones, Jennifer Jason Leigh und Rose Leslie. In einem abgelegenen, streng geheimen Labor arbeitet eine Gruppe von Wissenschaftlern an einem Experiment, das den Weg für die nächsten Schritte der menschlichen Evolution bereiten soll. Der Gegenstand des Experiments ‚Das Morgan Projekt‘ – ein genmanipulierter ‚Mensch‘ (Anya Taylor-Joy) – löst ein schreckliches Ereignis aus. Die hinzugezogene Krisenmanagerin Lee Weather (Kate Mara) muss nun entscheiden, wie sie die von ‚Morgan‘ ausgehende Gefahr einstuft.“
(Rückentext der DVD)

Ich habe mir dieses Mal den Film „Das Morgan Projekt“ angeschaut. Ich hatte damals den Trailer im Kino gesehen und fand ihn auf Anhieb interessant. Irgendwann habe ich ihn dann auch gekauft und wie ich ihn finde, könnt ihr nun in meiner Kritik lesen.

Die Story dreht sich um ein Forschungsprojekt namens MORGAN, bei dem ein humanoider Organismus genetisch so manipuliert wird, dass dieser sich von anderen Menschen in einer Vielzahl von Merkmalen unterscheidet. Meine persönliche Einschätzung nach Sichtung des Trailers im Kino ging eher in die Richtung des „10-Prozent-Mythos“, aber tatsächlich wird die Gehirnkapazität nicht im Ansatz gewürdigt.
Die Erzählweise ist überaus einfach gehalten. Relativ schnell werden alle Personen vorgestellt und die Handlung wie in einem Schlauch vorangetrieben. Zwar gibt es das eine oder andere Geheimnis, das erst zum Ende hin offenbart wird, aber auf dem Weg dorthin kann es auch schon vorhergesehen werden.

„Das Morgan Projekt“ weiß leider nicht zu überzeugen, denn die Charaktere sind viel zu flach und Beziehungen werden in letzter Konsequenz nur durch Rückblenden angedeutet. Sowie es tiefer geht, wird es leider stark unglaubwürdig. In dem Fall nehme ich den Schauspielern ihre Rolle ganz und gar nicht ab. Ähnlich sieht es mit den gezeigten Emotionen aus. Zwar sieht man mehr als eine pure Andeutung, aber es bleibt eben doch unglaubwürdig, egal wie viele Emotionen gezeigt werden.
Die angesprochenen Punkte sind dabei nicht mal das Schlimmste. Fatal wird es erst, wenn alle Figuren unsympathisch sind und beim Zuschauer keinen Anklang finden. „Das Morgan Projekt“ hat leider genau diese Schwäche und wird die komplette Laufzeit nicht darüber hinwegkommen.
Bei all der Negativität gibt es allerdings auch eine Sache, die irgendwie besser war.

Im Bereich der Action wurde ein überzeugenderes Bild geboten. Zwar war der Film stellenweise total überladen, aber immerhin passierte dann mal was. Technisch bewegt sich der Streifen aber auf einem soliden Niveau, wenn man allerdings ins Detail geht, fängt er an nachzulassen. Das gilt insbesondere für Szenen, in denen die Story vorangetrieben werden soll und man erst den Umweg durch eine Actionsequenz gehen muss, weil eine einfache Verfolgungsjagd nicht reicht, sondern auch immer noch irgendwie rumgeballert werden muss. Manchmal ergeben Schießereien oder Kampfszenen auch einfach keinen Sinn.

Die Musik stand ein, zwei Mal im Spotlight, aber weitestgehend wird ihr keine besondere Aufgabe zuteil. Auch sonst verhält sie sich die meiste Zeit sehr unauffällig. Kurz vor Schluss wird der Regisseur auch noch ganz mutig und lässt sie für einige Sequenzen komplett weg. In dem Fall hat es mir schon sehr gut gefallen, da der Fokus dadurch auf den Ort, ein abgeschottetes Waldstück, gelegt wurde. Das Gefühl der Isolation kam da kurzzeitig besonders gut durch.

Bei all dem Desaster, das dieser Film zu bieten hat, wurde ich in keiner Sekunde gepackt. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass ich mit zu großen oder anderen Erwartungen an den Film gegangen bin. Aus dem Grund fand ich am Ende „Das Morgan Projekt“ auch absolut nicht spannend oder gelungen.

Meine Meinung:
Am Ende bleibt mir nicht viel zu sagen, außer, dass „Das Morgan Projekt“ ein glatter Fehlkauf war. Selbst wenn es sich nicht um den „10-Prozent-Mythos“ dreht, wären mehr Tiefe, mehr Einsatz von Mystery- oder Horrorelementen wünschenswert gewesen. Allerhöchstens bedient dieser Film ansatzweise das Science-Fiction-Genre, aber mit Mystery oder Thriller hat dieser Film letztendlich recht wenig zu tun.

Punkte müssen abgezogen werden, aber eine einfache Entscheidung wird es dennoch nicht. Ich frage mich nur gerade, ob der Film mittelmäßig oder schon schlecht ist.
Das muss jeder für sich entscheiden.

Meine Wertung:
Spannung: 4,0 von 10
Action: 7,0 von 10
Story: 5,0 von 10
Länge: 4,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 3,5 von 10
Musik: 7,0 von 10
GESAMT: 5,1

Das geheime Fenster

Titel: Das geheime Fenster (engl.: „Secret window“)
Genre: Thriller / Romanverfilmung
Regie: David Koepp
Musik: Philip Glass
Produzenten: Gavin Polone
Dauer: ca. 92 Minuten
Erscheinungsjahr: 2004
Altersfreigabe: FSK 16

„Mort Rainey durchlebt gerade eine schwere Zeit. Nachdem er seine Frau Amy in flagranti mit einem anderen erwischt hatte, trennte er sich von ihr und zog hinaus aufs Land in ein einsames Haus. Eines Tages taucht vor seiner Tür ein mysteriöser Mann auf, der sich als John Shooter vorstellt und Mort beschuldigt, eine seiner Geschichten gestohlen zu haben. Obwohl sich Mort sicher ist, dieses Missverständnis schnell aufklären zu können, indem er Shooter einfach die Originalversion seines Scripts zeigt, die bereits zwei Jahre vor der von Shooter erschienen ist, misslingt dieser Versuch: Denn der psychotische Fremde hat ihm ein Zeitlimit gesetzt, und das Original ist nicht mehr auffindbar. Außerdem geschehen plötzlich eine Reihe merkwürdiger Dinge, die Mort daran hindern, noch rechtzeitig an das Gesuchte heranzukommen. Nun versucht er heraufzufinden, wer Shooter tatsächlich ist und ob er für all die eigenartigen Geschehnisse verantwortlich ist.“
(Rückentext der DVD)

Auch wenn der Oktober bei mir unter keinem Motto steht, möchte ich dennoch so viele Filme gucken, wie es mir möglich ist. Den Anfang macht „Das geheime Fenster“ mit Johnny Depp. Eine ältere Rolle, in der er noch nicht dieses Jack-Sparrow-Gehabe aus „Fluch der Karibik“ in jedem Film untergebracht hat.

Vorweg: Die Geschichte basiert auf einer Novelle von Stephen King und nicht nur ich, sondern auch meine Herzdame habe festgestellt, dass man entweder King-Jünger oder Gegner ist. Ich bin wohl ein Gegner. Wieso und warum erfahrt ihr nun in meiner Kritik zu „Das geheime Fenster“.

Die Handlung ist zwar einfach erzählt, versucht aber den Zuschauer dahingehend so zu beeinflussen, dass am Ende alles genau so hingedreht werden kann, dass die Auflösung maximale Spannung erzeugt. Ich für meinen Teil empfand alles ziemlich behäbig und eher langweilig. Es kam eben keine Spannung auf und auch die die Auflösung zum Ende hin ist nicht spannend, sondern allerhöchstens einfallslos und vorhersehbar.
Die Idee hinter der Geschichte ist aber soweit ganz gut. Man hat halt ihr volles Potential nicht ausgeschöpft und daher wird der Zuschauer eher enttäuscht als befriedigt zurückgelassen.
Die Darsteller haben einigermaßen gepasst und haben ihre Sache auch gut gemacht, aber das Script hat leider nicht mehr hergegeben als ein paar eindimensionale Charaktere, die vielleicht gerade mal denjenigen begeistern, der noch nie einen Thriller gesehen hat.

Johnny Depp hat dabei noch am meisten zu tun, da seine Rolle mehr Tiefe verlangt. Bis zum Ende hin macht er seine Sache ziemlich gut und schafft es bis zu einem Punkt, glaubwürdig zu sein. Ab dem großen Wendepunkt verliert die Geschichte nicht nur an Spannung, sondern auch die darstellerische Leistung.
Man kann aber dennoch sagen, dass Depp mit seinen Rollen damals wesentlich breiter aufgestellt war, was heute allerdings nicht mehr der Fall ist.
Die Figuren waren allesamt durchschnittlich glaubwürdig. Es gab keine großen Ausreißer, wenig Szenen, in denen man sagen konnte, dass das Gespielte besonders (un-)glaubwürdig gewesen ist. Auch die Emotionen blieben im Zaun. Auf mich machten die Figuren eher einen genervten bis gleichgültigen Eindruck. Ab dem Wendepunkt ändert sich das allerdings ein kleines bisschen, Spannung konnte aber dennoch nicht aufgebaut werden.

Die musikalische Unterstützung bewegte sich im unteren Mittelmaß. Sie war nicht herausragend gut, aber auch nicht schlecht. Am Ende hat sie aber es dennoch nicht geschafft, eine gewisse Spannung aufzubauen und damit blieb sie hinter ihren Aufgaben und Möglichkeiten.

Mit 92 Minuten war der Film am Ende aber immer noch deutlich zu lang und bietet keine solide oder auch nur ansatzweise gute Unterhaltung. Selbst für den hartgesottenen Johnny-Depp-Fan können diese eineinhalb Stunden sehr, sehr lang werden.

Meine Meinung:
Oh Gott wurde ich gelangweilt. „Das geheime Fenster“ ist schlussendlich ein echter Fehlkauf gewesen, den ich einfach niemandem empfehlen kann.
Für mich ist dieser Streifen eher ein Pseudo-Thriller, der in seiner Konsequenz viel zu viel von sich erwartet.
Durch Horror-Elemente hätte aus einer langweiligen Fahrt mit einem Karussell eine wilde Achterbahnfahrt werden können. Hätte.

Am Ende wurde ich enttäuscht und abgestraft. Die Handlung ist einfach extrem vorhersehbar und bringt letzten Endes kaum bis keinen Spaß, obwohl die Grundidee gar nicht schlecht ist. Die Auflösung ist obendrein auch noch extrem unbefriedigend. Daher hätte ich meine Zeit auch mit etwas Besserem verbringen können.

Meine Wertung:
Spannung: 3,0 von 10
Story: 5,0 von 10
Länge: 3,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 3,0 von 10
Authentizität: 5,5 von 10
Musik: 5,0 von 10
GESAMT: 4,1

Hell or High Water

Titel: Hell or High Water
Genre: Western / Thriller
Regie: David Mackenzie
Musik: Nick Cave / Warren Ellis
Produzenten: Peter Berg / Carla Hacken / Sidney Kimmel / Julie Yorn
Dauer: ca. 98 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 12

„Toby (Chris Pine) und sein knasterfahrener Bruder Tanner (Ben Foster) überfallen mehrere Banken, um die hochverschuldete Familienfarm vor der Pfändung zu retten. Zunächst läuft alles nach Plan, doch dann hängt sich der Texas Ranger Marcus (Oscar®-Preisträger Jeff Bridges) dicht an ihre Fersen. Ein verzweifelter Kampf beginnt, bei dem beide Seiten nicht viel zu verlieren haben…“
(Rückentext der DVD)

Für mich ist „Hell or High Water“ ein ganz neuer Film, habe ich ihn doch erst im letzten Monat gekauft. Heute habe ich mich um den Film gekümmert und was er drauf hat, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Vorweg: Falls ihr den Trailer kennt und den schon gut fandet, dann schaut euch unbedingt den Film an, denn der ist noch viel besser. Von der ersten bis zur letzten Minute hatte ich das Gefühl, dass ich mir eine Mischung aus Western und Heist-Movie anschaue, bloß ohne Cowboys, Indianer, Pferde und Planungen zum Überfall. Aber dennoch weiß „Hell or High Water“ mit seinen wertigen Effekten, westernartigen Bildern und seinen Figuren zu überzeugen. Dazu später mehr.

Ich sehe in der Grundthematik aber noch mehr, als bloß das Überfallen von Banken, um die Familienfarm zu retten. Insbesondere Toby (Chris Pine) hat mit sich zu kämpfen, denn er ist der intelligentere, ehrlichere, rechtschaffenere Bruder. Er begibt sich mit den Raubüberfällen mehr in Gefahr als sein polizeibekannter Bruder. Toby hat zwei Söhne und ist geschieden, doch das einzige, was er will, ist seinen Söhnen ein besseres Leben zu ermöglichen als er es hatte.
Im Film wird diese Thematik in einigen prägnanten Szenen sehr schön herausgearbeitet und lässt die Figur noch viel authentischer wirken.
Die Emotionen scheinen bei diesem Western eher zurückgenommen, dabei erleben wir hier ein Paradebeispiel von nicht offen zur Schau gestellten Gefühlen.
Das vorherrschende Gefühl ist Liebe. Liebe zweier Brüder, die Verständnis füreinander haben, die sich gegenseitig helfen und die nun zusammen Banken ausrauben, um sich nicht einfach zu bereichern, sondern den Familienbesitz zu sichern. Die Motive und die Emotionen werden dem Zuschauer innerhalb von nur wenigen Minuten klargemacht und daran ändert sich die restliche Laufzeit über nichts.

An dieser Stelle muss ich die Vorhersehbarkeit der Handlung kritisieren. Wenn man schon einige Filme gesehen hat, dann kann man den Verlauf schon ziemlich genau erahnen. Allerdings muss ich auch sagen, dass es bei diesem Streifen, bei weitem nicht so schlimm ist wie bei anderen.

Aus folgenden Gründen kann ich „Hell or High Water“ seine Makel sehr gut verzeihen:
An erster Stelle stehen die Figuren. Chris Pine und Ben Foster spielen die zwei Brüder. Sie unterscheiden sich grundsätzlich von einander, haben aber doch das gleiche Ziel vor Augen. Mit Jeff Bridges hat man einen grandiosen Darsteller verpflichten können, der in dieses Genre so gut passt wie kaum ein anderer (außer vielleicht Clint Eastwood). Die Figuren sind allesamt sehr bodenständig, glaubwürdig und rau, in diesem Fall gefällt es mir sehr, sehr gut.
An zweiter Stelle steht die Kameraarbeit. Die ganze Zeit über hat mich diese Kameraarbeit fasziniert. Ich saß da und dachte: „Geil gemacht!“. Nicht nur, dass wir an unterschiedlichsten Stellen bei den verschiedenen Charakteren sind und dort auch jedes Mal andere Einstellungen verwendet werden, nein, wir sehen eine extrem gut gemachte – und von den Aufnahmen her sehr variable – Verfolgungsjagd. Wir bekommen Bilder aus Wüsten-Städten zu sehen, die nichts anderes sagen als: „Es ist verdammt heiß hier!“. Und nicht zu vergessen, dass es auch ganz typische Western-Einstellungen gibt, die besonders große Abschnitte einer Umgebung zeigen.
Und zu guter Letzt: das Zwischenspiel von Spannung und Tempo. Ja, dieser Punkt ist etwas komplexer. 98 Minuten sind nicht lange, das werden sie bei diesem Film auch nie sein. David Mackenzie schafft es, sowohl bei der Spannung als auch beim Tempo einen Spagat zu machen, der aktuell seinesgleichen sucht. Immer wieder wird das Tempo rausgenommen, dadurch funktionieren die Handlung und die Beziehung der Brüder noch besser als ohnehin schon. Außerdem sind Ortswechsel dadurch nicht nervig. Charakterszenen dominieren die ruhigeren Passagen und unterhalten dabei auf sehr hohem Niveau, ohne dabei Spannung zu verlieren, die immer wieder in den temporeicheren Szenen aufgebaut wird. In entschleunigten Sequenzen verlor „Hell or High Water“ nie seinen Reiz auf mich.

Die Effekte machten einen sehr guten Eindruck. Da wurde wenig mit dem Computer nachbearbeitet und auch die Wunden, die gezeigt wurden, sahen realistisch und überzeugend aus.
Was die Action angeht, gibt es Western, die weitaus mehr zur Sachen gehen. Man bekommt aber auch hier Schießereien, Verfolgungsjagden und Explosionen zu sehen, wobei ich sie größtenteils nicht vermisste.

Die Musik, und das fiel mir die ganze Zeit über auf, war zwar sehr passend, aber auch sehr zweigeteilt.
Entweder es wurden stilechte Songs perfekt in die Story eingebaut, die auch eine tolle Atmosphäre transportierten, oder sie wurden komplett weggelassen. Gefühlt gibt es in der zweiten Hälfte des Streifens keine Musik. Fand ich persönlich spannend, weil es „Hell or High Water“ auch nicht zwingend nötig hatte, durch musikalische Untermalung Spannung zu erzeugen.

Meine Meinung:
„Hell or High Water“ war für mich ein echter Glücksgriff. Man hat schon vieles gehört oder gelesen, aber ich kam immer drum herum, genauere Details zu diesem Streifen zu bekommen, weil ich auch nie danach gesucht habe. Bei den letzten Oscars® war dieser Film mehrfach nominiert. Wie ich feststellen konnte: zu Recht.

Ich hatte ausgesprochen großen Spaß mit diesem Film und habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Zwar bekommt man als Zuschauer keine großspurige Handlung, allerdings ist das Gesamtpaket sehr stimmig. Am Ende ist es dieser Streifen eben ein Genrefilm, ein Western, so ganz ohne Pferde.
Hier und da gibt es einen Punktabzug, weil es eben die Nuancen sind, die einen 100% großartigen Film von einem über weite Strecken großartigen Film unterscheiden.

Meine Wertung:
Spannung: 9,5 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 9,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 9,0 von 10
Authentizität: 9,5 von 10
Musik: 8,0 von 10
Action: 7,5 von 10
GESAMT: 8,5

septem*B*er-Challenge: Boston

©STUDIOCANAL

Titel: Boston (engl. „Patriots Day“)
Genre: Thriller
Regie: Peter Berg
Musik: Trent Reznor / Atticus Ross
Produzenten: Dorothy Aufiero / Dylan Clark / Stephen Levinson / Hutch Parker / Michael Radutzky / Scott Stuber / Mark Wahlberg
Dauer: ca. 124 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„Boston, 15. April 2013 – Wie jedes Jahr zieht es tausende Läufer und Zuschauer aus aller Welt an die Strecke des beliebten Bostoner Marathons. Doch die Feierlichkeiten enden schlagartig, als zwei Sprengsätze an der Zielgerade detonieren. Noch ist unklar, ob den Explosionen weitere folgen werden. Für die Ermittler beginnt ein packender Wettlauf gegen die Zeit und eine der nervenaufreibendsten Großfahndungen in der Geschichte Amerikas nimmt ihren Lauf.“
(Rückentext der DVD)

Für das „B“ in meiner S-E-P-T-E-M-B-E-R-Challenge habe ich mir dieses Mal einen Film ausgesucht, den ich als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Seit dem 07.09.2017 ist „Boston“ auf DVD und BluRay im Handel erhältlich. Aus unterschiedlichsten Gründen konnte ich den Film nicht vor der Veröffentlichung sehen, daher war es für mich glasklar, dass ich diesen Streifen in meiner Challenge unterbringe.

Wenn es etwas gibt, das niemals zur Normalität werden sollte, dann ist es Terror. Überall auf der Welt passieren täglich schlimme Dinge und eigentlich sollte man Notiz von jeder noch so kleinen Sache nehmen, aber irgendwie geht es nicht, weil die schlechten Nachrichten Tag für Tag zunehmen. Am 15. April 2013 kommt eine dieser schlechten Nachrichten aus der westlichen Welt, von einem Event, das Sportlichkeit, Zusammenhalt und Freude zelebrieren sollte. Der Boston-Marathon ist einer der ältesten der Welt. An ihm verübten zwei Brüder einen Anschlag mit selbstgebauten Bomben, bei dem drei Menschen gestorben sind und in Folge dessen ein weiterer sein Leben ließ. Jeder Tote ist einer zu viel.
Dieser Streifen wurde als Dank für alle Helfer, Ermittler, Sanitäter und Ärzte gedreht und rekonstruiert den schlimmen Tag und die Flucht beziehungsweise Fahndung detailreich. Der Zuschauer lernt nicht nur diensthabende Polizisten kennen, sondern auch Bewohner, die am Patriots Day den Marathon besuchen wollen und die beiden Attentäter, die sich auf ihren Anschlag vorbereiten.

Die Art der Erzählung ist zweigeteilt. In den ersten 45-60 Minuten springen wir zwischen den Protagonisten hin und her und erhalten dadurch Einblicke in die einzelnen Abläufe ihrer Leben. Bis zur Detonation haben wir also eine richtig gelungene Erzählweise, aber ab dann bleibt die Handlung statisch und wir bleiben fortan nur noch bei einem der diensthabenden Polizisten. In der zweiten Hälfte versucht der Streifen seine Stärken in der Erzählung beizubehalten, was ihm nur bedingt gelingt. Auf Dauer hat „Boston“ sichtlich seine Probleme damit.

Was mich verwundert hat, war, wie wenig ich eigentlich von den Umständen des Anschlages wusste und was mir alles nicht klar gewesen ist. Genau dadurch wurde es auch hin und wieder wirklich spannend, obwohl man das Ende schon absehen konnte, wenn man in den letzten Jahren die Nachrichten verfolgt hat. Aufgewertet wurde der Eindruck des Streifens immer wieder durch den Einsatz echter Bilder.

Ich war vom Film die meiste Zeit überrascht, weil er mir die Umstände näherbrachte. Er zeigt auf eine brutale Art und Weise, was die Bostoner Bevölkerung durchgestanden hat, wie schlimm die Verletzungen der Opfer gewesen sind und was die Reaktionen auf das Passierte gewesen ist.

Die Darsteller sind weitestgehend glaubwürdig, allerdings gibt es schon die eine oder andere Szene, in denen die Emotionen wahrscheinlich realitätsnah dargestellt waren, aber beim Zuschauer übertrieben ankommen. Die Macher haben hier nicht auf die Balance geachtet und so kommt auf eine starke Charakterszene meistens eine schwache. Die Actionsequenzen sehen meistens gut und sauber aus, allerdings merkt man dem Streifen insbesondere bei Bildern mit viel Rauch den Einsatz von Greenscreen an. Gerade am Bildrand wird es doch deutlich pixelig.

Meine Meinung:
„Boston“ macht vieles richtig, aber ebenso viel falsch. Stark finde ich, dass man sich hier klar an die Ereignisse gehalten hat und man auch die Schicksale Unbekannter vorgestellt hat.
Ich fand die Erzählweise in der ersten Hälfte wirklich gelungen, aber schade finde ich, dass man das nicht den ganzen Streifen durchgehalten hat.

Die Länge ist mit 124 Minuten erheblich zu doll geraten. Mit 10 bzw. 15 Minuten weniger wäre es nicht getan, um eine gute und annehmbare Länge zu erhalten. Der Streifen wurde jetzt ausgeschmückt und weitreichend erzählt, das kann man so machen, allerdings nagt das auch sehr stark am Zuschauer. Meiner Meinung nach wären 25, wenn nicht sogar 30 Minuten weniger Laufzeit angemessen gewesen.
Am Ende habe ich einen guten Film bekommen, den man mal gesehen haben muss. Terror ist und bleibt etwas Schreckliches und dieser Film zeigt die hässliche Fratze feiger und hinterhältiger Attentäter.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Story: 7,5 von 10
Länge: 5,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,5 von 10
Authentizität: 7,5 von 10
Musik: 6,0 von 10
GESAMT: 6,8

Hier geht es zu meinen anderen Beiträgen:
*S*eptember-Challenge: Source Code
s*E*ptember-Challenge: Eyes Wide Shut
se*P*tember-Challenge: Percy Jackson – Diebe im Olymp
sep*T*ember-Challenge: Toni Erdmann
sept*E*mber-Challenge: Edward mit den Scherenhänden
septe*M*ber-Challenge: Merida – Legende der Highlands
septem*B*er-Challenge: Boston
septemb*E*r-Challenge: Extrem laut & unglaublich nah
septembe*R*-Challenge: Regression

Beiträge anderer Teilnehmer:
Shalima – Breakfast Club
Hotaru – Blame!
Ma-Go – Blue Ruin
Stepnwolf – Before night falls