Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Birdman_CoverTitel: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (engl.: „Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance))
Genre: Komödie / Drama
Regie: Alejandro González Iñárritu
Musik: Antonio Sánchez
Produzenten: Alejandro González Iñárritu / John Lesher / Arnon Milchan / James W. Skotchdopole
Dauer: ca. 114 Minuten
Erscheinungsjahr: 2014
Altersfreigabe: FSK 12

„In diesem ‚fieberhaft witzigen’ Film (New York Times) von Alejandro G. Iñárritu zeigt Michael Keaton ‚die beste Leistung seiner Karriere’ (Rolling Stone). Er spielt den ehemaligen Filmstar Riggan Thomson, der alles riskiert und zur Rettung seiner Karriere eine Broadway-Show finanziert. Dabei muss er es mit Kollegen, Kritikern, seinem gestörten Alter Ego, seiner ihm fremd gewordenen Tochter (Emma Stone) und einer launischen Bühnendiva (Edward Norton) aufnehmen.“
(Rückentext der DVD)

Das Interesse an „Birdman“ ist die ganze Zeit schon vorhanden, allerdings hatte ich immer noch Bedenken. Was ist, wenn mir der Film nicht gefällt? Was ist, wenn meine Erwartungen komplett andere sind, als das, was mir dieser Streifen gibt?
Eine Empfehlung war dann ausschlaggebend und ich schlug zu bei meinem nächsten Besuch bei dem DVD-Dealer meines Vertrauens.

Die Handlung dreht sich um Riggan Thomson, der ein Schauspieler ist und seine besten Tage bereits hinter sich hat. Mit seiner Rolle als Birdman hat er Erfolge gefeiert und wurde dadurch berühmt. Birdman liegt nun einige Jahre zurück und Thomson will seiner Karriere einen neuen Impuls geben, um wieder in die Spur zurück zu kommen. Als Bühnendarsteller, Drehbuchautor und Regisseur inszeniert er ein Theaterstück am Broadway und sieht sich dort vielen Problemen gegenübergestellt.
Angefangen bei den Finanzen, über seine Tochter, welche ein kleines Problem mit Drogen hat, bis hin zu seinem neuen Nebendarsteller, der ihm zu jeder Zeit die Show stehlen kann. Und wenn das noch nicht genug ist, wird er ständig mit seinem längst vergangenen Erfolg konfrontiert. Birdman.

Wer hier jetzt einen Actionfilm erwartet hat, der liegt vollkommen daneben. Mit diesem Film bekommt der Zuschauer kein Actionspektakel oder Science-Fiction par excellence geboten, sondern nichts weniger als eine dialoglastige Geschichte mit dramatischen und humoristischen Ausflügen.
Die Spannung rührt daher immer von einer guten darstellerischen Leistung, angeregten Konversationen und den sehr schwierigen Umständen, denen sich Thomson ausgesetzt sieht. Michael Keaton spielt einen klaren Sympath, der zwar etwas in die Jahre gekommen ist, aber immer noch versucht, Geld ins Haus zu schaffen. Er ist jemand mit einer Idee, an die er ganz fest glaubt, weil es vermutlich nicht mehr viele gute Ideen in seinem Leben geben wird, an die er glauben kann. Aber auch alle anderen Figuren sind wichtig, damit dieser Film spannungstechnisch funktioniert. Edward Nortons Figur ist Genie und Wahnsinn zugleich. Besonders auch in Interaktion mit Michael Keaton entstehen Szenen, die sehr situationskomisch sind. Die Nebendarsteller wie Zach Galifianakis, Emma Stone oder Naomi Watts sind aber keineswegs hinter den anderen beiden. Auch sie tragen maßgeblich dazu bei, um witzige Momente hervorzuheben oder tragische Szenen zu verdeutlichen. Spannung entsteht dabei immer wieder durch gemeinsame Handlungen oder skurrile Begebenheiten.

Die Dialoge sind überaus unterhaltsam und geprägt von satireartigem – teilweise sogar schwarzem – Humor. Nicht jeder Zuschauer wird lachen, da es sich bei diesem Witz nicht um pointierte Phrasen oder Sprüche handelt, sondern um die kleinen Feinheiten des zwischenmenschlichen Lebens. Es wird gestichelt, gekonnt Salz in die Wunde gestreut und das auf eine sehr trockene, aber doch humorvollen Weise.
Auch die Szenen mit Emma Stone sind immer wieder von satirischem Charakter. Insgesamt kann man aber sagen, dass durch diesen Witz bedingt, die großen Lacher ausbleiben. Es ist eher ein Schmunzeln oder dergleichen, was man im Gesicht des Zuschauers beobachten kann.
In Kombination mit den tragischen Momenten erlebt das Publikum ein stetiges Bergauf und Bergab.

Gefühle und Authentizität sind in so einem Streifen, bei dem man nicht immer wieder durch Action ablenken kann, ein besonders wichtiger Punkt. Die darstellerische Leistung muss „on Top“ sein, um zu überzeugen. Auf den Schultern der Schauspieler lastet nichts Geringeres als die Story.
„Birdman“ besteht die meiste Zeit aus Charakterszenen und das, was man sieht, ist oft sehr gut.
Sowohl die witzigen Momente als auch die tragischen werden gekonnt und glaubhaft dargestellt. Inmitten von Tragik und Drama ist da Zach Galifianakis, der mit seiner Rolle der ruhige Pol ist. Besonnen und adrett verkörpert er Jake und das mit nötiger Überzeugungskraft und einem Maximum an Glaubwürdigkeit.
Schaut man sich den kompletten Cast an, dann stellt man bei jeder Figur dieses hohe Niveau fest.
Am Beispiel von Michael Keaton ist es aber besonders gut festzumachen. Er spielt die Hauptfigur, die alles durchsteht. Der Erwartungsdruck, aber auch die finanziellen Sorgen vereinen sich in seiner Person. Die teilweise Missachtung seiner Tochter, die Erinnerung an seine Erfolge mit Birdman und die Unverfrorenheit des neuen Nebendarstellers Mike Shiner (Edward Norton), belasten ihn ebenso sehr, wie die Arbeit an seinem Theaterstück. Gefühlstechnisch kann man dazu nicht sagen, dass es in irgendeiner Form Hass, Liebe, Gleichgültigkeit oder Zutrauen gibt, es ist eine Art alltägliches Gefühl. Der Zuschauer spürt es und sieht es anhand der Mimik, der Taten und erkennt es, weil man sich in den meisten Figuren so wunderbar hineinversetzen kann.

Die Musik war außergewöhnlich. Ein Jazz-Schlagzeug begleitet die meisten Handlungen mit einem sehr variablen Rhythmus. Der Sound ging die meiste Zeit durch Mark und Bein und trieb förmlich das Geschehen an. In jedem Fall unterhaltsam. Klassische Stücke waren auch dabei und sorgten für die nötige Abwechslung. Luft nach oben wäre dennoch vorhanden, da die Jazzmusik ja nicht nur ein Schlagzeug beinhaltet, sondern auch durch Bläser und Streicher ein besonders breites Spektrum erhält.

Die Länge ist ein schwieriger Punkt. Mit 114 Minuten hat „Birdman“ grundsätzlich eine durchschnittliche Laufzeit. Teilt man diesen Film in zwei Hälften muss man sagen, dass beide Teile besonders unausgeglichen sind. In der ersten Hälfte gibt es Längen, die teilweise unnötig sind. Zwar gibt es immer wieder diese tollen Dialoge, allerdings ist es ein Konzentrationsakt, um am Ball zu bleiben.
Die zweite Hälfte fühlt sich da gleich ganz anders an. Der Zuschauer ist in der Geschichte und bei den Figuren. Auch die Längen bleiben aus und so vergeht die Zeit wie im Flug.

Birdman_DVDMeine Meinung:
„Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ zeigt uns endlich mal wieder, was Kino kann. Ein wunderbarer und intensiver Film, von dem ich zunächst nicht wusste, was ich von ihm halten soll.

Mein persönliches Empfinden tendiert ganz klar dahin, dass ich auf diese witzigen Konversationen stehe. Ich mochte die Figuren und was mit ihnen passiert. Ich finde das Szenario sehr ansprechend und auch die Umsetzung war gekonnt. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten.

Ich bin froh, dass ich auf die Empfehlung gehört habe und ebenso, dass ich mir diesen Film zugelegt habe.

Die Schwächen von „Birdman“ sind zwar marginal aber vorhanden. Der Humor ist nicht eingängig und nicht pointiert, für mich kein Problem, aber auf keinen Fall massentauglich. Die Länge ist schwierig und auch storytechnisch hapert es am Anfang. Ab dann ist es allerdings kein Problem.

Wer auf großes Kino steht und einen großen Fernseher im Wohnzimmer hat, der sollte sich diesen Film auf alle Fälle anschauen.

Meine Wertung:
Humor: 8,0 von 10
Spannung: 8,5 von 10
Story: 8,5 von 10
Länge: 7,0 von 10
Gefühl/Emotionen: 10 von 10
Authentizität: 10 von 10
Musik: 8,0 von 10
GESAMT: 8,6

3 Gedanken zu „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

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