[Gastrezension] Real Humans (Staffel 1)

Titel: Real Humans – Echte Menschen (Staffel 1) (schwed.: „Äkta människor“ (Säsongen 1))
Idee: Lars Lundström
Genre: Science-Fiction / Drama
Musik: Rikard Borggård
Dauer: 10 Folgen à ca. 60 Minuten
Erscheinungsjahr: Schweden: 2012 / Deutschland: 2013
Altersfreigabe: FSK 16

„Eine Welt, in der menschliche Roboter so selbstverständlich zum Eigentum eines Bürgers und zum Alltag gehören, wie ein Auto. Viele Menschen besitzen bereits einen Hubot, noch mehr träumen davon, sich irgendwann eins der Auslaufmodelle leisten zu können.
Doch unter den Hubots gibt es auch Exemplare, die sich von der menschlichen Zivilisation losgesagt haben und fernab von ihr leben. Sie sind mit ihrem Dasein als Eigentum der Menschen nicht zufrieden. Zu dieser Spezies gehören Leo (Andreas Wilson), Mimi (Lisette Pagler) und Niska (Eva Röse). Sie sind „wilde“ Hubots, die für ihre eigenen Rechte und ihre Freiheit kämpfen. Doch eines Nachts wird Mimi entführt und auf dem Schwarzmarkt an einen Menschen verkauft…“
(Rückentext der DVD)

Ich habe eine seltsame Faszination für Filme über Roboter oder künstliche Intelligenzen. Nicht umsonst standen Filme wie „Ex Machina“, „Her“, „Der 200 Jahre Mann“ oder „I, Robot“ schnell weit oben auf meiner Prioritäten- oder Favoriten-Liste.
Als ich durch die Serien-Gänge bei Saturn lief und schaute, was mich interessieren könnte, fiel mir zum ersten Mal „Real Humans – Echte Menschen“ ins Auge. Anders als sonst überlegte ich nicht noch lange und kaufte es Wochen später, sondern nahm die erste Staffel direkt mit. Und dann lag sie nicht lange ungesehen herum.

Die Human Robots – Hubots –sind ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft geworden. Die einfachen Modelle kann man nur als optisch ansprechende Maschinen ansehen. Doch umso teurer der Hubot ist, umso mehr leistet er. Von Altenpflege, über Haushaltshilfe bis hin zu emotional lernenden Ansprechpartnern können sie für vieles gut sein.
Doch nicht alle Roboter wollen nur dienen. Eine kleine Gruppe freier Hubots möchte für ihre Rechte als gleichwertig anerkannt zu werden, kämpfen. Mimi wurde von Schwarzmarkthändlern entführt, umprogrammiert und lebt nun bei Familie Engman als neuer Familien-Hubot Anita. Doch sie wird von den anderen fieberhaft gesucht. Doch nicht nur ihre Gruppe ist hinter ihr her. Auch der Geheimdienst hat ein tiefes Interesse an ihr…

Mich persönlich sprach das Thema von vornherein an. Einfach weil ich generell großes Interesse daran habe. Doch auch für die Allgemeinheit könnte es vor allem in Hinblick auf das schnelle Voranschreiten der Technologien interessant sein, eine mögliche Zukunft zu sehen. Die Chancen und Gefahren von Robotern sind zwar insgesamt bekannt und „Real Humans“ liefert da nicht viel Neues. Aber es wurde dafür optisch ansprechend aufbereitet.

Und gerade das optische Ansprechen ist wohl einer der größten Pluspunkte dieser Serie.
Heute ist man eher daran gewöhnt zu staunen, wie real Computertechnik in Filmen schon aussieht. Green-Screen-Wunderwelten oder digital aufbereitete Schauspieler, wie es zuletzt „Rogue One“ im großen Stil mit den alten Star-Wars-Schauspielern machte. Bei „Real Humans“ kam ich aber kaum aus dem positiven Staunen heraus, wie künstlich alles aussieht. Es war ein großer Spaß zu sehen, wie unecht die Schauspieler nicht nur aussahen, sondern sich auch bewegten und sprachen. Manches Mal erwischte ich mich sogar dabei, dass ich ein wenig enttäuscht war, wenn die Hubot-Bewegung zu flüssig aussah.

Die Kulissen hielten sich an Zukunftsvorstellungen, wie sie schon seit Jahren in den Filmen zu sehen sind: viel weiß, viel Chrom, viel Purismus. Doch daneben gibt es in der Serie auch sowohl die normalen, realistischen Familienhäuser mit viel Holz und warmen Farben als auch die zwielichtigen Kaschemmen, in denen Hubots illegal bearbeitet werden.

Doch so schön ich die Serie sowohl von der Grundthematik als auch von der Optik fand, so sehr haben sich Schwächen gezeigt.

Mit insgesamt 10 Stunden Laufzeit geht „Real Humans“ ein wenig über eine klassische Mini-Serie hinaus, was durchaus schön ist. Die gute Stunde pro Folge war dagegen manches Mal zu lang. Vor allem, weil die Geschichte sich lange im Kreis drehte und nicht so recht vorankommen wollte. Kürzere, thematisch konzentriertere Folgen hätten der Serie gut getan.

Doch die Folgen können einem nur zu lang vorkommen, wenn es an der Spannung hapert. Und das tat es leider gewaltig. Man wird förmlich dazu eingeladen, sich nebenbei mit dem Handy zu beschäftigen, weil die Story oft auf der Stelle tritt und Überraschungen zu selten sind. Es gibt wahnsinnig wenig, was ein großes Rätsel aufgeworfen hat, das es zu entschlüsseln gilt. Vieles läuft so nebenbei und entwickelt sich im Laufe der Handlung.
Da hilft es auch nicht, dass vor allem die Lebensgeschichte der freien Hubots nur nach und nach in Rückblicken aufgedeckt wird.
Insgesamt fühlte es sich so an, als wurde ein kleiner Fakt zu etwas großem – zu großem – aufgebauscht.

Nichtsdestotrotz gab es verschiedene Handlungsstränge abseits der Hauptgeschichte, die klug miteinander verwoben waren und einen Blick nach links und rechts erlaubten. Vor allem hier steckten die verschiedenen Meinungen über Roboter – Hass, Angst, Eifersucht, Recht auf Rechte. Aber wie bereits gesagt, hier boten sich wenig bis keine neuen Einblicke.
Und doch werden die angestrebten Genres „Drama“ und „Science Fiction“ ausreichend bedient. Obwohl für das große Drama sicher mehr Spannung hätte drinstecken müssen.

Damit ist man aber auch schon bei den Emotionen. Auch wenn es im Prinzip eine Serie über Roboter ist, stehen die echten Menschen, die real humans, mindestens gleichrangig, wenn nicht sogar zu einem größeren Teil, im Fokus. Sie vertreten die verschiedenen Positionen. Sie sind Besitzer, Partner, Gegner, Hubot-Unternehmer. Und da ein breites Spektrum an verschiedenen Personen abgedeckt wird, zeigten sich überaus vielfältige Emotionen, die eine Gesellschaft und das alltägliche Leben sehr gut widerspiegelten. Dabei war nichts zu doll oder zu wenig. Die Schauspieler haben etwas Gutes abgeliefert.
Doch auch hier lag mein Augenmerk sicher auf der authentischen Darstellung der Künstlichkeit durch die Hubot-Darsteller.

Musikalisch ist die Serie leider kein Meisterwerk. In den ersten Folgen fiel sie mir überhaupt nicht auf. Und auch als ich mich extra auf die Musik konzentrierte, musste ich lange warten, bis ich die ersten Töne vernehmen konnte. Sehr spärlich ist die Begleitmusik eingesetzt. Dafür unterstützt sie dann aber an den richtigen Stellen die Stimmung.

Meine Meinung:
Insgesamt wird „Real Humans“ sicher nicht meine neue Lieblingsserie werden. Ich fand sie durchaus interessant und auch schön zum Nebenbeischauen. Leider war sie mir nicht spannend genug und schaffte es selten, mich wirklich an den Bildschirm zu fesseln. Ironischerweise habe ich trotzdem innerhalb von drei Tagen die ganze Serie gesehen. Zum Teil vier Folgen am Stück. Ich musste mich nicht hindurchquälen oder langweilen. Aber so richtig kam ich über das Gefühlsgemisch: „Ja, war ganz ok.“ und „Na mal gucken, ob sich in der nächsten Folge alles weiterentwickelt.“ nicht hinweg.
Trotzdem werde ich mir die zweite Staffel demnächst kaufen und ansehen.
Vor allem werde ich mir aber die amerikanische Adaption „Humans“ kaufen und mit dem Original vergleichen. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

Meine Wertung:
Story 6,0 von 10
Genre: 7,0 von 10
Spannung: 4,0 von 10
Länge: 5,0 von 10
Authentizität: 8,0 von 10
Emotionen: 8,5 von 10
Setting: 8,0 von 10
Musik: 3,0 von 10
GESAMT: 6,2

Autor: buecherherz

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