Archiv der Kategorie: Filmbesprechungen

John Wick: Kapitel 3 – Parabellum

Titel: John Wick: Kapitel 3 – Parabellum
Genre: Action
Regie: Chad Stahelski
Musik: Tyler Bates / Joel J. Richard
Produzenten: Basil Iwanyk / Erica Lee
Dauer: ca. 132 Minuten
Erscheinungsjahr: 2019
Altersfreigabe: FSK 18

„Zeit ist ein kostbares Gut. Das ist auch John Wick, dem Auftragskiller par excellence, bewusst. Nachdem er ein Mitglied der Hohen Kammer – einer geheimnisvollen Assassinen-Gilde – tötete, wurde Wick zum ‚Excommunicado’ erklärt und mit einem Kopfgeld von 14 Millionen Dollar belegt. Immerhin eine Stunde Galgenfrist hat ihm Winston vom Continental Hotel eigenmächtig gewährt. Die skrupellosesten Auftragsmörder der Welt verfolgen nun jeden Schritt des Ausgestoßenen und wetzen ihre Klingen. Doch John Wick hat noch ein paar Asse im Ärmel sowie einen entscheidenden Vorteil auf seiner Seite: Regeln sind für ihn Vergangenheit.“
(Rückentext der BluRay)

Wie gut sind eigentlich dritte Teile?
Der dritte Teil der „Der Herr der Ringe“-Filme war meiner Meinung nach richtig gut. Der dritte Teil von „Der Hobbit“ war auch gut. „Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith“ wird zwar von mir ähnlich bewertet, wie der dritte Hobbit-Film, allerdings ist dieser in der Rückbetrachtung doch deutlich besser.
Was kann aber „John Wick: Kapitel 3 – Parabellum“? Wie ich dieses Actionspektakel empfunden habe, erfahrt ihr hier.

Fakt ist, dass die Geschichte in einem Actionfilm eher eine untergeordnete Rolle spielt. So auch in diesem Teil. Alles, was es zur Geschichte zu sagen gibt, fasst der Rückentext sehr gut zusammen, denn mehr gibt es wirklich nicht dazu zu sagen.
Nachdem wir John Wick ja schon in Teil 1 bei seiner Rückkehr und in Teil 2 beim Einlösen einer Schuld zusehen, können wir ihn im dritten Teil dabei beobachten, wie er gejagt wird – also etwas ganz anderes als in den Vorgängern.

Das Besondere an „John Wick: Kapitel 3“ ist aber nicht die Story, sondern vielmehr die Action, die stets durchchoreographiert ist und in John-Wick-Manier zu bestechen weiß. Selten habe ich einen Film gesehen, der in der ersten halben Stunde so wenig Dialoge hat, wie John Wick 3, zumindest könnte man die Dialogszenen in dieser Zeit an einer Hand abzählen. Neben „klassischen“ choreographierten Szenen kommt es aber auch zum Einsatz von Hunden oder Pferden, die auf ihre ganz eigene Art und Weise Gegner ausschalten. Es ist schön zu sehen, dass Actionelemente so vielfältig eingesetzt werden und es wirkt alles sehr wertig und überhaupt nicht fehl am Platz.

Das Setting ist passend. Insgesamt ist der Streifen eher düster gehalten. Es wird viel mit Licht, Schatten, Spiegelbildern und anderen visuellen Effekten gespielt. Kulissen und Kostüme sind sehr überzeugend und stilvoll und bestechen ebenfalls durch die gewohnte John-Wick-Manier. Ganz im Sinne seiner Vorgänger trägt John Wick wieder einen Anzug, das Hotel Continental ist, neben ganz vielen anderen Orten, wieder ein sehr glaubwürdiger Schauplatz. Man fühlt sich direkt wieder „heimisch“, da man die klassischen Orte aus den beiden Vorgängern kennt. Neu hingegen sind das Continental Casablanca und ein geheimnisvoller Ort in der Wüste. Mir gefällt allerdings am besten, dass die Actionszenen musikalisch wunderbar untermalt sind. Nicht selten werden Klänge aus „Die vier Jahreszeiten“ angestimmt und liefern dabei einen besonderen Unterhaltungswert.

Emotionen wird man allerdings im dritten Teil wieder vergeblich suchen. Im Gegensatz dazu sind alle Figuren authentisch. Am Ende ist es dem Zuschauer nicht wichtig, wie tiefgreifend die Gefühle sind oder wie glaubhaft die Darsteller in ihren Rollen sind. „John Wick“ schaut man sich eigentlich nur aufgrund der Action an und die gibt es reichlich.

Meine Meinung:
Schlussendlich bleibt mir nicht viel zu sagen außer, dass sich „John Wick: Kapitel 3 – Parabellum“ in die Reihe der guten und sehenswerten dritten Teile einreiht.
Fans gepflegter Action kommen auf ihre Kosten und solche, die es noch nicht sind, werden es hoffentlich danach sein. Dieser Teil hat mich persönlich so sehr begeistert, dass mir der Streifen auch noch lange nach der Sichtung im Kopf geblieben ist.

Besonders gut gefallen haben mir die Atmosphäre und die musikalische Untermalung – die zusammen mit den Actionszenen eine sehr epische Konstellation ergeben haben.
„John Wick: Kapitel 3 – Parabellum“ ist ein starker Film mit einem starken Cast. Ich spreche hiermit eine Empfehlung aus.

Meine Wertung:
Spannung: 9,5 von 10
Action: 10 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Musik: 9,0 von 10
Setting: 9,5 von 10
GESAMT: 8,2

Reihenfolge:
1. John Wick
2. John Wick: Kapitel 2
3. John Wick: Kapitel 3 – Parabellum

Zwei Kurze, bitte! #3

Das Motto der heutigen Ausgabe lautet „Hotel“. Mit von der Partie sind sowohl „Hotel Artemis“ mit Jodie Foster in der Hauptrolle als auch „Grand Budapest Hotel“ mit Ralph Fiennes als Hauptprotagonist. Ein weiterer kleiner Fun-Fact: In beiden Filmen spielt auch Jeff Goldblum mit.

Titel: Hotel Artemis (2018)
Regie: Drew Pearce
Genre: Action / Dystopie

„Hotel Artemis“ ist ein dystopischer Actionfilm. Im Jahr 2028 ist die Stadt Los Angeles nicht mehr wiederzuerkennen. Nach zahlreichen Aufständen ist es nun schwer, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Es gibt nur wenige Orte, an denen Regeln so hoch gehalten werden, wie in dem Hotel Artemis, ein geheimes Krankenhaus für Verbrecher aller Art. Nach einem Raubüberfall auf eine Bank werden zwei Kriminelle von der Polizei unsanft überrascht, wobei einer der beiden schwer verletzt wird. Seine Rettung ist das Hotel Artemis. In diesem besonderen Hotel sind sie allerdings nicht die einzigen Gäste und damit beginnen die Probleme.
Das Regiedebüt von Drew Pearce ist ein gut erzähltes und sich stückweise entfaltendes Stück, das sich zu Beginn noch wie ein Kammerspiel anfühlt. Mit zunehmender Dauer bricht der Streifen seine Strukturen auf und lässt den Figuren zusätzlichen Freiraum, wodurch sich noch viel mehr Möglichkeiten ergeben. Zwar ist der Streifen weitestgehend vorhersehbar, jedoch weiß er durch die Inszenierung zu unterhalten. Eine erfrischende und willkommene Abwechslung.

Titel: Grand Budapest Hotel (2014)
Regie: Wes Anderson
Genre: Tragikomödie

„Grand Budapest Hotel“ spielt zwischen den beiden Weltkriegen und erzählt eine verrückte und wendungsreiche Geschichte von Diebstahl, Tod, Betrug und eine abenteuerliche Reise in mehreren Akten. Am Anfang hatte ich Probleme in den Film hineinzufinden. Falls es euch auch so geht, brecht nicht ab, sondern bleibt dran, da es sich wirklich lohnt.
Wes Andersons fabelhaft erzählter Film brilliert durch atemberaubende Kulissen, tolle Kostüme und vor allem durch seine Geschichte. Selten hat es nämlich ein Streifen geschafft, mich so gut, kurzweilig und nachhaltig zu begeistern und mich im wahren Sinne des Wortes mit auf eine Reise zu nehmen.
Abgerundet wird das Ganze durch einen großen, abwechslungsreichen und überaus talentierten Cast, der von vorne bis hinten seine Qualitäten hat und auch weiß, sie einzubringen.
Auf jeden Fall zu empfehlen.

Aquaman

Titel: Aquaman
Genre: Action / Science-Fiction / Comicverfilmung
Regie: James Wan
Musik: Rupert Gregson-Williams
Produzenten: Peter Safrag / Rob Cowan
Dauer: ca. 143 Minuten
Erscheinungsjahr: 2018
Altersfreigabe: FSK 12

„Der DC-Film ‚Aquaman’ enthüllt die Vorgeschichte des halb menschlichen Atlanters Arthur Curry und führt ihn auf die Reise seines Lebens – um zu entdecken, ob er seines Schicksals würdig ist… ein König zu sein.“
(Rückentext der BluRay)

Ich bin wieder in meinem Lieblingsuniversum. Obwohl, eigentlich mag ich die „Batman“-Soloabenteuer immer noch am liebsten, kann mich aber mit dem DCEU sehr gut anfreunden.

Ich sage es ja immer wieder: Ein Superheldenfilm steht und fällt mit dem Schurken. Da es heute um „Aquaman“ geht und er mehr oder weniger im gesamten DCEU eher als Antiheld eingeführt wurde, stelle ich mir die Frage, ob dieser Film über seinen Protagonisten fällt und er zu seinem größten Schurken wird?

Als ich die ersten Trailer gesehen habe, ist mir aufgefallen, dass vor allem CGI auf der technischen Seite und One-Liner auf der darstellerischen Seite zu sehen sind. Ich kann euch an dieser Stelle beruhigen, der Streifen hat mehr drauf als das, aber leider nicht viel mehr.
Darstellerisch ist mit Jason Momoa ein Schauspieler in der Hauptrolle, der für die nächsten Jahre – vielleicht sogar Jahrzehnte – das Bild von „Aquaman“ prägen wird. Ähnlich wie beim „Joker“ (wenn er in einem comichaften Setting eingebettet ist) muss sich alles mit Heath Ledger vergleichen lassen und dieser Vergleich kommt nicht von ungefähr.
So ist Momoa ein Glücksgriff für diese Figur und der breite Rücken, auf dem das DCEU aufgebaut sein kann, gleichzeitig ein Nachteil für alle Nachfolgenden „Aquaman“-Darsteller.

Der gesamte Cast scheint sehr talentiert zu sein. Namhafte Vertreter der Schauspielergilde inbegriffen: Willem Dafoe, Amber Heard, Nicole Kidman und Dolph Lundgren. Aber wir wissen ja alle, dass eine Besetzung noch so namhaft sein kann, wenn sämtliche Schauspieler nicht ihr Bestes abrufen, kann es schnell nach hinten losgehen.
Die bereits angesprochenen One-Liner gibt es ebenso sehr, wie längere Dialoge, eine Reise durch das Meer, durch eine Wüste und durch einige Städte, die den gesamten Streifen zeitweise wie einen Abenteuerfilm daherkommen lassen. Eine durchaus positive Überraschung, die „Aquaman“ für das Publikum übrig hat. Der gutbezahlte Cast kann aber nicht über die vorhersehbare und flache Geschichte hinwegtäuschen.
Der Schurke in diesem Film heißt „Black Manta“, ein Pirat, der sich im Wasser wohlfühlt. Also, ich weiß ja nicht, aber ist den Drehbuchautoren klar, dass „Aquaman“ ein Held aus dem Wasser ist? Er stammt aus Atlantis, Wasser ist quasi sein Element. Um einen Vergleich aus der Tierwelt heranzuziehen: Black Manta ist ein Hering und er kämpft gegen einen Hai. Ja, am Anfang gab es so etwas, wie das Überraschungsmoment, aber am Ende reicht einmal tief einatmen und pusten.

Klarer Fall, wer sich eine Comicverfilmung anschaut, sollte seine Erwartungen am Inhalt stark herunterschrauben. Tatsächlich erhält der Zuschauer immer noch solides, actionreiches und durchaus unterhaltsames Kino. Ich habe bewusst das Wort „spannend“ weggelassen, denn spannend wurde es nur wenig. Ja, es gab interessante Stellen, aber spannend? Nein!

Mit Blick auf die Emotionen und Authentizität erhält man ein ambivalentes Bild. Auf der einen Seite sind die Figuren in ihrem Setting glaubhaft, auf der anderen Seite wirken sie in ihrer emotionalen Range eher im unteren Drittel. Es geht sogar soweit, dass die schwachen, emotionalen Regungen das Bild eher stören.

Das Setting ist passend. Das übergeordnete Thema „unter Wasser“ wird toll aufgegriffen und findet sehr oft Einzug. Die Kulissen sind sehr vielfältig, allerdings gibt es kaum eine Einstellung, in der die CGI nicht zum Einsatz kommt. In der Mitte des Bildes bekommt man dabei ein scharfes Bild, jedoch verschlechtert es sich zum Rand hin. Auch hier geht es soweit, dass der Anblick teilweise störend ist. Darüber hinaus bekommt man Hintergrundmusik, die das Geschehen zwar untermalt, aber in der Bedeutungslosigkeit mündet.

Meine Meinung:
„Aquaman“ ist ein Teil des DCEU und in diesem Rahmen bewegt er sich sehr gut. Zwar reicht er von der darstellerischen Leistung, der Geschichte, der Spannung und der Glaubwürdigkeit nicht an „Wonder Woman“ heran, aber er bewegt sich dennoch deutlich über dem Rest des DCEUs.

Schlussendlich muss ich aber sagen, dass es „Aquaman“ schafft zu unterhalten, allerdings ist das Niveau nicht sonderlich hoch. Als Comicverfilmung kann ich diesen Streifen bedenkenlos weiterempfehlen, als Action-Science-Fiction-Film kann ich es nicht tun. Es gibt einfach zu viele andere Filme, die deutlich stärker sind als „Aquaman“.

Meine Wertung:
Spannung: 4,0 von 10
Action: 7,0 von 10
Story: 5,0 von 10
Länge: 6,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 4,0 von 10
Authentizität: 7,0 von 10
Musik: 5,0 von 10
Setting: 6,5 von 10
GESAMT: 5,6

„Justice League“-Reihe:
1. Man of Steel
2. Batman v Superman – Dawn of Justice
3. Suicide Squad
4. Wonder Woman
5. Justice League
6. Aquaman

Draft Day – Tag der Entscheidung

Titel: Draft Day – Tag der Entscheidung (engl. „Draft Day“)
Genre: Sportfilm / Drama
Regie: Ivan Reitman
Musik: John Debney
Produzenten: Ivan Reitman / Ali Bell / Joe Medjuck / Gigi Pritzker
Dauer: ca. 106 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 0

„Sonny Weaver Jr. ist nicht zu beneiden: Der Manager der erfolglosen Cleveland Browns kämpft Jahr für Jahr nicht nur um die Daseinsberechtigung seines Teams, sondern auch mehr und mehr um seine eigene Existenz. Der Eigentümer des Teams setzt ihm daher ein Ultimatum: Wenn die nächste Saison nicht erfolgreich abgeschlossen wird, ist er seinen Job los. Der Draft Day ist der Tag, an dem die Football-Teams Spieler für die neue Saison erwerben, und an diesem fällt auch die Entscheidung über Sonnys persönliche und professionelle Zukunft…“
(Rückentext der DVD)

An jedem ersten Februar-Wochenende findet der Super Bowl statt. Im Jahr 2020 jährt sich die Veranstaltung des größten Einzelsportevents des Jahres zum 54. Mal. Und bevor es am Super Bowl Sunday in Miami zum Kick-off kommt, erwartet euch hier eine kleine Empfehlung, wie ihr den Abend davor heute gut nutzen könnt.
Der Film aus dem Jahr 2014 befasst sich mit dem sogenannten „Draft Day“, dem Tag in der Saison, an dem sich die unterschiedlichen Teams in einer gewissen Reihenfolge Spieler auswählen können (sogenannte Picks), um ihr Team für die kommende Saison zu verstärken. Wobei sie die Picks untereinander auch tauschen und handeln dürfen.

Sonny Weaver Jr. sitzt mit seiner Stelle im Verein ziemlich zwischen Stühlen. Zum einen erhält er – ebenso wie das Team und der Trainerstab – vom Eigentümer sein Gehalt. Zum anderen muss er den Trainer unterstützen, der nicht nur die Spieler trainiert, sondern ihnen auch eine Philosophie übermittelt und sie harmonieren lässt. Die Wünsche beider Seiten müssen also erfüllt werden. Schlüsselpositionen müssen besetzt werden für eine erfolgreiche und ausgewogene Kaderplanung. Hierfür die richtigen Spieler auszuwählen obliegt Sonny.

Die Handlung ist sehr dynamisch erzählt und profitiert nicht nur von der schauspielerischen Klasse von Kevin Costner, sondern auch von der Schnitttechnik, die immer wieder deutlich macht, dass unterschiedliche Akteure unterschiedliche Interessen vertreten.
„Draft Day“ bietet allerdings weniger Football-Action als man sich erhofft. Viel mehr schlägt der Film in eine Kerbe, die den Background des Footballs beleuchtet. Abseits des Spiels zeigt er auch allerhand Nebenschauplätze, die allesamt realistisch dargestellt sind und so auch in der Realität auftreten können.
Ich bin von „Draft Day“ einfach begeistert, weil er ein sehr kluger und spannender Streifen ist. In den ersten 90 Minuten geht es um den knallharten Sport und die Geschicke eines Generalmanagers an einem der wichtigsten Tage einer Footballsaison. Allerdings verliert er in den letzten zehn Minuten an Stärke, weil er den Fokus weg vom Sport nimmt und sich hin zu persönlichen Belangen des Protagonisten orientiert.
Mit dem Cast bin ich mehr als zufrieden, denn neben Kevin Costner stehen Jennifer Garner, Sean Combs, Denis Leary und Frank Langella vor der Kamera. Wie glaubwürdig und authentisch die Leistungen sind, kann ich allerdings schwer beurteilen, denn die allermeisten Charaktere handeln unterkühlt und sehr professionell und wirken dabei so, als ob sie die Arbeit und Privates strikt voneinander trennen. Dafür dass es so ist, sprechen die letzten zehn Minuten, denn besonders am Ende kommen Emotionen zum Vorschein, die der Film in den ersten 90 Minuten vermissen ließ.
So etwas wie Spannung entsteht durch die Handlung, die Figuren und die Schnitttechnik. Vermutlich werden aber Football-Fans tendenziell etwas mehr und besser unterhalten als Nicht-Football-Fans. Zu keinem Zeitpunkt kam Langeweile auf, viel mehr erschien mir alles rund um den Draft viel zu kurz erzählt. Auch hätten es gerne mehr Figuren, mehr Rivalitäten und mehr Football-Action sein können. Das Konzept, die Nebenschauplätze in den Fokus zu rücken, ist bei diesem Film schlussendlich aber perfekt aufgegangen.

Meine Meinung:
„Draft Day“ bringt einen so richtig in Stimmung und schafft es, Vorfreude zu bereiten. Auch wird die Zeit bis zum Super Bowl kürzer. Meiner Meinung nach wurden die Football-Hintergründe sehr realistisch dargestellt. Ich habe es mir immer genauso vorgestellt, wie die Teams untereinander handeln. Ich kann mir auch für die Zukunft vorstellen, den Draft 2020 zu verfolgen, alleine schon deswegen, um zu erfahren, ob ich den einen oder anderen Spieler aus den College-Football-Übertragungen wiedererkenne.

Zu guter Letzt eine klare Empfehlung für sportbegeisterte Menschen, die auf schlaue Handlungen mit dramaturgischen Verläufen abfahren. So oder so, ein Must-see für Football-Fans.

Meine Wertung:
Story: 8 von 10
Spannung: 8 von 10
Länge: 8,5 von 10
Authentizität: 6 von 10
Gefühl/Emotionen: 4 von 10
Musik: 4 von 10
Setting: 10 von 10
GESAMT: 6,9 von 10

Zwei Kurze, bitte! #2

In der heutigen Ausgabe beschäftige ich mich mit Städten auf Rädern. Die Kurzen heute sind „Snowpiercer“ und „Mortal Engines“.

Titel: Snowpiercer (2013)
Regie: Bong Joon-ho
Genre: Science-Fiction / Action

„Snowpiercer“ ist ein Science-Fiction-Actionfilm und gleichermaßen eine Dystopie. Im Jahr 2028 hat die Menschheit bloß einen Ort, an dem sie lebt: ein fahrender Zug. Ein verrückter Unternehmer hatte nämlich die glorreiche Idee, so etwas wie eine künstliche Eiszeit zu bewirken, damit er sich seinen Traum eines Lebens auf Rädern verwirklichen kann. Der Clou: Die Gesellschaft im Zug ist eine Mehrklassengesellschaft, in der ganz vorne die Wohlhabenden und Reichen leben und ganz hinten der Abschaum. Nach 17 Jahren im Zug beginnen die Menschen vom hinteren Teil zu rebellieren und machen sich auf den Weg nach vorne.
Nicht nur, dass Chris Evans schon bessere Rollen hatte, es gibt auch viele, bessere Filme. Aus der Handlung generierte Spannung kommt so gut wie gar nicht auf. Der Zug bietet die Möglichkeit, ein Kammerspiel aufzuziehen, stattdessen bewegen wir uns in einer Welt, die alles ermöglicht. Es gibt sogar einen Wagon, der in eine Unterwasserwelt umgebaut wurde. Dem Streifen fehlt es an Tiefe, Spannung und Authentizität. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich in einem Zug befinde. Im Innenraum wackelt es nicht und es sind keine typischen Zuggeräusche zu vernehmen. Insgesamt ein Fehlkauf und somit nicht zu empfehlen.

Titel: Mortal Engines: Krieg der Städte (2018)
Regie: Christian Rivers
Genre: Science-Fiction / Action

„Mortal Engines“ ist ebenfalls ein Science-Fiction-Actionfilm und eine Dystopie. Die Welt, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr. London – eine Raubtierstadt – ist auf der Suche nach Ressourcen und nimmt dafür kleinere Städte – ebenfalls auf Rollen – ins Visier, um sich deren Rohstoffe zu sichern. Das eigene nahende Ende treibt London in Richtung Asien, wo die sogenannten Anti-Traktionisten in ihrer Siedlung hinter einer großen Mauer leben. Andere Städte haben es bereits nicht geschafft, die Mauer zu überwinden, um an die dortigen Rohstoffe zu gelangen.
Dieser Streifen hat viele Handlungsstränge, die allesamt nur halb zu Ende erzählt werden. Zwar weiß der Streifen visuell zu begeistern, doch an anderer Stelle fehlt ebendiese Begeisterung völlig. Auch sonst entwickelt sich zum Leidwesen des Zuschauers keine Spannung. Viel mehr kämpft der Streifen jede Sekunde damit, den Zuschauer nicht zu vergraulen. Nicht nur, dass die allermeisten Figuren zusätzlich ungeschickt eingeführt werden, nein, das Schauspiel dieser Figuren ist auch noch sehr hölzern.
Auch für diesen Film kann ich leider keine Empfehlung aussprechen.

Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi

Titel: Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi (engl.: „Star Wars: The Last Jedi“)
Genre: Science-Fiction
Regie: Rian Johnson
Musik: John Williams
Produzenten: Kathleen Kennedy / Ram Bergman
Dauer: ca. 146 Minuten
Erscheinungsjahr: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

„In der Fortsetzung des Skywalker-Saga schließen sich die Helden aus ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ den Legenden der Galaxis an und erleben ein episches Abenteuer, in dem neue Mysterien der Macht aufgedeckt werden.“
(Rückentext der DVD)

Heute dreht es sich um den achten Teil der Star-Wars-Saga.
Nachdem der siebte Teil noch von J. J. Abrams gedreht wurde, hat die achte Episode einen neuen Regisseur. Rian Johnson versucht, den Zuschauer in eine Star-Wars-Welt mitzunehmen, die ihren Ursprung nicht bei ihm hatte. Er hatte die unlösbare Aufgabe, einen Star Wars zu machen, der wie aus einem Guss mit seinem Vorgänger wirkt.
Eines muss ich vorwegnehmen: Er ist gescheitert.

Aber auch sonst stand „Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi“ unter einem schlechten Stern. Mit dem ganz realen Tod Carrie Fishers und dem filmischen Ableben von Han Solo im Vorgänger brechen mehr oder weniger tragende Säulen der Star-Wars-Geschichte weg. Aber mal ganz davon ab: Dieser Teil hat ganz eigene, andere und viel schwerwiegendere Probleme.

Ganz abgesehen davon, dass die Effekte, die Musik und Inszenierung klassisch Star Wars sind und ich damit nicht näher darauf eingehen möchte und werde, hat diese Episode seine Probleme mit den Darstellern.
Kylo Ren/Ben Solo wurde von mir in der Kritik zum Vorgänger als „Milchbubi“ bezeichnet, doch zu meinem Entsetzen musste ich nun feststellen, dass er ein weinerlicher Milchbubi ist. Eine anbahnende Lovestory, eine uneinsichtige Befehlshaberin, ein vorlauter Pilot. All das sind zwar auch Elemente, die in den ersten beiden Trilogien vorkommen, aber Episode 8 macht es besonders schlecht. Es wirkt alles nicht ganz durchdacht – nicht fertig – und vor allem nicht glaubwürdig.

Durch diesen Umstand kommt Episode VIII auch nicht so richtig in die Gänge und bleibt dadurch weit hinter seinen Möglichkeiten. Da hilft auch ein halbwegs cooles Ende nichts.
Wenn ich mir vorstelle, wie es mit Episode IX weitergeht, bekomme ich große Bauchschmerzen. Nachdem Episode VII „ganz okay“ und Episode VIII „unfassbar schlecht“ waren, befürchte ich, dass sie sich nahtlos einreihen wird.

Meine Meinung:
Weit über zwei Stunden diesen unausgegorenen Film zu sehen, hat mich vor allem Nerven gekostet. Ich bin richtig unzufrieden und möchte eigentlich nur noch Episode V gucken, da hatte ich noch meinen Spaß.
Technisch will und kann ich nichts aussetzen, aber inhaltlich bringt Episode VIII einfach überhaupt keinen Spaß. Danke Disney.

Meine Wertung:
Spannung: 4,0 von 10
Story: 4,0 von 10
Länge: 5,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 5,0 von 10
Authentizität: 4,0 von 10
Setting: 9,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 5,6

Reihenfolge:
1. Star Wars: Episode I – Die Dunkle Bedrohung
2. Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger
3. Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith
4. Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung
5. Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück
6. Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter
7. Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht
8. Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi

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Kubo – Der tapfere Samurai

Titel: Kubo – Der tapfere Samurai (engl.: „Kubo and the Two Strings“)
Genre: Animationsfilm
Regie: Travis Knight
Musik: Dario Marianelli
Produzenten: Travis Knight / Arianne Sutner
Dauer: ca. 98 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 6

„Kubo ist als Sohn eines legendären Samuraikriegers und einer Göttin mit magischen Kräften gesegnet. Doch er muss noch lernen, diese auch zu beherrschen. Bei dem Versuch, das Rätsel um seinen gefallenen Vater zu entwirren, beschwört er versehentlich den mächtigen Moon King, der voller Zorn auf die Erde hinabstürmt, um Rache zu üben. Plötzlich ist das gesamte Dorf in Gefahr und Kubo steht vor einer großen Herausforderung: Er muss Herr seiner Zauberkräfte werden und in die Rolle des Helden hineinwachsen, für die er geboren wurde.“
(Rückentext der DVD)

Als mich mein Neffe besuchte, um mit mir einen „Männerabend“ zu verbringen, wollte er einige Filme schauen. Unter anderem entschied er sich für „Kubo“. Wie er bei mir angekommen ist, könnt ihr nun in meiner Kritik dazu erfahren.

Bei „Kubo“ handelt es sich um einen Animationsfilm, der weder aus dem Hause Disney noch Blue Sky ist, dafür aber mit seinen Konkurrenten locker mithalten kann. Im Stile eines Stop-Motion-Films verzaubert „Kubo – Der Tapfere Samurai“ mit seiner Geschichte um den gleichnamigen Jungen, der auf der Suche nach einer Rüstung ist, um gegen übermächtige und bösartige Wesen zu bestehen. Durch seine liebevolle Umsetzung und die detailreichen Animationen bleibt die Faszination für „Kubo“ auch weit nach seinem Ende beim Publikum bestehen. Was mich aber letzten Endes überzeugte, war die unterschwellige Begeisterung, die mich ereilte. „Kubo“ hallt nach, nicht nur visuell, sondern auch narrativ.

Vorweg muss ich sagen, dass ich mir vor der Sichtung des Streifens den Rückentext nicht durchgelesen habe und darüber bin ich auch sehr froh, denn dadurch hatte der Streifen doch noch die eine oder andere Überraschung für mich parat.
Ich kann allen empfehlen, den Rückentext der DVD schnell wieder zu vergessen.

Die Handlung fängt mit einem angenehmen Tempo an und führt alle Figuren ein, die über den kompletten Film eine – mehr oder weniger – wichtige Rolle spielen. Narrativ bewegt sich der Streifen immer wieder zwischen dem aktuellen Geschehen und Rückblenden, um das Vorgeschehen zu schildern.

Über die komplette Laufzeit baut sich gekonnt Spannung auf und entlädt sich zwischenzeitlich. Das Interesse des Zuschauers wird stets aus der Handlung genährt, welche dafür sorgt, dass das Publikum nicht abschaltet. Zwischenzeitlich ist das Interesse sogar so stark, dass die Geschichte nicht schnell genug erzählt werden kann.

Ca. 98 Minuten beträgt die Laufzeit, in der sich „Kubo“ von seiner besten Seite zeigt. Gefühlt fehlt es dem Streifen an nichts. Die Figuren werden mehr oder weniger gut eingeführt, sehr früh besinnt er sich aber auf das Wesentliche. Die Entwicklung der Figuren geht zügig voran, aber nicht zu schnell. Die Charaktere bekommen dadurch eine gute und gesunde Tiefe und erlauben so ein vernünftiges Maß an Empathie seitens des Zuschauers.

Das Setting bestehend aus Szenenbild und Musik ist stark asiatisch bzw. japanisch angehaucht. Neben Origami und japanischen Bräuchen bekommen die Zuschauer viele weitere Anspielungen auf die japanischen Kultur und können einer speziellen Laute (einer Shamisen) und den dazugehörigen Klängen lauschen. Alles in allem wirkt die Komposition aus Bild und Musik sehr stimmig. Neben gedeckt farbigen und vielfältigen Bildern erhalten wir auch leicht düstere Szenen, die mit einem gewissen Gruselfaktor ausgestattet sind.

Meine Meinung:
Manch einer mag diese Art der Animation nicht, aber in diesem Fall passt es perfekt. „Kubo“ sieht bei weitem nicht so glatt aus wie andere Streifen, aber es gibt immer wieder Elemente bzw. Szenen, in denen Stop-Motion das letzte Fünkchen herausholt: Origami!
Ich möchte mir nicht vorstellen, wie ebendiese Animationen anders ausgesehen hätten. Jeder „glatte“ Animationsfilm wirkt gegen „Kubo“ eher lieblos und uncharmant.

Auch die Handlung und wie sie sich mit zunehmender Dauer entfaltet, ist zweifellos interessant und spannend. Bis ins letzte Detail verspürt man das Herzblut, das in diesen Film gesteckt wurde und das soll auch bitte gewürdigt werden. Wenn es schon nicht die Academy macht, dann muss ich es halt machen.

Meine Wertung:
Spannung: 8,5 von 10
Animation: 9,5 von 10
Story: 8,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Setting: 8,0 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,4

Avengers: Age of Ultron

Titel: Avengers: Age of Ultron
Genre: Comicverfilmung / Action / Science-Fiction
Regie: Joss Whedon
Musik: Brian Tyler / Danny Elfman
Produzenten: Kevin Feige
Dauer: ca. 135 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 12

„Als Iron Man Tony Stark (Robert Downey Jr.) ein stillgelegtes Friedensprogramm reaktiviert, gerät die Situation plötzlich außer Kontrolle und die Avengers müssen sich erneut verbünden, um die Erde vor ihrer Zerstörung durch den scheinbar übermächtigen Ultron zu bewahren.“
(Rückentext der DVD)

Dieses Mal geht es weiter mit dem Marvel Cinematic Universe. Heute: „Avengers: Age of Ultron“

Inzwischen sollte jeder wissen, dass ich dem MCU sehr skeptisch gegenüberstehe. Es ist ja nicht so, dass ich von der stringenten Erzählweise des Gesamtkunstwerks „MCU“ nicht begeistert wäre und dass ich mir nicht eine solche Geduld und einen solchen Aufbau von Warner und seinem DCEU wünschen würde, aber was nicht ist, soll wohl nicht sein.

Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wo ich anfangen soll, denn im Prinzip habe ich nichts so richtig auszusetzen. „Avengers: Age of Ultron“ macht nicht alles richtig, aber macht auch nicht sehr viel falsch. Aber ich versuche, ihn doch etwas genauer zu betrachten, damit ich dazu am Ende etwas sagen kann.
Wenn ich mir bisher das MCU anschaue, dann muss ich schon sagen, dass die Anzahl der mittelmäßigen Filme viel zu hoch ist. „Der unglaubliche Hulk“, die Iron-Man-Trilogie, Captain America, Thor und „Guardians of the Galaxy“ sind im Prinzip die Vorgeschichten vom zweiten Aufeinandertreffen der Superhelden aus dem Hause Marvel, jedoch erinnere ich mich rückwirkend nur an einen oder maximal zwei Filme, die mich wirklich gut unterhalten haben. Insofern ist „Avengers: Age of Ultron“ eine kleine Überraschung gewesen, da ich wieder nur Mittelmäßiges erwartet habe.

Die Handlung ist zwar denkbar einfach und auch nur auf fehlendes kommunikatives Handeln der Protagonisten gestützt, allen voran von Iron Man Tony Stark, jedoch lässt sich da jetzt nichts mehr dran ändern. Unterm Strich bleibt handlungstechnisch jedoch ein bitterer Nachgeschmack übrig.
Narrativ erhalten wir den Einheitsbrei, den man bereits kennt. Es gibt fast keine Überraschungen und die Handlung ist weitestgehend vorhersehbar. Was „Age of Ultron“ von all den anderen MCU-Filmen unterscheidet, ist dabei so einfach wie logisch: der Bösewicht.

Der Rückentext verrät es schon, aber Ultron ist eigentlich ein missglücktes Projekt von Tony Stark, das nun anfängt, die Menschheit zu bedrohen. In gewohnter Superhelden-Manier schreiten die Avengers ein, um eine Katastrophe zu verhindern. Meines Erachtens gibt es da drei ganz konkrete Punkte, die „Age of Ultron“ von den anderen Filmen abhebt:
1. Ultron:
Eine künstliche Intelligenz, geschaffen von Iron Man. Das Projekt wendet sich gegen seinen Entwickler und beschreitet damit komplett neue Wege im MCU.
2. Die Handlung:
Ja, richtig gelesen. Ich spreche von der Handlung. Weiter oben sage ich zwar, dass man den gewohnten Einheitsbrei bekommt, aber das muss ja nicht immer schlecht sein. Viel mehr erfährt man in „Age of Ultron“ zum ersten Mal etwas über Hawkeye und Black Widow. Dabei fühlt sich der komplette Film nicht so an, als wäre er tatsächlich ein Avengers-Abenteuer, sondern als wäre er ein Einzelfilm der beiden Helden. Jeremy Renner und Scarlett Johansson zeigen, was so alles in ihren Figuren steckt und schlagen dabei erstaunlich ruhige Töne an, die dem Ganzen einen Drall geben und so das MCU – für den Moment – auf eine neue Stufen heben. Die Handlung bekommt aber nicht nur durch die beiden Avengers-Mitglieder mehr Tiefe, sondern vor allem auch durch Ultron. Wären wir in einem DCEU-Film, wären die Wörter: „Kniet nieder Götter.“, mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit gefallen. So aber wurden philosophische Fragen aufgeworfen, bei denen man sich selbst auch fragt, wer über Recht und Unrecht entscheidet. Vor allem: Sind Superhelden nicht auch eine Bedrohung für die Menschheit? Unter gewissen Vorzeichen und Voraussetzungen muss man diese Frage bejahen.
3. Das Feeling:
Aus der Welt des Fußballs kennen wir den Spruch „Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl“ (Andreas Möller). Was hat es mit den Avengers zu tun?
Das lässt sich nicht ganz einfach, aber doch hoffentlich eindeutig erklären.
Im Jahr 2000 kam Bryan Singers „X-Men“ in die Kinos. Er zeigte damit erstmalig, wie unglaublich vielseitig eine Comicverfilmung sein kann. „Avengers: Age of Ultron“ ist zumindest auf den Spuren von „X-Men“, auch wenn er nie an die Qualität oder den Unterhaltungswert herankommt.

Die Figuren passen zum Geschehen. Ein bisschen weniger Iron Man und dafür ein bisschen mehr Hawkeye und ich werde noch ein richtiger Fan. Glaubwürdigkeit und Tiefe sind weitestgehend vorhanden, auch wenn die Geschichte narrativ und inhaltlich einfach strukturiert und vorhersehbar ist.

Die Länge beträgt ca. 135 Minuten, die sich erstaunlich kurz anfühlen, in denen sich Charakterszenen und Actionsequenzen den Film gerecht teilen. Visuell wurde in vielen Szenen mit CGI nachgeholfen, wodurch die Actionszenen teilweise noch aufgeblähter wirken.
Spannung resultiert vor allem aus dem guten Mix und der Abwechslung, aber auch aus besonders aufregenden Szenen, in denen es nicht nur zur Sache geht, sondern die den Film auch inhaltlich voranbringen. Aufgrund seiner starken Vorhersehbarkeit stellt sich nie ein richtiges Gefesseltsein ein. Grundsätzlich beinhaltet „Avengers: Age of Ultron“ verhältnismäßig wenig Actionsequenzen, welche allerdings meist gut und spektakulär inszeniert wurden.

Die Emotionen habe ich teilweise auch schon weiter oben beschrieben. Hawkeye und Black Widow bekommen eine tiefere Beleuchtung, die auch – oder vor allem – auf der emotionalen Ebene sehr gut funktioniert. Nicht zu vergessen Ultron, der, obwohl er eine künstliche Intelligenz ist, scheinbar auch über Selbstreflektion verfügt. Die anderen Figuren bleiben jedoch typisch im MCU-Schema.

Meine Meinung:
Nach bereits so vielen Filmen, die zum MCU gehören, fange ich langsam an, zu ermüden. Es werden einfach immer mehr Filme in immer kürzeren Abständen herausgebracht. Es fällt mir schwer, den Überblick zu behalten. Inzwischen sitze ich schon mit dem Handy in der Hand und recherchiere nebenbei, wo ich mich im Handlungsstrang befinde.

Mit Überraschungen und hochtrabender Spannung kann allerdings „Age of Ultron“ nicht punkten. Schlussendlich ist er allerdings einer der besseren MCU-Filme, auch wenn man seine Schwächen nicht von der Hand weisen kann.

Meine Wertung:
Spannung: 7,0 von 10
Action: 8,5 von 10
Story: 7,0 von 10
Länge: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 7,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 6,5 von 10
Setting: 7,5 von 10
GESAMT: 7,5

Reihenfolge:
1. Marvel’s The Avengers
2. Avengers: Age of Ultron

Marvel Cinematic Universe:
1. Iron Man
2. Der unglaubliche Hulk
3. Iron Man 2
4. Thor
5. Captain America: The First Avenger
6. Marvel’s The Avengers
7. Iron Man 3
8. Thor – The Dark Kingdom
9. The Return of the First Avenger
10. Guardians of the Galaxy
11. Avengers: Age of Ultron

Zwei Kurze, bitte! #1

Zukünftig werde ich unter dem Titel „Zwei Kurze, bitte!“ zwei kurze Kurzkritiken vorstellen. Hier werden Filme und Serien besprochen, die es leider nicht geschafft haben, von mir in einer „großen“ Rezension besprochen zu werden. Wer die Filme und Serien über den Reiter „Index“ sucht, kommt dann auf die Kurzkritiken.

In der ersten Ausgabe von „Zwei Kurze, bitte!“ geht es um „I Kill Giants“ und „Boss Baby“.


Titel: I Kill Giants (2017)
Regie: Anders Walter
Genre: Drama

„I Kill Giants“ ist ein Coming-of-Age-Drama mit Fantasie-Elementen. Alles dreht sich um ein Mädchen, das felsenfest davon überzeugt ist, dass ihre Stadt von Riesen bedroht wird und sie diese aufhalten muss. Um die Riesen zu töten, legt sie allerhand Fallen aus und patrouilliert. Die Flucht in ihre Fantasiewelt voller Magie und Riesen hat natürlich einen bestimmten Hintergrund: Probleme Zuhause und in der Schule, die durch ihr Umfeld verstärkt werde, setzen ihr zu.
Der Streifen lässt allerhand vermissen, vor allem Spannung, narrative Finesse oder irgendeinen anderen Unterhaltungswert. Die Geschichte ist vorhersehbar und der Weg zur Erkenntnis einfach unfassbar lang. Die Konfrontation mit dem eigentlichen Problem vollzog sich erst im letzten Viertel des Films und die Schlüsse daraus sind unglaubwürdig.
Besser man lässt die Finger davon.


Titel: The Boss Baby (2017)
Regie: Tom McGrath
Genre: Animationsfilm

„The Boss Baby“ dreht sich um Tim und seinen kleinen Bruder. Tim ist es gewohnt, dass er die Aufmerksamkeit seiner Eltern bekommt, doch das Baby stiehlt ihm die Show. Ganz davon ab, dass der kleine Bruder im Anzug und mit Aktentasche daherkommt, verhält er sich auch noch sehr merkwürdig. Am Ende machen aber Tim und das Baby gemeinsame Sache, denn die eigentliche Mission ist es, die Liebe der Eltern gegenüber von Welpen zu verteidigen.
Die Animationen sind die ganze Zeit vielfältig und abwechslungsreich, die Handlung ist familienfreundlich und der Humor pointiert. Spannungstechnisch schafft es der Film aber nicht, dauerhaft an sich zu binden. Ab circa der Hälfte kann der erfahrene Zuschauer bereits jede Szene vorahnen. Und auch als es zum „Showdown“ kommt, ist der Streifen spannungstechnisch allerhöchstens Mittelmaß. „Boss Baby“ bietet grundsätzlich kurzweilige Unterhaltung, Kinder werden aber definitiv mehr Spaß haben als Erwachsene.

Shutter Island

Titel: Shutter Island
Genre: Psychothriller / Romanverfilmung
Regie: Martin Scorsese
Musik: Robbie Robertson
Produzenten: Brad Fischer / Mike Medavoy / Arnold Messer / Martin Scorsese
Dauer: ca. 133 Minuten
Erscheinungsjahr: 2010
Altersfreigabe: FSK 16

„U.S.-Marshal Teddy Daniels wird mit seinem neuen Partner Chuck Aule nach Shutter Island beordert. Dort sollen sie klären, wie es einer psychisch gestörten mehrfachen Mörderin gelingen konnte, aus dem absolut fluchtsicheren Ashecliffe Hospital zu entkommen und spurlos zu verschwinden. Im Zuge der Ermittlungen entdeckt Teddy immer mehr schockierende und beängstigende Wahrheiten über die abgelegene Insel und erfährt dabei, dass es Orte gibt, die einen nie mehr loslassen.“
(Rückentext der DVD)

Und da greift man in sein DVD-Regal und zieht eine dieser Überraschungen heraus.

Dieses Mal dreht es sich um „Shutter Island“. Ich bin sonst kein Freund von Psychothrillern und doch gibt es da die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Der Streifen spielte weltweit knapp 300 Mio. USD – bei einem Gesamtbudget von ca. 80 Mio. USD – ein. Damit ist „Shutter Island“ nicht gefloppt.

Bereits mit dem Wissen, dass sich der gesamte Streifen in einer Psychiatrie abspielt, ändert sich die mentale Grundhaltung des Zuschauers. Jede Begebenheit und jede Interaktion wird dadurch doppelt kritisch beäugt. Das Besondere ist, dass sich vor dem Hintergrund einer Psychiatrie vielschichtige und wendungsreiche Geschichten inszenieren lassen. „Shutter Island“ steht dem in fast nichts nach. Insgesamt ist das Setting meistens spannungsgeladen und prominent. Videospiele bedienen sich dieses Stilmittels ebenso sehr wie Serien oder Musikvideos. Das Stilmittel der Psychiatrie hat „Shutter Island“ also nicht gepachtet. Psychiatrien insgesamt haben aber auch eine ganz andere Seite, eine Seite, die in Filmen oder Serien nicht erfasst wird. Es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt, der einem nicht bewusst ist. In gewissem Maße erfüllen diese Anstalten einen weiteren Zweck, denn sie sind als „Lost Places“ Ziel für Touristen und Einheimische, die die vergessenen Orte aufsuchen um in den Bann der ganz besonderen Atmosphäre gezogen zu werden.

Ich kann nur vermuten, dass sich die Menschen von diesem Charme angezogen fühlen. Eine Idee von dem zu haben, was dort geschehen ist. Welche Erkrankungen dort behandelt wurden. Man malt sich aus, dass ein ganz besonders „verrückter“ Patient auf den Fluren unterwegs gewesen ist, vielleicht hat er oder sie sich am Handlauf festgehalten, vielleicht war dieser Patient nicht ganz bei Sinnen und lebte in gewisser Weise in seiner eigenen Welt. Behandlungen wurden vielerorts durchgeführt, die nach modernen Erkenntnissen durchaus auch als Fehldiagnostik, Freiheitsentzug und sogar Folter durchgehen würden.

An dieser Stelle muss ich wieder den Bogen zurück zu „Shutter Island“ schlagen, der das Setting einer Psychiatrie ebenso spannend wie aufregend aufgreift und es damit schafft, nahezu perfekt in Szene zu setzen.
Die Pressestimmen des Jahres 2010 hatten damals die Worte „das Traumgespann“ in den Mund genommen und meinten damit die Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio, denn dieses Duo hat bereits in „Departed – Unter Feinden“, „Aviator“ und „Gangs of New York“ zusammengewirkt. Der später gedrehte Film „The Wolf of Wall Street“ führte das Traumgespann abermals zusammen.

„Shutter Island“ ist erzählerisch attraktiv und ergreifend, gleichzeitig ist er ruhig und unaufgeregt. Einige Szenen könnten so auch in einem Horrorstreifen vorkommen, nicht weil sie geschmacklos oder von übertriebener Härte sind, sondern weil sie einige „grausame“ Rückschlüsse auf das Geschehen erlauben.
Auf so vielen Ebenen bietet „Shutter Island“ Unterhaltung und Spannung, gleichzeitig hat dieser Streifen aber auch seine Schwierigkeiten. Ein in den Vordergrund drängender Soundtrack – der es aber auch schafft, stellenweise Gänsehaut auszulösen – und eine Bedeutungsschwere, die sich vor allem im Mittelteil ausdehnt, mindern teilweise den Filmspaß.

Meine Meinung:
„Shutter Island“ hat seine Gruselmomente und seine hervorragende Geschichte, die sich Stück für Stück auffächert. Als Zuschauer ist man Zeuge eines besonders intensiven Erlebnisses. Schwächen hin oder her, Martin Scorsese – und natürlich auch Leonardo DiCaprio – liefert hier ein Werk ab, das eingeschlagen ist.

DiCaprio lieferte im Jahr 2010 neben „Shutter Island“ einen weiteren prämierten Film ab. „Inception“ erwirtschaftete rund 825 Mio. USD. In der Summe setzte die Beteiligung DiCaprios durch diese beiden Filme insgesamt 1,125 Milliarden USD. um. Im Vergleich dazu: „Toy Story 3“ – der Film mit dem höchsten Einspielergebnis im Jahr 2010 – erwirtschaftet weltweit 1,067 Milliarden USD.
Ganz offensichtlich ist DiCaprios Mitwirken ein kleiner Garant dafür, dass Geld in die Kasse gespült wird.
Der Film ist stark und unterhaltsam. Obendrein ist er ein Paradestück seines Genres. Eine klare Empfehlung meinerseits.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 6,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 8,5 von 10
Setting: 8,0 von 10
GESAMT: 7,9