IP Man 3

Titel: IP Man 3 (Mandarin: „Yè Wèn Sān“)
Genre: Martial-Arts-Film / Eastern
Regie: Wilson Yip
Musik: Kenji Kawai
Produzenten: Raymond Wong
Dauer: ca. 101 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Altersfreigabe: FSK 16

„Hong Kong 1959: Der berühmte Wing Chun-Großmeister Ip Man (Donnie Yen) führt ein ruhiges, zurückgezogenes Leben mit seiner Familie. Doch als sich eine Bande brutaler Gangster unter der Führung des korrupten US-Bauspekulanten Frank (Mike Tyson) gewaltsam immer mehr Land unter den Nagel reißen will, kann Meister Ip nicht tatenlos zusehen. Als Frank nicht einmal vor der Entführung von Ips Sohn zurückschreckt, kommt es zwischen den beiden Kontrahenten zum alles entscheidenden Showdown!“
(Rückentext der DVD)

Nachdem ich mir ja schon Teil 1 und Teil 2 der IP-Man-Reihe angesehen habe, kam ich nicht drum herum, mir nun den abschließenden Teil der Trilogie anzuschauen. Obendrein passt dieser Film ausgezeichnet in den Fortsetzungs-Monat.

Die Handlung dreht sich um den Kampfkunst-Großmeister IP Man, der in seiner Region großes Ansehen genießt. Englische Besatzer machen mit amerikanischen Investoren gemeinsame Sache und so gerät das Gelände der ansässigen Schule in Franks Fokus.
Als dann auch noch Handlanger einige Schüler entführen, um den Direktor der Schule unter Druck zu setzen, und dabei auch der Sohn von IP Man gefangen genommen wird, macht es sich IP Man zur Aufgabe, die Amerikaner zu stoppen.
Das ist allerdings nur ein Teil der Handlung, tatsächlich ist sie allerdings in mehrere Ebenen zu gliedern. Die Erzählweise ist, aufgrund der unterschiedlichen Handlungsstränge, raffiniert. Grundsätzlich ist sie absolut unaufgeregt und dabei so gut strukturiert, dass der Zuschauer kein Problem damit hat, mehr als der Grundgeschichte zu folgen. Ein oder zwei Nebenhandlungen sind im Verlauf des Streifens überhaupt kein Problem.

Mit dem Blick auf die Glaubwürdigkeit schafft es „IP Man 3“ alle seine Handlungsstränge originell und auch echt zu vermitteln. Zum Teil sind die Begebenheiten aus dem wahren Leben von IP Man. An der einen oder anderen Stelle bekommt der Zuschauer aber nicht zu Unrecht das Gefühl, dass eine Begebenheit zu sehr ausgeschmückt wird, dreht der Streifen doch in manchen Szenen eine scheinbar unnötige Schleife.
Im Laufe des gesamten Filmes schafft es „IP Man 3“ aber bei weitem nicht, an die Handlung und die Spannung der beiden Vorgänger heranzukommen, auch wenn die Handlung gut erzählt und ausgeschmückt ist.

Im Punkt der Emotionen bekommt der Zuschauer ein vielfältiges Bild zu sehen. Gegenüber seiner Vorgänger hebt sich „IP Man 3“ da ganz entscheidend ab. Die Darsteller bestechen weniger mit einem kühlen Charakter, als viel mehr mit dem Mut, auch Emotionen zu zeigen. Die größte Entwicklung in der Gesamtgeschichte aller drei Teile hat Donnie Yen gemacht. Das lag nicht zuletzt daran, dass er die größte Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Figur des Großmeisters IP Man ist mit der Zeit lockerer und gleichzeitig offener geworden. Die emotionale Komponente bekommt aber bei allen Figuren eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Wo bei IP Man die grundsätzliche Zufriedenheit in seinem Leben und die starken Gefühle zu seiner Frau Taktgeber der Aktionen und Reaktionen sind, sind es bei Frank auf der einen Seite seine Standfestigkeit, das zu bekommen, was er will und auf der anderen Seite die Zuneigung zu seiner Tochter.
All diese Motive ziehen sich so ziemlich durch den ganzen Cast und für den Zuschauer bedeutet das in erster Linie Filmspaß.
Von der Glaubwürdigkeit der einzelnen Figuren muss ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen zu reden, denn es führt sich das fort, was mit den Emotionen angefangen wurde.

So richtig spannend wird der Streifen leider nie, dafür wird viel zu behäbig ein Spannungsbogen aufgebaut, der sich dann auch noch viel zu früh entlädt. Das Gefühl, das sich beim Zuschauer einstellt, kann man eher als wirklich gesteigertes Interesse bezeichnen, dafür werden einige Sachen einfach außer Acht gelassen, die für einen besseren Spannungsaufbau nützlich sind. Beispielsweise zielt man erst viel zu spät auf einen Showdown ab. Damit will ich nicht sagen, dass 101 Minuten eine lange Laufzeit sind, ganz im Gegenteil, aber die vorhandene Zeit hat man mit Dingen gefüllt, die kaum Auswirkung auf die Spannung haben.

„IP Man 3“ ist ein ganz klassischer Vertreter des Martial-Arts-Genres und tritt damit eins zu eins in die Fußstapfen seiner beiden Vorgänger. Einen ganz besonderen Blick habe ich auf die Action gelegt, es hat sich nämlich der Action-Director zu den beiden vorherigen Filmen geändert. In Teil 1 und 2 war Sammo Hung noch dafür verantwortlich, im dritten Teil dann jedoch Yuen Woo Ping, der auch schon bei der „Matrix“-Reihe und „Kill Bill“ mitgewirkt hat.
Einen qualitativen Unterschied kann man als Zuschauer an dieser Stelle nicht erkennen. Beide stehen mehr oder weniger für unterschiedliche Stilrichtungen, die sich aber sehr ähneln. Sammo Hung steht, meiner Meinung nach, ja doch eher für eine traditionell asiatische Inszenierung der Kampfeinlagen, wohingegen Yuen Woo Ping nicht nur asiatische Elemente in seine Actionsequenzen einfließen lässt, sondern auch immer einen Touch westlichen Kampfsport zeigt. Beide Arten lassen sich einfach wunderbar anschauen und bringen reichlich Spaß und Abwechslung in den Film. Im Mittelpunkt steht aber, nach wie vor, die Kampfsportart Wing Chun.

Die musikalische Untermalung hatte auch wesentlich mehr zu bieten, als es noch seine Vorgänger konnten. Immer mal wieder konnte sich der Zuschauer an sanften Saiten-Klängen erfreuen, die auch immer sehr passend eingesetzt wurden. Dabei stimmte die ganze Zeit auch die Harmonie, die dieser Streifen ausstrahlt. Wirklich sehr schön.

Als Szenenbild dienten einige Ortschaften von Hong-Kong, die man auch nicht als Touristen-Hotspots bezeichnen könnte. Die Einrichtungen scheinen zeitgemäß und passen zumindest optisch zum Ende der 1950er-Jahre. Die Kostüme sind ebenfalls sehr vielfältig. Vom einfachen Bürger, Hafenarbeiter, Kampfsportgroßmeister bis hin zum ausländischen Handelspartner oder Besatzer passen die Outfits perfekt in die Zeit. Die Maske hat auch echt gute Arbeit geleistet. Wunden und Blessuren sehen sehr realistisch aus und wirken auch nicht übertrieben. Insgesamt bietet sich ein optisch sehr rundes Bild, was gefällt.

Meine Meinung:
„IP Man 3“ ist eine weitere Fortsetzung, mit der ich mich in diesem Monat auseinander gesetzt habe.
Eine klare Verschlechterung kann ich für meinen Teil im Gesamten nicht vernehmen, allerdings gibt es Punkte, die im Gegensatz zum Vorgänger schlechter oder eben besser wurden.

Mit diesem Film bekommt man einen guten Martial-Arts-Film, der vermutlich einer der besten seiner Zunft ist. Das sind die ersten beiden Teile allerdings auch. Die Stärken dieses Films sind ganz klar seine emotionale Vielfalt und die musikalische Untermalung. Schwächen ganz klar die nicht so richtig aufkommende Spannung. In der Summe bringt „IP Man 3“ Spaß und ist für Eastern- bzw. Martial-Arts-Fans eine richtig gute Sache.

„IP Man 3“ ist eine gelungene Fortsetzung. Wie sieht es denn bei euch aus? Kennt ihr diesen Film? Was sagt ihr grundsätzlich zu einem dritten Teil und welche Erfahrungen habt ihr mit Fortsetzungen gemacht?
Ich freue mich auf eure Kommentare.

Meine Wertung:
Story: 8,0 von 10
Action: 9,0 von 10
Spannung: 6,5 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 8,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,0 von 10
Setting: 7,0 von 10
GESAMT: 7,7

Reihenfolge:
1. IP Man
2. IP Man 2
3. IP Man 3

Angelehnt an die Story:
IP Man Zero
IP Man – Final Fight

9 Gedanken zu „IP Man 3

  1. Pingback: IP Man | zacksmovie

  2. Pingback: IP Man 2 | zacksmovie

  3. ainu89

    Also ich fand ihn im Vergleich zu seinen Vorgängern doch deutlich schwächer, vor allem wegen der fehlenden Spannung….wobei der Fight gegen Mike Tyson schon echt Laune macht😉!
    Auf jeden Fall eine gute Rezension, die einem ein klares Buld vermittelt.
    Wann gibt’s denn eigentlich mal wieder ein Video von dir? 😉

    Liken

    Antwort
    1. zacksmovie Autor

      Es gibt bereits ein Video.
      In meiner Rezension zu der zweiten Staffel von „Poldark“ findest du eine Review mit Trailer und Bildern und und und.

      Danke aber erstmal für deinen Kommentar.
      Ich mochte „IP Man 3“ sehr gerne und bin rundum zufrieden mit dieser Reihe. Ich bin eh ein kleiner Eastern-Fan.

      Gefällt 1 Person

      Antwort
      1. ainu89

        Oho, das muss ich mir gleich mal anschauen…das muss mir glatt durch die Finger gerutscht sein ;-).

        Ich bin auch immer für Eastern und Martial Arts Filme zu haben aber IP Man 3 fiel für mich im Vergleich zu seinen Vorgängern einfach ein wenig ab….wobei es trotzdem noch ein guter Film ist, die Vorgänger waren einfach nur noch besser 😉

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  4. Pingback: „Der Koffer“ im August 2017 [mit Video] | zacksmovie

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