[Gastrezension] Schneewittchen und die sieben Zwerge

IMG_4473Titel: Schneewittchen und die sieben Zwerge (engl.: „Snow White and the Seven Dwarfs“)
Genre: Zeichentrickfilm
Regie: David D. Hand
Musik: Leigh Harline / Paul J. Smith / Frank Churchill / Oliver Wallace
Produzenten: Walt Disney
Dauer: ca. 80 Minuten
Erscheinungsjahr: 1937
Altersfreigabe: FSK 0

„Mit ihrer liebenswerten Art zieht die wunderschöne Prinzessin Schneewittchen jedes Lebewesen im Königreich in ihren Bann – nur nicht ihre kaltherzige Stiefmutter, die Königin des Landes. Als ein verwunschener Zauberspiegel Schneewittchen als die Schönste im ganzen Land bezeichnet, muss das Mädchen von ihrer eifersüchtigen Stiefmutter fliehen. Im Wald hinter den sieben Bergen findet sie Zuflucht bei den liebenswerten Zwergen Chef, Happy, Schlafmütz, Hatschi, Pimpel, Brummbär und Seppl. Doch als die böse Königin das ahnungslose Schneewittchen aufspürt und mit einem Apfel vergiftet, kann nur die Magie eines Kusses sie noch retten!”
(Rückentext der DVD)

Dieser Film ist fast 80 Jahre alt und das Märchen der Gebrüder Grimm, auf dem er beruht, schon über 200 Jahre alt.
Wie soll man also einen Film bewerten, der erstens den aktuellen Filmstandards gar nicht entsprechen kann und mit dessen Geschichte jedes Kind aufwächst?
Aber ihn wegfallen lassen geht nicht. Er war doch immerhin der erste abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios und legte damit den Grundstein für so viele wundervolle Filme.

Die Geschichte wird bereits komplett vom Klappentext wiedergegeben.
Schneewittchen mit der Haut weiß wie Schnee, den Lippen rot wie Blut und den Haaren schwarz wie Ebenholz muss vor ihrer bösen Stiefmutter fliehen und gelangt so in den Wald zu den sieben Zwergen. Hier schläft sie in den Bettchen, trinkt aus den Becherchen und isst von den Tellerchen der sieben zu kurz geratenen Diamantenminenarbeiter.
Doch damit ist die Gefahr der Königin noch lange nicht gebannt. Die bösartige Stiefmutter macht sich auf den Weg, um die Prinzessin endgültig loszuwerden.

Die Original-Geschichte ist dabei ganz schön gekürzt worden. Mordversuche mit dem Schnürgürtel oder dem Kamm fehlen und die Königin muss sich am Ende auch nicht in glühenden Schuhen tottanzen.
Disney hat das Ganze also wieder etwas kinderfreundlicher gestaltet als es die Gebrüder Grimm getan haben.

Eine richtige Spannung kommt nicht auf. Auch wenn Schneewittchen auf der Flucht ein paar schwierige Momente hat und man weiß, dass die Königin noch auf der Jagd nach ihr ist. Doch liegt die Entspannung wirklich an der fehlenden Aufregung oder eher an dem Auswendigkennen? Eventuell ist es eine Mischung aus beidem.

Insgesamt ist diese Geschichte aber doch eher ungewöhnlich mit den Zwergen im Wald, den intelligenten Tieren und der Königin, die die Prinzessin dringend vergiften möchte.

Mit den Figuren wurde ein Mix aus interessanten Figuren erstellt. Allen voran sind hier die charakterlich sehr unterschiedlichen Zwergen zu erwähnen, jedoch auch die gutherzige Schneewittchen oder die gefährliche Königin machen den Charme des Filmes aus.
Vor allem das Mädchen kann ein Vorbild für viele Kinder sein mit ihrer Empörung über das dreckige Geschirr, das schmutzige Haus und die ungewaschenen Hände der sieben Männer.

Die Musik spielt natürlich schon im ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm von Disney eine große Rolle.
Mit „Wer bei der Arbeit pfeift“ und „Heiho“ sind zwei Lieder erhalten, die es bei vielen Zuschauern auch in den Alltag geschafft haben.
Der Gesang – vor allem bei den Solostücken von Schneewittchen oder dem Prinzen – ist sehr operettenhaft.
Doch auch die Filmmusik abseits der richtigen Lieder spielt eine große Rolle. Bewegungen sind richtig mit Instrumenten unterlegt, ohne wirklich als „Musik“ zu zählen. Es wirkt, als wären die Noten eine Erweiterung des Gesehenen, der Körperbewegungen, Aktionen oder Mimiken.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass man dem Film sein Alter zu Teilen ansieht.
Obwohl ich das echte Zeichentrick ohne Animationen immer noch wunderschön, ja irgendwie „echter“ finde, scheint sich Disney erst noch warmmalen zu müssen. Flächen sind einfarbig, ohne Licht und Schatten oder eine Illusion von Tiefe. Der Film wirkt flächig und deutlich 2D.
Manches Mal gibt es ein Wackeln oder Flimmern der Figuren, als hätten die Zeichnungen nicht richtig gut aufeinander gepasst. Die Personen heben sich auch mit ihren strahlenden und gleichmäßigen Farben deutlich von den unbewegten Hintergründen ab. Sie wirkten immer ein wenig in die Szene hineingesetzt.
Doch nicht nur die Optik versprüht einen altmodischen Charme, sondern auch die überaus höfliche Sprache und die Reime, in denen sehr häufig gesprochen wird.

Obwohl der Film nur 80 Minuten lang ist, empfand ich vor allem durch die Lieder, die die Story nicht weiterbrachten, sondern einfach nur der Unterhaltung dienten, Längen.
Insgesamt ist es ein eher ruhiger Film.

Meine Meinung:
Ich bin kein Fan von alten Filmen. Aber bei Disney mache ich da natürlich eine Ausnahme. Mir sind die alten Elemente jedoch deutlich ins Auge gesprungen.
Da ich den Film wie meine Westentasche kenne, ist eine vollkommen objektive Bewertung nur schwer möglich. Vor allem auch, da man heute eher rasante, actionhaltige Filme konsumiert. Da scheint sich ein eher ruhiger Film schon einmal zu ziehen. Für die 40er Jahre, in denen der Film entstand, war das sicher angemessen und passend. Vor allem, da auf der ganzen Welt schon genug – nennen wir es – „Unruhe“ herrschte. Trotzdem fällt die Bewertung nach heutigen Maßstäben aus. Ich kann mich zu wenig in die Techniken und Gefühle der Filmkonsumenten der 1940er Jahre hineinversetzen.
Insgesamt ist Schneewittchen mit seinen süßen Zwergen, intelligenten Tieren und der liebenswürdigen Prinzessin aber einfach unglaublich niedlich anzusehen.

Meine Wertung:
Story: 8,5 von 10
Spannung: 6,0 von 10
Zeichentrick: 5,0 von 10
Länge: 7,0 von 10
Musik: 8,5 von 10
GESAMT: 7,0

Autor: buecherherz

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