Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Titel: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (schwed. „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann “)
Genre: Komödie / Romanverfilmung
Regie: Felix Herngren
Musik: Matti Bye
Produzenten: Felix Herngren / Malte Forssell / Henrik Jansson-Schweizer / Patrick Nebout
Dauer: ca. 110 Minuten
Erscheinungsjahr: 2013
Altersfreigabe: FSK 12

„Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Doch anstatt sich auf die geplante Geburtstagsfeier zu freuen, verschwindet er lieber kurzerhand aus dem Altersheim und macht sich in seinen Pantoffeln auf den Weg zum örtlichen Busbahnhof. Raus aus der Langeweile und rein in ein neues Abenteuer. Während seiner Reise kommt er zu einem riesigen Vermögen, findet neue Freunde und trifft auf Gauner und Ganoven. All das ist für Allan aber schon lange nichts Besonderes mehr, hat er doch die letzten 100 Jahre maßgeblich dazu beigetragen, das politische Geschehen in der Welt unbewusst auf den Kopf zu stellen…“
(Rückentext der DVD)

Bevor der zweite Teil „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ ins Kino kommt, wollte ich zunächst seinen Vorgänger gesehen haben. Da es nicht nur mir so geht, sondern auch meiner Herzdame, hat sie sich kurzerhand um die DVD gekümmert.

Diese schwedische Komödie von Felix Herngren basiert auf dem gleichnamigen Weltbestseller von Jonas Jonasson.
Die Story ist abwechslungsreich und breit erzählt. Da haben wir Allan (gespielt von Robert Gustafsson), der seine eigene Geschichte in mehreren Ebenen erzählt. Zum einen präsentiert er uns fortlaufend das aktuelle Geschehen und schweift in seiner Erzählung immer wieder ab. Passend dazu erinnert er sich an Vergleichbares, das er schon einmal erlebt hat. Diese Rückblenden werden immer wieder aus dem Off durch ihn selbst kommentiert.
Auf der anderen Seite gibt es noch die Nebendarsteller, aus deren Sicht wir auch immer wieder Teile das aktuelle Geschehen betrachten dürfen.
Erzählerisch wartet da der Streifen durch seine besondere Technik auf.

Was die Spannung betrifft könnte der Streifen von der Grundthematik fast nicht langweiliger sein. Ein alter Sack steigt aus dem Fenster und verschwindet. Mehr ist es tatsächlich nicht.
Was der Regisseur allerdings aus dieser einfältigen Idee macht, ist umso bemerkenswerter. Tatsächlich schafft er es, alles so aussehen zu lassen, als ob der Film extrem aufregend wäre. Felix Herngren hat das nur geschafft, weil die Figuren wunderbar miteinander interagiert haben. Wenn man so will, ist die Charakterkonstellation wie ein zweischneidiges Schwert: Es hätte richtig gut werden können oder ein kompletter Griff ins Klo. Schlussendlich muss man sagen, dass der Streifen interessant ist, ohne spannend zu sein, aber eben auch spannend ohne interessant zu sein. Egal was er ist, es passt zu ihm und verleiht ihm einen gewissen Charme.

Der Humor ist extrem trocken und schwedisch kühl. Dabei ist das Witzige nicht der pointierte Gag, sondern die Situation bzw. die Situationen. Manch einer mag da schallend lachen, andere wiederum werden nur leicht in sich hinein grinsen. Auch hier ist es extrem geschmacksabhängig, ob man als Zuschauer diesen Film witzig findet.
Grundsätzlich spricht dieser Film in puncto Witz nicht die breite Masse an, obwohl er nicht aufgesetzt oder künstlich und noch viel weniger vulgär oder unpassend ist.

Die Emotionen und auch die Authentizität sind direkt miteinander verbunden. Emotionstechnisch ist dieser Streifen aus Schweden genau das, was man von ihn erwartet: Stark zurückgenommen und extrem unterkühlt. Authentisch ist er aufgrund dieses Klischees eben auch und überhaupt ist keiner der Figuren aufgesetzt oder unglaubwürdig. Selbst die extrovertierte und irgendwie verschrobene Gunilla wirkt in diesem Film alles andere als deplatziert. Es ist eben das Gesamtpaket, das bei „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ stimmt und deswegen gibt es bis auf ein paar Ungereimtheiten bzw. Unstimmigkeiten in der Charakterkonstellation wenig, was ich zu bemängeln habe.

Die Musik ist außergewöhnlich, damit will ich aber nicht sagen, dass die besonders ist. Sie ist eben genau das, was ich nicht erwartet hatte. Viele Bläser und Trommler die einen leichten Marsch-Kapellen-Charme mitgebracht haben und dadurch irgendwie nicht nur die Story, sondern auch den Witz untermalt haben. Mit der Auswahl der Stücke hat man in gewisser Weise einen Glücksgriff gelandet.

Meine Meinung:
„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist eine Romanverfilmung, der man ihren Charme nicht absprechen kann. An dieser Stelle muss ich aber sagen, dass ich seine technischen Vorzüge anerkenne, aber grundsätzlich wenig begeistert von dem Film bin.
Er konnte mich eben nicht mitreißen und vielleicht ist die Story für mein Empfinden zu sehr konstruiert.

Ich kann aber dennoch auch eine Empfehlung aussprechen für all diejenigen, die einen besonders trockenen Humor haben und eben auf skandinavische Filme stehen.

Meine Wertung:
Story: 7,0 von 10
Humor: 7,5 von 10
Musik: 8,5 von 10
Länge: 7,0 von 10
Authentizität: 8,5 von 10
Gefühl/Emotionen: 6,0 von 10
GESAMT: 7,4 von 10

Reihenfolge:
1. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
2. Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

5 Gedanken zu „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

  1. christianneffe

    Ich mag ja eigentlich das skandinavische Kino. Der hier aber konnte mich nicht mal ansatzweise begeistern oder erfreuen. Für mich leider nur eine schwächere Abkupferung von Forrest Gump…

    Liken

    Antwort
  2. Pingback: „Der Koffer“ im Februar 2017 – zacksmovie

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