Sie nannten ihn Jeeg Robot

Titel: Sie nannten ihn Jeeg Robot (ital. „Lo chiamavano Jeeg Robot“)
Genre: Science-Fiction / Fantasy / Action
Regie: Gabriele Mainetti
Musik: Gabriele Mainetti / Michele Braga
Produzenten: Gabriele Mainetti
Dauer: ca. 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2016
Altersfreigabe: FSK 16

„Auf der Flucht vor der Polizei kommt der Kleinkriminelle Enzo mit radioaktivem Abfall in Berührung. Er entwickelt übermenschliche Kräfte, die er konsequent zum eigenen Vorteil nutzt. Als Enzo dabei gefilmt wird, wie er einen Bankautomaten aus der Wand reißt, erlangt er landesweite Berühmtheit und weckt das Interesse des größenwahnsinnigen Mafiabosses Gypsy. Dieser will ihn benutzen, um ganz Rom zu beherrschen. Als Enzo die hübsche und verrückte Alessia trifft, sieht diese in ihm den Manga-Superhelden Jeeg Robot. Sie versucht ihn zu überzeugen, für das Gute zu kämpfen und den Herrn des Feuers zu besiegen…“
(Rückentext der DVD)

Der fünfte Film, den ich zufällig aus dem DVD-Regal gezogen habe ist „Sie nannten ihn Jeeg Robot“.
Die anderen vier waren „Ohne Limit“, „Codename U.N.C.L.E.“, „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ und zu guter Letzt „Iron Sky“. Mal sehen, ob ich mit dem wieder so viel Glück hatte, wie mit fast allen anderen meiner kleinen „Zufallschallenge“.

Die Handlung dreht sich um den Kleinkriminellen Enzo, der durch einen Unfall zu Superkräften kommt. Er erlangt Berühmtheit, nachdem er einen Geldautomaten aus der Wand schlug und riss. Von nun an wird er nicht nur von der Polizei, sondern auch vom durchgeknallten Mafiaboss Gypsy gejagt. Die verrückte Alessia, die er eher zufällig kennenlernt, nennt ihn Jeeg Robot, nach ihrer Lieblingsanimefigur, und versucht ihn von nun an dazu zu überzeugen, Gutes zu tun und sich von der Kriminalität loszusagen.

Die Story um Enzo ist chronologisch und abwechslungsreich erzählt. Dabei erzeugt sie immer wieder Spannung und schafft es, den Zuschauer langfristig und nachhaltig an den Fernseher zu fesseln.
Die Geschichte an sich ist dabei zwar wenig innovativ, aber aufgrund der Inszenierung und dadurch, dass Italien und im Speziellen Rom ein wunderbar unverbrauchtes Bild bietet, erscheint der ganze Streifen in einem interessanten und fesselnden Licht.

Wenn es um die Spannung geht, ist „Jeeg Robot“ auf jeden Fall auf einem guten Weg. Das lässt sich ganz einfach begründen. Wie bereits erwähnt, ist die Geschichte an sich zwar wenig innovativ, allerdings ist die Inszenierung überaus gelungen. Zusätzlich ist die Mischung aus Handlung, Figuren und den entsprechenden Darstellern eine sehr harmonische.

Emotionstechnisch hat „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ auch einiges zu bieten.
Dabei geht es weit über die sichtbaren Emotionen hinaus. Der Grundtenor ist ein eher pessimistischer mit gedämpften Gefühlen. Die charakterliche Entwicklung ist den ganzen Film über stetig und interessant anzusehen. Auch die gezeigten Gefühle sind in der Breite und viel wichtiger in der Tiefe weitestgehend glaubhaft. Es werden nicht nur die üblichen Emotionen wie Wut, Angst, Mut, Trauer oder Hoffnung gezeigt, sondern eben auch Selbstzweifel. Das ganze gepaart mit der Entwicklung, die nahezu jede Figur durchläuft, ist mindestens genauso reizend.

Die Glaubwürdigkeit ist auch absolut vorhanden. Die Leistungen der Darsteller, die durch die Bank in Deutschland nicht bekannt sind, ist überragend. Mit Luca Marinelli bekommt der Zuschauer einen hervorragend spielenden Antagonisten, aber was noch viel besser ist: mit Claudio Santamaria bekommt das Publikum einen richtig gut aufspielenden Protagonisten. Obwohl Enzo von der ersten Minute an eher ein Antiheld ist, wird er doch mit so viel Leben und Charakter gefüllt, dass dem Zuschauer sein Wohl nicht egal ist. Ich persönlich mag es ja, wenn mich ein Film so sehr überzeugt wie dieser.

Die Actionsequenzen sind alle ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist der Streifen die ganze Zeit nicht überladen. Die Action ist immer passend eingesetzt und hat auch sehr gut zur Handlung, Stimmung und Atmosphäre gepasst. Andererseits sehen viele Sequenzen stark bearbeitet bzw. CGI-lastig aus. Das geht sogar so weit, dass „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ leicht trashig aussieht. In dem Fall passt die Action nicht ganz zum Streifen, da so ziemlich alles sehr ursprünglich und bodenständig aussieht. Technisch konnte man wohl die Action nicht anders umsetzen und musste daher auf Greenscreen und CGI zurückgreifen.

Das Setting ist, wie eingangs beschrieben, unverbraucht. Ich fange allerdings mit den Kostümen an, die allesamt sehr normal aussehen. Es gibt keine aufwendigen Kostüme, Rüstungen oder ähnliches. Dieser Umstand lässt Enzo mehr als einen normalen Menschen wirken und unterstreicht auch mehr dieses Antihelden-Image.
Die Maske hat eine echt gute Arbeit geleistet. Wunden und andere körperliche Veränderungen sehen sehr wertig und echt aus. Dabei wird auch nicht übertrieben viel Kunstblut vergossen.
Die Schauplätze bzw. Kulissen sind Rom und seine Umgebung. Italien ist in den letzten Jahren so gut wie ganz in den Hintergrund geraten, wenn es um Filmschauplätze geht. Umso erstaunlicher ist man als Zuschauer, dass man mit „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ einen Streifen bekommt, der so gut wie nichts mit ARTHAUS oder anderen „Kulturfilmen“ zu tun hat. In diesem Setting passt die ganze Geschichte um Enzo sehr, sehr gut.

Die Musik ist absolut passend, meistens auf den Punkt und immer mit dem Vorsatz Spannung zu erzeugen und die Atmosphäre zu stützen. Hin und wieder wird es auch etwas episch, in diesen Momenten weiß man nicht, worauf man mehr achten soll: Film oder Musik? In diesen Szenen ist die musikalische Untermalung tatsächlich drüber und zu sehr im Vordergrund.

Meine Meinung:
„Sie nannten ihn Jeeg Robot“ hat mich vollkommen überrascht. Ich mag den ganzen Film von vorne bis hinten. Zum einen liegt es daran, dass ein (Anti-)Held eher unfreiwillig entsteht und dann auch noch durch radioaktiven Müll. Auch das ist ein Umstand, der extrem gut passt, denn im aktuellen Kino gibt es derzeit keinen Helden, der auf diesem Weg zu seinen Kräften gekommen ist.

Rom bzw. Italien insgesamt hat seit jeher vielfältige Möglichkeiten dargestellt zu werden und es freut mich, endlich mal wieder ein erstaunlich unverbrauchtes Setting zu Gesicht zu bekommen.

Um es auf den Punkt zu bringen: „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ ist ein künstlerisch wertvoller Film, der mit wundervollen Figuren, einem frischem Setting und einer spannenden Inszenierung daherkommt. Ich kann nicht nur, ich muss sogar eine Empfehlung aussprechen und da mich dieser Streifen nicht nur gut unterhalten, sondern auch noch echt überrascht hat, bekommt „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ mein Highlight-Siegel.

Meine Wertung:
Spannung: 8,0 von 10
Story: 6,0 von 10
Länge: 8,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 9,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Musik: 7,5 von 10
Action: 6,0 von 10
Setting: 9,0 von 10
GESAMT: 7,7

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7 Gedanken zu „Sie nannten ihn Jeeg Robot

      1. zacksmovie Autor

        Ja, aber so wie ich das sehe, ist diese Szene zwar unterste Schublade, allerdings ist sie auch Ausdruck des eigentlichen schlechten Charakters der Hauptfigur.
        Und ich hatte auch das Gefühl, dass die Hauptfigur die Tat bereut.

        Gefällt 1 Person

  1. Pingback: „Der Koffer“ im Juli 2017 – zacksmovie

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